Yale Linus Smart Lock im Test: Alltagserfahrungen, Probleme und Fazit

 2/2
Frank Hüber
110 Kommentare

Alltagserfahrungen und Probleme

Übersicht und Einstellungen in der App

Nutzt man Auto-Unlock und Auto-Lock, benötigt man die App im Alltag nur selten. In vier Tabs aufgeteilt, gibt sie Aufschluss über den Verriegelungsstatus des Schlosses, zeigt die Aktivitäten in einem Zeitstrahl nach Benutzern sortiert an, erlaubt das Verwalten der Nutzer und bietet als vierten Tab die Einstellungen des Schlosses und einer optional eingesetzten WLAN-Bridge. Über ein Menü oben links können zudem die Verknüpfungen mit anderen Smart-Home-Diensten konfiguriert und die Hilfe aufgerufen werden.

Yale-Access-App für das Yale Linus Smart-Lock
Yale-Access-App für das Yale Linus Smart-Lock
Yale-Access-App für das Yale Linus Smart-Lock
Yale-Access-App für das Yale Linus Smart-Lock

Im ersten Tab sind nur zwei Schaltflächen zum Verriegeln und Öffnen des Schlosses. Dieser Tab ist der einzige ernstzunehmende Kritikpunkt, da das Abrufen des Status des Schlosses mitunter zu lange dauert und so auch die Schaltflächen nur sehr verzögert reagieren. Mitunter, weil es manchmal auch sehr schnell geht. Das grüne „Open-Symbol“ gibt zudem optisch und haptisch keinerlei Rückmeldung, ob es ausgelöst wurde – hier muss Yale nachbessern. ComputerBase hat diesbezüglich mit dem Hersteller Rücksprache gehalten, der sich der Kritik bewusst ist.

Der Aktivitäten-Feed unterscheidet nicht nur nach Benutzern, sondern auch, ob eine Funktion manuell am Schloss oder automatisch vom System oder einem verknüpften Dienst durchgeführt wurde. So hat der Nutzer jederzeit Einsicht, wer wann was gemacht hat.

Gäste lassen sich im dritten Tab über ihre Telefonnummer einladen, wobei ihnen auch direkt nur ein zeitlich temporärer oder ein an bestimmten Wochentagen wiederkehrender, auf Uhrzeitintervalle beschränkter Zugang gewährt werden kann. Dabei lässt sich ein Intervall für unterschiedliche Tage, aber nicht mehrere Intervalle für unterschiedliche Tage anlegen. Auch eine Kombination aus temporär und wiederkehrend ist derzeit nicht vorgesehen. Eine Kleinigkeit, die sich aber leicht ausmerzen ließe. Eingeladene Personen müssen die Yale-Access-App installieren und können beim Starten auswählen, dass sie von einem anderen Nutzer eingeladen wurden. Der Eigentümer kann zudem verwalten, welche Rechte er anderen Nutzern geben möchte, und diese ebenfalls als Eigentümer eintragen, um ihnen alle Funktionen zur Verfügung zu stellen.

Schließt das Schloss nicht leicht, muss Yale aufgeben

Wenn die Tür nicht leichtgängig ist oder sich temperaturabhängig verzieht, kann das Yale Linus nicht zuverlässig verriegeln und aufschließen, da zu viel Kraft für das Drehen des Schließzylinders aufgewandt werden muss. Beim Aufschließen fährt das Schloss in diesem Fall dreimal vor und zurück und versucht den Riegel zu lösen. Gelingt dies nicht, gibt das Yale Linus auf – allerdings ohne Rückmeldung über die App an den Nutzer, was eine sinnvolle Ergänzung wäre. Bei einem gescheiterten Auto-Unlock erfährt der Anwender so also unter Umständen gar nicht, dass das Yale Linus versucht hat, die Tür zu öffnen.

DoorSense kann, muss aber nicht funktionieren

DoorSense funktioniert nicht, wenn der Abstand zwischen Magnet und Smartlock zu groß ist. Im Test wurde eine offen stehende Tür deshalb nicht erkannt. Der Abstand zwischen Linus und Magnet beträgt in diesem Fall 8,5 cm. Einen klar definierten, allgemeingültigen maximalen Abstand zwischen Schloss und Magnet gibt es jedoch nicht.

Yale Linus Smart-Lock
Yale Linus Smart-Lock

HomeKit öffnet immer auch die Falle

Eine Eigenheit, die nicht direkt etwas mit dem Yale Linus zu tun hat, zeigt sich bei der HomeKit-Unterstützung des Smartlocks. Denn Apples HomeKit kennt auch bei Smartlocks weiterhin nur ganz auf oder ganz zu. Die Falle, die aufschnappt und die Tür vollständig aufschließt, wird dabei nicht beachtet. Über Automationen oder Szenen kann man die Tür in HomeKit deshalb immer nur ganz aufschließen, so dass auch die Falle zurückschnappt und die Tür bestenfalls nur kurz ungesichert ist oder aber offen steht, wenn sie beim Öffnen der Falle ein Stück aufspringt. Eine morgendliche Routine, in die auch das Yale Linus – wie jedes andere Smartlock – eingebunden wird, indem es morgens automatisch entriegelt werden soll, ist über HomeKit deshalb derzeit nicht sicher umsetzbar.

Das Yale Linus ist leiser als das Nuki Smart Lock

Der Motor des Yale Linus geht leiser zu Werke als beim Nuki Smart Lock und fällt nicht negativ auf. Auch das Surren, wenn der Motor durch Reibung und Widerstand stärker gefordert wird, ist leiser. Das Yale Linus ist so konfiguriert, dass Vorgänge mit Signaltönen quittiert werden. Diese Schlosstöne lassen sich jedoch in der App ausschalten, so dass es dann abseits des Motors keine Töne mehr von sich gibt.

Fazit

Das Yale Linus Smart Lock macht nicht nur haptisch einen hochwertigen Eindruck und überzeugt bei der Verarbeitung des massiven Metallgehäuses auf ganzer Linie, sondern erledigt seine Aufgabe im Test zuverlässig und vor allem ohne Fehlfunktion – bei einem Schloss, das den Eingang zur eigenen Wohnung oder zum eigenen Haus steuert, eine Grundvoraussetzung. Die Funktionen sind vielfältig und lassen dem Nutzer die Wahl. Ob man die Tür automatisch ver- oder entriegeln möchte, wenn man das Zuhause verlässt oder nach Hause kommt, kann den eigenen Vorlieben und Bedürfnissen entsprechend konfiguriert werden. Auch worüber und wann man per Benachrichtigung informiert werden will, lässt sich einstellen. Details, wie lange die Falle offen gehalten wird, sind hilfreich, wenn man häufiger etwas länger braucht, um die Tür zu öffnen, oder so schnell ist, dass man sonst auf das Zurückspringen der Falle warten muss.

Für die zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen in Form des QR-Codes und der Zwei-Faktor-Authentifizierung sammelt Yale klare Pluspunkte, denn nur die wenigsten Konkurrenten setzen auf diese mehrstufigen Ebenen. Dem generellen Misstrauen vieler gegenüber Smartlocks und der Angst, die Tür wird irgendwann ungewollt von diesem geöffnet, kann so aber auch nicht begegnet werden.

Bei der Verarbeitung, der Lautstärke und den Sicherheitsverfahren punktet das Yale Linus somit im Vergleich zum Nuki Smart Lock. Einen Knopf wie das Nuki Smart Lock bietet das Linus jedoch nicht. Während über diesen beim Nuki ein Verriegeln der Tür beim Gehen ausgelöst werden kann, ohne dauerhaft Auto-Lock aktiv zu haben, ist dies beim Yale Linus nur in Verbindung mit dem Keypad möglich, nicht aber mit dem Smart Lock alleine. Mit diesem allein wird wird die Tür entweder immer automatisch nach einer festen Zeitspanne verriegelt oder manuell über die App.

Die Verknüpfungsmöglichkeiten mit Apple HomeKit, Amazon Alexa, Google Assistant, Philips Hue, Airbnb und IFTTT erlauben die Integration in andere Smart-Home-Systeme, um das Schloss in Szenen und Regeln zu integrieren. Allerdings lassen sich diese – mit Ausnahme von HomeKit – erst in Verbindung mit der WLAN-Bridge nutzen, die zudem eine Steuerung des Yale Linus aus der Ferne möglich macht. Wer sein Smartlock nicht ans Internet anbinden möchte, lässt die Bridge weg, kann dann aber nur innerhalb des Bluetooth-Radius darauf zugreifen und nicht alle Möglichkeiten nutzen.

Wie bei jedem Smartlock ist auch beim Yale Linus ein leichtgängiger Zylinder unerlässlich. Muss die Tür gedrückt oder gezogen werden, um sie zu ver- oder entriegeln, ist jedes Smartlock ungeeignet. Auch wenn die Motoren viel Kraft entwickeln können, sind hier Grenzen gesetzt.

Der größte Kritikpunkt beim Yale Linus Smart Lock bezieht sich derzeit auf den Startbildschirm der App. Denn die Reaktion der App auf einen Tastendruck ist nicht immer klar ersichtlich und das Abrufen des Status des Schlosses dauert mitunter einfach zu lange. Der rote Kreis pulsiert und pulsiert und mal wird der Druck auf das grüne Öffnen sofort umgesetzt, mal dauert es aber schlicht so lange, dass man bereits erneut gedrückt hat. Über Auto-Unlock lässt sich dies weitgehend eliminieren, allerdings möchte nicht jeder diese Funktion nutzen, auch wenn sie im Test sehr zuverlässig funktionierte. Da Yale derzeit regelmäßig Updates für die App liefert und sich der Kritik bereits bewusst ist, bleibt zu hoffen, dass in diesem Bereich noch nachgebessert wird.

Die Benutzerfreigabe könnte mehr Kombinationsmöglichkeiten aus temporärem und wiederkehrendem Zugang bieten, wobei diese Funktion für die meisten Nutzer im Alltag nicht so dringlich sein dürfte. Mit dem Keypad kann man Gästen auch ohne App einmaligen, temporären oder dauerhaften Zugang gewähren und hat auch selbst eine Lösung, wenn kein Smartphone mitgeführt wird oder dessen Akku leer ist.

Yale Linus Smart-Lock
Yale Linus Smart-Lock
Yale Linus Smart-Lock
Yale Linus Smart-Lock

Ansonsten ist das Yale Linus Smart Lock eine sehr gute und überzeugende Wahl für all jene, die auch bei ihrer Haustür genug Vertrauen in die Technik haben und die Vorzüge einer automatisch entriegelnden und verriegelnden Tür zu schätzen wissen. Mit Nuki ist aber ein etablierter Konkurrent auf dem Markt, der derzeit mit 200 Euro nicht nur etwas günstiger ist, sondern mit dem Nuki Opener und der Fernbedienung Fob weitere Optionen zum Öffnen bietet, die Yale noch fehlen. Zudem ist Nuki aufgrund der längeren Präsenz auf dem Markt schon stärker in andere Systeme integriert.

ComputerBase hat das Linus leihweise von Yale zum Testen erhalten. Eine Einflussnahme des Herstellers auf den Testbericht fand nicht statt, eine Verpflichtung zur Veröffentlichung bestand nicht. Es gab kein NDA.

Dieser Artikel war interessant, hilfreich oder beides? Die Redaktion freut sich über jede Unterstützung durch ComputerBase Pro und deaktivierte Werbeblocker. Mehr zum Thema Anzeigen auf ComputerBase.