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Test: HTC Touch2

von Sasan Abdi

Vorwort

Gute Smartphones gibt es mittlerweile wie Sand am Meer. Um aus der immer größer werdenden Konkurrenz heraus stechen zu können, bedarf es deswegen immer dringender eines Alleinstellungsmerkmals. Dabei bewies HTC im Jahr 2009 mit einer recht breiten, potenten Produktpalette ein insgesamt solides Händchen. Mit dem Touch2 hat nun ein Vertreter der Taiwaner den Weg zu uns gefunden, der vornehmlich dank schlanker Maße und einer guten Ausstattung überzeugen soll. Im Folgenden soll geklärt werden, ob das Touch2 tatsächlich dem Motto „klein aber fein“ entspricht.

HTC Touch2
HTC Touch2

Spezifikationen

Touch2 Spezifikationen
Komponente Ausstattung
Typ Barren
Prozessor 528 MHz (Qualcomm MSM722)
Arbeitsspeicher ROM: 512 MB / RAM: 256 MB
Betriebssystem Windows Mobile 6.5
Akku Lithium, 1.100 mAh
Speicherplatz 256 MByte intern (via Speicherkarte erweiterbar, max. 32 GB)
Größe 104 x 55 x 13 (L x B x H in mm)
Gewicht 110 Gramm (inklusive Akku)
Display 2,8 Zoll mit QVGA-Auflösung (Auflösung: 240 x 320)
Bedienung Touchdisplay, Zoomleiste
Kommunikation Quadband GSM/GPRS/EDGE, UMTS (HSDPA/HSUPA),
WLAN (IEEE 802.11 b/g), Bluetooth 2.1 EDR & A2DP, GPS
Kamera 3,2 Megapixel
Audio-Unterstützung AAC, AAC+, eAAC+, AMR-NB, QCP, MP3, WMA, WAV, MIDI, M4A
Video-Unterstützung WMV, ASF, MP4, 3GP, 3G2, M4V, AVI

Touch2 im Überblick

Optik & Verarbeitung

Die Inbetriebnahme des Touch2 erfolgt erwartungsgemäß problemlos: Die rückwärtige Schale lässt sich einfach lösen und insbesondere der an der Seite befindliche, stets frei zugängliche microSD-Kartenslot sorgt für eine angenehme Handhabung der Speicherkapazitäten. Für die intensivere Nutzung sollte eine solche (übrigens nicht beiliegende) Karte auch verwendet werden, da die 250 MByte freier Speicher in diesem Fall schnell belegt sein dürften.

Touch2 - Frontansicht
Touch2 - Frontansicht

Optisch lässt sich das Touch2 in die Rubrik „dezent aber solide“ einordnen. Das „dezent“ wird inbesondere durch die auffällig kleinen Maße erzeugt: Mit einer Abmessung von 104 x 55 x 13 (L x B x H in mm) liegt das Gerät wunderbar in der Hosentasche, was viele Konkurrenten nicht von sich behaupten können. Allerdings bringt das schlanke Äußere auch einen nicht zu vernachlässigenden Nachteil mit sich, auf den weiter unten eingegangen wird. Das altbekannte aber weiterhin hochaktuelle Spannungsfeld von Portabilität vs. Benutzungskomfort findet sich also auch hier wieder, interessanterweise quasi in umgekehrter Art wie beim HTC Touch Pro 2 (ComputerBase-Test [1]).

Das „solide“ wird natürlich ebenfalls von der Größe, insbesondere aber von den verwendeten Farben erzeugt: Neben großen schwarzen Flächen dominieren dezentes Silber für den HTC-Schriftzug und die Kamerafassung bzw. Weiß für die Button-Logos. Außerdem kommt hinzu, dass trotz des durchgängigen Einsatzes von Plastikelementen eine saubere Verarbeitung vorliegt, die im Bereich Haptik einen guten Eindruck hinterlässt und dem Gerät fast schon einen eleganten Touch gibt.

Größentechnisch und optisch macht das Touch2 eine gute Figur
Größentechnisch und optisch macht das Touch2 eine gute Figur

Bedienung & Oberfläche

Das Touch2 gehört zu den ersten Smartphones, auf denen das vergleichsweise neue Windows Mobile 6.5 zum Einsatz kommt. Nach wie vor vertrauen die Verantwortlichen allerdings nicht ausschließlich auf die Funktionalität des mobilen Betriebssystems von Microsoft, sondern stellen zumindest auf den Standard-Oberflächen mit der bekannten und in diesem Fall aufgebohrten TouchFLO-Technologie ein eigenes Interface bereit, das es dem Nutzer durch das Durchscrollen einer am unteren Bildschirmrand befindlichen Leiste erlaubt, viel genutzte Kategorien wie „Telefon“, „Kontakte“, „Browser“ und die unterschiedlichen Multimedia-Bereiche direkt aufzurufen. Die Bedienung funktionierte in diesem Fall mit Blick auf die Übersichtlichkeit gewohnt hervorragend, doch gilt auch für Windows Mobile 6.5 wie schon bei der Vorgängerversion, dass das Betriebssystem insbesondere beim tieferen Einstieg in die Menüs – also abseits des TouchFLO-Interfaces' – nicht gerade mit einer einfachen Führung und einem zeitgemäßen Auftreten zu überzeugen weiß.

Einschränkungen in der Bedienung gehen allerdings auch von der verwendeten Hardware aus. So fußt die Navigation durch die Menüs auf der Berührung eines mit 2,8 Zoll recht kleinen und mit 240 x 320 Pixeln recht niedrig auflösenden, resistiven Touchscreens. Das Touch2 reagiert also auf Druck, was an dieser Stelle mit Blick auf besser gelungene Umsetzungen anderswo noch nicht einmal grundsätzlich als altbackene Technologie verdammt werden soll. Leider stellt das Gerät allerdings einen Vertreter dar, bei dem die Bedienung über ein ebensolches Display weniger passabel umgesetzt wurde, was sich in einer manchmal trägen oder ungenauen Übertragung der Benutzereingaben äußert und durchaus dazu führen kann, dass es zwei, drei Daumenschwenks bedarf, um das Gerät wieder zu entsperren. Die Trägheit ist dabei übrigens nicht mit jener zu Verwechseln, die aufkommt, wenn mehr als zwei Tasks gleichzeitig laufen. Mit Blick auf die annehmbare Hardware-Ausstattung lässt dies die Vermutung zu, dass Windows Mobile 6.5 nicht nur einige neue Features wie dynamische Kontakte mit sich bringt, sondern auch etwas systemfordernder funktioniert.

Die Bedienung erfolgt zumeist über die TouchFLO-Leiste
Die Bedienung erfolgt zumeist über die TouchFLO-Leiste

Während die eher kleinen Maße im Bereich der Portabilität ein deutliches Plus darstellen, bedeutet die Größe des Displays (41 x 55,5 mm) insbesondere in Verbindung mit der erwähnten, manchmal schwammigen Übertragung der Benutzereingaben auch ein Problem bei alltäglichen Anwendungen wie dem Schreiben von E-Mails oder Textnachrichten. Dies wird allerdings durch eine breite Palette von Tastatur-Layouts kompensiert: Neben dem konventionellen Handy-Layout kann man auch auf QWERTZ zurückgreifen. Da letzteres auf dem schmalen Display gequetscht wirkt, kann auch eine Doppelbelegung gewählt werden, bei dem jede Taste mit zwei Buchstaben belegt ist. Dieser vermeintlich kleine Eingriff sorgt für einen gehobenen Nutzerkomfort, der die ansonsten vor allem für Vielschreiber bestehende Problematik in der Bedienung deutlich entschärft.

Zusätzlich zum Display kann übrigens auch beim Touch2 auf insgesamt fünf unterhalb des Bildschirms befindliche Knöpfe zurückgegriffen werden, die die schnelle Durchführung bestimmter Befehle (z.B. „Zurück“ oder „Home“) erlauben. Außerdem verfügt das Gerät wie manche Vorgänger unterhalb des Displays über eine berührungsempfindliche Zoomleiste, die insbesondere beim Surfen die fehlende Multitouch-Funktionalität erträglich macht.

Kommunikation

In Sachen Kommunikation lässt HTC mit dem Touch2 erwartungsgemäß keinerlei Wünsche offen. Neben Quadband GSM/GPRS und EDGE kann je nach Örtlichkeit und Netzbetreiber auf UMTS-Kommunikation via HSDPA und HSUPA zurückgegriffen werden, was zumindest theoretische Downloadraten von bis zu 7,2 MBit/s und Uploadraten von bis zu 1,5 MBit/s ermöglicht. Auch WLAN (802.11 b/g) und Bluetooth 2.1 mit EDR und A2DP für den drahtlosen Stereo-Musikgenuss werden unterstützt.

Multimedia & Office

Begreift man Smartphones primär als portable Mediaplayer, so stellt das Touch2 einen nur mäßigen Begleiter dar. Zwar werden sowohl im Video- als auch im Audiobereich allerlei gängige Codecs unterstützt, doch ist hier noch stärker als im Bereich „Bedienung & Oberfläche“ die Größe und Auflösungsfähigkeit des Displays zu beklagen. Auf den Punkt gebracht bedeutet dies, dass man mit dem Touch2 insbesondere im Bereich der Videos nicht glücklich werden wird, auch wenn man mit Windows Media Player und HTC-eigenem Player eine recht ordentliche Auswahl an Abspielsoftware zur Verfügung hat. Wer sein Smartphone dagegen vornehmlich als MP3-Player benutzt, dürfte sich abermals über die schlanken Maße freuen und dass besonders deshalb, weil HTC dem Gerät endlich eine 3,5 mm-Audiobuchse spendiert, was das lästige Hantieren mit Adaptern überflüssig macht. Die Qualität der mitgelieferten Kopfhörer bewegt sich übrigens auf einem erwartungsgemäß durchschnittlichen Niveau.

Die 3,2-Megapixel Kamera weiß dagegen beleuchtungsabhängig mit recht guten Fotos und annehmbaren Videos zu überzeugen. Schade ist allerdings, dass Nachtschwärmer auf LED-Blitze verzichten müssen. Abgerundet wird die Multimedia-Ausstattung von der Ortsbestimmung via (A-)GPS, wobei HTC eine 2-Wochen-Testversion von CoPilot beilegt. Wer danach auf eine echte Navigationslösung zugreifen möchte, muss sich selber kümmern, oder mit dem rudimentäreren vorinstallierten Google Maps Vorlieb nehmen.

Officetechnisch erfüllt das Touch2 die gängigen Standards und Anforderungen. So lassen sich dank Office Mobile Word-, Excel- und Powerpoint-Dateien öffnen; selbiges gilt für PDF- und Zip-Dateien. Zudem verfügt das Gerät über einige vorinstallierte Schnittstellen, so z.B. zu Facebook und den Windows Live Diensten.

Ähnlich wie bei der Video-Abspielsoftware kann man auch im Browser-Bereich auf zwei Applikationen zugreifen. Neben dem bei HTC-Geräten standardmäßig verfügbaren Opera Mobile liegt auch die mobile Version des Internet Explorers bei. Der Aufbau von Webseiten erfolgt in beiden Fällen in annehmbarer Geschwindigkeit (für ComputerBase.de via UMTS braucht es rund 16 Sekunden). Für beide Lösungen gilt außerdem, dass sie vor allem dank der erwähnten Zoomleiste insgesamt recht ordentlich funktionieren. Insbesondere im Vergleich mit dem Surfen auf dem iPhone 3GS (ComputerBase-Test [2]) zeigt sich allerdings, dass die Technologie an dieser Stelle weniger mit Blick auf die Performance aber umso mehr bei der Handhabung nicht das Optimum erreicht.

Apps & Synchronisation

Mit „Windows Marketplace for Mobile“ können WM-Nutzer auf einen dem App Store von Apple „ähnlichen“ Dienst zugreifen, der das durchaus vorhandene Angebot von Applikationen für die MS-Plattform bündeln soll. In dieser Hinsicht bringt Windows Mobile 6.5 also eine deutliche Verbesserung mit sich, auch wenn das Angebot mit 300 bis 400 Anwendung bis dato noch recht schlank ausfällt. In diesem Zusammenhang ist auch eine Angleichung der Funktionalität im Bereich Synchronisation zu bemerken. Abseits des konventionellen Datenaustauschs via USB, der erwartungsgemäß reibungslos funktioniert, kann man über den „My Phone“-Dienst Inhalte über das Mobilfunknetz auf dem aktuellen Stand halten. Dabei werden die Dateien per Webupload übertragen, wobei allerdings Größenbeschränkungen vorliegen.

Laufzeiten

Insbesondere die deutlich gestiegene Konnektivität moderner Smartphones bedingt häufig einige nennenswerte Probleme bei den Laufzeiten. Das Touch2 weiß in dieser Hinsicht nicht vollends zu überzeugen: Im Rahmen einer konventionellen Nutzung hielt der 1.100 mAh Akku höchstens vier Arbeitstage, was in Ordnung geht, allerdings bei weitem keine Glanzleistung bedeutet.

Akku-Laufzeiten (Herstellerangaben)

 Sprechzeit:
UMTS/HSDPA
6:10
GSM
7:20
Angaben in Stunden, Minuten
 Standby:
UMTS/HSDPA
15
GSM
21
Angaben in Tagen

Fazit

Setzt man das Touch2 direkt in Relation zur wirklich großen Konkurrenz, so fällt das Fazit der Betrachtung eher nüchtern aus. Zwar verfügt das Gerät über eine durchaus gute Ausstattung und macht sich aufgrund der angenehmen Maße wirklich gut in der Hosentasche; dafür müssen an anderer, ebenfalls wichtiger Stelle einige Einschnitte ertragen werden. So überzeugt die Bedienung trotz Windows Mobile 6.5 nicht so umfassend, wie man es sich heutzutage von einem guten Smartphone erwarten darf.

Schuld daran ist zum einen das mäßige resistive Display, zum anderen aber auch das trotz Überarbeitung nach wie vor der Entwicklung hinterher laufende Windows Mobile, das sich gerade beim tieferen Einstieg in die Menüs unübersichtlich und träge präsentiert. Vor satten Minuspunkten im Bereich Bedienung wird das Gerät letztlich nur durch die Verfügbarkeit von drei unterschiedlichen Tastaturlayouts bewahrt, die in der Summe trotz der beengten Platzverhältnisse für jeden Vielschreibertyp eine akzeptable Lösung bereithalten.

HTC Touch2
HTC Touch2

Während man im wichtigen Bereich „Bedienung & Oberfläche“ somit einige Kritikpunkte formulieren kann, fällt der zweite wichtige Bereich, die Multimedia-Funktionalität, immerhin durchschnittlich aus. Größentechnisch bedingt, kann das Touch2 trotz ordentlicher Ausstattung zwar zumindest im Videobereich nicht als ultimativer Begleiter punkten. Die anderen Aspekte fallen dafür gut allerdings nicht herausragend aus, was im Übrigen auch für die Laufzeiten gilt.

Handelt es sich beim Touch2 also um ein mittelmäßiges Smartphone? Ja, aber: Führt man sich den äußerst günstigen Preis von aktuell rund 270 Euro für die freie Variante vor Augen, erscheinen die soeben zusammengefassten Einschnitte in einem deutlich anderen Licht. Vor diesem Hintergrund bzw. im Vergleich zu den Teils horrenden Summen, die für manches Konkurrenzprodukt aufgebracht werden müssen, lässt sich sogar sagen, dass man mit dem Touch2 erstaunlich viel Ausstattung für sein Geld erhält. Relativ passt das Preisleistungsverhältnis.

Ob dieser Umstand tatsächlich und insbesondere über die Abstriche im Bereich der Bedienung hinweg trösten kann, ist letztlich eine individuelle Frage und das besonders deshalb, weil der in diesem Test angedeutete Abgesang auf die aktuelle Windows Mobile Generation sicher nicht in allen Teilen der Zielgruppe ein Echo findet. Mit Blick auf die wirklich vorhandenen, aus der Qualität des resistiven Displays entstehenden Einschränkungen sollte das Touch2 aber in diesem Fall vor einem möglichen Zuschlag im Handyshop des Vertrauens ausgiebig getestet werden.

Verfügbarkeit & Preise

Das HTC Touch2 ist seit Oktober erhältlich und kann bei den üblichen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Tarifen zu dementsprechend variierenden Preisen erworben werden. In der freien Variante kann mit einem verhältnismäßig günstigen Preis von aktuell rund 270 Euro aufwärts gerechnet werden (aktueller Preisvergleich [3]).

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/index.php?section=article_passage_addit&passageid=21111
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/organizer_pdas/2009/test_iphone_3gs/
  3. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a462168.html
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