ComputerBase

Test: HTC Wildfire

von Sasan Abdi

Vorwort

Und täglich grüßt das Murmeltier: Seit einigen Monaten beginnen Smartphone-Tests von ComputerBase immer häufiger mit dem Hinweis, dass neben dem prestigeträchtigen Hochpreissegment auch die günstigeren Preisgefilde eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Eine solche Entwicklung ist nur natürlich und ließ sich dementsprechend in der Vergangenheit bereits in anderen Produktkategorien beobachten.

Um zwei der hierfür wichtigsten Gründe zu nennen: Zum einen ist der Konkurrenzkampf im Bereich jenseits der 300 Euro extrem hart und voraussetzungsvoll; zum anderen fühlt sich auch der Otto-Normal-Nutzer immer stärker zu den neuen Geräten hingezogen, ohne aber gleich zu einer größeren Investition bereit zu sein.

HTC Wildfire
HTC Wildfire

Mit dem Wildfire hat nun auch der auf einer Welle des Erfolges schwimmende Hersteller HTC einen neuen Kandidaten im Angebot, der vom Konzept her dieser Entwicklung Rechnung trägt. Konkreter zeichnet sich das Gerät durch eine auf dem Papier ansehnliche Ausstattung, die Verwendung des beliebten Android-Betriebssystems sowie einen Preis von aktuell rund 250 Euro aus.

Hat man es hier also mit dem perfekten Angebot für alle preisbewussten Smartphone-Nutzer zu tun? Und welche Einschränkungen bringt der vergleichsweise günstige Preis mit sich? Dies wird im Folgenden zu klären sein.

Spezifikationen

Wildfire Spezifikationen
Komponente Ausstattung
Typ Bartype
Prozessor Qualcomm MSM7225, 528 MHz
Arbeitsspeicher 384 MB
Betriebssystem Android 2.1 / Sense UI
Akku Lithium-Ionen, 1.300 mAh
Speicherplatz ca. 128 MByte intern (via Speicherkarte erweiterbar, max. 32 GB)
Größe 107 x 61 x 13 mm (L x B x H in mm)
Gewicht 118 Gramm (inklusive Akku)
Display Kapazitiv, 3,2 Zoll (Auflösung: QVGA, 240 x 320 Pixel)
Bedienung Touch, Knopfreihe
Kommunikation Quadband GSM/GPRS/EDGE, UMTS (HSDPA),
WLAN (IEEE 802.11 b/g), Bluetooth 2.0, GPS
Kamera 5 Megapixel, LED-Blitz
Audio-Unterstützung .aac, .amr, .ogg, .m4a, .mid, .mp3, .wav, .wma (Windows Media Audio 9)
Video-Unterstützung .3gp, .3g2, .mp4, .wmv (Windows Media Video 9)
SAR-Wert 0,75 W/kg

Wildfire im Überblick

Optik & Verarbeitung

Ist es ein Nexus One? Oder doch ein Desire? Beim ersten Blick könnte man tatsächlich meinen, es mit einem der Top-Geräte aus dem Hause HTC zu tun zu haben. Und so lässt sich das Wildfire ohne Probleme als kleiner Bruder ebendieser Geräte bezeichnen, der in vielerlei Hinsicht Anleihen bei den „Großen“ macht.

Dies gilt insbesondere für das Äußere: Das Wildfire wirkt bei hosentaschenverträglichen Maßen von 107 x 61 x 13 mm (L x B x H in mm) und einem Gewicht von 118 Gramm wie die quadratischere, kompaktere Ausgabe des Desire.

Wildfire-Rückseite: Die quadratischere Ausgabe des Desire
Wildfire-Rückseite: Die quadratischere Ausgabe des Desire

Die Vorderseite wird zu großen Teilen vom 3,2 Zoll großen Display eingenommen. Unterhalb dessen findet sich zentral der ebenfalls vom Desire bekannte optische Sensor; dazwischen ist eine Touch-Knopfreihe platziert, welche die Bedienung via Display und Sensor komplementiert (dazu mehr im nächsten Abschnitt).

Auch die Rückseite erinnert in Teilen an die großen Brüder. Hier gönnt HTC dem Gerät eine wertige Metall-Verkleidung, die mittig horizontal von einem breiten Kunststoff-Streifen unterbrochen wird – haptisch ist diese Kombination großartig. Die Kamera inklusive Alu-Fassung und LED-Blitz ist am oberen Ende mittig platziert.

Die Knopf- und Schnittstellen-Verteilung ist sinnvoll: Während die rechte Seite unberührt bleibt, findet man linkerseits die Lautstärkenwippe sowie den (nicht geschützten!) USB-Slot vor. An der Stirnseite wurde der dezente Power-Knopf sowie der 3,5mm-Klinkenstecker platziert.

Kritik auf hohem Niveau: Die obere Kante weist einen scharfen Übergang auf
Kritik auf hohem Niveau: Die obere Kante weist einen scharfen Übergang auf

Das Design und die Konzeption bietet also keinerlei Grund zur Beschwerde, zumal der HTC-typische Knick im unteren Teil des Gerätebaus in diesem Fall glücklicherweise kaum merklich ausfällt. Etwas anders sieht es jedoch bei der Verarbeitungsqualität aus. Zwar ist diese auch aufgrund der Verwendung von wertigen Materialien, zu denen eine über dem Display befindliche Echtglasscheibe gehört, als „gut“ zu bezeichnen; auffällig ist aber immer wieder die scharfe obere Kante zwischen rückwärtiger Schale und der Vorderseite – hier hätte eine etwas ordentlichere Verarbeitung gut getan.

Hierbei handelt es sich jedoch um Kritik auf hohem Niveau, sodass man dem Wildfire in puncto „Optik & Verarbeitung“ dennoch ohne Problem ein gutes Zeugnis ausstellen kann.

Bedienung & Oberfläche

Die Bedienung erfolgt primär über das 3,2-Zoll große Display, dass dank Android 2.1 und kapazitiver Technologie die gängigen Bedienfeatures wie den legendären Fingerkniff zum Zoomen unterstützt. Die Darstellung geht dabei trotz der enttäuschend schwachen Auflösung von 240 x 320 Pixel optisch in Ordnung; für das Handling bedeutet sie aber nennenswerte Einschnitte im Komfort, da aufgerufene Widgets und Funktionen wie die Tastatur regelmäßig andere Inhalte überdecken und beim Surfen ständig hereingezoomt werden muss. An dieser Stelle zeigt sich: Irgendeine Quelle muss der Preis nun mal haben; die Qualität des Displays ist eine davon (zur zweiten gleich mehr).

Komplementiert wird die Bedienung wie bereits angedeutet durch die unter dem Display befindliche Touch-Knopfreihe, die die gängigen Funktionen „Zurück“, „Home“, „Optionen“ und „Suche“ bietet, sowie vom optischen Sensor, der de facto als eine Maus fungiert und besonders beim Surfen im Web sehr hilfreich ist. Insbesondere letzterer erweist sich somit auch beim Wildfire als sinnvoller, die Bedienung erweiternder Zusatz.

Ganz flüssig ist das Handling des Gerätes aber dennoch nicht immer. Dies liegt – hier findet sich die zweite Quelle – jedoch nicht an den zum Einsatz kommenden Bedienelementen, sondern ist offenbar der verwendeten Hardware geschuldet: Mit einem günstigen 528 MHz Prozessor von Qualcomm und 384 MB RAM ist das Wildfire eher durchschnittlich ausgestattet, was erklärt, warum das Aufrufen von Apps durchaus mal ein wenig länger als gewohnt dauern kann – ein Umstand, der dem Angebot vor allem wegen des guten Preises keinesfalls das Genick bricht, der aber als kleine Einschränkung genannt werden muss.

Optionen auf dem Wildfire
Optionen auf dem Wildfire

Auf der Oberfläche kommt einmal mehr die potente Kombination aus Android 2.1 sowie der HTC-eigenen Sense-Benutzeroberfläche zum Einsatz. So kann auch in diesem Fall über insgesamt sieben frei modifizierbare Desktops verfügt werden, die über die Nutzung des Android Marketplace und der dort verfügbaren (in großen Teilen kostenlosen) Programmvielfalt sehr individuell angepasst werden können. Aufgrund der mäßigen Auflösung werden allerdings manche Anwendungen im Market ausgeblendet. Doch auch die bereits vorinstallierten HTC-Android-Widgets können sich zum Teil sehen lassen. Dazu gehört die nach wie vor nicht bahnbrechende, dafür aber komfortable „Friend Stream“-App, die es erlaubt, Informationen aus verschiedenen sozialen Netzwerken zusammenzufassen, sodass der geneigte Nutzer im Idealfall nur noch diese App bedienen muss. Neu ist die App-Sharing-Funktion, über die anderen Nutzern App-Tipps zum Angebot im Marketplace mitgeteilt werden können.

Oberfläche: Einer von sieben Desktops
Oberfläche: Einer von sieben Desktops

Und auch in Sachen Übersichtlichkeit, Kontaktmanagement und dem Tippen am Telefon zeigen Android und Sense auch auf dem Wildfire wieder einmal ihre Stärken. So werden Fotos zu Kontakten auf Wunsch automatisch aus Facebook oder Google Mail importiert; die optimierte virtuelle QWERTZ-Tastatur bedarf derweil aufgrund der etwas beengten Verhältnisse zwar einer kleinen Einarbeitung, doch fällt diese kaum merklich aus, da man beim Tippen von einem intelligenten Wörterbuch unterstützt wird.

Mit Blick auf die voranschreitende Entwicklung von Android ist an dieser Stelle auch erwähnenswert, dass das Wildfire voraussichtlich binnen der kommenden drei Monate ebenfalls in den Genuss eines offiziellen Updates auf die Version 2.2 gelangen wird.

Multimedia & Office

Die Fotoqualität ist wie bei den meisten Smartphones so auch bei dem Wildfire als „befriedigend“ zu bezeichnen. Im Rahmen eines mehrstündigen Besuchs im Berliner Zoo zeigte sich auch in diesem Fall, dass es schon idealer Verhältnisse und einer guten Priese Glück bedarf, um mit einer konventionellen Smartphone-Kamera einen ansehnlichen Schnappschuss zu landen. Allzu oft wirken die Fotos verwaschen, leicht fragmentiert und bieten eine nicht gerade lebensechte Farbgebung. Dennoch gilt auch in diesem Fall: Wer keine größeren Ansprüche hat und für „richtige“ Fotos weiterhin seine kompakte Digitalkamera oder gar eine DSLR sein Eigen nennt, wird mit dem Wildfire angemessen bedient.

Fotoqualität: Mit etwas Glück sogar durch die Scheibe befriedigend
Fotoqualität: Mit etwas Glück sogar durch die Scheibe befriedigend

Aus einer musikalischen Perspektive betrachtet kann man mit dem Wildfire dank einer gängigen Codec-Unterstützung nicht viel falsch machen. Echte Enthusiasten dürften zwar die durchschnittliche Qualität der mitgelieferten Kopfhörer beanstanden – dank 3,5mm-Klinkenstecker lassen sich diese aber komfortable durch die eigene Peripherie austauschen.

Videotechnisch wird die Kompetenz des Gerätes allerdings vor allem aufgrund des mäßigen Displays nennenswert beschnitten. Wer ab und an ein kleines Video anschauen möchte, wird das Gebotene zwar zu keinerzeit als unzureichend empfinden – für alles, was darüber hinausgeht, sollte man aber lieber zur stärkeren (und dafür teureren) Konkurrenz greifen.

Auch das Surfen wird auf dem Wildfire von den Display-Eigenschaften beeinflusst. Zwar bauen sich Webseiten wie die Mobi-Variante von ComputerBase im Idealfall binnen ordentlicher sechs Sekunden inklusive Flash Light Unterstützung auf; dafür hat man im alltäglichen Webverkehr immer wieder mit den Einschränkungen zu kämpfen, welche die schwache Auflösung mitsich bringt und die im vorherigen Abschnitt bereits beschrieben wurden. Immerhin: Dank Pinch-to-Zoom geht das häufig notwendige Hereinzoomen komfortabel von der Hand.

Der Surf-Komfort wird einzig durch die Auflösung getrübt
Der Surf-Komfort wird einzig durch die Auflösung getrübt

In Sachen Office-Anwendungen bekommt man den gängigen Standard geboten, was bedeutet, dass sowohl PDF- als auf Office-Dateien angesehen werden können. Auch zur mobilen Verwaltung der E-Mails ist das Wildfire zu gebrauchen, bei Bedarf kann auch Microsoft Exchange eingebunden werden. Wie bei allen Android-Geräten gilt auch hier, dass die App-Ausstattung jederzeit über den Android Marketplace [1] erweitert werden kann, sodass Office-Jünger beispielsweise die besagten Dokumenttypen auch editieren können. Ein Google Mail Account ist dazu im Übrigen nach wie vor dazu notwendig. Abseits davon ist das androide Betriebssystem aber bekanntlich nicht mehr an ein entsprechendes Konto gebunden.

Kommunikation

Kommunikationstechnisch ist man auch im Falle des Wildfire erwartungsgemäß auf alle Eventualitäten eingestellt. Neben dem obligatorischen Quadband GSM/GPRS und EDGE bietet das Gerät UMTS (HSDPA), WLAN (802.11 b/g) und Bluetooth EDR 2.0.

Laufzeiten

HTC spendiert dem Wildfire einen 1.300 mAh Akku und verspricht Sprechzeiten von sieben bis acht Stunden (siehe Graph). Auch in diesem Fall erscheint es wenig sinnvoll, diesen Werten nachfühlen zu wollen. Dafür lässt sich aber sagen, dass das Gerät in unserem siebentägen Test mit rund 1,5 Tagen durchaus seltener ans Netz musste als manch aktueller Konkurrent. Insofern gilt in diesem Fall: Ein echter Langläufer ist das Wildfire zwar nicht, doch dürfte kein konventioneller Nutzer an den Laufzeiten verzweifeln.

Akku-Laufzeiten (Herstellerangaben)

 Sprechzeit:
UMTS/HSDPA
7:00
GSM
8:00
Angaben in Stunden, Minuten
 Standby:
GSM
20
UMTS/HSDPA
29
Angaben in Tagen

Fazit

Am Ende dieses Tests angelangt lässt sich sagen: Das Wildfire überrascht. Mit Blick auf den doch recht günstigen Preis hatten wir vorab eigentlich einige handfeste Einschnitte erwartet. Diese Erwartungshaltung wurde dadurch verstärkt, dass das Gerät bei der offiziellen Vorstellung im Mai auf den ersten Blick einen eher durchschnittlichen Eindruck machte.

Nach gut einer Woche der aktiven Nutzung hat sich dieser Eindruck aber verflüchtigt. Man hat es hier keinesfalls mit einem bestensfalls durchschnittlichen Smartphone zu tun, sondern mit einem Anwärter, der Funktionsreichtum und Preis derart miteinander verbindet, dass ein Angebot dabei herauskommt, welches viele preisbewusste potentielle Käufer durchaus ansprechen kann.

HTC Wildfire
HTC Wildfire

Wer das Wildfire aufgrund des günstigeren Preises tatsächlichen den „Großen“ wie dem Desire, dem iPhone 4 oder dem Galaxy S vorziehen möchte, sollte sich aber auch bewusst sein, dass ein günstiges Preisgefüge auch gewisse Einschnitte mit sich bringt.

Von eben diesen konnten wir in diesem Test glücklicherweise nur einen, kritisch betrachtet anderthalb identifizieren. Sie dürften für manchen ambitionierten Nutzer aber durchaus nennenswerte k.o.-Kriterien sein. Um es auf den Punkt zu bringen: Das Display des Wildfire bietet eine Auflösung, die einen an manchen Stellen zum Verzweifeln bringen kann (Einschnitt Nr. 1), was sich auf die verschiedensten Tätigkeiten auswirken kann. Hinzu kommt die der durchschnittlichen Hardware geschuldete Arbeitsgeschwindigkeit – ab und an gönnt sich das Gerät eine kleinere Denkpause (hiermit wäre der halbe Einschnitt benannt).

Letztenendes handelt es sich somit auch in diesem Fall wieder einmal um eine individuelle Abwägung. Preisbewusste Käufer, die mit den genannten anderthalb Einschnitten gut leben können, werden mit dem Wildfire insbesondere vor einem Preis-Leistungs-Hintergrund bestens bedient. Wer ein nahezu perfektes Gerät erwartet, sollte sich jedoch – zu einem entsprechend höheren Preis – anderweitig umsehen.

Verfügbarkeit & Preise

Das Wildfire ist seit geraumer Zeit erhältlich und kann bei den üblichen Providern im Rahmen von unterschiedlichen Tarifen zu entsprechend variierenden Preisen erworben werden. In der freien Variante kann mit einem moderaten Preis von aktuell rund 250 Euro aufwärts gerechnet werden (aktueller Preisvergleich [2]).

URL-Liste:

  1. http://www.android.com/market/#app=com.epocrates
  2. http://www.computerbase.de/preisvergleich/a532546.html
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