Inhalte
Sprechen wir nun also über den Inhalt, bei dem in manchen Bereichen nur recht schwierig ein gänzlich eindeutiges Urteil gefällt werden kann. Klickt man sich durch die Inhalte Encartas, fällt auf, dass der Fokus hier offenbar besonders auf gesellschaftliche und eher allgemeinere Themen gelegt wurde, was von den Themenbereichen der enzyklopädischen Karten untermauert wird. Insofern tut sich Encarta hier entsprechend schwer, die Artikel mit wissenschaftlicherem Belang konkreter bzw. detailreicher anzugehen, was angesichts der Zielgruppe - eben der „ganzen Familie“ - jedoch nicht verwunderlich ist. Encarta ist ohnehin dafür ausgelegt, dass auch jüngere Kinder ihren Nutzen aus dem Programm ziehen können, was sich eindeutig im Inhalt widerspiegelt.
Die Wikipedia hat hingegen explizit was wissenschaftliche Themen anbelangt teilweise exzellente Inhalte vorzuweisen. Der Einsatz von LaTeX ist als alles andere als spärlich zu bezeichnen, und auch sonst sind die jeweiligen Artikel dieser Sparte sehr elaboriert.


Was sich bei Computern bereits am Horizont abzeichnete, lässt sich bei den Sektionen Mathematik, Physik und Chemie - also grundsätzlich naturwissenschaftlichen Themen - bestätigen: Hier hat Wikipedia die Nase vorn. Der massive Einsatz von LaTeX sorgt nicht nur für mehr Übersicht, sondern schlicht für komplettere Artikel. Bestenfalls reicht Encarta hier knapp an Wikipedias Artikel heran, wird jedoch oft schlicht vom Open-Content-Monster überrannt:












Was Wikipedia zweifellos (noch?) nicht bieten kann, ist Encartas Weltatlas bzw. die enzyklopädischen Karten. An diesem Punkt kann eindeutig Encarta punkten.
Dass Karl Marx Recht hatte und Quantität tatsächlich Qualität bewirkt, lässt sich anhand der Wikipedia möglicherweise bestätigen: Hinsichtlich der Artikelanzahl kommt Encarta sowohl in der Standard- als auch Professional-Version ganz schön ins Schwitzen - über drei Mal so viele Artikel wie die Multimedia-Giganten weist Wikipedia derzeit vor. Und an eben dieser Stelle ist das Hauptaugenmerk auf „derzeit“ zu legen: Wikipedia wächst dauerhaft mit einer äußerst steilen Tendenz. Insofern steigt nicht nur die Quantität der Artikel, sondern früher oder später auch schlicht die Qualität, da sich immer mehr Nutzer finden, die zum Projekt kontributieren.
Artikelanzahl
Angaben in Artikel
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Interessant ist an dieser Stelle, dass die US-amerikanische Version offenbar ein gutes Stück weit mehr an Inhalt bieten kann, als die deutschsprachige Encarta-Version. Ein solcher Zahlenunterschied lässt sich auch bei multimedialen Inhalten sowie den Karteneinträgen et cetera feststellen. Die englische Wikipedia hat übrigens über 400.000 Einträge.
Der Vorteil Wikipedias überhaupt ist natürlich das Konzept selbst: Jedermann kann seine Finger mit ihm Spiel haben - und das haben die Meisten. Immer mehr Leute trauen sich angesichts der partiell sehr gut ausgearbeiteten Hilfestellungen, Artikel zu erweitern. Dies ist auch verständlich: Wenn man etwas besser weiß und - vom positiven Effekt abgesehen - absolut ohne Konsequenzen bearbeiten kann - warum sollte man es nicht tun? Sicher, die Wiki-Syntax ist irgendwo gewöhnungsbedürftig, aber hat man erst einmal den Dreh 'raus, wagt man sich an nahezu alle Artikel heran - und sei es nur eine stilistische Verbesserung. Microsofts MSN Encarta ist hier jedenfalls nahezu ein Witz: Zwar mag dieser Service ebenfalls aktuell gehalten sein, doch werden nur die Wenigsten 29,99 Euro pro Jahr zahlen, wenn ein paar Mausklicks weiter Wikipedia mit kostenlosen Inhalten auf den User wartet.
Ebenso gewichtig ist der Nachteil der Abstinenz jeglicher redaktioneller Überprüfung der Inhalte: Es ist nie garantiert, dass das, was auf den Seiten der Wikipedia zur Verfügung steht, auch nur ansatzweise korrekt ist - und an der Rechtschreibung und Grammatik hapert es gerade in neueren Artikeln teilweise gewaltig. Je populärer ein Artikel ist, desto wahrscheinlicher ist eine solche Überprüfung allerdings, wenngleich eine Garantie nie gegeben sein wird.
