Einleitung
Apple schafft es doch immer wieder, auch standhafte und durchaus Technik-affine Online-Redakteure aus der Verfassung zu bringen. Zuletzt schaffte man dies mit der Vorstellung des aktuellen iPod nano [1], den wir in Kürze einem kleinen Test unterziehen werden. Neuerlich setzte man allerdings noch einen drauf und verpasste dem vermeintlich „großen“ Festplatten-iPod ein Update, das sich gewaschen hat. Und so hob Steve Jobs persönlich auf der letzten Key Note Mitte Oktober [2] einen neuen iPod aus der Taufe, über den die Welt lange in Gerüchten diskutiert hatte und dann dennoch nicht erwartet hätte. Der „iPod video“ war geboren.
Mit ihm betritt Apple erstmals seit Langem wieder Neuland, denn der neueste iPod kann neben Musik und Photos nun auch Videos wiedergeben. Doch auch am Format des beliebten MP3-Players änderte sich dank neuer Technik etwas und auch der iTunes-Store hat eine neue Kategorie bekommen. Was genau dahinter steckt, wollen wir in einem kleinen Kurztest näher beleuchten.
Impressionen
Dass sich Apple auch beim Design des neuen iPod video Mühe gegeben und auf alte Werte gesetzt hat, dürfte von vorne herein klar gewesen sein. Im Gegensatz zu den älteren iPod-Generationen (4G und abwärts) gibt es dennoch einige Unterschiede. So wurde das Gehäuse – zumindest das unseres Testgeräts mit 30 GB Speicherkapazität – dünner. Genau genommen ist der iPod video mit 30 GB nun nur noch 11 mm hoch und wiegt durchaus schlanke 136 g; der alte iPod photo mit 30 GB brachte es noch auf knapp 15 mm und war ungleich schwerer. Das Modell mit 60 GB Speicherkapazität bringt es hingegen nach wie vor auf gut 14 mm Höhe und wiegt 157 Gramm. Die genauen Maße des 30ers lauten 10,35 x 6,18 x 1,1 cm, die des 60ers 10,35 x 6,18 x 1,4 cm.


Diese Größenreduzierung erzielte Apple in erster Linie durch die Verwendung neuer Festplatten, die auf Hitachis [3] Perpendicular-Technologie basieren und bei gleicher Größe bis zu 15 Prozent mehr Speicherplatz bieten sollen. Auch der Platz für den Akku wurde somit größer, so dass der des 30-GB-Modells nur bis zu 14 Stunden Musikwiedergabe und vier Stunden Video-Wiedergabe verkraften soll. Der iPod video mit 60 GB schafft sogar bis zu 20 Stunden ununterbrochenen Musikgenuss und bis zu sechs Stunden Spaß für mobile Cineasten. Größer wurde auch das Display, das nun eine Diagonale von 6,35 cm bietet, QVGA-Auflösung besitzt (320x240 Pixel) und mehr als 65.000 Farben darstellen kann.


Wohl um ein einheitliches Produktdesign mit dem iPod nano zu erzielen, gibt es auch den großen iPod mit Festplatte nun neben dem traditionellen Weiß auch in edlem Schwarz. Und auch die Form des Gehäuses passte man dem nano an, denn auch der iPod video lässt sie runden Formen der Vorgängergenerationen vermissen. Während der Chromrückteil noch relativ rund daherkommt, schließt der obere Teil mit einer Kante ab, die man von älteren Geräten weiß Gott nicht gewöhnt war. Aber was soll's – der Mensch gewöhnt sich an alles. Auch der Kopfhörer wird nun nicht mehr mittig mit dem iPod verbunden sondern findet nun auf rechten Oberseite seinen Platz. Von einem Anschluss für Fernbedienungen, wie wir ihn noch von den älteren iPods kennen, fehlt ebenfalls jede Spur. Alles beim Alten ist – von den neuen Video-Funktionen einmal abgesehen – bei der Menüführung. Die ist immer noch idiotensicher zu bedienen und dürfte niemanden vor große Probleme stellen.











Der Lieferumfang des iPod ist im Laufe der vergangenen Jahre kontinuierlich geschrumpft. Konnte man im Karton eines 3G-iPods noch eine Docking-Station, aufwendige Schutzhülle, Fernbedienung, Kopfhörer und Schutznupsel für den Datenanschluss finden, liefert Apple zusammen mit dem iPod video nur noch ein USB-Kabel, einen Satz Kopfhörer, eine CD mit iTunes, einen passenden Adapter für den Universal-Dock und eine rudimentäre Schutzhülle aus. Der iPod video ist übrigens der erste iPod, der nur noch über USB mit Daten gefüttert werden kann. Mit dem einst von Apple entwickelten Firewire-Anschluss konnte unser Testgerät nichts mehr anfangen.
Optional sind zudem erhältlich:
- Das universelle Dock für 39 Euro zum einfachen Synchronisieren via USB enthält den Infrarotempfänger der Fernbedienung sowie variable Line-Out- und S-Video-Anschlüsse zur Integration im Wohnzimmer
- Die Apple Fernbedienung für 29 Euro
- Das iPod AV-Kabel zur Ausgabe über den Fernseher für 19 Euro
- Der iPod Camera Connector zu einem Preis 29 Euro
- Die iPod Socken in sechs verschiedenen Farben zu 29 Euro


Verändert hat sich übrigens auch der iTunes-Store, der nun auch Videos vertreibt. So bietet man aktuell mehr als 2.000 Musikvideos, sechs Kurzfilme von Pixar und fünf TV-Serien von ABC und Disney Channel inklusive Lost und Desperate Housewives an – Tendenz steigend. Kostenpunkt für jedes dieser Videos: 1,99 Euro. Um Videos auf dem iPod zu betrachten, müssen diese in MPEG-4 oder H.264 codiert sein – im H.264-Format lassen sich so bei einer Datenrate von 750 KBit/s und 128 KBit/s für die Audiodaten bis zu 150 Stunden Videomaterial auf dem neuen iPod speichern.



Kurztest im Praxisalltag
Ich muss schon zugeben, dass ich beim ersten Anblick des iPod videos nicht minder beeindruckt war wie seiner Zeit beim iPod nano. Als eingefleischter, jahrelanger Nutzer eines iPods der dritten Generation musste ich dann auch nicht mehr viel tun, nachdem ich das Gerät aus seiner Packung befreit hatte. Prinzipiell eigentlich nur unter den Schreibtisch kriechen, das USB-Kabel in den dazu passenden Anschluss stecken und warten, bis sich der iPod in Windows anmeldete – den Rest erledigte iTunes wie gewohnt souverän. Nach einigen Minuten des Wartens befanden sich dann auch meine aktuellen Playlisten auf dem iPod. Der Kurztest konnte also losgehen.
Am nächsten Tag zeigte ich meiner Freundin meinen neuen MP3-Player. Ihre ersten Worte waren „Der ist aber dünn und doch eine ganze Ecke kleiner als dein alter iPod.“ Recht hat sie, auch wenn man es vielleicht anhand nackter Zahlen nicht so recht glauben mag, machen sich knapp 4 mm weniger in der Höhe doch schon rein haptisch deutlich bemerkbar. Im zweiten Satz erwähnte sie zugleich das „für einen MP3-Player ja wirklich mega-große Display“. Ihre Frage, was man damit denn anfangen solle, quittierte ich mit einer Folge ihrer Lieblingsfernsehserie, die sie zugleich in Entzückung versetzte. Danach bekam ich nur noch „Hach, das ist aber toll. Schenkst du mir so einen auch zu Weihnachten?“, garniert mit einem Augenaufschlag, der Männer zum Schmelzen bringt, zu hören. Da hatte also jemand den iPod video schon ins Herz geschlossen und ich fing schon einmal an, die Euro in meinem Portemonnaie zusammen zu kratzen; bis Weihnachten ist es ja nicht mehr lang. Wie die Videowiedergabe auf dem iPod genau aussieht, kann man wohl am besten anhand eines Videos [4] sehen, das ich abgefilmt habe (man entschuldige bitte die Qualität, ich hatte leider nur eine Digitalkamera zur Verfügung).
Ob ich mich in ihrer Sympathie ihr anschließen würde, sollte sich erst in den nächsten Tagen zeigen. Schließlich hat man(n) ja doch etwas mehr Ansprüche als die gemeine Frau ;-) Positiv fiel mir in den nächsten Tagen auf, dass der Akku weit länger durchhielt als der meines alten 3G-iPods. Genauere Messungen ergaben, dass der iPod video mit 30 GB ohne großartiges Hin- und Herspringen zwischen einzelnen Playlisten wirklich an die zehn bis zwölf Stunden durchhält. Lässt man öfter die Festplatte rotieren, verringert sich die Laufzeit natürlich weiter. Hört man jedoch ständig nur eine kurze Playliste und spielt nicht zu viel an der Beleuchtung, so sind die von Apple angegebenen 14 Stunden durchaus zu erreichen. Genießt man öfters mal das eine oder andere Video, verringert sich die Laufzeit natürlich stark. Genau wie bei der Wiedergabe von Photos, die auf dem iPod video dank des großen Displays – im Gegensatz zu seinem kleinen Bruder, dem nano – durchaus einen Sinn hat.
Apropos Videos. Auch wenn Apple im iTunes-Store mittlerweile einen ganzen Haufen Videos zum kostenpflichtigen Download bereitstellt, muss man natürlich nicht nur auf diese zugreifen. Seit dem Verkaufsstart des iPod video sind eine Vielzahl Programme erschienen, die bereits existente Videos in das dem Video-iPod bekannte Format konvertieren. Aus eigener Erfahrung kann ich den „iPod Video Converter [5]“ von Xilisoft empfehlen, der allerdings kostenpflichtig (29,– US-Dollar) ist. Einen kleinen Testbericht zu anderen Konvertierungsprogrammen [6] gibt es bei den Kollegen von iPodFun.de.
Ansonsten lässt sich konstatieren, dass auch der iPod video in der Tradition seiner Vorgänger steht. Die Bedienung ist so einfach, dass wohl selbst meine halbblinde Großmutter damit zurecht kommen würde und auch der Klang ist durchaus als überzeugend anzusehen. Viel falsch machen kann man mit dem Kauf eines solchen Geräts demnach nicht.
Fazit
Eigentlich ist er ja doch nur ein MP3-Player – zudem noch einer unter vielen. Doch irgendwie umgibt einen iPod immer noch ein gewisser Zauber. Dies mag daran liegen, dass es sich um ein Gerät handelt, das zur Abwechslung mal nicht im schnöden und ebenso hässlichen Industrie-Design zum Kunden kommt. Vielleicht aber auch am Hauch der Exklusivität eines solchen Players, der in den vergangenen Jahren mit der fortschreitenden Verbreitung der Apple-Geräte zwar immer geringer geworden ist, nach wie vor aber vorhanden ist.
Der iPod im Allgemeinen und der neue iPod video im Besonderen ist ein sehr guter MP3-Player. Dass es dort draußen in der großen und ebenso weiten Welt wohl auch noch bessere Geräte gibt und dass der iPod nicht das Nonplusultra darstellt, dürfte sich landläufig herumgesprochen haben. Allerdings ändert dies nichts an der Tatsache, dass man mit einem iPod sicher seinen Spaß haben wird; wenn man denn das nötige Kleingeld übrig hat.
Beim iPod video ist natürlich im Speziellen hervorzuheben, dass sich die Implementierung eines größeren Display durchaus gelohnt hat. So kann man nun endlich anständig Photos betrachten und auch die neuerlich eingeführte Video-Funktion wusste zu überzeugen. Ein Notebook, PC-Monitor oder gar einen Fernseher kann man damit natürlich nicht ersetzen, für eine Folge der Lieblingsserie in der Straßenbahn oder im Zug reicht es aber allemal. Leider wird so die Laufzeit des Akkus empfindlich verringert, so dass des Öfteren der nächste USB-Port angesteuert werden muss. Womit wir auch schon beim nächsten Manko wären: Es fehlt ein Netzteil im Lieferumfang. Dieses muss, wenn man denn den Player nicht immer am PC laden möchte, teuer nachgekauft werden. Die Angebote reichen hier von 15,– Euro für Netzteile von Drittherstellern bis knapp 30,– Euro für das Original-Netzteil von Apple. Alles Zusatzkosten, die sich auf den ohnehin nicht günstigen Anschaffungspreis von 319,– Euro für das 30-GB-Modell addieren. Für den iPod video mit 60-GB-Festplatte verlangt Apple derweil sogar 429.– Euro. Beides kein Pappenstil und für viele sicher außerhalb des Budgets.
Immerhin liefert Apple nach anfänglichen Beschwerden von Käufern nun eine Schutzhülle mit, die ihren Zweck auch ganz gut erfüllt. Wir empfehlen jedoch den Kauf einer robusteren Hülle oder eines Satzes iPod-Socks. Alternativ kann man sich auch eine Hülle selber basteln [7] – iWrap heißt das kurz und bündig. Und wenn man dann noch etwas auf seinen iPod aufpasst und diesen nicht stiefmütterlich behandelt, bleibt die doch recht kratzempfindliche Oberfläche länger makellos, als man denken mag. Positiv fiel uns weiterhin auf, dass Apple im Gegensatz zu den Vorgängermodellen die Abmessungen des 30-GB-Modells verringern konnte. Der iPod video mit 60 GB großer Festplatte ist zwar nicht kleiner als der alte iPod photo, kann aber im Gegenzug mit einer Akkulaufzeit von bis zu 20 Stunden punkten.
Ergo: Der iPod video ist ein sehr guter MP3-Player mit ein paar interessanten Fähigkeiten, er hat aber auch ein paar Macken. Besitzer eines iPods älterer Generation müssen nicht unbedingt umsteigen, dazu ist die Video-Funktion zu wenig wert. Potentielle Käufer eines neuen Festplatten-MP3-Players, die nicht mit dem Apple-Virus infiziert sind, können sich derweil auch gerne bei der Konkurrenz umschauen, die ähnlich gute, allerdings unserer Ansicht nach nicht so gut aussehende Geräte im Angebot hat. Ein iPod ist und bleibt halt ein iPod, genau wie er wohl immer polarisieren wird.


