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Bericht: Windows 7 ist da!

von Simon Knappe, Benjamin Beckmann, Jirko Alex

Einleitung

Über fünf Jahre hat es gedauert, bis Microsoft Anfang 2007 mit der Einführung von Windows Vista das Ende der Erfolgsgeschichte von Windows XP einleiten wollte. Trotz anfänglicher Euphorie hat es Windows Vista dabei bis heute nicht geschafft, Windows XP flächendeckend von den Computern und aus den Köpfen der Nutzer zu verbannen. Sogar der „Siegeszug“ der kleinen und praktischen Netbooks, welche in den vergangenen 18 Monaten in millionenfacher Ausführung über die Ladentheke gewandert sind, wird nach wie vor weitgehend von Windows XP begleitet. Einen nicht geringen Anteil daran dürfte die an vielen Stellen doch deutlich abgespeckte Hardware gegenüber einem normalen Desktop- oder Notebook-System tragen. All dies soll sich mit dem Nachfolger von Windows Vista – genannt Windows 7 – allerdings ändern. Gerade einmal drei Jahre nach der Einführung von Windows Vista schickt Microsoft nun ein neues Betriebssystem ins Rennen, welches nicht nur die bei Vista gemachten „Fehler“ ausmerzen, sondern von Beginn an auf Systemen aller Leistungsklassen punkten können soll.

Windows 7
Windows 7

Während die Umstellung von Windows XP auf Windows Vista im Privatbereich noch vergleichsweise gut voran schritt, scheuen viele Firmenkunden bis heute den Umstieg. Dafür ist nicht nur der deutlich höhere Ressourcenbedarf von Windows Vista gegenüber XP verantwortlich. Auch der allgemein eher geringe Produktivitätsmehrwert gegenüber dem Vorgängerbetriebssystem hat viele Unternehmen bislang davon abgehalten, von Windows XP Abstand zu nehmen. Doch auch im Privatumfeld lässt sich am heutigen Tage kein sonderlich positives Fazit ziehen. Um die Geschichte in Zahlen zu untermauern: Selbst heute surfen auf ComputerBase noch mehr Menschen mit Windows XP als mit Windows Vista.

Betriebssysteme

Wie sich anhand der Graphen erkennen lässt, hat Windows 7 bereits vor dem offiziellen Starttermin für die Öffentlichkeit Windows Vista fast eingeholt, während dessen Anteil innerhalb weniger Monate um über zehn Prozentpunkte auf nunmehr wieder unter 30 Prozent Marktanteil gefallen ist. Windows XP liegt mit einem Anteil von über 40 Prozent zwar weiterhin klar vorne, es ist jedoch zu erwarten, dass Windows 7 bereits in der ersten Jahreshälfte 2010 Windows XP vom Thron stoßen wird. Mit Recht?

Editionen

Ähnlich wie bei Windows Vista verfolgt Microsoft auch bei Windows 7 die Strategie mehrerer verschiedener Editionen, die sich in erster Linie in puncto Ausstattung und Verkaufspreis unterscheiden. Insgesamt bietet Microsoft zum Start sechs verschiedene Grundversionen an. Die so genannten Heimnetzgruppen, die eine einfache Vernetzung mehrerer PCs mit Windows 7 ermöglichen, sind mehr oder weniger die einzige Sonderfunktion, die alle Versionen beherrschen. Ursprünglich sollte die Starter-Edition nur einen gleichzeitigen Betrieb von lediglich drei Applikationen erlauben. Diese Einschränkung hat Microsoft jedoch noch kurz vor dem Start beseitigt [1], sodass nun alle Varianten beliebig viele Anwendungen ausführen können. Die erweiterten Netzwerk-Funktionen sowie das Mobilitäts-Center werden von allen Versionen außer der Starter geboten. Die Einbindung in eine Windows-Domäne, standortunabhängiges Drucken, EFS-Dateiverschlüsselung und Remote-Desktop-Funktionalität bleiben den Business-Varianten Professional und Enterprise vorbehalten. Die beiden "Ich kann alles"-Versionen Enterprise und Ultimate bieten obendrein auch volle BitLocker-Verschlüsselung und erlauben das Booten von virtuellen Festplatten-Containern (VHD). Gleiches gilt für die Funktionen Branch Cache und Direct Access sowie die Unterstützung mehrerer Sprachen.

Funktion Starter Home Basic Home Premium Professional Enterprise Ultimate
Home-Groups
Max. Anwendungen unlimitiert unlimitiert unlimitiert unlimitiert unlimitiert unlimitiert
Erw. Netzwerk-Funktionen -
Mobile-Center -
Media-Center - -
Multi-Touch - -
Aero Glass - -
Domänen-Mitgliedschaft - - -
Erw. Drucken - - -
EFS-Dateisystem - - -
Remote Desktop - - -
VHD Boot - - - -
AppLocker - - - -
Bitlocker - - - -
Bitlocker to Go - - - -
Branch Cache - - - -
Direct Access - - - -
Mehrere Sprachen - - - -

Der Unterschied zwischen der Enterprise- und der Ultimate-Version liegt einzig in der Form der Lizenzierung. Während Windows 7 Enterprise nur als Volumenlizenz-Version vertrieben wird, ist die Ultimate-Variante auch als Einzellizenz für den Privatanwender erhältlich. Die Preise der für die meisten unserer Leser interessanten „System Builder“-Pakete rangieren dabei aktuell zwischen rund 70 Euro für die Home Premium-, 105 Euro für die Professional- und knapp 140 Euro zzgl. Versand für die Ultimate-Edition, womit sich die drei wichtigsten Versionen jeweils um ca. 35 Euro unterscheiden. In den meisten Fällen dürfte der Griff zu Windows 7 Home Premium die richtige Wahl sein. Etwas versiertere Anwender sollten jedoch zur Professional-Version greifen. Windows 7 Ultimate bleibt lediglich den experimentierfreudigen Heim-Administratoren vorbehalten. Unternehmen sollten sich jedoch genau überlegen, ob eine Professional-Edition vollkommen ausreichend ist. In der Tat bietet die Enterprise-Edition mit AppLocker, BitLocker, Branch Cache und Direct Access vier mächtige Funktionen an, die im Zusammenspiel mit Windows Server 2008 Release 2 den Einsatz von Drittanbieter-Software unter Umständen überflüssig machen und die höheren Lizenzkosten des Betriebssystems durch Einsparungen an anderer Stelle ausgleichen. Angesichts dieser von Beginn an recht niedrigen Preise dürfte Microsoft auch einige Kunden gewinnen, die ihr Windows bislang illegal erworben haben. Für eine Software, die man praktisch jeden Tag nutzt, fallen die Preise recht gediegen aus.

Betrachtung

Look & Feel

Nach dem Bootvorgang im neuen Windows-7-Gewand und der erfolgreichen Authentifizierung könnte man zunächst meinen, man hätte erneut ein Windows Vista installiert. Doch spätestens beim Blick auf die Taskleiste wird die erste Neuheit offensichtlich. Die neue Taskleiste ist deutlich höher und statt der Programmtitel wird lediglich ein größeres Favicon der geöffneten Anwendung angezeigt. Sofern Aero Glass aktiviert ist, reicht ein einfaches Führen des Mauszeigers auf das Icon in der Taskleiste, um eine kleine Vorschau der geöffneten Anwendung zu erhalten. Führt man den Mauszeiger anschließend über die Mini-Vorschau, wird das Fenster in Originalgröße angezeigt und alle anderen geöffneten Anwendungen werden unsichtbar gemacht. Verlässt man die Vorschau wieder ohne Klick, erscheint wieder das vorhergehende aktive Fenster. Eine Besonderheit bietet dabei aktuell der hauseigene Internet Explorer, bei dem sogar direkt die einzelnen Tabs in der Mini-Vorschau angezeigt werden. Prinzipiell steht dieses Feature auch Drittanbietern zur Verfügung. So gibt es bereits für den Alternativ-Browser Mozilla Firefox eine erste Beta-Version (3.6), die ebenfalls diese neue Vorschau-Möglichkeit zu Nutzen weiß [2]. Einzelne Anwendungen können bequem mittels eines Rechtsklicks dauerhaft als Favorit in der Taskleiste verankert werden. Was mit Vista oft noch mehrere Mausklicks benötigte, geht an dieser Stelle deutlich schneller. In den Performance-Einstellungen gibt es zudem die Option, Vorschaubilder zwischenzuspeichern. Ändert sich eine Programmansicht nicht, muss die Vorschau nicht ständig aktualisiert werden, was unter Umständen etwas Rechenleistung einsparen kann.

Standardmäßig links unten befindet sich wie gewohnt das Startmenü, welches bei Windows 7 ausschließlich in der mit Windows Vista eingeführten Optik und Handhabung verfügbar ist. Das klassische Startmenü aus Windows XP-Zeiten oder älter wurde komplett gestrichen. Das direkte Ausführen von Befehlen über Ausführen (Windows-Taste + R) ist jedoch möglich. Zudem besitzt Windows 7 zahlreiche neue Tastaturbefehle, welche die allgemeine Steuerung der Programmfenster auch über die Tastatur vereinfachen:

Tasten-Kombination Funktion
Windows-Taste + Home Alle Fenster außer dem aktiven schließen
Windows-Taste + Leertaste Alle Fenster werden transparent
(Blick auf Desktop möglich)
Windows-Taste + Cursor hoch Aktives Fenster maximieren
Windows-Taste + Cursor runter Aktives Fenster minimieren
Windows-Taste + Cursor links Aktives Fenster links andocken
(Bei mehreren Monitoren
kann mit der Umschalt-Taste
der Monitor gewählt werden)
Windows-Taste + Cursor rechts Aktives Fenster rechts andocken
(Bei mehreren Monitoren
kann mit der Umschalt-Taste
der Monitor gewählt werden)
Windows-Taste + T Scrollen in der Taskleiste
Windows-Taste + P Anzeige-Einstellungen ändern
Windows-Taste + Plus-/Minus-Taste Zoomen
Umschalt + Klick auf Programm
in der Taskleiste
Neue Instanz des
gewählten Programms öffnen

Auch in Sachen Mausgesten hat sich einiges getan. Schiebt man ein aktives Programmfenster mit der Maus an den rechten Bildschirmrand, wird die Anwendung automatisch an eben diesem angeheftet. Schiebt man eine weitere Anwendung an den linken Rand, teilen sich beide Fenster die Bildschirmfläche zu je 50 Prozent vertikal auf. Ein Ziehen an den oberen Bildschirmrand maximiert das Fenster, ein kleines Schütteln des Fensters genügt, um alle anderen offenen Fenster zu minimieren. Rechts unten in der Taskleiste befindet sich ein schmaler Button, der bei Überführung des Mauszeigers alle offenen Programmfenster transparent macht, bei einem Klick gelangt der Anwender automatisch auf den Desktop. Bereits an diesen Stellen ist deutlich spürbar, dass Windows 7 von Grund auf für das Arbeiten mit mehreren aktiven Fenstern und einer einfachen Umschaltung zwischen den Anwendungen ausgelegt ist.

Während bei Windows Vista die damals neu eingeführte Side-Bar direkt nach der Installation aktiv war, ist jene bei Windows 7 standardmäßig deaktiviert. Entsprechende Gadgets lassen sich jedoch innerhalb von Sekunden als kleine Miniprogramme auf dem Desktop platzieren. Auch die Systemtray hat Microsoft nicht unangetastet gelassen. Zwar ist die Funktion, dass inaktive Symbole ausgeblendet werden, nicht gerade neu, jedoch hat man auch hier kleine Detailverbesserungen vorgenommen. Erkennt das Betriebssystem einen Fehler, wird jener über ein kleines Ausrufezeichen im Systemtray eingeblendet. Die Funktion nennt sich Windows Lösungscenter und kann nach Bedarf konfiguriert oder gänzlich abgeschaltet werden. Gerade für unerfahrene Anwender bietet das kleine Tool jedoch durchaus nützliche Meldungen, die sonst vermutlich im Eventlog unbeachtet geblieben wären. Auch die Verwaltung von WLAN-Verbindungen ist direkt mit in das Systemtray eingebunden worden, sodass grundlegende Funktionen ständig vom Desktop aus aufrufbar sind.

Mobilitätscenter (Windows-Taste+X)
Mobilitätscenter (Windows-Taste+X)

Das Mobilitäts-Center bietet zudem einen kleinen Überblick über die wichtigsten Einstellungen für Notebooks, angefangen bei der Displayhelligkeit, über den Status der WLAN-Verbindung, die Lautstärke oder dem eingestellten Energiespar-Modus. Im Windows-Explorer gibt es neuerdings direkt einen Button zur Erstellung eines neuen Ordners – auch hier wurde ein längst überfälliger Klickpfad beseitigt. In den Standardeinstellungen werden nun auch keine Sternchen-Bewertungen mehr angezeigt oder wichtige Dateiinformationen automatisch ausgeblendet, sobald sich ein Bild oder eine Musikdatei in dem angezeigten Ordner befindet.

Look & Feel (Fortsetzung)

Auch der Ressourcenmonitor des Taskmanagers ist einem deutlich sichtbaren Update unterzogen worden und erinnert in Windows 7 ein wenig an den Process-Explorer aus der Sysinternals Suite. Das Anzeigen der aktuellen Warteschlangenlänge für den physikalischen Datenträger gehört dabei ebenso zum guten Ton, wie eine übersichtlich Darstellung der Netzwerkauslastung, Verteilung des Arbeitsspeichers und sämtlicher Festplattenaktivitäten der einzelnen Prozesse. Eventuell auftretenden Performance-Problemen kann so relativ schnell und übersichtlich nachgegangen werden. Ein weiterer großer Kritikpunkt an Windows Vista war von Anfang an die Benutzerkontensteuerung, die so manchem Administrator das ein oder andere mal die Hassfalten auf die Stirn getrieben hat, was letztlich dazu führte, dass viele die nervigen Meldungen schlichtweg abgeschaltet haben. Microsofts Ziel in Windows 7 war es, die Anzahl der Warnmeldungen deutlich zu reduzieren, ohne große Einschnitte in der gebotenen Sicherheit machen zu müssen. Erste Erfahrungen haben gezeigt, dass die Anzahl an Rückfragen vom Betriebssystem im normalen Alltag in der Tat auf ein erträgliches Maß zurück geschrumpft wurden und nun eigentlich noch kaum ein Grund besteht, diese Funktion generell zu deaktivieren. Die Benutzerkontensteuerung kann zusätzlich in vier Stufen geregelt werden – bei Vista gab es lediglich die Optionen "An" oder "Aus".

Eine weitere „Neuheit“ sind die so genannten Heimnetzwerk-Gruppen, die eine auch für Laien einfache Erstellung eines Heimnetzwerks für den Austausch von Daten ermöglichen sollen. Grundvoraussetzung ist dabei ein Windows-7-Betriebssystem auf den Rechnern aller Teilnehmer. Für die Einrichtung muss zunächst auf einem Computer eine neue Heimnetzwerk-Gruppe erstellt werden. Bei der Einrichtung wird dabei eine Passphrase vergeben, die später bei der Einbindung von Teilnehmern von Bedeutung ist. Soll nun ein weiteres Mitglied der Gruppe beitreten, muss lediglich in der Netzwerkverwaltung der Punkt „Heimnetzwerk-Gruppe beitreten“ ausgewählt werden. Anschließend wird der Teilnehmer dazu aufgefordert, die bei der Einrichtung der Gruppe eingegeben Passphrase als Authentifizierung untereinander einzugeben. Schließlich kann der Teilnehmer bestimmen, welche Laufwerke und Dateitypen im Netzwerk verfügbar gemacht werden sollen. Die Spanne reicht dabei von einzelnen Dateien oder Dateitypen, Druckern bis hin zu kompletten Laufwerken. Das lästige Erstellen von Berechtigungsgruppen oder einzelnen Ordner- bzw. Druckerfreigaben ist somit nicht mehr zwingend erforderlich. Gerade für weniger versierte Anwender ist das Erstellen von eigenen kleinen Netzwerken nach wie vor eine oft unüberwindbare Hürde.

Runderneuerungen gab es auch in weiteren Teilgebieten. So findet sich der bekannte Windows Media Player unter Windows 7 in der neuen Version 12 wieder, der Internet Explorer steht in der aktuellen Version 8 zur Verfügung. Ebenfalls auf dem aktuellen Stand ist die DirectX 11-Schnittstelle, die erstmals mit der erst kürzlich vorgestellten AMD Radeon HD5000-Serie [3] in Szene gesetzt wird. Der Performance-Index reicht nunmehr nicht mehr bis maximal 5,9, sondern bis 7,9. Doch selbst aktuell verfügbare Hardware erreicht einen Wert in Regionen nahe dem Maximum, sodass für zukünftige Hardware nicht mehr allzu viel Luft nach oben vorhanden ist. Spätestens, wenn jedes bessere System die 7,9 erreicht, ist dieser Index ohnehin für die Katz. Zu guter Letzt wurde auch die Windows-Update-Funktion verbessert, die sich nun viel genauer einstellen lässt – insbesondere wenn es darum geht, unerwünschte Updates oder Kategorien ausgeblendet zu lassen. Wer den Sprung von Windows XP auf Windows Vista verpasst oder bewusst vermieden hat, wird sich über einige Kleinigkeiten in Windows 7 wundern – spätestens nach ein paar Tagen möchte man viele Tricks aber nicht mehr missen.

Kompatiblität

In Sachen Treiber- und Anwendungskompatibilität sieht es für das neue Microsoft-Betriebssystem vom Start weg sehr gut aus. In der Regel gilt: Was unter Windows Vista funktioniert, funktioniert auch unter Windows 7. Dies gilt sowohl für die Anwendungen, als auch für die Treiber. Für einen Großteil gängiger Hardware-Komponenten bringt Windows 7 einen eigenen Treiber gleich mit. Sollte kein nativer Windows-7-Treiber verfügbar sein, ist die Chance, dass auch der Treiber für den Vorgänger Windows Vista problemlos seinen Dienst verrichtet, relativ hoch, da sich am grundlegenden Treibermodell nicht viel geändert hat. Unter Startklar7.de [4] stellt Microsoft zudem eine Liste explizit für Windows 7 freigegebener Software bereit, sodass unsichere Kunden im Vorfeld schauen können, ob alle Applikationen unter dem neuen Betriebssystem lauffähig sind.

Um eventuelle Probleme mit der verwendeten Hardware vorab zu klären, bietet Microsoft darüber hinaus eine aktualisierte Version des Upgrade Advisors für Windows 7 [5] an, die es dem Anwender ermöglicht, das eigene System auf Windows-7-Kompatibilität zu prüfen. Der Upgrade Advisor gibt dabei zudem Rat, für welche Variante man sich entscheiden sollte oder ob eine oder mehrere Hardware-Komponenten nicht die Mindestvoraussetzungen für einen sauberen Betrieb von Windows 7 erfüllen. Begeisterten Spielern legen wir zudem unseren kleiner Spiele-Check für Windows 7 [6] (Teil 2 [7]) ans Herz. Microsoft hat im Vorfeld mit zahlreichen Partnern und Softwareherstellern eng zusammengearbeitet, um einen möglichst reibungslosen Betrieb der Treiber und Anwendungen unter Windows 7 zu gewährleisten.

Business-Funktionen

Gleichzeitig mit Windows 7 schickt Microsoft mit dem Windows Server 2008 Release 2 ein passendes Server-Betriebssystem ins Rennen, welches im Zusammenspiel mit Windows 7 über das ein oder andere neue Feature verfügt, das so manchen Anbieter von Dritt-Software ins Schwitzen kommen lassen könnte. Dabei werden unter anderem zwei wichtige Kernfragen behandelt, die so manchen Administrator in der Vergangenheit vor Probleme gestellt und bei den Leuten aus der Finanzabteilung einen dicken roten Fleck in der Bilanz verursacht haben:

Wie kann ein Mitarbeiter von überall auf der Welt möglichst uneingeschränkt und sicher arbeiten?
Wie erhöhe ich die allgemeine Performance standortübergreifend über bestehende WAN-Technologien?
Wie können auch ältere Applikationen auf dem neuen Betriebssystem lauffähig gemacht werden?

Um einen kleinen Überblick über die Antworten von Microsoft zu diesen Fragen zu bieten, möchten wir an dieser Stelle die Funktionen „Direct Access“, „Branch Cache“ und „XP-Modus“ kurz vorstellen.

Direct Access

Ein zentrales Grundproblem vieler IT-Abteilungen in Unternehmen ist nach wie vor die (sichere) Anbindung von mobilen Benutzern. In den vergangenen Jahren sind die Anforderungen an das mobile Arbeitsleben massiv gestiegen. Zwar haben VPN-Technologien oder Terminal-basierte Lösungen über Standard-Web-Protokolle eine große Verbreitung gefunden, doch allesamt teilen sie ein Problem: Sie sind an vielen Stellen kompliziert einzurichten, erfordern erweiterte Kenntnisse der Mitarbeiter und sind vor allem oft nur relativ teuer zu realisieren. Genau an diesen Stellen setzt Microsoft mit der neuen Funktion „Direct Access“ ein, wenngleich die Implementierung der einer normalen VPN-Installation zumindest ähnelt. Grundvoraussetzung für Direct Access ist ein Client auf Basis von Windows 7 Enterprise oder Ultimate sowie mindestens ein Server mit Windows Server 2008 Release 2 Enterprise, welcher als Direct-Access-Server das restliche Firmennetzwerk transparent zur Verfügung stellt.

Direct Access
Direct Access

Als Basis für den Aufbau des Tunnels dienen dabei sowohl Standardtechniken wie z.B. das HTTPS-Protokoll oder IPSec aber auch das Internet Protokoll in der Version 6 (IPv6). Da letzteres jedoch gerade im Internet noch nicht sehr weit verbreitet ist, werden je nach Netzwerkzugang (direkt im Internet oder hinter einer Firewall) verschiedene IPv6-Tunneltechniken wie 6to4, ISATP, Teredo oder nur HTTP(S) verwendet, um die Kommunikation zwischen Endgerät und Direct-Access-Server zu ermöglichen. Ziel dessen ist es, unter allen Bedingungen einen entsprechenden Tunnel ins Firmennetzwerk aufbauen zu können und das ohne weitere Interaktion des Benutzers. Direct Access gliedert sich dabei nahtlos in das Windows Active Directory ein, worüber auch sämtliche Einstellungen mittels Gruppenrichtlinien verteilt werden können, um den Konfigurationsaufwand so gering wie möglich zu halten. Windows 7 verfügt zudem über eine Network Access Protection (NAP), die verhindern soll, dass nicht ausreichend gegen Schadsoftware geschützte Systeme einen Zugang zum Firmennetzwerk erhalten. Je nach Modus reicht auch ein ausgeschalteter Virenscanner, um den Zugriff zu blockieren. Direct Access kann weiterhin mit einer Zwei-Faktor-Authentifizierung genutzt werden – beispielsweise mit Hilfe einer Smart-Card oder einem RSA-Token-System.

Branch Cache

Ein weiteres „Highlight“ von Windows 7 und Windows Server 2008 R2 ist die Funktion „Branch Cache“. Viele Unternehmen besitzen neben einer Hauptverwaltung oftmals auch eine oder mehrere Außenstellen, welche je nach Größe und Anforderungen nur über eine begrenzte oder nicht vorhandene eigene Server-Infrastruktur verfügen. Während für Privatpersonen schnelle Downstream-Internetanschlüsse in Form von ADSL2+, VDSL oder Kabel bereits für unter 50 Euro zu haben sind und ein Großteil des Traffics reiner Download ist, kosten Standleitungen für die Anbindung von Unternehmen nach wie vor kleine Unsummen, weshalb aus Kostengründen selbst Außenstellen mit mehr als 50 festen Mitarbeitern oft nur mit Leitungen im einstelligen Megabit/s-Bereich angebunden werden (können). Sofern keine verteilten Server für die Bereitstellung von Datendiensten (Datei, Web) zum Einsatz kommen, dauert der Transfer von großen Dateien zu einer Niederlassung aus der jeweiligen Hauptverwaltung dementsprechend lange und birgt zudem die Gefahr, dass andere Anwendungen in ihrer Kommunikation stark beeinträchtigt werden.

Branch Cache
Branch Cache

Mit Branch Cache bietet Microsoft nun eine Funktion des Datencache an, der verhindern soll, dass oft genutzte Daten dauerhaft und vollständig über langsame WAN-Verbindungen übertragen werden müssen. Dabei gibt es grundsätzlich zwei unterschiedliche Modi. Während der „Hosted Cache“ jeweils einen Caching-Server pro Niederlassung erfordert, können beim „Distributed Cache“ auch die Clients innerhalb einer Niederlassung kommunizieren. Letzteres ist vergleichbar mit einer Art Peer-to-Peer Netzwerk, wie z.B. dem Bittorrent-Konzept, wo die Daten ebenfalls nicht zentral auf einem Server, sondern verteilt auf mehreren Clients gelagert werden, was die effektive Bandbreite deutlich erhöht. Je mehr Clients sich in einer Niederlassung befinden, umso größer ist also die Chance, dass die Daten bereits einmal lokal vorhanden sind und eine erneute Übertragung der kompletten Daten aus der Hauptverwaltung vermieden werden kann. Wie bei Direct Access erfolgt auch hier die Konfiguration zentral gesteuert über Gruppenrichtlinien. Hat man sich für die Option des Distributed Cache entschieden, kann man den Zugriff untereinander zudem auf das jeweilige Subnetz beschränken, um abermals ungewollte Datentransfers zwischen den Niederlassungen zu vermeiden. Neben dem normalen SMB-Protokoll für den einfachen Dateitransfer zweier Windows-Systeme unterstützt Branch Cache auch das Zwischenspeichern von HTTP und HTTPS-Informationen.

XP-Modus

Eine weitere Besonderheit von Windows 7 ist die Unterstützung des so genannten „XP-Modus“. Das Ziel dieses Modus ist es, den Betrieb von zu Windows Vista/7 inkompatiblen Anwendungen durch das „Vorgaukeln“ eines kompletten Windows-XP-Betriebssystems zu ermöglichen und dies – wie auch Branch Cache und Direct Access – für den Anwender nach Möglichkeit komplett transparent. Der XP-Modus bedient sich dabei einer Kombination aus Microsoft Virtual PC und einer vorkonfigurierten, von Microsoft direkt bereitgestellten virtuellen Maschine mit Windows XP Service Pack 3. Wird eine Anwendung im XP-Modus betrieben, läuft im Hintergrund praktisch ein kompletter Virtualisierungsapparat, weshalb eine CPU mit integrierter Hardware-Virtualisierungstechnologie (Intel VT, AMD-V) zwingend erforderlich ist. Aus diesem Grund hatte Intel vor wenigen Wochen extra einige seiner Low-Cost-Prozessoren entsprechend fit gemacht [8], sodass neue Systeme auf Basis der genannten Prozessoren auf jeden Fall in den Genuss des Windows-XP-Modus kommen können, ohne dass Prozessoren aus den teureren Core-2- und Core-i7-Serien zum Einsatz kommen müssen.

Da es sich beim XP-Modus um eine für Unternehmen gedachte Funktion handelt, steht sie nur bei den Windows-7-Versionen Professional, Enterprise und Ultimate zur Verfügung. Aufgrund der Beschränkungen in der aktuell Virtualisierungstechnologie eignet sich der XP-Modus nicht für grafiklastige Anwendungen oder Applikationen, die besonders nah an der Hardware arbeiten. Dementsprechend werden auch TV-Tuner oder Audiogeräte nur schlecht bis gar nicht unterstützt. Neben einer CPU mit Intel-VT- or AMD-V-Unterstützung gehören auch 2 GB RAM sowie nach Möglichkeit mindestens 15 GB zusätzlicher Festplattenspeicher zu den Grundvoraussetzungen. Der XP-Modus soll insbesondere für Firmen einen weiteren Anreiz für Windows 7 schaffen, wenn im Unternehmen Anwendungen eingesetzt werden, die nicht nativ unter Windows 7 betrieben werden können. Auch beim XP-Modus gilt: Die Einstellungen können direkt über Gruppenrichtlinien gesteuert werden und erfordern so keine zusätzliche, manuelle Konfiguration auf jedem betroffenen Client. Vor allem diese Art von Inkompatibität wurde Windows Vista bei vielen Firmenkunden zum Verhängnis, weshalb Microsoft an dieser Stelle ein wenig unter Zugzwang war, um sich mit Windows 7 nicht demselben Schicksal zu unterwerfen.

Spiele-Performance

Bereits zwei Mal in diesem Jahr haben wir uns der Geschwindigkeit des Windows-Vista-Nachfolgers angenommen. Schon früh stellte sich dabei heraus, dass Windows 7 keine überraschenden Performance-Sprünge im Vergleich zu Windows Vista erreichen würde. Gleichwohl überzeugte die solide Spielegeschwindigkeit schon im Februar dieses Jahres – über ein halbes Jahr vor dem Marktstart – in unserem ersten Spiele-Check. [5] Im Sommer dann wurde der erste Eindruck mit dem Release Candidate bestätigt. Der zweite Performance-Vergleich zwischen Windows 7 und Windows Vista [9] ist dabei auch für die finale Version repräsentativ, weshalb das Performance-Rating des Tests [6] an dieser Stelle erneut gezeigt werden soll.

Performance-Rating - 1xAA/1xAF (ATi)

HD 4870 X2 (Win 7 x64)
99,5
HD 4870 X2 (Vista x64)
99,1
HD 4890 (Vista x64)
63,8
HD 4890 (Win 7 x64)
63,5
Angaben in Prozent

Performance-Rating - 1xAA/1xAF (Nvidia)

GTX 295 (Win 7 x64)
99,9
GTX 295 (Vista x64)
99,3
GTX 275 (Win 7 x64)
64,8
GTX 275 (Vista x64)
64,8
Angaben in Prozent

Performance-Rating - 4xAA/16xAF (ATi)

HD 4870 X2 (Vista x64)
99,3
HD 4870 X2 (Win 7 x64)
99,1
HD 4890 (Win 7 x64)
62,3
HD 4890 (Vista x64)
61,9
Angaben in Prozent

Performance-Rating - 4xAA/16xAF (Nvidia)

GTX 295 (Win 7 x64)
99,1
GTX 295 (Vista x64)
98,4
GTX 275 (Vista x64)
61,6
GTX 275 (Win 7 x64)
60,9
Angaben in Prozent

Neben der messbaren Spielgeschwindigkeit sind es vor allem die pfiffigen Funktionen sowie die allgemeine Haptik, die Windows 7 gefühlt etwas schneller machen. Dies lässt sich jedoch kaum in Graphen pressen. Einen Nachteil wird man jedenfalls in keinem Fall entdecken, wenn man Windows 7 einsetzt und Windows Vista gewöhnt ist. Das zumindest steckt auch in den Diagrammen.

Fazit

Alles in allem hat Microsoft mit Windows 7 vieles richtig gemacht und grundsätzliche Denkfehler aus der Entwicklung von Windows Vista beseitigt. Vor allem die ausgedehnte öffentliche Testphase lässt den Rückschluss zu, dass Microsoft aus der Vergangenheit gelernt hat und bei der Entwicklung von Windows 7 deutlich mehr Anwender-Feedback hat einfließen lassen, um ein möglichst an Kundenbedürfnissen ausgerichtetes Betriebssystem zu entwickeln. Sicherlich hat Microsoft mit Windows 7 das Rad nicht vollständig neu erfunden, es wäre im Gegenzug jedoch ebenso vermessen zu sagen, Windows 7 sei lediglich ein überdimensioniertes Service-Pack für Windows Vista.

Am Ende sind es sehr viele Kleinigkeiten, die das Gesamtpaket Windows 7 deutlich runder wirken lassen als den viel gescholtenen Vorgänger Windows Vista. Betrachtet man nur die reine Optik, hat sich gegenüber Windows Vista nicht viel verändert. Unter der Haube stecken jedoch eine Reihe an Detailverbesserungen, die zwar keine neuen Benchmark-Rekorde hervorbringen, die jedoch die so wichtige „gefühlte“ Geschwindigkeit und allgemeine Haptik spürbar verbessert haben. Die sechs verschiedenen Ausführungen sorgen ähnlich wie bei Vista für eine gewisse Produktvielfalt, die für jeden eine passende Version parat halten sollte. Mit den drei Business-Features „XP-Modus“, „Direct Access“ und „Branch Cache“ bietet Windows 7 im Zusammenspiel mit Windows Server 2008 Release 2 zusätzlich drei gewichtige Funktionen, die Windows XP auch in Unternehmen bald zur Randerscheinung werden lassen sollen – etwas, das Windows Vista bis heute nicht geschafft hat.

Windows 7 Editionen
Windows 7 Editionen

Entgegen dem eigentlichen Zeitplan ist Windows 7 bereits seit gut zwei Wochen in allen gängigen Varianten und Sprachen frei erhältlich [10]. Unentschlossene Anwender haben zudem bis zum 31. März 2010 die Möglichkeit, eine 90-Tage-Testversion von Windows 7 Enterprise kostenlos bei Microsoft herunterzuladen [11].

Verfügbare Windows 7 System-Builder-Versionen im Überblick
Version Preis inkl. Versand Link
Windows 7 Home Premium, 32-Bit 75,03 Euro Preisvergleich [12]
Windows 7 Home Premium, 64-Bit 75,90 Euro Preisvergleich [13]
Windows 7 Professional, 32-Bit 113,45 Euro Preisvergleich [14]
Windows 7 Professional, 64-Bit 113,45 Euro Preisvergleich [15]
Windows 7 Ultimate, 32-Bit 145,70 Euro Preisvergleich [16]
Windows 7 Ultimate, 64-Bit 144,59 Euro Preisvergleich [17]

URL-Liste:

  1. http://www.computerbase.de/news/software/betriebssysteme/windows/windows_7/2009/mai/microsoft_windows_7_starter/
  2. http://www.computerbase.de/news/software/betriebssysteme/windows/windows_7/2009/oktober/mozilla_firefox_36_windows-7-features/
  3. http://www.computerbase.de/artikel/hardware/grafikkarten/2009/test_ati_radeon_hd_5870/
  4. http://www.startklar7.de/
  5. http://www.computerbase.de/downloads/software/betriebssysteme/windows_7_upgrade_advisor/
  6. http://www.computerbase.de/artikel/software/2009/bericht_spielecheck_vista_windows_7/
  7. http://www.computerbase.de/artikel/software/2009/bericht_spielecheck_teil_2_vista_windows_7/
  8. http://www.computerbase.de/news/hardware/prozessoren/intel/2009/juli/virtualisierung_intel-cpus/
  9. http://www.computerbase.de/artikel/software/2009/bericht_spielecheck_teil_2_vista_windows_7/#abschnitt_einleitung
  10. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?cat=ossoft;asuch=7&xf=400_Windows+7
  11. http://technet.microsoft.com/de-de/evalcenter/cc442495.aspx
  12. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?a=458459&plz=&t=v&va=b&vl=de&v=l#filterform
  13. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?a=458487&plz=&t=v&va=b&vl=de&v=l#filterform
  14. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?a=458448&plz=&t=v&va=b&vl=de&v=l#filterform
  15. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?a=458486&plz=&t=v&va=b&vl=de&v=l#filterform
  16. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?a=458456&plz=&t=v&va=b&vl=de&v=l#filterform
  17. http://www.computerbase.de/preisvergleich/?a=458484&plz=&t=v&va=b&vl=de&v=l#filterform
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