ComputerBase

Test: Gameboy Advance SP

von Michael Slomma

Einleitung

Nachdem Nintendo mit dem GameBoy-Nachfolger "Gameboy Advance" vor knapp 2 Jahren der ganz große Clou gelungen war und endlich ansehnliche 3D-Grafik im Bereich der Handheld-Konsolen Einzug hielt, kamen alsbald kritische Stimmen hoch: Das Display war zu dunkel, kontrastarm, kratzempfindlich, hat zu stark reflektiert und nicht geschützt. Das kleine Grafikmonster lief mit einer Batterieladung zwar knapp 12h, wer aber noch eine Displaybeleuchtung dazu kaufte hat mit der Batterielaufzeit nur wenig Freude gehabt. Netzbetrieb war für den Kleinen nicht vorgesehen. Abhilfe schafften zwar auch hier diverse Angebote der Zubehörindustrie, das sprichwörtlich "Gelbe vom Ei" war es aber alles nicht.

Pünktlich zum Osterfest hat Nintendo den Gameboy Advance nochmals überarbeitet und schickt den Gameboy Advance SP ins Rennen. Wie sich die überarbeitete Version schlägt und ob sich der Kauf lohnt, erfahrt ihr auf den folgenden Seiten.

Das ist neu

Die Veränderungen gegenüber dem 'alten' Gameboy Advance fallen geringer aus als man vorerst meinen könnte. Hinter dem komplett neu designten Gehäuse, welches in den Farben Schwarz, Silber und Blau zu kaufen ist, befindet sich letztendlich die komplette Technik des alten GBA. An der Leistung der Grafik oder des Prozessors wurde also nichts verändert. Ebenso geblieben ist die nahezu uneingeschränkte Kompatibilität zu Spielen vom Urvater der Handheld-Konsolen, dem Gameboy und dem Gameboy Color. Die einzigen, aber entscheidenden Änderungen des GBA SP liegen auf dem ersten Blick nicht so offen. So zum Beispiel hat Nintendo das Display deutlich überarbeitet. Es bietet nun einen viel größeren Blickwinkel und entscheidend mehr Kontrast und wurde nun endlich auch mit der so häufig gewünschten Hintergrundbeleuchtung ausgestattet, ist aber leider immer noch nicht ausreichend entspiegelt. Neben dem Anschluss für das Link-Kabel, an dem man bis zu 3 weitere GBA/GBA SP oder einen GB/GBC für Multiplayer-Games zusammenschließen kann, befindet sich ein weiterer, neuer Steckkontakt. Dieser offenbart die zweite große Änderung des GBA SP. Nintendo hat sich dazu entschlossen den GBA SP mit einem leistungsstarken Litium-Ionen-Akku auszustatten und verspricht eine Laufzeit von 10 bis 18 Stunden mit einer Akkuladung. Desweiteren kann man den GBA SP nun auch mit dem mitgelieferten Netzteil im Netzbetrieb laufen lassen, der Akku lädt nebenbei. Einziges Manko: der Kopfhörerausgang fiel der Neukonstruktion zum Opfer. Wer den GBA SP mit einem Kopfhörer betreiben möchte muss nun leider einen Adapter kaufen, der an das Link-Interface angeschlossen wird. Schade eigentlich, wäre doch dafür sicherlich noch irgendwo ein Platz gewesen. Weiterhin ist es auch beim GBA SP möglich, ihn mittels eines speziellen Link-Kabels mit einem GameCube zu verbinden. Dort kann er nicht nur als Ersatz für einen weiteren Controller dienen, manche Spiele bieten sogar die Möglichkeit ganze Spielteile auf den GBA/GBA SP herunterzuladen um das Spiel unterwegs weiterspielen zu können.

Der GBA SP in schwarz und silber
Der GBA SP in schwarz und silber
Der "Neue" von hinten
Der "Neue" von hinten

Technische Daten

Kategorie Beschreibung
Prozessor ARM 32-Bit RISC-Prozessor (ARM7TDMI-S) und
8-Bit CISC-Prozessor bei 16MHz
Systemspeicher 32 kB WRAM + 96 kB VRAM (CPU) 256 kb WRAM (extern)
Display Aufklappbarer blickwinkel-unabhängiger 2,9 Zoll TFT Bildschirm
(40.8mm x 61.2mm), integrierte Bildschirmbeleuchtung,
Vollfarbdisplay mit 240x160 Bildpunkten und 32.768 gleichzeitig
darstellbaren Farben
Sound 2 Kanal-Stereosound (auch Sprachausgabe möglich)
Tasten 8+2 Tasten (Steuerkreuz (4), A, B, Select, Start sowie
2 Schultertasten L+R)
Schnittstellen Link-Interface zum Anschluss von weiteren GBA/GBA SP Konsolen,
GabeCube oder Gameboy
Stromversorgung eingebauter Lithium-Ionen-Akku
Sonstiges Software auf speziellen Cartrige-Modulen, Schreibzugriff für
Spielstände möglich (Flash-Speicher), maximaler Speicher pro
Modul: 32MByte (durch Bankswitching auch größere Speicherbereiche
adressierbar)
Maße L/B/H 82 x 84,6 x 24,3 mm
Gewicht ca. 143 Gramm
Preis ca. 130 Euro

Verpackungsinhalt

Die Verpackung ist deutlich kleiner und kompakter als die des GBA. Beim Auspacken stösst man als erstes auf einen gigantischen Stapel Papier. 2 Handbücher, diverse kleine Werbe-Flyer und ein 50 Euro-Gutschein für den Kauf eines GameCube "versperren" die Sicht auf's Wesentliche. Eine 'Etage' später liegt dann das Netzteil. Doch wo ist der Gameboy? Ach dort! Ganz eng an die Seite der Verpackung gedrängt wartet der GBA SP auf seinen ersten Einsatz. Kaum größer als ein durchschnittliches Portemonaie liegt der GBA SP nun in unserer Hand. Nicht besonders groß, wenn man den alten GBA oder gar einen Gameboy daneben legt. Auseinandergeklappt ist er dann schon gleich viel größer und wirkt auch handlicher. Besonders schön fällt das große Display auf, die Tasten auf der unteren Hälfte wirken zwar etwas verloren, sind aber sehr ergonomisch angeordnet. Auch die beiden Schultertasten hat Nintendo nicht vergessen. Etwas kleiner als beim Vorgänger, aber dafür besser erreichbar.

Die Spielmodule werden nun nicht mehr, wie bei allen Vorgängern, von oben in das Gerät gesteckt sondern finden ihren Platz an der Unterseite des GBA SP. Bei den kleinen Modulen der speziellen GBA-Spiele macht das keinen Unterschied, will man aber eines seiner älteren Gameboy-Spiele einstecken sieht es nicht nur sehr gewöhnungsbedürftig aus, sondern stört manchmal auch ein bisschen.

Leider hat Nintendo auch diesmal auf die Mitlieferung eines Spiels verzichtet.

Nochmal beide zusammen
Nochmal beide zusammen
Der GBA SP im Vergleich mit einer Minidisk - kleiner geht's wirklich nicht mehr
Der GBA SP im Vergleich mit einer Minidisk - kleiner geht's wirklich nicht mehr
Die Spielmodule: alt und neu im Vergleich
Die Spielmodule: alt und neu im Vergleich

Im Betrieb

Einmal kurz einschalten - aha, Startbild kommt - die erste Akkuladung reicht also für ein kleines Spielchen. Alle Tasten können wir prima erreichen. Das Steuerkreuz bietet weiterhin nur 4 Positionen, für die Zwischenschritte ist also immernoch viel Gefühl nötig. Die Tasten A und B sowie die beiden Schultertasten sind auch sehr angenehm positioniert und machen in Sachen Druckpunkt einen sehr soliden und hochwertigen Eindruck.

Die Displaybeleuchtung arbeitet tadellos. Sowohl bei absoluter Dunkelheit als auch bei Tageslicht ist das Display stets perfekt ausgeleuchtet. Einzig bei ungünstiger Sonneneinstrahlung muss man, bedingt durch die fehlende Entspiegelung, kleine Abstriche in Sachen Sichtbarkeit machen. Bei guten Sichtverhältnissen kann die Beleuchtung auch abgeschaltet werden, natürlich zugunsten der Akku-Laufzeit. Hier kann und muss man Nintendo ein großes Lob aussprechen - warum nicht gleich so?!

Der Akku ist in ca. 3 Stunden vollständig aufgeladen und hält selbst bei Dauerspielern praktisch einen ganzen Tag durch. Die Angabe von 10-18 Stunden seitens Nintendo kann also durchaus als realistisch angesehen werden, wobei die 18h sich auf den Betrieb ohne Displaybeleuchtung beziehen. Da es sich um einen Lithium-Ionen-Akku handelt ist eine lange Lebensdauer garantiert. Nintendo spricht hier von 70% verbleibender Kapazität nach ca. 500 Lade-/Endladevorgängen. Ausserdem gehört der gefürchtete Akku-Tot in Form des Memoryeffektes damit nun endgültig der Vergangenheit an.

May the games begin
May the games begin
Doom 2 (FSK16)
Doom 2 (FSK16)
RainbowSix
RainbowSix

Fazit

Wer noch keine Handheld-Konsole hat oder immer auf dem aktuellsten Stand sein möchte, der sollte sich den GBA SP unbedingt ansehen. Die unüberschaubare Vielzahl von teilweise sehr hochwertigen Spielen bedeutet grenzenlosen Spielspass für Unterwegs. Selbst auf die großen Klassiker wie "Doom II", "Tekken", "Rainbow Six - Rouge Spear", "Eye of the Beholder" und "Tony Hawk's Pro Skater 3" muss man abseits von Monitor und Steckdose nicht verzichten. Zum Teil sogar in atemberaubender Qualität.

Besitzer des alten GBA sollten sich jedoch gut überlegen ob ihnen die gebotenen Verbesserungen das Geld wirklich wert sind, laufen doch alle Spiele auf dem alten GBA ebensogut wie auf dem GBA SP. 130 Euro sind immerhin kein Pappenstiel. Dennoch recht preiswert wenn man überlegt, daß der alte GBA für 250 DM über den Ladentisch gewandert ist und dafür eine recht schwache Kür abgab.

Jedenfalls ist Nintendo mit dem GBA SP nun endlich den Ansprüchen der Nutzer gerecht geworden und hat gravierende Schwachstellen des GBA ausgemerzt. Dass das den Umsatz des japanischen Elektronik-Konzerns erneut kräftig ankurbeln wird steht ausser Frage. Inwieweit man es verurteilen möchte, dass quasi mit demselben Produkt nocheinmal Kasse gemacht wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Denn, was am Ende bleibt, ist der fade Nachgeschmack des Gedanken an alle diejenigen die sich bereits von 2 Jahren den ersten GBA gekauft haben, in der Erwartung eine Konsole mit den Eigenschaften des GBA SP zu bekommen. Nun ist der GBA SP endlich in den Läden, leistungsmäßig immer noch konkurrenzlos, wer ihn also kaufen möchte kann eine uneigeschränkte Kaufempfehlung bekommen. Spass macht der Kleine auf jeden Fall. Einzige Abschreckung dürften vielleicht die Spielmodule sein. Mit Preisen um die 40-50 Euro, oftmals sogar mehr, spricht man sicherlich nicht mehr die ursprüngliche GameBoy-Zielgruppe an. Gelegentlich erwischt man einige Budget-Spiele im Bereich von 20 Euro, das ist leider die Ausnahme.

Copyright © 1999–2012 ComputerBase GmbH