Vorwort
In Zeiten, in denen das Smartphone für eine immer größere Anzahl von Nutzern von größtem Interesse ist, verwundert es nicht, dass auch ein Unternehmen wie Acer auf den fahrenden Zug aufspringt und eigene Produkte anbietet.
Ein Blick auf das gegenwärtige Acer-Portfolio offenbart aber, dass das entsprechende Angebot noch nicht allzu umfassend ist. Dies gilt insbesondere für Android-Geräte, weswegen zu Beginn des Jahres das Liquid aus dem Hause Acer für manches Aufsehen sorgte.
Was das Liquid an mancher Stelle nicht perfekt machte, soll mit dem Nachfolger, dem Liquid E, nun noch besser werden. Also hat man es hierbei mit einem der ambitioniertesten Acer-Geräte der Gegenwart zu tun, das mit einer Top-Ausstattung und Android 2.1 überzeugen soll. Dies bedeutet aber auch, dass das „E“ im Namen nur einige, dafür aber durchaus essentielle Änderungen mit sich bringt.
Im Folgenden soll geklärt werden, ob Acer mit dem Liquid E tatsächlich einen beachtenswerten Android-Boliden abliefert und ob das Gerät somit als potentieller Kandidat in eine mögliche Kaufentscheidung einbezogen werden kann.
Spezifikationen
| Komponente | Ausstattung |
|---|---|
| Typ | Bartype |
| Prozessor | Qualcomm 8250, 768 MHz (gedrosselt von 1 GHz) |
| Arbeitsspeicher | 512 MByte |
| Betriebssystem | Android 2.1 |
| Akku | Lithium-Polymer, 1.350 mAh |
| Speicherplatz | ca. 280 MByte intern (via Speicherkarte erweiterbar, max. 32 GB) |
| Größe | 115 x 64 x 13 mm (L x B x H in mm) |
| Gewicht | 135 Gramm (inklusive Akku) |
| Display | Kapazitiv, 3,5 Zoll, TFT (Auflösung: WVGA, 480 x 800 Pixel) |
| Bedienung | Touch, Knopfreihe |
| Kommunikation | Quadband GSM/GPRS/EDGE, UMTS (HSDPA/HSUPA), WLAN (IEEE 802.11 b/g), Bluetooth 2.0, GPS |
| Kamera | 5 Megapixel, Autofokus |
| Audio- /Video-Unterstützung | MP3, AAC, M4A, WMA, WAV, MIDI, 3GP, H.263, MPEG-4, H.264, WMV |
| SAR-Wert | 0.73W/kg |
Liquid im Überblick
Optik & Verarbeitung
Das Liquid E wirkt auf den ersten Blick aufgrund seiner Maße von 115 x 64 x 13 mm (L x B x H in mm) ziemlich klobig. Dies ist insbesondere der Breite, aber auch der Länge geschuldet, und auch die Höhe belegt, dass man es hier nicht gerade mit einem dezenten Android-Smartphone zu tun hat.
Verstärkt wird dieser Eindruck durch die kompakte Form: Von leicht abgerundeten Ecken einmal abgesehen, hat man es hier mit einem griffigen Barren zu tun, was sich in der Hand (ausreichende Spannweite vorausgesetzt) gut anfühlt, in der Hosentasche aber für einige Beulen sorgt. Dafür wird man gewichtstechnisch positiv überrascht, denn die Aufnahme des Liquid E erinnert an das Anheben einer vermeintlich gusseisernen Pfanne: Statt des erwarteten Gewichts lässt sich der Gegenstand überraschend einfach aufnehmen, sodass der Arm leicht in die Höhe fliegt. Das Liquid E ist also kein massiver Ziegelstein, lässt sich mit 135 Gramm Gesamtgewicht aber durchaus in die Rubrik der schwereren Smartphones einordnen.
Die Verarbeitung ist überwiegend gut, wobei die zum Einsatz kommenden Materialien keinen Hochgenuss darstellen. Die Vorderseite wird fast ausschließlich vom mit 3,5 Zoll angenehm großen Display eingenommen, während die Rückseite sowie die Ränder unseres Testgerätes in weißer Plastik gehalten sind (weitere Farben sind verfügbar). Gelungen: Auf der Stirnseite befinden sich weiße Leuchten, sodass ein Blick in die Tasche genügt um z.B. festzustellen, ob man einen Anruf verpasst hat.


Die rückwärtige Schale lässt sich problemlos entfernen, ist aber enorm dünn und wird an nur drei Stellen über kleine Plastik-Pins mit dem Hauptkörper verbunden. Hier findet sich eine ziemlich unansehnliche Fuge, die über die Zeit an Größe zunehmen dürfte. Die Rückseite wirkt auch deswegen weder sonderlich wertig noch besonders vertrauenserweckend – gut vorstellbar, dass die besagten Pins bei zu eifrigen SD-Karten-Wechslern (der Slot befindet sich im Innern, zum Wechseln muss der Akku entfernt werden) über die Zeit zu stark strapaziert werden.
Einen wirklichen Grund zum Meckern gibt es an dieser Stelle also nicht; gleiches gilt aber auch für größere Euphorie. Während das grundsätzliche Design Geschmackssache ist, lässt sich aber sagen, dass etwas dezentere Maße sowie ein wertigeres Äußeres dem Liquid E gut getan hätten. Dieser Punkt soll im Fazit noch einmal aufgegriffen werden.
Bedienung & Oberfläche
Die Bedienung des Liquid E erfolgt über das 3,5 Zoll große kapazitive Display, das mit seinen Eigenschaften und einer Auflösung von 480 x 800 Pixeln zur Oberklasse zu zählen ist. Die Darstellungsqualität ist mit satten Farben und Kontrasten hervorragend, während die Helligkeit (von Werk bei 40 Prozent) ruhig ein wenig höher gestellt werden sollte, um die Optik weiter zu verbessern.
Löblich ist auch, dass das Display sehr gut auf Nutzereingaben reagiert. So wird die Navigation über die Android-2.1-Oberfläche und die Anwendungen auch dank Multi-Touch zu einem wirklich angenehmen da flüssigen Unterfangen, was sicher auch von der guten Hardware-Austattung unterstützt wird, zu der ein leicht-gedrosselter Snapdragon-Prozessor sowie 512 MByte Arbeitsspeicher gehören.
Kombiniert wird die Bedienung via Display mit der darunter liegenden dezenten Knopfreihe, die neben einem Home-Button eine „Suche“- und „Zurück“-Funktion sowie einen Schnellzugriff auf die in der jeweiligen Rubrik relevanten Optionen bietet. Dieses Funktionsangebot gestaltet sich im Alltag als hilfreich, um die Touch-Bedienung zu komplementieren - was Vieltelefonierer hier allerdings vermissen könnten, sind separate Buttons zur Annahme bzw. Beenden von Anrufen.
Die wichtigste Neuerung im Vergleich zum Liquid ist, dass das E mit dem vergleichsweise neuen Android 2.1 ausgeliefert wird (das Liquid kam mit der Version 1.6 auf den Markt). Allerdings wird es entgegen mancher, vor allem englischsprachiger Meldungen im Web wohl keine Upgrade-Funktion auf Froyo geben – das Liquid E wird also, von möglichen Kniffen wie inoffiziellen ROMs einmal abgesehen, voraussichtlich auf Eclaire-Niveau stehen bleiben. So lautet zumindest die offizielle Auskunft im August 2010.
Acer belässt die Android-Oberfläche überwiegend im Original-Zustand, was aufgrund der aufgeräumten Menüs und der dadurch grundsätzlich hohen Übersichtlichkeit keinerlei Grund zur Beschwerde gibt. So kann auch in diesem Fall über insgesamt fünf frei modifizierbare Desktops verfügt werden, die über die Nutzung des Android Marketplace und der dort verfügbaren Programmvielfalt sehr individuell angepasst werden können.
Ausgefallene, über das Standard-Repertoire hinaus gehende Widgets sollte man von Werk ab zwar nicht erwarten, dafür finden sich einige kleinere Acer-Anwendungen, die je nach Nutzertyp durchaus hilfreich sein können. Dazu gehört die Möglichkeit, Einstellungen wie die Konnektivität, Informationen zum Gerät oder die Display-Helligkeit direkt und übersichtlich über ein separates Acer-Widget zu steuern bzw. abzurufen. Weitere Widgets wie Acer Sync erlauben die separate Synchronisation von unterschiedlichen Medientypen wie Fotos, Musik und Videos; bei Acer Aufgaben handelt es sich um einen rudimentären Task-Verwalter, der professionellere Anwendungen wie den Google Kalender allerdings kaum ablösen dürfte.
Multimedia & Office
Die Kamera liefert mit 5 Megapixeln und einem schnellen Autofokus befriedigende Ergebnisse. Leider gilt mit Blick auf wenig satte, etwas schmierige Farben auch in diesem Fall, dass das Smartphone nur in seltenen Fällen eine kompakte Digitalkamera ersetzen kann – wer mehr als den einen oder anderen Schnappschuss erwartet, sollte sich also anderweitig umsehen. Angenehm ist aber die schnelle Verarbeitung, die neben dem Autofokus durch die schnelle Abspeicherung bedingt wird. Gleiches gilt für die verfügbaren Funktionen: Hier wird mit Weißabgleich, ISO-Wert und Feintuningmöglichkeiten zur Bildqualität ein angemessenes Repertoire geboten. Eine LED-Leuchte fehlt allerdings, sodass selbst Nahaufnahmen bei mäßigem Licht oder gar Dunkelheit nicht möglich sind. Videos können mit bis zu 30 Bildern pro Sekunde in VGA-Auflösung aufgenommen werden.
Aufgrund des guten und großen Displays sowie auf Basis einer umfassenden Codec-Unterstützung kann das Liquid E dafür durchaus als portabler Mediaplayer fungieren. Während die Musik-Wiedergabe insbesondere dank des vorhandenen 3,5mm-Klinkensteckers gar nicht erst diskutiert werden muss, lässt sich sagen, dass Freunde des mobilen Videogenusses im Liquid E einen beachtlichen Begleiter finden, der sich vor der Konkurrenz nicht verstecken muss.
Auch das Surfen mit dem Android-Standard-Browser macht auf dem Acer-Gerät Spaß – komplexe Seiten wie die Mobi-Variante von ComputerBase werden in schnellen sieben Sekunden aufgebaut. Mit Multi-Touch und dem damit verbundenen, gängigen Fingerkniffen sowie einer äußerst flüssigen und brillanten Darstellung zeigt sich auch in dieser Hinsicht, dass man es mit einem potenten Kandidaten zu tun hat.
Officeseitig findet man die gängige und dementsprechend angemessene Ausstattung vor: Mit „Documents To Go“ lassen sich ohne Weiteres Office- und PDF-Dateien anzeigen und bei Bedarf per Aktivierungsschlüssel auch editieren. Die E-Mail-Integration funktioniert gewohnt einfach und zuverlässig, wobei natürlich auch Exchange eingebunden werden kann. Die Tastatur bietet dank durchgängigem QWERTZ-Layout einen guten Komfort, erfordert aber selbstverständlich auch in diesem Fall eine gewisse Einarbeitungszeit; bei einem derart gut ausgestatteten Gerät verwundert nicht, dass natürlich auch ein Bewegungssensor verbaut ist, sodass man auch im noch bequemeren Querformat schreiben kann.
Kommunikation
Kommunikationstechnisch ist man im Falle des Liquid E auf alle Eventualitäten eingestellt – hier erhält man eine nahezu perfekte Ausstattung. Neben dem obligatorischen Quadband GSM/GPRS und EDGE bietet das Gerät UMTS (HSDPA/HSUPA), WLAN (802.11 b/g) sowie Bluetooth EDR 2.0, wobei sich mobile Surfer in Ballungszentren insbesondere über den schnellen Down- bzw. Upload über HSDPA/HSUPA freuen dürften.
Laufzeiten
Acer verspricht für das Liquid E bis zu fünf Stunden Sprech- sowie 400 Stunden Standby-Zeit. Wie bei allen anderen Testgeräten erscheint es auch in diesem Fall nicht sinnvoll, diesen Werten in irgendeiner Weise nachfühlen zu wollen. Stattdessen ist an dieser Stelle der Hinweis angebracht, dass der 1.350 mAh starke Akku bei einer konventionellen Nutzung durchaus zwei Tage durchhalten kann, womit die leichte Drosselung der kraftvollen CPU zu gunsten der Laufzeiten eine Berechtigung erfährt.
Fazit
Das Fazit zu diesem Test fällt eindeutig aus: Mit dem Liquid E bietet Acer ein Android-Smartphone an, das über weite Strecken überzeugen kann. Dies ist – insbesondere vor dem Hintergrund eines fairen Preises – vor allem der umfassenden Ausstattung geschuldet, die kaum etwas vermissen lässt. Dazu gehören ein gutes Display, eine schnelle CPU, eine angemessene RAM-Ausstattung, Android 2.1 sowie alle denkbaren Konnektivitätsoptionen inklusive HSDPA/HSUPA.
Alles wunderbar, also? Nicht ganz, denn zwei kleine Mankos gilt es dann doch zu benennen, wobei das eine weitgehend objektiv ist, während das andere einem völlig subjektiven Empfinden geschuldet ist.
Der objektive Aspekt bezieht sich auf die Materialwahl sowie die Verarbeitungsqualität. In Zeiten, in denen die Konkurrenz mit hochwertigen Gehäusen im Alu-Unibody, Glas-Kleid oder mit elegant gebürsteten Alu-Schalen auftrumpft, wirkt die dünne Plastik-Schale des Liquid E ebenso fragil wie deplaziert. Die Verarbeitungsqualität ist dabei zwar nicht per se zu beanstanden, doch wirkt gerade die Rückseite des Gerätes nicht zu hundert Prozent vertrauenserweckend. Hier haben die Verantwortlichen in der Konzeption also den simplen Weg gewählt – eine Entscheidung, die sicher auch zu Gunsten des wie erwähnt fairen Preises getroffen wurde.
Der zweite, eher subjektive Aspekt bezieht sich auf den grundsätzlichen „Look“ des Smartphones. Aufgrund der Maße, bei denen insbesondere die Breite stark betont wird, wirkt das Liquid E klobig. Eine etwas grazilere, dezentere Form hätte dem Gerät unserem Empfinden nach gut getan.
Bei beiden Punkten handelt es sich aber um Kritik auf hohem Niveau. Aus diesem Grund lässt sich abschließend trotz dieser zwei Aspekte sagen: Wer ein gutes Android-Smartphone sucht und etwas mit dem Design anfangen kann, sollte das Liquid E nicht zuletzt aufgrund des angemessenen Preises definitiv in die engere Wahl nehmen.
Verfügbarkeit & Preise
Das Liquid E ist seit Juni 2010 erhältlich und kann bei den üblichen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Tarifen zu entsprechend variierenden Preisen erworben werden. In der freien Variante kann mit einem Preis von aktuell rund 340 Euro aufwärts [1] gerechnet werden, wobei die Verfügbarkeit sich bei Internet-Händlern in vergleichsweise engen Grenzen hält.






