Iron Harvest im Test: Gute Echtzeitstrategie mit hübscher Grafik

Wolfgang Andermahr et al. 94 Kommentare
Iron Harvest im Test: Gute Echtzeitstrategie mit hübscher Grafik

tl;dr: Mit Iron Harvest bekommt das Echtzeitstrategiegenre Leben eingehaucht: Das Gameplay überzeugt, die Technik tut es im Test weitestgehend auch. In weiten Teilen sieht das Spiel sehr schön aus und die Systemanforderungen halten sich dabei im Rahmen. Nur hier und da zeigen sich Ausreißer.

Update 02.09.2020 13:31 Uhr

Inzwischen mussten auch neun verschiedene Prozessoren in Iron Harvest Benchmarks über sich ergehen lassen. Dabei zeigt sich, dass die CPU in dem Strategiespiel eine ebenso wichtige Rolle für die Performance hat wie die Grafikkarte.

Die Echtzeitstrategie hat es derzeit wahrlich nicht leicht, es gibt kaum neue Spiele für dieses Genre. Mit Iron Harvest will das deutsche Entwicklerteam King Art dem Segment nun neues Leben einhauchen und hat sich dafür ein interessantes und auch ungewöhnliches Szenario ausgesucht. Spielerisch orientiert sich King Art klar am großen Vorbild Company of Heroes, jedoch spielt Iron Harvest nicht im Zweiten, sondern kurz nach dem Ersten Weltkrieg – nach einem alternativen Ersten Weltkrieg. Anstelle von Panzern tummeln sich Mechs auf dem Schlachtfeld.

Mit Unity zu einem der schönsten Strategiespiele

Die Company-of-Heroes-Reihe gehörte seinerzeit zu den schönsten Echtzeitstrategiespielen und Iron Harvest steht dem in nichts nach. Die genutzte Unity-Engine zaubert eine hübsche Grafik auf den Bildschirm. Auf dem Monitor ist immer etwas los, vor allem die Kämpfe wirken sehr effektreich. Davon abgesehen zeigen sich Beleuchtung und Oberflächen ebenfalls in guter Form. Iron Harvest spielt zweifelsohne vorne in der Grafikliga der Strategiespiele mit.

Größere Schwächen zeigt der DirectX-11-Renderer beim eigentlichen Spielgeschehen keine. Bei den Zwischensequenzen erkennt man dann aber schon, dass King Art kein AAA-Entwickler ist. Vor allem die Animationen und die Figuren allgemein wirken etwas hölzern, was in der Draufsicht beim Spielen jedoch gar nicht mehr auffällt. Das gilt nicht für die Missionen bei Nacht, die deutlich trister als die Einsätze bei Tageslicht sind und sichtbar optisch abfallen. Zu einem Großteil der Zeit sieht Iron Harvest aber gut bis sehr gut aus.

Gutes Grafikmenü ohne viel Luxus

Iron Harvest bietet kein allzu umfangreiches Grafikmenü, ist für ein Strategiespiel aber trotzdem ordentlich ausgestattet. Beispiel-Screenshots oder Beschreibungen fehlen leider, dafür gibt es aber einen FPS-Limiter, der auf 30 FPS, 60 FPS oder 120 FPS konfiguriert werden kann. Darüber hinaus lässt sich die Framerate anzeigen: entweder dauerhaft oder auf Wunsch nur in niedrigen FPS-Regionen. Neben Grafik-Presets fährt das Spiel zahlreiche einzelne Optionen auf. Spieleigenes Down- oder Upsampling oder eine Nachschärfefunktion fehlen allerdings. Sämtliche Optionen lassen sich ohne einen Neustarten des Titels ändern.

Drei Presets mit eher geringen Auswirkungen

Iron Harvest bietet mit „Niedrig“, „Mittel“ und „Hoch“ drei verschiedene Grafik-Presets an. Hoch stellt zugleich die maximale Detailstufe dar. Die optischen Unterschiede sind gering. Wer von „Hoch“ auf „Mittel“ wechselt, muss kaum grafische Einbußen in Kauf nehmen. Manche Schatten fehlen beim Mittel-Preset, wodurch vor allem die Vegetation optisch flacher ausfällt. Das war es dann aber auch schon. Bei niedrigen Details fällt dann noch ein Großteil der Umgebungsverdeckung weg, mehr Unterschiede gibt es nicht.

Die optisch geringen Einflüsse der Grafik-Presets bringen aber auch nur einen mittelmäßigen Leistungsschub. Wer vom Hoch- auf das Mittel-Preset zurückschaltet, verbessert die Framerate bei einer GeForce RTX 2070 Super um 13 Prozent, auf einer Radeon RX 5700 XT um 17 Prozent. Das Niedrig-Preset bringt dann weitere 10 bzw. 14 Prozent. Damit bringen die Presets auf einer AMD-Grafikkarte etwas mehr zusätzliche Geschwindigkeit als mit einem Pendant von Nvidia – 33 zu 24 Prozent steht es in diesem Punkt.

Grafik-Presets – 2.560 × 1.440
  • AMD Radeon RX 5700 XT:
    • Niedrig-Preset
      90,2
    • Mittel-Preset
      78,9
    • Hoch-Preset
      67,7
  • Nvidia GeForce RTX 2070 Super:
    • Niedrig-Preset
      97,6
    • Mittel-Preset
      88,9
    • Hoch-Preset
      78,4

Dreimal Kantenglättung mit mittelmäßigen Ergebnissen

Als Kantenglättung stehen mit FXAA, SMAA sowie TAA gleich drei verschiedene Post-Processing-Varianten zur Auswahl. FXAA und SMAA bieten keine temporale Komponente, entsprechend werden nicht alle Elemente wie zum Beispiel Vegetation bedacht. FXAA hat zwar Einfluss auf das gesamte Bild und bessert die komplette Bildruhe marginal, legt aber auch eine heftige Unschärfe über das Bild. SMAA erfasst derweil die Geometrie besser und es gibt kaum Unschärfe, die Vegetation flimmert dagegen weiter deutlich.

TAA bietet eine temporale Komponente und damit klar die beste Glättung. Perfekt ist diese jedoch noch lange nicht, denn in niedrigen Auflösungen bleibt das Bild ein wenig unruhig. Zusätzlich gibt es in niedrigen Auflösungen wie Full HD eine ordentliche Unschärfe, die mit höheren Auflösungen schwächer wird und irgendwann verschwindet. TAA ist trotz der Nachteile der empfehlenswerte Modus im Spiel.

Zum Schluss gilt noch zu bedenken, dass das Anti-Aliasing in Iron Harvest unabhängig von den Presets eingestellt wird. Auch wer das Hoch-Preset auswählt, muss also noch manuell die gewünschte Kantenglättung einstellen.

Auf der nächsten Seite: GPU- und CPU-Benchmarks sowie Frametimes