PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Brandbrief an die SPD: wutschäumend, ehrlich, überraschend


marxx
01.06.2005, 17:20
Hi Leute,

ich muss mal ausnahmsweise einen ganzen Artikel aus dem Spiegel hier posten - weil er so inbrünstig und wütend ist, dass ich glaube, dass er unter Umständen aus dem Spiegel-Archiv verschwindet. Ulrich Mauer - ehemaliger Parteivorsitzender der SPD in Baden-Württemberg greift in einem "Brandbrief" scharf die Führung seiner Partei an.

Ich habe aus der Feder eines Politikers lange nicht mehr etwas so unverblümt straightes gelesen. Vielleicht interessiert Euch das ja auch. Einfach mal lesen - ist kein trockenes Gequatsche...

Spiegel-Artikel von heute, 1. Juni, Ressort Politik:

BRANDBRIEF

"Wenn die SPD überleben will, muss sie umkehren"

"Liebe Genossinnen, liebe Genossen,

ich schreibe Euch diesen Brief in Wut und Verzweiflung. Da ich viele von Euch aus meiner langjährigen Mitgliedschaft der SPD persönlich gut kenne, vermag ich mir nicht vorzustellen, wie ihr tolerierend verantworten könnt, was derzeit mit der sozialdemokratischen Partei Deutschlands geschieht.

So sieht es also aus: der "heroische" Abgang eines Kanzlers und "Parteiführers", der erst sich selbst und dann seinen Willen der deutschen Sozialdemokratie aufgezwungen hat und sie nun ein letztes Mal vergewaltigt. Was für eine Bilanz: Fast alle Länder an die Union verloren, 40 Prozent der Wählerschaft von 1998 ins Abseits getrieben, ein Viertel der Mitglieder verloren.

Die Konsequenz: Nicht die Spur von Selbstkritik, keine Übernahme von Verantwortung, kein Gedanke an den eigentlich selbstverständlichen Rücktritt, keine Korrektur der politischen Linie. Nein, weiter so mit der Agenda 2010: Für die Partei in die Niederlage und für ihre Verführer in die saturierte 3. Lebensphase. Das Ganze als zweiter Putsch von oben.

Und Ihr, die Ihr als gewählte Führung die demokratische Substanz dieser Partei verteidigen müsstet, lasst zu, dass aus der ältesten und größten demokratischen Partei Deutschlands ein billiges Gefolgschaftsverhältnis geworden ist.

(...)

Wer vertritt die Kassiererin bei Aldi und Lidl? Wer vertritt die Kassiererin bei Aldi und Lidl, wer vertritt die Ungelernten, wer vertritt die "falsch" qualifizierten Akademikerinnen, wer vertritt die Rentner, wer vertritt die Empfänger sinkender Reallöhne, wer vertritt die Arbeitslosen, die am Ende ihres Berufslebens um ihre Beiträge betrogen werden, wer vertritt die Kinder ohne Markenklamotten? Die derzeitige Antwort in dieser Republik heißt: Niemand vertritt sie und folgerichtig wählen sie auch niemand.

Noch folgen sie auch keinem falschen Propheten, noch werden sie nur geringfügig gewalttätiger, noch lassen sie sich einreden, selbst Schuld zu sein, weil sie die "ungeheuren" Chancen ihrer "ungeheuren" Freiheit nicht genutzt haben. Noch werden sie depressiv statt wütend, noch lassen sie sich von rot/grün und rot/schwarz und schwarz/rot und schwarz/gelb und bald schwarz/grün verwalten. Noch ertragen sie die Selbstbedienung der Machteliten, noch lauschen sie deren gegenseitigen Bezichtigungen, wer die größten Raub- und Spesenritter in den eigenen Reihen hat. Noch hören sie sich an, dass es der Lauf der globalisierten Welt sei, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden, noch hören sie sich an, dass sie zu unproduktiv sind beim Arbeiten und beim Kinder in die Welt setzen.

Doch dieser Tage wurde Ihnen mitgeteilt, dass profitgierige Heuschrecken das Land überfallen haben. Manche haben vielleicht erstaunt aufgehorcht und die waren dann noch erstaunter, dass angesichts dieser Plage die Agenda 2010 richtig, Hartz IV richtig, die Senkung der Spitzensteuersätze richtig, die nochmalige Senkung der Unternehmenssteuer notwendig, die Zulassung der Hedge Fonds auch notwendig, der Fortbestand von Clement und Eichel überlebenswendig sei und der 4 mal angekündigte Aufschwung sie im 5. Jahr von allem Elend erlösen werde.

Was soll das Franz Müntefering?

Glaubst Du, dass Du die Zeit hast, über eine Grundsatzprogrammdebatte die Partei auf eine Oppositionszeit vorzubereiten, in der dann plötzlich wieder alles gilt, was jetzt sieben Jahre lang nicht gegolten hat. Und das im Schatten eines Kanzlers, dem Du ein so treuer Diener warst und bist. Oder bist Du am Ende ein so platter Stratege, dass Du glaubst, man kann Wahlen gewinnen, indem mal links blinkt und rechts weiterfährt.

Glaubt Ihr, man kann eine Summe von Fehlentscheidungen aus neoliberalem Geiste treffen und permanent rechtfertigen und dann einen Wahlkampf gegen die bösen Marktliberalen von schwarz und gelb führen. Ist das alles gerechtfertigt, weil rot/grün halt doch noch das kleinere Übel ist? Wer zum Teufel soll sich für ein kleines Übel begeistern?

(...)

Rot-Grün hat alle Wünsche des großen Geldes erfüllt

In der Wirtschaftspolitik hat rot/grün alle Wünsche des großen Geldes erfüllt und manchmal sogar noch übertroffen.

Und in der Sozialpolitik? Ich rate Euch zu einem kurzen Traum. Träumt, CDU/CSU hätten Hartz IV gemacht und die Praxisgebühr eingeführt und die Renten gesenkt und die Reallöhne gekürzt, indem sie die Kosten der Krankenversicherung von den Arbeitgebern auf die Arbeitnehmer überwälzt hätten.

Hei, hätten da die roten Fahnen auf dem Parteitag geweht und Gerhard Schröder hätte für den Fall des Wahlsiegs die Abschaffung all dessen angekündigt, was er jetzt selbst eingeführt und mit Rücktritts-Drohungen durchgesetzt hat. Und Oskar Lafontaine wäre neben ihm gestanden und hätte sich eingeredet, dass der Gerhard das schon alles Ernst meint. Und die Netzwerker hätten rote Netze gewebt, weil man so ganz schnell Abgeordneter und Staatssekretär geworden wäre. Was für ein Traum.

Glaubt ihr im Ernst, das ach so dumme Volk weiß das nicht? Warum soll es Leute wählen, die zu jeder Wendung fähig sind, um an die Macht zu gelangen und zu jeder Unterwerfung bereit, um von den wirklich Mächtigen wohl gelitten zu sein?

(...)

An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen heißt es in der Heiligen Schrift.

Also: Nach fünf Jahren Unterwerfung unter die Dogmen des Neoliberalismus sind die Reichen reicher, die Armen ärmer, die Alten mehr, die Kinder weniger geworden. Die Arbeitslosigkeit ist auf Rekordniveau, die Staatsfinanzen ruiniert und hunderttausend kleiner mittelständischer Existenzen vernichtet.

Das alles soll jetzt durch ein bisschen Heuschrecken-Gezeter und Ackermann-Beschimpfung getüncht werden?

Erinnert Ihr Euch noch an die Ehrenerklärungen von Clement und Eichel für Herrn Ackermann beim Düsseldorfer Prozess?

Nein, so billig war die Absolution letztmals zu Zeiten von Tetzel und Luther zu erlangen.

Wer Glaubwürdigkeit erwerben will, muss die eigenen Fehler eingestehen und korrigieren. Und wer dazu nicht bereit ist, muss gehen.

(...)

Wenn die SPD überleben will, muss sie umkehren und der Beginn von Umkehr ist die ehrliche Bilanz und die Abwahl derer, die eine ganze Partei dem Denken des Neoliberalismus und der uniformierten Meinung des größten Teils der Medienindustrie unterworfen haben, weil man ja wie Gerhard Schröder so treffend bemerkte, zum regieren nur Bild und die Glotze braucht.

Es gibt keinen Bedarf für vier neoliberale Parteien in Deutschland. Wie gemäßigt fortschrittlich getüncht oder grün angestrichen sie auch sein mögen. Die Wut der Verlierer wird ihr Ventil suchen und finden bei braunen Rattenfängern oder in Selbstzerstörung und Gewalttätigkeit.

Wer das nicht will, muss die SPD zur Kursänderung zwingen, oder sie aufgeben und ersetzen."

perfekt!57
01.06.2005, 19:24
Soweit die Analyse.

Was aber anders/besser machen?

Vor allem, was aber anders/besser machen wenn man über den Tellerand Deutschlands gelernt hat hinauszublicken? Gerade auch als Sozialdemokrat?

Die böse CDU regieren lassen und dann dagegen sein, reichte das etwa schon?

Die Globaliserung ist nun mal real. Und auch, dass nur wenig östlich (südlich!) z.b. in Tschechien auch sozialdemokratisch eingestellte Menschen leben, leiden, arbeiten - mit uns in derselben EU. UndlLange nicht unseren Standard haben - da aber hinwollen. (Durch "teilen")

Fakt ist auch, das die sogenannte neolibeale Politik (kein ganz falscher Begriff) dieser Rot-Grünen Regierung sehr wohl aber auch mindestens innerhalb Europas sozial ausgleichend ist/wirkt. Und zu Recht. Und wir können darauf stolz sein. Und klar hat/hatte das Auswirkungen auf unsere Tarifverträge und soziale Realität.


"Zurück zu harter Opposition", am besten unter einem knallharten Sozialdemokraten wie Oskar Laffontaine, das ist doch auch Scheitern der SPD - nur anders:

Denn lässt es nicht die Frage unbeantwortet, wie verantwortliche SPD-Regierungs-Politik aussähe (bessere) in Zeiten der Globaliserung?

Kann doch nicht sein, dass in schwierigen Zeiten die SPD immer nur zur Opposition taugte?

Und: Vielen BRD-Rentnern geht es nach wie vor gut (denen, die eine reinrassige BRD-Erwerbsbiographie hinter sich haben zuminest, in (ehemals) SPD-geschützten Bereichen.) Viele vom Jahrgang 1932, die auch heute noch (und gerade heute) 2x oder 3x im Jahr in Urlaub fliegen. Und die hatten früher schon mit sozialer Verantwortung nach meiner Beobachtung nur insofern was am Hut, "als es sich um bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne bei VW in Wolfsburg handelte". Die Argbeitsbedingungen bei den VW-Zulieferen in Spanien waren denen dazumal völlig wurscht und wurden gut verdrängt:

Das geht aber heute nicht mehr. Schon gar nicht für eine SPD-geführte Regierung:

Wir sind das 80 Millionen-Volk in der Mitte Europas, welches Verantwortung trägt, weil sich die anderen an uns orientieren wollen und müssen.

Und da halten die SPD-Visionen von 1970 oder 1980 keine Lösungen parat.

Wir müssen durch den Strukturwandel durch, den politischen wie den wirtschaftlichen.

Dem Schlachthof Chemnitz z.B. die Einstellung von preiswertenTschechen per Gesetz durch Berlin verbieten zu lassen ist keine Lösung - verschiebt diese nur. (Falls überhaupt mit Brüssel vereinbar.)

Ich sehe zwei Schablonen:

1. Der Teil der Deutschen, der keine höhere Qualifiklation hat als der Rest der Welt, wird am Ende dieses "Umformungsprozesses" auch nicht mehr Geld verdienen als der Rest der Welt (und ähnlichen sozialen Standard haben) . Die von uns steigen ab. (Oder sind einfach mit weniger zufrieden.) Stichwort: Keine Rente (oder nur 490 Euro) - dafür aber preisweter Dauerwohnwagen auf Mallorca

2. Ein anderer Teil der Republik gestaltet mit im globalen Masstab (geschieht ja heute schon, z.B. die Mayer-Werft in Papenburg fällt mir ein, die die AIDA-Clubschiffe baut). Und braucht sich keine Sorgen zu machen, verdient um so besser, je mehr er zur globalen Elite zählt. (Und Letzteres tut not, auch für uns Deutsche als ehemals überwiegendes Handwerker und Bastlervolk von Export-Maschinen-Produzenten)


- Eines nicht vergessen: Die Globalsierung ist real - die Aufgaben stehen tatsächlich an. Briefe im Spiegel - gut und schön - aber Appelle haben wir doch genug gehabt?

- Was ich aber auch gelesen habe ist, dass die Chinesen den ersten 500MHZ-CPU fertig haben. Was wetten, dass die in spätestens 10 Jahren mit dem Rest der Welt, sprich AMD und Intel, am liebsten gleichgezogen haben werden?


Was Not tut ist Qualifizierungsoffensive hinsichtlich Befähigung zu globalem Denken und Handeln der Massen - nicht alles den Arbeitgebern und der CDU in die Schuhe schieben wollen, durch Vorwärts in die Vergangenheit:

Wenn Schröder und Co. mit und auf Basis ihres staatsversorgten Elitewissens als bevollmächtigte Entscheider diesen Weg auswählten, dann doch wohl, weil sie nicht blöde waren? Nur zu dumm waren die sozialdemokratischen Beglückungswünsche richtig zu erraten?

Nein: Hier sind Teile des Volkes nach wie vor auf dem falschen Tripp: Die alte BRD vor dem Mauerfall ist tot.


Und noch eines: Was wir heute immer noch haben an sozialem Standard in Deutschland ist zum nicht unerheblichen Teil vor allem auf eines zurückzuführen: Auf die Selbstausbeutung unserer Unternehmerschichten, die trotz Kohl und trotz Schröder und trotz grüner Wünschbarkeitstraumpolitiken weiter gemacht haben, den Karren gezogen: Es ist nur so, nach fast 15 jahren werden auch die müde.... .

Weiterhin meine Meinung: Wir brauchen mehr denn je starke Unternehmer und starke Gewerkschaften.

Was wir im Moment nicht brauchen sind noch mehr Geschenke an die Arbeitgeber:

Unternehmer, die nur einsacken, sind nicht stark. Die sind doch wohl eher mit ein Teil des Problems. Gerade so, wie Linke, die sich aus der Verantwortung stehlen wollen für die Mitwirkung bei der Anpassung der Geselllschaft an die Bedingungen der Globaliserung.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sollte z.b. ganz dringend ein deutsch-chinesisches Freundschaftsprojekt ins Leben rufen - sich massiv einmischen in innerchinesische Angelegenheiten, dort die Arbeitsbedingungen verbessern helfen, Wünsche danach wecken, so dass auch dort (zu Recht) die Kosten steigen - auch wenn das für uns und andere Produkte verteuerte.... .

Alphamenpower61
01.06.2005, 20:40
Die Krise in der SPD ist "hausgemacht", auch mit Hilfe der CDU.
Denn die CDU hat es geschafft, einige Gesetze zum Nachteil der Bevölkerung noch zu verschärfen., siehe Z.B. Praxisgebühr.
Auch unser eitler Bundeskanzler Schröder wollte nicht eingestehen, daß die Macht immer noch beim Volke liegt, und zwar daringehend, daß bei jeder Wahl, egal ob Landtags- oder Bundestagswahl, die Quittung folgt für die bisherige Politik.
Er hat gedacht, soll ich auf die Proteste zu Hartz IV hören ?
Soll ich dadurch meine Politik ändern ?
Soll ich Vorschläge anderer Institutionen (z.B. Gewerkschaften, Kirchenverbände etc...) überhaupt anerkennen, diskutieren und ggf. umsetzen ?

Nein, unser Bundeskanzler wollte mit aller Gewalt seine politischen Vorstellungen durchbringen, so nach dem Motto: .... ich lasse mir vom Volke nichts sagen.....
dabei hat er ganz vergessen, daß er vom Volk gewählt wurde um des Volkes Interessen zu vertreten.
Er erntet jetzt das, was er gesäht hat.

Es bedeutet halt Mut, zuzugeben, daß man sich geirrt hat und es jetzt besser machen möchte bzw. korrigieren möchte. Das bringt "Achtung und Wertschätzung wieder zurück, aber dies hat er vor lauter Sturheit und Eitelkeit verspielt.

Mann muß sich ja auch Fragen:

War es überhaupt notwendig, unbedingt den Spitzensteuersatz zu senken ? obwohl ja schon die Vermögenssteuer abgeschafft wurde.
Ist es überhaupt notwendig, zusätzlichen Beitrag für den Zahnersatz von Volke einzukassieren, obwohl bereits Millionen Überschüsse in der GKV gemacht werden ?
Ist es unbedingt erforderlich, daß rezeptfreie Medikamente noch nicht einmal in der Bemessungsgrenze der jährlichen Belastungen Anrechnung finden ? (Meine Schwester hat dadurch jeden Monat zusätzlich noch 100-150 € Mehrkosten, die nie angerechnet werden).
Ist es unbedingt erforderlich die Solidarität auszuhebeln, so nach dem Motto "Bist du krank, zahlst du auch selbst die Zeche" ?
Ist es erforderlich, die Freibeträge von Vermögen (für die Altersvorsorge) bei Hartz IV immer weiter zusammenzustreichen obwohl gesetzlich dafür gesorgt wurde, daß die heutige Generation in 20 Jahren 15-20 % weniger gesetzl. Rente erhält und sich jeder selbst privat vorsorgen soll ?
Ist es erforderlich, daß man 1€ Jobs braucht, die entwürdigend und menschenverachtend sind ?. (Sklavenarbeit ist hiervon nicht mehr weit entfernt.)

Viele wirklich sinnvolle Änderungen, wie z.B. die Bürgerversicherung, ein neues gerechteres und einfacheres Steuersystem, wo sich niemand herausmogeln kann, bleiben auf der Strecke.

Die SPD muß sich an diesen Fragen messen lassen, ob es Ihr gefällt oder nicht.

longi
02.06.2005, 00:43
Hi

Ist es erforderlich, die Freibeträge von Vermögen (für die Altersvorsorge) bei Hartz IV immer weiter zusammenzustreichen obwohl gesetzlich dafür gesorgt wurde, daß die heutige Generation in 20 Jahren 15-20 % weniger gesetzl. Rente erhält und sich jeder selbst privat vorsorgen soll ?
ja, wie sonst sollten solche Rentenleistungen/Übergangsgeld finanziert werden. :freak2
http://www.bund-der-steuerzahler.de/webcom/show_page.php/_c-46/_nr-1/_lkm-25/i.html
http://www.bund-der-steuerzahler.de/webcom/show_article.php/_c-56/_nr-227/i.html
Nach der jetzigen Regelung hat ein Bundestagsabgeordneter nach acht Jahren einen Anspruch auf Altersversorgung, ohne dafür selbst einzahlen zu müssen. Der Mindestanspruch beträgt aktuell 1682 Euro. Die maximale Altersentschädigung hat er bereits nach 23 Jahren erreicht. Dies wären zur Zeit 4836 Euro. Für eine entsprechende Rente müsste ein Spitzenverdiener rund 88 Jahre arbeiten, ein Durchschnittsverdiener sogar 185 Jahre.
:eek: Immer schön in die eigene Tasche.

Viele wirklich sinnvolle Änderungen, wie z.B. die Bürgerversicherung, ein neues gerechteres und einfacheres Steuersystem, wo sich niemand herausmogeln kann, bleiben auf der Strecke.

Unsere Volksvertreter werden sicher Wege finden, sich vor solchen Regelungen zu verstecken.
Nur mal kurz an die EU-Regelung für Kuren denke, die die Abgeordneten auf Familienangehörige
übertragen können, sich dann vor die Kamera stellen und sagen sie hätte dafür Beiträge gezahlt. Frei dem Motto "Ich darf ruhig lügen, muss nur so rüber kommen das ich glaubwürdig bin dann wird es keiner prüfen". Oh man, ich glaub ich hör jetzt mal besser auf,

Zurück zum Thema, hört sich so an, als wenn jemand noch schnell das sinkende Schiff
verlassen will und noch ein bisschen mit Dreck schmeißen müsste.
Unterste Schublade halt.

Cu

perfekt!57
03.06.2005, 11:04
"Wenn die SPD überleben will, muss sie umkehren und der Beginn von Umkehr ist die ehrliche Bilanz und die Abwahl derer, die eine ganze Partei dem Denken des Neoliberalismus und der uniformierten Meinung des größten Teils der Medienindustrie unterworfen haben, weil man ja wie Gerhard Schröder so treffend bemerkte, zum regieren nur Bild und die Glotze braucht.

Es gibt keinen Bedarf für vier neoliberale Parteien in Deutschland. Wie gemäßigt fortschrittlich getüncht oder grün angestrichen sie auch sein mögen. Die Wut der Verlierer wird ihr Ventil suchen und finden bei braunen Rattenfängern oder in Selbstzerstörung und Gewalttätigkeit."

Der Schreiber des Briefes übersieht anscheinend ausserdem die "historische" Tatsache, dass schon "von jeher" führende Sozialdemokraten gleichzeitig Mitglied der "CDU-nahen" (*g*) Ludwig-Erhard-Stiftung für soziale Marktwirtschaft waren - und dort gerne gesehen und wohlgelitten, sogar oft auch befreundet: Sehr wohl überschneidet sich "in der Mitte" Konservativ-Sozialdemokratisches mit sogenannten CDU-Inhalten. Otto Pöhl, seines Zeichens Bundesbank-Präsident zu Zeiten Helmut Schimdts, mag dafür als Beispiel stehen. Und auch viele Leute des "Seeheimer Kreises" der SPD waren gleichzeitig "Ludwig-Erhardler".

Und was bitte sonst ausser sozialer Marktwirtschaft soll bitte schön funtkionieren? Kann sich doch wohl bloß um Auslegungsfragen handeln, was das ist?

Danke also für den Threrad nochmals, hätte mehr Stellungnahmen verdient meine ich.


Der Schreiber des zitierten Briefes ist also bestimmt sehr wohlmeinend, und er vertritt vehement das, was viel Sozialdemokraten meinen/verstehen/gemacht haben wollen. Da stimme ich zu. Aber ist das auch richtig? Die Welt ist nicht mehr so, jedenfalls nicht mehr ganz so, wie die immer noch meinen/hoffen, jedenfalls nach meiner Beobachtung und Kenntnis.

Am Ende, so meine ich, wird in ein paar Jahren ein Transformationsprozess "der SPD" - also vieler ihrer Mitglieder/Wähler/Symphatisanten - gestanden haben, hin zu dem, was Herr Schröder, Herr Schily und Herr Eichel heute als praktische Politk gemacht, versucht haben: "die SPD-Wähler" werden sich unter dem jedenfalls unverändert anhaltenden Druck der Globalisierungsrealität in ihrem Weltbild leicht einsichtig weitaus mehr verändern (müssen), als ihre heute schon global erfahrene Regierung.

Es bleibt (zum Teil) ein historisches Versagen, so denke ich, dieses Kanzlers und seiner Leute, dass sie den Weg (nämlich sehr wohl Versuch einer maximalen Erhaltung von Errungenschaften auch in der Wirtschaftskrise) nicht kommunizieren konten, auch nicht, in welchem Maße ihr Wollen und Tun durch daran interessierte Medien erfolgreich als Zerrbild lediglich dargestellt wurde. (Ich kann mir nicht vorstellen, dass heute als Ergebnis von z.b. 4 Jahren CDU seit 2001 die Sozialhilfe höher, oder die Menschen "mit HartzIV reichlicher ausgestattet" wären...)

Und klar hat es eine SPD-Regierung schwerer in Schrumpfungszeiten "gerechter wegzunehmen", als solche, von denen "man" ("Der klassische SPD-Wähler"?) die Ungerechtigkeit eh erwartete, denn eine SPD-Regierung führt eben zumindest einen Zwei-Fronten-Krieg:

1. gegen die teils bloß dumm-dreisten, lediglich oral-getönten und jeder wirtschaftlichen Logik und Vernunft widersprechenden Forderungen aus den eigenen Reihen, und

2. gegen Unternehmer/Arbeitgeberverbändedie heute wie zu Zeiten Helmut Schmidts die Schaffung der neuer Arbeitsplätze solange, gezielt und absichtlich auf die lange Bank schieben, bis der Regierungswechsel hin zur CDU stattgefunden hat, "um dann erst alles zu geben, was möglich ist - und noch ein bißchen mehr". (Klar logische Strategie: kann man niemandem verübeln, der parteiisch ist. Und sehr wohl erlaubt im politischen Kampf.)


Und man gewint zunehmend den Eindruck, dass es aus solchen und ähnlichen Gründen zu keiner Neuwahl kommen wird:

Das historische Verdienst von Kanzler Schröder "sich mit der richtigen sozialdemokratischen Politik zugunsten eines gerade in dem Punkte uneinsichtigen, verblendet-vernebelten sozialdemokratische Wahlvolk zwar selbst aufgeopfert zu haben, dann aber eines Tages hoistorisch, also in der Rücksicht, rehabilitiert worden zu sein", könnte doch noch die Oberhand gewinnen - und die gegenwärtig diskutierten verfassungsrechtlichen Bedenken "könnten dazu die Steigbügelhalter sein":

Dann was ist/wäre der Mann Schröder gegenüber der Notwendiglkeit die deutsche Kleinbürgerlichkeit - zu deren eigenem Wohle(!) - noch ein paar Jahre weiter so sozialdemokratisch regieren zu können? (und sei es auch "mit Undank") ... bevor "der richtige Hammer kommt"?


Hand auf Herz, wessen Umfeld ist nicht auch so: Von 10 Leuten, die Arbeit suchen, tun es 4-5 im Grunde nicht wirklich, leben gerade nochmal leidlich gut zwischen den Systemen? "Wollen ja eigentlich wirklich arbeiten", aber erst später, so nächstes Jahr...?

Leon
20.06.2005, 10:58
Was ist bitteschön an einem 1 EURO Menschenverachtend? Das erkläre mir mal bitte?

Arbeitslose die seit 10 oder mehr Jahren keinem geregelten Tagesablauf gefolgt sind, die sich mit Ihren Jogginganzügen und fettigen Haaren in Ihrer verdreckten Wohnung von EXKLUSIV, TAFF und CO. filmen lassen und in die Kamera heulen, wie schlecht es Ihnen doch geht, für genauso solche Leute ist das Ganze gedacht. Die müssen erstmal wieder lernen, was es heißt einen geregelten Tagesablauf zu bekommen.

Oder der 19 Jährige, der zu faul ist um 7:00 Uhr aufzustehen und beispielsweise in einer Gärtnerei zu arbeiten um seinen Arbeitslosengeld nicht gekürzt zu bekommen. NEIN, da bleibt man lieber im Bett, trink um 10 sein erstes Bier und lebt von der Stütze. 1 EURO-Job ich bin doch nicht bescheuert, DASS ist das Motto!

Ich würde noch einen Schritt weiter gehen, jeder der diese Jobs ablehnet und das mehrere Male, würde von mir GAR NIX mehr bekommen.

Diese Heulerei geht mir auf den Senckel!

Ich kenne 3 LEutz, die durch diese ACH SO SCHLIMMEN 1 EURO Jobs, heute wieder im Berufsleben stehen und das ohne 150 Bewerbungen zu schreiben. SOOO Schlimm kann es also gar nicht sein!

Aber rumheulen ist doch einfacher, nicht wahr!

All diejenigen, die glauben die CDU/CSU macht alles besser, werden ein sehr sehr böses Erwachen haben!

Rolf:Razekahl
20.06.2005, 12:30
War es überhaupt notwendig, unbedingt den Spitzensteuersatz zu senken ? obwohl ja schon die Vermögenssteuer abgeschafft wurde.


also da es eu-rechtlich erlaubt ist, seine steuern auch anderswo abzuführen, d.h. auch dort wo weniger steuern abgeführt werden müssen. ist dies schon notwendig.
somit kann man seine steuern überall abfürhen.
z.b.möchte man diese in der schweiz zu einem geringerem steuersatz abfürhen, dann muss ein mindesteinkommen nachgewiesen werden und schon führt man nur noch 20% ab, vor der senkung waren es bei uns 60% heute 42 - wenn ich mich jetzt nicht irre - ! wenn man mit denen noch etwas verhandelt drückt man diese 20% auf 10%. nicht mal ein sprachliches problem liegt dazwischen.
z.b. gehe ich zum becker und kaufe auch dort wo das brötchen am günstigsten ist.
der teure bäcker würde letztendlich pleite gehen, wenn er sich nicht anpasst.
der fiskus redet den leuten ein, dass sie steuern hier abführen müssen, sonst wären sie kriminel... dem becker würde man bei so einer aussage den vogel zeigen.
ich wüsste genau wo ich meine steurern abfüren würde, wenn ich ein solches einkommen hätte.

Alphamenpower61
20.06.2005, 19:36
1 € Jobs sind Ausnutzen einer Notsituation. Zum Vergleich:
vor 23 Jahren habe ich als Ferienjobber schon umgerechnet 4,50 € bekommen, zur damaligen Zeit gab es zwischen 7-10 DM je Std.
Da kann mir heute nach 23 Jahren keiner erzählen, er hätte nicht genug Geld einem arbeitenden Menschen wenigestens 5 € zu bezahlen. Denn alles ist teurer geworden.
Zwischen Sklavenarbeit und 1€ ist ja nicht mehr viel unterschied.
Wieviele normale Stellen werden denn vernichtet, weil 1 € Jobs mißbraucht werden, wo reguläre Firmen mit Ihrem Personal die Arbeiten übernommen hätten. ?
Dafür werden dann weitere Menschen arbeitslos gemacht und dürfen danach für 1€ arbeiten. Ich muß mich fragen, was die SPD da aus unserer Gesellschaft macht.

olly3052
20.06.2005, 19:58
Ich weiß nicht, ob Du Dir darüber im klaren bist, daß Hartz4 Empfänger weiterhin ihre 340 € bekommen.

Die 1 € die Std. verdienen die Junx zusätzlich, bis zu einer Summe von 750€ insgesamt( bei den 750€ bin ich mir nicht ganz sicher)!

Das ist imho lächerlich, aber für Langzeitarbeitslose (siehe Leons post) vielleicht doch eine kleine Chance, mal wieder in das Arbeitsleben und dem damit verbundenen Tagesablauf hineinzuschnuppern.

Gruß

olly3052

alffrommars
21.06.2005, 00:15
die 1€ jobs sind aber nur für kumunen und gemeinden nicht für "jede normle firma"
aber nichts desto trotz gibt es keine arbeit und wenn dann nur 165€ jobs wo man 90€ von alg2 abgezogen bekommt.
und da wundern sich die leute das keiner arbeiten gehen will???
wenn man 400€ als nebenjob hat darf man auch nur 120€ behalten.und keiner arbeitet für den staat oder?

Leon
21.06.2005, 09:16
Was heißt hier "wen wundert's wenn keiner mehr arbeiten will"?

1. Wer nicht bereit ist für sein Lebensunterhalt zu sorgen, sondern weiterhin auf die Gesellschaft hofft, dem gehört alles gestrichen.

Ich habe eine 60 Stunden Wochen minimum, ab und zu geht das auf 72 Stunden hoch. Ich arbeite ich Schichtdienst und somit keine Zeit einen Nebenjob zu machen un dich muss auch zusehen wo ich bleibe!

Die Deutschen müssen endlich mal begreifen, dass es so nicht mehr weitergeht!

ICH fühle mich als Sklave der Gesellschaft, da auch ich wie alle anderen Arbeitnehmer für das teilweise Faule Pack aufkommen müssen. Diejenigen die sich zu fein oder zu faul sind um zusätzlich zu Ihrem Arbeitslosengeld noch etwas dazuzuverdienen, sei es durch 1 EURO Jobs oder durch einen Nebenjob, sollen bitte aufhören zu jammern!

WAs auch gerne vergessen wird, Miete oder WOhngeld wird auch unabhängig davon gezahlt! Da sind dann das ALG2 und der Nebenverdienst nicht gerade wenig. Wem es nicht reicht macht was falsch!

alffrommars
21.06.2005, 11:39
na wieviel hastn du am ende des monats raus?
und was glaubst du wieviel einer hat der alg2 bekommt?
und was glaubst du was essen, trinken, klamotten & co. kosten?
und was glaubst du was mehr kostet, die ganzen politiker durchzufüttern oder die arbeitslosen die leider nix dafür können das sie keine arbeit haben?

edit: da wir gerade bei dem thema geld sind guck doch ma hier klick (http://www.miprox.de/Schuldenuhr.html)

Rolf:Razekahl
21.06.2005, 12:05
die 1€ jobs sind aber nur für kumunen und gemeinden nicht für "jede normle firma"


ja für die komunen, so wie z.b. die stadtreinigung... die dann durch 1€ jobber ersetzt wird wo mal die nächsten schnell arbeitslos sind. war nicht berlin ein gutes bsp dafür.

conXer49
21.06.2005, 16:32
Was ist bitteschön an einem 1 EURO Menschenverachtend? Das erkläre mir mal bitte?

Arbeitslose die seit 10 oder mehr Jahren keinem geregelten Tagesablauf gefolgt sind, die sich mit Ihren Jogginganzügen und fettigen Haaren in Ihrer verdreckten Wohnung von EXKLUSIV, TAFF und CO. filmen lassen und in die Kamera heulen, wie schlecht es Ihnen doch geht, für genauso solche Leute ist das Ganze gedacht. Die müssen erstmal wieder lernen, was es heißt einen geregelten Tagesablauf zu bekommen.

Oder der 19 Jährige, der zu faul ist um 7:00 Uhr aufzustehen und beispielsweise in einer Gärtnerei zu arbeiten um seinen Arbeitslosengeld nicht gekürzt zu bekommen. NEIN, da bleibt man lieber im Bett, trink um 10 sein erstes Bier und lebt von der Stütze. 1 EURO-Job ich bin doch nicht bescheuert, DASS ist das Motto!

Ich würde noch einen Schritt weiter gehen, jeder der diese Jobs ablehnet und das mehrere Male, würde von mir GAR NIX mehr bekommen.

Diese Heulerei geht mir auf den Senckel!

Ich kenne 3 LEutz, die durch diese ACH SO SCHLIMMEN 1 EURO Jobs, heute wieder im Berufsleben stehen und das ohne 150 Bewerbungen zu schreiben. SOOO Schlimm kann es also gar nicht sein!

Aber rumheulen ist doch einfacher, nicht wahr!

All diejenigen, die glauben die CDU/CSU macht alles besser, werden ein sehr sehr böses Erwachen haben!

------------------

Die oben von dir genannten Personen wirst du auch nicht in einem 1€ job finden .

Ich weiß das , weil ich in einem Unternehmen für 210 ,- € arbeite wie ca. 500 andere .

Da sind Facharbeiter gefragt , die Schulen renovieren . Werkstatt einrichtungen für diese bauen . usw.

Aber von gemeinnütziger Arbeit kann ich da echt nix sehen .

Sondern sehe das eher so , das der Handwerker das vorher für gutes Geld gemacht hat . Und heute eben für nen €

Ich persönlich bin zwar erstmal froh einen 1€ job zu haben , denn ohne könnte man sich ja garnix mehr kaufen .
Oder müßte schon ein paar Schuhe auf Raten kaufen

Wenn dann ein paar davon wieder (wie du genannt hast ) eine arbeit finden so kann man sich mit ihnen freuen .

Aber bei 5 Millionen Arbeitssuchenden und 1 Million > ? < offenen Stellen , bleiben 4 Millionen auf der Strecke .

Und wenn man über 50 jahe alt ist sind die Chancen noch geringer .

Alphamenpower61
21.06.2005, 20:50
Vor einiger Zeit lief eine Dokumentation im Fernsehen im Osten Deutschlands mit sehr hoher Arbeitslosigkeit und vielen 1 € Jobbern, die trotz des 1 € Jobs keine Change sehen, darüber eine ordentlich menschenwürdig bezahlte Arbeitsstelle zu finden und die Folgen daraus, daß dies weitere unschuldige Arbeitslose schafft, wie oben im Threat bereits angeschnitten. Dies schafft mehr Unglück als dies einen wirklich gesellschaftlichen und für die Betroffenen großen Nutzen hat.
Ich finde es schade das hier mit Klischees rumgeworfen wird, Z.B. fette, rauchende, faule Arbeitslose etc.
Grundsätzlich sollte man davon ausgehen, daß keiner der Arbeitslosen seine Arbeitslosigkeit gewollt hat., also der .... unschuldsvermutung..... Rechnung tragen.
Was soll den ein Arbeitsloser machen nach z.B. 3 Jahren Arbeitlosigkeit und Einkommen unter dem Existensminimum. ?
Soll der in den besten Klamotten rumlaufen , die er nicht mehr hat? oder mit gehobenen Hauptes durch die Stadt laufen ?
Was sinnvoll machen würde wären Aufbaujobs, 3-4 Std. täglich, würdevoll und gerecht bezahlt um die Menschen wieder Leistungsfähig zu machen und um Sie nicht wie "Abschaum" zu behandeln
Das, was das Klischee ausmacht ist psychologische Resignation, vielleicht nach 200 Bewerbungen , Absagen und dem Gefühl "nicht mehr gebraucht zu werden
Sicher ist hier etwas Arbeit, wovon er auch einen größeren Teil behalten kann wichtig für seine psychologische Entwicklung. Wenn jemand arbeitet, zB. als Lackierer, Streicher, Waldarbeiter, ist er menschenwürdig zu entlöhnen und nicht mit 1 € die Std abufinden. Darum geht es. Um das, was man psychologisch mit den Menschen veranstaltet ? wie unsere Gesellschaft damit umgeht. Alle die hier auf die Arbeitslosen schimpfen "Ich hoffe, Ihnen bleibt dieses Leid erspart

Leon
22.06.2005, 08:09
Diejenigen die ich meine, sind garnicht mehr in der Lage eine Arbeit zu finden. Ich rede nicht von denjenigen die aktiv etwas tun und ich beschimpfe auch keinen der keine Arbeit hat.

Nur erkläre mir mal bitte, warum diejenigen, die immer als Härtefall im Fernsehen gezeigt werden immer aussehen wie die letzten Heuler. Das diese Menschen keine Markenklamotten tragen ist nachvollziehbar, ich übrigens auch nicht, aber gepflegt aussehen hat nichts mit der Kleidung zu tun.

Da sitzt die 40 Jährige ehemalige Verkäuferin mit fettigen ungeflegten Haaren rauchend in der völlig verdreckten Wohnung. Die Standartausrede "Wir renovieren gerade." Sie erzählt sie sei seit 8 Jahren arbeitslos. Ok, schlimm, aber muss man sich so gehen lassen? Das zweite was mich aufregt, sie jammert rum, wie wenig Geld sie zum Leben hat und dass sie Ihren KIndern nix zu spielen kaufen kann, ABER die Zigarette in der Hand und Kettenrauchen! Das Fass zum überlaufen brachte aber die Aussage, dass sie sich körperlich ausserstande sieht, morgens um 7 Uhr bereits ín der Argentur für Arbeit zu stehen und zu versuchen einen Job zu bekommen! DAS sind die Leute, die ich als Fett, Ungepflegt und Unfähig bezeichne.

Ne ne, Leutz. Mag sein, dass ich hier dem einen oder anderen auf die Füsse trete mit meiner Meinung, aber SO geht es auch nicht!

Alphamenpower61
22.06.2005, 20:46
"Leon" jeder darf seine Meinung haben, ich akzeptiere auch deine Meinung.

Schade ist nur, daß mit den negativ Aussagen dieser Art schnell eine Verallgemeinerung stattfindet. Das ist einfach so in den Menschen drin. Und dies finde ich schade.
Mit teilweise diesen Argumenten hat es unser Bundeskanzler geschafft, sein "Gewissen" bei der Gesetzgebung zu Hartz IV zu beseitigen.

Ich selbst habe das grauen mitgemacht, als 10 Personen entlassen werden sollten und keiner wußte wer es ist. Man ist garnicht mehr in der Lage zu arbeiten, geschweige noch an etwas anderes zu denken. Und viele die in der engeren Auswahl standen waren plötzlich "Gegner" und nicht mehr befreundete Kollegen.
Und so verhalten sich keine Menschen, wenn denen Ihre Arbeit egal wäre.
Und falls es dann ein "Opfer" gibt, erledigt danach Hartz IV den Rest an Menschlichkeit und Würde.

Abgesehen einmal davon, hat dieses ganze "umgehen mit den Arbeitlosen" auch gesellschaftliche Konsequenzen. Wie geht man mit dem Befölkerungsteil um ?
Zerstört man diese Menschen "des Geldes willen". ?
Wie rücksichtslos anderen Gegenüber wird diese Gesellschaft ?
Ich möchte nicht wissen, wie hoch derer sind, die bereits in Psychotherapie sind usw, weil Sie sich im Stich gelassen fühlen.

Selbst mir fällt es nach 3 Wochen Urlaub schwer, morgens um 6 Uhr aufzustehen, daß ist nach 2 Tagen wieder im Lot, aber erstmal Menschen die mehrere Jahre lang nicht mehr so früh aufgestanden sind kann ich mir die Probleme derer schon glaubwürdig vorstellen.
Vielleicht machen Wiedereingliederungsmaßnahmen sinn, angefangen 1 Monat um 9:00 Uhr arbeiten, dann jeweils 1 Std. weniger, bis zur regulärem Arbeitsbeginn.
Das ist vielleicht auch eine Aussage der Arbeitslosen aufgrund Ihrer Hilflosigkeit und der fehlenden Unterstützung bei wiederaufnahme einer Arbeit, vielleicht auch Angst.

Ich persönlich wäre froh, ich wäre 20 Jahre früher geboren, dann bräuchte ich mich nicht mit der politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten und die Probleme der heutigen Zeit auseinanderzusetzen.

HannHenne
23.06.2005, 14:56
Uhi uhi uhi.

Soviel Meinungen und dann gehen Sie auch noch auseinander, nee nech.

Also ich will auchmal meinen Senf abgeben.
Ich habe bis Dezember 2002 eine Job gehabt und seit Januar 2003 bin ich arbeitslos. Bis heute habe ich eine Weiterbildung gemacht, ein Praktikum und ca. 250 bis 300 Bewerbungen geschrieben.

Es kann also keiner sagen ich will nicht, ich kann nicht!
Die Bewerbungen gingen von Flensburg bis an den Bodensee und weiter nach Östereich und in die Schweiz.

Dann kommt man hier her und ließt, das 1€ Job´s ok sind für die Wiedereingliederung.
Ja ja schön und vielleicht auch gut so eine Wiedereingleiderung, aber einen Job wird es so nicht geben. Wenn Gemeinden und Wohlfahrtsverbände sowas unterstützen naja gute Nacht. Damit und nur damit mache ich das Handwerk und Dienstleister kapput, den die können bei den Preisen nicht mithalten. Schonmal daran gedacht? Ich glaube ehr nicht. Aber damit gehen dann Job´s vom Handwerk flöten und somit gibt es neue Arbeitslose.

Dann lese ich hier, ich arbeite mindenstens 60 wenn nicht 72 Stunden in der Woche.
Als Angestellter? Dann solltest Du Dich mal fragen ob das nicht eine Form von Ausbeutung ist, den Dein Arbeitgeber spielt ja auch damit, dass genügend auf der Straße stehen die Deinen Job machen wollen. Also finde ich das Scheinheilig, man macht das weil man muss und wenn nicht dann stellt man sich in die Schlange der Arbeitslosen mit ein.
Aber wenn Du Selbstständig bist, dann weißte bestimmt auch warum die 72 Stunden arbeitest, oder nicht? Falls nicht, auch dann gute Nacht.

Nunmal zu Hartz IV. Uhi von dem Mann hört man ja auch nichts mehr. Könnte man glatt von einer Heuschrecke reden. Einmal gesehen, abkassiert und weg ist er.
Ja der Hartz IV Empfänger hat es doch super in Deutschland, dass muss ich ja mal sagen. Liegt den ganzen Tag im Bett, hat fettige Haare und macht nichts.
Oh ja was für eine Einstellung. Ich bin auch Hartz IV Empfänger und ich bekomme nichts von Vater Staat, den meine Frau verdient zuviel. Ich will nicht klagen uns geht es trotzdem gut, aber es gibt genügen Familien in Deutschland den geht es schlecht wenn nicht gar dreckig. Kann sich einer vorstellen von 1400€ Netto eine vierköpfige Familie mit 2 schulpflichtigen Kindern zu unterhalten? Miete, Strom, Essen, Kleidung, Heizung, Versicherung?? Wie soll das gehen? Achja mobil für den Arbeitsmarkt sollte man auch noch sein, also Auto, Haftpflicht, Versicherung, Steuern.

Vielleicht sollte man hiermal umdenken. Umdenken in der Form, dass genau diese Leute, lange arbeitslos und Sozialhilfeempfänger, Ältere usw. der Gesellschaftteil ist, der jahrelang nicht konsumiert hat, weil ebend das Geld nicht da ist, den mal mehr in die Hand geben. Hier meine ich die die wollen aber nicht können, weil kein Arbeitgeber Interesse an Ihnen hat. Es ist doch die Gesellschaftschicht die von der Hand in den Mund lebt! Die haben ein rießen Nachholbedarf, der auch gestillt würde, den wir leben im Überfluss!!! Damit bringe ich auch die Wirtschaft wieder in Schwung, sollte man auch nicht vergessen.

Aber nun zum eigentlich Thema.
Ja der Mann spricht mit aus der Seele.
Die SPD hat sich entsozialdemokatisiert.
Ich kann keinen Unterschied mehr zwischen SPD und CDU finden. Wofür die SPD mal stand, dass ist nicht mehr die SPD von heute.
Natürlich mussten Reformen her, so ging es auch nicht weiter. Aber nur wieder Reformen zumachen, wo der Kleine zur Kasse gebeten wird und der Große noch größer wird?

Also bitte, schaut Euch dochmal die Jahresbilanzen der 30 Dax geführten Unternehmen an. Durch die Bank mehr Umsatz mehr Gewinn und das mit Segen der SPD!!!!

Ich glaube wir haben keine Marktwirtschaft mehr. Wir haben auch keine soziale Marktwirschaft mehr. Nein wir sind heute bei einer bediener Mentalität angekommen. Wo früher der Manager auch Verantwortung gegenüber seiner Mitarbeitern hatte und auch die dahinter stehende Familie sah, so ist der Arbeiter (eigentlich das wichtigste in einer Firma) zur festen Fixkoste verkommen und dahinter steht dann auch keine Familie mehr.

So das war mal mein Senf, wobei ich noch mehr hätte dazu schreiben können.

Aber ich kann hier nun froh verkünden das ich dieser Schmarotzerbande ab dem 01.07.2005 nicht mehr angehören werde, da ich einem geregeltem Arbeitsverhältnis mit geregelten Arbeitszeiten nachgehen werde juhu!!

Greez

marxx
23.06.2005, 16:18
Gutes Posting, HannHenne. Ich gratuliere ehrlich zum Job - ist heute mehr als Geld wert, einen zu haben. So mancher egoistischer Kommentar von weiter oben im Thread sollte Dich ein müdes Arschrunzeln kosten - die Kommentare kommen eh meist von Leuten, die nie das zweifelhafte Vergnügen hatte, in die Arbeitslosigkeit zu geraten und die sich am liebsten aus dem letzten Rest Sozialverantwortung stehen würden. Wenn es diese Leute dann selbst mal trifft, ist das Geheule groß. Also - Ei drauf pellen.

Das schlimme an der Situation: Was wählen?

Die SPD besinnt sich gerade auf ihre sozialen Wurzeln - toll, zu spät. Unglaubwürdige 180 Grad Wendung. Die CDU buhlt um alle mit dickem Geldbeutel und hofft, die übrigen gucken nicht allzu oft Nachrichten und merken es nicht, dass sie das Sozialgefüge ruinieren wollen und die Groß-Unternehmer weiter bauchpinseln. Ich sage bewusst Großunternehmer, denn Mittelständische Unternehmen haben heute bei jeder Partei keine großen Vorteile zu erwarten. Die FDP rennt im Zickzack, je nachdem wer das Interview gibt. Und die Grünen? Kein ganz übles Konzept - aber was haben sie zu sagen, wenn sie mit 5 Prozent mitregieren dürfen? Und die zukünftige "Linkspartei"? Hat die ein Konzept oder ist die nur "dagegen"? Da wird die Wahl schwer. Wer wissen will, wie es hier irgendwann werden wird, schaue einfach nach Amerika (Superreiche + Lobbies, Zwei-Billig-Jobs-Besitzer, Slums).

Meine Einschätzung zu einem Einzelpunkt der uns alle demnächst treffen wird: Mehrwertsteuererhöhung. So wie ich das sehe sprechen sich recht kluge Ökonomen in der Regel für eine Erhöhung aus - allerdings nicht, um Haushaltslöcher zu stopfen, sondern um Sozialsysteme zu finanzieren. Guter Gedanke dabei: Wer viel konsumieren kann, tut gleichzeitig viel für die Absicherung der Sozialstaatsnutzer.

Aber: Die CDU möchte aber am liebsten die Mehrwertsteuer hochsetzen, die Sozialsysteme noch weiter abbauen, ebenso die Arbeitnehmerrechte - und gleichzeitig die Unternehmenssteuern weiter senken, um den "Standort" attraktiver zu machen. Und nebenbei soll der Staat ordentlich Mehreinnahmen bekommen, um Haushaltslöcher zu stopfen.

Das ist jetzt nur meine Beobachtung, bzw. Meinung: Allen Politikern die das Wort "sozial" noch kennen, brennt inzwischen vor Angst der Kittel. Die CDU wird einen weiteren Schritt in Richtung Zweiklassengesellschaft machen in der Arbeitnehmer nicht Subjekte sondern reine Objekte sind, die halt dazu benutzt werden, den größtmöglichen Unternehmensgewinn zu erzielen. Um in der Scheiß-Globalisierung wettbewerbsfähig zu bleiben hätte man am liebsten amerikanische Verhältnisse bei den Arbeitgeberrechten und Bezügen und chinesische bei den Arbeitnehmerrechten und Löhnen.

Das den Menschen bei einer Erhöhung der Preise um vier Prozent (zuzüglich der versteckten Preiserhöhungen, die der Handel zu solchen Gelegenheiten immer macht, also mindestens sechs Prozent effektiv bei allem drauf) irgendwann das Geld und die Stimmung fehlt, um überhaupt noch zu konsumieren, hat jetzt die lustige SPD als Wahlkampfthema entdeckt. Sie forderte ja deshalb jüngst zur Verblüffung aller mehr Gehalt für die Arbeitnehmer und hofft, das niemand banalen Bluff bemerkt. :D

Meine größte Angst: Hoffentlich kommen die ewig gestrigen nicht mal irgenwann aus Frust über die Parteienlandschaft alle aus ihren Löchern gekrochen und gehen den braunen Dreck wählen. Wenn die CDU jetzt drankommt und das Volk noch mehr vergrätzt, könne es den Ärschen wieder Wähler zuspülen.

HannHenne
23.06.2005, 19:27
Danke erstmal für die Lorebeeren.

Ja ja wen wählen, dass ist die Frage.
Kommt glatt an sein oder nicht sein ran, ich denke auch es wird eine Richtungswahl werden.

Also wo will Deutschland hin?
Die Bürger werden das dann am 18 Sept. entscheiden.

Ich sehe nur eine Gefahr.
Wenn die CDU gewinnt, davon gehe ich auch mal aus, dann ist sie zum Erfolg verdammt.
So heißen wenn Die es nicht hinbekommen in 4 Jahren Deutschland fit zu machen, na dann gute Nacht Deutschland. Genau dann sind wir (entschuldigt jetzt den Vergleich) bei 1933 und die Rechten (oh Gott man glaubt es nicht) bekommen Zulauf. Genau diesen Weg finde ich so gefährlich.

Es wird jetzt auch nicht nützens von Heuschrecken usw. zu reden. Die Roten haben es glatt verpennt. Jetzt werden Sie bestraft. Die 180° Kehre nimmt Ihnen auch keiner mehr ab.

So also wird ab Oktober 2005 das soziale Netz für die Schmarotzer geschlossen und die Deutschland AG packt ein.

Wer jung ist eine gute Ausbildung hat und Fremdsprachen beherscht dem rate ich nur abhauen. Geht ins Ausland macht was aus Eurem Leben, hier werdet Ihr nicht mehr glücklich.

Hoffe bin jetzt nicht allzu groß vom Thema abgekommen.

Greez

Wintermute
24.06.2005, 14:39
@Marxx:

2-Klassen-gesellschaft? Großverdiener-Bauchpinseln?
Also ich finde das alles sehr populistisch was du von dir gibst. Genauso wie die "andere Seite". Die piensen auch immer nur über die "Bauchgepinselten Arbeitnehmer".

Es gibt auch durchaus für Arbeitgeber Probleme. Und zwar z.B. die, einen Mitarbeiter nicht mehr loszuwerden z.B. wenn man sich in ihm bei der Einstellung getäuscht hat und er nix auf die Reihe bringt ausser dem absolut notwendigsten. Selbst ein 2-Jahres-Vertrag ist da recht lang angelegt und was soll man tun? Ist man darauf bedacht, sein Gesicht zu wahren, kommen irgendwelcher Gefakteter, außerordentlicher Mist nicht in Frage und wenn´s einem gutgeht, dann ist´s Betriebsbedingt auch nicht möglich (und wehe man ist noch groß genug und hat einen Betriebsrat).

Ich will damit sagen das es nicht so einfach ist alles in Schwarz und Weiß aufteilen, wie ich gerade den Eindruck habe das du es Versuchst. Oder täusche ich mich?
Gerade weil eben alle das tun (egoismus?), gibt es nie Einigungen. Könnte ja nicht ganz zum eigenen Vorteil sein ...

Leon
24.06.2005, 15:34
@MArxx

Hier war nie die Rede davon sich aus der sozialen Verantwortung zu ziehen, nur ist irgendwann mal Schluß. Wer soll das denn alles bezahlen?

Ich bin Angestellter, und zwar bei einer großen Hilfsorganisation. Ich bin examinierter Rettungsassistent (sprich der der die Berufsausbildung gemacht hat und kein Rettungssanitäter!) Ich bekomme von 12 Stunden 9,48 bezahlt, egal ob ich ducharbeite oder zwischendrinn mal etwas Ruhe einkehrt. Ich verdiene im Durschnitt 1400 EURO netto.
Ich habe Abitur gemacht und zwischendrinn studiert, wegen Geldmangel aber wieder aufhören müssen. Ich habe auch keinen Geldscheisser sitzen.

Nochmal ich habe nur etwas gegen diejenigen, die sich zu schade sind auch etwas niedere Arbeit zu machen und dann von Gesellschaft verlangen, dass man sie durchfüttert!

Seit mir nicht böse aber ich komme beruflich in ALLE Gesellschaftsschichten und es sind immer die selben die nix aus sich machen!

Ich kann es nunmal nicht nachvollziehen wie man bei 300 geschriebenen Bewerbungen keinen Job bekommen kann und zwar aus folgendem Grund:

Mein Schwager war in den letzten 3 Jahren 2 mal arbeitslos, er ist Schreiner, 25 JAhre alt, verheiratet und 1 Kind! Er hat jedesmal innerhalb von 6 Wochen wieder Arbeit bekommen und jetzt in einem festen Arbeitsverhältnis!

Also irgendwo muss dann ja bei den Leuten die soviel Bewerbungen schreiben irgendetwas nicht stimmen.

Ich will hier niemandem zu Nahe treten, also nix falsch verstehen.

Alphamenpower61
24.06.2005, 17:12
Mit Alter vom 25 dürfte es weniger Problematisch sein, einen Job zu bekommen.
Aber heute ist man ja ab 40 schon zu alt für die Arbeitgeber. "Jung, dynamich ".........,sollten alle sein :D
Jetzt ist ja wieder ein Vorschlag gekommen, daß ältere Arbeitnehmer weniger Gehalt bekommen sollen, da Sie weniger leisten.
Dann müßte ich als junger Mensch dafür aber mehr verdienen, nur das will auch wiederrum keiner. Davon profitieren die Arbeitgeber ja auch, aber die "späteren zwangsläufigen Nachteile" wollen Sie nicht.
Unsere Arbeitgeber müssen lernen, mit dem Personal sinnvoll und behutsam umzugehen, eine Maschine kann man auch nicht permanent überlasten, dann bricht diese auch zusammen)
Der Mensch wird älter, anfälliger usw. aber muß dies heute eine Schande sein.?
Das ist der natürliche Weg des Alterns.
Nein, unsere Arbeitgeber quetschen das Personal aus wie Zitronen, bis auf den letzten Tropfen und das geht natürlich bei immer älteren werdenden Menschen nicht mehr.
Man muß sich ja fragen, ob "Erfahrung" heute kein Geld mehr wert ist, auch wenn man nicht mehr dauernd so bei der Arbeit hetzen und rasen kann.
Man schaue sich doch heute die Stellenausschreibungen an. Das da nicht direkt steht: Professor gesucht, 20 Jahre alt jung dynamisch,kann alles, weiß alles, 50 Std. Woche, 1000 € Gehalt,kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld, keine Urlaubstage ist noch ein wunder (habe mal bewußt etwas übertrieben).

Wintermute
24.06.2005, 23:22
Scheins ist die Erfahrung älterer nichts mehr Wert. Aber die werden schon sehen was sie davon haben ... teilweise äussert es sich ja jetzt schon alles. Was teilweise jungen Leuten zugetraut wird, ist imho echt krank. Viele erfüllen dann doch nicht die erwartungen (logischerweise) und die, welche sie erfüllen, hatten zu 90% einfach nur Glück.

Manche werden jedoch etwas arrogant und meinen das wäre "können". ;)

Man sollte nicht immer Zweifeln, aber auch nicht zu selbstsicher werden.
20 Jahre auf dem Markt und frisch von der Uni/Ausbildung sind eben nicht gleichzusetzen.

gheed
25.06.2005, 03:44
Gerade im Verkauf ist es besonders schlimm. Meine Mutter bekommt mit 40 schon schwer nen neuen Job. Wenn mir dann eine kugummikauende 20 jährige Tussi gegenübersteht frag ich mich schon ob da jemand mit Erfahrung im Umgang mit Kunden nicht besser wäre. Natürlich kosten junge Arbeitnehnmer meistens wesentlich weniger als ältere, aber diese können dafür mit ihrem Engagement und ihrer Erfahrung punkten.

Das sparen am Personal ist Konzernen wie Karstadt ja schon zum Verhängnis geworden (natürlioch nicht alleine). Dort bin ich auch lange nicht hingegangen (da bin ich nicht der einzige), weil die Mitarbeiter sowas von unfreundlich waren, da die Arbeitsbedingungen wirklich schlecht und die Mitarbeiter natürlich extrem gestresst waren.

Das is bei vielen anderen Läden genauso. Da werden Arbeitnehmerrechte mit Füßen getreten, denn die wissen genau, dass die Verkäuferinnen nichts sagen, weil sie Angst um ihren Job haben.

marxx
25.06.2005, 08:49
Meine Aussagen waren natürlich etwas überspitzt formuliert, um die Standpunkte ein bisschen klarer voneinander abzugrenzen. Kann schon sein, dass das manchmal sehr emotional rüberkommt - ist es ja auch..nehmt es aber nicht für bare Münze sondern als analytische Standpunkttrennung. So machen es die Parteien passenderweise auch gerade: Wenn ich sehe, was jetzt im Wahlkampf läuft und mit welchen abstrusen Ideen die Parteien plötzlich versuchen, Profil zu zeigen...pffff.

Auch die Sache mit der Verlängerung der Lebensarbeitszeit die der CDU so wichtig erscheint. Ich frage mich, warum dann heute 45 Jahre als magische Grenze gelten - als Grenze, wo man fest im Sattel sitzen sollte, weil man vielleicht sonst zu alt ist, um anderweitig angestellt zu werden. 45 - und auf einmal ist es notwendig länger als bis 65 zu ackern. Die Praxis sieht doch so aus, dass gerade viele größere Firmen und Konzerne regelrecht darauf drängen, dass "die alten" und oftmals teuren in Frührente gehen. Ich kenne z.B. Dutzende Beispiele bei der Telekom. Ich frag mich auch, wo die Arbeitsplätze für die jüngeren auf einmal herkommen sollen, wenn man jetzt noch länger seinen Sessel besetzen soll.

Am Kündigungsschutz kratzen ist ebenso toll für die Unternehmen - und ich sehe die Notwendingkeit teilweise sogar ein, gerade in kleinen Unternehmen kann es problematisch sein, wenn man wirklich mal einen Arbeitnehmer loswerden muss, weil er faul ist, weil das Geschäft nicht läuft o.ä. Das Schlimme ist aber: Die Unternehmen werden einen geschwächten Kündigungsschutz selbstverständlich hemmungslos ausnutzen, wie es z.B. Werbeagenturen, Presse- und PR-Agenturen heute mittels Volontariat schon praktizieren: Da wird ein Akademiker nach dem Anderen mit relativ kurz befristetem Arbeitsvertrag angestellt. Und fast keiner wird übernommen - der Hungerlohn würde ja dann zu einem kleinen Gehalt steigen. Da nimmt man lieber den nächsten hochqualifizierten und nutzt ihn so gut wie möglich aus. Bei der Einstellung wird natürlich gesagt, dass eine spätere Anstellung der Normalfall ist. Das lässt sich nach einem aufgeweichten Kündigungsschutz in fast jeden anderen Bereich übertragen. Billig einstellen, einfach rausschmeißen wenn man jemanden findet, der es wieder so billig macht oder womöglich noch günstiger ist.

HannHenne
25.06.2005, 11:46
Jo genau der Kündigungsschutz, wenn der weg ist dann brummt die Wirtschaft.
Was ist den das für ein Märchen, aus welcher populstischen Kiste habt Ihr den das gezogen?

Also jeder, aber auch wirklich jeder Arbeitgeber wird seinen "ungeliebten" Mitarbeiter los.
Sich als Arbeitgeber hinter so einem Gesetz zu verstecken und dann auch noch rauszuposaunen, weg damit und es geht besser der (entschuldigt bitte) hat Sie nicht mehr alle.

Warum brummt die Wirtschaft nicht?

Könnte man auch wieder anders sehen! Wenn der Arbeitnehmer jährlich geschröpft wird von der Politik und vom Arbeitgeber, so das weniger in der Tasche bleibt, na wie soll es dann auch mit dem Konsum vorwärts gehen.
Als Beispiel kann ich auch gleich mal meine Frau anführen. Sie begann vor 3 Jahren mit Ihrem Job bei einem großen deutschen Konzern (noch staatlich). Ihr Jahresgehalt für eine Anfängerin war gut, muss ich ja auch mal sagen. So durch Verhandlungen und neue Tarifabschlüsse bekomt sich im Enddefekt 2007 weniger Jahresgehalt als bei Ihrer Einstellung. Defakto hat Sie und ich weniger Geld und dadurch werden wir auch weniger konsumieren. :freak
Nun ist Sie nicht die einzige in er Firma sondern gut weiter 200 000 Menschen und Ihre Familien sind davon betroffen. So kann man nun eine Firma nach der anderen abklappern und es kommt immer wieder LOHNKÜRZUNG raus.

Warum haben ältere Arbeitnehmer keine Chance mehr auf dem Arbeitsmarkt?

Nein nein die Frage müsste mal wieder anders heißen.
Warum lässt sich so ein Jungschnabel von Chef (Vati hilft, Neweconemie) nichts von einem sagen der Ahnung hat? Ja ich glaube so stimmt das. Die Alten wissen wie es laufen müsste und die jungen neuen Chefs wissen alles besser und Sie erfinden das Rad halt neu.
Jetzt gehe ich in der Geschicht mal weiter zurück. Die 68-iger sind damals auf die Straße gegangen um die alten Zöpfe abzuschneiden. Damals war ein Herr Schröder und Fischer auch dabei. Genau diese 68-iger die damals die Veränderungen haben wollten, die kleben doch heute an Ihrern machtgeilen Stühlen wie sonst keiner.

Warum werden so wenig Kinder geboren?

Ja warum den? Na weil wir in der kinderfeindlichsten Gesellschaft leben die es gibt. Erst ich dann der Rest bitte schön.
Auch hier ein Beispiel. Wieder meine Frau und ich. Ich wäre bereits gern Vater geworden! Aber wie soll das gehen? Man hat keine Planungsicherheiten mehr. Jeder kann morgen den Job verlieren und dann aus die Maus. Ein Kind ist doch in dieser Gesellschaft keine Frage der Liebe sondern des Geldes. Kling schlimm, oder?
Keine Kinder keine Einzahler in die Sozialsysteme.

Was soll ich als junger Mensch den noch alles machen?

Ich soll Kinder bekommen, die ja dem Staat nichs kosten. Das Kindergeld ist da nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein ein Kinderbetreungsplatz bei uns in der Stadt kostet 300€ plus Unterstützung der Zuschuß von der Stadt.

Ich soll im brav in die Rentenkasse einzahlen. Die ist ja leer und es gibt ja so wenige die einzahlen.

Ich soll für meine eigene Rente vorsorgen. Achja da wo ich ja was einzahle bleibt ja für mich nichts übrig. Stimmt als noch selber was machen.

Ich soll immer brav beim Arztbesuch 10€ abdrücken. Genau weil die Besserverdiener ja privat versichert sind und das nicht müssen. Achja das kam ja wegen der Gesundheitsreform. Stimmt, und genau diese Reform haben ja Leute gemacht die privat versichert sind. Na wie soll sich da was ändern? Wir brauchen bloß rechts und links zu schauen. Frankreich, es gibt nur 1, ja eine staatliche Krankenversicherung wo alle, ja alle auch die Politker einzahlten usw. usw.

Ich soll Miete, Strom, Gas, Versicherung bezahlen.
Ich möchte was zu essen haben
Ich möchte was zum anziehen haben

Was soll ich den noch alles?

Nun noch was mega unpopulistisches. Ich bin kein Ausländerhasser, nein das bin ich wirklich nicht, aber für eine geregelte Zuwanderung bin ich. Wisst Ihr eingentlich was da alles abgeht? Wieder mal ein Beispiel. Ich arbeitslos und ich mache eine Weiterbildung. Dabei war auch ein Ukrainer. Seine Frau arbeitet als Kindergärtnerin und er hat 2 Kinder. Soweit zu gut. Er konnte mir genau sagen wo ich was beantragen kann um noch mehr Kohle vom Staat zubekommen, hey darauf wäre ich nie gekommen. Ja und was war am Ende der Weiterbildung? Ich komme so über die Runden er kauft sich eine Eigentumswohnung. Also bitte wo soll das noch hinführen? (Ich distanziere mich hier ausdrücklich vom rechten Gedankengut!)

Ich finde darum sollten sich die Politiker egal ob rot/grün/schwarz/gelb mal Gedanken machen. Das sind Probleme Dir mir auf den Magen schlagen!

Obwohl ich deinen Groll durchaus nachvollziehen kann -> http://learn.to/cool.down und hier § 3! (http://www.computerbase.de/forum/faq.php?faq=forumregeln)

Wintermute
25.06.2005, 16:42
Das Hauptproblem ist in meinen Augen das Menschen im Allgemeinen dazu neigen Möglichkeiten und Schlupflöcher auszunutzen. Und je öfter sie das tun, umso "schamloser", wie du es sagtest, wird es.

Egal ob jemand 1 000 000 oder 1 € verdient, es ist immer diese übertriebene Fixierung aufs eigene Wohl zu kosten anderer ("Kenne ich ja eh nicht, die sind mir egal").
Dann begibt man sich in eine Opferrolle und schimpft was das Zeug hält.
Oder man benutzt das Leid, das einem selbst durch Ungerechtigkeit angetan wurde als Entschuldingung, dasselbe ("zum eingenen Wohle") anderen anzutun.

Ich stoße leider oft genug auf diese Einstellung und Lebensweise, kann sie oft aus den Äußerungen und Aktionen aller möglichen Menschen ziehen die bisher in und durch mein Leben schritten.

Aber daran wird sich so schnell nix ändern.

Deswegen schaue ich so gut wie es geht das es mir gutgeht und versuche dabei so wenigen Menschen wie möglich auf die Füße zu treten...was soll man sonst tun? Zwingen kann man niemanden zu kooperation. Und zu einem Kompromiss schon gleich gar nicht (zumindest zu einem ernstgemeinten nicht, und das ist wohl der Sinn der Sache).

Wie man sieht sind für mich die Probleme eher im kulturellen Bereich zu suchen. Dieser wirkt sich dann natürlich deutlich auf das Zusammenleben und die Politik aus, da beides darauf basiert und die Kultur an sich wieder verändert. <- Hirnverdreh :freak

und so dreht sich das System im Kreis, bis es kollabiert und man wieder ein Stück weiter hinten anfängt. Dann lernt man entweder aus der Vergangenheit, oder auch nicht ...

//Arztgebühr:
Die wurde schonmal eingeführt, so ich mich nicht täusche in den 70ern. Allerdings wieder abgeschafft, da die Verwaltung teurer war als die Einnahmen. Nun hat man die Verwaltung auf die Ärzte abgewälzt, die davon nicht einen Cent sehen. Ganz schön geschicktes Konstrukt ... :(