Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Schön war es als Exportweltmeister.
Das immer mehr Firmen in China produzieren lassen, ist ja nichts neues mehr. Alleine wenn ich mal auf die Produktion meiner Computerteile und den Gegenständen am Computertisch ansehe, überall China.
Nun lese ich das: http://www.n-tv.de/Handelsueberschuss_China_schafft_Rekord/100920084807/1021264.html
Wohin soll das eigentlich führen? Wenn immer mehr Firmen die Jobs auslagern, auch in Deutschland woher sollen die Deutschen dann das Geld für Produkte aus China hernehmen? Was alleine in diesem Jahr hier wieder Massen an Menschen durch Auslagerung und Verkauf ins Ausland Ihre Job's verloren haben. Jahr für Jahr werden es mehr. Armes Deutschland.
Es bringt doch auch nichts, zu sagen, ich lasse mein Gehalt mal um 50% kürzen und acker 60% mehr dafür, damit unser Land attraktiv bleibt. Es ist doch nur eine Frage der Zeit, bis auch die Hochkarätigen Job's in's Ausland gehen, z.B. Indien..
GordonGekko
10.09.2008, 08:30
"Schön war es als Exportweltmeister."
Wirklich?
"Kritiker entgegnen dem, die Außenhandelsbilanz dürfe nicht als alleiniger Erfolgsmesser für eine Volkswirtschaft angesehen werden. Das Ungleichgewicht zugunsten der Ausfuhren bedeute nämlich auch, dass Kapital aus Deutschland abfließe und Investoren andere Standorte bevorzugen. Im Rahmen des magischen Vierecks stelle es daher ein Ziel der Wirtschaftspolitik dar, ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht, das heißt eine ungefähr gleiche Höhe von Ein- und Ausfuhren, zu erreichen.
mnisse. In vielen Fällen gibt es sogar Handelsförderungen.
* Ein Mangel an Inlandsnachfrage „erzwingt“ quasi den Export."
Ich find pro Jahr unter 20k Stellen jetzt nicht so dramatisch um gleich in Fatalismus auszubrechen.
"WIESBADEN – Die Unternehmen mit 100 und mehr Beschäftigten haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zwischen 2001 und 2006 im Zuge von Auslandsengagements 188 000 Arbeitsplätze in Deutschland abgebaut. Im Gegenzug wurden verlagerungsbedingt 105 000 neue Stellen am heimischen Standort geschaffen, also rund 56% der durch Verlagerung abgebauten Arbeitsplätze."
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2008/04/PD08__159__429,templateId=renderPrint.psml
desmond.
10.09.2008, 08:32
Das ist nun mal ein Wandel, der schwer aufzuhalten ist, gerade hier in Deutschland.
Nicht durch zu hohe Produktionskosten wird ausgelagert, sondern weil die Alpha-Tiere in den Betrieben immer gieriger werden und gleichzeitig das Geld in der eigenen Tasche kräftig klappern muss.
Das sind die Auswirkungen der Globalisierung, und Deutschland gehört nicht zu den Gewinnern.
Noch scheinen die betriebsbedingten Kündigungen von den Neueinstellungen einigermassen abgefangen zu werden, aber ich habe das Gefühl, die Arbeitslosenstatistik ist nicht ganz korrekt, denn Arbeitslose, die über 2Jahre Arbeit suchen, werden nicht eingerechnet und auch die, die in ABM-Massnahmen/Umschulungen sind, werden auch nicht in der Statistik geführt. So habe ich das Gefühl, das die Zahl der Arbeitlosen steigt, aber es gibt keine Zahlen bzgl. der Langzeitarbeitslosen und die Zahlen bzgl. ABM/Umschulung kenne ich nicht. Bundesweit ist der Durchschnitt bei <10%, oder?
Manche grosse Firmen bauen schon massiv ab. Siemens hat sich von der Telefonie verabschiedet und die Banken bauen auch massiv ab.
serra.avatar
10.09.2008, 09:15
Tja so ist das nunmal: bisher haben die Industrienationen sehr gut gelebt in dem sie Schwellenländer ausgebeutet haben ... jetzt schlagen die zurück indem sie günstiger Produzieren und unser Wirtschaftsbosse ihren gierigen Schlund nicht voll kriegen ...
wer hat den behauptet das das Leben fair sei ? :D :evillol
Das sind die Auswirkungen der Globalisierung, und Deutschland gehört nicht zu den Gewinnern.Mit dieser Meinung dürftest du ziemlich alleinstehen...
Die Ursachen für den Anstieg des chinesischen Zahlungsbilanzüberschusses dürften primär nicht im realwirtschaftlichen Sektor zu suchen sein.
Der größte Anteil haben wohl die (inzwischen nicht mehr so starken) Devisenmarktinterventionen um den Renminbi unterbewertet zu halten und die starken Kapitalverkehrskontrollen für ausländische Währungen (Chinesen dürfen nur sehr limitiert über Devisen verfügen).
Das sind Faktoren, die chinesische Produkte überhaupt erst attraktiv machen. Dann kommt es in Deutschland natürlich so rüber, als ob uns die Arbeitsplätze weggenommen würden.
tochan01
10.09.2008, 09:31
es sollte mal gesagt werden wie viele menschen in dt arbeitssuchend sind. davon zieht man dann die ab die einen neuen job suchen aber auch schon einen haben. gibts ja auch.
diese ganzen Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen usw schönen das ganze nur. mit der nakten warheit rücken die doch nicht raus. die schmücken sich doch mit sinkenden arbeitslosenzahlen.
oder einfach mal sagen wer im monat weniger als diese 700€ hat. dann gilt man als arm. wäre doch auch mal ne aussage. darunter fallen dann arbeitslose, hartz 4ler usw. natürlich muss dann bei familien usw das kindergeld usw nicht mit eingerechnetet werden.
arbeit bekommt man immer, nur ob diese auch richtig bezahlt wird...
Ich seh nun auch nicht alles positiv, aber mal ein Gedankengang:
WER verlagert denn WAS FÜR Arbeitsplätze ins Ausland?
Zu WER:
Wir reden von Firmen mit Sitz in Deutschland. Diese Firmen lassen Teile ihrer Produkte im Ausland fertigen und verkaufen die dann. Wo bleibt da ein Großteil der Gewinne? Richtig: Nicht bei den schlecht bezahlten, wenig qualifizierten Jobs im Ausland, sondern bei den Firmen.
Zu den Arbeitsplätzen:
Wie eben schon angedeutet sind es i. d. R. die weniger qualifizierten, unkritischen Dinge, die im Ausland gefertigt werden. Am Ende ist mir aber ein hochqualifizierter Job hier lieber, als 3 nicht qualifizierte. Denn die sind sicherer und können nicht einfach so verlagert werden. Welches Land hat denn schon nachhaltig von der Verlagerung weniger qualifizierter Arbeitsplätze der Industrieländer profitiert? Die wandern leicht ab, in immer andere Niedriglohnländer. Die Forschung, die Entwicklung, High-Tech, das bleibt eher am Standort haften und unterstützt andauernden wirtschaftlichen Erfolg.
Das mit den hochqualifizierten Stellen, die übrig bleiben sollen ist doch mittlerweile eine Mär.
Das hat vor 10-20Jahren gegolten, aber China ist bei Technologien mittlerweile, nach langem Kopieren, auf dem aktuellen Stand. Aber warum so weit nach China blicken, unsere Konkurrenz sitzt viel näher. Attraktiv ist gerade der ehemalige Ostblock wie Tschechei, Polen, Ungarn... Gut ausgebildet und sehr günstig und man muss nicht um die halbe Welt fliegen, um den Kontakt zu halten. Siehe Nokia, und noch viele weitere.
Das mit den hochqualifizierten Stellen, die übrig bleiben sollen ist doch mittlerweile eine Mär.
Das hat vor 10-20Jahren gegolten, aber China ist bei Technologien mittlerweile, nach langem Kopieren, auf dem aktuellen Stand.
Würde mal gern wissen, was Du als aktuellen Stand bezeichnest. Ich bin gerade in China und kann Dir da mal überhaupt nicht zustimmen! Chinesische Eigentleistungen für große Anlagen, die deutsche Firmen nach China liefern, funktionieren nur selten gut, weil hier weder das technische und ingenieursmäßige Know-How vorhanden ist, um die kleinsten Dinge selbst zu lösen. Ich mache mir da wenig Sorgen, solange wir uns auch weiterentwickeln.
Ich weiß, man hat das nun auch schon zu Genüge gehört, aber für Bildung sollte definitiv mehr ausgegeben werden. Das ist eine konkrete Investition in den Standort
Es ist leider definitiv so, wie ich oben geschrieben habe. Diese Verschiebung, jetzt auch von Ingenieurleistungen Richtung Osten, ist im Gange.
Ich bin mal sehr gespannt, wie in 10Jahren der Automobilbau, des Deutschen Steckenpferd, in Deutschland aussehen wird.
Meine Vermutung ist, das VW/Opel/Ford, der Massenmarkt, massiv Probleme bekommen werden, von Chinesischen/Indischen/Taiwanesischen Produkten, da passiert gerade gewaltig viel.
GordonGekko
10.09.2008, 12:20
Alleine das das Thema von einem münchner key accounts manager mit 30.000 in AMD Aktien eröffnet wurde lässt doch tief blicken was jammern auf hohem Niveau angeht.
Immer diese German Angst wir müssen uns mit Optimismus der Herausfoderung stellen, aber das einzige was wir können ist uns selbst klein zu reden.
http://www.klett-cotta.de/psychologie_buechera.html?&tt_products=1951
"Zum Vergleich: Den 63 000 in der Gesamtwirtschaft durch Verlagerung abgebauten Arbeitsplätzen für höher Qualifizierte standen 59 000 neu geschaffene Arbeitsplätze gegenüber, dies sind 94%. Ähnlich ist diese Relation auch bei den Unternehmen im Hochtechnologiebereich der Industrie. Im Dienstleistungsbereich wurden sogar mehr Arbeitsplätze für höher Qualifizierte in Deutschland durch Verlagerung neu geschaffen als abgebaut. Insbesondere die wissensintensiven Dienstleistungsunternehmen richteten 20% mehr qualifizierte Arbeitsplätze neu ein, als sie ins Ausland verlagerten."
http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Presse/pm/2008/04/PD08__159__429,templateId=renderPrint.psml
tochan01
10.09.2008, 12:59
Das mit den hochqualifizierten Stellen, die übrig bleiben sollen ist doch mittlerweile eine Mär.
Das hat vor 10-20Jahren gegolten, aber China ist bei Technologien mittlerweile, nach langem Kopieren, auf dem aktuellen Stand. Aber warum so weit nach China blicken, unsere Konkurrenz sitzt viel näher. Attraktiv ist gerade der ehemalige Ostblock wie Tschechei, Polen, Ungarn... Gut ausgebildet und sehr günstig und man muss nicht um die halbe Welt fliegen, um den Kontakt zu halten. Siehe Nokia, und noch viele weitere.
naja, das kann auch nach hinten los gehen. bsp fertigung von meinem arbeitgeber: die haben auch immer fleißig ausgelagert und extra neues werk usw gebaut.
stand nach mehreren jahren: ein standort hier in deutschland hat den doppelten output wie das werk in der Tschechei mit der Doppelten mittarbeiterzahl.... das wird in der rechnung keiner mit drin gehabt haben. es gibt irgendwo ne umfrage wo sogar nicht wenige der befragten unternehmen überlegen die produktion nicht einfach zurück zu holen
Die Abwanderung von Firmen, Fachkräften und Kapital ist weitaus geringer als man denken möchte. Viele glauben, der Wohlstand auf unserem Globus sei eine statische Größe, die mit den Jahren zwischen den Kontinenten hin- und herschwappt. Das stimmt aber nicht. In der Vergangenheit war es immer so, dass ein Land sehr weit forgeschritten war und dann andere Länder in diesem Prozess aufgeholt haben. Ein Beispiel dafür ist Europa/USA vor 300 bis 100 Jahren in der Vergangenheit. Ohne ins Detail zu gehen kann man doch getrost sagen, dass die europäischen Nationen nicht verarmt sind, obwohl wir viele Arbeitskräfte und Ressourcen an die USA abgegeben haben. Und genauso sind die Amerikaner vor 60 jahren nicht verarmt, weil sie uns durch den Marshall-Plan auf die Füsse geholfen haben.
Nun läuft das ganze ohne staatliche Eingriffe noch effektiver ab und nennt sich einfach Globalisierung (siehe meine Sig).
Niemand muss hier unter vietnamesischen Arbeitsbedingungen arbeiten, denn eine landesweite Struktur wie unsere Autobahnen oder unser gutes Rechtssystem sind auch Gold wert.
Es wird keine große Verschiebung von wichtigten Arbeitsplätzen geben, nur eine Aufholjagd. Sobald die Lohnkosten in Asien an das Niveau von Europa und den USA angepasst sind, fehlt eigentlich nur noch Afrika - wie immer.
Adam_Smith
10.09.2008, 17:03
Ich erinnere daran, dass vor wenigen Jahren jeder mit dem warnenden Finger in Richtung Polen zeigte. Alle befürchteten, dass die Länder, die ehemals Teil der Soviet Union waren, uns unsere Jobs klauen.
Was ist passiert? In den meisten Ländern des ehemaligen Ostblocks hat der Lebensstandart dermaßen angezogen, dass es heute kaum noch rentabel ist in diesen Ländern zu produzieren.
Selbiges wird über kurz oder lang auch in China passieren. Die Lohnsteigerungen in China übertreffen die unseren um längen. Irgendwann wir es sich nicht mehr rechnen die Güter tausende von Kilometern zu transportieren und es wird wieder interessanter sie direkt am "Konsumort" zu produzieren. Dann wird vielleicht Afrika als neue Billiglohn Region identifiziert und auch dort werden die Löhne anziehen, ...
Wir sollten derweil nur darauf achten mit Lohnforderungen etwas gemäßigt umzugehen und nicht gleich in Panik zu verfallen wenn die Reallöhne mal um einen geringen Prozentsatz sinken. Es geht selbst unseren Harz IV Empfängern noch immer um ein vielfaches besser als den meisten Chinesen.
Und ein hoher Automatisierungsgrad hilft sicher auch weiter die Produktion im eigenen Land zu halten. Also nicht gleich heulen wenn ein Unternehmen ein paar Prozent seines Personals entlassen muss, da neue Produktionsverfahren mit weniger Personaleinsatz auskommen.
Die Arbeitslosigkeit sinkt und wird, aufgrund der demographischen Entwicklung, noch weiter sinken.
Frage an den Threadersteller:
Was soll daran so sexy sein, mehr zu exportieren als zu importieren? Wenn man es genau betrachtet, arbeitet man in Deutschland an Produkten, die später im Ausland statt in Deutschland genutzt werden. Manche würden das als eine moderne Form der Sklaverei bezeichnen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Export
http://de.wikipedia.org/wiki/Handelsbilanz
http://de.wikipedia.org/wiki/Leistungsbilanz
Wer würde benachteiligt werden oder davon profitieren, wenn die Exporte gegenüber den Importen zunehmen oder abnehmen? Sollte man solche Fragen in diesem Zusammenhang nicht auch beleuchten, um dem Thema gerecht zu werden?
Adam_Smith
10.09.2008, 17:35
Naja die Exportbilanz ist ja auch ein Indikator für die Wertsöpfung die hier im eigenen Land statt findet.
Sieht man unser Land mal als ein Unternehmen an so wird es offensichtlich:
Ein Unternehmen sollte stehts bemüht sein, dass der Wert der Waren die das Unternehmen verlassen größer ist als der Wert der Waren die ins Unternehmen eingeführt werden (inklusive des Anteils menschlicher Arbeit welche ich hier jetzt zu den Waren zähle).
Eine positive Außenhandelsbilanz ist also durchaus ein Indikator für eine funktionierende Wirtschaft, allerdings sicher nicht der einzige.
@keshkau
Wie Adam_Smith schon richtig sagte, zählt der Wert der Güter die ein-/ und verkauft werden. Noch sind wir in der Leistungsbilanz blau. Die Handelsbilanz offeriert leider nicht ganz, ob die exportieren Güter eine gute Nachhaltigkeit gegenüber den importierten Gütern bietet. Deutschland stemmt sich ganz massiv auf die Fahrzeugindustrie. Wird die dann noch weiter ausgegliedert (BMW macht es vor) siehts ganz schlecht aus. Denn da hängen auch zig zulieferer dran.
Als Indikator für die Leistungsfähigkeit bzw. Wertschöpfung ist der Exportüberschuss ja ganz nett. Aber die Deutschen haben nichts von ihrer Leistung, die sie herstellen, wenn die Güter anschließend exportiert werden.
Nun kann man die Sache noch etwas differenzierter betrachten. Die in Deutschland hergestellten Güter (z. B. Werkzeugmaschinen) gehen ins Ausland. Das Ausland zahlt dafür Geld. Das ergibt ein Plus in der Handelsbilanz. Dann nehmen die Deutschen dieses Geld in die Hand und bezahlen davon ihre Urlaubshotels im Ausland. Die Dienstleistung "Urlaub" wird importiert und das Geld fließt wieder ab. Für die Dienstleistungsbilanz ergibt das ein Minus.
Hätten die Deutschen nicht mehr davon, wenn sie Güter herstellten, die auch im Inland abgesetzt werden könnten und wenn man die Erlöse, die dafür erzielt werden ebenfalls im Inland ausgäbe (z. B. Urlaub in Deutschland machen)?
Wenn man überlegt, wie viele Arbeitsplätze das bringen könnte, so ist die derzeitige Praxis mit den Exportüberschüssen doch eher kontraproduktiv, auch wenn man weder auf Importe noch auf Exporte ganz verzichten kann (oder sollte).
Mich stört nur, dass relativ unreflektiert darüber geredet wird, der hohe Exportüberschuss sei ein Segen. Das muss nicht so sein.
Wieso muss das nicht so sein? Ein Beispiel von einem Staat mit Importüberschuss wäre nett. Ich weiß davon, dass das bei den USA der Fall ist, aber die haben Probleme, ihren Haushalt in den Griff zu kriegen.
Das US-Handelsbilanzdefizit hat eine lange Tradition. Es steigt mal auf Rekordniveau, dann schwächt es sich mal wieder ab. Die Meldungen dazu sind meist relativ kurz gehalten. Ansatzweise wird davon geschrieben, dass Europa davon profitieren kann oder dass sich der Dollarkurs verändern könnte.
Ich habe allerdings nicht den Eindruck, dass die Mehrheit der Schreiberlinge tatsächlich die mittel- und langfristigen Auswirkungen beurteilen kann, die sich daraus für die USA, für Europa oder für die Weltwirtschaft ergeben.
Das ist mein mein Kritikpunkt in diesem Thread. Da verändert sich ein Wert und man neigt schnell dazu, ihn negativ oder positiv zu beurteilen. Aber die Zusammenhänge sind vielschichtiger, was allerdings kein Grund ist, sie unter den Tisch fallen zu lassen.
Es ist jedenfalls nicht gesund, wenn man dauerhaft große Überschüsse oder Defizite erzielt, die nicht durch andere Komponenten ausgeglichen werden können. Das ist so ähnlich wie mit der Staatsverschuldung.
Adam_Smith
10.09.2008, 18:59
Das mit den Jobs im Urlaubssektor wäre eine Milchmädchen Rechnung:
Wenn nämlich die Jobs im Export wegfallen dienen die Jobs im Bereich der Dienstleistungen (Hotels etc.) vielleicht einfach nur zur Kompensation.
Länder mit negativer Außenhandelsbilanz werden wohl kaum auf einen grünen Zweig kommen. Sieht man das Land als Unternehmen, wird es schnell offensichtlich. Ein Unternehmen mit einer negativen Bilanz kann nur von den eigenen Ersparnissen leben. Sind die irgendwann weg, droht der Insolvenzverwalter.
Wichtiger als die Höhe der positiven Bilanz ist aber eben die Nachhaltigkeit. Es bringt nichts dies Jahr +10% wenn man nicht gleichzeitig absichert, dass man in nächsten Jahren nicht unter 0% kommt.
/edit:
@keshkau:
Wenn ich nachhaltig sicherstellen kann ständig große Überschüsse zu erwirtschaften, wieso sollte dies schlecht sein?
Ein Unternehmen welches es schafft jedes Jahr eine positive Bilanz von 10% zu haben und absichert, dass dies auch weiterhin so bleibt, ist wohl kaum als schlecht zu bewerten.
Ein Unternehmen welches es schafft jedes Jahr eine positive Bilanz von 10% zu haben und absichert, dass dies auch weiterhin so bleibt, ist wohl kaum als schlecht zu bewerten.
Milchmädchen-Rechnung hin oder her. Eine Bilanz (ital. bilancia, Waage) ist per Definition immer ausgeglichen: Der "erwirtschaftete Wohlstand" (gemeint sind die Güter) fließt beim Export ins Ausland, dafür steigen die Forderungen gegenüber dem Ausland bzw. das Geld (Verkaufsentgelt) fließt ins Inland.
http://de.wikipedia.org/wiki/Bilanz
Würde man dieses Geld eines Tages wieder im Ausland ausgeben, dann würde sich das Verhältnis umdrehen (Importüberschuss). Aber das passiert ja gerade nicht, wenn man jedes Jahr einen Exportüberschuss erzielt.
Deshalb meinte ich, dass man für das Ausland schuftet. Möchte ich darin unbedingt Weltmeister sein? Also ich weiß nicht.
Ich glaube, da müssen wir wohl eine Ecke differenzierter denken. Sehr viele Länder in Afrika exportieren ihre Rohstoffe unveredelt in andere Länder, die daran eine Wertschöpfung betreiben. Typisches Beispiel ist der Import Eisenerz nach Deutschland und der Export einer Drehbank aus dem Material in das gleiche Land zurück.
Soweit ich weiß ist ein Exportüberschuss immer eine gute Möglichkeit, Wohlstand in das Land zu bringen.
Dem Ausland zunächst einen Teil der Güter zu überlassen, lohnt sich nur, wenn in Zukunft (mehr) Güter zurückfließen, wenn also später Importüberschüsse entstehen. Ein Land, das auf Dauer mehr exportiert als importiert, verschenkt einen Teil der produzierten Güter.
Zu relativieren ist auch die Vorstellung, Exportüberschüsse seien ein zuverlässiger Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des Inlandes als Standort für die Produktion international handelbarer Güter und Dienstleistungen. Das Gegenteil kann der Fall sein. Exportüberschüsse werden nämlich auch und gerade dann erzielt, wenn die Investoren den Standort Deutschland meiden
http://www.uni-koeln.de/wiso-fak/eekhoff/pub/HB3_12.pdf
Ein gewisser Exportüberschuss an Waren ist für Deutschland mehr als gesund. Wir brauchen doch die ausländischen Devisen um unsere Rohstoffimporte (ja genau, wie haben ja so wenig davon, außer unseren Grips) zu bezahlen.
Außerdem (und das ist nicht zu unterschätzen) reist der Deutsche an sich gern und trägst somit auch das Geld, dass für Deutsche Waren ins Land gekommen ist, wieder ins Ausland zurück. Und das ist auch eine Art 'Wohlstand'. Betrachtet also bitte auch, wie viel Geld für ausländische Dienstleistungen wieder ausgegeben wird. Isoliert die Handelsbilanz zu betrachten hilft da nicht weiter.
Für die Importe allein braucht man keinen Exportüberschuss. Dafür würde es theoretisch genügen, wenn sich Importe und Exporte die Waage hielten (ausgeglichene Handelsbilanz). Der Aspekt der Dienstleistungsbilanz (Reisen ins Ausland) wurde bereits angesprochen.
Interessant ist schließlich die gesamte Leistungsbilanz (verlinkt in Beitrag Nr. 16).
Ein gewisser Exportüberschuss an Waren ist für Deutschland mehr als gesund. Wir brauchen doch die ausländischen Devisen um unsere Rohstoffimporte (ja genau, wie haben ja so wenig davon, außer unseren Grips) zu bezahlen.
Haben wir einen Überschuss sind die Importe schon bezahlt und wir haben immer noch was über.
Ja, wir haben genau das über, was wir unter anderem dafür brauchen um die Dienstleistungsimporte zu bezahlen. Aber da hat keshkau ja schon einiges dazu gesagt...
Länder mit negativer Außenhandelsbilanz werden wohl kaum auf einen grünen Zweig kommen. Sieht man das Land als Unternehmen, wird es schnell offensichtlich. Ein Unternehmen mit einer negativen Bilanz kann nur von den eigenen Ersparnissen leben. Sind die irgendwann weg, droht der Insolvenzverwalter.
Nach ihrer Logik müsste jedes Land das Ziel haben eine Exportüberschuss zu erwirtschaften. Nur wird das nicht gehen, da die Summe aller Importe und Exporte zwangsläufig Null sein muss. Darum kann man das Ganze nicht wie ein Unternehmen sehen. Denn ein Unternehmen kann zum Beispiel nicht seine Währung abwerten.