Einleitung
Wer kennt diese Situation? Da hat man einen PC oder Laptop mit DVD-Laufwerk und jedem erdenklichen Schnickschnack erstanden. Der OnBoard-Soundchip stört den Hörgenuss jedoch auf dramatische Art und Weise. Wo sich dem erfahrenen PC-Bastler der Einbau einer PCI-Sounkarte aufdrängt, steht der Computer-Laie vor einigen Problemen. Der Nutzer eines Laptops schaut hingegen endgültig in die Röhre, oder? Ein Austausch des Soundchips scheint hier unmöglich. Und dann gibt es noch den Laptop- oder Barebone-Besitzer mit weniger guter Sound-Ausstattung, der im Wohnzimmer ein hochwertiges Soundsystem stehen hat und gerne über den PC seine Videos, Spiele und DVDs am heimischen Fernseher geniesst, ihm jedoch ein Desktop-PC dafür zu klobig, zu laut und zu unflexibel ist.
Mit der Terratec Aureon 5.1 USB bietet der deutsche Hersteller, der im niederrheinischen Nettetal seinen Firmensitz hat, eine Heimkino taugliche und mobile Soundlösung für den USB-Port an.
Testsysteme
Um sowohl den Einsatz am Desktop-PC als auch am Laptop zu testen, kamen zwei verschiedene Testsysteme zum Einsatz:
Testsystem1 (Desktop)
- Prozessor
- Intel Pentium4 2.4GHz
- 800MHz FSB
- HyperThreading
- Mainboard
- Gigabyte GA-8PENXP
- i865PE Chipsatz
- Speicher
- 2x256MB Samsung PC400
- DualChannel
- Grafikkarte
- o3D GeForce4 Ti4200, 128MB
- Festplatte
- Maxtor 6Y120M0 (120GB, Serial-ATA/150)
- Laufwerke
- AOpen DVD1640 Pro
- NEC ND-1300A
- Netzwerk
- 10/100/1000 MBit OnBoard
- Betriebsystem
- dows 2000 Professional, ServicePack4
Testsystem 2 (Laptop)
Vobis Highscreen XD 2400-M9
- Prozessor
- Intel Pentium 4, 2.4GHz, 533MHz FSB
- Mainboard
- Elitegroup G732, SiS 645DX + SiS 962 Chipsatz
- Speicher
- 512 MB, PC333
- Grafikkarte
- ATi Mobility Radeon 9000, 64MB
- Festplatte
- 20GB, Toshiba, 4200U/min, 2MB Cache
- Laufwerk
- DVD/CDRW Kombi, QSI SBW-161
- Netzwerk
- 10/100MBit OnBoard
- Mustek PCM-22 (22MBit WLAN, 4xMode)
- Betriebsystem
- Windows 2000 Professional, ServicePack 4
- SiS 1.12 Chipsatztreiber
Ausstattung
Der Blick in die recht kompakte Verpackung wird unseren hohen Erwartungen gerecht. So finden wir neben der Terratec Aureon 5.1 USB noch eine Treiber-CD, ein ausführliches Handbuch in sechs Sprachen, vier Chinch-Anschlusskabel und zwei S/PDIF-TosLink Adaper. Es gibt also keinen Grund zur Besorgnis, dieses Paket enthält alles, was der geneigte User benötigt. Bei der Software hätten wir uns vielleicht noch einen aktuellen Spieletitel zur Demonstration der EAX-Effekte und eine DVD-Audio Abspielsoftware gewünscht.
- Externe 5.1 Soundkarte für Notebook und PC
- Software Paket incl. Traktor DJ und WinDVD
- Unterstützt A3d, EAX 1.0 und EAX 2.0
- Dolby Digital, AC3, DTS und Dolby Pro-Logic II



Erster Eindruck
Der erste Eindruck ist bekanntlich der Entscheidende, drum wollen wir dem auch einen ganzen Abschnitt widmen. Obwohl die Aureon 5.1 USB über alle nötigen Anschlüsse verfügt, ist die kleine Soundbox nicht größer als ein Brillenetui. Damit sollte auch auf den beengtesten Raumverhältnissen immer ein Platz zu finden sein. Das USB-Kabel ist 1,50 m lang und bietet so einen entsprechenden Bewegungsspielraum.
Was uns als erstes auffiel: Unser Creative Inspire 6.1 6700 Boxensystem lässt sich nicht ohne Weiteres an die Aureon 5.1 USB anschließen. Das Problem liegt an den unterschiedlichen Ausführungen der Ein- und Ausgänge beider Systeme. Wo das Inspire mit Eingängen für Klinke-Stecker aufwartet und damit eine weitreichende Kompatibilität zu den meisten OnBoard- und PCI-Soundkarten gewährleistet, setzt die Aureon 5.1 USB mit ihren sechs Chinch-Ausgängen mehr auf die Konektivität zu Receivern und Boxensystemen aus dem Heimkino-Bereich, wie beispielsweise dem Teufel Concept E oder seinem großen Bruder Concept E Magnum. Besitzer eines Boxensystems mit digitalem Eingang freuen sich über die beiden digitalen Schnittstellen der Aureon 5.1 USB. Sie verfügt über je einen optischen Ein- und Ausgang. Beide sind im S/PDIF Format ausgeführt. Praktischer Weise legt Terratec der Aureon 5.1 USB zwei TosLink Adapter bei, womit der Anschluss an nahezu alle Heimkino-Anlagen mit nur einem einzigen Kabel möglich ist. Das ist nicht nur störungsunempfindlicher als die Chinch-Kabel sondern bewahrt den Anwender auch vor zu großem Kabelsalat. Ein digitaler "Koax" Ausgang ist leider nicht zu finden.
Das Kunststoffgehäuse der Soundbox ist in zwei unterschiedlichen Grautönen gehalten und macht mit dem Blick auf einen mobilen Einsatz keinen sehr stabilen Eindruck. Das USB-Kabel lässt sich in seiner Halterung frei bewegen, Kabelstörungen sind somit über kurz oder lang vorprogrammiert. Die restliche Verarbeitung jedoch ist einwandfrei - alle Audio relevanten Anschlüsse sind vergoldet.
Das Öffnen des Gerätes, wovon wir euch in Bezug auf eventuelle Garantieansprüche nur abraten können, bringt die erste große Ernüchterung. Während die PCI-Versionen der Terratec Aureon über den VIA Envy/24 HT verfügen und damit ein phantastisches Sounderlebnis garantieren, setzt Terratec in der Aureon 5.1 USB lediglich einen VIA VT1616 Soundchip ein. Es handelt sich dabei um einen 6-Kanal AC'97 Chip, der bei vielen OnBoard-Lösungen diverser Mainboards eingesetzt wird. Selbst die Budget-Ausführung, die Aureon 5.1 Fun, verfügt über den CMI8738/PCI-6ch-MX Soundchip. Der ist zwar auch nur ein klassischer OnBoard-Chip, jedoch mit einem deutlich besseren Ruf als sein VIA-Kollege. Dies soll die Leistung des VIA Chips in keinster Weise schmälern, ob er jedoch dem Namen "Aureon" tatsächlich gerecht wird, werden unsere Tests zeigen müssen. Unsere Erwartungen, unter dem grauen Mantel eine "echte" Aureon zu finden, wurden aber für's Erste enttäuscht.
Inbetriebnahme
Der USB-Stecker der Soundbox findet seinen zukünftigen Platz in einem freien USB-Port. Windows erkennt sofort einen USB-Audiocontroller und installiert ersteinmal passende Standardtreiber. Mit ihnen ist normaler Stereo-Betrieb sofort möglich, für die korrekte Ansteuerung eines 5.1-Systems sind die Terratec Treiber notwendig. Diese sind auf der beiliegenden CD in Version 5.11.3.3508 zu finden und sind lt. Terratec-Homepage auf dem derzeit aktuellsten Stand.
Während der Installation muss man sich entscheiden, ob man den Einsatzschwerpunkt des Systems auf Spiele oder DVD-Wiedergabe legt. Davon macht der Treiber die Sensaura-Unterstützung abhängig. Eine nachträgliche Änderung ist jedoch jederzeit mit wenigen Mausklicks möglich. Ansonsten verläuft die Installation erfreulich reibungslos. Nach einem Neustart vermeldet der Gerätemanager den korrekten Eintrag "Aureon 5.1 USB".
Durch den anschließenden Lautspechertest vergewissern wir uns von der ordnungsgemäßen Funktion aller Komponenten. Erfreulicher Weise gibt es zwischen der Aureon 5.1 USB und dem OnBoard-Sound unseres Systems keinerlei Konflikte. Eine Deaktivierung ist im Alltagsbetrieb also nicht von Nöten. Wir haben uns für unseren Test dennoch dafür entschieden, um eventuelle Beeinflussungen von vornherein auszuschließen.
Leider klappte die Installation nur auf dem Desktop-PC. Auf dem Notebook konnte der Treiber zwar ordnungsgemäß installiert werden und die Soundkarte lief in Stereo-Modus auch anstandslos, jedoch wurde der Mixer anscheinend nicht - oder fehlerhaft - installiert. Jedenfalls war es uns nicht möglich, irgendwelche Einstellungen an der Karte vorzunehmen, womit uns auch der 6-Kanal-Modus verwehrt blieb. Um dieses Fehlverhalten zu ergründen, ging unser erster Gedanke an den Terratec-Support. Dieser machte zwar einen fachlich sehr kompetenten Eindruck und man bemühte sich wirklich sehr um die Lösung des Problems, konnte jedoch vorerst leider nicht zur Beseitigung beitragen. Die nachfolgende Fehlersuche in unserer Redaktion förderte ein Problem mit SiS-Chipsätzen, insbesondere dem USB-Hub SiS7001, in Verbindung mit Windows 2000 zu Tage. Unsere Testsysteme mit Intel- und VIA-Chipsatz machten hingegen keinerlei Schwierigkeiten.
Einen entsprechenden Fehlerreport haben wir an Terratec weitergeleitet und man versprach, sich der Sache anzunehmen. Möglicher Weise ist dieser Fehler schon in einer der nächsten Treiberversionen behoben.
Leider musste der Test mit dem Notebook, hier ging es uns hauptsächlich um die Stromaufnahme der Aureon 5.1 USB, aus diesem Grund vorerst ausfallen.
Leider fehlen auch Treiber für alternative Systeme wie Linux oder MacOS sowie für die älteren aber sehr verbreiteten Betriebsysteme Windows 98 und ME. Windows 2000 oder XP sind also Grundvoraussetzung für die Aureon 5.1 USB.
Nutzung
Ist die Karte ersteinmal installiert, funktioniert sie problemlos. Direkt nach erfolgter Hardwareerkennung werden alle Audiofunktionen auf die Aureon umgeleitet. Zieht man die Karte ab, ist sofort die ursprüngliche Einstellung wieder aktiv. Man kann also in Sekundenschnelle zwischen OnBoard-Sound und Aureon 5.1 USB hin und her wechseln.
Die Software ist für die wichstigsten Anwendungen ausreichend. Laptop zum Fernseher getragen, TV-Out Kabel verbunden, Aureon 5.1 USB in einen freien USB-Port gestöpselt und dem Spiele- oder DVD-Abend steht nichts mehr im Weg.
Sehr positiv überrascht waren wir von der Klangqualität. Zugegeben, an den Klang einer internen Lösung der Marke Terratec Aureon Space oder Creative Audigy 2 kommt sie nicht ran, dazu fehlt ihr die Brillianz und Ausgewogenheit. Dennoch verrichtet sie ihren Dienst sehr ordentlich und unauffällig.
Bei 5.1 und DTS Quellen erfolgt die Kanaltrennung sehr sauber, der Klang selbst ist qualitativ mindestens im oberen Mittelfeld anzusiedeln. Kein Rauschen, kein Knistern oder Knacksen vermiest den Klanggenuß. Auch wenn das klangliche Empfinden sehr subjektiv ist, so werden die anschließenden Benchmarks unser positives Ergebnis bestätigen.




Benchmarks
Rightmark
Gleich der erste Benchmark straft unsere Befürchtungen bezüglich der Qualität des Soundchips Lügen. Das Ergebnis ist äußerst zufriedenstellend.
Verwendet wurde der Rightmark Audio Analyser 5.1
Getestet wurde unter folgenden Bedingungen:
- Testing chain: External loopback (line-out - line-in)
- Sampling mode: 16-bit, 44 kHz
Wobei das Loopback über ein 50cm langes optisches TosLink Kabel realisiert wurde.
| Test | Ergebnis | Bewertung |
|---|---|---|
| Frequency response | +0.13dB, -0.04dB | sehr gut |
| Noise level | -102,4 dBA | exzellent |
| Dynamic range | 94,7 dBA | sehr gut |
| THD | 0,0035% | sehr gut |
| Intermodulation | 0.045% | gut |
| Stereo crosstalk | -102,0 dBA | exzellent |
Zum Vergleich, die Ergebnisse einer Soundblaster Audigy2 Platinum EX
| Test | Ergebnis | Bewertung |
|---|---|---|
| Frequency response | +0.10 dB, -0.26 dB | sehr gut |
| Noise level | -96,9 dBA | exzellent |
| Dynamic range | 95 dBA | sehr gut |
| THD | 0,0029% | exzellent |
| Intermodulation | 0.0059% | durchschnittlich |
| Stereo crosstalk | 99,3 dBA | exzellent |
Audio Winbench99
ZD-Bench
Angaben in Prozent
|
Mit fast 15% CPU-Last erreicht die Aureon 5.1 USB einen erwartungsgemäß schlechten Wert. In 3D-Audio-Anwendungen kann dieser Wert sogar teilweise über 20% erreichen. Auch kein Wunder, muss der Prozessor nicht nur für die Aufbereitung der Audio-Signale sorgen, sondern ist zusätzlich noch zu einem Teil mit dem Datentransfer zur Soundkarte beschäftigt.
Dass die Aureon 5.1 USB einer PCI-Lösung nicht das Wasser reichen kann, war uns aber schon von Anfang an klar. Für die Frameraten-Jagd in aktuellen Ego-Shootern taugt diese Soundkarte nicht. Für den DVD-Genuss ist dieses Ergebnis jedoch absolut zweitrangig, da die meisten Grafikkarten bereits über hardwaremäßige DVD-Dekomprimierung verfügen und somit den Prozessor weitesgehend entlasten.
Fazit
Die Aureon 5.1 USB hinterlässt bei uns - im Nachhinein betrachtet - einen recht ordentlichen Eindruck. Eine sehr ordentliche Soundqualität und ein vergleichsweise günstiger Preis machen die Aureon 5.1 USB zu einer empfehlenswerten Universal-Lösung, um DVDs und Spiele mit Raumklang am Laptop genießen zu können.
Problematisch gestaltet sich leider nur die Anbindung an Computern mit SiS-Chipsatz, hiermit mochte sich unser Testexemplar nicht so recht anfreunden. Die Karte funktioniert zwar, aber Einstellungen sind aufgrund der fehlerhaften Hardware-Erkennung nicht möglich. Insofern schade, da sehr viele preiswerte Notebooks über einen SiS-Chipsatz verfügen und gerade diese Kundschaft sehr von der Aureon 5.1 USB profitieren könnte. Wir werden hier weiter ein Auge drauf behalten.
Die Aureon 5.1 USB ist zwar ein sehr guter Ersatz für die meisten OnBoard Lösungen, eine Soundkarte für den PCI-Bus ist bei vergleichbarer Qualität jedoch weitaus günstiger zu haben. Somit würden wir die Karte für den Einsatz an einem Desktop-PC nicht unbedingt empfehlen.
Mit einem Listenpreis von 99 Euro liegt die Karte preislich etwas unterhalb der Konkurrenz aus Amerika. In Bezug auf den guten Klang geht der Preis für eine mobile Soundlösung also voll in Ordnung.
- guter Klang
- geringe Abmaße
- geringes Gewicht
- umfangreicher Lieferumfang
- gute Ausstattung
- guter Support
- sehr gute Dokumentation
- nur durchschnittliche Verarbeitung
- Probleme mit SiS Chipsätzen
- Treiber nur für Win2k/WP

