Elektronische Patientenakte: Kassenärztliche Vereinigungen fordern längere Testphase
Eigentlich sollte die laufende Testphase für die elektronische Patientenakte (ePA) im April enden und diese dann in den Regelbetrieb übergehen. Nun fordern mehrere Kassenärztliche Vereinigungen (KV) eine Verlängerung der Testphase, da die Nutzbarkeit im ärztlichen Alltag derzeit noch als völlig unzureichend angesehen wird.
Kassen wollen mehr Zeit
In einer gemeinsamen Erklärung sprechen sich die Kassenärztlichen Vereinigungen Bayerns, Hamburg, Nordrhein und Westfalen-Lippe für eine Verlängerung der am 15. Januar 2025 gestarteten Testphase aus und fordern vom Bundesgesundheitsministerium mehr Zeit für Funktions- und Lasttests. Immer wieder berichten die in den Regionen ansässigen rund 300 teilnehmenden Praxen von fehlenden technischen Voraussetzungen oder Komplikationen. Dadurch sei der Erklärung zufolge in der aktuellen Form ein aussagekräftiger Test der ePA nicht möglich.
Nach dem aktuellen Fahrplan soll die ePA im März erneut überprüft werden und erst nach positiven Rückmeldungen ab April in den Regelbetrieb übergehen. Die KV hält dieses Zeitfenster von nur zwei Wochen zur Behebung der wichtigsten technischen Probleme jedoch für deutlich zu knapp bemessen und kritisiert, dass weiterhin am geplanten Einführungstermin festgehalten wird. Der Vorstand der KV Nordrhein, Dr. Frank Bergmann, bemängelt zudem das Fehlen eines Kriterienkatalogs, nach dem der bundesweite Rollout erfolgen soll. Die ersten fünf Wochen des Testbetriebs seien für ihn ernüchternd verlaufen und hätten praktisch keine verwertbaren Ergebnisse für den eigentlichen Behandlungskontext geliefert.
Hohe Anzahl von Praxen noch ohne aktuelle Module
Die KV Westfalen-Lippe kritisiert, dass zu Beginn der Pilotphase nur wenige der teilnehmenden Praxen in der Region die elektronische Patientenakte überhaupt befüllen konnten. Die Gründe dafür seien vielfältig, unter anderem konnten Daten entweder gar nicht oder nur unvollständig übertragen werden. Ein Drittel der Praxen in der Region könne zudem bislang noch nicht einmal am Testprojekt teilnehmen, da sie das erforderliche ePA-Modul noch nicht erhalten hätten.
Eine zu frühe Einführung der ePA könnte nach Ansicht aller Beteiligten nicht nur die Sicherheit der Akten gefährden, sondern auch die Akzeptanz in der Bevölkerung massiv beeinträchtigen. Die KV Bayerns warnt, dass eine überhastete Einführung bundesweit zu Frustration in den Praxen und bei den Versicherten führen würde. Im schlimmsten Fall drohe eine einhellige Ablehnung der ePA.
Betreiber Gematik konnte Sicherheitsbedenken bisher nicht ausräumen
Seit dem Start der Pilotphase am 15. Januar 2025 haben bereits rund 70 Millionen Versicherte eine ePA erhalten, was etwa 82 Prozent der deutschen Bevölkerung entspricht. Die Widerspruchsquote ist dabei gering: Die AOK gibt diese mit 3,8 Prozent, die Barmer mit 4,3 Prozent und die DAK mit 3 Prozent an. In der ePA sollen Befunde, Laborwerte und Angaben zu Medikamenten des jeweiligen Patienten gespeichert werden. Die Einträge können nicht nur von Ärzten, sondern auch von den Patienten selbst eingesehen werden. Dafür werden lediglich ein Kartenlesegerät oder ein Smartphone mit NFC-Funktion sowie die App der jeweiligen Krankenkasse und eine Gesundheits-ID benötigt.
Bereits im Dezember hatte der Chaos Computer Club (CCC) demonstriert, wie einfach sich Angreifer Zugang zu den in der ePA gespeicherten Daten verschaffen können. Zusätzlich dokumentierte das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) in Darmstadt insgesamt 21 Sicherheitslücken im System.
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