Einleitung
Nachdem Edifier in der jüngeren Vergangenheit bereits zwei Mal überraschend gut im ComputerBase-Test abschnitt und man die Sets bisher stets als gut durchdacht ansehen musste, stellt sich dieses Mal eine Frage, die bei den anderen System klar war: Was macht das Edifier S2000 eigentlich aus? Mit einem Verkaufspreis ab 339 Euro [1] positioniert sich das Set preislich in der Umgebung etwa des Teufel Motiv 2 [2] oder des Razer Mako [3]. Optisch würde man es hingegen eher im Wohnzimmer einordnen. Die vor allem für ein PC-Lautsprecherset unüblich großen Boxen wirken beinahe wie Fremdkörper auf dem Schreibtisch. Zudem wird der Verstärker in einer extra Einheit mitgeliefert, befindet sich also nicht in den Lautsprechern selbst, die damit rein passiv sind. Also doch eher eine kleine Stereoanlage?
Wir hoffen auf beides, denn wie selten sind preislich attraktive Hifi-Komponenten, die sich dennoch kinderleicht mit dem PC verbinden lassen? Würde es sich bei dem Edifier S2000 um ein solches Kleinod handeln, wäre das Lautsprecherpaar ein heißer Kandidat auf den Posten der eierlegenden Wollmilchsau des kleinen Klangkosmos.
Just mit diesem Anspruch sind aber auch einige Hürden verbunden. Nicht nur klassische PC-Systeme gilt es nämlich in diesem Test zu schlagen. Für einen umfassenderen Vergleich soll auch ein Maßstab aus der hifidelen Welt angesetzt werden. Diesen verkörpern zwei kleine Lautsprecher aus dem Hause Nubert sowie ein ausgewachsener AV-Receiver. Ob die Erwartungshaltung erfüllt werden kann, sollen die folgenden Seiten aufzeigen.
Vorbetrachtung
Testsystem
Alle getesteten Lautsprecher werden an eine Creative X-Fi Platinum angeschlossen; als Betriebssystem kommt Windows Vista zum Einsatz. Aufgrund der höheren Stabilität werden Youp-Pax-Treiber für die Soundkarte verwendet. Als Abspielsoftware wird auf PowerDVD 7 sowie den Windows Media Player zurückgegriffen. Equalizer-Einstellungen oder Upmix-Modi werden gänzlich deaktiviert, so nicht anders beschrieben!
Als alternativer Zuspieler zum PC wird der Blu-ray-Player Samsung BDP-1400 genutzt, der wahlweise über sechs Cinch-Ausgänge oder – wenn möglich – auch digital mit dem Lautsprechersystem verbunden wird. Der Blu-ray-Player dient insbesondere für DVDs und Blu-ray-Disks als Zuspieler.
Bisher getestete Lautsprechersysteme:
- Teufel Concept E 400 [4]
- Edifier S550 [5]
- Edifier S730 [6]
- Creative GigaWorks T3 [7]
- Creative GigaWorks T20 Series II [6]
- Creative GigaWorks T40 Series II [6]
- Logitech Z Cinéma Advanced [8]
- Teufel Motiv 5 [9]
- Razer Mako [10]
- Teufel Concept F [11]
- Logitech G51 [12]
- Teufel Motiv 2 [1]
- Logitech Z-5450 Digital [13]
- Teufel Concept E Magnum Power Edition [14]
Ein Novum in diesem Test stellen die ebenfalls als Referenz benutzten Nubert-Lautsprecher dar, die mit einem AV-Receiver verbunden werden. Über das komplette Gespann wird es in naher Zukunft einen eigenen Test geben, sie sollen als vorgelagerte Vergleichsmöglichkeit aber die tatsächlichen Fähigkeiten des Edifier S2000 abklopfen helfen. Bei den Nubert-Lautsprechern handelt es sich konkret um zwei nuBox 311 (Stückpreis 139 Euro). Als Verstärker kommt der Onkyo TX-SR 606 zum Einsatz, der für sich genommen zwar schon mehr kostet als die Lautsprecher von Nubert oder Edifier, jedoch nur als Orientierung dienen soll.
Testumgebung
Beim Raum, in dem alle Tests stattgefunden haben, handelt es sich um einen etwa 25 m² großen und drei Meter hohen Raum im Dachgeschoss eines Zweifamilienhauses. Die Aufstellung der Boxen wurde entsprechend der üblichen Ausrichtung vorgenommen.
Um die Klangqualität umfangreich und nicht nur anhand einer eingeschränkten Anzahl von Quellen beurteilen zu können, kamen auch in diesem Test mehrere Stereo- und Surround-Medien aus den Bereichen Musik, Filme und PC-Spiele zum Einsatz. Neben den im folgenden aufgelisteten Quellen werden auch Blu-ray-Disks und MP3-Datein verschiedener Qualität verwendet. Auf eine Auflistung aller genutzten Titel wird aus Platzgründen verzichtet.
- Film-DVDs
- Krieg der Welten
- Master and Commander
- Der Herr der Ringe: Die Rückkehr des Königs
- Last Samurai
- House of the Flying Daggers
- Mission Impossible 3
- Matrix
- PC-Spiele
- World in Conflict
- Call of Duty 2
- Battlefield 2
- Overlord
- Half Life 2
- Command & Conquer 3: Tiberium Wars
- Crysis
- Supreme Commander: Forged Alliance
- Musik-DVDs
- Queen – Greatest Video Hits 1 (dts 5.1, Stereo)
- Queen – Greatest Video Hits 2 (dts 5.1, Stereo)
- Eagles – hell freezes over (dts-5.1, DolbyDigital 5.1, Stereo)
- Abba – 16 Hits (Dolby Digital-Tonspur – 2 Kanäle!)
- Animusic 2 (Dolby Digital 5.1, Stereo)
- Animusic-Beispiele können in voller Länge und in HD-Qualität von der offiziellen Internetseite [15] heruntergeladen werden!
- Pink Floyd – Pulse (Dolby Digital 5.1, Stereo)
- In Extremo – live 2002 (Dolby Digital 5.1, Stereo)
- HIM – Love Metal Archives Vol. 1 (Stereo)
- Apocalyptica – The Life Burns Tour (Dolby Digital 5.1, dts 5.1, Stereo)
Detailbetrachtung
Nicht nur der Klang eines Lautsprechersystems zählt, auch Optik, Verarbeitung und Ausstattung sollten stimmen, damit dem Klangvergnügen die optischen Reize beistehen. Auch das hier getestete Lautsprechersystem von Edifier muss sich einer genaueren optischen Überprüfung hingeben.
Edifier S2000
Das Edifier S2000 fällt allein durch die schiere Größe der zwei Lautsprecher auf. Diese sind eindeutig als Kompaktbox zu bezeichnen und haben mit den üblichen, als Tischhupen verschrienen PC-Lautsprechern nicht mehr viel gemein. Sie beherbergen jeweils einen 14-cm-Tiefmitteltöner sowie einen 2,5-cm-Hochtontreiber – auch das entspricht dem Niveau kleiner Stereoanlagen oder Kompaktlautsprecher. Ein Subwoofer fehlt dem System, die großvolumigen Lautsprecher sollen es dennoch auf eine untere Grenzfrequenz von 48 Hz bringen. Das wäre beachtlich, erscheint aber bei annähernd linearer Kennlinie kaum machbar. Für ein solides Bassfundament soll auch der Bassreflexkanal sorgen, dessen Öffnung auf der Vorderseite der Lautsprecher untergebracht wurde.








Über die haptischen und optischen Qualitäten der zwei Kompaktlautsprecher gibt es nichts Schlechtes zu berichten. Der Gehäusekorpus besteht aus massiven MDF-Platten, die an jeder Kante gleichmäßig und wertig abgerundet wurden. Das Gehäuse selbst wurde mit schwarzem Klavierlack überzogen, der makellos ist – damit aber auch deutlich spiegelt und sich als Staubfänger enttarnt. Man muss hier – wie so oft – wissen, welch Laster die edle Optik mitbringt. An der Unterseite eines jeden Lautsprechers sorgen Gummifüße für einen soliden Stand. Die Front der beiden Kompakten ist in weißem Klavierlack abgesetzt und wirkt genauso hochwertig wie der Rest des Gehäuses. Dementsprechend gestaltet sich auch die Stoffbespannung, die über vier massive Metallstifte mit dem Gehäuse verbunden wird. Sie sitzt fest und wird in exakter Position gehalten. Nimmt man sie ab, versprühen die Lautsprecher dennoch einen noch hochwertigeren Charme. Das liegt vor allem an der sehr akuraten Einpassung aller Lautsprecherchassis sowie dem gefälligen Kontrast zwischen Frontpartie und dem Rest des Lautsprechers. Angesichts der Preisklasse ist der gesamte Abschluss hervorragend.
Das gilt auch für die mitgelieferte Verstärkereinheit, die trotz der relativ geringen Größe nicht gerade leicht ausfällt. Das Gehäuse des Verstärkers weißt ebenfalls eine schwarze Lackierung auf; die Gehäuseseiten setzen sich jedoch durch gebürstetes Aluminium sowie silberne Metallfüße ab. Auf der Vorderseite des Gerätes befinden sich drei Drehregler für die Lautstärke-, Höhen- und Bassregelung sowie Druckknöpfe für die Wahl der Eingänge sowie des Bypass-Modus, in dem jedwede klangliche Veränderung ausgeschaltet und die ausgewählte Quelle unverfälscht wiedergegeben wird. Auch das Ein- und Ausschalten der Anlage ist über einen Knopf auf der Vorderseite möglich.







Auf der Rückseite des Verstärkers finden sich neben den Schraubklemmen für die zwei Lautsprecher auch alle analogen und digitalen Eingänge, von denen es jeweils zwei gibt. Schon die Schraubklemmen wirken dabei hochwertig, wenngleich es noch ausgefeiltere Lösungen gibt. Sie versprühen dennoch den Charme eines ernstzunehmenden Hifi-Gerätes. Die gleichen Klemmen finden sich übrigens auch an den Lautsprechern wieder, sodass alle Komponenten in der selben hochwertigen Qualität ausgeführt werden.
Als Audio-Eingänge stehen zwei Stereo-Cinch-Eingänge sowie ein optischer und ein koaxialer Digitaleingang bereit. Für alle zur Verfügung stehenden Anschlüsse werden die benötigten Kabel mitgeliefert. Das umfasst sowohl die Lautsprecherkabel selbst (in hochwertiger Ausführung mit 2,5 mm² Querschnitt!) als auch die Verbindungskabel für alle Audioeingänge. Auch hier werden nur hochwertige Kabel mitgeliefert, was äußerst selten ist.
Technische Daten
Der Vollständigkeit halber seien ein weiteres Mal die technischen Eckdaten des Testprobanden und einiger anderer bereits getesteter und vergleichbarer Soundsysteme angeführt. Es ist zu beachten, dass einige der Werte zumeist sehr dehnbar sind und per se nicht viel über den Klangeindruck aussagen. Der persönliche Geschmack sollte stets entscheiden, nicht die größte Wunschzahl der Werbemaschinerie.
| Edifier S2000 | Edifier S730 | Logitech Z Cinéma Advanced |
Teufel Motiv 2 | Razer Mako | |
|---|---|---|---|---|---|
| Gesamtleistung | 80 Watt RMS | 300 Watt RMS | 180 Watt RMS | 200 Watt Sinus | 300 Watt RMS |
| Kanäle | 2.0 | 2.1 | 2.1 (virtuell 5.1) |
2.1 | 2.1 |
| Leistung Satelliten |
40 Watt RMS | 75 Watt RMS pro Kanal | 35 Watt RMS pro Kanal | 50 Watt Sinus pro Kanal | 100 Watt Sinus pro Kanal* |
| Leistung Subwoofer |
nicht vorhanden | 150 Watt RMS | 110 Watt RMS | 100 Watt Sinus | 100 Watt RMS* |
| Eingänge | 2x Stereo-Cinch 1x optisch 1x koaxial |
2x Stereo-Cinch 1x optisch 1x koaxial |
1x USB 1x Line-In |
2x Klinke 1x Stereo-Cinch |
2x Klinke** 1x Stereo-Cinch |
| Pegelsteuerung | Fernbedienung am Verstärker |
Fernbedienung Kabelfernbedienung |
Fernbedienung | Fernbedienung via Subwoofer |
Kabelfernbedienung |
| Besonderheiten | großvolumige Lautsprecher extra Verstärkereinheit |
Design Subwoofer mit aktiven und passiven Treibern |
Design SRS TruSurround HD USB-Anschluss |
Design | Design Class-HD-Verstärker Groundslot Bauweise |
| Listenpreis | ab 339 Euro [16] | ab rund 220 Euro [17] | ab rund 130 Euro [18] | 299 Euro [19] | ab rund 330,- Euro [20] |
Das Edifier S2000 macht nicht durch übertriebene Daten auf sich aufmerksam. Der Verstärker stellt für die beiden Kompaktlautsprecher jeweils realistische und völlig ausreichende 40 Watt bereit. Je nach Wirkungsgrad des Sets lassen sich damit hohe bis extrem hohe Pegel realisieren. Etwas unglaubwürdig erscheint hingegen die Angabe des Frequenzbereiches, der durch das Edifier-System abgedeckt werden soll: 48 Hz bis 20 kHz erscheinen zumindest bei minimaler Pegelabweichung von -3 dB (tatsächlich schweigt sich Edifier über die Linearität der Kennlinie aus) bei der unteren Grenzfrequenz etwas übertrieben. Zum Vergleich: Das Teufel Motiv 2 mit dediziertem Subwoofer realisiert etwa 40 Hz bei -3 dB.
Nichtsdestotrotz sollen die Zahlen eine untergeordnete Rolle spielen und das Edifier S2000 die eigenen Qualitäten im Hörtest beweisen.
Standby-Verbrauch
Der Standby-Verbrauch elektronischer Geräte ist nicht erst wichtig, seit dem Umwelt- und Klimaschutz größere Bedeutung beigemessen wird. Viele Hersteller nehmen sich dem Thema aber erst seit der jüngeren Vergangenheit an. Edifier bewies mit dem S550 [4], dass man durchaus im Stande ist, einen angemessenen Standby-Verbrauch vorzuweisen. Das Edifier S2000 besitzt ebenfalls einen dedizierten Standby-Schalter, der das System mit einem hörbaren Klicken in den Ruhemodus versetzt.
Leider zeigen die Messungen aber, dass dies absolut nichts ausmacht. Das Edifier S2000 benötigt im Standby-Modus etwa 10,5 Watt. Das ist exakt der Wert, der auch benötigt wird, um das System im angeschalteten Zustand etwa bei Zimmerlautstärke zu betreiben. Ob das Set also in den Ruhemodus versetzt wird oder nicht, machte in unseren Messungen keinen Unterschied. Im Betrieb agierte das Lautsprechersystem allerdings recht bescheiden. Bereits deutlich erhöhte Lautstärke schlug sich nur in einem Momentanverbrauch von etwa 12 Watt nieder, wer den Regler weit aufdreht – und damit mehr als nur sein Zimmer beschallt – wird es kaum über die 20-Watt-Marke schaffen. Das unverständliche Verhalten im Standby-Modus bleibt jedoch als fader Beigeschmack.
Auf Anfrage von ComputerBase bestätigte Edifier, dass das Problem bekannt sei und man bereits daran arbeite. Bereits mit der laufenden Produktionsserie sollen Änderungen am Edifier S2000 vorgenommen werden, die das Problem beheben und dem Standby-Schalter seine Funktion zurückgeben. Wie gut oder schlecht der Standby-Verbrauch bei Chargen mit Fehlerkorrektur ausfällt, ist uns allerdings nicht bekannt.
Auffälligkeiten
In diesem Abschnitt sollen all die kleinen und großen Dinge aufgelistet werden, die während der Testphase aufgefallen sind, viel mehr als eines Satzes aber nicht immer bedürfen.
Einzig in gewissem Sinne auffällig ist hierbei, dass Edifier der Fernbedienung des S2000 jeweils vier Knöpfe für dieselbe Funktion spendiert. Diese Eigenart ist in verminderter Ausprägung bereits beim Edifier S730 aufgefallen, dessen Funkfernbedienung jeweils für die Lautstärkeregelung doppelt belegte Tasten aufwies. Weshalb es im hiesigen Fall jeweils vier Druckpunkte sein müssen, ist rational wohl kaum zu erklären. Es muss sich um eine Frage des Designs handeln, ist aber letzten Endes auch nicht störend.
Eher störend ist, dass keine eigenen Regler für die Höhen- und Bassregelung auf der Fernbedienung vorhanden sind. Die Lautstärke kann hingegen aus der Distanz geregelt werden, für tiefergehende Einstellungen müssen allerdings die Drehregler am Verstärker genutzt werde. Letztendlich ist aber auch das verschmerzbar, da Treble und Bass zumeist nur einmalig eingestellt werden müssen.
Klangeindrücke
Abermals sollen in diesem Test die persönlichen Eindrücke vom Klangcharakter des getesteten Soundsystems vermittelt werden. Dass dies niemals zu einhundert Prozent objektiv geschehen kann, sei vorweg gestellt; der geschilderte Klangeindruck spiegelt schließlich die Meinung des Testers wider. Er sollte nur als Empfehlung angesehen werden. Vorteilhaft ist es darüber hinaus in jedem Fall, sich die Lautsprecher stets selbst anzuhören, um ihren Klang mit den persönlichen Vorlieben abzugleichen.
Da jedoch nicht jeder die Zeit, das Geld oder die Muße hat, sich jedes interessante System selbst anzuhören, sollen in folgender Beurteilung auch Vergleiche mit bereits getesteten Boxensystemen gezogen werden.
Musik
Anders als bei anderen Lautsprechersets ist es die Musikwiedergabe, die dem Edifier S2000 am ehesten liegen sollte, so könnte man vermuten. Schließlich handelt es sich in letzter Konsequenz um zwei passive Kompaktboxen mit ordentlicher Chassisbestückung und anständiger Gehäusegröße, die von einem zumindest haptisch und optisch ausgefeilten Verstärker angetrieben werden. Tatsächlich wird man in diesem Bereich auch nicht enttäuscht. Die zwei Lautsprecher zeichnen ab der ersten Minute eine überragende Räumlichkeit und Authentizität in die Musikwiedergabe, die sich vor allem durch eine wesentlich kräftigere und natürlichere Stimmenwiedergabe auszeichnet. Verglichen mit diesem 2.0-Set fällt es schwer, anderen PC-Lautsprechern ein relevantes Können in puncto natürlicher Wiedergabe auszusprechen. Nicht einmal das preislich etwa gleich teure und bisher stets als Referenz gehandelte Teufel Motiv 2 bietet den Grad an Detailzeichnung und Homogenität, den die Chinesen aus dem 2.0-Set kitzeln. Zugegeben: Allein angesichts der Größenunterschiede der Satelliten (im Falle des Edifier-Sets Kompaktlautsprecher) wäre ein Kopf-an-Kopfrennen in diesen Disziplinen aber auch verwunderlich.
Neben der Stimmenwiedergabe – die wirklich in jedem Genre auffällt und zu gefallen weiß – manifestieren sich nach und nach aber weitere Eindrücke, die das Edifier-System von der Konkurrenz abheben. Stets ist hieran der sehr gute Mitteltonbereich „Schuld“, der Instrumenten mehr Plastizität und der Bühnenabbildung mehr Tiefe verleiht. Das Set wirkt nie kraftlos, könnte ab Werk aber etwas mehr Bass vertragen. Ein ums andere Mal erscheinen die Höhen auch einen Hauch zu spitz, aber alles dies ist leicht mit dem Höhen- und Bass-Regler am Verstärker (leider nicht auf der Fernbedienung) in den Griff zu bekommen.
Dann allerdings gefällt alles, von kernig bis seidig: Ob die die Eagles, Xavier Naidoo, die Black Eyed Peas oder rauhere Töne von In Extremo oder Apocalyptica: Instrumentalmusik ist ein Steckenpferd des Sets, vor Synthesizerklängen muss es sich im Allgemeinen aber auch nicht verstecken. Einzig der Bass könnte mehr Kontur vertragen. Natürlich ist der Tiefgang nicht mit dem eines Subwoofers – und sei es einer besserer PC-Systeme – zu vergleichen. Das Set wirkt deshalb aber nicht kraftlos. Es fehlt bei speziellen Titeln aber eine gewisse räumliche Tiefe und auch Struktur im langwelligen Bereich. Etwas Abhilfe schafft hier der Bass-Regler, der Gesamteindruck bleibt aber vergleichsweise schwammig, wenn es um die Tieftonwiedergabe geht. Das stört bei Musik in aller Regel nicht, sofern keine künstlichen Bässe tragend zum Titel beitragen oder die Auslegung allgemein eher satt ist. Pop- und Techno-Songs sowie andere basslastige Musiktitel wecken dann aber doch die Lust nach Mehr.
Letztendlich bleibt es vor allem eine Frage des Geschmacks. Titel wie Apocalypticas „Path I & II“ stellen etwa den Grenzfall dar. Während die Streicher im allgemeinen authentisch wirken, fehlt es mit jedem Schritt gen Frequenzkeller etwas mehr an Kraft. So fehlt dem charakteristischen Anzupfen der Cello-Saiten im Path I der markante Beigeschmack. Gleiches gilt für Bassgitarren oder am Computer erzeugten Basslines, etwa bei Timbaland. Ab dem Mitteltonbereich machen die zwei Kompakten aber sehr viel Spaß und hängen jedes PC-Set, vor allem in dieser Preislage, locker ab.
Und wie steht es mit harter Konkurrenz? Nicht umsonst soll ein Paar nuBox 311 [21] bereits hier als Referenz dienen. Die beiden passiven Lautsprecher werden an einem Onkyo TX-SR 606 (an dem testweise auch das Edifier-Set hing) betrieben. Sie können nicht direkt mit dem PC verbunden werden, weshalb zur ihrem eigentlichen Anschaffungspreis von 278 Euro (pro Paar) noch die Kosten für einen Verstärker hinzukommen. In einem solchen Vergleich zeigt sich, dass sich Edifier sehr wacker schlägt. Die zwei Nubert-Lautsprecher wirken im direkten Vergleich knackiger und geben einen leicht strukturierteren Bass wieder, der zudem etwas tiefer wirkt. Auch der Hochtonbereich ist bei Nubert ausschließlich als seidig und wohltuend zu bezeichnen. Von der minimalen Tendenz zur schneidigen Note des Edifier S2000 kann sich Nuberts Ensemble also lösen. Im Mitteltonbereich nehmen sich die beiden Kompaktsysteme nicht viel. Angesichts der Preisklasse und der Ausstattung ist der Unterschied also erstaunlich gering. Zwar kostet ein Paar Nubert nuBox 311 etwa 60 Euro weniger als das komplette Edifier-Set, letzteres bietet aber einen vollwertigen Verstärker samt Fernbedienung und digitalen wie auch analogen Eingängen sowie alle notwendigen Kabel. Das zu gleichem Preis zu erreichen, dürfte schwer sein. Bravo!
Ein dedizierter Test des Nubert-Paares wird in Kürze folgen.
Filme und Spiele
Das Edifier S2000 liefert im Musiktest einen hervorragende Vorstellung ab, nun wird es aber kritisch: Filme und Spiele leben von mehrerlei Dingen, von denen einige per se nicht durch dieses Edifier-Gespann bedient werden können. So fehlt die Surround-Kulisse sowohl in Filmen mit Mehrkanalton als auch in PC-Spielen. Auch den Subwoofer vermisst man immer dann, wenn das zu betrachtende Medium das Prädikat „actiongeladen“ trägt. Das führt dazu, dass sich etwa in Ego-Shootern oder anderen Spielen mit sattem Klanggerüst eine gewisse Sehnsucht einstellt. Das Edifier-Set kann kein Effektfeuerwerk zünden und für bebende Böden sorgen. Wer auch in Kriegssimulationen eine authentische Klangatmosphäre verspüren will, ist hier also falsch.
Gleiches gilt in entsprechenden Filmen, in denen – je nach Genre – nicht mit Tiefbass gegeizt wird. In „Krieg der Welten“ etwa ist das musikalische Set nicht Herr der Dinge. Es fehlt die Knackigkeit und Präsenz im Tiefgang. Andererseits besticht das Edifier S2000 durch eine glasklare Dialogverständlichkeit sowie einen authentischen und natürlichen Klang, der nicht so effekthascherisch ist wie bei anderen PC-Lautsprechersets, die mit ihrem Tun mehr Schein als Sein sind. Für den normalen Konsum abseits martialischer Bassgewitter ist das Edifier-Set also hervorragend geeignet.
Fazit
Angesichts des bisher hervorragenden Abschneidens der Edifier-Sets S730D [5] und S550 [4] stellen sich an diesem Punkt – dem Fazit – angelangt vor allem zwei Dinge ein: Freude und Frust. Die Freude ergibt sich vor allem daraus, dass die Chinesen ein weiteres Mal sehr gute Arbeit geleistet und fast keine groben Schnitzer bei der Produktentwicklung übersehen haben. Der Frust ergibt sich eigentlich aus demselben Grund. So stellen sich schleichend Zweifel ein, ob dieser Lauf denn wirklich gerechtfertigt ist. Allen (Selbst)zweifeln zum Trotz ist er das aber auch dieses Mal, weshalb ohne weitere Umschwenke ein abermals positives Fazit ausgesprochen werden muss.
Das Edifier S2000 ist nämlich in der Tat ein wahrer Preisbrecher. Es besticht bereits äußerlich durch eine hervorragende Qualität, die in dieser und jeder anderen Preisklasse kaum Wünsche unerfüllt lassen dürfte. Darüber hinaus verblüfft der Ausstattungsumfang, der nicht nur die Verstärkereinheit und die zwei Kompaktlautsprecher selbst, sondern auch sämtliches überhaupt verwendbares Zubehör (immerhin zwei Analog- und zwei Digitalstrippen sowie hochwertige Lautsprecherkabel) beherbergt. Auch eine Fernbedienung wird geboten, die, wenngleich nicht alle Funktionen über sie geregelt werden können, den Großteil des Alltagseinsatzes erleichtern dürfte.
Schlussendlich ist es aber der Klang, der zählt, und hier demonstriert auch das Edifier S2000 wahre Größe – nicht nur im physischen Sinne. Die zwei Kompaktlautsprecher müssen sich weder im Vergleich zu PC-Lautsprechern verstecken, welche sie im Gegenteil auf weiter Flur sogar haushoch schlagen. Auch das kleine aber durchaus nicht anspruchslose Duell mit zwei Nubert-Lautsprechern bestehen die Chinesen mit erhobenem Haupt. Der einzige wirkliche Makel des Systems ist prinzipbedingt und bei artgerechter Haltung größtenteils unerheblich: In Ermangelung eines Subwoofers ist das Set nicht für Effektschlachten und den gehobenen Action-Konsum, sei es in Film oder Spiel, geeignet. Auch Surroundsound ist aus dem Stereopaar nicht herauszuholen. Das Edifier-Set ist ganz klar ein kleiner Musiker, wenn wenn man es als solchen einsetzt, kann man damit durchaus froh werden.
Besserung sollte man allerdings beim Standby-Verbrauch geloben, der als solcher schon gar nicht mehr bezeichnet werden kann, da er sich ohnehin nicht vom Betriebszustand unterscheidet. Schade, das macht die ansonsten so makellose Weste fleckig.
- sehr homogene Klangwiedergabe
- exzellente Verarbeitung
- zahlreiche Anschlussmöglichkeiten
- hochwertige Kabel beigelegt
- Funkfernbedienung
- viel zu hoher Standby-Verbrauch
- nicht alle Funktionen über Fernbedienung regelbar
- etwas zu schwammiger Bass
Dennoch verdient das Edifier S2000 eine Empfehlung. Man sollte aber wissen, was man kauft, denn ein Kleinod ist es zwar, aber kein Alleskönner. Ob und inwiefern man die ersten von späteren Serienexemplaren unterscheiden kann, versuchen wir derzeit noch herauszufinden. Sobald es uns möglich ist, soll zudem eine neuere Version des Lautsprechersets hinsichtlich des Standby-Verbrauchs nachgetestet werden.
Tagesaktuelle Preise:
- Edifier S2000 [22]
- Teufel Concept E 400 [23]
- Edifier S550 [24]
- Edifier S730 [16]
- Teufel Motiv 2 [18]
- Creative GigaWorks T3 [25]
- Logitech Z Cinéma Advanced [17]
- Razer Mako [19]
Schlussbemerkung
Wir sind uns völlig darüber im Klaren, dass ohne hochwertige Messtechnik und schalloptimierte Räumlichkeiten, wie die großen Audio-Zeitschriften-Labore sie besitzen, keine absolut objektiven, messtechnisch optimierten Tests durchgeführt werden können, bilden uns aber ein, ein halbwegs geschultes Gehör zu besitzen, um ebenfalls aussagekräftig testen zu können. Unser Soundcheck soll dem geneigten PC-Audio-Freak dabei helfen, ein für Ihn geeignetes Lautsprecher-System zu finden und in dazu einladen, eine kleine Reise in die große Welt der audiophilen Genüsse zu unternehmen. Nicht mehr und nicht weniger.







