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Test: Butterfly-Gehäuse

von Ralph Burmester

Einleitung

Direkt vom deutschen Distributor Jet Computer [1] erreichte uns das neue Butterfly-Gehäuse, mit dem wir uns im Testbericht auseinander setzen wollen. Dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Midi-Tower handelt, merkt man spätestens beim Öffnen der Seitentüren. Die Alu-Blenden an der Gehäusefront werten das Gehäuse optisch auf, auch wenn dies sicherlich immer im Auge des Betrachters liegt. Das Gehäuse lag uns in der Farbe Silber vor. Doch es gibt auch noch eine schwarze Version, bei der die Alu-Blenden ebenfalls schwarz eingefärbt sind. Bevor wir uns jedoch schon an dieser Stelle in all zu viele Details verlieren, werfen wir als erstes einen Blick auf den Lieferumfang.

Butterfly-Gehäuse

Lieferumfang

Der Pappkarton ist in Schwarz und Weiß gehalten und weist auf Vorder- und Rückseite Fotos auf, die Besonderheiten des Gehäuses zeigen. Im Inneren ist das Gehäuse selber durch den obligatorischen Kunststoffbeutel und zwei Styropor-Formelemente gut gegen äußere Einflüsse geschützt. Das Gehäuse ist angenehm leicht und wurde uns in der Farbe Silber zur Verfügung gestellt, weiterhin ist es auch in Schwarz lieferbar.

Zum Lieferumfang gehören das obligatorische Schraubenset, eine ATX-Blende, eine Blende für die Steckkartenöffnungen und eine Kabelbelegung des Portkits. Ebenfalls enthalten ist ein mit Kabeln und Stecker versehener Mini-Lautsprecher, der direkt auf das Mainboard aufgesteckt werden kann.

Hier noch die technischen Daten des Gehäuses:

Ausstattung außen

Die Vorderseite des Butterfly-Gehäuses besteht aus vier Aluminium-Blenden, in welche die Laufwerkblenden, das Portkit und die Bedienungselemente integriert sind. Die oberste beherbergt zwei Stealth-Blenden aus Kunststoff, hinter der zwei optische Laufwerke residieren können. Darunter befinden sich zwei normale Kunststoff-Laufwerkblenden, die in die zweite Aluminium-Blende integriert sind. Die dritte Blende beherbergt die Blenden für die beiden externen 3,5"-Laufwerke und das Portkit. Die unterste Blende ist rechts mit dem Ein/Aus-Schalter, dem Reset-Taster und dazwischen den beiden Kontroll-LEDs ausgestattet. Die Power-LED leuchtet blau, die HDD-LED in grün. Sowohl das Portkit als auch die Bedienungselemente sind mit Symbolen in schwarz versehen, welche die Zuordnung der Funktionen erleichtern.

Butterfly Butterfly

Die Frontblende, auf die die Aluminiumblenden aufgeschraubt wurden, ist aus Kunststoff. Um das Gehäuseinnere mit Frischluft zu versorgen, ist die Blende auf der Unterseite mittig ausgeschnitten. Die gesamte Blende ist leider nicht gesichert und kann jederzeit mit leichtem Zug vom Gehäuse gelöst werden.

Die linke Seitenwand besitzt insgesamt drei Öffnungen, durch die Frischluft ins Gehäuse befördert werden kann. Im unteren Viertel befinden sich eine Reihe kleiner Schlitze und hinten links im unteren Drittel befindet sich eine Öffnung, durch die der dahinter platzierbare Gehäuselüfter Frischluft ansaugen kann. Etwas oberhalb und links der Mitte befindet sich die dritte Öffnung, hinter der sich ein Tunnel verbirgt, auf den wir bei der Betrachtung des Innenlebens weiter eingehen werden. Ungewohnt ist die Positionierung der Griffe zum Öffnen der Seitentür: oben in der Mitte. Da die Tür nicht einfach durch Heranschieben oder Einrasten an der Vorderseite sondern unten eingehängt ist, wird die Tür an der Oberseite geöffnet. Sie kommt dann seitlich neben dem Gehäuse zum Liegen, ohne sich vom Rest des Gehäuses zu lösen. Soll die Tür ganz abgenommen werden, darf man sie nur einen Spalt öffnen und kann sie dann nach oben aus der unten angebrachten Halterung heben.

Frontblende oben Frontblende unten Rückansicht

Die Ober- und Unterseite des Gehäuses weisen keine Besonderheiten auf. Die Gehäusefüsse bestehen aus Kunststoff, der allerdings etwas zu hart geraten ist und Vibrationen nur eingeschränkt vom Boden fern hält.

Die Rückseite ist ATX-konform aufgebaut, die Netzteil-Blende ist jedoch nicht abnehmbar. Die beiden Seitenteile können hier mit je einer Rändelschraube zusätzlich befestigt werden. Es stehen sieben Slots für Erweiterungskarten zur Verfügung und neben der ATX-Blende ist noch Platz für einen 80-mm-Gehäuselüfter. Auffallend sind Nasen rund um die ATX-Blende und die Slots für die Erweiterungskarten - doch des Rätsels Lösung folgt sogleich.

Kommen wir zur rechten Gehäuseseite. Diese hat ebenfalls einen Griff zum Öffnen integriert. Wird die Seite geöffnet, kommt eine der Besonderheiten des Butterfly-Gehäuses zum Vorschein, nämlich der ganze Mainboardschlitten. Womit wir einen sauberen Übergang zum Innenleben des Gehäuses gefunden hätten.

Ausstattung innen

Werfen wir als erstes einen Blick auf den Laufwerkkäfig, der von oben bis unten reicht. Mit blauen Kunststoff-Verschlüssen werden die Laufwerke, egal welcher Größe und Art, in dem Käfig fixiert. Allerdings geschieht dies nur einseitig, denn auf der rechten Seite übernehmen kleine Metallschienen den Gegenhalt. Dadurch haben die Laufwerke in ihrer Position immer etwas Spiel. Quer hinter der Seitentür etwas unterhalb der Mitte verläuft eine breite Strebe. Diese kann an der Rückseite des Gehäuses ausgehakt werden, indem man eine Arretierung aus ebenfalls blauem Kunststoff löst. An diesem Ende der Strebe befindet sich auch der Halter für einen der 80-mm-Gehäuselüfter, der seine Frischluft durch die eine Öffnung in der Seitentür zieht und sie dann mehr oder weniger genau auf die oberen Steckkarten pustet. Neben dem Lüfterhalter befinden sich noch drei kleine Schieber, mit denen Steckkarten zusätzlich fixiert werden können. Die Strebe kann auch ausgehangen werden und dient hauptsächlich dazu, dem Gehäuse eine höhere Stabilität zu verleihen.

Innenansicht Laufwerkskäfige Slotblenden

Vor dem Käfig der internen 3,5"-Laufwerke ist Platz für den zweiten Gehäuselüfter - entweder 80 mm oder 120 mm dürfen es sein. Der Luft-Tunnel an der linken Seitentür ist als passive Frischluftversorgung des CPU-Lüfters vorgesehen. Er ist durch ein Gewinde stufenlos in der Länge verstellbar und am unteren Ende trichterförmig. Als Material kommt schwarzer Kunststoff zum Einsatz. Inwieweit dieser Lufttunnel Sinn ergibt, werden wir später klären.

Auf der Gehäuserückseite sehen wir die Slots für die Erweiterungskarten und stellen leider fest, dass diese mit einem Schraubendreher heraus gebrochen werden müssen. Erschwerend kommt hinzu, dass zum Lieferumfang nur ein Slotblech gehört, um die Öffnungen wieder verschließen zu können. Das Netzteil wird von innen montiert und man muss es dazu mit einer Hand von innen festhalten, während man mit der anderen Hand die Schrauben befestigt.

Mainboard-Schlitten

Nun zur lange erwarteten rechten Gehäuseseite. Das Öffnen geschieht wie bei der linken Seite und die Tür ist genauso befestigt. Somit bleibt die Tür samt Mainboardhalter also unten am Gehäuse eingehangen, kann aber auch - wie bereits beschrieben - abgenommen werden. Der Mainboardhalter selber kann nach dem Lösen von drei Schrauben komplett von der linken Seitenwand abgenommen werden. Damit kommt man noch besser an das Mainboard heran. Ist der Mainboardhalter mit der Seitentür verbunden, können auch gleich die Steckkarten verbaut werden, da die Slots für die Erweiterungskarten zur Tür gehören und mit aufklappen.

Modding

Natürlich kann man auch das Butterfly-Gehäuse modden. Allerdings muss man auf die Besonderheiten durch die Seitentüren achten. Für eine kleine Wasserkühlung findet sich sicherlich Platz, ansonsten kann man alle Register der äußerlichen Lichtspielereien wie Unterflur-Beleuchtung und Ähnliches ziehen. Ein Fenster für die linke Seite kann nur relativ kleine Ausmaße annehmen, andernfalls stören die Lüftungsöffnungen und die breite Querstrebe im Gehäuse. Zwei Laufwerkschächte sind von Hause aus mit Stealth-Blenden versehen und die Aluminium-Blenden großartig zu verändern wäre recht schade. Durch den möglichen Einbau eines 120-mm-Gehäuselüfters in der Front und die weiteren Lüftungsöffnungen sollten aber auch Overclocker nicht mit Temperatur-Problemen kämpfen müssen.

Butterfly mit Laufwerken System eingebaut Butterfly geöffnet Frontblende abgenommen

Erfahrungen

Die Stealth-Blenden der externen 5,25"-Laufwerken funktionieren zwar gut, allerdings fehlt die Möglichkeit, die Kontroll-LEDs an den Laufwerken selber sehen zu können. Dass die gesamte Frontblende des Gehäuses einfach abgenommen werden kann, mag ebenfalls manchen Käufer, der mit unternehmungslustigen Kinder gesegnet ist, vom Kauf abhalten. Der Lufttunnel in der linken Seitentür ist zwar eine nette Idee, allerdings auf Grund seiner starren Position nur bei wenigen Mainboards passend. Bei unserem Sockel-939-System wurde der Lüfter praktisch nur zur Hälfte mit frischer Außenluft versorgt. Ein weiteres Manko der vielen Luftöffnungen ist neben der dadurch stärker nach außen dringenden Geräusche die Abstinenz von Staubfiltern. Durch den rückseitigen 80-mm-Gehäuselüfter kann das Gehäuse nur wenig entlüftet werden und so fällt dem Netzteil verstärkt diese Aufgabe zu, was meist mit einer höheren Lautstärke einhergeht.

Um das Mainboard zu befestigen, müssen die ungeliebten, pyramidenförmigen Metallhalter in den Mainboardhalter eingeklippt werden. Einfache Schraubbuchsen wie bei fast allen anderen Gehäusen wären hier angebrachter. Auch stehen nur acht Halter zur Verfügung. Zu wenig, denn heutige Mainboards haben meist neun oder gar zehn Öffnungen zum Festschrauben. Ein echter Fauxpas sind jedoch die Slotblenden für die Erweiterungskarten. Nicht nur, dass diese per Schraubendreher herausgebrochen werden müssen, auch fehlen Blenden zum Verschließen und selbst bei den beigelegten Schrauben wurde gespart.

Trotz dieser mehr oder weniger großen Ärgerlichkeiten gelang der Einbau aller Komponenten ohne Probleme. Auch der Betrieb des kompletten Systems stellte keine Probleme dar. Ein echtes Highlight ist natürlich der ausklappbare Mainboardschlitten. Somit hat man schnell Zugriff auf Mainboard und Steckkarten und das sonst meist mühselige Aufstecken der Gehäuse- und Portkit-Kabel wird deutlich erleichtert.

Messungen

Unser altes Testsystem mit seinen fünf Festplatten wurde einer kleiner Frischzellenkur unterzogen und so werkeln jetzt im Inneren neben einer WD800 zwei Samsung-P80-Festplatten. Die Grafikkarte wurde ebenfalls ausgetauscht. Als Netzteil wurde das sehr leise Zalman-Netzteil [2] verwendet. Als CPU-Kühler kommt der ThermalTake Silent Boost K8 zum Einsatz. Die Lautstärke wurde wieder im 40-cm-Abstand an verschiedenen Stellen rund um das geschlossene Gehäuse gemessen. Die Temperaturen geben die maximal gemessenen Werte wieder, die nach zwei Stunden Prime95 in Kooperation mit 3DMark03 erreicht wurden.

Lautstärke

 Silent:
vorne oben
40,5
rechts
42,1
vorne unten
42,7
hinten oben
43,0
links
43,1
hinten unten
43,9
 Normal:
vorne oben
42,5
vorne unten
43,9
rechts
44,0
links
44,2
hinten oben
44,7
hinten unten
44,9
Angaben in Dezibel

Temperaturen

 Silent:
Mainboard
26
Festplatte
43
Prozessor
59
 Normal:
Mainboard
26
Festplatte
39
Prozessor
51
Angaben in °C

Auch wenn wir auf Grund des abweichenden Testsystems keinen direkten Vergleich zu anderen Gehäusen ziehen können, muss man dem Butterfly-Gehäuse doch eine etwas (zu) hohe Lautstärke attestieren. Selbst nach vorne, wo keine direkte Luftöffnung vorhanden ist, stehen mit heruntergeregelten Lüftern rund 40 dB(A) auf der Skala, zuviel für das Wohnzimmer und für den normalen Arbeitsplatz grade noch annehmbar. Empfindlich Mitmenschen werden sich trotzdem gestört fühlen.

Auch unter Volllast entstehen keine Temperatur-Probleme im Inneren des Butterfly-Gehäuses. Auch dieses Mal tragen die vielen Luftöffnungen ihren Anteil dazu bei. Selbst im Silent-Betrieb erreicht unser Athlon 64 nicht die 60°-Marke, damit sollten auch für warme Sommertage genügend Reserven zur Verfügung stehen, spätestens wenn die Lüfter auf ein höheres Drehzahl-Niveau gestellt werden.

Fazit

Mit dem Butterfly-Gehäuse steht ein weiterer Midi-Tower für den Markt zur Verfügung, der sich allerdings vor allem durch die Art und Weise der Arretierung der Seitentüren von den Mitbewerbern absetzt. Als potentielle Käufer sollen hier weniger die Modder und vielmehr die Hardware-Bastler angesprochen werden, zu denen durchaus sicherlich auch wir Hardware-Redakteure zählen. Durch den herausnehmbaren Mainboardschlitten wird die Arbeit an der Hardware-Konfiguration stark erleichtert. Zwar geht dies beim Wechsel der Steckkarten nicht ohne Schraubendreher vonstatten, trotzdem spart man sich das Hantieren in den eigentlich immer zu engen Innenräumen der PC-Gehäuse.

Butterfly-Gehäuse

Erkauft wird dieser Vorteil allerdings durch kleinere Mängel wie z.B. die immer abnehmbare Frontblende, die schnell einmal beim Verrücken des Gehäuses aus den Haltern gleitet. Das Gehäuse selbst ist ordentlich verarbeitet – zur guten Verarbeitung müssten auch noch die ein oder andere Ecke besser „entschärft“ werden. Ärgerlich sind die Slotblenden, die trotz des Jahres 2005 noch per Schraubendreher heraus gebrochen werden müssen und dann nicht wieder eingesetzt werden können.

Wer häufig die Hardware seines PCs tauscht, sollte sich genauer mit dem Butterfly-Gehäuse beschäftigen. Erhältlich ist es unter anderem bei Reichelt [7] zu einem Preis von rund 85 Euro, was uns angesichts des Gebotenen als etwas zu hoch erscheint.

URL-Liste:

  1. http://www.jet-computer.de
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/gehaeuse_kuehlung/2002/test_haertetest_netzteil_roundup/5/#abschnitt_zalman_zm_300_a_apf
  3. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/prozessoren/2004/test_amd_athlon_64_3500_3800/
  4. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/grafikkarten/2005/test_gigabyte_gv-3d1/3/#abschnitt_gigabyte_ga_k8nxp_sli
  5. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/grafikkarten/2004/test_sli_pruefstand/3/#abschnitt_asus_extreme_n6600gt
  6. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/laufwerke/2004/test_vier_s-ata_festplatten/2/#abschnitt_samsung_spinpoint_sp1614c
  7. http://www.reichelt.de
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