ComputerBase

Test: Logitech diNovo Edge

von Thomas Kalckbrenner, Thomas Hübner

Vorwort

Im Jahr 2003 stellte Logitech, der schweizer Spezialist für Peripheriehardware, die erste Version der Design-Desktop-Tastatur diNovo [1] vor und eröffnete damit eine neue Klasse in der Kategorie Eingabegeräte (ComputerBase-Test [2]). Die erste Auflage der diNovo bot bis dahin ungeahnte Eigenschaften und Alleinstellungsmerkmale wie das exklusive Design oder das Media Pad waren genauso einzigartig wie der Preis. Darüber hinaus kann man noch heute die Desktop-Tastaturen mit Bluetooth-Anbindung an einer Hand abzählen.

Damals schon spaltete die Cordless Desktop diNovo die Gemeinde. Während sich viele am für damalige Verhältnisse exorbitant hohen Preis störten, schworen andere auf die perfekte Ergonomie und die zahlreichen Features sowie auf das bis dahin nie gesehen Design, welches in den darauf folgenden Jahren oft und gerne kopiert wurde.

Logitech diNovo Edge

Nun ist seit einigen Monaten der neueste Sprössling der diNovo-Serie auf dem Markt, die Logitech diNovo Edge. Mit der früheren Version hat die Edge allerdings außer der Bluetooth-Verbindung und der Preisempfehlung von stolzen 199 Euro wenig Gemeinsamkeiten. Die Edge ist „nur“ eine Tastatur. Das heißt, die Maus gehört nicht mehr zum Produkt dazu und das beliebte Media Pad der ersten Serien wurde ersatzlos gestrichen.

Dieser Test soll zeigen, ob es die Edge schafft, den hohen Ansprüchen der Vorgänger gerecht zu werden und es sich wieder lohnt, eine Tastatur auf den Schreibtisch zu stellen, für deren Kaufpreis man auch eine brauchbare CPU erwerben könnte.

Überblick

Vor der näheren Betrachtung dieses Designerstücks die technischen Daten im Überblick:

Verpackung

Der Lieferumfang beinhaltet alles, was man zur Inbetriebnahme braucht. Neben der Tastatur enthält der mehrschichtig aufgebaute Karton die Ladestation, welche gleichzeitig als Aufbewahrungsständer dient, den Netzadapter, einen USB-Bluetooth-2.0-Stick, die obligatorische CD mit der benötigten Software für Windows XP und Vista sowie eine gedruckte Kurzanleitung. Des Weiteren findet sich ein Reinigungstuch in den Beigaben.

Lieferumfang

Wie bereits angemerkt, legt Logitech der diNovo Edge keine Maus mehr bei. Allerdings wird auf einem Beileger die Revolution MX aus selbem Hause als passende Ergänzung beworben. Die dunklere Farbgebung der Maus will aber nicht so recht zur Edge passen.

Bluetooth-Stick Bluetooth-Stick Lieferumfang Reinigungstuch

Das Media Pad der früheren diNovo-Versionen, welches insbesondere als vergleichsweise kompakte Fernbedienung für Mediaplayer und einfache Steuerungsfunktionen auf dem Desktop beliebt war, gibt es bei der Edge ebenfalls nicht mehr. Während das Media Pad die früheren Ausführungen auch um einen Nummernblock erweiterte, muss der Edge-Besitzer zur Zahleneingabe auf die Tasten im Hauptblock zurückgreifen. Für den Zahlenblock war offenbar kein Platz mehr.

Äußerlichkeiten

Optisch ist die diNovo Edge ein außergewöhnliches Sahnestückchen, so viel steht fest. Äußert flach und kompakt liegt das Gehäuse auf der Tischoberfläche und vermittelt schon auf den ersten Blick den Eindruck höchster Qualität. Das Auge findet Gefallen an der sehr hochwertig wirkenden Kombination aus hochglänzendem Acrylglas und gebürstetem Aluminium. Spätestens wenn man per Druck auf die „Fn“-Taste die Zusatzfunktionen aus dem schwarzen Korpus heraus orange aufleuchten lässt und sie beim langsamen Ausblenden betrachtet, hat man sich – rein optisch – in die Tastatur verliebt. Die Tastaturrückseite besteht aus einem ebenen, orange eingefärbten Kunststoff. Auf hellen und spiegelnden Schreibtischen erzeugt dieser Unterboden eine interessante „Aura“.

Logitech diNovo Edge Lautstärkeregelung Logitech diNovo Edge TouchDisc Logitech diNovo Edge Unterseite

Bedauerlicherweise bringt dieses Design auch Nachteile für die Praxistauglichkeit mit sich. Spätestens nach der ersten intensiveren Nutzung der Edge versteht der Nutzer, weshalb sich im Paket auch ein Mikrofaser-Reinigungstuch befindet. Staub und Fingerabdrücke sammeln sich in kürzester Zeit auf der Acrylglasfläche und stören nachhaltig die bis dahin so ansprechende Optik. Dies ist insbesondere bei der nahtlos integrierten Lautstärkeregelung oben rechts unangenehm. Man fragt sich, weshalb sich die Entwickler hier nicht an dem gummierten Touchpad darunter orientiert haben, dem diese Probleme fremd sind.

Logitech diNovo Edge

Technik

Die Schreibtasten sind in der von anderen Keyboards im Notebook-Look bekannten Scherentechnik aufgehängt. Logitech nennt diese Technik „PerfectStroke“ und verspricht eine Haltbarkeit von 10 Millionen Anschlägen. Eine Angabe, die in der Praxis kaum auszutesten ist. Bei den Tasten stellt sich allerdings die Frage, weshalb zwar die Sonderfunktionsanzeige so aufwändig illuminiert ist, die Tasten selbst aber nicht beleuchtet werden können. Die Beschriftung der Tasten ist allerdings ausreichend groß, deutlich und kontrastreich, so dass man sie auch bei geringer Beleuchtung recht gut erkennen kann.

Ein Highlight der Edge ist sicherlich die „TouchDisc“ auf der rechten Seite, welche eine Maus für viele Aufgaben überflüssig machen soll. Über die punktförmigen Hervorhebungen gleitend, kann der Nutzer horizontal und vertikal scrollen. Die Hauptfläche des Touchpads dagegen dient der freien Mauszeigerführung wie bei einem Notebook. Ein Tip mit dem Finger auf das Touchpad erzeugt einen Linksklick. Zwei Tasten unter dem Touchpad stehen zudem als Maustastenersatz zur Verfügung. Um unbeabsichtigte Eingaben zu verhindern, kann die TouchDisc deaktiviert werden.

TouchDisc und Lautstärkeregelung

Über der TouchDisc findet sich eine weitere Sensorfläche, die der Lautstärkeregelung dienst. Sie reagiert etwas zäh und ist dennoch sehr feinstufig ausgeführt. Ein großer Nachteil der Arcylglasoberfläche ist das bereits angesprochen Fingerabdruckproblem. Die eingestellte Lautstärke wird als Balkenanzeige auf dem Bildschirm ausgegeben. Mit der Zusatztaste unter dem Regler kann der Ton ab- und angeschaltet werden. An den Tastaturrändern finden sich weitere Sondertasten. Die Zoomfunktion arbeitet auch mit den Internet-Explorer-Alternativen Opera und Firefox problemlos zusammen. Die Taste mit dem Windows-Logo oben rechts startet in der Standardkonfiguration den Windows Media Player.

Der Lithium-Ionen-Akku der diNovo Edge ist fest verbaut, so dass die Tastatur ausschließlich in der Ladestation geladen werden kann. Die Nutzung während des Ladevorgangs ist also nicht möglich. Das Aufladen geht jedoch sehr zügig von statten und ist, wie von Logitech angegeben, nach zwei Stunden beendet. Eine Ladeanzeige informiert den Nutzer über das Ende des Ladevorgangs. In dringenden Fällen reicht die Ladekapazität bereits nach wenigen Minuten aus, um einige Stunden mit der Edge arbeiten zu können. Der etwas fummelige Ein-/Ausschalter an der rechten Seite hilft zusätzlich, Strom zu sparen.

Ladestation Ladestation 967685-0102_side_hi2

Die Verbindung zum Rechner wird über Bluetooth hergestellt. Im Gegensatz zu einigen andern kabellosen Keyboards steht die Verbindung schon beim Starten des Systems, so dass man auch das BIOS aufrufen oder einen Bootmanager bedienen kann. Die Bluetooth-typische Reichweite von ca. 10 Metern wird problemlos erreicht.

Software

Die Hardware-Installation der Edge gestaltet sich auf einem Rechner mit Windows XP mit Service Pack 2 denkbar einfach. Bluetooth-Stick an eine USB-Port anstecken, von Windows installieren lassen und fertig. In der Praxis gab es keine Probleme mit dem auf derselben Frequenz funkenden WLAN, im Zweifelsfall rät der Logitech-Support jedoch dazu, den Bluetooth-Stick in möglichst großer Entfernung zum WLAN-Dongle anzubringen.

SetPoint Software SetPoint Software SetPoint Software

Um den vollen Funktionsumfang der diNovo Edge nutzen zu können, muss die schon von anderen Logitech-Eingabegeräten bekannte SetPoint-Software auf dem Rechner installiert werden. Die Software liegt in der Version 3.10 (derzeit aktuell 3.30) dem Paket bei, kann aber auch bei Logitech herunter geladen werden. Die Größe des Installationspakets liegt bei erstaunlichen 43 MB, was Schmalbandnutzern weniger erfreuen wird (zum Vergleich: Microsoft IntelliType Pro 6,8 MB; Cherry KeyM@n 7,8 MB). Während des Installationsprozesses ist ein Neustart des Systems erforderlich. Danach begrüßt einen die SetPoint-Software mit Icons auf dem Desktop und im Tray sowie mit einem Startmenüeintrag. Die Softwareoberfläche selbst ist klar gegliedert. Die Hilfefunktion ist allgemein gehalten, dafür aber sehr ausführlich und oft hilfreich.

SetPoint Software SetPoint Software SetPoint Software SetPoint Software

Die Sonderfunktionen sind recht einfach zu konfigurieren. So können den einzelnen Funktionstasten frei andere Anwendungen und Funktionen zugeordnet werden; ein individuelles Nutzerprofil ist in wenigen Minuten zusammengeklickt. Auch eine Funktionszuweisung per Tastendruck ist möglich. Die TouchDisc wird als Maus behandelt und kann dementsprechend konfiguriert werden. Des Weiteren informiert die Software über den Ladezustand des Keyboardakkus.

Kompatibel ist die Software lediglich zu Windows XP mit Service Pack 2 und Windows Vista. Das heißt leider, dass die Unix- und Mac-Gemeinde ebenso in die Röhre schaut wie die Nutzer älterer Windows-Versionen.

Ergonomie

Ohne ausgeklappte Aufsteller ist die Edge gerade einmal einen Zentimeter hoch. Die Hände knicken somit kaum nach oben ab. Egal ob flach hingelegt oder hochgestellt, in jedem Fall fühlt sich die Edge äußerst stabil und fest an und biegt sich nicht durch. Die Aufsteller dagegen sind filigran, vermitteln keinen stabilen Eindruck und lassen aufgrund fehlender Gummierung Bodenhaftung vermissen.

Logitech diNovo Edge aufliegend Logitech diNovo Edge aufgestellt

Nutzer, welche bis dahin ein Standardlayout gewohnt waren, müssen sich bei der Edge wohl zuerst umgewöhnen, da das Haupttastenfeld rechts unten zu Gunsten der Pfeiltasten beschnitten wurde. Die Strg-Taste rechts findet sich also nicht wie gewohnt direkt unter der Shift-Taste, sie ist, wie bei vielen neueren Logitech-Tastaturen üblich [3], nach links versetzt und so landet der kleine Finger häufiger auf dem Acrylglas. Auch die Backspace- und Returntaste sind schmaler, was anfangs für Vertipper sorgt. Eine ebenfalls bekannte und an den ersten Nutzungstagen unpraktische Eigenart ist die Anordnung der Tasten im Funktionsblock rechts. Die Rollen-Taste wurde durch die Einfügen-Taste ersetzt, dafür ist die Entfernen-Taste in doppelter Länge ausgeführt. Auch die Taste für das Windows-Kontextmenü und die rechte Windowstaste fallen weg.

Die runden Tasten für die Zusatzfunktionen am linken und rechten Rand sind hingegen leichtgängig und gut zu bedienen, auch wenn sie zunächst recht klein erscheinen mögen. Auch akustisch kann die Edge Punkte sammeln: Hier klappert und klackert nichts und auch bei einem festen Anschlag ist die wahrnehmbare Rückmeldung denkbar leise. Hier zeigt sich höchste Qualität und Stabilität, was bei einem Gewicht von nur 940g nicht selbstverständlich ist.

Die Oberfläche der TouchDisc fühlt sich angenehm an und die Steuerung des Mauszeigers sowie die Scrollfunktion arbeiten präzise. Durch die Gummierung wird ein unbeabsichtigtes Verrutschen wirkungsvoll unterbunden. Wer mit einem guten Laptop-Touchpad zurecht kommt, wird also auch hier keine unangenehmen Überraschungen zu erwarten haben. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit nimmt man, etwa zur Steuerung des Windows-Desktops, die Maus gar nicht mehr in die Hand. Einen Malus darf man allerdings nicht unerwähnt lassen: Das Umschalten zwischen Scroll- und Touchpad-Funktion hakelt etwas.

Ein kleiner Schwachpunkt der Edge ist die Handballenauflage aus Aluminium. Zum einen fühlt sich das Material am Handgelenk unangenehm kalt an. Zum anderen erhebt sich auf der Handballenauflage das Relief des Logitech-Logos, welches beim Darüberfahren etwas an der Haut kratzt.

Fazit

Das Design der diNovo Edge ist wohl genau so ansprechend wie einzigartig. Die Extras wie die Beleuchtung der zahlreichen Sonderfunktionen oder die TouchDisc mögen höchstens Puristen für Spielereien halten. Im Alltagseinsatz bewähren sich diese Features und erschließen im Vergleich zu anderen Keyboards völlig neuartige Nutzungsoptionen. So ist die diNovo für den Einsatz als Büro-Tastatur genau so gut geeignet wie zur Steuerung eines HTPCs oder als Bedienfeld für den Internet-PC. Auch bei Spielen muss man keine Einschränkungen machen – lediglich die Hardcore-Zocker werden möglicherweise aufgrund der Bluetooth-Anbindung zu anderen Produkten greifen. Unserer subjektiven Wahrnehmung zufolge konnten wir allerdings keine erhöhte Reaktionszeit feststellen.

Logitech diNovo Edge in Ladestation

Ein Vergleich der diNovo Edge mit anderen Tastaturen ist sowohl wegen der außergewöhnlichen Extras als auch aufgrund der Gestaltung kaum möglich. Allenfalls das altbekannte diNovo-Set spielt eventuell noch in derselben Liga. Die deutlich günstigeren Desktop-Tastaturen aus der Cherry-eVolution-Reihe sind ähnlich flach und haben einen Nummernblock. Es sind jedoch gravierende Abstriche bei der optischen Anmutung und den Sonderfunktionen zu machen. Microsoft hat der Edge bislang nichts entgegenzusetzen. Die Chic anzusehende Remote Keyboard für Windows XP Media Center geht in eine ähnliche Richtung, ist aber leider ausschließlich mit Windows XP MCE kompatibel. Und ob sich Microsofts neue Wireless-Entertainment-Tastaturen für Windows Vista mit dem Logitech-Produkt messen können, wird sich nach deren Veröffentlichung zeigen. Enermax bietet mit den zwei Alu-Keyboards „Crystal“ und „Aurora“ [4] ebenfalls zwei sehr flache Design-Keyboards an. Sie sind jedoch kabelgebunden und ebenfalls weniger reichhaltig ausgestattet. Kurz gesagt braucht sich die Edge derzeit vor der Konkurrenz nicht zu fürchten – weil es schlichtweg keine gibt.

Auf der Mängelliste der Edge stehen neben der äußert schmutzanfälligen Oberfläche höchstens noch die ungewöhnliche Tastenverteilung (insbesondere der nicht vorhandene Nummernblock) und die fehlende Tastenbeleuchtung. Ersteres ist Gewöhnungssache, letzteres nur ein weiteres potentielles Extra. Wer sich an diesen Einschränkungen nicht stört, kann schon einmal zum hoffentlich reichlich gefüllten Sparschwein greifen und sich dieses Prachtstück zu einem Preis von 169 Euro (Caseking [5]) auf den Schreibtisch stellen.

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/news/hardware/peripherie/eingabegeraete/2003/oktober/logitech_hightech-tastatur_dinovo/
  2. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/peripherie/2004/test_logitech_cordless_desktop_dinovo/
  3. http://www.computerbase.de/news/hardware/peripherie/eingabegeraete/2006/august/erste_vista-tastaturen_logitech/
  4. http://www.computerbase.de/news/hardware/peripherie/eingabegeraete/2006/juni/enermax_juli_tastaturen/
  5. http://www.caseking.de/shop/catalog/product_info.php?products_id=6027
Copyright © 1999–2008 ComputerBase Medien GbR