Pixel 5 im Test: Snapdragon 765G statt 865 und größerer Akku

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Nicolas La Rocco
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Unter der Haube macht sich Googles neue Strategie, Smartphones nicht mehr mit dem aktuellen Top-Prozessor von Qualcomm auszustatten, am stärksten bemerkbar. Wo man normalerweise den Snapdragon 865 erwarten würde, werkel nun der Snapdragon 765G. Für Besitzer eines Pixel 4 oder sogar Pixel 3 ist diese Veränderung insofern interessant, als dass der Snapdragon 765G in den Benchmarks schlechter abschneidet als der Snapdragon 855 des letzten und der Snapdragon 845 des vorletzten Jahres.

Warum Google dennoch nicht einfach einen Chip aus 2019 oder 2018 genommen hat, wenn diese doch auf dem Papier mehr Leistung liefern, lässt sich einfach anhand der viel moderneren Fertigungstechniken aktueller SoCs sowie mit den über die letzten Jahre hinzugekommenen Ausstattungsmerkmalen etwa im Bereich Foto und Video erklären. Denn einen „Pixel Visual Core“, also einen eigenen Bildprozessor (ISP) von Google, gibt es mit dem Pixel 5 ebenfalls nicht mehr, sodass Google vollständig auf den Spectra-355-ISP von Qualcomm und eigene Software-Algorithmen setzt.

Erstes Pixel mit 5G-Unterstützung

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Konnektivität, die der Snapdragon 765G mitbringt. Nach wie vor ist der Snapdragon 765G der aktuell schnellste Chip von Qualcomm, der über ein integriertes statt externes Modem 5G zur Verfügung stellt. Das Snapdragon X52 unterstützt den Sub-6-GHz-Bereich und mmWave, wobei letzteres nur in den USA etwa bei Verizon angeboten wird und 100 US-Dollar mehr als das Basismodell kostet, da zusätzliche Antennenmodule benötigt werden. Hätte Google auf den Snapdragon 865 gesetzt, hätte mit dem Snapdragon X55 ein zusätzliches Modem verbaut werden müssen, das die Kosten weiter nach oben getrieben hätte.

Erklärungen zur 5G-Unterstützung des Pixel 5 fasst Google auf einer neuen Informationsseite zusammen, wo auch der Unterschied zwischen dem Sub-6-GHz-Spektrum, das in Deutschland von allen drei Netzbetreibern für 5G verwendet wird, und dem mmWave-Standard erläutert wird. Zur Sub-6-GHz-Unterstützung von Google gehört auch der DSS-Support („Dynamic Spectrum Sharing“), sodass Pixel 5 und Pixel 4a 5G beim Dual-Betrieb von 5G und LTE oder 3G auf derselben Frequenz den neueren Standard der Funkzelle nutzen können. Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland setzen DSS vor allem in ländlichen Regionen ein, da so der neue 5G-Standard, wenngleich mit geringeren Geschwindigkeiten, aus der Stadt, wo mit mehr Bandbreite bei 3,6 GHz gefunkt wird, in die Fläche gebracht werden kann.

5G nur im Sub-6-GHz-Spektrum

Aufgelistet werden auf der Seite auch die unterschiedlichen Varianten, die es von Pixel 5 und Pixel 4a 5G gibt. In den USA unterstützt das Pixel 5 als GD1YQ immer Sub-6-GHz und mmWave, außerhalb der USA mit dem GTT9Q (Deutschland) und dem G5NZ6 nur Sub-6-GHz. Das Pixel 4a 5G gibt es als G6QU3 speziell für Verizon in den USA mit mmWave, alle anderen Varianten G025E, G025I (Deutschland), und G025H unterstützen selbst in den USA nur Sub-6-GHz. Alle drei deutschen Netzbetreiber sind grundsätzlich kompatibel zu allen global angebotenen Sub-6-GHz-Modellen, wobei 5G-Roaming nur mit der Deutschen Telekom und Vodafone möglich ist.

Google unterstützt viele Frequenzbänder

Der Produktseite des Pixel 5 sind zudem weitere Details zu den unterstützten Frequenzbändern zu entnehmen, wobei selbst im deutschen Google Store lediglich die Frequenzbänder der Variante GD1YQ genannt werden. Diese in den USA angebotene Version dürfte hinsichtlich der 2G-, 3G-, 4G- und 5G-Sub-6-GHz-Unterstützung zwar identisch zum deutschen GTT9Q sein, abschließend geklärt ist das aber noch nicht. Demnach würde das hierzulande angebotene Pixel 5 folgende Bänder unterstützen:

  • 2G: 850, 900, 1.800, 1.900 MHz
  • 3G: 1, 2, 4, 5, 6, 8, 19
  • 4G: B1, 2, 3, 4, 5, 7, 8, 12, 13, 14, 17, 18, 19, 20, 25, 26, 28, 29, 30, 32, 38, 39, 40, 41, 42, 46, 48, 66, 71
  • 5G: n1, 2, 3, 5, 7, 8, 12, 28, 41, 66, 71, 77, 78

Offen sind zudem noch Fragen zur Kombination aus LTE-Ankerfrequenzen und zusätzlichem 5G-Datenkanal. Aktuell wird 5G im Non-Standalone-Betrieb (NSA) gefahren, der den neuen Mobilfunkstandard lediglich als schnellen Datenkanal (eMBB, „enhanced Mobile Broadband“) zusätzlich zu LTE und den älteren Standards zur Verfügung stellt. Der 5G-Datenkanal ist sozusagen nur „on top“ und benötigt einen LTE-Anker für die Einwahl in das Netz und Dienste wie Telefonie, die noch nicht über 5G angeboten werden. Nur weil ein Smartphone zahlreiche Frequenzen für LTE und 5G abdeckt, die im Fall des Pixel 5 durchaus sehr umfangreich ausfallen, heißt das aber nicht, dass auch alle Kombinationen aus Bändern für den LTE-Anker und 5G verwendet werden können. Diesbezüglich steht ComputerBase noch in Kontakt mit Google.

Mehr RAM und Nutzerspeicher als zuvor

Im Gegensatz zu CPU und GPU keine Regression gibt es im Bereich Speicher. Den RAM hat Google auf 8 GB LPDDR4X aufgestockt und beim Nutzerspeicher stehen nun immer 128 GB zur Auswahl, da das Basismodell mit 64 GB nicht fortgeführt wird. Erweiterbar ist der Speicher nach wie vor nicht, sodass im Zweifel auf Googles Cloud oder vergleichbare Dienste ausgewichen werden muss. Und zum schnellsten Speicher am Markt zählt der von Google auch diesmal nicht, da Messwerte von rund 850 MB/s beim Lesen und 190 MB/s beim Schreiben weit entfernt vom besseren UFS 3.1 liegen.

Top-Bedienung auch ohne High End

Aber trotz Snapdragon 765G, besserer 8 GB, aber eben nicht 12 GB oder 16 GB RAM, und des eher mittelmäßigen UFS-Speichers muss man beim Pixel 5 kein behäbiges Bediengefühl befürchten. Google ist es gut gelungen, in Kombination mit dem 90-Hz-Display und Android 11 als Software ein durchweg solides Smartphone auf die Beine zu stellen, das für die meisten Aufgaben des Alltags genügend Leistung zur Verfügung stellt. Es spielt nicht in einer Liga mit dem aktuellen iPhone oder OnePlus-Topmodell. Google hat allerdings entschieden, dass es das auch gar nicht muss.

Würde man analysieren, welche Anwendungen ein Großteil der Nutzer die meiste Zeit über startet, würde dabei vermutlich herauskommen, dass selbst ein langsamerer Snapdragon 765G großteils unterfordert wäre. Das Pixel 5 ist damit zwar noch lange nicht der Dacia unter den Smartphones, um nur von A nach B zu kommen, doch Google hat die Komponenten diesmal eben so gewählt, dass der Preis niedriger ausfallen kann und dass das Minus an Rohleistung beinahe nicht auffällt.

Größerer Akku hält viel länger durch

Praxisrelevanter waren für den Hersteller mit dieser Generation Features wie der Akku, der beim Pixel 5 mit 4.080 mAh so groß daherkommt wie bei keinem Pixel-Smartphone zuvor. Diese Maßnahme spiegelt sich entsprechend in den Messwerten wider, wo die Akkulaufzeiten besser als bei jedem anderen Pixel-Smartphones ausfallen, selbst wenn das standardmäßig aktivierte „Smooth Display“ mit 90 Hz zum Einsatz kommt. Wer auf diese beschleunigte Bildwiederholfrequenz verzichten kann, kommt im Alltag auf noch längere Laufzeiten, wie am besten der PCMark 2.0 mit rund 14 Prozent längerer Laufzeit unter Beweis stellt.

Kabelloses Laden in beide Richtungen

Geht dem Smartphone die Puste aus, lässt es sich mit dem mitgelieferten Netzteil mit maximal 18 Watt über USB Power Delivery 2.0 laden. Google verzichtet erneut auf eigene Standards zum Laden, hinkt dadurch aber der Konkurrenz hinterher, die 30 Watt oder teils sogar 65 Watt bietet und damit in Windeseile den Akku lädt. Alternativ lässt sich das Pixel 5 wie das Pixel 4 kabellos über eine den Qi-Standard nutzende Ladeschale mit bis zu 12 Watt laden. Im Test wurde das Smartphone problemlos auch mit Hülle auf einem kabellosen Lader von OnePlus geladen. Das kabellose Laden ist diesmal ebenso in die andere Richtung möglich, sodass sich auf der Rückseite des Smartphones zum Beispiel die Pixel Buds (Test) und ähnliche Produkte laden lassen.

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