Bilanz : Ein halbes Jahr Windows 10

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Bilanz: Ein halbes Jahr Windows 10

Heute vor sechs Monaten ist Windows 10 als kostenloses Upgrade für Systeme mit Windows 7 und Windows 8.1 erschienen. Tage darauf folgten die Vollversionen. Windows 10 ist ein Meilenstein, sowohl technisch als auch in Hinblick auf die Kehrtwende, die Microsoft in vielen Belangen vollzogen hat.

Nach dem Debakel um Windows XP hatte sich Microsoft fest vorgenommen, Windows 10 schnellstmöglich am Markt zu etablieren. Die Zeiten, in denen mehrere Varianten parallel gepflegt werden müssen und jede neue Version einen harten Wechsel bedeutet, den Kunden ablehnen, sollen mit Windows 10 als „Software as a Service“ der Vergangenheit angehören.

Trotz positiver Vorzeichen eroberte das Betriebssystem die Herzen der Anwender allerdings nicht im Sturm. ComputerBase blickt in einer Halbjahresbilanz auf die Hintergründe für diese Entwicklung und das, was jetzt kommen muss.

Noch bleibt Windows 7 das Maß aller Dinge

Nach sechs Monaten nutzen knapp 30 Prozent der Leser von ComputerBase das neue Betriebssystem. Windows Vista brauchte dafür 18 Monate, Windows 8(.1) war ein solcher Marktanteil nie vergönnt. Nach einem Anstieg von knapp 20 Prozentpunkten im ersten Monat der Verfügbarkeit beträgt der monatliche Zuwachs seitdem gut einen Prozentpunkt. Relativ und absolut am deutlichsten verloren hat Windows 8(.1), das mehr als die Hälfte seines Marktanteils unter den Lesern einbüßen musste, bei Windows 7 ist es gut ein Viertel.

Absolute Mehrheit nach einem halben Jahr

Vorausgesetzt diese Entwicklung setzt sich fort, wird Windows 10 bis zum Sommer die Führung übernehmen. Windows 7 war sechs Monate nach der Veröffentlichung im Oktober 2009 mit 51 Prozent Marktanteil schon deutlich weiter, Windows XP mit 29 Prozent bereits klar abgeschlagen. Der Führungswechsel war bereits nach sieben Wochen vollzogen. Ein Grund: DirectX 11.

Über alle Länder und Interessensgruppen hinweg sieht das Ergebnis für Windows 10 noch verhaltener aus. Laut Netmarketshare brachte es Windows 10 im November 2015 auf neun Prozent Marktanteil, das liegt noch hinter Windows XP mit elf Prozent. Windows 7 bleibt international das Betriebssystem der Wahl, 56 Prozent der Seitenabrufe basieren auf diesem Betriebssystem.

In diesem Jahr soll der Marktanteil deutlich steigen

Weil Unternehmen angekündigt haben, breit auf Windows 10 setzen zu wollen, soll der weltweite Marktanteil ab diesem Jahr allerdings schnell ansteigen und Windows 10 im Jahr 2017 höhere Marktanteile bescheren als irgendeinem anderen Betriebssystem im selben Zeitraum zuvor.

Bei Privatanwendern könnte Windows 10 bereits heute schon stärker zum Einsatz kommen. Der von Problemen überschattete Start im Juli 2015, die anhaltende Kritik im Nachgang, fehlende Anreize zum Wechseln und OEMs, die neue Möglichkeiten nicht ausnutzen, haben das allerdings bisher verhindert.

Ein holpriger Start

Der Start von Windows 10 am 29. Juli 2015 verlief holprig, eine Überraschung war das nicht. Zum einen stellten sich genau die Fragen, die Microsoft im Vorfeld nie konkret beantwortet hatte, als weiterhin entscheidend heraus, zum anderen hatte es im Vorfeld geheißen, nur reservierte Updates würden zu Anfang Windows 10 erhalten – und dann erschienen gleich an Tag 1 doch die ISO-Dateien. Welche Besonderheiten hier zu beachten sind, darüber lagen keine Informationen vor.

Dass die Installation der ISOs auf einem System, auf dem vorher nie Windows 7 oder Windows 8(.1) auf Windows 10 geupgraded wurde, nicht möglich war, musste sich in Foren wie dem von ComputerBase deshalb erst herumsprechen. Überlastete Aktivierungsserver führten darüber hinaus dazu, dass selbst korrekte Upgrades von einem aktivierten Windows 7 oder Windows 8(.1) auf Windows 10 zunächst in einem nicht aktivierten System endeten. Die Diskussion zur Freigabe der ISOs und dem Media Creation Tool zählt heute fast 3.000 Kommentare.

Der Konzern selbst hatte sich zum Wechsel einen Maulkorb verpasst, Presseanfragen blieben ohne Kommentar unbeantwortet. Die Hotline gab sich auskunftsfreudiger, bestätigen ließen sich deren Aussagen aber so nicht.

Die Aktivierung von Windows 10 auf einem anderen Rechner als dem, der zuvor geupgradet wurde, ist derzeit noch nicht möglich.

Die Hotline von Microsoft am 30. Juli 2015

Die Möglichkeit, Windows 10 direkt mit einem Key aus Windows 7 oder Windows 8(.1) zu installieren und zu aktivieren, hat Microsoft inzwischen nachgereicht. Fehlerfrei funktioniert sie zwar noch nicht, dafür ist mit aktuellen ISO-Dateien jetzt auch die Installation von Windows 10 auf einem zuvor nie mit Windows 7 oder Windows 8(.1) aktivierten System möglich.

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