Galaxy S7 Benchmarks : Exynos 8890 vs. Snapdragon 820 – Ersteindruck vom MWC

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Galaxy S7 Benchmarks: Exynos 8890 vs. Snapdragon 820 – Ersteindruck vom MWC

Mit dem Galaxy S7 (edge) ist zum MWC 2016 das erste Smartphone mit Samsungs aktuellem Flaggschiff-SoC Exynos 8890 vorgestellt worden. In einem frühen Vergleich musste sich das SoC mit dem Qualcomm Snapdragon 820 messen, der abseits von Europa im Galaxy S7 (edge) und auch im neuen LG G5 verbaut wird.

Der Exynos 8890 ist Samsungs erstes System-on-a-Chip, das nicht ausschließlich auf von ARM stammenden Cortex-Kernen für die CPU basiert. Mit den Mongoose getauften Kernen, auch Exynos M1 genannt, gibt es erstmals eine Eigenentwicklung in einem Exynos-SoC zu sehen. Mongoose bedeutet übersetzt Manguste, dabei handelt es sich um kleine Raubtiere, die in Südeuropa, Afrika und Südasien beheimatet sind.

Weil Mangusten neben Insekten auch giftige Schlangen erlegen und fressen, gilt der Name als Seitenhieb in Richtung Qualcomm, was mittlerweile aber nicht mehr von Relevanz ist. Vor dem 64-Bit-SoC Snapdragon 820 mit Kryo-Kernen sollte mit Taipan angeblich ein 32-Bit-Nachfolger des Krait auf den Markt kommen. Der Taipan und Kraits zählen zur Familie der Giftnattern und werden von Mangusten gejagt.

4 × Mongoose, 4 × ARM Cortex-A53

Im Exynos 8890 stecken zunächst vier der selbst entwickelte Exynos M1, die Samsung mit bis zu 2,3 GHz spezifiziert. Das ist allerdings eine eher konservative Angabe von Samsung, die nur teilweise korrekt ist. Apps wie CPU-Z geben für die M1 bis zu 2,6 GHz an, was zunächst etwas verwirrend ist. Qualcomms Analyse-App Trepn sorgt allerdings für Klarheit: Zwei der M1 dürfen mit bis zu 2,6 GHz takten, die anderen beiden mit den von Samsung angegebenen 2,3 GHz. Welcher Takt letztlich maximal anliegt, bestimmt die Lastverteilung auf zwei M1 (2,6 GHz) oder vier M1 (2,3 GHz).

Exynos 8890 im Galaxy S7 (edge)
Exynos 8890 im Galaxy S7 (edge)

Hexa-Core-SoC bei Nichtbenutzung

Interessant ist außerdem, dass zwei der M1 bei Nichtbenutzung des Smartphones sofort vollständig deaktiviert werden, während die restlichen M1 und die Cortex-A53 zunächst nur im Takt reduziert werden. Wird beispielsweise auf den Homescreen des Smartphones gewechselt und keine weitere Bedienung durchgeführt, wandelt sich der Exynos 8890 praktisch zum Hexa-Core-SoC. Anzumerken ist außerdem, dass die Cortex-A53 mit maximal 1,59 GHz statt 1,6 GHz betrieben werden. Hier gibt es keine unterschiedlichen Taktraten bei der Nutzung aller Kerne oder nur eines einzelnen. Laut Trepn-App können bis zu 1,59 GHz auf allen Cortex-A53 gleichzeitig anliegen.

ARM Mali-T880 MP12

Auf Seiten der GPU kommt ARMs Topmodell Mali-T880 aus dem High-Performance-Segment zum Einsatz. Diese kann mit einem bis 16 Cores konfiguriert werden, Samsung nutzt die Ausbaustufe MP12. Damit nutzt Samsung nun 50 Prozent mehr Cores als noch bei der Mali-T760 aus dem Exynos 7420. Der maximale Takt ist allerdings reduziert worden: Statt bei 772 MHz liegt das Maximum nun bei 650 MHz.

Exynos 8890 Snapdragon 820 Samsung Exynos 7420 Snapdragon 810
CPU 4 × Mongoose
bis zu 2,3/2,6 GHz
&
4 × Cortex-A53
bis zu 1,59 GHz
2 × Kryo
bis zu 2,15 GHz
&
2 × Kryo
bis zu 1,59 GHz
4 × Cortex-A57
bis zu 2,10 GHz
&
4 × Cortex-A53
bis zu 1,50 GHz
4 × Cortex-A57
bis zu 2,00 GHz
&
4 × Cortex-A53
bis zu 1,55 GHz
Speicher 2 × 32-Bit
LPDDR4 @ 1.794 MHz*
2 × 32-Bit
LPDDR4 @ 1.866 MHz
2 × 32-Bit
LPDDR4 @ 1.555 MHz
2 × 32-Bit
LPDDR4 @ 1.555 MHz
GPU Mali-T880 MP12
bis zu 650 MHz
Adreno 530
bis zu 624 MHz
Mali-T760 MP8
bis zu 772 MHz
Adreno 430
bis zu 600 MHz
Fertigung 14 nm LPP 14 nm LPE 20 nm HPm
*Quelle RAM-Frequenz: Anandtech

Die von Samsung auf dem MWC ausgestellten Geräte sind mit Google-Konten eingerichtet und haben somit Zugang zum Play Store, was auf Messen nicht selbstverständlich ist. Somit konnten eine Handvoll Benchmarks auf einem Galaxy S7 edge installiert und durchgeführt werden. Die Messwerte für den Snapdragon 820 stammen von einem Benchmark-Event, das ComputerBase Ende des letzten Jahres besucht hatte. Die Ergebnisse stammen somit von einem Entwicklergerät von Qualcomm, einer sogenannten MDP/S (Mobile Development Platform Smartphone).

Qualcomm MDP/S
Qualcomm MDP/S

Die durchgeführten Benchmarks sollen zunächst einen groben Überblick dazu geben, wo sich der Exynos 8890 ungefähr einsortiert. Versuche, wie sich das SoC unter längerer Last verhält, wurden nicht durchgeführt. Die Temperatur des Smartphones hatte somit keinen Einfluss auf die Ergebnisse – diese Messungen folgen erst mit dem Test.

Naturgemäß profitiert der Exynos 8890 durch seinen Octa-Core-Aufbau von Benchmarks, die die Multi-Core-Leistung messen. Hier sind insbesondere die Multi-Core-Tests des Geekbench zu nennen. Je nach Sub-Benchmark erzielt der Snapdragon 820 in den Single-Core-Tests aber die besseren Werte.

In den Browser-Benchmarks kann sich der Exynos 8890 absetzen, das liegt aber auch an den von Samsung am eigenen Browser vorgenommenen Optimierungen für das Exynos-SoC. Allerdings ist auch auf der MDP/S von Qualcomm ein für den Snapdragon optimierter Browser installiert und verwendet worden, unterm Strich schneidet Samsung somit einfach etwas besser ab. Anders sieht es bei der GPU aus.

GPU-Vergleich

Im GFXBench schneidet die Adreno 530 des Snapdragon etwas besser als die Mali-T880 MP12 ab. Im Manhattan-Benchmark für OpenGL ES 3.0 sind es 13 Prozent oder 5 FPS bei Display-unabhängiger 1080p-Auflösung. Im älteren T-Rex-Benchmark für OpenGL ES 2.0 sind es allerdings nur 2 Prozent oder 2 FPS in Full HD. Im 3DMark hat der Exynos 8890 einen klaren Vorsprung, weil er in den Physik-Tests stark vom Octa-Core-Aufbau der CPU profitiert. Daraus resultiert ein Abstand von 17 Prozent.

Kein eindeutiger Sieger

Einen klaren Sieger gibt es nicht. Multi-Core-Messungen katapultieren den Exynos 8890 nach vorne, Single-Core-Tests sehen den Snapdragon 820 leicht vorne. In puncto GPU gibt es aktuell zumindest in den zwei durchgeführten Benchmarks einen kleinen Vorsprung für Qualcomm. Mit Marktstart der Seriengeräte mit Exynos 8890 und Snapdragon 820 wird deswegen eher entscheidend, welches der beiden SoCs die Leistung über längere Last mit niedrigeren Temperaturen halten kann.

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