Vorwort
Spätestens seit der erfolgreichen Einführung des iPhone scheint klar zu sein, dass sich das konventionelle Handy mittel- und langfristig auf einen starken Konkurrenten einstellen muss. In einer Zeit, in der die Funktionen eines MP3- und Videoplayers, eines Organizers, Telefons und portablen Internetzugangs langsam aber sicher in einem Gerät verschmelzen, erscheint vielen Kunden eine einzelne der genannten Funktionen als zu featurearm, um gekauft zu werden.
Noch gilt allerdings in der Regel, dass die Eier legenden Wollmilchsäue für das Gros der Kundschaft viel zu teuer und eine Vielzahl der enthaltenen Features noch zu komplex ist, um den Massenmarkt anzusprechen – und auch bei der Umsetzung hapert es des Öfteren. Aus diesem Grund werden derlei feine Geräte gerne im Business-Portfolio der Hersteller und Vertriebspartner geführt, womit sich auch die Preise von mehreren hundert Euro leichter rechtfertigen lassen.
Mit Blick auf die eben erwähnte Verschmelzung darf indes davon ausgegangen werden, dass das Smartphone schon in der nahen Zukunft eine noch wichtigere Rolle spielen wird, als es heute bereits der Fall ist.
In diesem Test haben wir uns dem HTC Touch HD und damit einem der aktuell ambitioniertesten Produkte angenommen. Das Ziel lautete dabei, neben einer generellen Vorstellung grundlegend zu klären, ob das Gerät auch für den Otto-Normal-Käufer Anreize liefern kann.
Touch HD im Überblick
Lieferumfang
Schon bei der Betrachtung des Lieferumfangs kann festgestellt werden, dass der Fokus bei der Konzeption des Touch HD in allen Belangen auf dem Faktor „Eleganz“ lag. Schwarz ist die ausschlaggebend Farbe, in der vom Gerät bis zur Verpackung alle Elemente gehalten sind. Bei der Verpackung handelt es sich primär um einen kleinen, würfelförmigen Karton mit hochwertiger, robuster Beschaffenheit. Darin findet der neue Besitzer des Touch HD den zu erwartenden Inhalt: Neben dem Gerät selber liegen ein Netzteil, ein USB-Kabel, eine CD, Handbücher sowie ein schwarzes Etui für die Verwahrung bei. In der für diesen Test verwendeten o2-Variante liegt außerdem eine 8 GByte große microSD-Karte bei, die für verschiedenste digitale Inhalte angemessenen Platz schafft. Löblich, da durchaus schnell von Verlust betroffen, ist auch, dass man bei Bedarf überdies auf einen Ersatzstift zurückgreifen kann.
Maße
Der Touch HD kann sicher nicht als kleiner, ultraleichter Kommunikationspartner für unterwegs gelten. Dafür fallen die Dimensionen schlicht etwas zu groß aus: Mit 11,5 x 6,2 x 1,5 cm (H x B x T) und einem Gewicht von rund 150 Gramm inklusive Akku passt das Gerät zwar immer noch sowohl in die Hosen- als auch in die Jacket-Tasche, ist dabei jedoch stets spürbar. Vor allem Liebhaber von ultra-dünnen, extrem leichten Geräten werden einige Zeit brauchen, um sich mit dem Touch HD anzufreunden. Dieser Umstand darf allerdings nur bedingt als Negativpunkt vermerkt werden, da die daraus resultierenden Vorteile, wie sich im Folgenden zeigen wird, deutlich überwiegen.
Bedienung
Die Bedienung über einen der mitgelieferten Stifte ist nicht zwingend notwendig. Stattdessen ist Finger-Arbeit angesagt. Herzstück der Ausstattung des Touch HD ist ein großes WVGA-Display, das auf Basis der „HTC TouchFLO 3D“ genannten Berührungssteuerung mit den Fingern bedient werden kann. Mit 3,8-Zoll und einer Auflösung von 480 x 800 Pixel gehört das Display, zumindest was die Dimension betrifft, zur absoluten Oberklasse im Business-Segment.
Glücklicherweise funktioniert die Bedienung mit den Fingern weitgehend reibungslos, was allerdings auch zwingend notwendig ist: Da HTC komplett auf die Integration einer vollwertigen Tastatur verzichtet, ist man auf Gedeih und Verderb auf die ordentliche Funktionsweise des Displays angewiesen. Aus diesem Grund sollte der Ermahnung der beiliegenden Broschüre gefolgt und das Display keinen größeren Druckbelastungen ausgesetzt werden. Übrigens bedeutet die Bedienung per Finger, dass das Gerät aufgrund von Schlieren und Abdrücken bei intensiver Nutzung regelmäßig gereinigt werden muss.
Die Bedienungsfeatures erinnern in ihrer Ausgestaltung weitgehend denen der Konkurrenz, weswegen man keine bahnbrechenden Innovationen erwarten sollte. Das Tippen stellt den Hauptbestandteil der Tätigkeit am Display dar. Vom Schreiben einer E-Mail über Kalendereintragungen oder Änderungen im dynamischen Adressbuch bis hin zum Eintragen einer URL ist man mehrmals am Tag auf die digitale Tastatur angewiesen. Anwender mit eher dünnen Fingern dürften sich dabei schnell mit der insgesamt 2 x 5 cm (H x B) großen Tastatur und den 5 x 4 mm kleinen Buchstaben-Tasten anfreunden; dickere Finger werden dagegen zumindest anfänglich größere Schwierigkeiten haben, einen sauber geschriebenen Satz auf das Display zu zaubern, wobei hier der erwähnte Stift (Stylus) Abhilfe leiste kann.
Abgesehen davon erfolgen auch die anderen notwendigen Tätigkeiten über das Berühren des Displays: So lassen sich Einträge durch ein Ziehen und Loslassen verschieben, Anrufe durch einen entsprechenden Fingerzeig an- bzw. ablehnen und auch das Aufrufen von Menüpunkten geschieht durch eine Berührung, die stets sehr solide umgesetzt wird. Trotz der ausgezeichneten Funktionsweise finden sich wichtigsten Funktionen aber auch in Form von vier Tasten, die unterhalb des Displays platziert wurden. Hier kann zum einen ein Anruf gestartet und beendet werden, zum anderen bietet eine Home-Taste die Möglichkeit, schnell auf den Startbildschirm zu gelangen und der Zurück-Button hilft beim schnellen Navigieren.
Die Bedien-Oberfläche lässt sich mit den Worten „nüchtern aber edel“ beschreiben, wobei das zugrunde liegende Windows Mobile 6.1 Professional eine gute Figur macht. Wer zweckorientierte Menüs mag, wird mit dem Touch HD seine Freude haben: Über im unteren Teil des Displays befindliche Buttons gelangt man schnell und effizient zu den wichtigsten Funktionen. Die Reihenfolge und Visualisierung lässt sich dazu beliebig verändern, was den Bedien-Komfort weiter erhöht. Wer sich fernab dieser Funktionen in die Menü-Tiefen von Windows Mobile begibt (dazu reicht es manchmal schon, eine SMS an einen neuen Kontakt schreiben oder aber die Optionen des Kalenders verändern zu wollen), findet sich zumindest Anfangs recht schnell in einem etwas unübersichtlichen Gewirr wieder, wobei sich die eben beschriebenen separate Home- bzw. Zurück-Taste als wahrer Segen erweisen. Diese Einschränkung in der Bedienbarkeit ist allerdings von anfänglicher und somit nur temporärer Natur, weswegen auch hier kein eindeutiger Negativpunkt vermerkt werden soll.
Performance
So lobenswert die Bedienung, so in Teilen bedenklich die Performance. Zwar läuft die Arbeit mit dem Touch HD in der Regel weitgehend flüssig; ab und an auftretende Verzögerungen und ein überraschend langsamer Bootvorgang schmälern allerdings den Eindruck des Gerätes in dieser Hinsicht. Für das Starten bis zur PIN-Eingabe braucht der Touch HD satte 55 Sekunden – inklusive fehlerfreier Eingabe kann man mit rund 90 Sekunden rechnen. Dabei scheint die Ausstattung mit einem MSM 7201A Prozessor (528 MHz) von Qualcomm und 288 MB RAM (ROM: 512 MB) eigentlich angemessen, sodass auch mit Blick auf (sehr selten) auftretende Hänger bei der Benutzung vermutet werden kann, dass das füllige Windows Mobile 6.1 Professional zu den Verantwortlichen zu zählen ist.
Kommunikation
In Sachen Kommunikation bietet der Touch HD erwartungsgemäß alles, was das Herz begehrt. Die Sprachqualität ist zwar nicht als natürlich, dafür aber völlig ausreichend und vor allem lautstärketechnisch ideal zu beschreiben. Neben Quad-band GSM/GPRS und EDGE kann je nach Standort und Netzbetreiber überdies auf HSDPA und HSUPA zurückgegriffen werden, was theoretische Downloadraten von bis zu 7,2 MBit/s und Uploadraten von bis zu 1,5 MBit/s ermöglicht. Überdies kann sich das Touch HD in W-LAN-Netze (802.11 b/g) einklinken, was vor dem Hintergrund wachsender Verfügbarkeit von entsprechenden Gratis-Angeboten gerade in Ballungszentren ein immenses, aber mittlerweile in der Regel obligatorisches Feature darstellt. Abgerundet wird der Reigen der Kommunikationsmöglichkeiten von Bluetooth 2.0 mit EDR und A2DP.
Multimedia & Navigation
In Erinnerung an das Vorwort darf nicht verwundern, dass man sich mit dem Touch HD nicht nur ein Mobiltelefon sondern auch einen Quasi-PMP ins Haus holt. Die Qualität steht dabei der von „waschechten“ portablen Media Playern in nichts nach. Auch hier profitiert das Gerät zunächst maßgeblich von dem großzügig dimensionierten, hochwertigen Display, das das Anschauen von Videomaterial (zum Beispiel mittels des flinken Opera Mobile Browsers online auf den einschlägigen Plattformen) zu einem wirklichen Vergnügen macht. Doch auch in anderer Hinsicht weiß das HTC-Flaggschiff zu überzeugen. Da wäre zum Beispiel die Klangqualität, die trotz der kleinen Lautsprecher ohne Scheppern und Co. zu überzeugen weiß, wodurch die Nutzung der 3,5-mm-Klinkebuchse nicht immer zwingend notwendig ist. Aus diesem Grund fühlt man sich auch schnell dazu eingeladen, die eigene Musik-Sammlung auf das Touch HD zu übertragen, zumal mit AAC, AAC+, eAAC+, AMR-NB, AMR-WB, QCP, MP3, WMA, WAV viele Formate unterstützt werden. Abgerundet wird die Featureliste von einer integrierten 5-Megapixel-Kamera mit Auto-Focus, die Bilder liefert, die auch bei näherer Betrachtung auf dem PC von ansprechender Qualität zeugen.
Für Navigationszwecke verfügt das Gerät übrigens auch über integriertes GPS, wobei jedoch leider kein Kartenmaterial bzw. eine entsprechende Software mitgeliefert wird. Wer hier nicht nachrüsten möchte, kann immerhin auf das vorinstallierte Google Maps zurückgegriffen werden, bei dem sich die Bedienung erneut aufgrund des großen Displays sehr komfortabel ausnimmt.
Office
Da es sich beim Touch HD offiziell um ein Business-Smartphone handelt, soll auch ein kurzer Blick auf die entsprechenden Office-Funktionalitäten geworfen werden. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass man hier alles notwendige, allerdings darüber hinaus keine Neuerungen oder bemerkenswerte Features erhält. Dank POP3/IMAP/SMTP/Microsoft-Push kann das Touch HD prinzipiell als BlackBerry-Ersatz herhalten, wobei Vielschreiber trotz der guten Umsetzung eine vollwertige Tastatur vermissen werden. Weitere Anwendungen wie Office Mobile, OneNote und ein PDF-Viewer unterstreichen dezent den Business-Anspruch, ohne allerdings sonderlich bemerkenswert zu sein.
Laufzeiten
Die Laufzeiten des Touch HD mit Lithium-Ion-Akku (1350 mAh) lesen sich zunächst ordentlich, aber nicht berauschend. Da HTC einige Angaben hierzu macht, sollen diese in der folgenden, kleinen Übersicht aufgeschlüsselt werden.
Akku-Laufzeiten (Herstellerangaben)
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Prinzipiell lassen sich derlei Angaben immer recht schwer verifizieren. Außerdem lässt sich daraus nur bedingt ablesen, inwieweit die Laufzeiten für den täglichen Gebrauch etwas taugen. Aus diesem Grund wurde das Touch HD im Rahmen dieses Tests über einen längeren Zeitraum als Erst-Mobiltelefon mitgeführt. Die Erkenntnis: Bei einem durchschnittlichen Telefonverhalten (4 – 10 Anrufe pro Tag) und einer regelmäßigen Nutzung der weiteren Features (Abspielen von Musik- und Video-Inhalten, Surfen, E-Mailen etc.) hält das Gerät ohne Weiteres eine Arbeitswoche (fünf Werktage) ohne Aufladung durch, was absolut angemessen ist. Auch die maximale Laufzeit für Video-Telefonie liegt mit 140 Minuten in einem sehr annehmbaren Rahmen, was übrigens auch für die Ladezeit gilt (von 0 auf 100 Prozent in rund 90 Minuten).
Synchronisation
Sofern eine regelmäßige Synchronisation von Nöten sein sollte, lässt sich diese ohne nennenswerte Schwierigkeiten mit dem Touch HD realisieren. An ein Vista-Notebook angeschlossen, klappt der Austausch eines 250 Einträge leichten Adressbuches über das Windows Mobile Center und USB 2.0 innerhalb von 32 Sekunden. Beim Verschieben von größeren Datenmengen macht sich dagegen ein schleppender Datenaustausch bemerkbar: Für eine 360 MByte große Ansammlung von Musikdateien muss man rund fünf Minuten einplanen, sodass der Datentransfer nicht zu den ultimativen Stärken des Touch HD zu zählen ist.
Verfügbarkeit & Preise
Das HTC Touch HD ist bereits seit dem vierten Quartal 2008 (und damals zunächst vierwöchig exklusiv bei o2) erhältlich. Vor dem Hintergrund der beschriebenen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten verwundert es nicht, dass die freie Variante des Gerätes auch aktuell noch immer mit Preisen ab 540 Euro [1] zu Buche schlägt. Dabei muss jedoch bedacht werden, dass von der Wetter- bis zu E-Mail-Funktion viele der nennenswerten Features auf die Verfügbarkeit einer Datenverbindung angewiesen sind, sodass je nach Anwenderverhalten und -ansprüchen über den Abschluss eine entsprechenden Vertrags oder Prepaid-Option nachgedacht werden sollte (zumal man das Gerät in ersterem Fall zu einem günstigeren Preis erwerben kann). Bei einer zurückhaltenden Nutzung der Online-Funktionen kann allerdings auch der Betrieb über einen Discounter mit entsprechenden MB-Preisen sinnvoll sein.
Fazit
Es gibt nicht viele Tests, bei denen bereits vor dem Lesen des Fazits klar ist, dass eben dieses sehr positiv ausfallen wird. Dies ist allerdings nicht einer wahnsinnigen HTC-Euphorie, sondern dem äußerst positiven Gesamteindruck, den das Touch HD hinterlässt, zu schulden. Insgesamt betracht überwiegen die Vorteile die Nachteile deutlich. Letztere sind schnell aufgezählt: Der einzige, wirklich nennenswerte Schwachpunkt des Gerätes ist in der Leistung zu finden. Der Boot-Vorgang dauert definitiv zu lange und auch die – zum Glück äußerst selten auftretenden – Hänger im Arbeitsfluss schmälern den sonst so hervorragenden Eindruck, den wir nach gut einem Monat mit dem Gerät gewinnen konnten. Die Einschränkung, die man dadurch erfährt, gestalten sich indes als gering und wären bei größeren Problemen, zum Beispiel mit der Bedienung, wahrscheinlich nur am Rande erwähnt worden.
Die saubere Bedienbarkeit über das große Display stellte tatsächlich den wichtigsten Punkt in der Betrachtung dar. Aufgrund des Fehlens einer vollwertigen Tastatur und auch zur Anwendung der Features im Office- und Kommunikationsbereich ist die Funktion der Finger-Steuerung von essentieller Bedeutung. An dieser Stelle auftretende Probleme wären aus diesem Grund einer mittelgroßen Katastrophe gleich gekommen. Glücklicherweise gibt es an dieser Stelle jedoch nichts zu beanstanden.
Stattdessen lassen sich die alltäglichen Tätigkeiten am Touch HD wunderbar verrichten. Dabei zeigt das Gerät zudem Stärken als Quasi-PMP, was vor allem auf das bereits häufiger erwähnte Display sowie die annehmbare Soundqualität zurück zu führen ist. Auch in puncto Kommunikation erhält der geneigte Käufer mit HSDPA/HSUPA, W-LAN und Bluetooth ein State-Of-The-Art-Produkt, was auch bei regelmäßiger Anwendung nicht zu unterirdischen Akku-Laufzeiten führt. Vor dem Hintergrund einer solchen Ausstattung lässt sich dann auch der hohe Preis besser rechtfertigen, wobei auch der Erwerb einer subventionierten Variante inklusive entsprechendem Datentarif und Vertrag je nach Anwendertypus durchaus sinnvoll sein kann.
Das Touch HD ist, in Erinnerung an das Vorwort zu diesem Test, somit weitaus mehr als ein bloßer Office-Begleiter. Bezeichnenderweise fallen die Features in dieser Hinsicht deswegen auch eher konventionell aus, während die weiteren Funktionen dazu taugen, auch Privatanwender anzusprechen. Wer also abseits des iPhone 3G nach einem hochwertigen Smartphone sucht, darf sich guten Gewissens näher mit dem Flaggschiff aus dem Hause HTC befassen.
Aktueller Preis: HTC Touch HD [2]




