Auch wenn es noch immer zahlreiche Regionen in Deutschland gibt, die vom großen Breitband-Boom ausgeschlossen sind, lässt sich nicht leugnen, dass gerade in den letzten Jahren ein echter Highspeed-Ruck durch die Nation ging. Breitband-Internet-Anschlüsse sind so weit verbreitet wie nie zuvor; Flatrate-Tarife und ohnehin stetig sinkende Preise sorgen dafür, dass der schnelle Internetzugang – sofern verfügbar – schon längst in den meisten Haushalten Einzug gehalten hat.
Das Medien-Angebot hat sich vor diesem Hintergrund ebenfalls stetig verändert. Bewegtbild-Angebote wie YouTube, MySpace und Co. erfreuen sich großer Beliebtheit und auch Nachrichten-Inhalte und sonstige Entertainment-Angebote kommen längst in vergleichsweise guter Qualität und mit geringen Ladezeiten über die Telefonleitung beziehungsweise den Kabelanschluss auf den heimischen Rechner und von dort wahlweise auch auf das TV-Gerät.
Da verwundert es nicht, dass auch das klassische Fernsehen seinen Weg in das Medium Internet sucht. Dabei kommen durchaus unterschiedliche Verbreitungsformen zum Einsatz. Während es sich bei Angeboten wie Joost um neuartige Erscheinungsformen [1] handelt, die mittelfristig zum Ziel haben dürften, dem klassischen Fernsehen den Rang abzulaufen, wagen auch einige konventionelle Akteure des TV-Geschäfts den Schritt in die digitale Welt, indem sie ihre Inhalte über Bezahl-Plattformen im Internet anbieten.
Maxdome stellt dabei eine Art Zwitter dar, der sowohl eine Vielzahl an Inhalten aus dem Mutterkonzern ProSiebenSat.1 anbietet, überdies aber auch versucht, die eigene Attraktivität über zusätzliche, externe Inhalte zu erhöhen. Dabei handelt es sich bei Maxdome nach eigener Aussage um die „größte europäische Online-Videothek“, die derzeit rund 10.000 Beiträge bereit hält.
In diesem Test soll ein detaillierter Blick auf das Portal geworfen werden. Dabei gilt es zu klären, ob Maxdome mit Blick auf Kernaspekte wie die Übertragungsqualität, die verfügbaren Inhalte sowie die entstehenden Kosten zu überzeugen weiß. Letztlich soll die Frage geklärt werden, ob Maxdome einen adäquaten Zusatz oder gar Ersatz für das konventionelle Fernsehen- und somit ein für den Kunden lohnenswertes Angebot darstellt. Auch soll ergründet werden, wie die Verantwortlichen zu einer möglichen Kannibalisierung der konzerneigenen Produkte im TV und Internet stehen.
Als erstes soll im Folgenden ein Blick auf die technische Umsetzung von Maxdome geworfen werden. Genauer gesagt geht es hier um die Übertragung und Qualität sowie um die Themen DRM, Navigation und Kompatibilität.
Übertragung
Maxdome liefert alle Inhalte in drei verschiedenen Geschwindigkeitskategorien: DSL 1000, DSL 2000 und DSL 2000+, wobei letzteres für alle Geschwindigkeiten größer diese Anbindung steht. Die Unterscheidung macht insofern Sinn, als dass auch kleinere Bandbreiten auf diesem Weg mit einem fließenden Bild versorgt werden können. Dementsprechend werden die Inhalte auch mit unterschiedlichen Bitraten gestreamt:
Die Nutzung von Maxdome kann je nach Anbindungsqualität also durchaus die Bandbreite auslasten, was unter Umständen bedacht werden muss.
Die erwähnte Unterscheidung hat aber nicht nur unterschiedliche Bitraten zur Folge. In ihr liegt auch begründet, dass die Seitenverhältnisse variieren (näheres weiter unten).
Video-Qualität
Generell verspricht Maxdome für die Bandbreiten-Kategorie DSL 2000+ eine annähernde DVD-Qualität. Im Test bestätigte sich dies durchaus. Die Inhalte kamen trotz häuslicher W-LAN-Verbindung an einem DSL-4000-Anschluss ohne nennenswerte Ruckler in einer einwandfreien Qualität auf den Bildschirm. Wie erwähnt variieren die Auflösungen bei den unterschiedlichen Seitenverhältnissen je nach Anbindungsqualität wie folgt:
DSL 1000
DSL 2000
DSL 2000+ (DSL 2000+ beinhaltet alle Internetzugänge mit einer Bandbreite über 2 Mbit/s)
Tonqualität
Wer dennoch Bildaussetzer erleben sollte, kann versuchen, dem Problem Herr zu werden, indem der Leistungspuffer des Media Player schrittweise in 10- bis 15-Sekunden-Schritten auf bis zu 60 Sekunden erhöht wird (zu finden unter Extras > Optionen > Leistung > Netzwerkpuffer). Dies verspricht zwar weniger Komfort, kann aber zu einem ruckelfreien Bild beitragen.
Bisher kommen die Maxdome-Inhalte leider ausschließlich in Stereo-Qualität ins heimische Wohnzimmer. Wohlwollend gesehen könnte dies auch den Nutzern geschuldet sein, die über eine weniger schnelle Internet-Anbindung verfügen. De facto ist dafür aber laut Maxdome die notwendige Verschlüsselung des Contents verantwortlich (siehe Abschnitt „Digitales Rechtemanagement“). Generell böte sich – sobald möglich – an, den Benutzer je nach verfügbarer Geschwindigkeit die Option zu geben, die Inhalte auch mit Mehrkanalton anzuschauen. Dies ist offiziell für die Zukunft geplant – ein konkreter Zeitraum steht indes nicht fest.
Digitales Rechtemanagement
Es wäre schwer verwunderlich und lizenztechnisch kaum umsetzbar, wenn Maxdome ohne ein integriertes DRM-System arbeiten würde. So verwendet das Angebot das Digitale Rechtemanagement sowie den Windows Media Player von Microsoft, wobei die Lizenz für Ersteres in der Regel automatisch im Hintergrund vom Media Player erworben wird, sobald beispielsweise ein Film startet. Dazu muss der Benutzer jedoch Cookies zulassen und in den Optionen des Media Player einstellen, dass die Anwendung Mediennutzungsrechte automatisch erwerben soll.
Bei der ersten Nutzung des Angebots ist es in der Regel zudem notwendig, ein Upgrade des Media Player zu installieren. Dieses wird nach Zustimmung automatisch von der Microsoft-Webseite heruntergeladen.
Sobald das erste Mal Inhalte abgespielt wurden, muss sich der Benutzer nicht mehr um das DRM-System kümmern. Bestehende Lizenzen werden sobald nötig automatisch aktualisiert beziehungsweise ersetzt.
Navigation
Die Navigation erfolgt ausschließlich über den Browser. Nach erfolgtem Login kann man über die insgesamt übersichtlich aufgebaute Webseite in den unterschiedlichen Kategorien stöbern und sich beispielsweise nach einem Film oder einer Serie umsehen. Neuerdings ist es auch möglich, beispielsweise Filme nach dem Erscheinungsjahr sortieren zu lassen. Alle Inhalte kommen mit separaten Informationen daher, sodass man auch bei unbekannten Beiträgen in etwa weiß, woran man ist. Über eine Merkliste können Titel für spätere Sessions vorgemerkt werden.
Ist eine Wahl getroffen worden, lässt sich der Film über den Play-Button starten. Nachdem die notwendige DRM-Lizenz erworben wurde, hat der Kunde die Wahl, den Film in einem im Browser integrierten Media-Player-Fenster oder aber separat abspielen zu lassen. In jedem Fall ist natürlich Vollbild möglich.
Auch die Account-Verwaltung wie beispielsweise das Hinzubuchen von Paketen sowie die Umstellung der persönlichen Daten erfolgt direkt über die Maxdome-Webseite.
Insgesamt ist die Steuerung über die Webseite gelungen, könnte aber noch übersichtlicher gestaltet werden. Großer Kritikpunkt ist die generelle Suche nach ansprechenden Inhalten ohne konkretes Ziel: Zwar ist eine Suchfunktion integriert, doch wer nicht genau weiß, nach welchem Film zu suchen ist, wird auch beim genrebezogenen Stöbern nicht allzu schnell fündig werden.
Kompatibilität
Im Abschnitt „Digitales Rechtemangement“ wurde bereits klar, dass Maxdome mit einer großen Einschränkung umgehen muss, was die Kompatibilität anbetrifft. So läuft das Angebot bisher de facto nicht auf Apple-Systemen, da mit Blick auf DRM und die Abspiel-Anwendung jeweils Technologien von Microsoft zum Einsatz kommen. Da der Windows Media Player bisher nicht auf Macs läuft, sind alle Besitzer von Apple-Systemen zumindest vorerst ausgeschlossen. Auch Benutzer von Linux können Maxdome nicht ohne Weiteres nutzen.
Zumindest bieten sich zwei Alternativen an, die für die meisten Benutzer allerdings nur in Frage kommen dürften, wenn Maxdome für sie ein echtes Must-Have darstellen sollte. Zum einen könnte (auf Intel-Macs) zusätzlich ein Windows Betriebssystem aufgespielt werden. Zum anderen ist es aber auch möglich, Maxdome über eine externe Set-Top-Box direkt auf den Fernseher zu legen [2]. Dabei kommt die Fritz! Media Box 8020 von AVM [3] zum Einsatz, die in diesem Rahmen mit mit 99 Euro jedoch nicht unbedingt kostenfreundlich zu Buche schlägt, zumal sie kein HDMI unterstützt. Die entsprechende Abbildung auf der Maxdome-Seite [4] stimmt übrigens keinesfalls mit dem tatsächlichen Aussehen der Medie Box überein (siehe stattdessen Bild unten). Die Movie-Flatrate, die es drei Monate gratis dazu gibt, mag den Preis aufgrund des lauen inhaltlichen Angebots übrigens kaum aufzuwerten. Zumindest für Apple-Benutzer kann der unlängst angekündigte [5], konzerneigene Video-Service – sobald in Deutschland verfügbar – eine lohnenswerte Alternative darstellen [6].
AVM Fritz! Media Box 8020
Ebenfalls problematisch ist das DRM von Microsoft für Kunden, die mit Firefox surfen. Diese können die Inhalte nicht ohne Weiteres anschauen, sondern müssen zunächst ein Windows Media Player Plugin oder ein entsprechendes Addon installieren. Als Möglichkeit für letzteres bietet sich hierbei die Extension „IE Tab“ an [7]. Beide Optionen funktionieren jedoch bisher noch nicht mit Firefox 3.0.
Mit Blick auf die technische Umsetzung konnte Maxdome bisher also insgesamt durchaus überzeugen. Doch was nutzt ein flüssiges Bild, wenn die Inhalte nicht ansprechend sind? Ob dem so ist, wird sich zeigen. Auf den kommenden Seiten soll das inhaltliche Angebot von Maxdome detaillierter beleuchtet werden.
Das Herzstück von Maxdome und für eine Vielzahl potentieller Kunden in besonderem Maße ausschlaggebend ist das Angebot an Filmen. Da es sich hierbei in der Regel nicht nur um Eigenproduktionen handelt und ProSiebenSat.1 nicht zu einem großen amerikanischen Netzwerk gehört, dürfte es traditionell allerdings schwer fallen, das Angebot hier ansprechend zu bestücken.
Dennoch kommt auf den ersten Blick eine recht beachtliche Menge an Filmen zusammen. Dazu gliedern sich die Inhalte in die Kategorien Action, Dokumentation, Drama, Extremsport, Family, Fantasy, FSK 18, Horror, Komödie, Kurzfilm, Queer, SciFi und Thriller auf, wobei die Rubriken allerdings übergreifend erstellt wurden, sodass nicht klar zuzuordnende Filme in mehreren Kategorien gelistet werden.
Zu den großen Namen, die zur Verfügung stehen, gehören US-Produktionen wie „Spider Man 3“, „Ghost Rider“, „300“, die Schmonzette „Mitten ins Herz“, Komödien à la „Natürlich Blond 2“ sowie der Doku-Thriller „Zodiac“ (nicht zu verwechseln mit der Sat.1-Produktion „Zodiak“, die übrigens ebenfalls abgerufen werden kann).
In den weniger konventionellen Rubriken wie Family oder Fantasy finden sich – wenn auch nur einige – recht bekannte Filme wie „Der Grinch“ (Fantasy) oder „TKKG“ und „Till Eulenspiegel“ (Family). Auch die Rubriken FSK 18 und Horror sind mit Titeln wie „Bad Boys II“ und „Shooter“ (jeweils FSK 18) beziehungsweise „Species“ und dem Hitchcock-Remake „Die Vögel“ auf den ersten Blick ordentlich bestückt. Die SciFi-Sektion beinhaltet zwar einige Klassiker wie die „Dune“-Reihe, lässt aber die wirklichen großen Namen wie „Star Wars“ oder „Star Trek“ vermissen.
In der Doku-Rubrik kann neben einigen Geschichtsbeiträgen auch ein Personality-Beitrag über Lady Diana sowie eine Doku über die Entwicklung der Pornografie in den USA („Inside Deep Throat“) abgerufen werden, während die Kategorie Queer Schwul-/Lesbische-Beiträge beinhaltet. Für Extremsport-Freunde bietet die entsprechende Rubrik überdies Filme wie das Skate-Epos „Mind The Gap“.
Im Serien-Bereich bietet Maxdome prinzipiell all das, was für ProSiebenSat.1 (und kabel eins) in Sachen TV bereits geklärt wurde. Insofern gestaltet sich das Angebot als ein bunt gemischtes Potpourri aus bekannten US-amerikanischen und in Deutschland eigenproduzierten Inhalten. Zu den US-Highlights gehören
Wobei jedoch nie ganze Staffeln sondern nur einzelne Folgen zur Verfügung stehen. So sind beispielsweise für Lost nur die aktuelle sowie die nächste Folge erhältlich, allerdings immer eine Woche vor Ausstrahlungstermin. Für Grey's Anatomy gibt es immerhin vier Folgen gleichzeitig. Leider ist das Angebot an US-Serien generell relativ schnell abgeschöpft. So fehlen neben alten Klassikern wie Baywatch, Star Trek oder MacGyver auch neuere Formate wie Malcolm Mittendrin oder Scrubs. Auch wiegt das gänzliche Fehlen von Simpsons-Folgen beachtlich, was vermutlich auf lizenztechnische Hürden zurück zu führen ist.
Da es sich bei den deutschen Serien erwartungsgemäß ausschließlich um Eigenproduktionen von ProSiebenSat.1 handelt und damit etwaige lizenztechnische Probleme entfallen, gibt es in dieser Hinsicht keinerlei Beschränkungen die Anzahl der verfügbaren Folgen betreffend. So gibt es zu Serien wie
Soweit es im Rahmen des Tests zu überblicken war, stehen alle derzeit verfügbaren neueren Folgen auf Abruf.
Auch der Bereich Comedy orientiert sich ähnlich wie die Serien eng am TV-Programm von ProSiebenSat.1. Auch hier sind weitgehend alle Formate verfügbar, die aktuell auf den Sendern der Gruppe laufen, oder aber vor nicht allzu langer Zeit liefen. Dazu gehören Inhalte wie
Wobei auch hier nahezu alle Folgen abgerufen werden können.
Der Kids-Bereich bietet ebenfalls eine vergleichsweise bunte Mischung, wobei je nach (elterlichem) Geschmack zwischen realen Filmen wie „Michel aus Lönneberger“ und „Pipi Langstrumpf“ oder Zeichentrick-Inhalten wie „Fix & Foxi“ und dem beliebten „Wickie“ gewählt werden kann.
In Abgrenzung zur Doku-Film-Rubrik, bei der es sich tatsächlich um Filme als solche handelt, gibt es in der abgesonderten Doku-Kategorie klassische Dokumentationen. Dabei kann grob zwischen Sach-Dokus, beispielsweise Süddeutsche TV, Personality-Dokus vom Biografie-Sender bio. und historisch-globalen Beiträgen vom The History Channel bzw. National Geographic Channel unterschieden werden.
Eine weitere interessante Kategorie stellt der Bereich „Musik“ dar. Hier kann der geneigte Kunde aus einer überraschend vielfältigen Liste an Konzerten auswählen und diese in kompletter Länge und in gewohnt ansehnlicher Qualität abspielen. Genretechnisch sind dabei kaum Grenzen gesetzt: Ob Konzerte von Outkast, Christina Aguilera, Billy Joel oder Korn – fast jeder Musikgeschmack wird vom Maxdome-Angebot in dieser Rubrik vortrefflich bedient.
Gerade für Freunde der Fußball-Clubs Werder Bremen und Schalke 04 hält Maxdome ein interessantes Paket bereit. Im Sport-Bereich kann man neben ausgewählten Spielen aus der deutschen Basketball- und Handball-Liga vor allem auch Exklusiv-Berichte und Interviews sowie alle Spiele der genannten beiden Vereine abrufen. Abgerundet wird die Rubrik von der Möglichkeit, Volleyball-Spiele anzuschauen, sowie von der Integration der bereits erwähnten Extremsport-Inhalte.
Das Erotik-Angebot von Maxdome wird über eine externe Seite abgewickelt und ist generell, wie alle FSK 18 Inhalte, nur unter bestimmten Bedingungen nutzbar (siehe dazu auch „Jugendschutz“). Sobald das entsprechende Paket gebucht ist, stehen dem Kunden fünf Filme pro Monat zur Verfügung, die innerhalb von 24 Stunden nach erstmaligem Abspielen verfügbar sind.
Da das Angebot von Maxdome auch Beiträge beinhaltet, die FSK 16 oder gar FSK 18 eingestuft sind (zu letzterem gehört nicht zuletzt der Erotik-Bereich), ist es naheliegend, dass bei der Buchung entsprechender Pakete ein Altersnachweis gefordert wird. Hierzu kommt die Technik [verify-U] zum Einsatz.
[verify-U] ist ein Altersverifikationssystem, mit dessen Hilfe die Volljährigkeit nachgeprüft wird. Dieser Vorgang funktioniert nach Angaben auf der Maxdome-Webseite wie folgt: Es wird anhand des Namens, der Adresse und des Kontos geprüft, ob der Kunde schon einmal persönlich gegenüber einer Bank oder einer Versicherung aufgetreten ist und sich dort persönlich ausgewiesen hat. Ist dieser Nachweis gelungen, wird der Kunde in die [verify-U]-Datenbank als volljährig eingetragen. Das Medium, mit dem Maxdome sodann genutzt wird, wird eindeutig identifiziert und ebenfalls in die Datenbank eingetragen, als Schlüssel für jugendgeschützte Inhalte.
Nachdem in diesem Test nun ausführlich zu allen möglichen Aspekten in Sachen Maxdome eingegangen wurde, soll hier nun ein kurzer Überblick über die Preise für die einzelnen Pakete gegeben werden. Prinzipiell können alle Kategorien, die im Vorangegangenen beschrieben wurden, einzeln gebucht werden. Die Preise variieren dabei von 3,99 Euro (jeweils für das Werder- und Schalke-Paket), 4,99 Euro (jeweils für das Comedy- und Kids-Paket) bis hinauf zu 9,99 Euro (jeweils für das Film- und Serien-Paket). Wer überdies Zugriff auf die Erotik-Rubrik haben möchte, muss einen Aufpreis von 12,99 Euro zahlen.
Mit Blick auf ein Komplett-Angebot hält Maxdome das so genannte Premium-Paket bereit, dass alle anderen Pakete beinhaltet und für 19,99 Euro gebucht werden kann. Doch auch wer das Premium-Paket erwirbt, muss für einzelne Inhalte wie Blockbuster oder auch Serien weiter pro Abruf bezahlen. Das Premium-Paket ist also nicht als echte Flatrate zu verstehen und lohnt nur in bestimmten Fällen. Gerade wer sich vornehmlich für Kinofilme interessiert, dürfte aus diesem Grund ohne ein Abo besser fahren, in dem er die vorhandenen Blockbuster nach Bedarf abruft. Auf diesem Wege kann beispielsweise ein Video-Abend gestaltet werden, bei dem der Gang zur Videothek entfällt. Allerdings fällt diese Faulheit teurer aus: Für einen neuen Film wie „Spider Man 3“ muss man bei Maxdome 3,99 Euro bezahlen, sodass ein größerer Videoabend unter Umständen zu einem kostspieligen Unterfangen werden kann. Auch hier gilt übrigens: Einmal abgerufen stehen die Inhalte 24 Stunden zur Verfügung.
Einen zusammenfassenden Überblick vermittelt der obige Screenshot von der entsprechenden Maxdome-Webseite [8].
Kurz vor dem Fazit soll nun noch kurz die eingangs gestellte Frage nach der möglichen Kannibalisierung von TV- und Internet-Angebot geklärt werden. Genauer stellt sich die Frage, ob ein Angebot wie Maxdome mittel- oder langfristig dazu beiträgt, dem klassischen TV potentielle Zuschauer abspenstig zu machen. Oder anders gefragt: Warum soll man als Zuschauer darauf warten, dass Film oder Serie X bei Sat.1, ProSieben oder kabel eins zu sehen ist, wenn man jederzeit die Möglichkeit hat, die Inhalte online abzurufen?
In den verantwortlichen Kreisen bei ProSiebenSat.1 scheint man diese Gefahr jedoch nicht zu sehen. „Maxdome ist für die TV-Sender der ProSiebenSat.1 Group ein perfektes Ergänzungsangebot für ihre Zuschauer“, erklärt Pressesprecher Christian Senft gegenüber ComputerBase. „Die Möglichkeit, verpasste Sendungen jederzeit abrufen zu können, stärkt insbesondere bei Serien und Mehrteilern die Formatbindung, eine Kannibalisierung können wir nicht beobachten. Insofern ist Maxdome auch fester Bestandteil der Onlineangebote der Sender ProSieben, Sat.1 und kabel eins, auf dessen Angebot auch onair in Trailern verwiesen wird.“
Die vom Unternehmen kommunizierten Maxdome-Kundenzahlen, wonach es derzeit rund 200.000 aktive Benutzer gibt, bestärken diese These. Generell aber muss festgehalten werden, dass das vergangene Jahr für das klassische Fernsehen alles andere als leicht war. Ein Grund hierfür ist sicherlich der im Vorwort beschriebene Trend, der im Übrigen weiterhin anhält und insofern für eine weitere Verschiebung der medialen Relevanz sorgen wird. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang auch, dass gerade Sat.1 vor diesem Hintergrund mit starken Quoteneinbußen zu kämpfen hat und ein recht enttäuschendes Jahr 2007 zu verdauen hat.
Je nachdem mit welcher Voreinstellung an einen Artikel wie diesen gegangen wird, sind unterschiedliche Überraschungen im Verlauf des Tests vorprogrammiert. An dieser Stelle muss zunächst erwähnt werden, dass die Erwartungen, die seitens des Autors in Maxdome gesetzt wurden, nicht allzu groß waren. Dies beruhte in aller Ehrlichkeit auf dem Unwissen um die Qualität des Angebots. Im Folgenden soll nun ein Fazit gezogen werden, das soweit irgendmöglich objektive Beobachtungen verarbeitet. Um aber auch die subjektiven Einsichten zu Maxdome gebührend zur Geltung kommen zu lassen, folgt zu guter Letzt ein persönliches Fazit – sozusagen als zweite, schärfere Meinung.
Allgemein betrachtet ist Maxdome ein gelungener Service. Die Qualität ist überzeugend und entsprach wie versprochen DVD-Qualität. Die Übertragung verlief trotz W-LAN störungsfrei und damit ohne Ruckler in Bild oder Ton. Etwaige Kompatilitätsprobleme sind zwar ein nennenswertes, aber aktuell zu verkraftendes Übel, denn wer auf DRM setzen muss, wird an der einen oder anderen Stelle zwangsweise in den sauren Apfel beißen müssen. Es fehlt nur noch 5.1-Sound und Maxdome kann von Seiten der Qualität hervorragendes Heimkino liefern.
Mit Blick auf die Inhalte ist das Angebot weniger klar einzustufen. Hier kommt es vornehmlich auf den eigenen Geschmack an. Wer ohnehin viel fernsieht und dabei häufig bei den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe reinschaltet, ist beispielsweise mit dem Serien-Paket gut bedient. Nennenswertes Manko hierbei ist aber, dass die US-Serien aus lizenztechnischen Gründen nur in Teilen verfügbar und die Simpsons – es muss erneut erwähnt werden! – überhaupt nicht vertreten sind. Inwiefern dieses Argument auch noch in der Zukunft gelten kann, wird sich zeigen. Aktuell hat auch ProSiebenSat.1 – wohl auch mit Blick auf das Konkurrenzangebot von RTL [9] – damit begonnen, erste Eigenproduktionen direkt nach der ersten TV-Ausstrahlung im Netz kostenfrei zugänglich zu machen [10].
Der Film-Bereich, der das Herz eines solchen Services darstellt, hat ebenfalls seine positiven wie auch negativen Seiten. So finden sich in der Rubrik einige sehr gute Blockbuster – insgesamt aber ist das Portfolio der wirklich hochkarätigen Filme relativ schnell abgegrast. Auch überwiegt der Anteil von weniger sehenswertem Material, wobei hier natürlich erneut der Geschmack des Kunden ausschlaggebend sein dürfte. In den anderen Rubriken gilt es für den potentiellen Neukunden, sich nach dem eigenen Geschmack zu orientieren. Je nachdem, wie dieser ausfällt, können die dortigen Inhalte das eine oder andere Paket nennenswert aufwerten.
Ebenso individuell wirken die Preise. Diese gestalten sich objektiv betrachtet als moderat, wobei man schon ein Fan beziehungsweise Liebhaber sein muss, um bereitwillig rund vier Euro für ein Fußball-Club-Paket beziehungsweise 13 Euro für fünf erotische Filme im Monat auszugeben. Frei nach dem Motto „jedem das Seine“ kann aber objektiv betrachtet wenig an dem Preisgefüge ausgesetzt werden – die Euro-Akzeptanz ist eben wie so vieles von den persönlichen Vorlieben abhängig. Wer nur auf bestimmte Filme per Abruf fixiert ist, könnte im einmaligen Pay-Per-View-Verfahren für beliebte Blockbuster gut fahren und sollte ansonsten auf jegliche Abos verzichten.
Das Argument, wonach viele der Filme und Serien ja ohnehin schon im TV zu sehen waren, darf an dieser Stelle übrigens nicht gelten. Bei Maxdome handelt es sich um einen VoD-Service, der einem jeden Kunden erlaubt, beliebige Inhalte zu einer beliebigen Zeit abzurufen. Damit wird der Zuschauer im Unterschied zum konventionellen Fernsehen in seinem Konsum flexibel. Dass dieses Mehr an Flexibilität auch seinen Preis hat, ist nur gut und recht.
Insgesamt ist Maxdome also eine überraschend individuelle Sache. Und daraus leitet sich auch die Antwort auf die im Vorwort gestellte, zentrale Frage ab: Maxdome kann für all jene ein adäquater Zusatz oder gar Ersatz für das konventionelle Fernsehen sein, die mit den Inhalten generell etwas anfangen können. Dass das generelle Fazit mit Blick auf das Angebot so schwammig ausfällt, hat einen einfachen Grund: Die Inhalte sind üppig, aber nicht durch die Bank weg das, was Medienredakteure als „hochwertig“ bezeichnen würden. Doch sollten sich Medienredakteure auch nicht dazu aufschwingen, für alle Zuschauer „gute“ und „schlechte“ Inhalte zu definieren. Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass nach Geschmack des Autors nur wenige Beiträge als wirklich „sehenswert“ einzustufen sind und sich somit ein großes, inhaltliches Defizit offenbart. Allerdings muss zugleich explizit festgestellt werden, dass dies in der Hauptsache auf die hohen lizenztechnischen Hürden zurückzuführen ist, die gerade bei internationalen (vor allem US-amerikanischen) Rechten zu überwinden sind. Wer mit den Inhalten also ohnehin etwas anfangen kann, ist definitiv gut bedient.
Insofern muss tatsächlich individuell abgewogen werden. Die notwendigen Rahmenbedingungen wurden von Anbieter-Seite geschaffen: Die Technik funktioniert, die Inhalte sind verfügbar und die Preise weitgehend in Ordnung. Wer die Wahl hat, hat eben oftmals auch die Qual.
Persönliches Fazit von Thomas Hübner:
Die Maxdome-Pakete haben ihren Höhen und Tiefen. Die Angebote Kids und Comedy wissen zu gefallen. Wer zu diesen Paketen greift, erhält das komplette Programm. Bereits beim Serien-Paket beginnen die Probleme.
Für einen Obolus von 10 Euro pro Monat enthält es nur auf den ersten Blick das komplette Angebot des Portals, denn schon bei Eigenproduktionen fehlen ältere Staffeln. Ausländische Serienhighlights wie Lost, Desperate Housewives oder Grey's Anatomy verschwinden 10 Wochen nach Erstausstrahlung von der Plattform. Navy CIS ist deshalb ebenso aus dem Angebot geflogen wie jegliche Arten von Star Trek (von noch älteren Kalibern ganz zu schweigen) – als Archiv taugt Maxdome daher nicht. Und das Los der Lizenzbedingungen zieht weitere Fallstricke nach sich: Selbst wenn neue Serien im Fernsehen anlaufen, stehen diese nicht automatisch per Video-On-Demand zur Verfügung. „Die Simpsons“ waren nie und werden (mangels Lizenz) vorerst nicht online verfügbar sein.
Getreu dem Motto, was „Neu ist, kostet extra“, hat man über Maxdome zwar die Möglichkeit, neue Folgen einer Serie eine Woche vor der TV-Erstausstrahlung zu sehen, dieses Recht muss man sich trotz Serienpaket jedoch mit 2,49 Euro pro 24 Stunden und Folge erkaufen. Als Besitzer eines gut programmierten Festplattenvideorecorders kann man sich das Serienpaket damit getrost sparen – die Werbung der TV-Übertragung ist schnell überspult und man hat den Vorteil von Dolby Digital.
Beim Movie-Paket gibt es ein Kernproblem: Die wirklich guten Filme sind als Blockbuster eingestuft und werden daher (bis auf wenige Ausnahmen) von keinem Paket abgedeckt. Dass DVD-Neuveröffentlichungen in diesem Paket nicht enthalten sind, kann man nicht kritisieren, da die Lizenzen hierfür entsprechend hoch ausfallen. Warum man jedoch für Forrest Gump, 3 Engel für Charlie, Wayne's World (1991!) und noch viele mehr jeweils 3 Euro berappen soll, erschließt sich mir nicht. Über dieses Problem können auch die drei Movie-Gutscheine pro Monat nicht hinweg trösten, da sie an Filme gebunden sind. Schade eigentlich, denn bereits frei einsetzbare Gutscheine würden ausreichen, um das Movie-Paket in ein völlig anderes Licht zu rücken.
Zusammengefasst: Das Kids- und Comedy-Paket sind je nach Geschmack zu empfehlen. Den Abschluss eines Serien-Paket-Abos sollte man sich gut überlegen und um das Movie-Paket einen großen Bogen machen. Neuerscheinungen sind ohnehin in keinem Paket enthalten. Dem Video-on-Demand-Gedanken folgend, sollte man bei „Blockbuster“ nur nach Bedarf zuschlagen.
Die Konkurrenz ist erwacht und Maxdome sollte Antwort darüber nachdenken, im Comedy-Bereich einzelne Beiträge komplett kostenlos bereitzustellen und den Einflussbereich der Serien- und Movie-Pakete zu erweitern, um empfehlenswert zu bleiben.