Horizon Zero Dawn im Test: Spielkritik und das Fazit

 3/3
Wolfgang Andermahr et al.
1.319 Kommentare

Wie gut ist Horizon Zero Dawn?

Mit millionenteuren Großproduktionen wird das Rad weniger gerne neu erfunden, zu groß sind die Risiken. Altbekannt muss sich ein Spiel aber auch dann nicht anfühlen, wenn es eigentlich altbekannt ist. Dieses Kunststück gelingt Horizon Zero Dawn.

Eine offene Welt, Sammelaufgaben, Crafting, Banditenlager, Funktürme – fast möchte man meinen, es handle sich um ein Fließbandspiel von Ubisoft. Spielen tut es sich jedoch besser. Die Leistung der Entwickler besteht nicht in innovativer Veränderung des Gameplay-Kerns, sondern in Verzahnung und Ausgestaltung der Einzelteile. Sie lassen die Langeweile des längst Bekannten verschwinden und machen jedes noch so bewährte Spielelement wieder interessant.

Denn schon das ungewöhnliche Setting macht vieles spannend. Roboter-Dinosaurier und menschliche Technobarbaren, die auf den Ruinen einer vergangenen Zivilisation der Gegenwart wandeln, wecken Neugier. Fragen nach dem Warum und Wie füttern die Entwickler immer wieder geschickt mit Schnipseln und Informationen, die über das gesamte Spiel hinweg langsam ein vollständiges Bild von gescheiterten Ideen ergeben. Die Handlung lässt sich auch lesen als eine Betrachtung menschlicher Hybris auf verschiedenen Ebenen, von Leichtgläubigkeit und Fanatismus, die seit dem Jahr 2017 eher an Aktualität gewonnen als verloren hat. Dass das Finale eigentlich keines ist, passt so gesehen ins Bild: Der Cliffhanger kündigt die Fortsetzung an, aber auch, dass eigentlich kein Ende in Sicht ist.

Der Fremdheit der Spielwelt in Gegenwart und Vergangenheit nachzuspüren, motiviert den Entdeckerdrang ungemein. Immer wieder zieht es hinaus in neue Gebiete, wo am Wegesrand Bekanntes, aber Spannendes wartet. Dabei wirkt nichts an Nebenaktivitäten aufgesetzt, sie passen tatsächlich, nicht nur der Beschreibung nach in das Geschehen. Und unter uns: Es ist einfach um Längen cooler, Karteninformationen aus dem Gehirn eines zu erkletternden Riesensauriers zu lesen, als einen schnöden Funkturm zu besteigen, und es ist ebenso befriedigender, für eine Jägerloge seltene Tiere zu jagen, weil sich daraus ein kleiner Story-Bogen spannt.

Das mag ein Taschenspielertrick sein, aber er wirkt an jeder Ecke seine Magie. Guerrilla Games erschafft schlicht keine Sandbox, die Open-World-Spiele zu oft sind, sondern eine tatsächlich offen begehbare Welt mit allem, was dazugehört. Vor allem sind das ein dicker roter Faden, den die packende Story bildet, und die Charaktere, die über ein Abziehbildformat hinauskommen.

Will man mäkeln, müsste man vor allem anführen, dass dem Survival-Aspekt auf normalen Schwierigkeitsgraden zu sehr eine Pro-forma-Natur zukommt. Das Sammeln und das Fertigkeitssystem bleiben sekundär. Schließlich werden die Kämpfe in der Regel nicht allzu schwer, wenn man sich nicht grob leichtsinnig anstellt oder den Säbelzahnroboter am Bauch kitzeln möchte, weil er so schnuffig aussieht. Was auch heißen soll: Die Welt an sich ist selbst beim Sightseeing verdammt gut.

Gameplay, das durch Welt und Story logisch zu einem Ganzen zusammengefügt wird, das ist Horizon Zero Dawn damit auf technischer Ebene. Nicht so gut zu fassen ist die sehens- und spielenswerte Reise, die daraus resultiert, ein permanentes Abenteuer, das mit erfrischender Fremdheit konfrontiert und tatsächlich, im engeren Wortsinne, etwas entdecken lässt. Das schafft eine noch immer herausragende Kombination, die bedenkenlos empfohlen werden kann.

Fazit

Horizon Zero Dawn ist spielerisch über die meisten Zweifel erhaben – das weiß man bereits seit dem Release im Jahr 2017. Die PC-Version ist derweil zwar nicht technisch perfekt, aber grafisch zweifelsohne ein gelungenes Upgrade gegenüber der Konsolenfassung und wird damit automatisch zu einem Pflichtkauf. Es müssen zwar auch auf dem PC selbst bei höchsten Details ein paar optische Abstriche gemacht werden, stellenweise kann das Spiel mit dem tollen Artwork und den detaillierten Oberflächen aber zu einer Augenweide werden.

Das Ganze hat jedoch seinen Preis: Horizon Zero Dawn fordert nach einer schnellen Grafikkarte. Mit der aktuellen Einsteigerklasse ist es selbst bei reduzierten Grafikdetails schwer, 60 FPS in Full HD zu erreichen. Und für WQHD muss es dann schon ein Modell aus der oberen Mittelklasse sein, für Ultra HD gar gleich eine High-End-Karte, solange nicht auch die niedrigsten Grafikdetails ausreichend sind. Das ist schlussendlich der einzige richtige Kritikpunkt an der PC-Version: Die Anforderungen an die GPU sind extrem hoch und damit auch zu hoch für die an für sich sehr hübsche Grafik.

Horizon Zero Dawn im Technik-Test

Die GPU-Weisheit: Neu ist deutlich besser als alt

Im Vergleich alte gegen neue Grafikkarten zeigt sich einmal mehr, dass neue Spiele von den aktuellen Architekturen massiv profitieren. So arbeitet Nvidias Turing-Generation deutlich schneller als Pascal, wirklich heftig wird es aber im Hause AMD beim Vergleich RDNA gegen GCN, allen voran Vega. Eine Radeon RX 5700 XT dreht Kreise um eine Radeon RX Vega 64, die wiederum überhaupt nicht zurechtkommt und sich einer Radeon RX 590 geschlagen geben muss – da stimmt noch etwas nicht.

ComputerBase hat Horizon Zero Dawn vom Publisher Sony zum Testen erhalten. Das Spiel wurde unter NDA zur Verfügung gestellt. Die einzige Vorgabe war der frühestmögliche Veröffentlichungszeitpunkt. Eine Einflussnahme des Entwicklers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung durch ComputerBase Pro und deaktivierte Werbeblocker. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.