Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Ich kapituliere in dieser Gesellschaft!
Ostfriese
14.06.2002, 18:00
In einer Gesellschaft, in der man den Individualisten spielt, und dieses in höchstem Maße auf sozio-politische Aspekte bezieht, wird man nicht existieren können und sich den Umständen anpassen müssen... meine ich.
Das heißt für mich:
Ich habe bereits jetzt schon fast kapituliert.
Ich merke, wie meine Einstellung bereits Tag für Tag pietätloser wird.
Danke Ellenbogen-Gesellschaft, Danke!
Es mögen ein paar einfache Sätze sein, dennoch sind sie reiflich überlegt, und ich weiß, was ich in meinem Fall sage.
Auf konkrete Beispiele einzugehen, das ginge hier zu weit in meine Privatspähre hinein.
Man könnte es auch noch versuchen wissenschaftlich zu ergründen, aber genau so, wie die Wissenschaft den "Geist und Gedanken" von Menschen nicht zu erfassen vermag, so vermag sie auch dieses nicht zu erfassen.
Nun ist Weiterdenken angesagt:
Ist die Gesellschaft wirklich das höchste Gut?
Also muss quasi meine (ehemalige) auto-sozial-liberale Einstellung durch die von der Gesellschaft geforderten egozentrierten Einstellung ersetzt werden?
Ich komme mit meiner Ureistellung nicht mehr weiter und in letzter Zeit wurde sie wohl entgültig von mir verbannt, zwecks Selbstschutzes... aber muss das wirklich sein?
Ich sehe keinen Ausweg, es ist zum Mäusemelken.
Wer kann mir hier mal ein paar Sätze hinschreiben, mit denen ich vielleicht ein wenig weiter kommen kann?
Danke für's Lesen
hi Ostfriese
In einer Gesellschaft, in der man den Individualisten spielt, und dieses in höchstem Maße auf sozio-politische Aspekte bezieht, wird man nicht existieren können und sich den Umständen anpassen müssen... meine ich.
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Teilweise
Es sei denn man will als Eremit leben.
Will man ein Teil der Gesellschaft sein muß man sich teilweise deren
Regeln unterwerfen.
Was aber nicht zwangsläufig bedeuten muß seine Individualität
Auf zu geben, denn die ist meiner Meinung nach das kostbarste Gut des Menschen.
>Das heißt für mich:
>Ich habe bereits jetzt schon fast kapituliert.
>Ich merke, wie meine Einstellung bereits Tag für Tag pietätloser wird.
Aber damit bestätigst DU doch das Du noch nicht aufgegeben hast,
denn die Mechanismen der Selbstkritik sind noch aktiv.
>Danke Ellenbogen-Gesellschaft, Danke!
Warum darf man sich nicht der Ellenbogen-Gesellschaft anpassen, indem ich meine
Ellenbogen benutze um meine Individualität zu verteidigen ?
>Ist die Gesellschaft wirklich das höchste Gut?
Nein
>Also muss quasi meine (ehemalige) auto-sozial-liberale Einstellung durch die von der Gesellschaft geforderten egozentrierten Einstellung ersetzt werden?
Nein
>Ich komme mit meiner Ureistellung nicht mehr weiter und in letzter Zeit wurde sie wohl entgültig von >mir verbannt, zwecks Selbstschutzes... aber muss das wirklich sein?
Eine Individuelle Aussage auf eine allgemeine Frage ohne Kenntnis der hintergründe kann nur falsch werden :(
>Wer kann mir hier mal ein paar Sätze hinschreiben, mit denen ich vielleicht ein wenig weiter kommen kann?
Ich kann es ja mal versuchen.
Ich persönlich halte die Individualität des Menschen für eines seiner höchsten Güter, wenn nicht das höchste. Denn ich bin nur ich weil ich so bin wie ich nun einmal bin.
Niemand hat das Recht verändernd in mein wesen ein zu greifen, außer ich selbst.
Was nicht bedeutet das ich mich nicht von anderen auf meine unvollkomenheit hinweisen lasse und meine Einstellungen überdenke.
Denn das Leben ist Veränderung, denn nur durch die Veränderung kann ich mich auch weiterentwickeln.
Ich passe mich zwangsläufig meinem Umfeld ein wenig an, denn zwischenmenschliche Beziehungen sind keine Einbahnstraße, aber wenn ich mich in einem Umfeld befinde in dem ich nicht bereit bin mich an zu passen dann versuche ich dieses zu verlassen.
Denn ich habe jetzt nur dieses eine Leben und dieses soll mir gefallen und nicht irgendwelchen anderen.
Ich bin bereit viele Eigenarten meiner Mitmenschen zu Akzeptieren, auch wenn sie mir nicht gefallen. Nur erwarte ich im Gegenzug ebenso akzeptiert zu werden.
Ist mein gegenüber nicht dazu bereit und er ist mir wichtig, so versuche ich einen Kompromiss zu finden mit dem ich mir nicht untreu werde.
Ist es nicht möglich muß ich meine Konsequenzen ziehen.
( Ein individuelles Problem in einer allgemeinen Frage versteckt und mit einer allgemeinen Antwort sicherlich nicht gelöst )
cio.....
Georg
tja also
ich glaube, du warst zulange zivi?
wärst du mal zum kommiß gegangen!
schön so als stoppelhopser!
naja zu spät zu spät
jetzt mußt du mit deinem unterfordertem geist bis ans ende aller zeit leben
aber:
MÄUSEMELKEN könnte helfen
übe fleissig
ersma tin
hoffe ich konnte dir ein wenig helfen....
Moinsen,
Lass dich nicht kaputt machen!!!
Es gibt so viele Nuancen in dieser Gesellschaft, wenn du dir passende Kumpels sucht, passt's :)
Und hey, den Rest der Gesellschaft kannste doch grad' mal vergessen - Politik, Wirtschaft und andere verlogene Scheiße macht dich eh nur kaputt, ignorier's besser.
Es gibt auch noch die Möglichkeit, aus dieser kapitalistischen Ellebogen-Welt auszuwandern - nein, nicht in die USA - wenn du Ausbildung hast, gibt's im Ausland gute chancen!!
@willy:
Du bist weil Du so bist wie Du bist? Glaube ich nicht.
Die Individualität ist zu einem überwiegendem Teil anerzogen bzw. von seinem sozialen- Status und Umfeld abhängig. Der gleiche Willy in Palästina geboren würde evtl. nun Bomben gegen Israelis werfen oder als Israeli auf Palästinenser schießen. Glaubst Du wirklich das Du der Gleiche Willy wärst? Du bist genau so von außen geformt wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten auch. Da ist nix mit Individualität! Kein Mensch erzieht sich selbst. Sicher macht man sich in jedem Alter seine Gedanken über die Positionen die man vertritt. Auch ich musste im laufe meiner Lebensjahre schon sehr oft meine Meinung und Position ändern. Trotzdem schlägt das Anerzogene irgenwie immer wieder durch.
@GRAKA0815
>Du bist weil Du so bist wie Du bist? Glaube ich nicht.
>Die Individualität ist zu einem überwiegendem Teil anerzogen bzw. von seinem sozialen- Status und >Umfeld abhängig.
Selbstverständlich, ich wollte auch nichts gegenteiliges ausdrücken, sorry wenn falsch rübergekommen.
Klar, ich bin so wie ich bin, aufgrund meines sozialen Umfeldes, aufgrund meiner Erlebnisse, und da ich täglich andere Dinge erlebe, bin ich auch ( hoffentlich ) einer kontinuierlichen Weiterentwicklung unterworfen.
Was aber nicht bedeutet das ich meiner Umgebung ausgeliefert bin, und diese ausschließlich mein Wesen MANIPULIERT.
Ich bin die wie ich bin, aufgrund der oben genannten Dinge und was ich aus selbigen mache.
Ich kann mich meinem Umfeld bedingungslos unterwerfen und mich voll anpassen.
( Dann bin ich spätestens in 3 Jahren alt und verbittert )
Oder aber ich kann dafür kämpfen das ich ein Individuum bleibe, das seine Selbstverantwortung nicht abgibt.
Klar, auch ich habe meine Erfahrungen gemacht auf die ich auch hätte gut verzichten können.
Aber ich kann an ihnen zerbrechen, oder ich werde stärker.
Es ist ausschließlich meine Entscheidung.
> Der gleiche Willy in Palästina geboren würde evtl. nun Bomben gegen Israelis werfen oder als Israeli > auf Palästinenser schießen.
Falsch, denn dann währe ich nicht der der ich jetzt bin. Dann hätte ich ein anderes Leben gelebt und währe jemand ganz anderes.
Du bist genau so von außen geformt wie jeder andere Mensch auf diesem Planeten auch.
Nein, bin ich nicht !
Denn ein anderer Mensch hätte aus den gleichen Erfahrungen andere Schlüsse und andere Konsequenzen gezogen, und hätte sich somit ganz schnell in eine andere Richtung entwickelt.
Klar wird eich von meiner Außenwelt geformt, hatte ich ja auch nie bestritten, nur bestimme ICH in wie weit ich mich formen lasse.
>Da ist nix mit Individualität Kein Mensch erzieht sich selbst.
Jain :)
Wenn ich Eigenschaften habe, die völlig daneben sind, dann brauche ich sicherlich die Außenwelt um es zu erkennen, aber es liegt an mir ob ich es erkenne oder nicht.
Und wenn ich es erkannt habe, dann kann nur ich sie mir Aberziehen.
( Klar, mit Gewalt von Außen ginge es auch )
( Sag nicht das es nicht möglich ist Charaktereigenschaften abzulegen, dann hetze ich Dir meine Frau auf den Hals :), denn als wir uns kennen gelernt hatten hat sie mir mehrmals am tag gesagt was für ein ars.. ich bin, mit absolutem recht. Jahre später haben wir uns mal wieder getroffen und sie hat festgestellt das sie einen ganz anderen Menschen vor sich hatte.
Den fand sie dann so klasse das sie ihn geheiratet hat :) )
>Sicher macht man sich in jedem Alter seine Gedanken über die Positionen die man vertritt. Auch ich
>musste im laufe meiner Lebensjahre schon sehr oft meine Meinung und Position ändern. Trotzdem >schlägt das Anerzogene irgenwie immer wieder durch.
Klar, aber ich verstehe immer noch nicht ganz wo mich das in meiner Individualität einschränken muß.
Trotz allem bin ich so wie ich bin, wie jeder andere Mensch auch, absolut einmalig auf der welt und ein Individuum.
Cio.....
Georg
Zimtziege
14.06.2002, 22:45
Hallo zusammen!
Obwohl Ostfriese ja so etwas wie einen Notruf losgelassen hat, ist es doch ein wunderbares Thema.
Alle fühlenden und denkenden Menschen kommen irgendwann zu dem Punkt, sich zu Fragen wo die Grenze von Anpassung ist, wo die Resignation beginnt und wo die "Verbiegung" zwecks Anpassung.
Seit einiger Zeit interessiere ich mich für die Humanistische Psychologie, bin aber Laie.
Was ich da gelernt habe, ist faszinierend:
heute gehen die Forscher davon aus, dass ein Mensch nur ein Individuum sein kann, wenn er einer Umgebung hat, die ihn
AKZEPTIERT. Sympathie, Toleranz, förderndes Wohlwollen sind unverzichtbar, wenn jemand geistig frisch, klar, gut strukturiert und liebevoll sein Potential entwickeln soll. Wo diese Grundbedingungenfehlen, siehe Beispiel Palästina-Konflikt, leiden die Menschen enorm und können sich nicht entfalten. Das ist jetzt nicht als Binsenweisheit gemeint, obwohl das eigentlich jeder weiss.
Total klasse ist, dass in JEDEM Lebensalter alte Muster und schräge bis beschissene Entwicklungen sich wieder auflösen lassen und Neues, sozusagen evolutionäres Verhalten, Denken, Fühlen vom Individuum erworben werden kann.
Heute können Menschen aus viel mehr Möglichkeiten wählen, was sie für sich als gut und förderlich empfinden - wems nicht mehr gut geht, wechselt man das Umfeld. Aber dazu gehören Wissen, Informationen, die Bereitschaft, zu suchen - und oft auch ein Leidensdruck, sonst verändert man nix.
Zur Frage nach dieser Gesellschaft, in der wir hier rummachen, und die wirklich nicht gut funktioniert habe ich mir einen ganz egoistischen Standpunkt ausgesucht:
Ich kehre vor meiner Tür. Ich entwickele mich und trage Sorge dafür, dass ich zufrieden bin - und das merken die Anderen, und fragt nicht, wie!
Ich bin nämlich der felsenfesten Überzeugung, dass es Veränderungen nur über den Weg des Wissens, Vormachens, des Teilens der eigenen Lebensfreude gibt.
Alles andere ist bullshit, auch Tinneffs tolle Idee mit dem Bund ist eher eine Satire, auch wenn er mir jetzt auf den Kopf kloppt, rein virtuelll....
So, vielleicht hat ja jemand kräftig was zu meckern über meine rosa aBrille - aber mit der fahre ich gut. Mein heimlicher Leitspruch für die Unverbesserlichen lautet:
i go my way and let them fooling around.....
Zimtziege
14.06.2002, 22:49
Sorry für die Druckfehler, war zu flott.
und es heißt: let them foolish around, glaube ich,
soll heißen: lasse sie weiter ihren Blödsinn betreiben und kümmere mich nicht drum....
Oh man Glaubensfragen...
Wer weiss schon, was das Leben an sich wirklich ist, wer kann die Existenz einer Seele beweisen ? Was passiert nach dem Tod ? Passe ich in diese Gesellschaft ?
Alles Fragen, auf die jeder für sich selbst antworten finden muss.
Man kann drüber diskutieren, aber im Endeffekt bringt es nicht, weil sich an all dem nichts ändern wird.
Gute Nacht, ich gucke mir jetzt nochmal Lain oder Evangelion an ;)
joe cool
15.06.2002, 01:42
Der einfältige Mensch ist deshalb der Glücklichere, weil es ihm nicht in den Sinn kommt über den Sinn seines Lebens nachzudenken.
Entdecke in dir die Einfältigkeit und du wirst jeden neuen Tag Sonnenschein erleben.
Einfältigkeit ist aber auch die Intellektuellen-Version der Hölle. ;)
Ich bin ein sturer Mensch. Ehe ich mich verbiegen lasse, zerbreche ich lieber. Darin liegt ein ganz eigener Egoismus, aber den leiste ich mir, weil ich mir sonst keinerlei Egoismus gestatte. Die Ellbogen-Gesellschaft dankt es mir, da ich schlicht an keinem Wettstreit gegen andere teilnehme. Ich will einfach nicht. Ich weiß es besser.
Und ähnlich wie der Ostfriese habe ich damit auch Phasen, in denen ich einfach nur wütend auf die Dummheit der Massen bin. Das schließt Verwandte und Freunde mit ein.
Zimtziege
16.06.2002, 19:58
Lese ich da eine leise Anwandlung, der von mir geschilderten Möglichkeit eine gewisse Doofheit zuzusprechen?
Findet Ihr das dämlich, was ich geschrieben habe?
Ich halte Fragen, wie jemand mit der Ellbogengesellschaft umgeht, für ungeheuer spannend ,
aber bin ich doof, weil ich beschliesse, dass das Meiste für mich nicht gilt?
Außenseiter zu sein ist eunbequem, zehrt manchaml schwer an den Nerven,
aber genau gesehen gibts viel mehr Außenseiter, als man erst mal denkt: und wenn die Freunde ähnlich leben und denken, ist es einfach klasse, mit dem ganzen hochgezüchteten Wettbewerb nichts zu tun zu haben.
Zimtziege
Also dich wollte ganz bestimmt niemand als einfältig bezeichnen, Zimtziege (wehe... ;)). Ich jedenfalls nicht.
Motorsense
16.06.2002, 20:29
Unsere Gesellschaft is sowieso total kaputt.
Beispiel gibts genug, zum Beispiel den Amoklauf von Erfurt.
Vor nem Monat hat noch jeder Politiker gesagt, das man nicht aufhören soll darüber zu reden. Doch wer interessiert sich jetzt noch dafür???
@Zimtziege
>Findet Ihr das dämlich, was ich geschrieben habe?
Nö, hörte sich eigentlich ganz intelligent an.
>Ich halte Fragen, wie jemand mit der Ellbogengesellschaft umgeht, für ungeheuer spannend ,
Nicht nur für spannend, denn viele Menschen haben damit so ihre Probleme, und da kann es dann doch schon mal ganz nützlich sein wenn man hört das andere die gleichen Probleme haben, und hört wie die damit umgehen.
>aber bin ich doof, weil ich beschliesse, dass das Meiste für mich nicht gilt?
Nö, denn damit zeigst Du doch das Du einen weg gefunden hast mit den Ellenbogen Menschen
umzugehen, damit hast Du, glaub ich, ner ganzen Menge Menschen etwas voraus, und das kann nicht dumm sein.
Wobei..... was ist eigentlich Dummheit ?
Könnte es sein das es echt dumm ist, wenn man sich mit den Gedanken seiner Mitmenschen nicht ernsthaft befasst, weil man die chance verpasst was zu lernen ? :)
>Außenseiter zu sein ist eunbequem, zehrt manchaml schwer an den Nerven,
Hat aber auch seine Forteile :)
( Ist der Ruf erst einmal ruiniert........ lebts sich völlig ungeniert :) )
cio.....
Georg
Da fällt mir nur wieder eine schöne Weisheit aus einen Onkelz-Lied ein: "... denn wer keine Sympathie hat, kann die sie auch nicht verliern."
bitfunker
17.06.2002, 13:31
Witzich, anscheinend denkt jeder in diesen Thread von sich, ein Außenseiter und Individualist zu sein (und so mancher dazu noch ein Intellektueller ;-))! Nun gut, warum nicht!
Was haltet ihr von dieser These:
Jeder ist ein Individualist alleine schon aufgrund der Tatsache, dass sein Geist und seine Gedanken für niemanden direkt zugänglich sind; lediglich der (geringe) Teil, der durch die Kommunikation mit anderen nach außen getragen wird, lässt evtl. auf Anpassung oder Außenseitertum schließen! In diesem Sinne sind wir jeder für sich Außenseiter, die zu ihrer jeweiligen, individuellen Gedankenwelt gehören!
Und zum Thema Gesellschaft, Politik, Normen und Werte usw. kann ich nur sagen, dass es sich doch eigentlich in dieser Welt gar nicht so schlecht leben lässt, wennn man auch das positive, dass selbige zu bieten hat wahrnimmt und zu schätzen weiß. Die "Gesellschaft" als solches ist unumgänglich, auch der Beschluß, sich von ihr zu distanzieren, bedeutet, diese zu gestalten, denn auch die Verweigerung eines Indviduums, ges. Normen einzuhalten, Werte zu übernehmen oder ähnliches zieht Konsequenzen nach sich, die sich auf die Ges. auswirken.
Ähnlich ist es auch mit Subkulturen, die "Aussteiger" zusammenführen (z.B. Grufties). Zeigt mir mal einen richtigen Gruftie, der nicht auf dass System und die Gesellschaft schimpft! Ich kenne mal keinen! Trotzdem gehen die meisten mit dem sozialen System als ganzes nicht anders um als andere Menschen auch, d.h. sie jobben, kaufen ein, gehen in Clubs und auf Konzerte, fahren Autos.... kurz, sie sind ein Teil des Systems, dass sie so verabscheuen! Diese Argumentation kann man 'türlich auch auf andrere Subkulturen transferieren, aber in der schwarzen Szene kenne ich mich halt am besten aus.
SchinziLord
17.06.2002, 22:33
Meiner Meinung nach fühlt man sich als intellektueller in unserer Gesellschaft schneller als Außenseiter, wenn man den hochprozentigen anteil der mitläufer erkennt.
Diese Schuljahr bin ich in einer Freistunde vor dem umkleideraum vom jungensport gesessen und hab die leute "analysiert", die umgezogen aus der kabine gekommen sind.
Davon waren 80% (16 von 20, ich hab mitgezählt) in Skaterklamotten, die hose weit unten, ne coole kette mit schlüssel etc. dran.
Da ist ein beispiel, dass sich die jungen leute doch an irgendwas orientieren wollen, und sei es nur der klassenliebling, der auch in skaterklamotten rumläuft.
Frei dem Motto: Ich mach das um dazuzugehören, obwohl ich es eigentlich gar ned will, aber alle machen das ja. So gehöre ich wenigstens zur Clique. Ich denke dabei aber nicht, dass alle 16 wirklich in ihrem inneren den gleichen musik und kleidungsgeschmack haben, aber so gehört man zur gruppe.
Andersdenkende werden ausgegrenzt und individualismus nur danach ausgerichtet, aufzufallen und cool zu sein, etwas darzustellen. Wobei das ja die paradoxe situation hervorruft, dass 10 leute die auffallen wollen, aber gleich ausschauen, ja nicht mehr auffallen.
Ein anderes beispiel:
Auf einer Party kann ich nur mit wirklich wenigen freunden über politische (sei es die Antisemitismus Debatte) oder über philosophische Themen reden, ohne gleich als "krass" und "abgehoben" abgestempelt zu werden.
Diese erzwungene abgrenzung unserer breiten gesellschaft vor dem wirklichen leben und der zwang, sich dem system zu unterwerfen oder als außenseiter zu gelten, führt bei den "intellektuellen" (zu denen ich mich ganz klar dazuzähle) zu einer begräfitung ihrer außenseiterrolle.
Es gibt natürlich wesentlich mehr beispiele für unsere junge Mitläufergesellschaft.
Ich sehe 14-15jährige mädchen mit ultrakurzem minirock, hohen lederstiefel und farbenfroher schminke, ich sehe skater mit markenklamotten bereits in der 5ten klasse, ich sehe die dummen und peinlichen aktionen gleichaltriger.
Dies führt bei mir zu einer abwertung der anderen und zu einer anschauung, dass ich selbst was besseres bin, aber gleichzeitig erkenne, dass bei mir zur vollkommenheit weit mehr fehlt als nur 2 kilo verstand.
Also was tun? mich selbst in meiner rolle bekräftigen, auf dass ich noch mehr ein außenseiter werde, oder aber mich der gesellschaft unterwerfen mit dem blick auf die tatsache, dass ein mensch, der sich weniger denkt, einfach und glücklicher durchs leben retten kann?
Oder ist das alles nur eine depri phase von mir selbst aus angst vor der zukunft?
Abwarten, denn ich einem jahr ist sowieso wieder alles anders.
MFG
Das Kriterium
18.06.2002, 00:26
Um es auf den Punkt zu bringen, ich habe mich schon ausführlich im 3dcenter Forum dazu geäußert. Wie kaputt und heruntergekommen all die Menschen sind, wie sie ihre Augen vor der Wahrheit verschließen.
Ich für meinen Teil bin nur noch ein Schatten meiner selbst, mein Körper ein Werkzeug meines Gehirns, welches schon längst emotional abgestorben von ebend jenen durch die Gegend getragen wird.
Mehr als wie die Augen verschließen und das Leben solange wie möglich zu ertragen bleibt mir nicht, seit Jahren baue ich immer mehr ab. Die Gesellschaft zehrt an meiner Substanz, meine Existenz jederzeit bedroht. Längst habe ich den Blick für das materielle, emotionale und alles andere dieser Welt verloren. Ein Kontostand, so uninteressant wie die Terroistenhatz in Afghanistan. Ein PC, so wertlos wie die Kleidung die ich an mir trage. Nichts ist mehr von Bedeutung für mich, das Uhrwerk zählt die Zeit weiter runter bis zu meinen unerbittlichen Ende. Ein Ende, welches ich mir herbeisehne. Ein Ende, welchen ich mit einem Lächeln entgegentreten werde. Ein Ende, welches mich von dieser Hölle auf Erden, von diesem ewigen Fegefeuer befreit.
Ein Ende, vor dem ich keine Angst habe. Zeit, jenes Myterium welches und erst ergreisen und dann skelettieren läßt. Mein Körper, nur Material für diese Gesellschaft...
Ecotsunami
18.06.2002, 02:33
Ach welche trostlosen Töne vom Kriterium..., Hey was soll denn das hier? Ein kleiner Trip in die Depression?
Das kommt davon, wenn man nur denkt "is doch alles scheiße" und "es geht sowieso alles mal zu Ende"...
Natürlich ist die Welt mies und sterben müssen wir auch mal alle, die Kunst ist es aber was der Zeit die wir haben was zu machen, nicht nur den anderen folgen und untätig dasitzen.
Wer einen Sinn im leben sucht, der soll sich Ziele setzen, wie z.B. die Welt verbessern, was aufbauen, oder seine Umgebung mitgestalten und somit zu einem wichtigem Rädchen im Weltgefüge werden, ohne das alles nicht mehr so gut funktioniert.
Das die Gesellschaft schlecht ist weis jeder, aber keiner tut was dagegen, daß die Welt zerstört wird scheint die Menschen nur am Rande zu tangieren, da sie wie die Schafe nur dazu erzogen werden das zu tun was man ihnen sagt und keinen Mut haben ihren eigenen Weg zu gehen...
Traut euch und verbessert aktiv die Welt, wie auch immer dies geschieht (z.B. sind Kinder eine Möglichkeit die Welt zu verbessern, oder eine Machtposition in der Man gutes wirkt...), das nicht jeder für euch ist und nicht jeden eure Wehwehchen und guten Absichten interessieren ist wohl klar, aber das gehört auch zu einer reifen(!!!) Persönlichkeit, sich um dies nicht zu kümmern...
-Ecotsunami
Das Kriterium
18.06.2002, 15:24
Du kannst soviel Sahne rumlabern wie du willst, aber solange die anderen Menschen nicht zur Einsicht kommen, kannste deine Weltenverbesserermasche in der Schublade lassen. Was meinst du, wie man mich die vergangenen 4 Jahre hat hängen lassen, als ich wirklich hilfe brauchte. Staub habe ich gefressen, in Stich gelassen von Staat, Familie und allen Freunden (außer einen).
Scheint als bist du einer derer, den bisher kein Leid widerfahren ist. Aber versuch du dich mal ein Jahre lang mit praktisch +-0 DM täglich über den Tag zu schleppen, eigene Wohnung die auch noch kostet mal außen vor gelassen. Du kannst jedes Arsch in diesem Bananstaat um hilfe bittten (Ämter, Freunde, Familie), aber keiner wird dir helfen.
Der Witz war, hätte ich mich arbeitslos gemeldet hätte ich mehr Kohlen gehabt als wenn ich meine Ausbildung weiter gemacht hätte. Super, kein Wunder das wir 4 Millionen Arbeitslose haben...
Um das Spiel noch etwas fortzuführen, ich bin anschließend umgezogen da in diesen Scheiß-Kuhpuff eh tote Hose ist. In eine unmöbilierte Wohnung. Meinste, ich habe mit meinen 800 DM monatlich (-320 DM Miete für neue Wohnung und -300 DM Essen) auch diesmal irgendwie Unterstützung erfahren? Wieder war niemand für mich da, wieder habe ich mir umsonst die Arschbacken wund gelaufen.
Aber das sind nur materielle Dinge. Gefühlsmäßig zeigen mir genauso alle die kalte Schulter, sind ständig auf´m Egotripp. Geh ich mal zum Bekannten, seh ich wie die sich als Paar eine ach so schöne heile Welt vorspielen. Obwohl die sich innerlich schon längst auseinandergelebt haben. Versuchste mit jemanden zu reden, redest du nicht mit ihm sondern mit dem, was er vorgibt gerne zu sein.
Als ich mit einen weiteren Kollegen ein Gespräch gesucht habe, ist der völlig durchgeknallt und rannte zum Ausbildungsleiter und meinte ich würde alle umbringen und dann mich selbst. Super, oder? In diese Scheißwelt werde ich bestimmt keine Kinder setzen, und bock hier weiter zu Leben habe ich auch nicht. In einer derart abartig verlogenen Gesellschaft die nur nach materiellen Reichtümer aus ist, und in der nichts so scheint wie es in Wahrheit ist. Aber das sind Sachen, die du als Außenstehender niemals verstehen wirst. Hauptsache dir gehts gut, gelle? *nach Stinkefingersmilie such*
Mogadischu
18.06.2002, 21:03
verdammt wahr deine Worte, verdammt wahr...... leider :(
Das Kriterium
18.06.2002, 23:20
@ g0l3m
Warum die anderen? Weil ich einerseits von meinen Standpunkt aus berichte, und es andererseits um die Gesellschaft geht. Um mich zu beschreiben, genügen wenige Worte. Ich bin nicht mehr (im Gegensatz zu früher als ich klein war) geizig, bin offen für viele Sachen, bin ständig der Außenseiter über den man sich lustig machen kann, habe manchmal verrückte Einfälle, bin (mittlerweile) sehr introvertiert und zurückhaltend. Lachen tue ich wenn aus Scham oder Schadenfreude, aber ein Lächeln das von Herzen kam ist schon 12-13 Jahre her.
Und warum ich diesen Hass gegen alle anderen Menschen hege, kann ich dir auch im kurzen erklären. Man aktzeptiert mich nicht als Mensch, sondern als Objekt, welches man wie als ein solches behandelt. Mittlerweile lasse ich auch keine Menschen mehr an mich ran, zu oft hat man mich verletzt.
Wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich längst nicht mehr mich selbst, sondern eine Hülle. Eine Fassade, die ich den Rest meines Lebens mit mir herum schleppen muß und nach der ich bewertet werde. Sei es in der Familie, im Beruf oder sonst noch wo. Überall gehts um Leistung und Aussehen, das menschliche ist längst uns allen abhanden gekommen.
Ich verstehe nicht wie ihr das Leben als lebenswert empfinden könnt, anscheinend könnt ihr mit dieser Illusion gut leben. Aber ich finde es erbärmlich von euch selbst, das ihr euch jeden Tag einen vormacht.
Da das 'Bewußtsein' als solches aus lauter elektrischen Impulsen im Hirn besteht, macht mich traurig. Unlängst hätte ich sonst meinen Geist in das kollektive Medium 'Internet' geladen, um die wahren Gedanken anderer Menschen zu erfahren. Ach, das ist auch noch eine 'ziemlich neue' Eigenschaft von mir. Ich sag den Menschen nicht das was sie hören wollen, sondern das was ich (in dem Moment) wirklich denke. Über sie, über andere, über die Welt. Ist wohl auch einer der Gründe, warum sich mein Freundeskreis bis auf eine Person dezimiert hat.
Wozu lohnt sich das Leben? Um gedankenlos (wie es sich Politiker wünschen) für das Kollektiv zu arbeiten, dessen Existenz zu sichern (in Form von Kindern)? Um sich ein Leben lang anlügen zu lassen? Menschen wie Adolf Hitler oder Stalin hatten auch diese leichte Beeinflußbarkeit (in Form von Lügen) für sich entdeckt, und schafften es dementsprechend das Volk zu instrumentalisieren. Die Welt in der ich lebe besteht nur noch aus Zombies, und das ist es was ich nicht ertragen will!
Edit: Warum ich resigniere, steht ja in meinen Post. Ich wollte mit den Leuten offen reden, nur will keiner die Wahrheit hören. Und wie soll man da als 'Weltenverbesserer' taugen, wenn man auf eine Wand des Schweigens trifft? Es geht nicht, und ich habe mich damit abgefunden...
SchinziLord
18.06.2002, 23:34
@ Kriterium:
Sorry wenn ich das jetzt so sage, aber deine ausführungen klingen echt beängstigend. Hast du schon mal daran gedacht, professionelle hilfe in anspruch zu nehmen?
Ich will dir dazu auch eine geschichte über leistungsdruck und über das ausrichten des eigenen ichs nach der gesellschaft erzählen:
Ich war ferienarbeiter in einem mittelständischen betrieb.
Dort hat ein etwa 35 jähriger mann (von mir geschätzt: billig gekleidet, nicht sehr intelligent, schüchter) kontakte gesteckt.
Ich bin zufällig neben ihm gestanden weil ich was du erledigen gehabt habe.
Plötzlich merke ich wie der mann versucht, sich selbst zu überwinden um mich was zu fragen (so in boden geschaut etc.).
Dann fragte er mich (man merkte wirklich wieviel überwindung ihm das gekostet hat) ob ich das auch meine was die anderen sagen, dass er zu langsam arbeitet und zu schlecht sei !
Ich war erstmal total schockiert und überfordet, ich brachte nur sowas raus wie: Hmm ja also ich weiß auch nicht, ich habe da nocht nichts gehört.
Dann bedankte er sich und ging wieder seiner arbeit nach.
Jetzt meine conclusio:
Unter welchem druck muss dieser mann stehen, dass seine sorge ist wie die anderen ihn in der arbeit sehen, und dass er MICH fragt, der da gerade mal für 3 wochen arbeitet.
Und ich denke mal solche leute sind kein einzelfall, dann kann man mal hochrechner wieviel leute irgendwelche probleme habe, und sie wahrscheinlich nie lösen können.
Ich meiner unreifen unwissenheit (mit 19 jahren) hoffe dann auf ein erfolgreiches leben zurückblicken zu können, wenn ich als rentner meinen kindern und enkeln zusehen kann, wie sie ihr leben erfolgreich gestalten. Darin liegt in meinen augen mein lebenssinn, dass es meine nachkommen besser haben als ich.
Die ganze gesellschaft und alle ihre probleme wird sich wohl nie in worten zwängen lassen, das sind unergründliche tiefen.
Jeder kann nur versuchen, sein eigenes leben zu gestalten und selbst entscheiden, was er glauben will und macht.
@Kriterium:
Man aktzeptiert mich nicht als Mensch, sondern als Objekt, welches man wie als ein solches behandelt.
Das ist subjektiv. Du siehst die Farbe Rot, 9 andere sehen Grün, ist an sich von keiner Seite aus objektiv betrachtet gut oder schlecht oder überhaupt wertbar, es ist einfach so. Die Sache ist nur die, daß Du für die 9 anderen Personen das Grün nicht zum Rot machen wirst.
Ich verstehe nicht wie ihr das Leben als lebenswert empfinden könnt, anscheinend könnt ihr mit dieser Illusion gut leben. Aber ich finde es erbärmlich von euch selbst, das ihr euch jeden Tag einen vormacht.
Übrigens ist das schon sehr verachtend und herablassend - daß sich Menschen deswegen von Dir abwenden kann ich nachvollziehen, sowas tut nämlich weh, wenn man als erbärmlich bezeichnet wird.
Ich habe früher das Leben oft mehr als Last denn als Lust empfunden. Das ist individuell sehr verschieden, wie man grundsätzlich dem Leben gegenüber steht, manchen Leute fällt einfach so ihr Leben zu leben sehr einfach (was ich zB aus Ecotsunami's Posting herauslesen würde) und anderen fällt es etwas schwerer. Jedenfalls wurde ich irgendwann durch ein privates Erlebnis ziemlich aufgerüttelt und mußte mir auf einmal Gedanken machen. Das ist jetzt mittlerweile 2 Jahre her, ich bin durch ziemlich dunkle, tiefe Täler geschritten - und doch viel stärker daraus hervorgekommen. Ich versuche mir mittlerweile meine eigenen Träume zu schaffen, sie umzusetzen, frage mich, was möchte ich eigentlich vom Leben, was für ein Leben möchte ich überhaupt, was würde mir gut tun und Menschen, die ich gerne habe - und vor allem wie kann ich das umsetzen. Und ich frage mich sehr sehr oft, ob ich mir "jeden Tag einen vormache". Eigene Träume, sie zu erschaffen, danach zu leben und zu suchen, wieder verwerfen und verändern, neue Dinge zu finden - genau das macht das Leben für mich sehr lebenswert. Und oft gibt es Überraschungen...
Mit anderen Menschen oder der Gesellschaft hat das für mich persönlich wenig zu tun, dies sind viele Äußerlichkeiten und wir können hier in Mitteleuropa uns eigentlich glücklich schätzen, daß wir relativ wenig mit wirklich existenzbedrohenden Dingen wie Krieg, Hunger etc. zu tun haben.
Den Universalsinn gibt es nicht, es gibt nicht _den_ Job, oder _die_ Frau oder _die_ Beziehung oder _die_ Stadt - es gibt nur Chancen, völlig wertneutral. Sinn kann man nur selbst in diese Chancen hineinlegen. Wie jeder persönlich mit "Schicksalsschlägen", "Glück", "Unglück" umgeht und was letztendlich als gedankliches Fazit seinen Kopf verbal verläßt, daß liegt alles in desjenigen Hand.
Du könntest mir Deine Lebensgeschichte erzählen, ich könnte Dich bedauern, Du könntest Dich bedauern, alle könnten das tun, aber es ändert nichts daran, daß genau diese Situation für Dich "ist", und nur Du kannst aus dem "ist schlecht" (im Moment für Dich) ein "ist schön" machen - und andere Menschen können Dir eine Hand zur Unterstützung dabei anbieten.
Ich möchte Dir keine Ratschläge geben, aber warum schaust Du nicht mal nach Leuten, die statt Grün auch Rot sehen, die Menschen sind so verschieden, da gibt es gewiß welche.
Gruß,
g0l3m
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Das Kriterium
19.06.2002, 01:29
@ SchinziLord
Habe ich schon versucht, nur kam ich nach den Besuch eines Pschychologen bzw. einer Pschychologin jedes mal noch frustierter nach Hause. Statt auf mich einzugehen, werde ich nur mit Standardfragen bombadiert. Es ging damit los, das ich kurz nachdem ich mich gesetzt hatte gefragt wurde "Wollen sie sich umbringen?". Super. Was wissen die schon über den Tod? Der Freitod ist aus meiner Sicht die beste Methode, dieser Welt zu entrinnen. Also antwortete ich erst einmal mit einem "Vielleicht?!".
P.: "Und wie?"
Ich.: "Brücke oder Pillen..."
*P. macht sich Notizen*
P.: "Gibt es dafür einen Grund?"
Ich: "Nein, ich komme als Spezies Mensch nicht mit den Artgenossen zurecht."
P.: "Inwiefern?"
Ich.: "Ich habe dieses materielle, kollektive Machtgehabe dieser Gesellschaft satt, wie mich all die Kollegen, Freunde und der Staat belogen und verkauft haben. Es gibt einfach nichts, wofür es sich lohnt zu leben. Der Freitod ist nicht strafbar, ich sehe ihn als Mittel um mich eines Tages wenn sich die Schlinge zu fest um meinen Hals schnürt zu befreien."
*P. schaut etwas irritiert, versucht eine passende neue Frage zu finden*
P.: "Und das, was sie Herr *** *** **** bisher erreicht haben, zählt das nicht? Die Arbeit, die Wohnung...blablabla."
Ich.: Nein, ist für mich nicht von Bedeutung. Es sind alles 'Dinge', genauso wie all die Menschen draußen auf der Straße, oder wie sie."
P.: "Freunde, Familie?"
Ich.: "Nicht mehr von Bedeutung. Im übrigen kann ich schon morgen arbeitslos sein, jederzeit die Wohnung verlieren oder auch gleich nach dem Besuch beim überqueren der Straße von LKW überfahren werden. Es ist alles relativ."
*P. ist am verzweifeln*
P.: "Sie sehen die Welt viel zu pessimistisch."
Ich.: "Nein, ich sehe die Welt nur so, wie sie wirklich ist. Wie ich sie erlebt habe."
P.: Wollen sie mit ihren Tod irgendwas bezwecken?"
Ich.: "Ja, wenn dann will ich dieser scheiß Welt entfliehen...."
Das Gespräch ging noch 3 weitere Stunden, 3 Stunden für nichts. Niemand kann und konnte mir bsher eine Antwort auf die Frage geben, warum der Mensch so (selbst)zerstörerisch ist. Fakt ist, ich will nichts mehr von dieser Gesellschaft, wie sie mich sieht ist mir mittlerweile egal. Früher habe ich alles drum gegeben, mich in besten Licht darstehen zu lassen. Wozu? Damit ich vor anderen Menschen 'wirke', Eindruck auf sie schinde? Womöglicherweise mit Lügen? Beziehungsweise, soll ich sie Anlügen um sie wieder aufzubauen? Ich mache mir und den anderen längst nichts mehr vor. Ich habe gemerkt, das so wie ich bin mich niemand akteptiert, und damit habe ich mich abgefunden. Ich will auch gar niemand anders sein. Stolz auf bisher 'geleistetes' bin ich auch nicht, im Gegenteil. In der Firma mag ich mit einer der besten sein, aber menschlich gesehen werde ich wie Dreck behandelt. Und werde auf dem Papier meiner Leistung entsprechend gut bewertet, eine Sache die ich überhaupt nicht ausstehen kann.
Auf was soll man da Stolz sein? Stolz wie ein Auto mit tollen Fahreigenschaften bewertet worden zu sein? Mitnichten, nicht mit mir. Jeder versucht mir mittlerweile täglich mit meiner Depri-Pessimistischen Schiene anzukommen, dabei merken die Menschen gar nicht einmal wie wertlos und wie unnütz sie sind. Zweck zum Mittel, der Mensch ist geboren um zu sterben. Ob früher oder später ist dabei relativ egal, vielleicht fährt mich morgen die Bahn platt. Die letzten Sekunden würde ich nur noch lächelnd den Fahrer entgegenschauen, in Anbetracht dessen das mich der Tod erwartet.
Etwas, wonach nichts mehr kommt. Wo ich weder fühlen, noch denken, noch sehen, weder hören kann. Das Nichts erwartet mich. Wobei mir dieses Nichts erfüllter erscheint, als wie mein jetziges Leben.
Ihr versucht das Leben an Dingen festzumachen, ich habe damit längst aufgehört. Wir gehen wenn nötig über andere Menschen(leichen), töten Tiere und zerstören die Natur. Der Mensch in seiner Selbstsucht und mit seinem Egoismus ist eine Schande der Evolutuion. Ein Schädling. Und unsere Städte sind die Krebsgeschwüre dieser Erde.
Wie hoch wollt ihr noch hinaus, wie lange wollt ihr noch eure Kinder belügen? ("Das Bild haste aber fein gemalt." "Nein, Opa ist im Himmel bei Oma..." "Dir wirds wieder besser gehen, zu besiegts den Krebs.") Machts Spaß?
Ich könnte ewig so fortfahren, kapiert endlich das das Leben sinnlos ist.
@ g0l3m
Subjektiv? Mitnichten! Subjektiv betrachtet geht es mir eigentlich wieder ganz gut, habe Kohlen, Wohnung und Job. Objektiv betrachtet ist dies relativ wertlos. Die Erde würde auch ohne uns sich weiter um die Sonne drehen.
Ich will weder bedauert noch sonstnochwas werden. Ich will einfach nicht mehr. Wie ich oben schon erwähnte, hasse ich es 'ich' zu sein. Ein Mensch, der sich tagtäglich in dieser Gesellschaft behaupten muß. Nur wie ist die Frage und gleichzeitig der Knackpunkt. Dadurch das ich ein Mensch bin und mich zwangsläufig als ein solcher Verhalten soll, bekommt mir nicht. Ich wollte niemals das Licht dieser Welt erblicken, Aufgaben erfüllen und was 'erreichen'. Ich kann mir das Dummschwätzergelaber von wegen wie schön die Welt doch sei ("Wer gibt sich selber überhaupt das Recht "schön" zu definieren?!") nicht mehr länger anhören. Ich will weder in die für mich vorbestimmte Rolle hineinschlüpfen noch irgend eine Funktion erfüllen. Ich will einfach nicht mehr!
Ich betrachte seit ein paar Jahren mein Leben so objektiv wie möglich, aus der Beobachterrolle. Obwohl ich gleichzeitig agiere. Ich bin nicht einmal ein Zahnrad in diesen gigantischen Werk, ich bin 'nichts'. Und nichts gehört zum 'Nichts', man kann auch auf 'nichts' rumtrampeln wie 'nichts', da es ja 'nicht' weh tut.
Wieder würde mir soviel einfallen, was ich niederschreiben könnte. Doch wozu? Verändern kann ich wie schon gesagt 'nichts', meine Beiträge dienen lediglich der Unterhaltung in diesem Forum. Nach wenigen Stunden, Tagen oder Wochen vergessen, wie so vieles auf der Welt. Wertlos. Hat das Leben überhaupt irgend einen Wert? Ich finde nicht. Für mich ist das Leben zu einen realen Albtraum mutiert, in dem ich der Gejagte bin.
P.S.: Hört auf mich nach der Rechtschreibung zu bewerten. Was ich damit meine? Nun, würde ich mich noch stärker 'verhaspeln' würden meine Beiträge nicht annnähernd so ernst gelesen wie jetzt. Ihr bewertet einen Menschen wo es nur geht, hört auf und aktzeptiert ihn als solchen. Auch wenn ihr es sicherlich niemals schaffen werdet.
PuppetMaster
19.06.2002, 02:23
Original erstellt von Das Kriterium
Ich könnte ewig so fortfahren, kapiert endlich das das Leben sinnlos ist.
Einen allgemeinen "Sinn des Lebens" gibt es sicherlich nicht, jeder sieht in seinem Leben einen eigenen Sinn. Deswegen generell von einer "Sinlosigkeit" dessen zu sprechen finde ich töricht. Ich betrachte mein Leben als Geschenk, nicht als Bürde.
Zweck zum Mittel, der Mensch ist geboren um zu sterben.
Falsch, der Mensch ist geboren um zu leben. Um zu interagieren mit seiner Umwelt, sich anzupassen oder auch nicht, um das Gefüge der Welt in Bewegung zu halten. Ob du nun, pessimistisch oder optimistisch, mit deiner Umwelt kommunizierst, du veränderst sie auf deine Weise, du prägst ihr deinen Stempel auf, und dies gewollt sowie ungewollt.
Ich kann mir das Dummschwätzergelaber von wegen wie schön die Welt doch sei ("Wer gibt sich selber überhaupt das Recht "schön" zu definieren?!") nicht mehr länger anhören.
Auch hier gilt: jeder definiert und interpretiert "Schönheit" völlig individuell. Jeder hat das Recht, genaugenommen sogar gar keine andere Wahl, als sich seine Umwelt zu "definieren". Dein Standpunkt ist hier ziemlich Einseitig, denn genausogut könnte man deine pessimistische Weltauffassung in Frage stellen.
Eine Anleitung zum Leben kann dir niemand geben, wenn du nun dein Leben beenden möchtest ist letztendlich allein deine Entscheidung. Es ist nur sehr traurig, wieviel ungenutztes Potential du damit wegwirfst, wobei du nie die Gelegenheit hattest, dies alles zu erforschen, zu erkennen und vor allem zu erleben.
Ich kenne das Gefühl sehr gut und ich will auch nicht viele Worte machen. Nur soviel: Man kommt da nur raus, wenn man wahre Freunde findet und etwas, an das man glauben kann - das muß keine Religion sein. Ich wünsche dir, daß du in naher Zukunft beides findest.