Kommentar: Mozilla ist dem Internet Explorer überlegen

Steffen Weber
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Steffen Weber

Knapp zwei Jahre ...

MozillaKnapp zwei Jahre ist es nun her, dass Version 1.0 von Mozilla am 5. Juni 2002 nach zahlreichen Verzögerungen endlich zum Download bereit stand. Doch abgesehen von den Open Source-Verfechtern und einiger weniger sich an Standards orientierenden Webdesignern konnte der Browser nur relativ wenige Surfer für sich gewinnen. In erster Linie wurden Mozilla Trägheit und insbesondere eine lange Start-Zeit nachgesagt, was sicherlich auch keineswegs unbegründet war. Zwar galt die Rendering-Engine Gecko zum Darstellen von Websites als überaus flink, von der Benutzer-Oberfläche konnte man das jedoch nicht behaupten. Auch die übereilte Veröffentlichung von Netscape 6 auf Basis einer unfertigen Mozilla-Version im November 2000 hat eventuell zu diesem aus Sicht des Surfers weniger überzeugenden Ersteindruck beigetragen.

Mozilla Marktanteile (CB.de)
    • April 2004
      19,09
    • Januar 2004
      14,15
    • Oktober 2003
      9,80
    • Juli 2003
      7,57
    • April 2003
      4,69
    • Januar 2003
      4,16
    • Oktober 2002
      2,68
    • Juli 2002
      2,04
    • April 2002
      0,88
    • Januar 2002
      0,79
Einheit: Prozent

Doch schon bald sollte Mozilla mehr Zuspruch erhalten. Die Entwicklung ging zügig voran und durch die konsequente Veröffentlichung von Alpha- und Beta-Versionen konnte man sich im Gespräch halten. Hingegen steht die Entwicklung von Microsofts Internet Explorer seit der Veröffentlichung von Version 6.0 im September 2001 still. Seit nunmehr 2 1/2 Jahren hat Microsoft den Internet Explorer nicht weiterentwickelt und somit konnte Mozilla dem Standard-Browser unter Windows mehr und mehr Paroli bieten. Entgegen der von Microsoft gern gesehenen Behauptung, dass Open Source-Software was innovative neue Features angeht stets hinterher hinke, sind es gerade geniale neue Features wie „Tabbed Browsing“ oder „Find As You Type“, die Mozilla von der Konkurrenz abheben. Mit der Veröffentlichung eines Standalone-Browsers neben der Mozilla Suite (Browser, E-Mail-Client, HTML-Editor, IRC-Client) konnte zudem endgültig der Ruf als träger Browser abgelegt werden, obwohl auch die Mozilla Suite in den neueren Versionen deutlich zügiger zu Werke geht. Durch versteckte Einstellungen kann man zudem noch etwas mehr Performance aus Mozilla-Browsern herauskitzeln, unser Mozilla Optimizer automatisiert diesen Vorgang.

Mozilla FirefoxDer Standalone Browser hieß zunächst Phoenix und war kaum verbreitet. Vor einem Jahr änderte die Mozilla Organisation jedoch die Strategie. Unter teils heftiger Kritik wurde die Konzentration auf Standalone Anwendungen bekannt gegeben, unter anderem den Browser Mozilla Firebird, welcher inzwischen in Mozilla Firefox umbenannt wurde, und den E-Mail-Client Mozilla Thunderbird. Lange Zeit herrschte Verwirrung darum, wie es mit der Mozilla Suite weitergehen sollte. Mittlerweile steht jedoch fest, dass auch die Mozilla Suite vorerst weiterentwickelt wird, ohnehin profitiert sie automatisch durch Verbesserungen an der Gecko Rendering Engine (GRE) zum Darstellen von Websites. Der Mozilla Composer zum Erstellen von Websites wird übrigens unter dem Namen Nvu weiterentwickelt.

Doch welche Features sind es, die dazu führen, dass Mozilla dem Internet Explorer mittlerweile objektiv überlegen ist und dass mittlerweile jeder fünfte ComputerBase-Leser mit einem Mozilla-Browser durch das World Wide Web surft? Im Folgenden eine Zusammenstellung der unserer Meinung nach bedeutendsten Funktionen:

  • Find As You Type
    Find As You TypeEin völlig unscheinbares, aber unglaublich praktisches Feature ist „Find As You Type“. Anstatt über das Bearbeiten-Menü oder ein Tastenkürzel den Suchen-Dialog zu öffnen, hackt man praktisch blind den Suchbegriff in die Tastatur. Neben der Zeitersparnis liegt der Hauptvorteil darin, dass kein störender Suchen-Dialog die Sicht auf die Website behindert. Hat Mozilla nämlich den Suchbegriff gefunden, wird automatisch zu der entsprechenden Stelle gescrollt und der gefundene Begriff farbig hervorgehoben. Zur nächsten Fundstelle gelangt man mit Hilfe der Taste F3. Standardmäßig sucht Mozilla dabei nur nach Links, will man den gesamten Text durchsuchen, stellt man dem Suchbegriff einen Schrägstrich „/“ voran.
  • Tabbed Browsing
    Kein anderes Browser-Feature hat in letzter Zeit das Surfen so verändert wie Tabbed Browsing. Hat man sich einmal daran gewöhnt, fällt es sehr schwer, wieder mit Browsern ohne Tabbed Browsing zu surfen. Während der Recherche im Internet Links im Hintergrund als Tab öffnen zu können, ohne dabei stets ein neues Fenster wieder in den Hintergrund befördern zu müssen, erweist sich als überaus praktisch.
  • Download Manager
    In Mozilla Browsern ist ein, wenn auch vergleichsweise einfacher, Download-Manager bereits integriert. Angenehm ist zudem die Tatsache, dass beim Klick auf einen Download-Link automatisch der Download startet ohnedass man dies vorher unnötigerweise noch einmal bestätigen muss.
  • Popup-Blocker
    Bereits seit längerem kommen Mozilla-Browser mit einem Popup-Blocker daher und auch Besitzer von Windows XP und dem Internet Explorer 6.0 werden nach Aufspielen des Service Pack 2, mit dessen Fertigstellung Mitte dieses Jahres gerechnet wird, endlich in den Genuss dieses eigentlich unentbehrlichen Features kommen. Es wird allgemein vermutet, dass Popups aufgrund dessen mittelfristig völlig aus dem Internet verschwinden werden, da jeder aktuelle Browser gegen diese geschützt sein wird.
  • Sicherheit
    Auch Mozilla ist wie jede andere Software nicht frei von Sicherheitslücken. Doch zum einen wurden derer bisher deutlich weniger aufgedeckt als Lücken im Internet Explorer und zum anderen, was noch um einiges mehr an Gewicht haben sollte, werden diese sehr viel schneller behoben. Dass Sicherheitslücken über mehrere Monate hinweg ignoriert werden, ist noch nicht vorgekommen. Übrigens beschäftigte sich unsere letzte Kolumne mit Microsofts Auffassung von Sicherheit.

Es bleibt abzuwarten, wie sich der Browser-Markt weiter entwickeln wird. Die zunehmende Verbreitung von Web-Standards kommt Mozilla zu Gute und bis Microsoft 2006 mit Longhorn zum Großangriff auf nahezu jeden erdenklichen Markt bläst, bleibt noch einige Zeit, um weitere Surfer von dem überlegenen Surf-Erlebnis mit Mozilla-Browsern zu überzeugen und somit offene Standards im Internet zu erhalten.

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