Abee DX4 im Test: Konkurrenz aus Aluminium für Lian Li

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Sven Scharpe
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Lieferumfang und Daten

  • Material: Aluminium und Stahlblech
  • Abmessungen: ca. 219 × 472 × 333 mm (B × H × T)
  • Gewicht: ca. 7,4 kg
  • Zwei 5,25"-Laufwerksschächte
  • Insgesamt sechs 3,5"-Einbauplätze, davon einer extern
  • Zwei Schächte für 2,5“-Datenträger
  • Mainboard-Formfaktor: µATX, ATX
  • Frontanschlüsse: zwei USB 3.0 sowie 3,5-mm-Buchsen für Kopfhörer und Mikrofon
Belüftungsmöglichkeiten
Position Anzahl Größe U/min Anschluss Staub-
filter
Anlauf-
spannung
Front
Deckel 1 120 mm 1100 3pin-Molex 4,0 V
Linke Seite 2 120 mm 1100 3pin-Molex 4,2 V
Rechte Seite
Heck 1 120 mm 1100 3pin-Molex 4,5 V
Boden

Das beiliegende Zubehör umfasst neben fünf Kabelbindern noch vier selbstklebende Standfüße aus weichem Vollgummi und einem Innensechskantschlüssel noch drei Beutelchen mit diversen Schrauben und Abstandshaltern. Die mitgelieferte Montageanleitung können wir aktuell noch keiner abschließenden Bewertung unterziehen, da sie ausschließlich in japanischer Sprache vorliegt. Einen Strick möchten wir dem Hersteller daraus nicht drehen, da die Gehäuse eigentlich nur für den japanischen Markt vorgesehen sind und für andere Länder (noch) nicht „optimiert“ wurden. Uns wurde auf Nachfrage aber mitgeteilt, dass es bei entsprechender Nachfrage auch eine Anleitung in deutscher Sprache geben wird.

Ausstattung außen

Das eigentliche Chassis des Abee DX4 besteht aus schwarz lackiertem Stahlblech, während die Außenhaut aus bis zu 3 Millimeter dickem Aluminium gefertigt wird. An der Front finden wir zwei 5,25"-Schächte vor, hier fällt auf, dass der Spalt zwischen den beiden Blenden minimal und äußerst gleichmäßig ausgefallen ist, auch lassen sich die Abdeckungen keinen Millimeter bewegen. Die gleiche Beschreibung trifft auch auf den darunterliegenden extern ausgeführten 3,5"-Einbauplatz zu. Nach dem Lösen von acht Innensechskantschrauben, kann das obere Stück der aus zwei Teilen bestehenden Frontplatte abgenommen werden. Um den darunterliegenden Teil zu demontieren, müssen wir sechs weitere Schrauben herausdrehen, wirklich nötig dürfte das in der Praxis aber so gut wie werden. Jetzt kann man gut erkennen, dass Abee sowohl die Abdeckungen für die Erweiterungsschächte als auch die Schächte selbst mit dem Chassis verschraubt. Die Einbauplätze können also leicht zugunsten eines erhöhten Platzangebotes im Innenraum ausgebaut werden.

An der rechten abgeschrägten Ecke befinden sich die Taster für Power und Reset, diese bestehen ebenfalls aus massivem Aluminium und verfügen über einen knackigen Druckpunkt. Am unteren Ende der erwähnten Ecke hat der Hersteller die Frontanschlüsse angebracht. Bei einem normalen Midi-Tower wäre diese Position höchst ungünstig ausgefallen, wer möchte schon immer einen Kniefall vor seinem Rechner machen nur, um mal schnell einen USB-Stick einzustecken? Da das DX4 aber seinen Platz auf dem Schreibtisch finden soll, ergibt sich aus ergonomischer Sicht kein Nachteil. An Schnittstellen werden dem Anwender zwei USB-3.0-Ports und die obligatorischen Buchsen für Mikrofon und Kopfhörer geboten.

Am kurzen Deckel gibt es wenig zu sehen, im hinteren Bereich befindet sich ein Lüftungsgitter, unter dem ein 120-mm-Lüfter seine Arbeit verrichtet, das war es auch schon. Wenn man am Heck zwei Schrauben herausdreht, kann das U-förmige Deckelblech nach hinten abgezogen werden, erst dann kann der eingebaute Ventilator, falls es denn mal nötig werden sollte, gewechselt werden. Gänzlich unspektakulär gibt sich die rechte Seitenwand, sie ist völlig frei von Öffnungen. In das linke Pendant hat der Hersteller dagegen ein großes Gitter integriert, dahinter verbergen sich zwei weitere 120-mm-Ventilatoren. Fixiert werden die beiden Seitenteile mit jeweils drei konventionellen Schrauben. Auffällig dabei ist, dass eine jede davon eine kleine Unterlegscheibe aus Kunststoff hat, damit das teure Material beim Festziehen nicht beschädigt wird.

Auch am Heck gibt es nicht viel ungewöhnliches zu sehen. Ein 120-mm-Lüfter sorgt für den Abtransport der erwärmten Luft, Schlauchdurchführungen sind nicht vorhanden. Eine glänzende silberne Plakette gibt Auskunft darüber, dass man ein DX4 vor sich stehen hat und weist, nicht ohne Stolz, darauf hin, dass das Produkt in Japan designt und gebaut wird. Auch bei diesem ungewöhnlichen Midi-Tower wird das Netzteil am Boden befestigt, wirft man einen prüfenden Blick auf die Unterseite des Gehäuses, stellt man fest, dass es keine Öffnung gibt, durch die der Stromspender Luft ansaugen könnte. Ebenfalls durch Abwesenheit glänzen die Standfüße, diese muss der Anwender selbst ankleben. Im Lieferumfang befinden sich vier große und aus weichem Gummi gefertigte Füße, die empfindliche Oberflächen schonen und auch eine gewisse Entkopplung garantieren.

Die Verarbeitung des Abee DX4 ist schlicht und ergreifend perfekt und selbst den Topmodellen von Lian Li und SilverStone überlegen! Die Spaltmaße sind so gering und gleichmäßig, dass nicht einmal mehr ein Blatt Papier hineinpasst. Das eingesetzte Material ist, wie vom Hersteller angepriesen, von erlesener Qualität und muss sich vor absolut keinem Konkurrenzprodukt verstecken. Dass Abee ein Grundgerüst aus Stahlblech einsetzt, schlägt sich nicht negativ auf das Gewicht nieder, sehr wohl nehmen wir aber die hohe Stabilität der Konstruktion zur Kenntnis. Auch den kleinen Details widmen die Japaner ein gebührend Maß an Aufmerksamkeit, so sind die USB-Buchsen so gleichmäßig und penibel ausgerichtet, wie man es nur höchst selten sieht.

Ausstattung innen

Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, besteht das Chassis des Abee DX4 aus mattschwarz lackiertem Stahl, das Material weist dabei eine Dicke von gut 1,2 Millimetern auf. Aufgrund der geringen Tiefe von lediglich 333 Millimetern, musste der Innenraum natürlich etwas anders gestaltet werden damit Standard-ATX-Mainboards und auch aktuelle Grafikkarten eingebaut werden können. Das erste was einem nach dem Öffnen ins Auge fällt, ist die breite horizontale Strebe mit ihren beiden 120-mm-Lüftern. Sie ist mit vier Schrauben am Chassis befestigt und fällt, wie auch der komplette Rest des Gehäuses, sehr stabil aus. Kritik muss sich Abee für den Verzicht auf Staubfilter gefallen lassen, diese sollten mittlerweile bei Gehäusen aller Preisklassen zum Standard gehören! Die Lüfter selbst tragen die Bezeichnung „Nano Tek“, dies soll auf ein spezielles Lager hinweisen, das nicht nur extrem langlebig, sondern auch noch für einen besonders laufruhigen Betrieb sorgen soll. Zur leichten Reinigung, was aufgrund des nicht vorhandenen Filters leider häufiger vorkommen dürfte, kann der Impeller abgenommen und unter fließendem Wasser schnell gereinigt werden.

Am Boden des DX4 befindet sich das Netzteil, es liegt auf zwei robusten Schienen aus Metall auf. Leider wurde hier auf eine entkoppelnde Auflage aus weichem Gummi verzichtet. Vor dem Stromgeber ist der erste Festplattenkäfig angebracht, er ist mit drei dicken und griffigen Rändelschrauben am Boden befestigt und kann bis zu zwei 3,5"-Festplatten und eine 2,5"-SSD aufnehmen. Fixiert werden die Datenträger dabei mittels konventionellen Schrauben. Der Käfig selbst hat die gleiche Materialstärke wie das restliche Chassis und lässt sich nur mit roher Gewalt zu einer Verformung bewegen. Zwei weitere Käfige sind im oberen Teil der Front angebracht. In den unteren können bei Bedarf noch zwei weitere 3,5"-Festplatten eingebaut werden, während das obere Modell als externer 3,5"-Schacht ausgeführt wurde und entweder ein 3,5"-Gerät oder aber ein 2,5"-Laufwerk aufnehmen kann. Bei beiden Käfigen werden die entsprechenden Geräte ebenfalls mit normalen Schrauben gesichert, eine Entkopplung ist leider an keiner Stelle vorgesehen. Wer mehr Platz im Innenraum möchte, kann die beiden Laufwerkskäfige problemlos auch komplett ausbauen. Am oberen Ende liegen dann noch zwei 5,25“-Schächte, auch hier setzt der Hersteller bei der Befestigung auf konventionelle Schrauben.

Einen weiteren 120-mm-Ventilator finden wir am Deckel vor, sonst gibt es an der Oberseite nichts weiter zu sehen. Auch vom Mainboardträger gibt es eigentlich nichts ungewöhnliches zu berichten. Eine Montageöffnung, welche den Einbau von CPU-Kühler bei eingebauter Hauptplatine erleichtern soll, ist vorhanden, ebenso gibt es zwei längliche Öffnungen, durch die man seine Kabel legen kann. Die Rückseite des Trays bietet immerhin einige Ösen, um die Strippen zu fixieren. Das alles klingt wenig spektakulär und das ist es letztlich auch, jedes 30 Euro Gehäuse bietet mehr Ausstattung als das DX4, so sind dann auch nicht die Features der Star, sondern schlicht und einfach die Qualität und die Materialanmutung, die dieses Gehäuse bietet. Auch am Heck gibt es wenig bis nichts zu sehen was den Puls beschleunigen würde. Ein 120-mm-Ventilator kümmert sich um die Entlüftung des kleinen Innenraumes, das war es dann auch schon. Schlauchdruchführungen hat der Hersteller nicht vorgesehen, was aufgrund des kompakten Formats aber wohl zu vernachlässigen sein dürfte.

Die herausragende Qualität die das Abee DX4 bietet, kann man mit Worten nur schwer vermitteln, man muss es einfach einmal selbst erlebt haben! Abgesehen von den Lüftern und den Steckern am Frontpanel gibt es an diesem Gehäuse kein Teil, das aus Kunststoff wäre, alles ist unglaublich stabil und scheint für die Ewigkeit gebaut zu sein. Das Chassis ist so verwindungssteif wie eine Panzerplatte, hier knirscht und knarzt selbst bei erhöhter Kraftanwendung absolut nichts. Die Lackierung ist so penibel sauber und glatt aufgetragen, wie wir es bis jetzt noch bei keinem anderen Gehäuse gesehen haben. Kurz gesagt: vom qualitativen Niveau gibt es aktuell kaum einen Hersteller, der sich mit Abee messen kann.