MS Flight Simulator VR im Test: Benchmarks

 2/3
David Pertzborn
434 Kommentare

High-End-Hardware im Testsystem

Alle nachfolgenden GPU-Benchmarks wurden auf einem Intel Core i9-10900K (Test) durchgeführt, der mit den Standardeinstellungen betrieben wird. Als Mainboard kam das Asus ROG Maximus XII Hero WiFi mit dem Z490-Chipsatz zum Einsatz. Die CPU wurde von einem Noctua NH-D15S mit zentral installiertem 140-mm-Lüfter gekühlt. 16 GB Speicher (2 × 8 GB, Single-Rank, DDR4-2933) standen dem Prozessor zur Verfügung. Ein frisch aufgespieltes Windows 10 mit sämtlichen Updates war auf einer SSD installiert. Als Treiber wurden der Adrenalin 20.12.2 beziehungsweise der GeForce 457.30 genutzt.

Die MSI GeForce RTX 3090 Suprim X im Test
Die MSI GeForce RTX 3090 Suprim X im Test
Die Sapphire Radeon RX 6800 Nitro+
Die Sapphire Radeon RX 6800 Nitro+
XFX Radeon RX 6800 XT Merc319 im Test
XFX Radeon RX 6800 XT Merc319 im Test

Für die CPU-Vergleiche war die GeForce RTX 3090 Suprim X von MSI als Grafikbeschleuniger vorhanden. Die Intel-CPUs wurden mit dem oben genannten Mainboard mit der dort angegebenen RAM-Bestückung getestet. Bei AMD kam ein Gigabyte X570 Aorus Pro zum Einsatz, das mit 32 GB RAM (4 × 8 GB, Single-Rank, DDR4-3200) ausgestattet war.

Als VR-Headset wurde die HP Reverb G2 verwendet und in den OpenXR-Developer-Settings die Funktion „Motion Reprojection“ auf „Always on“ gesetzt.

HP Reverb G2 (13)
HP Reverb G2 (13) (Bild: HP)

Testsequenz und Einstellungen

Die Testszene für die Benchmarks zeigt einen Blick auf die Skyline von New York. Sie stellt ein Worst-Case-Szenario dar, ist aber optisch äußerst beeindruckend und genau solche Momente machen den Flight Simulator aus. Beim Flugzeug bleibt es bei der im Test der „2D-Variante“ genutzten Beechcraft King Air 350i. Mit größeren Verkehrsflugzeugen würden die FPS nochmals niedriger ausfallen. Der Himmel ist bewölkt und es kommt die Cockpit-Perspektive zum Einsatz. Der AI-Traffic sowie das Streamen von Daten aus der Cloud sind deaktiviert. Die genutzten Einstellungen sind in den Screenshots dokumentiert.

Die Benchmark-Einstellungen
Die Benchmark-Einstellungen
Die Benchmark-Einstellungen
Die Benchmark-Einstellungen

In VR laufen Benchmarks anders ab

Wie in früheren VR-Benchmarks geht es auch in diesem Titel respektive Test nicht um reine FPS, da VR-Headsets sozusagen immer mit aktiviertem V-Sync betrieben werden. Daher ist der Test darauf fokussiert, ob und mit welchen Einstellungen die jeweilige Grafikkarte in der Lage ist, die angestrebten Ziel-FPS stabil zu halten. Anvisiert werden für den Microsoft Flight Simulator VR stabile 30 FPS ohne deutliche Ruckler.

Konkret bedeutet das, dass die Simulation intern mit 30 FPS läuft, die Sicht im Headset jedoch zusätzlich bis zu 90 Mal pro Sekunde an Kopfbewegungen angepasst wird. Hier kommt die sogenannte „Motion Reprojection“ zum Einsatz. Problematisch wird es, wenn es im Spiel zu deutlichen Rucklern kommt, denn dann scheitert auch die Anpassung an die Kopfbewegung teilweise und das Bild schwimmt oder stockt vor den Augen, was ein Garant für Motion-Sickness ist.

Um sowohl die internen FPS als auch die „Motion Reprojection“ beurteilen zu können, werden drei sich ergänzende Parameter gemessen. Mit Hilfe von CapFrameX werden die FPS und Frametimes aufgezeichnet, die Wiedergabe subjektiv auf Ruckler und Verzögerungen bei Kopfbewegungen untersucht und das Frame-Timing-Overlay des OpenXR-Developer-Tools betrachtet. Eine ausführlichere Erklärung zu den Besonderheiten von Benchmarks in VR gibt es im Artikel GPU-Benchmarks in VR: AMD und Nvidia im Wettstreit um den Supersampling-Faktor.

GPU-Benchmarks: Ampere vs. Big Navi vs. Turing

Nach den ersten Tests mit der Nvidia GeForce RTX 3090 wurde das Kandidatenfeld auf lediglich vier aktuelle High-End Grafikarten und Nvidias Topmodell der letzten Generation, die RTX 2080 Ti, beschränkt. Von Nvidia kam aus der aktuellen Generation noch die Asus GeForce RTX 3070 TUF OC (Test) zum Einsatz. AMD ist mit der XFX Radeon RX 6800 XT Merc 319 (Test) und der Sapphire Radeon RX 6800 Nitro+ (Test) vertreten – also zwei der schnellsten Big-Navi-Custom-Modelle.

AMD Radeon RX schafft die 30 FPS auch mit reduzierter Auflösung nicht

Ganz anders als in klassischen Titeln, in denen AMDs und Nvidias Grafikkarten seit dem 3. Quartal 2020 erstmals seit 2013 wieder gleichauf liegen, sieht es beim Microsoft Flight Simulator in VR aus. Selbst mit einer AMD RX 6800 XT lassen sich auch mit niedrigsten Einstellungen und zusätzlich reduzierter Render-Auflösung keine flüssigen 30 FPS erreichen. Und das obwohl die Radeon RX 6800 XT sonst deutlich vor der hier getesteten GeForce RTX 3070 von Nvidia liegt, der sich mit auf 60 Prozent reduzierter Auflösung selbst in fordernden Szenarien noch spielbare Frametimes entlocken lassen.

MFSVR – max. Super-Sampling-Faktor, der noch 30 FPS erlaubt
Einheit: Faktor
  • Supersampling:
    • Nvidia RTX 3090
      100,0
    • Nvidia RTX 3070
      60,0
    • Nvidia RTX 2080 Ti
      60,0
    • AMD Radeon RX 6800 XT
      0,0
      Nicht möglich
    • AMD Radeon RX 6800
      0,0
      Nicht möglich

Ob dies mit der schlecht optimierten Engine des Simulators oder AMDs Treibern zusammenhängt, konnte bisher nicht abschließend geklärt werden. Zu sehen ist, dass die Grafikkarte schlechter ausgelastet wird, als dies bei Nvidia der Fall ist.

Egal ob alt oder neu, Hauptsache schnell

Auf der anderen Seite des Zauns, bei Nvidia, ist das Gras etwas grüner und es lassen sich zumindest Einstellungen finden, mit denen das Spiel in VR spielbar wird. Mit reduzierten Einstellungen und einer auf 60 Prozent heruntergeschraubten Auflösung liefern sowohl die RTX 2080 Ti, das über zwei Jahre alte Topmodell, als auch eine aktuelle RTX 3070 ein akzeptables Ergebnis. Der deutliche Vorsprung an Rechenleistung, den die RTX 3090 bietet, lässt sich im Test direkt in eine gesteigerte Leistung oder besser gesagt eine nicht reduzierte Auflösung umsetzen.

Frametimes 25476890111133 012345678910111213Sekunden  Nvidia RTX 3070 @100%  Nvidia RTX 3070 @60%  Nvidia RTX 2080 Ti @60%  Nvidia RTX 2080 Ti @100%  Nvidia RTX 3090 @100%  AMD Radeon RX 6800 XT @<50%

Dies verbessert den Gesamteindruck deutlich, wenngleich auch die Darstellungsqualität bei den beiden schwächeren Karten ausreicht, um Instrumente im Flugzeug noch ablesen zu können und die Landschaft zu genießen. Trotzdem sind die hier angestrebten 30 FPS nur mit viel Wohlwollen flüssig und die Einbußen bei den Spieleinstellungen mit einer Grafikkarte für rund 2.000 Euro schwer zu schlucken.

CPU-Benchmarks: Intel Core vs. AMD Ryzen

Einen Vorteil hat der hohe Anspruch, den Microsofts Flugsimulator an die GPU stellt: Dass auch der Prozessor zu schnell limitiert, fällt zunächst nicht auf. Bemerkbar macht sich dies aber spätestens, wenn durch niedrigere Auflösung oder in Zukunft schnellere Grafikkarten Bildwiederholraten über 30 FPS angestrebt werden. Bei einem VR-Headset mit nativen 90 Hz ist der nächste Schritt bei 45 FPS – eine Marke, die selbst der im Test schnellste Prozessor nicht halten kann. Hier liegt das Problem vermutlich, wie auch schon in der klassischen Version (Benchmark), bei der Spiel-Engine. Solange es jedoch keine Grafikkarte bei mittleren Einstellungen ohne massiv reduzierte Auflösung zuverlässig über die 30-FPS-Grenze schafft, bleibt dieses Problem eher theoretischer Natur.

Frametimes CPU 04080120160200 0123456789101112Sekunden  Intel Core i9-10900K  AMD Ryzen 9 5900X  Intel Core i5-10400F  AMD Ryzen 9 3900X

Moderne CPUs werden quasi nicht genutzt

Doch auch die 30-FPS-Hürde wird nicht von allen Prozessoren genommen. Bei AMD ist hier ein Ryzen der neuesten Zen-3-Generation notwendig, der mit 12 Kernen ausgestattete Ryzen 9 3900X muss sich einem 6-Kerner von Intel in Form des Intel Core i5-10400F geschlagen geben. Am Speicher liegt es nicht, sondern eher an der bei Zen 2 noch fehlenden Single-Core-Leistung. Dafür spricht auch die allgemein schlechte Prozessorauslastung, selbst wenn sich die Grafikkarte langweilt und kein GPU-Limit anliegt.

Meistens ist laut Taskmanager maximal ein Kern ausgelastet und dieser oft auch nur zu 70 bis 80 Prozent. Gut optimiert sieht anders aus. Das Abschalten von Hyperthreading oder ein manuelles Zuweisen zu bestimmten Kernen brachte im Test keinen messbaren Vorteil.

Auf der nächsten Seite: Einschätzung, Ausblick und Fazit