RX 6700 XT: Custom-Designs im Test: Benchmarks, Lautstärke und sonstige Messungen

 2/3
Wolfgang Andermahr
188 Kommentare

Als Basis für die folgenden Benchmarks und Messreihen wurden dieselben Methoden angewandt und dieselbe Hardware genutzt wie beim neuen Grafikkarten-Testparcours. Die Ergebnisse der XFX Radeon RX 6700 XT Merc 319 wurden vom Launch-Artikel der Radeon RX 6700 XT übernommen, alle anderen sind neu erstellt worden. Sämtliche Radeon RX 6700 XT wurden mit dem Adrenalin 20.50 (einer frühen Version vom Adrenalin 21.3.1) getestet.

Benchmarks in WQHD

Quasi gleiche Taktraten bedeuten auch quasi gleiche Performance. Der Leistungsunterschied zwischen der schnellsten getesteten Radeon RX 6700 XT und der langsamsten beträgt gerade einmal 3 Prozent. Zwischen dem Referenzdesign und dem schnellsten Custom-Design liegen noch geringere 2 Prozent. Das ist gerade mal mess- und keinesfalls spürbar. Wer da Erster, Zweiter oder Dritter in der Reihenfolge ist, spielt überhaupt keine Rolle und sollte gleich ganz ignoriert werden.

Die PowerColor Radeon RX 6700 XT Hellhound kommt erstaunlicherweise nicht an die Leistung der Referenzkarte heran und ist im Schnitt 1 Prozent langsamer. Das spielt in der Praxis zwar keine Rolle, ist aber durchaus ungewöhnlich. Alle anderen Custom-Karten sind dagegen die erwähnten 2 Prozent flotter als das AMD-Design. Das betrifft entsprechend die Modelle MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X, PowerColor Radeon RX 6700 XT Red Devil, Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+ und die bereits getestete XFX Radeon RX 6700 XT Merc 319.

Die Radeon RX 6700 XT Red Devil und die Radeon RX 6700 XT Nitro+ verfügen über ein optionales Silent-BIOS mit geänderter TGP, die dann nur noch so hoch wie AMDs Referenzvorgaben ist. In dem Fall werden beide Karten 1 Prozent langsamer und arbeiten auch nur noch so schnell wie das Standardmodell. Das zeigt aber, dass selbst ein Custom-Design mit gleicher TGP nicht langsamer sein muss, auch wenn dies der Hellhound von PowerColor nicht gelingt.

Lautstärke & Kühlung

Bei der Framerate gibt es kaum Unterschiede, bei der Lautstärke beim Spielen aber schon. Und schlussendlich sind drei Modelle geeignet für den Betrieb in einem Silent-PC, eines davon allerdings nur mit Einschränkungen. Und das betrifft gleich die leiseste Grafikkarte, die Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+, die mit weniger als 1.000 Lüfterumdrehungen in der Minute und 30 Dezibel unter Last aus einem geschlossenen Gehäuse unhörbar sein kann. Die Betonung liegt auf „sein kann“, denn die sehr guten Messwerte gibt es nur mit dem Silent-BIOS. Wer das werkseitig aktivierte OC-BIOS nutzt, muss sich mit immer noch angenehmen, aber deutlich lauteren und hörbaren 36,5 Dezibel zufriedengeben. Das OC-BIOS ist wenig sinnvoll konfiguriert, da es die deutlich erhöhte Leistungsaufnahme primär in mehr Lautstärke statt mehr Geschwindigkeit umsetzt.

Auf den zweiten Platz kommt dann die PowerColor Radeon RX 6700 XT Red Devil mit 32 Dezibel, die beim Spielen ebenso zu keiner Zeit auffällt. Auch hier gilt das Ergebnis aber nur für das Silent-BIOS, wobei das werkseitig aktive OC-BIOS in dem Fall mit 33,5 Dezibel nicht so viel lauter ist. Dennoch sollte bei der Karte ebenfalls der BIOS-Schalter umgelegt werden. Auf dem dritten Platz kommt dann mit immer noch sehr leisen 32,5 Dezibel die PowerColor Radeon RX 6700 XT Hellhound. Und da das Modell kein zweites BIOS hat, erreicht es das gute Ergebnis bereits mit der Werkseinstellung – so sollte es auch sein.

Die XFX Radeon RX 6700 XT Merc 319 ist mit 37 Dezibel dann immer noch recht angenehm, für einen Silent-PC eignet sich die Grafikkarte aber nicht mehr. Die Asus Radeon RX 6700 XT Strix OC fällt mit 39 Dezibel ebenfalls noch in diese Kategorie, aber auch hier gilt das nur, wenn auf das Silent-BIOS gewechselt wird. Denn im Werkszustand ist die Grafikkarte mit 44,5 Dezibel schlicht laut. Dasselbe gilt für die MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X mit 44 Dezibel, die aber unglücklicherweise keine zweite, leisere BIOS-Version hat und damit schlicht immer laut arbeitet.

Die elektrischen Störgeräusche sind unproblematisch

Alle sechs Custom-Grafikkarten erzeugen wie jedes andere Modell ein leichtes Spulenrasseln. Was bei der Radeon RX 6800 (XT) und der Radeon RX 6900 XT sowie den entsprechenden GeForce-Pendants störend ist, bleibt bei der Radeon RX 6700 XT aber so leise, dass die Geräusche aus einem geschlossenen Gehäuse nach dem Anlaufen der Lüfter nicht mehr zu hören sind. Daher spielen die elektronischen Störgeräusche bei AMDs Performance-Modell keine entscheidende Rolle.

Messungen zur Temperatur

Bei den Temperaturen konnte das Referenzdesign nicht glänzen und so wundert es nicht, dass alle Custom-Karten diesbezüglich besser abschneiden. Am wärmsten wird dabei die Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+ mit dem Silent-BIOS: 75 Grad Celsius bei der Edge- und 94 Grad Celsius bei der Hotspot-Temperatur lassen sich messen. Das sind aber immer noch 7 respektive 6 Grad Celsius weniger als bei AMDs Standardmodell – und vor allem hat der Kühler für die warmen Sommertage und beim Übertakten noch riesige Reserven. Mit dem OC-BIOS kommt die Grafikkarte auf kühlere 68 und 91 Grad Celsius. Ebenso warm wird die MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X, deren Edge-Wert zwar nur bei 73 Grad liegt, die Hotspot-Temperatur jedoch auf 98 Grad Celsius kommt.

Am anderen Ende der Skala liegen die Asus Radeon RX 6700 XT Strix OC mit dem OC-BIOS und die PowerColor Radeon RX 6700 XT Hellhound absolut gleichauf. Beide Grafikkarten kommen auf eine Edge-Temperatur von 64 Grad Celsius und eine Hotspot-Temperatur von 80 Grad Celsius. Die Asus-Grafikkarte wird mit dem alternativen Silent-BIOS mit 66 und 84 Grad Celsius etwas wärmer, gehört aber auch dann noch zu den kühleren Custom-Karten.

Die Junction-Temperatur der Navi-21-Grafikkarten
Modell GPU-Junction
Asus Radeon RX 6700 XT Strix OC (OC-BIOS) 80 °C
Asus Radeon RX 6700 XT Strix OC (Silent-BIOS) 84 °C
MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X 98 °C
PowerColor Radeon RX 6700 XT Hellhound 80 °C
PowerColor Radeon RX 6700 XT Red Devil (OC-BIOS) 90 °C
PowerColor Radeon RX 6700 XT Red Devil (Silent-BIOS) 90 °C
Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+ (OC-BIOS) 91 °C
Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+ (Silent-BIOS) 94 °C
XFX Radeon RX 6700 XT Merc 319 90 °C
AMD Radeon RX 6700 XT (Referenzkarte) 100 °C

Alle anderen Partnerkarten der Radeon RX 6700 XT liegen irgendwo zwischen den Extremen. Damit sind die Custom-Designs im grünen Bereich und selbst für den Sommer und OC-Versuche gerüstet. Einzig bei der MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X sollte auf die Hotspot-Temperatur geachtet werden. Diese ist zwar noch absolut in Ordnung – erst ab 110 Grad taktet die GPU herunter –, doch in Kombination mit den ohnehin schon schnell drehenden Lüftern sind die Kühlreserven beschränkt. Gerade beim Übertakten sollte man dies im Auge behalten.

Leistungsaufnahme

Wer auf die Leistungsaufnahme beim Spielen schaut, hat möglicherweise den Grund gefunden, warum die PowerColor Radeon RX 6700 XT Hellhound minimal langsamer als das Referenzdesign ist, denn mit 199 Watt benötigt erstere 16 Watt weniger. Dagegen spricht aber, dass die TGP bei beiden Modellen identisch und damit vielleicht schlicht die Stromversorgung auf der Hellhound effizienter ist. Ebenso dagegen sprechen die 197 Watt der PowerColor Radeon RX 6700 XT Red Devil mit dem Silent-BIOS.

Dass PowerColor generell ein effizientes Design entwickelt hat, lässt sich am Roten Teufel mit dem OC-BIOS erkennen, das trotz besserer Performance mit 216 Watt nicht mehr Energie benötigt. Das gilt nicht mehr für die Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+, die mit dem OC-BIOS auf 238 Watt kommt (+23 Watt) und mit dem Silent-BIOS auf 217 Watt.

18 Einträge
Performance pro Watt – 2.560 × 1.440
Einheit: Prozent
    • PC 6700 XT Red Devil @ Silent-BIOS
      100,0 %
    • AMD Radeon RX 6800
      97,7 %
    • PowerColor RX 6700 XT Hellhound
      97,3 %
    • AMD Radeon RX 6900 XT
      95,2 %
    • Nvidia GeForce RTX 3070
      93,7 %
    • PC RX 6700 XT Red Devil @ OC-BIOS
      92,2 %
    • AMD Radeon RX 6700 XT
      91,2 %
    • Sapphire 6700 XT Nitro+ @ Silent
      90,7 %
    • Nvidia GeForce RTX 3060 Ti
      90,3 %
    • AMD Radeon RX 6800 XT
      89,0 %
    • Sapphire 6700 XT Nitro+ @ OC-BIOS
      83,8 %
    • Asus RX 6700 XT Strix OC
      81,7 %
    • XFX Radeon RX 6700 XT Merc 319
      81,5 %
    • Nvidia GeForce RTX 3090
      81,3 %
    • MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X
      79,4 %
    • Nvidia GeForce RTX 3080
      79,2 %
    • Nvidia GeForce RTX 3060
      79,0 %
    • Nvidia GeForce RTX 2080 Ti
      75,8 %
    • Nvidia GeForce RTX 2060 Super
      75,0 %
    • AMD Radeon RX 5600 XT
      74,1 %
    • Nvidia GeForce RTX 2080 Super
      70,7 %
    • AMD Radeon RX 5700
      69,0 %
    • Nvidia GeForce RTX 2070 Super
      68,4 %
    • Nvidia GeForce RTX 2060
      67,4 %
    • AMD Radeon RX 5700 XT
      66,7 %
    • Nvidia GeForce GTX 1080
      59,6 %
    • AMD Radeon RX Vega 64
      36,2 %

Die Asus Radeon RX 6700 XT Strix OC benötigt mit 244 Watt dann 29 Watt mehr, die XFX Radeon RX 6700 XT mit 245 Watt genau 30 Watt. Am meisten Energie genehmigt sich die MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X mit 251 Watt, die 36 zusätzliche Watt gegenüber dem Referenzdesign zieht, ohne wirklich schneller zu sein.

Da die PowerColor Radeon RX 6700 XT Red Devil mit dem Silent-Modus genauso schnell wie das Referenzdesign ist, dafür aber weniger Energie benötigt, steigt das Performance-pro-Watt-Verhältnis um 8 Prozent gegenüber AMDs Standardmodell an. Und nicht nur das, denn damit handelt es sich obendrein um die derzeit effizienteste Grafikkarte im Handel. Die höher übertakteten Karten verlieren entsprechend an Effizienz. Die Sapphire Radeon RX 6700 XT Nitro+ liefert 8 Prozent weniger FPS pro Watt als das Referenzdesign, die Asus Radeon RX 6700 XT Strix OC 10 Prozent und die MSI Radeon RX 6700 XT Gaming X 13 Prozent.

Auf der nächsten Seite: Fazit