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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Sanktionen für nicht integrationswillige Zuwanderer geplant?


[focusbiker]
21.04.2004, 19:55
N´Abend!

Das habe ich eben gefunden!

Zuwanderung: Arbeitsgruppe schlägt Sanktionen vor

Ausländern, die nicht ausreichend Deutsch sprechen, drohen künftig drastische Sanktionen. Das sehen bisher vertrauliche Kompromissvorschläge der Zuwanderungsarbeitsgruppe des Vermittlungsausschusses vor, die der Frankfurter Rundschau vorliegen.



Nach den Plänen sollen die Ausländerbehörden künftig "besonders integrationsbedürftige Ausländer" und Migranten, die sich nicht auf einfache Art in deutscher Sprache mündlich verständigen können, zur Teilnahme an Integrationskursen verpflichten. Wenn sie gegen diese gesetzliche Verpflichtung verstoßen, können auch bereits seit Jahren in Deutschland lebende Migranten ihre Aufenthaltserlaubnis verlieren. Außerdem droht eine Kürzung der Arbeitslosen- und Sozialhilfe. Darüberhinaus sollen Ausländer künftig deutlich stärker zu den Kosten der Integrationskurse herangezogen werden als bisher geplant.

Diese Vorschläge gehen aus einem bisher vertraulichen Papier hervor, in dem das Bundesinnenministerium die Ergebnisse der Unterarbeitsgruppe Zuwanderung des Vermittlungsausschusses zusammenfasst. Die Kompromissvorschläge des siebenköpfigen Verhandlungsgremiums liegen bisher unter Verschluss.


Hier der Originallink! (http://www.frankfurter-rundschau.de/fr_home/startseite/?sid=bb58addf926e55a0f78d291fe342d1e8&cnt=424790)

Was haltet ihr von der Sache?


PS: Denke mal, dass das eine sehr angeregte bzw. hitzige Diskussion wird! ;) :D

-Tob-
21.04.2004, 20:15
Also ich finde das eine sehr gute Idee. Ich habe nichts gegen Ausländer aber ich muss sagen mich stört es doch manchmal wenn Ausländer die hier schon sehr lange Leben, kein richtiges Deutsch können. Ich fände es wichtig das diese Leute deutsch lernen müssen. Wenn man hier lebt solte man auch Deutsch können.

Um so länger ich darüber nach denke, um so besser finde ich das. :)


gruss Tob

niz
21.04.2004, 20:22
Nur wer auch die deutschsprachigen Papiere für die Einreise nach Deutschland
ohne fremde Hilfe versteht und selbständig korrekt ausfüllen kann, sollte auch
die Chance haben einzureisen.

Ganz danach, wie der kleine Tiger zum Bären sagte: "Oh wie schön ist Canada."
... oder war das Panama?! ;)

Tod
21.04.2004, 20:39
Ich finde die Idee im Prinzip richtig. Es kommt am ende aber wieder auf die konkrete Ausgestaltung des Gesetzes an.
Unter mir wohnt bspw. ein Türke, der iÜ sehr nett ist, aber der auch nach 30 jahren D so gut wie kein Deutsch kann.
Nun, Deutsch ist eine schwere Sprache, aber nach 30 jahren fasse ich das als simple Verweigerung auf.

Integration funktioniert zuerst über die Sprache. Eine gemeinsame Sprache ist die Grundvoraussetzung, damit man sich untereinander verständigen kann und auch versteht.

Diese Mindestvoraussetzung müssen Ausländer erfüllen, sonst bildet sich von Anfang eine Kluft; und wenn sie dann auch noch Kinder kriegen und diese ob der frühen sprachlichen Barriere der Eltern selbst kein richtiges Deutsch lernen, ist es umso dringender, daß diesen Menschen begreiflich gemacht wird, daß sie sich nicht ausgrenzen dürfen.

Der Daedalus
21.04.2004, 20:43
Meinem Vater ist letztens einer hinten drauf gefahren. Ein Russlanddeutscher ...
Ist ja nicht weiter schlimm, passiert ja mal. Nur das dumme ist, das der fast kein Deutsch kann und somit die Kommunikation mit der Versicherung alles andere als einfach ist. Jeder Brief der von dessen Versicherung an ihn geschickt wird landet wohl im Müll (kann er ja eh nicht lesen) und somit zieht sich das ganze jetzt schon seit Monaten hin ...

Nur ein Beispiel, wo sich ein Mangel an Integration negativ auf andere auswirken kann.

Ich hab nichts gegen Ausländer im allgemeinen, aber ich finde es schlimm, wenn Leute hier Einwandern aber nicht bereit sind unsere Sprache zu lernen.

Wie kann es z.B. sein, dass theoretische Führerscheinprüfungen auch auf Russisch, Türkisch etc. abgehalten werden?
Ich denke, wer einen Deutschen Führerschein bekommt, der sollte auch Deutsch so weit können, dass er z.B. die STVO lesen kann.

Natürlich sollte das mit der Integration nicht so weit gehen, dass den Einwanderern etwas von ihrer Kultur, etc. genommen wird (Beispiel ist hier die Kopftuchfrage: Ich bin dafür, dass die Frau das Kopftuch tragen darf) aber sie sollte doch so weit gehen, dass eine problemlose Kommunikation in der Sprache des Landes möglich ist. Außerdem finde ich, dass Leute die dauerhaft in Deutschland leben wollen auch über unsere Kultur etc. bescheid wissen sollten. Allein schon um da Konflikten vor zu beugen. Denn das verstehen der Kultur eines Landes kann vielen Missverständnissen vorbeugen.

Tod
21.04.2004, 21:07
Wie kann es z.B. sein, dass theoretische Führerscheinprüfungen auch auf Russisch, Türkisch etc. abgehalten werden?
Ich denke, wer einen Deutschen Führerschein bekommt, der sollte auch Deutsch so weit können, dass er z.B. die STVO lesen kann.



Das halte ich für einen ganz entscheidenden Punkt. Das gilt auch in allen anderen Bereichen. Ausländer müssen sich selbst schützen, indem sie die Sprache lernen, um auch die Regeln und Bräuche des Landes zu verstehen und zu respektieren, in dem sie leben wollen. Nur über Sprache ist eine Anpassung an die geltenden Werte erreichbar.

Morgoth
21.04.2004, 21:08
Meine ganz persönliche Meinung:

wenn wir uns mehr anstrengen würden, die Ghetto-Bildung zu vermeiden, gäbe es mehr Integration.

Leider bilden sich ständig Ghettos bestehend aus einzelnen Volksgruppen. Einmal, weil sie dann unter ihresgleichen sind, aber auch weil wir alle immer über einen Kamm scheren: "die Türken, die Neger, die Russen und die Polen" (der ForenPole ;) möge mir verzeihen).
Würden wir auf sie zugehen und sagen: "Hey, schön dass Du da bist, komm, lass uns einen saufen gehen!", wäre das Integrationsproblem gelöst. Sie könnten sehr schnell Deutsch (wenn auch genuschelt, wenn sie mit mir unterwegs wären :D ).

Ich finde es auch nicht in Ordnung, Prüfungen o. ä. anderen Sprachen anzupassen, aber wenn wir, als kommunikative, soziale Gesellschaft, uns mehr anstrengen würden, wär es nicht nötig. Leider tun wir das nicht.

Geht auf sie zu, es sind nicht eure Feinde. Auch diese "prolligen Türken" in auf einen längeren Zeitraum hin gekauften Hosen (sprich: viel zu weit, man wächst noch rein) sind es nicht, sie wissen bloß nicht, sie kopieren in der Öffenlichkeit nur ihre Umgebung, und die ist ihnen feindselig gesinnt. Zuhause sind die ganz anders.

Seid doch einfach nett zu Ihnen und sie werden unsere Sprache sehr schnell lernen.

Gruß
Morgoth

Tod
21.04.2004, 21:19
Meine ganz persönliche Meinung:

wenn wir uns mehr anstrengen würden, die Ghetto-Bildung zu vermeiden, gäbe es mehr Integration.

Leider bilden sich ständig Ghettos bestehend aus einzelnen Volksgruppen. Einmal, weil sie dann unter ihresgleichen sind, aber auch weil wir alle immer über einen Kamm scheren: "die Türken, die Neger, die Russen und die Polen" (der ForenPole ;) möge mir verzeihen).
Würden wir auf sie zugehen und sagen: "Hey, schön dass Du da bist, komm, lass uns einen saufen gehen!", wäre das Integrationsproblem gelöst. Sie könnten sehr schnell Deutsch (wenn auch genuschelt, wenn sie mit mir unterwegs wären :D ).


Morgoth

Ich denke, da bedingen sich zwei Probleme gegenseitig. Je nach Gruppe oder Problem werden Menschen, die die Sprach (noch) nicht kennen sich ihresgleichen zur Kommunikation suchen. Aber dann muß eben auch der wille da sein, die Sprache zu lernen und nicht in den Ghettos bleiben zu wollen. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan.

Morgoth
21.04.2004, 21:56
Jepp, der Wille fehlt leider meistens.

Denn: "die Ausländer nehmen uns unsere Arbeitsplätze weg", "die Ausländer verkehren nur mit ihresgleichen", "die Ausländer riechen ganz ander wie wir".

Was nen Sch...rott.

Wenn ich mal alles überschlage: ich habe mehr ausländische Freunde (diejenigen, die ich kenne, sind nämlich meist ehrlicher als wir Deutschen) als Deutsche - von denen eigentlich nur einen einzigen, gegenüber 3 Ausländern (ein Libanese, ein Ägypter, ein Vietnamese). Bei denen weiß ich aber, woran ich bin. Und alle (den Vietnamesen ausgeschlossen, der konnts schon vorher), konnten kaum Deutsch, inzwischen kann ich sie verstehen (oder kann ich plötzlich arabisch?).

Gruß
Morgoth

Tod
21.04.2004, 22:01
Nun, Vorurteile gibt es in beide Richtungen. Ich habe auch türkische Freunde, die ihre eigenen Landsleute eher weniger leiden können (ein Euphemismus).

Und die, die ich kenne, können lupenreines Deutsch. Und siehe da! Sprache = Faktor Nr. 1, Umfeld = Faktor Nr. 2

-Tob-
21.04.2004, 23:02
Würden wir auf sie zugehen und sagen: "Hey, schön dass Du da bist, komm, lass uns einen saufen gehen!", wäre das Integrationsproblem gelöst. Sie könnten sehr schnell Deutsch (wenn auch genuschelt, wenn sie mit mir unterwegs wären :D ).

Also dazu muss ich erst mal sag du hast recht. Sicherlich würden sie dann auch schneller Deutsch lernen. Was ich aber finde ist gerade das SIE sich integrieren sollten. Also das ich nicht erst hin gehe und ihnen die Deutsche sprache und vieleicht auch ein paar Deutsche sitten etc . erklären muss.
Das es für sie schwer ist sich den Deutsch ein bisschen anzupassen, weil sie halt (wie du eben gesagt hast) mehr unter ihren Landsleute sind, ist zu verstehen. Aber gerade dann würde ich mich über ein bisschen Interesse von ihrer seite aus freuen die Deutsch sprache zu lernen oder auch mit Deutschen etwas zu tun haben zu wollen. Und das geht finde ich nur über eine gewisse vorkenntnis. Oder besser, es geht viel leichter mit vorkenntnis der Sprach und so.
An sonst hast du recht wir machen auch zu wenig mit Ausländern! Man steckt alle in einen Kiste.




Ich denke, da bedingen sich zwei Probleme gegenseitig. Je nach Gruppe oder Problem werden Menschen, die die Sprach (noch) nicht kennen sich ihresgleichen zur Kommunikation suchen. Aber dann muß eben auch der wille da sein, die Sprache zu lernen und nicht in den Ghettos bleiben zu wollen. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan.

Genau so sehe ich das auch.
Ich habe es oben halt auch noch mal ein bisschen anders beschrieben.


gruss Tob

Morgoth
21.04.2004, 23:21
Was ich aber finde ist gerade das SIE sich integrieren sollten.

Das ist zu einfach. "Die anderen müssen doch...". Das funktioniert so nicht.

Stell Dir vor, Du beschließt, in ein anderes Land auszuwandern. Du kannst die Sprache nicht, kennst die Leute nicht, Du bist bloß froh, dass Du dort Arbeit bekommst und besser und freier leben kannst als in Deinem Heimatland.

Ich bin mir sicher, auch Du hast dann Angst davor, auf die Dir völlig fremden Menschen zuzugehen und zu sagen: "Hallo, ich bin neu hier. Zeigt mir, was es zu entdecken gibt, ich will so viel wie möglich lernen."
Stattdessen wirst Du Dir ehemalige Mitbürger, also gleiche Kultur/Sprache, suchen und mit denen verkehren (iiih, wie sich das anhört), denn vor denen hast Du keine Angst.
Woher kommt die Angst?
Wenn ich hier bei mir in dieser Kleinstadt auf die Straße gehe und uns Deutsche sehe, dann sehe ich in den seltensten Fällen glückliche Gesichter. Misstrauen, wohin man schaut. Und wenn ich dann mein manisches Dauergrinsen aufsetze, wirds noch schlimmer.
Wer soll da keine Angst bekommen?

Aber natürlich sollten auch wir Deutsche offener auftreten. Drauf zugehen ist die Lösung. Verhindert sicherlich auch einige Kriege.

Witze über andere Volksgruppen sind in Ordnung, das ist Abgrenzung genug, aber danach sollte man sich nen Türken/Russen/Polen schnappen und auf nen lecker Bier einladen (oder eben Raki/Vodka/Nationalgetränk der Polen), das ist dann Völkerverständigung über alle Sprachbarrieren hinweg (*lall*).

Gruß
Morgoth

-Tob-
21.04.2004, 23:27
Ganz kurz.
Du hast recht es ist schwer für sie sich zu integrieren aber wenn ich in ein anderes Land auswanderen würde, wegen der Arbeit dort oder was auch immer. Ich würde mich sofort bemühen die Sprache zu lernen zumindest ein bisschen. Und ich glaube ich würde sogar versuchen bevor ich dort hin gehe die Sprache zu lernen, spätestens dort. :) Du nicht auch? Und dann fällt es auch leiter jemanden an zu sprechen.


gruss Tob

Tod
21.04.2004, 23:29
Ich sehe das so: ich fordere ein hohes Maß an Grund-Engagement seitens der Einwanderer. Ich geh da immer von mir aus. Wenn ich in einem fremden Land unterwegs bin, versuch ich erst mal das Nötigste der Sprache zu raffen und mir vor allem jede Mühe zu geben, daß man mich versteht und daß ich nicht negativ auffalle. Genau das verlange ich von den hier lebenden und lebenswilligen Ausländern und Einwanderern auch. Wenn dieser Wille vorhanden ist, hab ich gar keine Problem. Natürlich muß man diesen Willen auch unterstützen, indem man zunächst mal freundlich und ohne Vorurteile an die Sache rangeht.
Leider wird man bisweilen ziemlich enttäuscht...

TURRICAN
22.04.2004, 13:27
Stell Dir vor, Du beschließt, in ein anderes Land auszuwandern. Du kannst die Sprache nicht, kennst die Leute nicht, Du bist bloß froh, dass Du dort Arbeit bekommst und besser und freier leben kannst als in Deinem Heimatland. Wenn du Auswandern willst dann ist die Grundvorraussetzung das du irgentwo Einwandern darfst die Beherrschung der dort verwendeten Sprache.Ich kenne kein Land wo es so ist wie hier.Wo man 30 Jahre leben kann ohne die Landessprache können zu müssen.Die guten Sachen von Deutschland (Sozialleistungen,besser bezahlte Arbeit) wollen sie doch auch haben.Da ist es ja wohl nicht zuviel verlangt wenn sie auch die Sprache lernen.

Tiu
22.04.2004, 13:48
Nur wer auch die deutschsprachigen Papiere für die Einreise nach Deutschland
ohne fremde Hilfe versteht und selbständig korrekt ausfüllen kann, sollte auch
die Chance haben einzureisen.


Ähm, wieviele Deutsche sind in der Lage bei Behörden Formulare auszufüllen ohne Hilfe von Leuten die "möglichst" Rechtswissenschaften o.ä. studiert haben?

Wintermute
22.04.2004, 14:20
Ich bin mir sicher, auch Du hast dann Angst davor, auf die Dir völlig fremden Menschen zuzugehen und zu sagen: "Hallo, ich bin neu hier. Zeigt mir, was es zu entdecken gibt, ich will so viel wie möglich lernen."
Stattdessen wirst Du Dir ehemalige Mitbürger, also gleiche Kultur/Sprache, suchen und mit denen verkehren (iiih, wie sich das anhört), denn vor denen hast Du keine Angst.
Woher kommt die Angst?
Wenn ich hier bei mir in dieser Kleinstadt auf die Straße gehe und uns Deutsche sehe, dann sehe ich in den seltensten Fällen glückliche Gesichter. Misstrauen, wohin man schaut. Und wenn ich dann mein manisches Dauergrinsen aufsetze, wirds noch schlimmer.
Wer soll da keine Angst bekommen?
Gruß
Morgoth

*keuch* Wie wahr! :)
Die Deutschen sind ein sehr eigenbrödlerisches und überkritisches Völkchen. Das variiert ein wenig je nach Landstrich, aber im großen und ganzen passt diese Definition sehr gut. Ich hab´ auch meine Probleme gehabt als ich hier in den Schwarzwald gezogen bin. Die Schwaben sind ja aufs Thema Verschlossen sein/grimmig dahergucken echte Experten. Obwohl ich der deutschen Sprache mächtig bin (hoffe ich zumindest ;) ) habe ich wirklich Probleme gehabt mit der Ablehnung gegenüber "Auswärtigen" fertig zu werden.
Überall muß man sich erst beweisen und zeigen das man "Es Wert ist". Was soll das? Meckern kann man noch hinterher und sollte erstmal offen und freundlich auf die Leute zugehen. Denn wie es in den Wald hineinruft so schallt es wieder heraus. Wenn sich jemand herabgesetzt oder minderwertig behandelt fühlt kann das schnell in Agression und Ablehnung umschlagen.
Das nur halbe lernen der jeweiligen Sprache ist manchmal auch eine Art Trotzreaktion, eine Abgrenzung gegen diejenigen die einen ignorieren oder Mißtrauisch und Voreingenommen behandeln.

100 Punkte für Morgoth, kann ihm leider nur nicht schon wieder Karma geben. Das System unterwirft mich seinen Regeln (spread some reputation around ... ;) :D

[focusbiker]
22.04.2004, 14:23
Wenn du Auswandern willst dann ist die Grundvorraussetzung das du irgentwo Einwandern darfst die Beherrschung der dort verwendeten Sprache.Ich kenne kein Land wo es so ist wie hier.Wo man 30 Jahre leben kann ohne die Landessprache können zu müssen.Die guten Sachen von Deutschland (Sozialleistungen,besser bezahlte Arbeit) wollen sie doch auch haben.Da ist es ja wohl nicht zuviel verlangt wenn sie auch die Sprache lernen.

Das ist jawohl so nicht ganz richtig! Auch bei uns ist zu beobachten, dass sich "ghettoartige" Zustände entwickeln, quasi kleine Gesellschaften in der Gesellschaft, dort Leben dann viele Leute gleicher Herkunft auf einen Haufen,sowas gibt es in anderen Ländern auch, da mußte nur mal über den großen Teich schauen ---> China Town, Little Italy usw., diese Stadtteile haben ihren Namen nicht umsonst.
In meiner Heimatstadt gibt es ähnliche Entwicklungen, meist mit Russland-Deutschen, diese Gebiet heißen dann "am Roten Platz"!
Andere Europäische Länder haben ähnliche Probleme, in Spanien sind es Marrokaner, in Frankreich Algerier und in Italien Albaner, da brauchen wir uns nix vormachen, Deutschland ist längst nicht mehr Einwanderungsland Nummer eins, viele Staaten haben mit ähnlichen Problemen wie wir zu kämpfen.

Gerade diese Art Ghettobildung ist aber, finde ich, das größte Problem. Hier stoßen Migranten auf Einheimische, mit denen sie sich in ihrer Muttersprache verständigen können, somit besteht kein Grund, die deutsche Sprache vollständig zu erlernen. Womit wir wieder beim Topic wären.

Wie soll eine Integration stattfinden, wenn es von vornherein eine Abgrenzung gibt? Wie soll man dem entgegen wirken? Das ist meiner Meinung nach nicht mit Zwangskursen für Deutsch getan. Was sollen diese Kurse bringen, wenn Migranten sich verständlicherweise hinterher doch lieber mit ihren Landsleuten kommunizieren? Sollen die Einwanderer dann alle Jahre auf ihre Sprachkenntnisse hin geprüft werden? Das ist wohl schwer umzusetzen und würde nicht funktionieren.

Meiner Meinung nach liegt das eigentliche Problem ganz woanders und zwar in der Abschottung beider Seiten, Vorurteile tragen ihr übriges dazu bei. Viele Deutsche denken, die wollen doch gar nichts mit uns zutun haben, die Einwanderer sehen das ähnlich. So kommt es dann auch, dass sich die bereits oben erwähnten ghettoartigen Zustände herauskristallisieren, es gibt eigene Discos, wo die Migranten sich treffen, stellenweise schon eigene Einkaufsläden und so kommt es, dass wir uns gegenseitig überhaupt gar nicht annähern können. So kann keine Integration stattfinden.

Ich selbst hab schon des öfteren die Erfahrung gemacht, dass, wenn man sich erstmal kennengelernt hat, die Unterschiede überhaupt nicht ins Gewicht fallen, die Nationalität spielt dann keine Rolle mehr, es ist ja nun schließlich so, dass man mit dem Menschen auskommen muss, dann ist mir das auch egal, ob das ein Pole, Russe oder Türke ist. Das Problem ist bloß das Kennenlernen an sich.

TURRICAN
23.04.2004, 21:00
Das ist jawohl so nicht ganz richtig! Auch bei uns ist zu beobachten, dass sich "ghettoartige" Zustände entwickeln, quasi kleine Gesellschaften in der Gesellschaft, dort Leben dann viele Leute gleicher Herkunft auf einen Haufen,sowas gibt es in anderen Ländern auch, da mußte nur mal über den großen Teich schauen ---> China Town, Little Italy usw., diese Stadtteile haben ihren Namen nicht umsonst. Hab ich das abgestritten?.Der Unterschied ist das auch die Leute in China-Town usw. englisch können.Ich war vor 2 Jahren unter anderem in San Francisco in China-Town.Wer das mit einem ghettoartigen Zuständen vergleicht der war noch nicht da.
Ich selbst hab schon des öfteren die Erfahrung gemacht, dass, wenn man sich erstmal kennengelernt hat, die Unterschiede überhaupt nicht ins Gewicht fallen, die Nationalität spielt dann keine Rolle mehr, es ist ja nun schließlich so, dass man mit dem Menschen auskommen muss, dann ist mir das auch egal, ob das ein Pole, Russe oder Türke ist. Das Problem ist bloß das Kennenlernen an sich. Das Problem des Kennenlernens beruht auch darauf das ich mich mit den Leuten nur mit sehr viel Mühe verständigen kann.Überspitzt gesagt warum soll ich mir die Mühe geben?Wenn ich irgentwo hin Auswandern will würde ich die Sprache lernen die dort üblich ist.Grade weil ich mich mit den Leuten verständigen möchte.Und wenn das jemand der hier nach Deutschland einwandert nicht macht dann möchte er meiner Meinung nach keinen Kontakt zu Deutschen haben.

Morgoth
23.04.2004, 21:39
Ich war vor 2 Jahren unter anderem in San Francisco in China-Town.Wer das mit einem ghettoartigen Zuständen vergleicht der war noch nicht da.

Um meine Interpretation des Wortes "Ghetto" zu erläutern:
mit "Ghetto" meine ich den freiwillige Konzentration von einzelnen Volksgruppen in einem Stadtteil/bezirk. Dabei können ruhig Angehörige anderer Völker dort wohnen, aber der prozentuale Anteil einer einzigen Nationalität ist dort sehr hoch im Vergleich zu anderen Teilen/Bezirken.

Möglicherweise ist mein Eindruck falsch, aber ich habe das Gefühl, Du hast meine Definition von "Ghetto" mit der des 3. Reiches verwechselt. Wenn dem nicht so ist, entschuldige ich mich natürlich dafür.

Gruß
Morgoth

phil.
23.04.2004, 23:22
Ein großes Problem ist die unterschiedliche Auffassung beider Parteien.

Auf der eine Seite sind einige grimmige Deutsche, die erst einmal alles Fremde mißtrauisch betrachten. Eine nicht sehr schöne aber doch bei vielen vorhandene Eigenschaft.

Auf der anderen Seite steht der Zuwanderer. Aber hier muß man differenzieren.
Einige möchten hier nur Geld verdienen. Sie sind noch so mit der Heimat verwurzelt, daß sie keinen Sinn im erlernen der deutschen Sprache und Gebräuche sehen. Viele davon sind aber hier quasi hängen geblieben, weil nach Jahren die Heimat mit Verwandten und Bekannten in Deutschland neu aufgebaut wurde. Nun nennt man das ganze Gettos.
(Was machen übrigens viele Deutsche auf Mallorca. Finca, Auto, usw. aber kein Wort spanisch sprechen. Und das noch freiwillig, ist das so viel anders?)

Aber es gibt auch viele Emigranten die in Deutschland bleiben möchten. Die sind nicht das Problem.

Integration muß (wie vor allem Morgoth angemerkt hat) von beiden Seiten kommen. Offenes aufeinander zugehen.
Mit der jetzt aufwachsenden Generation sehe ich auf jeden Fall diese Chance. ;)
Ohne Zuwanderer und deren Integration wird es in den nächsten Jahren schlecht in Deutschland aussehen. Wenn schon keine Kinder gezeugt werden, dann darf keinem hier den Weg verspeeren werden und jeder muß dazu beitragen. Laßt uns die Leute willkommen heißen und holt die Jugendlichen aus den Gettos.
Ausnahme gibt es leider auf beiden Seiten, das läßt sich nicht vermeiden. Nur sollte diese nicht pauschlisiert werden. Vorurteile abschütteln!

Bleibt unabhängig von der Stimmungsmache einiger Politiker. Damit werden nur Stammtischgespräche angeheizt.

TURRICAN
24.04.2004, 12:07
mit "Ghetto" meine ich den freiwillige Konzentration von einzelnen Volksgruppen in einem Stadtteil/bezirk. Dabei können ruhig Angehörige anderer Völker dort wohnen, aber der prozentuale Anteil einer einzigen Nationalität ist dort sehr hoch im Vergleich zu anderen Teilen/Bezirken.Das ist ja noch nichts schlimmes.In den USA ist es sogar eine Bereicherung und Touristenatraktion.Was man von den "Gethos" in Deutschland ja nun wirklich nicht sagen kann.
(Was machen übrigens viele Deutsche auf Mallorca. Finca, Auto, usw. aber kein Wort spanisch sprechen. Und das noch freiwillig, ist das so viel anders?) Wieviele Leute kennst du denn davon?Oder hast du das nur aus der Presse für die das mal wieder für eine Schlagzeile gut war?Urlaub und Auswandern sollte man eventuell auch nicht vermischen.

Ich möchte von euch denjenigen sehen, der wenn er Auswandern würde die Landessprache von dort nicht lernt. Es gehört nun mal dazu.

Tod
02.05.2004, 14:02
Ich möchte von euch denjenigen sehen, der wenn er Auswandern würde die Landessprache von dort nicht lernt. Es gehört nun mal dazu.

In der Tat, aber genau da liegt, glaube ich, bei uns häufig das Problem.

Simple Man
03.05.2004, 14:41
Integration ohne Sprache geht nicht! Wir leben im 21. Jahrhundert und da ist Kommunikation doch schon nicht übel ;)

Wer nicht freiwillig die Sprache lernen will, sich nicht integrieren möchte, aber alle Vorteile dieses Staates genießen möchte, sollte gezwungen werden!! Keine Ausreden und wenn es sein muss 5 Wochen in ein Camp und dann täglich 8h lernen... Der Staat sollte die Kosten am Anfang übernehmen, aber sollte dann in Raten, sobald es geht, das geld wieder zurück erhalten. Müssen ja nicht allzugroße Raten sein.

thee is no free lunch

MarcT
09.05.2004, 14:20
Also ich bin auch für diese Art von "Integrierungszwang". Ich finde, wenn jemand hierhin ziehen möchte (aus dem Ausland) ist es ja schön und gut, aber bitte niemand, der sich hier sein eigenen kleinen "Staat" aufbaut. Also keiner, der weder Deutsch kann, weder lesen noch schreiben, oder nicht bereit ist, es zu lernen. Für diese Menschen sollte die Einwanderung unattraktiv gemacht werden. Ich lebe hier ja in der Nähe von Duisburg-Marxloh und das ist ein echtes Paradebeispiel für diese "Nicht-Integration". Wenn man dort mit dem bus fährt...ma hört fast nur Leute türkisch reden, was ich sehr erschreckend finde.

[focusbiker]
22.06.2004, 22:27
@MarcT:
Stelle mir gerade die Frage, ob die Zuwanderer wirklich alleine Schuld sind, dass sie sich nicht integrieren. Könnte doch auch sein, dass die "Hochnäsigkeit" vieler Deutscher die Ausländer abgeschreckt und sie deshalb lieber auf Distanz gehen ;)

Sicherlich müssen definitiv beide Seiten mehr aufeinander zugehen. Gerade die Beseitigung der Sprachbarriere würde helfen Vorurteile auszuräumen, trotzdem sollten wir Deutsche offener auf Ausländer zugehen, freier von Klischees und einfach ein bisl mehr Freundlichkeit an den Tag legen.

Die größte Frage ist allerdings, ob ein "Integrationszwang" nicht eher das Gegenteil bewirkt...

M4rk
23.06.2004, 13:49
Also ich finde das sehr gut, das ist sicher ein guter Schritt für das Zusammenwachsen von Ausländern und Deutschen.

@[focusbiker]: Also finde ich nicht ok hier ein Teil der Schuld wieder auf die Deutschen schieben. Als Ausländer will man hier Leben, Arbeiten, seine Kinder auch in die Schule gehen und die sollen ja auch nen guten Job bekommen. Da muss glaub ich nicht von uns auf sie zugegangen werden, weil sie wollen hier Leben, und dafür müssen sie ein bischen was tuhen, weil sie wollen hier Leben nicht andersherum, also muss sicher nicht von unserer Seite zugegangen werden, ist meine Meinung.

Tod
25.06.2004, 11:47
Da stimme ich Dir zu. Aber wenn jemand eben redliches Mühen zeigt, muß ihm eben auch entgegenkommen, sich nicht von Anfang quer stellen und auch später dann als wirklich Gleichberechtigten behandeln.
Ich stimem aber auch zu, daß es sehr viele gibt, denen man schon zeigen sollte, daß es so nicht wietergeht.

Und es gibt in JEDEM Land eine Angst vor Überfremdung. Ob nun begründet oder nicht. Man muß sie ernst nehmen, auch zum Schutz der Ausländer.

Der Daedalus
25.06.2004, 19:21
Ich denke was Focus-Biker meinte ist die Tatsache, dass in vielen Gegenden Ausländer aktiv oder passiv quasi ausgegrenzt werden.
Ich sehe es an meinem jetzigen Wohnort. Eigentlich ist dieser Stadtteil ein Getto. Fast nur Ausländer und halt jene, die ne günstige Wohnung suchen (Azubis oder Sozialhilfeempfänger). Die Ausländer sind unter sich und wollen das auch weitestgenhend bleiben, denn das, was ihnen im rest der Stadt an Stimmung entgegen schlägt ist alles andere als freundlich.
Der Anteil an Rechtsextremen ist relativ hoch und ich habe noch nirgendwo so viele NPD Plakate gesehen wärend des Wahlkampfes, wie in der Stadt.
Ich mein, was soll ein Moslem denn denken, wenn wärend der Wahlphase Plakate rumhängen auf denen quasi steht: "Fahrt nach Hause, wir wollen euch nicht!"

Ich würde mich auch nicht integrieren wollen, wenn ich in soetwas lese in einem fremden Land in dem ich zu Gast bin.

Integration braucht immer zwei Seiten, dass ist es was viele vergessen!
Es braucht jene, die sich Integrieren wollen, aber es muss auch jene geben, die zulassen, dass sich Leute mit einer fremden Kultur hier in unsere Gesellschaft einfügen! Das scheinen viele zu vergessen nicht mal unbedingt nur jene, die rechts sind.
Auch wir müssen uns aktiv an der Integration beteiligen in dem wir auf die Leute zugehen und ihnen zeigen, dass sie hier willkommen sind. Dafür braucht es keine großen Taten! Es würde schon reichen, wenn man sich von all den Deppen distanziert, welche "Ausländer raus" rufen. Und die Fremden nicht als Fremde behandelt. Sie sind Teil unserer Gesellschaft und sollten auch so behandelt werden!

Da muss glaub ich nicht von uns auf sie zugegangen werden, weil sie wollen hier Leben, und dafür müssen sie ein bischen was tuhen, weil sie wollen hier Leben nicht andersherum, also muss sicher nicht von unserer Seite zugegangen werden, ist meine Meinung.

Du weist aber schon, dass damals sehr viele Ausländer ins Land gekommen sind, weil Deutschland die schlichtweg gebraucht hat, oder?

Bei weitem nicht jeder Ausländer ist allein aus dem Grund hier, dass er hier leben will! Viele der heute noch hier lebenden Ausländer sind die Nachfahren all jener, die hier die Müllabfuhr gemacht haben, als wir Deutschen uns für diese Jobs zu fein waren und Arbeitskräfte gesucht wurden...

BodyLove
04.07.2004, 13:51
Ich sehe Integrationsreformen, speziell wenn es um Sprachen geht, als gut und sinnvoll an.

Nur kommt das Gesetz 30 Jahre zu spät. Die meisten Arbeiter sprechen Deutsch, wie gut oder schlecht liegt im Auge des Betrachters, und deren Kinder gehen auf eine Deutsche Schule. Also müssen sie auch Deutsch sprechen.

Die Frage ist ja, wann kann man Deutsch sprechen. Reicht es, wenn man sich verständigen kann? Reicht es, wenn man alles versteht, aber sein aktiver Wortschatz für mehr Diskussionstiefe nicht ausreicht?

Ich habe einen Onkel, der kann weder schreiben noch lesen. Aber sprechen kann er. Soll er jetzt sich weiterbilden? Muss er sich weiterbilden?

Wessen Entscheidung ist es?

Bei Ausnahmefällen finde ich die Idee gut. Nur fehlt mir die Differenzierung. Denn es gibt imho fast keine Familie, die gar kein Deutsch sprechen.