EarFun Air im Test: Feature-Feuerwerk für 60 Euro vernachlässigt den Klang

Frank Hüber 40 Kommentare
EarFun Air im Test: Feature-Feuerwerk für 60 Euro vernachlässigt den Klang

tl;dr: Die kabellosen In-Ear-Kopfhörer EarFun Air bieten für nur 60 Euro viele Funktionen. Sie sind wasserdicht und beherrschen Wireless Charging, ein automatisches Pausieren beim Herausnehmen bzw. Fortsetzen beim Einsetzen, Schnellladen, Einzelnutzung und AAC. Qualität und Klang bleiben aber etwas auf der Strecke.

Mit den EarFun Free (Test) hat der Hersteller EarFun bewiesen, dass er viele Funktionen und einen insgesamt guten Klang mit einem günstigen Preis kombinieren kann. Das Modell ist deshalb nicht grundlos eine gute und beliebte Wahl, wenn das Gesamtpaket und nicht der beste Klang im Vordergrund steht. Mit den EarFun Free setzt das Unternehmen nicht nur auf ein anderes Design mit Schaft, sondern auch auf zusätzliche Funktionen, die die In-Ear-Kopfhörer im Alltag noch besser machen sollen.

Die EarFun Air sind wasserdicht, bieten unter anderem Wireless Charging, einen Schnellademodus und eine Ohrerkennung für das automatische Pausieren und Fortsetzen der Wiedergabe und lassen sich zudem einzeln nutzen. Bei den Air setzt EarFun anders als bei den Free auf ein längliches Design, die Ohrhörer werden aber dennoch nicht nur in die Ohrmuschel eingehängt, sondern mit Silikon-Einsätzen in den Gehörgang geschoben.

An einem gemessen an den Funktionen günstigen Preis von 59,99 Euro halten auch die EarFun Air fest. Dass das Gesamtpaket inklusive Klang erneut überzeugt, muss sich aber zunächst im Test unter Beweis stellen.

Technische Daten der EarFun Air

Kleines, aber dickes Ladecase

Das Ladecase der EarFun Air fällt mit 52 × 53 × 33,9 mm (H × B × T) zwar recht kompakt aus, trägt aufgrund der Dicke in der Hosentasche aber deutlich auf. Dünne Ladecases wie das der Samsung Galaxy Buds+ (Test) kommen auf nur 70,0 × 38,8 × 26,5 mm und die Apple AirPods Pro (Test) auf lediglich 45,2 × 60,6 × 21,7 mm.

Das Gewicht des Ladecases liegt bei geringen 44 g. Das Exemplar der Samsung Galaxy Buds+ ist zum Vergleich ebenso wie das der Apple AirPods rund 40 g schwer. Jeder Ohrhörer wiegt rund 5,5 g, was ebenfalls leicht ist.

USB-C und kabelloses Laden

Aufgeladen wird es über USB-C oder drahtlos per Wireless Charging nach Qi-Standard. Der USB-C-Anschluss ist ebenso wie die Spule für das drahtlose Laden an der Unterseite platziert. Die Kapazität des Akkus im Ladecase liegt bei 500 mAh. Ihn aufzuladen dauert rund 2 Stunden – über USB-C. Drahtlos sind es hingegen rund 3,5 Stunden. Das Aufladen der Ohrhörer nimmt rund 90 Minuten in Anspruch. Eine Schnellladefunktion sorgt nach nur 10 Minuten für eine Musikwiedergabe von weiteren 2 Stunden.

Fester Halt, aber Probleme beim Laden

Die Ohrhörer sitzen magnetisch fest im Ladecase und lassen sich gut herausnehmen. Wie üblich schalten sie sich beim Herausnehmen ein und suchen eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone. Beim Öffnen leuchtet zudem die LED an der Vorderseite des Ladecases auf und zeigt anhand der Farbe grob den Akkuladestand des Cases. In der Praxis gab es beim rechten Ohrhörer aber immer wieder das Problem, dass dieser im Ladecase nicht ausgeschaltet und aufgeladen wurde. So kann es passieren, dass dieser genau dann leer ist, wenn man die In-Ears eigentlich benutzen möchte. Erste Berichte zeigen, dass es sich hierbei nicht um einen Einzelfall handelt. Während des Tests trat das Problem fast täglich auf und schränkte die Nutzung stark ein.

Um die Ohrhörer mit einem anderen als dem zuletzt verbundenen Gerät zu koppeln, kann die Taste im Ladecase für 2 Sekunden gedrückt werden, wenn die Ohrhörer eingesetzt sind. Sie werden so auch bei aktiver Verbindung in den Kopplungsmodus versetzt.

Knapp 6 statt 7 Stunden Akkulaufzeit

Bei der Akkulaufzeit ist EarFun mit der Angabe von 7 Stunden etwas zu optimistisch. Im Test war nach 5:45 Stunden bei mittlerere Lautstärke Schluss – ein eher durchschnittliches Resultat. Aktuelle Dauerläufer wie der Sony WF-SP800N (Test) oder die Samsung Galaxy Buds+ (Test) erreichen 13 beziehungsweise 12 Stunden.

Bluetooth 5.0, AAC und 6-mm-Treiber

Für die Funkverbindung setzen die EarFun Air auf Bluetooth 5.0. Als Audio-Codecs dienen SBC und AAC. aptX oder gar ein HD-Codec wird nicht geboten, was in dieser Preisklasse aber vertretbar ist. Die dynamischen Treiber haben einen Durchmesser von 6 mm, Details zu den Spezifikationen hat EarFun aber nicht bekannt gegeben.

Kein Multi-Connect

Multi-Connect, also die gleichzeitige Verbindung mit mehreren Endgeräten, so dass nahtlos zwischen diesen gewechselt werden kann, unterstützen die EarFun Air nicht. Soll das verbundene Endgerät gewechselt werden, muss immer erst die aktuelle Bluetooth-Verbindung manuell oder über das Ladecase unterbrochen werden.

Einzelnutzung für Musik und Telefonie

Die Einzelnutzung unterstützen die EarFun Air jedoch. Sowohl der rechte als auch der linke Ohrhörer kann alleine genutzt werden, wobei sich die Steuerung nicht verändert. Gänzlich ohne Unterbrechung erfolgt der Wechsel zwischen Mono- und Stereobetrieb aber nicht, was am automatischen Pausieren der Wiedergabe beim Herausnehmen eines Ohrhörers aus dem Ohr liegt.

TWS-In-Ears und -Earbuds im Vergleich
EarFun Air EarFun Free Sony WF-SP800N JBL Live 300TWS Sony WF-XB700 Sony WF-1000XM3 Sennheiser Momentum True Wireless 2 Samsung Galaxy Buds+ Bose SoundSport Free Jabra Elite 75t Apple AirPods Pro Apple AirPods (2. Gen.)
Akkulaufzeit Ohrhörer 7 h 6 h 9 h (mit ANC), 13 h (ohne ANC) 6 h 9 h 8 h 7 h 11 h 5 h 7,5 h 5 h 5 h
Akkulaufzeit mit Ladecase 35 h 30 h 18 h 20 h 18 h 32 h 28 h 22 h 15 h 28 h 24 h 24 h
Wireless Charging Ja Nein Ja Nein Ja Nein/Ja
ANC Nein Ja Nein Ja Nein Ja Nein
Bluetooth-Standard 5.0 5.1 5.0 4.1 5.0
Audio-Codecs SBC, AAC SBC, AAC, aptX, aptX LL SBA, AAC, SSC SBC, AAC SBC, AAC SBC, AAC
USB-Typ USB-C Micro-USB USB-C Lightning
Gewicht je Ohrhörer / nur Ladecase 5,5 / 44 g 5,5 / 45 g 9,5 / 59 g 6 / 54 g 8 / 46 g 8,5 / 77 g 6,0 / 58 g 6,3 / 39,6 g 9 / 80 g 5,5 / 35 g 5,5 / 46 g 4 / 40 g
Zertifizierung IPX7 IP55 IPX5 IPX4 Keine IPX4 IPX2 IPX4 IP55 IPX4 Keine
Preis 60 Euro 50 Euro 190 Euro 134 Euro 137 Euro 190 Euro 299 Euro 140 Euro 170 Euro 180 Euro 280 Euro 140 / 170 Euro

Wasserdicht nach IPX7

Wie bereits erwähnt sind die EarFun Air wie die EarFun Free nach IPX7 wasserdicht und können zeitweilig untergetaucht werden. Als Sweatshield-Technologie bezeichnet der Hersteller die Zusicherung, dass auch Schweißtropfen nicht ins Innere des Gehäuses eindringen können.

Etwas träge Touchsteuerung

Gesteuert werden Musikwiedergabe und Telefonie bei den EarFun Air über eine Touchbedienung an der Außenseite der Ohrhörer. Die Knöpfe, deren Bedienung die Ohrhörer immer leicht ins Ohr drückt und verrutschen lässt, fallen somit weg. Auch wenn die Touchsteuerung zuverlässig reagiert, ist sie etwas zu träge, so dass es immer wieder vorkommt, dass man sich nicht sicher ist, ob der Befehl erkannt wurde.

Zweimaliges Antippen des rechten und linken Ohrhörers startet und pausiert die Wiedergabe. Da einmaliges Tippen nicht belegt ist, werden Fehleingaben verhindert. Dreifaches Drücken auf den rechten Ohrhörer sorgt dafür, dass ein Track vorgesprungen wird. Für den linken Ohrhörer gilt dies aber nicht analog. Auf diesem sorgt dreifaches Antippen für die Aktivierung des Sprachassistenten des Smartphones. Um die Lautstärke anzupassen, muss die Touchfläche rechts (lauter) und links (leiser) gedrückt gehalten werden.

Bei einem Anruf nimmt ein doppeltes Tippen den Anruf an und beendet ihn später. Um einen Anruf abzulehnen, muss die Touchfläche zwei Sekunden gedrückt gehalten werden. Dreifaches Tippen nimmt einen zweiten Anruf an. Sind zwei Anrufe aktiv, wird so auch zwischen diesen gewechselt.

Die Bedienung über die Ohrhörer ist somit nicht ganz vollständig, deckt aber die im Alltag gängigen Funktionen ab. Veränderungen an der Belegung der Steuerung können nicht vorgenommen werden.

Automatisches Pausieren und Fortsetzen der Wiedergabe

Zusätzlich bieten die EarFun Air nun auch eine Ohrerkennung, über die die Musikwiedergabe pausiert und fortgesetzt wird, wenn ein Ohrhörer aus dem Ohr genommen oder wieder eingesetzt wird. Dies bieten die EarFun Free noch nicht. Neu ist eine solche Funktion aber keineswegs, denn immer mehr In-Ear-kopfhörer verfügen über so eine Erkennung, die sich häufig auch über eine App aktivieren oder deaktivieren lässt – dies ist bei den Air nicht möglich, sie ist immer aktiviert. Wie beispielsweise die Jabra Elite 75t (Test), die auch Auto-Pause bieten, stellen die EarFun Air diese Funktion aber unabhängig vom verwendeten Smartphone-Betriebssystem bereit. Bei Apple und Huawei ist sie hingegen immer auf das eigene Betriebssystem limitiert.

Keine App, kein Equalizer, keine Updates

Eine optionale unterstützende App besitzen die EarFun Air nicht. Anpassungen an der Steuerung sind deshalb ebenso wenig möglich wie der Zugriff auf einen Equalizer, Profile oder zukünftige Updates. Was dies bedeuten kann, haben bereits Käufer der EarFun Free (1. Generation) erlebt, die von den minimalen Anpassungen der 2. Generation nämlich nicht profitieren konnten, was mit einem Firmware-Update über eine App problemlos möglich gewesen wäre. Mit den EarFun Free der 2. Generation (Test) hatte der Hersteller lediglich eine Lautstärkesteuerung über die Ohrhörer und eine Einzelnutzung hinzugefügt, da beides von ersten Käufern gewünscht wurde. Ein Firmware-Update über eine App hätte dies auch diesen Besitzern zugänglich machen können.

Angenehmes Tragegefühl und guter Halt

Die EarFun Air sitzen angenehm im Ohr, ohne zu drücken, da sie vergleichsweise wenig in den Gehörgang eindringen. Dennoch ist die passive Isolierung mit dem richtigen Ohrpassstück hoch. Beim Joggen halten sie auch ohne Ear-Wings zuverlässig im Ohr. Für Bewegungen, bei denen der Kopf stark und ruckartig bewegt oder kopfüber gehalten wird, gilt dies aber nicht.

Probleme mit sich übertragenden Körpergeräuschen traten beim Tester nicht auf.

Auf der nächsten Seite: Klang, Telefonie, Latenz und Fazit