Datensammeln, verknüpfen, auswerten, Schlüsse ziehen - wie viele Fehler stecken drin?

Fu Manchu

Rear Admiral
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Feb. 2005
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Beim Einkaufen gibt es Paybackpunkte, beim fliegen Meilen, Bonuspunkte an der Tanke, Datenerfassung bei der Zahlung mit EC-Karte, Log-Ins im Internet, Onlineshopping, FAcebook und Co, Email Chats, Kameras, Überwachung usw. - und bei vielen steckt die Angst und Befürchtung oder zumindest die Vermutung mit dahinter, das viele unsere Bewegungsdaten und Infos über uns gesammelt, verknüpft und ausgewertet werden, damit man genaue Profile über uns genereriert.

Aber wie sieht eigentlich die Wirklichkeit aus? Können Facebook, Google und Co uns richtig einschätzen und bewerten? Sind die Infos gehaltvoll und korrekt? Sind die Daten plausibel und richtig?

Oder sind die Daten und Infos, welche wirklich relevant sind, nicht eventuell unter einen Berg von Myriaden von Gigabytes von Datenmüll, falschen Infos und Fehlinterpretationen verloren, korrekte Daten nicht mehr von Fehlinformationen zu unterscheiden?

Warum ich das frage: ich sehe bei meiner Arbeit täglich Datenbanken bei Kunden, Firmen die Informationen über ihre eigenen Kunden sammeln, Produkte und Verkäufe, die Buchhaltung und die Kostenrechnung usw. - und ich sehe jedes Mal totales Chaos bei den Kunden:
- da gibt es in drei Systemen drei Listen mit Kunden, und jede Liste ist unterschiedlich und eine Schnittmenge ist auch nicht gültig
- da gibt es die Buchhaltung, wo nicht mal die Bilanz aufgeht (das sieht man häufiger als man glaubt), da sind Konten nicht zugeordnet (zu GuV oder Bilanz) oder stehen an falscher Stelle
- das bekommt man auf Nachfragen nach Produktlisten eine Liste mit uralten, alten und aktuellen Produkten, aber auf Nachfrage kann nicht mal das EDV-System beantworten, welche Produkte aktuell sind oder nicht
- da will man die Kostenrechnung abrufen und erhält nur Datenmüll, weil viele Sachverhalte nicht berücksichtig sind
- da werden Prozesse in der EDV gelebt, die monatlich mehr Geld verbrennen als die Mehrheit hier im Jahr verdient

Solche Missstände in Bezug auf Datenqualität und Plausibilität habe ich in den letzten Jahren in so vielen Unternehmen gesehen, das ich mittlerweile völlig die Angst davor verloren habe das die Firmen mit meinen Daten ein brauchbares Profil erstellen - vielmehr schleicht sich die Angst ein, das ein völlig falsches Profil generiert wird.

Das alles ist nicht der EDV zuzuschreiben, die letztlich das tut, was der Mensch ihr eingegeben hat, aber so wie ich meine Erfahrungen aus der beruflichen Praxis einschätze, wird das in den federführenden Unternehmen, welche unsere Daten sammeln, nicht anders sein.

Wie seht ihr das? Glaubt ihr, das Google ein korrektes Bild von euch hat? Das FAcebook euch kennt und weiß, was ihr wollt, tut und mögt? Das die Banken wissen wohin eure finanziellen Wege euch führen?
 
Hm OK...
...kennt wohl jeder der mal als Freelancer in dem Bereich gearbeitet hat.
Andererseits weis ich auch wie leicht es oft ist, mit ein bischen Sachverstand und externem Blickwinkel selbst aus Chaos Datengräbern verdammt viel nützliches herauszuholen. Wenn man es leicht schafft die Conversionrate von Mailings durch einfache Gruppierung von Kunden fast zu verdoppeln dann zeigt das recht deutlich welches Potential in den Datenbanken vieler Unternehmen steckt.

Aber ich stimme dir zu, dass die Konsolidierung und Verknüpfung von Informationen der Knackpunkt und auch die größte Hürde im Moment ist. Ergo sehe ich es auch so das aktuell viele Unternehmen (selbst Google, Faceboook, Rabtattsystemanbieter...) eine beschränkte Sicht haben und weit entfernt vom gläsernen Kunden sind. Vielmehr ist für viele Unternehmen der Kunde eine Blackbox.
Aber werden irgendwann Konsumgewohnheiten mit Versicherungsinformationen, Suchinteressen, Gesundheitsdaten, Meinungsäußerungen... kurzgeschlossen und wirklich auswertbar abgelegt wäre das wirklich beunruhigend.
 
Zitat von gaunt:
... und wirklich auswertbar abgelegt wäre das wirklich beunruhigend.

Genau das ist ja der Punkt, das ich den Unternehmen und Behörden genau diese Sache nicht zutraue bzw. man Informationen nur unter großen Mühen und händischem Eingreifen erlangt, die aber eigentlich zigtausendfach auf knopfdruck erhältnich sein sollte.
 
Ich verstehe voll und ganz was du sagst. Ich kenne das Chaos aus eigener Erfahrung beim Kunden.
In vielen Fällen langen aber 1-2 Leute mit ein bischen Grips im Kopf, freier Hand und nach einem halben Jahr sieht die Sache ganz anders aus.

Die Datengräber in den Firmen sind wie Kinderzimmer. Chaos hoch zehn, aber dennoch steckt viel Potential drinn. Irgendwann werden die Kinder älter und räumen auf. Und dann wirds interessant was zum Vorschein kommt.
 
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