Software Freedom Conservancy : Ubuntu verletzt mit ZFS Linux-Lizenzen

, 77 Kommentare
Software Freedom Conservancy: Ubuntu verletzt mit ZFS Linux-Lizenzen

Nach Erkenntnissen der Software Freedom Conservancy (SFC) verletzt Canonicals Aufnahme des Dateisystems ZFS in Ubuntu die GPL. Bereits anlässlich der Nachricht von der Integration von ZFS in Ubuntu 16.04 hatten neben Linux-Entwickler Matthew Garrett auch die SFC Bedenken angemeldet und eine Untersuchung angekündigt.

Die jetzt von der Software Freedom Conservancy vorliegende Erkenntnis ihrer Untersuchung kommt zu dem Schluss, dass Canonical mit der Integration von ZFS in den Ubuntu-Kernel – in Form des Kernelmodul zfs.ko – sowohl gegen die GPL als auch gegen Urheberrechte am Linux-Kernel verstößt.

Erst kürzlich hatte Canonical angekündigt, dass das im April erscheinende Ubuntu 16.04 Xenial Xerus das Dateisystem ZFS im Kernel integriert mitbringen werde. Diese Funktionalität wird als großer Gewinn für Cloud-Computing und Container gesehen, kann aber auch für fortgeschrittene Desktop-Anwender interessant sein.

Canonicals Anwälte sind anderer Meinung

Anwender von Sun Solaris wurden von Linux-Nutzern schon immer um die „Eierlegende Wollmilchsau“ ZFS beneidet. Allerdings blieb ZFS wegen seiner Lizenz für den Linux-Kernel außen vor. Die CDDLv1, unter der Sun Microsystems ZFS veröffentlicht hat, ist nach fast einhelliger Expertenmeinung nicht mit der GPLv2 vereinbar. So sieht es vor allem auch die Free Software Foundation (FSF) als Urheber der GPL. Demnach dürfen Module beider Lizenzen nicht gelinkt werden. Canonicals Anwälte waren anderer Meinung und gaben grünes Licht.

Karen Sandler und Bradley Kuhn von SFC widersprechen dem, auch wenn sie Canonicals Frustration verstehen, dass deren Anwendern die Funktionalität von ZFS im Kernel vorenthalten bleiben soll. SFC hatte Canonical kontaktiert und auf die vermutete GPL-Verletzung hingewiesen, worauf Canonical sich einverstanden erklärte, den Diskurs öffentlich zu führen.

Die SFC und die Inhaber des Urheberrechts am Linux-Kernel, die im GPL Compliance Project For Linux Developers zusammengeschlossen sind, sehen CDDLv1 und GPLv2 als nicht kompatibel an, womit das ZFS-Kernelmodul zfs.ko die Rechte dieser Gruppe und eventuell auch das Urheberrecht von Oracle als Besitzer von ZFS verletzt. Neben dem Hinweis an Canonical auf die GPL-Verletzung appelliert die SFC erneut an Oracle, ZFS unter die GPLv2 zu stellen und damit für den Kernel und die Linux-Distributionen zugänglich zu machen.

77 Kommentare
Themen: