Bose QuietComfort Earbuds im Test: Klang, ANC, Telefonie, Latenz und Fazit

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Frank Hüber
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Sehr guter Klang mit Active EQ

Bose verspricht mit den QuietComfort Earbuds einen neutralen Klang und kann dieses Versprechen zu weiten Teilen halten, auch wenn die Abstimmung insgesamt warm und weich ist. Der Bass ist weder zu stark repräsentiert, noch wummert er undifferenziert als Hintergrundbrei, sondern geht gekonnt druckvoll und satt zu Werke. Auch bei niedriger Lautstärke bleibt der Bass dabei präsent und differenziert.

Die Mitten kommen ebenfalls nicht zu kurz und Texte sind sehr gut verständlich und werden auch bei überlagerndem Bass klar ausgespielt. Die weiche Abstimmung lässt Gesang gefällig klingen. Die Höhen sind klar, hell und so dynamisch, dass sie es schaffen, sich bei Bedarf effektvoll hervorzutun.

Allerdings ist dieser effektvolle Klang nicht allein der Qualität der Audiotreiber zuzuschreiben, sondern Bose macht keinen Hehl daraus, eine Klanganpassung vorzunehmen, die das Unternehmen „Active EQ“ nennt. Hierdurch werden der Bass und die Höhen angepasst, um etwa auch bei leiser Wiedergabe einen hörbaren Bass zu erzeugen. Ob man dies negativ bewertet, weil aktiv in den Klang eingegriffen wird, ohne dass es vom Nutzer deaktiviert oder angepasst werden kann, hängt davon ab, wie unverfälscht der Klang sein soll. Dem Klangerlebnis ist es jedoch nicht abträglich, sondern sorgt dafür, dass Musik dynamisch und mitreißend präsentiert wird.

Zudem tritt ein ganz leises Grundrauschen auf, das bei der Musikwiedergabe nicht mehr zu hören ist, bei Stille und in ruhiger Umgebung aber wahrgenommen werden kann. Das leichte Rauschen kommt durch die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) oder den Transparenzmodus zustande, denn eines von beiden ist bei den Bose QuietComfort Earbuds immer aktiv, worauf im Folgenden näher eingegangen wird.

ANC oder Transparenzmodus immer aktiv

Die aktive Geräuschunterdrückung der Bose QuietComfort Earbuds lässt sich über den linken Ohrhörer über die drei Favoriten oder in elf Stufen über die App einstellen, so dass der Träger selbst entscheiden kann, wie stark das ANC oder der Transparenzmodus ausfallen soll. Bose fasst beide Funktionen unter „Geräuschunterdrückung“ zusammen und bietet nur einen Regler für beides.

Dies hat zur Folge, dass es keinen Modus gibt, bei dem sowohl ANC als auch Transparenzmodus deaktiviert sind und man die Musik ungefiltert hören kann. Dies sorgt auch für das generell vorhandene, minimale Rauschen, das oben erwähnt wird. Auf Stufe 10 ist dabei ANC voll aktiviert, der Transpoarenzmodus hingegen deaktiviert. Auf Stufe 0 ist es andersherum und ANC ist aus, der Transparenzmodus aber mit voller Intensität im Einsatz. Alle Stufen dazwischen bilden eine Mischung aus beiden Modi, wobei entweder das ANC oder der Transparenzmodus überwiegt.

So ist es insbesondere auch nicht möglich, das ANC zu reduzieren, ohne dabei den Transparenzmodus zu aktivieren. Eine in der Praxis unglückliche Lösung, denn nicht nur dies wäre wünschenswert, sondern vor allem eben ein Modus, bei dem beide Modi deaktiviert sind, was auch die Windempfindlichkeit reduzieren würde. Es bleibt zu hoffen, dass Bose diese Funktion im Nachhinein anpasst und eine Option zum Deaktivieren von ANC und Transparenzmodus bietet.

Effektives ANC sorgt für Ruhe

Unabhängig von dieser Eigenheit funktioniert das ANC der Bose QuietComfort Earbuds sehr gut und dämpft alle Frequenzen deutlich hörbar – auch die Gespräche von Kollegen dringen nur noch deutlich leiser ans Ohr des Trägers. Das durch ANC erzeugte Grundrauschen ist sehr leise und etwa mit dem der Apple AirPods Pro (Test) vergleichbar. Und wenn schon der Vergleich zu den AirPods Pro gezogen wird, dann muss erneut erwähnt werden, dass auch die Bose-ANC-In-Ears ein höheres Gefühl der Abgeschlossenheit und Abdichtung erzeugen als die AirPods Pro. Das luftige Tragegefühl bei Nutzung des ANCs durch den Druckausgleich der AirPods Pro erreichen die QuietComfort Earbuds hingegen nicht.

Das ANC selbst muss sich vor der Konkurrenz nicht verstecken. Ganz im Gegenteil: Weißes Rauschen, bei dem alle Frequenzen gleichermaßen vertreten sind, wird von den Bose QuietComfort Earbuds deutlich besser reduziert als von den Apple AirPods Pro. Auch die Sony WF-1000XM3 (Test) werden in diesem Punkt leicht übertroffen.

Gleiches gilt für Regengeräusche und Gewitter. Während das Prasseln des Regens mit den Bose QuietComfort Earbuds fast gar nicht mehr zu hören ist, ist es mit den Sony WF-1000XM3 etwas lauter und mit den AirPods Pro im Vergleich der drei Modelle am stärksten wahrzunehmen. Auch lautes Donnern wird bei den Bose QuietComfort Earbuds am besten eliminiert.

Das ANC der Bose QuietComfort Earbuds ist deshalb nichts anderes als die beste aktive Geräuschunterdrückung aller kabellosen In-Ear-Kopfhörer.

Volle Transparenz rauscht laut

Der Transparenzmodus bietet bei niedrigster Stufe, also maximaler Intensität, eine deutliche und gute Wahrnehmung der Umgebung, geht dann aber mit einem stark erhöhten Grundrauschen einher. Dafür klingt die Umgebung auch in diesem Modus angenehm natürlich und unverfälscht.

Nur eingeschränkt für Telefonie geeignet

Für die Telefonie muss der rechte Ohrhörer der Bose QuietComfort Earbuds benutzt werden, da in diesem das Mikrofonsystem für die Telefonie steckt. Wie bei fast allen In-Ears sollen die meisten Umgebungsgeräusche unterdrückt werden, damit die Stimme des Anrufers besser verständlich ist.

In der Praxis wird die Umgebung gedämpft, aber nicht völlig ausgeblendet. Die Stimme des Anrufers ist allerdings vergleichsweise leise und rauscht zudem leicht, so dass die Verständlichkeit etwas leidet. Die Trennung zwischen Stimme und Umgebung gelingt somit nicht klar und deutlich. Der Klang der Stimme ist dabei weitgehend natürlich und nur je nach Umgebung gelegentlich etwas blechern. Für häufige Telefonate sind die Bose QuietComfort Earbuds somit nicht zu empfehlen.

Normale Latenz

Hatten die Bose SoundSport Free unter Android im Test Probleme mit der Latenz, so sind diese mit den Bose QuietComfort Earbuds nicht mehr zu verzeichnen. Sowohl unter Android als auch iOS liegt die Latenz beim Einsatz von AAC zwischen 160 und 180 ms, so dass Videos ohne auffälligen Versatz zwischen Bild und Ton wiedergegeben werden können.

Latenz zwischen Bild und Ton im Vergleich
In-Ear-Kopfhörer Latenz
Bose QuietComfort Earbuds 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Creative Outlier Air V2 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Beats Powerbeats Pro 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Aukey EP-N5 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Belkin Soundform True Wireless 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Sennheiser CX 400BT True Wireless 160–180 ms (Android, aptX) / 120 ms (iOS, AAC)
LG Tone Free FN6 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Huawei FreeBuds Pro 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Teufel Airy True Wireless 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Samsung Galaxy Buds Live 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
EarFun Air 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Sony WF-SP800N 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
JBL Live 300TWS 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Google Pixel Buds (2. Gen.) 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Sony WF-XB700 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Adidas RPD-01 160–180 ms (Android/iOS, SBC)
Skullcandy Sesh Evo 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Skullcandy Indy Fuel 160–180 ms (Android/iOS, SBC)
Mpow M9 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Anker Soundcore Spirit X2 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Anker Soundcore Spirit Dot 2 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Audio-Technica ATH-CK3TW 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, SBC)
iFrogz Airtime Sport 160–180 ms (Android, AAC) / 160–180 ms (iOS, AAC)
JBL Reflect Flow 160–180 ms (Android, AAC) / 160–180 ms (iOS, AAC)
JBL Tune220TWS 160–180 ms (Android, AAC) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Huawei FreeBuds 3i 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Honor Magic Earbuds 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Anker SoundCore Liberty Air 2 160–180 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
Sony WF-1000XM3 160–180 ms (Android/iOS, AAC)
Sennheiser Momentum True Wireless 2 160–180 ms (Android, aptX) / 120 ms (iOS, AAC)
Samsung Galaxy Buds+ 160–180 ms (iOS, AAC/Android) / 80 ms (Spielemodus mit Samsung-Smartphone)
Bose SoundSport Free 160–180 ms (iOS, AAC) / 300 ms (Android)
Jabra Elite Active 75t 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Padmate PaMu Slide 160–180 ms (iOS/Android, aptX)
Jabra Elite 75t 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Apple AirPods Pro 160–180 ms (iOS, AAC/Android, SBC)
Sennheiser Momentum True Wireless 60–80 ms (Android, aptX) / 160–180 ms (iOS, AAC)
EarFun Free (2. Gen.) 160–180 ms
EarFun Free 160–180 ms
Yobybo Card20 160–180 ms
Apple AirPods (2. Gen.) 160–180 ms
Huawei FreeBuds 3 60–80 ms
Razer Hammerhead 180 ms / Gaming-Mode: 60–80 ms
Creative Outlier Gold 160 ms
Anker Soundcore Liberty 2 Pro 60–80 ms
Cambridge Audio Melomania 1 180 ms
Xiaomi Redmi AirDots 160–180 ms
Jaybird Vista 160 ms
Skullcandy Indy 160–180 ms
Skullcandy Sesh 160–180 ms
TaoTronics SoundLiberty 53 200 ms

Fazit

Die Bose QuietComfort Earbuds bieten einen sehr guten Klang und ein hervorragendes ANC. Der Klang verfügt über ein sehr klares und differenziertes Klangbild, wobei die Bässe und Höhen auch bei leiser und lauter Wiedergabe überzeugen. Hierfür greift Bose aktiv in den Klang ein, indem diese beiden Bereiche gezielt in Abhängigkeit der Lautstärke angepasst werden. Dem Klang schadet dies in der Praxis keineswegs. Ganz im Gegenteil, denn er ist bei jeder Lautstärke dynamisch, kraftvoll und überzeugend.

Der größte Kritikpunkt der Bose QuietComfort Earbuds manifestiert sich in der nicht möglichen Abschaltung des ANCs und Transparenzmodus. Der Träger kann selbst in ruhiger Umgebung nicht gänzlich ohne Nachbearbeitung und Filterung Musik hören, obwohl dieser Betriebsmodus bei Ruhe den ohnehin sehr guten Klang weiter verbessern könnte. An dieser Stelle bleibt zu hoffen, dass Bose diesen Punkt mit einem Software-Update korrigiert und dem Nutzer die Option gibt, ANC und Transparenzmodus vollständig auszuschalten.

Abstriche müssen bei der Telefonie gemacht werden, da das Klangbild des Anrufers nicht überzeugen kann. Gleiches gilt bei der Größe und dem Gewicht des Ladecases, die ein Mitführen in der Hosentasche fast unmöglich machen. Die Akkulaufzeit von rund 6 Stunden mit einer Akkuladung ist im Alltag ausreichend, könnte aber durch den Verzicht auf ANC und Transparenzmodus weiter erhöht werden, falls Bose eine Abschaltung nachliefert. Das Schnellladen sorgt bei Bedarf aber innerhalb weniger Minuten für ausreichend Ladung.

Die App vermittelt zwar den Eindruck, viele Anpassungsoptionen und Funktionen zu bieten, die Möglichkeiten sind in der Praxis aber doch sehr begrenzt. Die Bedienung lässt sich beispielsweise nicht relevant anpassen, so dass sie über die Ohrhörer immer unvollständig bleibt. Insbesondere eine Steuerung der Lautstärke fehlt. Auch einen Equalizer oder Presets bietet die App derzeit nicht.

Der Tragekomfort der Bose QuietComfort Earbuds ist trotz ihrer Größe und des vergleichsweise hohen Gewichts sehr hoch, da sie keinen unangenehmen Druck im Ohr verursachen. Die Ohrpassstücke kombinieren allerdings Ear-Wings und Silikoneinsätze, so dass ihre Größe nicht getrennt voneinander variiert werden kann. Im Test führte dies jedoch nicht zu Problemen. Zudem sorgen die Ear-Wings für einen sicheren, festen Halt, der die Ohrhörer auch beim Sport nutzbar macht.

Bose QuietComfort Earbuds
Produktgruppe In-Ear-Kopfhörer, 31.10.2020
  • Klang
    ++
  • Verarbeitung
    ++
  • Tragekomfort
    ++
  • Bedienung
    +
  • Sehr guter Klang
  • Hervorragendes ANC
  • Auto-Play und Auto-Pause
  • Wireless Charging
  • Schnellladen
  • Einzelnutzung
  • Gute Akkulaufzeit
  • Sehr angenehmes Tragegefühl
  • Sehr gute Verarbeitung
  • App für (kleine) Anpassungen und Updates
  • ANC oder Transparenzmodus immer aktiv
  • Schweres und großes Ladecase
  • Schlechte Telefonie
  • Keine vollständige Bedienung über die Ohrhörer
ComputerBase-Empfehlung für Bose QuietComfort Earbuds

Mit derzeit rund 240 Euro sind die Bose QuietComfort Earbuds kein Schnäppchen und noch deutlich teurer als die ebenfalls sehr guten Sony WF-1000XM3 (Test), die ab rund 180 Euro erhältlich sind.

ComputerBase hat die QuietComfort Earbuds leihweise von Bose zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

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