Die Preise für Festplatten sind so niedrig wie nie zuvor und viele Anwender haben ihre Speicherkapazität in den letzten Monaten erhöht. Aber wie sieht es mit der Geschwindigkeit aus? Dafür bietet sich der Einsatz eines RAID Controllers an, der mehrere Festplatten zu einem logischen Laufwerk zusammenfasst und verwaltet. Geschwindigkeitssteigerungen von etwa 70 Prozent sind nicht selten, zumindest beim RAID 0 Modus, dem Striping. Viele Anwender haben bereits seit Jahren Erfahrungen mit IDE-RAID gesammelt, da allerdings die Ablösung durch die neue S-ATA Technologie vor der Tür steht, haben wir uns mal wieder mit dieser befasst. Fünf Controller, davon drei Steckkarten und zwei onBoard Geräte, wurden von uns getestet, was sie an Leistung in welcher Betriebsart erreichen. Zusätzlich haben wir auch noch zwei unterschiedliche Testsysteme benutzt, einmal mit VIA Chipsatz und AMD Prozessor, und einmal mit Intel Chipsatz und Intel Prozessor. Ohne der Weisheit letzter Schluß zu sein, will dieses Review wenigstens einen Ausblick auf die Leistungsdaten der Controller geben.
Wir beginnen mit HighPoint, die uns direkt aus Taipei mit den Controllern RocketRAID 1540 und RocketRAID 1542 versorgt haben. Zusätzlich erhielten wir noch das RocketMate 1000 externe Festplattengehäuse sowie mit dem RocketHead 100 einen P-ATA auf S-ATA Adapter. Diese beiden Geräte werden wir in Kürze in einem gesonderten Review betrachten.
Sowohl der RocketRAID 1540 als auch der RocketRAID 1542 basieren auf dem hauseigenen Controller-Chip HPT 374, der bis zu vier Laufwerke ansprechen kann, allerdings nur den P-ATA Kommandosatz zu interpretieren vermag. Um trotzdem mit S-ATA Laufwerken kommunizieren zu können, hat HighPoint auf den bekannten Marvelchip [1] als "Übersetzer" zurück gegriffen. Dieser Chip dolmetscht die Befehle vom Controller für die Festplatte und umgekehrt die Rückmeldungen der Platte für den HPT 374.
Eine Besonderheit der beiden Controller ist die RAID 5 Funktionalität, für die allerdings mindestens drei Festplatten benötigt werden. Dabei werden nicht nur die Daten über alle Platten per Striping verteilt, sondern auch Paritätsdaten. Der RAID 5 Modus wird hauptsächlich bei Datenbankservern eingesetzt, da er quasi parallele Schreiboperationen zuläßt. Für den Privatanwender macht das kaum Sinn, zum Einen wegen der höheren Anzahl an Festplatten zum Anderen der gegenüber RAID 0 geringeren Performance.
Was unterscheidet jetzt die beiden Controller? Der RocketRAID 1542 bietet neben zwei internen noch zwei externe Anschlüsse, an die z.B. das bereits angesprochene externe Festplattengehäuse RocketMate 1000 angeschlossen werden kann. Da es keinen Standard für externe S-ATA Kabel gibt, hat HighPoint hierbei auf Firewirestecker zurück gegriffen. Ansonsten sind beide Karten mit identischen Bauteilen und dem gleichen BIOS ausgestattet.
Die Installation der beiden Steckkarten bereitet dank PnP keine Probleme, nach dem Rechnerstart melden sie sich mit einem blauen Bildschirm, der Informationen über die angeschlossenen Laufwerke gibt und auch mögliche RAID-Verbände aufzeigt. Per STRG-H erreicht man das Controller-BIOS, das weitreichende Funktionen bietet. Neben dem Aufbau von RAID 0, 1, 1+0, 5 und JBOD (Just a Bunch Of Disks) Verbänden können auch die Zugriffsmodi (PIO, DMA, U-DMA) für die einzelnen Laufwerke angegeben werden.
Im Windows werden dann zwei neue Controller erkannt, je einer für zwei Laufwerke. Beide belegen denselben IRQ, die auf Diskette mitgelieferten Treiber funktionieren reibungslos. Ebenfalls im Lieferumfang sind neben zwei S-ATA Kabeln und einer ausführlichen englischen Installationsanleitung zwei Disketten mit einem Windows-Tool zur Verwaltung der Controller und der angeschlossenen Laufwerke. So lassen sich bequem per Mauskklick neue Verbände einrichten oder vorhandene löschen. Solche Aktionen verlangen allerdings nach einem Neustart des Rechners, weshalb man so etwas auch gleich im Controller-BIOS durchführen kann, der selbstständig den Rechner neu startet, falls notwendig. Fehlermeldungen und Warnungen lassen sich einfach per Mail an eine einstellbare Adresse senden, so das der Controller nicht ständig überwacht werden muss. Auch an eine Remotefunktion wurde gedacht, so läuft die Management Console nur auf einem zentralen Rechner, alle anderen Rechner mit HighPoint Controllern benötigen nur ein kleines Programm, das den Remotezugriff erlaubt. Dieser Service kann automatisch mit Windows gestartet werden und legt sich als Ampelsysmbol im Tray ab. Die Management Console greift dann per IP-Adresse auf den jeweiligen Rechner und seinen Controller zu. Auch das regelmäßige Prüfen oder Wiederherstellen von RAID 1 Verbänden läßt das Tool per integriertem "Task-Scheduler" zu.
Der DC-150 RAID Controller von Dawicontrol erreichte uns aus dem niedersächsichen Göttingen, wo sich der Sitz des bereits 1986 gegründeten Unternehmens befindet. Der Controller basiert auf dem Silicon Image 3112A Chip, der native S-ATA Unterstützung und die Möglichkeit zum Anschluß von zwei Festplatten bietet. Im Lieferumfang sind neben den obligatorischen Datenkabeln zwei Disketten mit Treibern und Software, sowie eine ausführliche deutsche Anleitung enthalten.
Auch der DC-150 bietet die Möglichkeit, externe Laufwerke anzuschliessen. Allerdings geht man hier einen anderen Weg als HighPoint. So wird durch die Slotblende einfach ein normaler S-ATA Stecker zugänglich, wobei nur insgesamt zwei Laufwerke am Controller selbst angeschlossen werden können. Der externe und einer der internen Stecker sind beide an einem Port des SiI3112A Controllerchips angeschlossen.
Die Montage und Inbetriebnahme ging wie erwartet einfach von der Hand, per STRG-S oder F4-Taste gelangt man in das Controller-BIOS. Auf einem Bildschirm werden dort übersichtlich aufgeteilt alle Optionen dargestellt. Für RAID 0 werden Clustergrößen von 4k bis 256k angeboten, die Standardeinstellung ist 16k. Der Controller selber unterstützt sowohl RAID 0 als auch RAID 1 und JBOD, andere Konfigurationen sind wegen der Begrenzung auf zwei Laufwerke natürlich nicht möglich.
Auch Windows erkannte den Controller problemlos und die Softwareinstallation des mitgelieferten Verwaltungstools ging ohne Beanstandungen vor sich. Auch das Tool von Dawicontrol bietet Möglichkeiten zur Benachrichtigung und Fernwartung über Mail und Netzwerk. Nur das Erstellen von RAID-Verbänden wollte uns mit dem Tool in der vorliegenden Version nicht gelingen, ein Update wird hier sicher Abhilfe schaffen. Ebenso wie das HighPoint-Tool legt sich auch dieses im Tray ab und kann von dort per Doppelklick geöffnet werden.
Größter Pluspunkt des Dawicontrol DC-150 ist das hier funktionierende Hot-Plugging von Laufwerken. Das bedeutet, daß im laufenden Betrieb Festplatten an- oder abgesteckt werden können und ist neben der seriellen Datenübertragung eine der Hauptneuerungen der S-ATA Technologie. Der SiliconImage Chip ist im Testfeld der einzige Controllerchip, der dies ohne Einschränkungen erlaubt. Unter Windows XP gab es keine Probleme, das Verwaltungstool von Dawicontrol registriert das Hinzufügen oder Entfernen von Laufwerken in seinem Protokoll.
Natürlich darf auch ein RAID-Controller von Promise nicht fehlen, aus den Niederlanden erreichte uns der FastTrak S150 TX4, an den bis zu vier Festplatten angeschlossen werden können. Zum Lieferumfang gehören neben vier Datenkabeln eine Treiberdiskette, eine CD mit einem Verwaltungstool und der Anleitung im pdf-Format, sowie eine gedruckte, viersprachige, ausführliche Anleitung (englisch, deutsch, französisch, italienisch).
Der FastTrak S150 TX4 ist mit dem hauseigenen Controllerchip PDC20319 ausgestattet, der S-ATA nativ unterstützt, allerdings in der vorliegenden Version kein Hotplugging erlaubt. Um die Zugriffe auf die Festplatten überwachen zu können, kann man an den Controller per Steckerleiste zwei LEDs anschliessen, die für jeweils zwei HDDs die Arbeit der Festplatten anzeigen. Auf der Rückseite der Platine sind die S-ATA Anschlüße deutlich nummeriert, so lassen sich angeschlossene Festplatten bei Problemen schneller identifizieren.
Ganz so Problemlos wie erwartet verlief die Installation zumindest auf der AMD Basis (ASUS A7V8X) leider nicht. Zwar wurde die Karte erkannt, auch unter Windows wurde nach den Treibern verlangt, allerdings wurde die Installation mit einer Fehlermeldung beendet: Das Gerät lässt sich nicht starten (Code10). Auch der stets hilfsbereite Paul Dortmanns von Promise konnte nicht helfen. Da das Problem wohl auf die sehr frühe Version des ASUS A7V8X zurückzuführen ist, entschieden wir uns dafür, den Controller auf einer etwas anderen Basis zu testen, nämlich dem ASUS A7V333. Allerdings sollte man die Meßergebnisse daher nicht auf die Goldwaage legen, dazu weichen sie doch zu sehr ab.
Natürlich liefert auch Promise ein Verwaltungstool mit dem Controller aus, das wie bei den anderen Kandidaten Fernwartung und Benachrichtigung erlaubt. Verbände können erstellt oder gelöscht werden, einfach per Mausklick. Bei dem Tool zeigt sich deutlich die langjährige Erfahrung auch von Proficontrollern für den Serverbereich, Promise bietet hier weitreichende Kontroll- und Einstellmöglichkeiten, die für den Heimuser viel zu umfassend sind.
Auf dem Intel Prozessor Testsystem mit Springdale Chipsatz steht auch die bereits bekannte Southbridge ICH5/R mit RAID 0 Funktion zur Verfügung. Da wir der ICH5/R bereits einen eigenen Artikel [2] gewidmet haben, werden wir an dieser Stelle nicht weiter auf sie eingehen. Die Funktionalität entspricht genau der des Canterwood Chipsatz, so dass sich keine Änderungen ergeben. Auch auf der Softwareseite hat sich noch nichts getan, auch hier bleiben die bekannten Treiber und Tools im Einsatz.
Wichtiges Detail ist das Manko der ICH5/R nur den RAID 0 Modus zur Verfügung zu stellen, allerdings will Intel mit einem BIOS-Update bald auch für den RAID 1 Modus sorgen. In den Diagrammen fehlt daher bei der ICH5/R auch jeweils der RAID 1 Wert mit dem Hinweis "nicht möglich".
Auch dieser Controller ist bereits aus anderen Reviews bekannt, z.B. vom Einzeltest der Seagate Barracuda S-ATA 120 GB [3]. Allerdings haben wir dieses Mal eine weitere Barracuda V zur Verfügung gehabt, so dass wir auch die RAID Funktionalität des PDC 20376 testen konnten. Der Controller ist onBoard auf dem ASUS A7V8X, unserem AMD Testsystem, verbaut und kann zwei S-ATA Laufwerke ansprechen. Er beherrscht natives S-ATA, aber wie sein Steckkarten-Kollege von Promise, kein Hotplugging. Die Festplatten können einzeln oder als RAID 0 oder RAID 1 Verband angesprochen werden, sowohl das BIOS als auch die Verwaltungssoftware für Windows sind quasi identisch mit dem FastTrak S150 TX4.
Bei den Testsystemen hat sich nicht viel getan auf der einen Seite, nämlich beim unveränderten AMD-System auf Basis des ASUS A7V8X. Allerdings liegt inzwischen auch ein Intel-System auf Basis des EPoX 4PDA2+ [4] mit ICH5/R vor. Die sonstige Ausstattung ist die gleiche wie beim ASUS, da die Komponenten jeweils umgebaut werden. Hier noch einmal im Einzelnen:
Auch bei den Benchmarks hat sich nichts Neues ergeben, wir verwenden weiterhin unsere drei Standard-Benchmarks.
Um die ganzen Meßwerte der verschiedenen Controller auf den unterschiedlichen Testsystemen zu unterscheiden, repräsentieren die blauen Werte die Ergebnisse auf dem Intel-System, während die roten Balken für das AMD-System stehen. Wie bereits angesprochen, mußten wir auf Grund von Problemen den Promise FastTrak S150 TX4 aber auf einem A7V333 testen, also statt VIA KT400 auf VIA KT333. Wichtig ist dabei die ältere Southbridge VT8233A gegenüber der VT8235 auf dem A7V8X. Dies spiegelt sich auch teilweise in den Meßwerten wieder, in den Diagrammen findet sich daher zusätzlich ein Hinweis auf das andere Testsystem.
Wie bei allen anderen Meßwerten haben wir auch hier sowohl die Werte einer einzelnen Festplatte (Single) als auch mit zwei unterschiedlichen RAID 0 Konfigurationen (64k und 16k Clustergröße) und im RAID 1 Modus getestet. Jede Konfiguration hat ein eigenes Diagramm, so dass die Werte der einzelnen Controller direkt miteinander verglichen werden können.
Lesen - Durchschnitt
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Liegen beim Single-Betrieb die Meßwerte nur gute 200KB/s auseinander, sieht es beim RAID 0 Modus schon anders aus. Das Intel-System bietet hier wohl die bessere Basis, die ICH5/R setzt sich beim 16k Cluster deutlich ab. Beim RAID 1 liegen im Schnitt jedoch alle Controller in etwa gleichauf.
Lesen - Maximum
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Auch bei den Maximalwerten das gleiche Bild: im Single- und RAID 1 Betrieb liegen alle Controller systemunabhängig in etwa gleichauf. Im RAID 0 legt die Intelbasis deutlich vor dem VIA System mit AMD Prozessor. Beim 16k Cluster kann sich die ICH5/R mit fast 30MB/s (~ 47%) mehr als der Promise PDC20376 auf dem ASUS Board absetzen. Die SiI3112A und der Promise FastTrak können noch ganz gut mit der Intel Southbridge mithalten.
Lesen - Minimum
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Bei den Minimalwerten gibt es naturgemäss nicht so grosse Unterschiede, Single und RAID 1 Werte liegen jeweils bei allen wieder auf gleichem Niveau. Allerdings liegt auf der Intel-Basis diesmal der Dawicontrol vorne und bringt knapp 2MB/s mehr Leistung. Schaut man auf die VIA-Basis liegen fast überall die beiden Promise-Controller ganz vorne, wenn auch nur mit knappen Vorsprung.
Kommen wir noch zum Burstread, dem Lesen direkt aus dem Festplattencache:
Lesen aus Cache
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Blau liegt auch hier vorne, die VIA-Basis kann da nicht mithalten. Auf Grund ihrer direkten Anbindung kann die ICH5/R hier natürlich auftrumpfen, alle anderen Controller sind basisunabhängig auf den PCI-Bus angewiesen. Während die SiI3112A basierten Controller auf Intel-Basis ganz vorne liegen, kommen sie auf der VIA-Basis nicht so gut weg und müssen sich den HighPoint Controllern geschlagen geben. Die rote Riege wird hier deutlich vom onBoard Promise angeführt, der sich mit zwei bis fünf MB/s absetzt.
Um Daten von den Festplatten zu lesen, müssen diese Daten erst einmal auf diese geschrieben werden. Wie gut machen das die getesteten Controller, und wie groß ist der Einfluß des Mainboard Chipsatzes?
Schreiben - Durchschnitt
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Bei den durchschnittlichen Werten haben wir mal wieder Blau vorne, allerdings fällt bei den Roten jetzt auch der FastTrak S150 TX4 wegen des eingesetzten A7V333 deutlich ab. Hier darf man die schlechte Performance des Controllers getrost auf den bereits "älteren" VIA KT333 und VT8235A schieben. Bei den Blauen fällt aber eine leichte Schwäche des ICH5/R auf, der sich nur beim 16k Cluster an die Spitze setzen kann. Sogar der HighPoint muß sich hier dem starken Dawicontrol auf VIA-Basis geschlagen geben.
Schreiben - Maximum
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Und Maximal? Da schwächelt die ICH5/R nur im Single-Betrieb, der HighPoint auf Intel-Basis scheint allerdings die 16k Clustergröße nicht zu mögen und fällt auch hier wieder hinter den roten Dawicontrol. Das Schreiben liegt dem Dawicontrol auf VIA-Basis offenbar, er liegt hier sogar teils deutlich vor dem onBoard Promise.
Schreiben - Minimum
Angaben in Kilobyte pro Sekunde (kB/s)
|
Trotz seiner besonderen Anbindung liegt die ICH5/R bei den Minimalwerten quasi ganz hinten, im RAID 0 fehlen ihm rund 4MB/s zum Anschluß an die Spitze. Der Dawicontrol ist auf beiden Plattformen etwa gleichstark, ansonsten liegt Promise mit ganz vorne.
Auch wenn die Zugriffszeit weder vom Controller noch vom eingesetzten Motherboard Chipsatz groß beeinflusst wird, haben wir auch diese gemessen. Ein kürzerer Balken bedeutet dabei einen besseren Wert.
Zugriffszeiten (erste 500MB)
|