PDA

Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Der Milchpreis


Skoll
26.05.2008, 15:28
Quelle http://www.tagesschau.de/wirtschaft/milchpreis6.html

Da laufen sie also wieder, die Bauern. Und ich bin ratlos. Hatten wir vor einem Jahr nicht eine massive Preiserhöhung bei der Milch, wodurch u.a. Butter, Käse und alle weiteren Milchprodukte so teuer wurden? Ich hab da leider keine Entschuldigen von den Bauern gehört, warum der Preis so angezogen ist.
Soweit ich das sehe, sind diese Bauern die letzten Unternehmer, die für einen höheren Preis ihrer Produkte auf die Straße gehen und mit einem Boykott ihrer Waren drohen. Und nun demonstrieren sie, aber gegen wen eigentlich? Das Ziel sind immer die Discounter, die die Preise machen. Aber ich habe gelernt, dass Preise nur durch Angebot und Nachfrage entstehen. Wenn die Discounter meinen, dass sie mehr verdienen könnten, wenn sie die Milch teurer ein- und verkaufen, dann würden sie es wohl tun.
Oder kann es sein, dass die Bauern dort jetzt marschieren, damit der Staat einspringt. Vor kurzem erst habe ich hier im Forum gelesen, dass viele unserer Bauern nur noch der Subventionen wegen Landwirte sind. Also ist diese Demonstration jetzt ein Aufruf an den Staat, Gesetze zum Schutz ihrer Existenz zu etablieren oder was?

Ich bin sehr ratlos, muss ich sagen. Ein Bauer ist doch auch ein Unternehmer, der mit Kosten und Erlösen umgehen muss. Das tun alle anderen Betriebe in Deutschland doch auch so. Und ich habe auch gelernt, wenn ein Wirtschaftszweig zu wenig Erlöse absinkt, dann fahren die Betirebe ihre Produktion so weit zurück, bis der Preis wieder nach oben geht und ein Gleichgewicht entsteht.
Was ist jetzt mit der Milch anders?

Peiper
26.05.2008, 15:43
Die Milchpreiserhöhung war wegen der gestiegenen Nachfrage.
Danach wurde die Milchquote angehoben und es wurde mehr Milch produziert.
Da es nun anscheinend wieder zuviel Milch gibt und die Nachfrage auch wieder zurückgegengen ist gibt es wieder einen Überschuß.

Dieses Überangebot nutzen jetzt Discounter und ihre Zuliefer-Molkereien aus um den Milchpreis unter das Niveau vor der Erhöhung zu drücken.

Das ist das eigentliche Problem.


Das Problem mit den Subventionen stimmt so auch nicht.
Die kleinen Betriebe, vor allem im Allgäu der Schwäbischen Alb und in Altbayern, bekommen so geringe Subventionen daß diese in der Bilanz keinen Rolle spielen.

http://wirtschaft.t-online.de/c/14/82/97/32/14829732.html

hal9000
27.05.2008, 08:27
so eine kuh läßt sich nicht von heute auf morgen "herunterfahren" um weniger milch zu erhalten. die einzige chance auf weniger milch ist, sich endgültig von der kuh zu trennen.

solange aber die bauern keine eigenen molkereien besitzen, wird sich an der ganzen situation nix ändern, das die milchwirtschaft die preise diktiert. und solch ein milch"strike" kann j auch nicht ewig dauern. selbt wenn die gewonnene milch wieder an vieh verfüttert wird, braucht man auch energie, geld, futter etc. um alles am laufen zu halten. und irgendwann beist sich die katze doch in den schwanz.

BessenOlli
27.05.2008, 10:57
Warum stellen nicht einfach mehr Bauern auf Biomilch um? Ist die Gewinnspanne da nicht zumindest ein wenig höher?

Naja, allgemein sollte es den Bauern eigentlich auch gar nicht sooo mies gehen. Immerhin können die heute auch was mit Biogas machen, Windräder auf das Feld bauen lassen, dann gibt es ja noch Möglichkeiten in Sachen Ethanol... oder sehe ich das falsch?

OMaOle
27.05.2008, 13:34
Na ja, ganz so einfach ist das sicher nicht. Die Umstellung auf BIO-Milch ist auch kostenintensiv.

Mit den Windrädern gibts auch ne Menge Probleme, einfach aufs Feld stellen geht in Deutschland nicht, der Aufwand für so eine Genehmigung ist emens und auch kostenintensiv auf jedenfall aber nervtötend.

Wir sind eben nicht in Amerika, leider.

webbi
27.05.2008, 15:04
Bei der letzten kurzzeitigen Milchpreiserhöhung zugunsten der Bauern hat der Milchpreis zum ersten Mal wieder an der Rentabilitätsgrenze gekratzt. Das war ein kurzes Aufatmern für die Bauern, nichts wofür sie sich hätten entschuldigen müssen.

Das Problem bei der Milch ist die extreme Überproduktion. Der kurze Anstieg des Milchpreises wurde direkt durch eine Steigerung der Produktion wieder kaputtgewirtschaftet. Die Bauern reagierten - wie im Markt üblich - auf den hohen Preis mit einer Produktionssteigerung, das Problem ist also teilweise hausgemacht. Auch die Franzosen steigerten ihre Milchproduktion enorm, sodass v.a. bayrische Bauern Probleme haben ihre Milch loszuwerden. Dazu kommen noch Milchpulverimporte z.B. aus den USA, ein günstiger Ersatz für Milchprodukte-Hersteller, schwacher Dollar sei Dank. Da bekommt man eben mehr für den Euro. Nur einige Gründe für den derzeitigen Verfall des Milchpreises.

Statt eines Streiks, der m.E. die wirklichen Probleme nicht lösen kann (zur Not wird eben Milch importiert, aus Osteuropa ist das ohnehin viel billiger als weiterhin deutsche Milch zu kaufen). Die Bauern müssten es schaffen, von der Überproduktion wegzukommen, um wieder einen vernünftigen Marktpreis durchzusetzen. Allerdings hätte diese Strategie für jeden einzelnen wahrscheinlich erstmal existenzbedrohende Folgen. Andererseits: Dass sich ein künstlich hochgehaltener Milchpreis noch lange halten kann, wage ich zu bezweifeln. Irgendwann wird auch dieser Sektor vor den Auswirkungen eines globalisierten Marktes nicht mehr davonlaufen können, wie wir ja gerade erleben.

OMaOle
27.05.2008, 19:51
Komisch nur dass alleine aus Sachsen jedes Wochenende 36 Container mit je 28000L Milch nach Italien auf die Reise gehen wo sie offensichtlich fehlt.

Peiper
28.05.2008, 05:53
@OMaOle

Möchte nicht wissen als was die Milch wieder nach DE zurückkommt und wieviele Grenzen die noch überquert.

@ BessenOlli

Wäre ja auch nur eine Umstellung von Agrar- auf Energiesubvention.
Wenn ich mich bei mir so umschaue wer eine Biogasanlage hinstellt dann muß ich leider feststellen das sind die gleichen Großbauern die schon längstens sämtliche Dächer mit Solarzellen vollgepflastert haben.

Teralios
28.05.2008, 12:23
Zudem hat Biogas und ko einen gewaltigen NAchteil: Da sich es dort lohnt, wird irgendwann die Fläche für "Nahrungsgewinnung" zu gering, wodurch diese wieder Teuer werden, da die Bauern lieber Biogas produzieren... :) Ja ja, das leidige Thema, was bringt mehr Geld, was ist Sinnvoll, was bringt der Allgemeinheit was, was ist wirtschaftlich heute vielleicht Sinnvoll, könnte uns aber in Zukunft in den Po beißen...
Ich kauf definitiv nur "Bio"-Milch und zahl gerne für solche Produkte auch mal 10 - 20 Cent mehr. Obs was bringt, keine Ahnung, aber die Bauern sollen auch davon Leben.

OMaOle
28.05.2008, 13:21
Subvention hin oder her, ich glaube ohne Subventionen würden die Lebensmittel insgesammt sehr viel teurer werden und die Bauern nur noch das produzieren was Geld bringt.
Milch gehört derzeit jedenfalls nicht dazu.

Odium
28.05.2008, 13:39
Haltet ihr die Milchquote eigentlich für sinnvoll oder eher nicht? Ich denke sie ist sehr wichtig, was den deutschen Milchpreis angeht, oder?

Edit http://www.tagesschau.de/wirtschaft/milchpreis18.html
Agrarminister Horst Seehofer äußerte erneut großes Verständnis für den Lieferstreik. In Deutschland müsse eine leistungsfähige Landwirtschaft erhalten werden. Seehofer appellierte an die Abnehmer, sich ihrer Verantwortung bewusst zu werden. "Das ist eine Frage von nationalem Belang", sagte der Minister. Sollte Europa von Nahrungsimporten abhängig werden, drohten "fatale Folgen auch für uns".
Damit ist wohl alles gesagt. In meinen Augen eine Verschwendung von Steuergeldern und unsinnige Panikmache.

Rasemann
28.05.2008, 20:47
Es kann niemand unter Herstellungskosten verkaufen.
Ganz einfach.
Kommt zuwenig vom Konsument beim Bauern an, dann gehts eben nur mit Subvention oder der Verlagerung der Gewinnspannen von der Molkerei/Handel zum Bauern.
Es gibt bei uns beim Hofer/Aldi auch schon eine "Fair Trade" Milch, als würde sie aus der 2./3. Welt stammen, wie Kaffee...
Daß zuwenig ankommt ist aber beileibe nicht die Schuld des Milchpreises im Geschäft sondern da schneiden einige dazwischen SEHR kräftig mit.

ca. 30Cent pro Liter bekommt der Bauer, 90-130 Cent kostet die Milch im Laden...
Eine HL-Kuh gibt ca. 30 Liter am Tag.
Also muß die Kuh + Infrastruktur + Angestellte/Bauer um 9 Euro pro Tag/Kuh voll versorgt werden.
Unter 30 Kühe auf jeden Fall unrentabel, Verlustgeschäft, daher hören alle Kleinen auf und die großen werden immer größer.
300+ Kühe muß ein gesunder Betrieb haben, wenn er nicht im Nebenerwerb geführt wird!
Werte von Österreich.

KL0k
28.05.2008, 22:09
ich lehne mich mal soweit aus dem fenster zu sagen, das bis in schätzungsweise 2 jahren n liter milch das doppelte kosten wird ^^

Rasemann
28.05.2008, 22:20
Oder es machen noch mehr Bauern dicht und die Milch kommt aus der Ukraine oder China.
Der Preis wird nicht zuletzt durch Milchpulverimporte aus den USA gedrückt.
Die Industrie verwendet ja Milchpulver.
Was "der Konsument" kauft hat nicht DIE Auswirkung.
Vor allem hat der Bauer NICHTS davon, ob die Packung jetzt 90 oder 1,20 kostet.
Er bekommt sein Geld von der Molkerei und darf nur soviel verkaufen wie Kontingent zugeteilt wurde.
DER REST WIRD AUSGESCHÜTTET! Wirklich, 100.000ende Liter täglich, Europaweit.
WEIL MAN FÜR ÜBERPRODUKTION STRAFE ZAHLT!

PERVERS das System.

Skoll
28.05.2008, 22:48
Ich hab mich mal ein bißchen informiert, der Weltmarktpreis liegt bei 22 Cent. Wenn die Quote also 2015 abgeschafft wird, werden wir unsere Milch viel billiger bekommen und können mehr kaufen.
Bei Wiki steht noch das hier als Kontra-Argument
Bei Abschaffung der Milchquote ist die völlige Liberalisierung des Milchmarktes zu erwarten und damit ein Absinken des Milchpreises auf Weltmarktniveau. Dieses Niveau ist so niedrig, dass sehr viele Betriebe dann nicht mehr kostendeckend wirtschaften können und die Milchviehhaltung aufgeben müssten.
Nur ich versteh das eher als Pro-Argument. Der Verbraucher profitiert davon und der Markt wird bereinigt, also effizienter.

Und das mit Seehofer versteh ich gar nicht. Wieso meint er, es hätte fatale Folgen für Deutschland, wenn wir Nahrungsmittel importieren müssten? Wir importieren doch jetzt schon Benzin und Gas und exportieren dafür Maschinen und derartige Sachen. Kann es sein, dass der Mann von vorgestern ist und noch nicht ganz geschnallt hat, dass solche Dinge national überhaupt keine Bedeutung mehr haben? :(

Peiper
29.05.2008, 06:04
Toll, endlich wird das Grundbedürfnis auf billige Milch befriedigt.

Einerseits wird immer darauf gepocht regionale Produkte zu kaufen, wegen der Ökobilanz, andereits sollte möglichst alles möglichst billigst aus aller Herren Ländern importiert werden.

Wenn das so weitergeht stell ich mir 2 Kühe in den Stall und werde mein Gemüsebeet vergrößern.

Teralios
29.05.2008, 09:04
Peiper, genau das mach mal. :) Frische Kuh Milch ist was feines.
Aber wenn die Bauern hier pleite gehen, wird es irgendwann noch schlimmer, da wir dann von anderen Ländern abhängig sind, was für uns ein "Grundnahrungsmittel" ist. Und dann wirds richtig schlimm, wenn die da drüben wissen, wir sind von ihnen Abhängig. Nein danke, ich zahl lieber 1,50 Für den Liter Milch, die Bauern sollen ihre 40Cent und mehr bekommen und ich weiß wo sie her kommt!

dogio1979
29.05.2008, 10:14
Milch ist ein Grundnahrungsmittel und sollte so billig wie möglich sein.
Importe werden auf kurz oder lang sowieso teurer aufgrund des steigenden Ölpreises. Der Staat mal die Finger still halten könnte, würde sich das selbst regulieren.

Deutschland ist nun mal kein Agrarland mehr, der Anteil der Arbeitnehmer in diesem Sektor liegt im sehr niedirgen einstelligen Prozentbereich an der bevölkerung.

Und eine globale Wirtschaft funktioniert nunmal nur mit gegenseiteigen Abhängigkeiten, daran sollte man sich gewöhnen, auch Hr. Seehofer.

MrWeedster
29.05.2008, 10:19
überflüssiges Zitat entfernt *klick* (http://www.computerbase.de/forum/faq.php?faq=forumregeln#faq_forumregeln_2)



Ja, es haette definitiv extremst Fatale folgen, wenn wir unsere Nahrungsmittel groesstenteils Importieren muessten.
Denn wenn mal die Energiepreise (Treibstoff) so ins unbezahlbare Steigen, dass nichts mehr Importiert wird, oder halt nur zu Unsummen, dann stehen wir von heute auf morgen mit nichts mehr da. Dann kannst du sehen wo du was zu beissen her bekommst.

Die Globalisierung wird sich spaetestens mit extremen Treibstoffkosten in Luft aufloesen, und dementsprechend auch der Import von allen Waren auf die wir angewiesen sind.

Es waere absolut kurzsichtig die Milchquote aufzuheben und das Bauernhofsterben noch weiter zu beschleunigen.
Denn irgendwann haben wir dann keine Hoefe mehr (Oder halt nur noch Grossgrundbesitzer), und wenn das o.g. Szenario eintritt, verhungern die meisten Leute in .de.

Ach ne: Das Essen kommt ja aus der Fabrik, fuer was brauchen wir dann noch Bauern, gelle?

Ich befuerworte den Streik absolut, und bin gerne bereit einen ausreichenden Milchpreis zu bezahlen.



greetz

JulesBärle
29.05.2008, 11:20
Salut,

Da laufen sie also wieder, die Bauern. Und ich bin ratlos. Hatten wir vor einem Jahr nicht eine massive Preiserhöhung bei der Milch, wodurch u.a. Butter, Käse und alle weiteren Milchprodukte so teuer wurden? Ich hab da leider keine Entschuldigen von den Bauern gehört, warum der Preis so angezogen ist.

für was soll sich der Bauer entschuldigen? Etwa dafür, daß er einen angemessenen Betrag für sein Erzeugnis bekommt? Bevor du weiter so ein unsinniges Zeugs hier schreibst, geh mal nur ein Wochenende zu einem Milchbauern deiner Wahl und laß dir mal zeigen, wie Milch hergestellt wird. Vielleicht findest du ja an der Kuh den Schalter, mit dem die Milchausschüttung gedrosselt wird. Danach darfst du hier wieder schreiben, ob und wofür sich Bauern bei dir entschuldigen müssen.

RicmanX
29.05.2008, 18:14
Man sollte auch mal beachten das deutsche Bauern die Umwelt deutlich besser behandeln als es ukrainische oder chinesische leisten können (nicht immer nur wollen). Viele Auflagen machen jegliche Produktion nunmal teurer.

Und ich sehe es auch als großes Risiko an wenn wir von Nahrungsmittelimporten abhängig wären. Damit bin ich auch für die Erhaltung von Binnensubventionen. Denn man sieht es doch an Russland oder China, wenn wir rumjammern was sie doch für schlimme Menschenrechte haben, wird einfach bei der nächstbesten Gelegenheit mit den Muskeln gespielt (indem man z.B. den Gashahn für Europa zudreht) um zu zeigen wer am längeren Hebel sitzt.
Sowas mag bei "Luxusgegenständen" noch hinnehmbar sein, bei Grundnahrungsmitteln aber meiner Meinung nach nicht. Jedes Land sollte bei Wasser und Nahrung unabhängig sein, zumindest innerhalb seines engsten Bündnisrahmens. Wer Schäuble toll findet kann ja auch noch mit Terroranschlägen (Felder vergiften etc.) kommen, selbes Problem wie mit Solaranlagen in der Wüste.
Zudem stimm ich MrWeedster zu, dass allein die Transportkosten den Import zu teuer machen werden, jedoch dann die Bauern fehlen werden um die Eigenversorung wieder zu reaktivieren.

Daher sollte man sich auch überlegen ob man nun für alles extrem billig ist, oder ob man zu dem Kreuz steht das man alle 4 Jahre macht, welches entsprechende Qualitätskontrollen und -verbesserungsmaßnahmen nach sich zieht, die nun einmal auch Geld kosten.

Skoll
29.05.2008, 18:32
Angenommen Deutschland beendet seine Landwirtschaftssubvention und importiert zunehmend Nahrungsmittel, z.B. aus Frankreich. Wenn der Weltmarktpreis niedriger ist als unser Preis, dann wär das natürlich gut. Wenn nicht, verkaufen unsere Landwirte ihre Waren im Ausland und profitieren ebenfalls davon.
Ich weiß nicht, ob man Öl und Gas so gut mit Nahrung vergleichen kann. Schließlich ist die russische Gasindustrie viel abhängiger von der Regierung als die französische Lebensmittelindustrie von Sarkozy. Wie soll ein Land da Druck ausüben?

Rasemann
29.05.2008, 19:48
Deutschland ist Arbeitskräftemäßig kein Agrarland.
Aber schon einmal etwas von Traktoren gehört?

Die Bewirtschaftete Fläche ist wohl so groß wie nie zuvor und vorallem der Ertrag pro Hektar ist förmlich explodiert in den letzten 50 Jahren.

Es kann einfach nicht etwas unter Produktionspreis verkauft werden.
Weltmarktpreis 22 Cent, D/A Preis 30 Cent, Spitze war 40 Cent.
Wenn die Milch(-Produkte) alle im Ausland zugekauft werden, dann sterben bei uns ganze Industriezweige.
Wie in der PKW Produktion, wo von ALLEN Herstellern kräftig in Fernost zugekauft wird und bei uns 100.000ende qualifizierte Arbeitsplätze verloren gehen und nicht wiederkommen.

Also bitte!
Zahlen wir unseren Bauern einen gerechten Preis.
Eine "Fair Trade"(aus Österreich!) Milch wie beim Hofer/Aldi...was soll das eigentlich?
Sind uns unsere Bauern so wenig wert, daß wir sie wie eine 3. Welt Kaffeplantage behandeln müssen?

Kann es sein, daß gewisse Grundnahrungsmittel durch hohe Subventionen lange Zeit künstlich billig gehalten wurden?
Jetzt wo die Subventionen langsam bröckeln, was gut ist, dann müssen wir und die NM-Industrie eben den echten Preis zahlen, den wir jetzt über unsere Steuern querfinanzieren.

Die Politik müsste aber auch die nicht bezahlten Subventionen an die Leute zurückgeben, sprich Steuern senken.
Wäre der Transport nicht so hoch subventioniert, dann wären die Waren aus dem Ausland auch weit teuerer, denke ich mir.

Es kann einfach nicht sein, daß wir uns selbst durch die "Geiz ist Geil" Mentalität selbst die Jobs und damit das Geld abgraben!

Landwirt ist ein Beruf den man auch nicht so einfach lernen kann, das ist über Generationen erworbenes Wissen und vererbte/übergebene Flächen.
Wenn die Bauern erst einmal weg sind, dann kommen so schnell keine mehr, wenn sie dann wieder gebrauch würden.
Wer weis ob dann noch die Flächen da sind für die Freilandhaltung, Laufställe usw.
Die Zersiedelung der Gegend geht doch munter dahin!

Bei uns werden übrigends derzeit Baullandflächen in großem Stil in Nutzlandflächen rückgewidmet, damit bei Bedarf landwirtschaftliche Flächen vorhanden sind.
Etwa für Energiepflanzenanbau, wenn der Treibstoff bei 2,5-3 Euro steht!

Stefus1
30.05.2008, 14:13
Ach, schön, dass hier schon so fleißig dikutiert wird:D
Hatte bis jetzt keine Zeit, auf diverse teils abstruse Beiträge zu antworten, da ich selbst in der Landwirtschaft tätig bin.
Wir haben eine GmbH mit ca. 400 Milchkühen. Eigene Aufzucht und Bullenmast noch nicht inbegriffen.
Nach jahrelangen harten Verhandlungen mit den Discountern wurden uns endlich Anfang diesen Jahres die Preise gezahlt, welche uns das Überleben deutlich erträglicher machen würden als die Jahre zuvor. Dann kamen unsere schlauen Politiker (die muß man einfach lieb haben :freak) auf die Idee, die Quote um 2% zu erhöhen. Und was passiert bei Überbedarf? Ab in den Keller mit den Preisen. Das wäre noch kein großes Problem, wenn die Kosten für Futtermittel-Zukauf (seit Januar zw. 50 und 100% angestiegen), Diesel (die Preisentwicklung kann ja jeder selbst mit verfolgen), Tierarztkosten und Strom bzw. Gas im selben Maße sinken würden.
Kurze Zwischenfrage: Warum kosten Milchprodukte nach wie vor soviel wie seit der Preiserhöhung Anfang des Jahres? Wir merken davon nix mehr:( Nur die Gebrüder ALDI vermelden jährlich, wieder eine Milliarde mehr auf ihren Konten angesammelt zu haben.

Und man kann eine Hochleistungskuh nunmal nicht wie in Bayern täglich auf die Alm treiben, ein paar Stunden grasen lassen und dann 50l aus ihr heraussaugen. Die Erstellung einer Futterration ist eine Wissenschaft für sich und kleinste Unregelmäßigkeiten bzw. äußere Einflüsse wie Lärm, Wetter, Stress usw. wirken sich innerhalb weniger Stunden auf die Leistung aus!

Wo soll das also hin führen, wenn ein Landwirtschaftsbetrieb die Kosten für die Milchgewinnung von anderen Standbeinen abziehen muß wie z. Bsp. einer Biogasanlage?
Da tauchte ja auch so ein origineller Kommentar auf. " Die Bauern können doch heut einen auf Biogas machen."
Ja, machen wir auch. Einziges Problem: So eine Anlage kostet eben mal schlappe 1,5-2Mio€!!! Wo das Geld her nehmen? Getreideverkauf? Auch schon längst kein lukratives Geschäft mehr. Hinzu kommen Dürreperioden wie in den vergangenen 5-6 Jahren, welche die Erträge deutlich schmälern.
Nebenbei dürfen wir ostdeutschen Bauern noch Altkredite zurück zahlen, die aus Zeiten eines Staates stammen, der schon seit fast 19 Jahren nicht mehr existiert. Und sowas gibt es nur in der Landwirtschaft! Anderswo wurden einem die Altschulden erlassen.

Aber, wie Frau Merkel (ihres Zeichens gesamtdeutsche BK) vor wenigen Monaten noch großspurig in die Fernsehkameras posaunte: "Dem deutschen Landwirt geht es so gut wie seit Jahren nicht."
Da kann ich nur noch :kotz

Und unsern Landwirtschaftsminister kann man ja voll in die Tonne treten. Wenn der von Landwirten redet, dann meint er immer nur die unten in Bayern, wie vor 2 Tagen in einer Talkshow gesehen. "Unsere bayrischen Landwirte..."
Den Rest nimmt er doch gar nicht für voll:mad

Na dann :n8

Rasemann
30.05.2008, 21:39
Gut gesprochen!
Applaus, Herr Kollege!
Ich hab allerdings keine Kuh, gar kein Viech eigentlich, nur 6ha Wald und Wiese fürs Heizen und als "Parkanlage für Wanderer und Moutainbiker"(Kulturlanderhaltung, Mähen und Wege in Stand halten gegen Mini Förderung(640 Euro/J).
In Österreich wird übrigends auch gestreikt.
Die Gebrüder Aldi heissen bei uns Hofer, der mit der "fairen Milch" wie als ob die Milch von einer Sklavenplantage aus dem Amazonasgebiet kommen würde...
Wir verkaufen übrigends unsere Milch nach D(wer kann), weil euer Preis so gut ist...

Odium
13.06.2008, 09:04
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/:Handel-Milchpreiserh%F6hungen/623562.html

Ich schätze mal, dass läuft so in den Zentralen der Discouter: Die haben eine Art "Optimal-Preis", bei dem die Kunden am meisten kaufen und wo der höchste Gesamtgewinn für Lidl & Co abspringt. Dieser theoretische Preis liegt im Moment unter dem Streik-Preis und wird peu a peu wieder dorthin zurücklaufen.

Deshalb kann ich den Streik der Bauern (für mich sind das Unternehmer und keine Arbeitnehmer) überhaupt nicht nachvollziehen.
In meinen Augen dequalifzieren die sich durch diese dämlichen Streikaktionen nämlich selber, denn die verlieren damit Geld und der Abnahme-Preis für die Milch wird langfristig sowieso sinken.
Denen ist einfach noch nicht klar, dass die Zeit der kleinen Milchbetriebe vorbei ist. Die schlechtesten Wirtschafter, also die, die das teuerste Futter einkaufen und am wenigsten für ihre Milch bekommen, werden als erstes eingehen. Und das passiert in Deutschland ständig überall, das nennt man Strukturwandel und der gehört dazu. Es macht mich richtig wütend wenn ich diese Leute sehe, die das einfach nicht wahrhaben wollen! (ich benutze so selten Ausrufezeichen aber hier hab ich mir eins gegönnt)

PS: Unten steht noch was von mehr Subventionshilfe und zusätzlichen Mitteln, um den Export verbessern zu können. Da kann ich wirklich nur noch mit dem Kopf schütteln :(

dogio1979
13.06.2008, 09:13
Bin mal gespannt, wann die Telekom streikt, weil die "blöden Kunden" keine 4 Ct./Min. zahlen wollen.
Oder der Opel-Vorstand, weil es so schwer ist Opel für 50.000 Euro zu verkaufen.

WIe bereits gesagt, Bauern sind Unternehmen und müssen sich ins Wirtschaftsgefüge einfügen - willkommen in der marktwirtschaft, der Markt bestimmt nunmehr den Preis und kein Bauer.

Rasemann
13.06.2008, 13:29
Ihr Vertsteht das Problem nicht.
Der Unternehmer Bauer kann nicht bestimmen zu welchem Preis er seine Milch verkaufen möchte.
Das wird ihm von der Molkerei dikitiert.
Spanne Bauer: 36 Cent
Spanne Molkerei: 30Cent
Spanne Handel: 40 Cent
So ungefähr.

Auch ein Großbauer mit 1000 Kühen kann in Europa nicht um 36Cent produzieren, da kommen dann noch Förderungen dazu die wir über die Steuer zahlen, 2-3Cent/l

Vor 15 Jahren war der Milchpreis für den Bauern wesentlich höher als heute, unterm Strich.
Der Preis im Handel aber weit niedriger.(Nachdenken wer da jetzt mehr verdient)
Rein nur durch die Inflation müsste heute ein Bauer ca. 30% mehr bekommen.

Billige Lebensmittel schön und gut, aber unsere Ernährung sollte uns mehr wert sein als irgendein anderer Scheißdreck.
Bei 80l pro Kopf Milchverbrauch wäre ein fairer Preis für den Bauern, mit 45Cent/l, also nur 8 Euro im Jahr Mehrpreis pro Kopf!

Es geht um lächerliche 8 Euro im Jahr.

Bauer-Molkerei ist so ungefähr wie Autofahrer-Tankstelle, nur umgekehrt.
Der Autofahrer kann sich gegen zu hohe Preise auch nicht durch nicht tanken wehren, wenn alle Tankstellen sauteuer sind(+/- 3 Cent).

Es hat mit Marktwirtschaft also gar nichts zu tun, sondern mit der Gewinnmaximierung von großen Handelsketten(Quasimonopol), die wiederum der Molkerei den Preis diktieren.

Der Preis, für den Bauern wurde vor kurzem um 10Cent nach unten gedrückt, der Konsument merkte davon NICHTS.
Wer schlau ist und die Möglichkeit hat kauft seine Milch und andere Produkte direkt am Hof.

dogio1979
13.06.2008, 13:36
eine Molkerei ist genauso ein Betrieb wie ein Bauernhof. Das nennt man Business to Business, ist aber dennoch Marktwirtschaft.
Und wenn ein Bauer nicht zu einem bestimmten Preis produzieren kann, dann scheidet er eben aus dem Wettbewerb aus und damit sinkt das Angebot an Milch, was wiederum den Preis stabilisiert. So funktioniert die Wirtschaft nunmal und wenn dabei jemand auf der Strecke bleibt, ist es für ihn persönlich traurig aber trotzdem was ganz normales.

Und die 80l pro Kopf-Verbrauch sind auch etwas zu kurz gerechnet, weil sie vermutlich den direkten Verbrauch meinen, aber mit steigendem Milchpreis steigen die Preise sämtlicher Produkte, in denen Milch vorkommt, dann ist es nix mehr mit 8 Euro/Jahr.

Odium
13.06.2008, 13:46
Moment mal Rasemann, so kannst du das nicht sehen. Der Bauer ist genauso Unternehmer wie das Autohaus und der Handyschalen-Verkäufer. Alle müssen mehr oder weniger von einem Marktpreis ausgehen, zu dem sie produzieren wollen. Ob der Milchbauer und seine Vorfahren das jetzt schon 300 Jahre machen und Sohn/Tochter das übernehmen sollen, interessiert z.B. gar nicht.
Ich finde es nicht fair, wenn die vor Aldi ziehen und sagen, die wollen mehr Geld für ihre Milch. Auf gut deutsch: Ja, wir protestieren nicht gegen dich Odium, aber von dir wollen mehr Geld. Denn die Molkereien und Zwischenhändler geben natürlich nichts 1:1 weiter, auch wenn da Fairmilch dran steht.

Um es knallhart zu sagen: Bei den Massen an Milch, die wir täglich in Europa produzieren bin ich nicht bereit, 0,59€ für einen Liter hinzulegen, wenn Wasser weniger als ein Drittel kostet. Ich will, wie jeder Verbraucher, so wenig wie möglich bezahlen und ich würde definitiv meinen Verbrauch hochfahren wenn der Preis sinken würde.
Es ist für mich einfach ein Armutszeugnis, wenn die Bauern so "verzweifelt" sind und streiken gehen. Die müssen doch klüger sein und wissen, wann sie noch wettbewerbsfähig sind und wann nicht. Die fetten Jahren der Subvention und der Familientradition sind vorbei, scheinbar haben das noch nicht alle so ganz mitgekriegt. In ein paar Jahren, wenn die Quoten endlich weg sind und alle soviel produzieren wie nur irgendwie möglich, dann sinkt der Milchpreis für uns weiter und vielleicht kriegen wir den Liter dann schon für 0,29€ :)

Rasemann
13.06.2008, 19:37
Noch einmal:
Den Bauern wurde zugunsten der Molkereien und des Handels die Spanne gekürzt.
Der Preis im Regal wurde sogar erhöht.
Was ein Bauer verkaufen kann und darf ist sowieso durch das Milchkontingent fix vorgegeben, da gibts keine Marktwirtschaft.
Der Bauer ist also der einzige Verlierer, trotz höherem Endpreis für den Kunden.

Wenn ich für meine Milch weniger bekomme, als ich(oder irgendwer in den EU 15) sie produzieren kann, dann geht das einfach nicht.
DARUM wurde von uns Bauern gestreikt.

Wasser ist wohl kaum mit Milch zu vergleichen.
Mineralwasser ist absolut unverschämt teuer.
Wasser = 1 Euro pro 1000 Liter(Leitungswasser, ohne Abwasserkosten bei mir)
Mineralwasser = Leitungswasser + Kohlensäure, Abfüllkosten ca. 5 Cent der Liter, bei Kleinserien(weis ich von meinem Apfelsaft, der kostet samt Pressen, filtern und pasteurisieren + Gewinn 20Cent/L)

Milch wird für dich nicht billiger, sondern teuerer, obwohl wir zusperren oder, wenn möglich, zu Energiepflanzen umsatteln müssen, das ist das Problem.
Die Milch kommt dann eben aus Polen oder der Ukraine oder in Milchpulverform sonst wo her...sehr sinnvoll ein Produkt das überall produziert werden kann, über 1000ende Kilometer heranzukarren.


Das "Geiz ist Geil" kommt unserer Gesellschaft noch verdammt teuer zu stehen.

Jace
13.06.2008, 19:55
Diejenigen die dauernd große Reden von wegen "das ist Marktwirtschaft" schwingen, sind doch die ersten die weinen und nach mehr Geld jammern, wenn sie Hartz IV empfangen....

Der Markt für Milch ist alles andere als ein vollkommener Markt..

@dogio Glaubst du ernsthaft der Milchpreis steigt wieder, nur weil Bauern pleite machen?

dogio1979
13.06.2008, 20:00
vielleicht nicht, aber bauern künstlich am Leben zu halten macht auch kein Sinn.

Odium
13.06.2008, 20:04
@32: Daran glaube ich ganz fest. Der Milchmarkt ist sowas von reguliert, das findet man heute schwer ein zweites Mal. Überall Subventionen und der Schrei nach Hilfe, wenn der Preis sinkt. Wieso wird eigentlich die naheliegenste Lösung - die Abkehr von der Landwirtschaft - gar nicht in Betracht gezogen? Sobald die Quoten fallen, läuft es nämlich darauf hinaus.
Das heißt, die Bauern hier müssen expandieren, Kosten senken oder ihre Milch irgendwie besser machen, damit sie konkurrenzfähig bleiben.

Im Moment versuchen doch alle nur Lösungen für ein Problem zu finden, das nur existiert, weil es zuviele (kleine) Anbieter gibt.
Rasemann: Der Bauer hat quasi eine Obergrenze, aber keine Untergrenze. Niemand ist verpflichtet, unbedingt mehr Milch zu verkaufen, wenn der Preis nach oben geht. Es passiert aber trotzdem.
Sie wurde eingeführt, weil es vor 30 Jahren teurer war, die produzierte Milch zu entsorgen, statt sie zu benutzen. Eine Folge (zum Teil) war daher auch, dass Bauern davon leben konnte, die es in einer freien Marktwirtschaft eigentlich gar nicht gegeben hätte. Wir haben jahrelang zuviel für Milch und tun es jetzt immer noch.
Letztendlich profitieren alle davon.
Edit: Ich glaube inzwischen auch nicht mehr, dass die Bauern sich selbst als Unternehmer sehen. Mehr so als eine Art Erzeuger mit Sonderrechten. Während des Streiks gab es gegenüber den Landwirten, die weiterhin Milch geliefert haben, zu schweren Anschuldigungen, weil es ja Verräter wären. Dadurch seh ich nur, dass es untereinander noch gar keine echte Konkurrenz gibt, sondern mehr eine Verbundenheit gegen die bösen Molkereien.

Peiper
13.06.2008, 22:01
oder ihre Milch irgendwie besser machen

Wie soll das denn in der Praxis ausehen?
Goldpuder zufüttern oder einfärben?

Es gibt ja schon Biomilch und wie man an den leergeräumten Regalen sehen konnte ist der Durchschnittsbürger nicht willens den Mehrpreis für Biomilch oder gar für Milch im Direktvertrieb zu bezahlen.

das teuerste Futter einkaufen

Man soll die Milch besser machen aber kein hochwertiges und teures Futter kaufen.
Irgendwie widerspricht sich das.

Wenn es die Milch irgendwann für 29 Cent zu kaufen gibt, dann möchte ich gar nicht wissen wie und mit welchen Mitteln die hergestellt wird.
Vielleicht kommt sie bis dahin ja auch schon aus China...

Skoll
13.06.2008, 22:06
Also Milch ist Milch, da kann man nix verändern, höchstens ein paar Vitamine reinschütten.
Solang Milch nicht maschinell hergestellt werden kann, müssen wir wohl mit den hohen Preisen leben.

florian.
13.06.2008, 22:13
Also Milch ist Milch, da kann man nix verändern

sorry aber das ist der größte Schwachsinn überhaupt.
In der Milch ist genau das was auch verfüttert wurde.
wenn also Pestizide im Futter sind dann sind sie auch in der Milch.

Rasemann
15.06.2008, 08:53
Gemessen am Aufwand ist Milch so billig wie sonst kaum was.
Gehört ja, bei uns, zu den Grundnahrungsmitteln.
Wie Brot auch.

Warum nur konnte sich der Weizenpreis vervierfachen?
Weil man aus Milch keinen Treibstoff machen kann?

angel29.01
15.06.2008, 10:27
Die Forderungen der Bauern sind unverschämt! Wir leben in einer Marktwirtschaft und der Markt gibt es eben nicht her.
Ende im Gelände.

Peiper
15.06.2008, 13:26
Aus Milch könnte man zumindest Biogas oder Dünger herstellen.

Ist in DE zwar verboten da Milch einen gewissen Anteil an Hemmstoffen aufweist, aber das kann sich mal ändern. Und wenn in Resteuropa dieses im großen Stil umgesetzt werden sollte dann können wir uns auf richtig hohe Milchpreise einstellen.


Warum ist es unverschämt darauf hinzuweisen daß man als bäuerlicher Kleinbetrieb am Rande der Existenz steht?
Wir leben in einer Demokratie und da darf man noch protestieren.

Skoll
15.06.2008, 16:42
Ja, man kann schon darauf hinweisen, dass man wirtschaftlich wirklich unter dem Preis zu leiden hat. Aber stell dir mal vor, dass würden andere Unternehmen auch machen. Angefangen von den Dönerbuden, die gerne 5€ für einen Döner hätten oder ein Zulieferungsbetrieb für die Bahn protestiert dagegen, dass sie für ihre Schienen nicht genügend Geld bekommen.
Die Leute würden sich einfach kaputtlachen, weil ein Protest in einer Marktwirtschaft schlicht totaler Nonsense ist. Nur bei den Bauern gibt's halt noch ein wenig den Sonderstatus, weil es Bauern sind und die meisten Bürger wohl sagen würden, dass es sich nicht um Unternehmer, sondern um Landwirte handelt (im Hinterkopf eben der Gedanke: Dieser Bauer macht seine Arbeit bestimmt aus Tradition oder weil es ihm gefällt).

florian.
15.06.2008, 17:22
Die Bösen Bahnleute protestierten damit sie mehr Geld bekommen.
ist doch nur Marktwirtschaft...
Die Sollen doch einfach hinnehmen das sie fürs zugfahren nicht mehr bekommen.

wo ist da nun der Unterschied?
Jeder hat das recht zu Protestieren damit man mehr Lohn für seine Arbeit bekommen.

und da ein Bauer alleine Keinen einflus auf den Milchpreis haben kann schließen sie sich zusammen um druck auszuüben.
und wenn ein Unternehmen nicht mit den Preis zufrieden ist dann kann man Druck mit Lieferstops ausüben.


oder ein Zulieferungsbetrieb für die Bahn protestiert dagegen, dass sie für ihre Schienen nicht genügend Geld bekommen.

Da würde sich niemand Kaputtlachen.
Die Bahn hätte dann nämlich das Problem das sie keine Neuen Schienen mehr bekommen.
und wenn sie keinen anderen Zulieferer finden dann müssen sie wohl oder übel mehr Geld zahlen.

Peiper
15.06.2008, 17:25
Da gibt es aber den Unterschied daß man als Firma kalkuliert und dann seinen Preis macht.
Wenn die Zutaten teurer werden verteuert sich das Produkt oder minimiert sich der Gewinn.

Bei den Bauern ist es aber so daß die Molkereien den Preis vorgeben zu dem sie die Milch kaufen.
Denen ist es egal ob sich die Produktion verteuert, sofern es nicht ihre eigene ist. ;)
Und wenn diese Preis zu niedrig ist um die Ware zu produzieren dann hat man entweder die Möglichkeit die Ware mit Verlust zu verkaufen (macht wohl keiner lange mit) oder den Betrieb dicht zu machen.
Oder, man wehrt mich gegen die Mißstände.

Beim Döner trifft der Verbraucher die Entscheidung. Entweder kauft er den Döner für das verlangte Geld dann ist alles OK oder nicht (in diesem Falle werden günstigere Zutaten beschafft).
Das endet dann wie man sieht bei Gammelware.

Döner werden teurer (http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,549828,00.html)

Odium
15.06.2008, 20:22
Die Molkereien geben den Preis aber nur solange vor, wie ein Milchüberschuss da ist. Und den haben wir.

Sich gegen diese "Missstände" zu wehren - ich glaub das bringt gar nix. Ich bin doch letztens wieder bei Lidl gewesen, die gehen rauf und runter mit dem Milchpreis. Die Bauern streiken fast zwei Wochen, der Handel hat nichts mehr zu verkaufen und wirft denen einen Knochen hin - nennt sich Fairmilch oder so. Und jetzt ist der Preis für Milch schon wieder runtergegangen, das geht ganz automatisch.

Ich weiß nicht so recht was die Landwirte erreichen wollten. Medienpräsenz? Mitleid? Ich kenne keinen einzigen Fall, wo ein Produzent für einen besseren Preis seiner Produkte gestreikt hat. Im Gegensatz zum Lohn eines Metallarbeiters ist ein Preis nämlich in null komma nix änderbar und daher war der ganze Medienrummel um die Milch eigentlich nur eines, nämlich unterhaltsam :D

hazzilein
15.06.2008, 20:43
Wir haben eine Landwirtschaft zuhause und bekommen 34 Cent Pro Liter. Mit den 34 Cent zahlen wir drauf für unseren Betrieb. Das ist wie wenn du arbeitest, und dann noch 100 Euro im Monat an deinen Arbeitgeber zahlen musst aber den ganzen Monat für ihn gearbeitet hast.... dass das die Leute nicht verstehen dass es so nicht weitergehen kann.... am ende sind wir noch ganz abhängig von anderen Ländern. Alles wird teurer, Diesel für Traktor, Kraftfutter, Strom.... was sollen wir denn noch machen?
Stellt euch vor der es gingen 10 Cent mehr an den Bauern, also sagen wir 1 L Milch kostet jetzt 1 Euro, jetzt müsst ihr 1 Euro 10 zahlen... ihr braucht am Tag einen Liter milch das sind im MONAT 3 Euro mehr für Milch, und im Jahr vielleicht 30 Euro mehr.... wer sich da aufregt der ist zu dumm zum rechen.... man kann doch 30 Euro mehr im JAHR zahlen und dafür die Existenz der Milchbauern sichern....

Und @ Odium, würdest du umsonst nen Monat lang arbeiten? ich denke nicht... und darum kämpfen die Bauern, dass ihnen am Ende vom Monat wieder Geld bleibt oder einmal nicht draufgezahlt wird, irgendwann gehen auch die Ersparnisse zugrunde....

mfg

Odium
15.06.2008, 21:02
Dieser Vergleich hinkt ein wenig. Warum der Vergleich zu einem Arbeiter, wieso siehst du deine Landwirtschaft denn nicht als Betrieb? Ich sehe da den Rohstoff 'Futter' und das 'Produkt' Milch, alles dazwischen ist Sache des Erzeugers.

Alles wird teurer, Diesel für Traktor, Kraftfutter, Strom.... was sollen wir denn noch machen?
[...]
Und @ Odium, würdest du umsonst nen Monat lang arbeiten? ich denke nicht... und darum kämpfen die Bauern, dass ihnen am Ende vom Monat wieder Geld bleibt oder einmal nicht draufgezahlt wird, irgendwann gehen auch die Ersparnisse zugrunde....

Ich versteh deine Rechnung zwar, aber du musst ein wenig auf das größere Ganze gucken. Warum wird wohl die Milchquote abgeschafft, warum läuft 2015 das System aus?
Du gibst dir die Antwort selbst. Die Europäische Union hat versucht, den Milchüberschuss mit den Quoten in den Griff zu kriegen und das hat nicht geklappt. Nun, geklappt hat es irgendwie schon ein wenig, aber die ganze Branche ist immer noch durchzogen von Subventionen und Staatsplanung.
Nun geht man einen anderen Weg. Mit dem Wegfall der Quote will man - meine Interpretation - ein ganz bestimmtes Ziel erreichen, und zwar die "schwächsten" Bauern zur Aufgabe zu bewegen.
Das ist die langfristige Planung, denn es kann ja so nicht weitergehen wie im Moment.

Auf deine Frage zurückgekommen: Ja, unter Umständen würde ich einen Monat lang umsonst arbeiten, hab ich sogar drei Monate lang, im Praktikum. Aber wenn man als Milchbauer im Moment draufzahlt und weiß, dass die ganze Situation von Jahr zu Jahr schlimmer wird weil der Weltmarktpreis noch viel weiter unten liegt und 2015 die Quote wegfällt, da würde ich schleunigst meinen Hof verkaufen, solange er noch was Wert ist, und mir einen anderen Job suchen. Alles andere wäre schlicht und einfach Realitätsverkennung.

hazzilein
15.06.2008, 21:07
Wenn ein Hof seit generationen Familieneigentum ist verkaufst du den nicht, ausserdem hast du als Bauer keinen richtigen Beruf ausser eben Landwirt, du hast den Hof übernommen und fertig. Was willst du tun, mit 45 Jahren noch ne Ausbildung machen und nen anderen Job suchen wenns doch so einfach ginge, Aldi, Lidl solln 10 Cent draufhaun, der Käufer ZAHLT DAS da bin ich mir sicher, keiner regt sich deswegen auf...

Odium
15.06.2008, 21:14
Ja, hazzi, das ist wirklich schlecht. Aber so ist das nunmal :-/
Es gibt immer ein paar Berufe, die dabei sind auszusterben, wie etwa die Bergleute hier in Deutschland. Ich persönlich wäre nicht bereit, 10ct mehr für einen Liter zu bezahlen, nur damit du davon leben kannst. Das ist ja quasi eine Subvention, und davon will man doch weg. Man kann nicht einfach aus Solidarität mehr bezahlen. Tausende andere Produzenten kommen auch ohne sowas zurecht.
Und die 10 Cent werden auch nicht reichen, denn wenn der Diesel in den nächsten Jahren wieder seinen Preis verdoppelt, wird das auch nicht mehr reichen.

Man kann aus dem Gebäude ja eine Pension oder sowas machen. Abreißen und auf Bauland spekulieren geht wohl auch, aber damit kenne ich micht nicht aus.

Edit: Ich hab mich etwas in die Materie eingelesen. Hier (http://de.wikipedia.org/wiki/Wirtschaftlichkeit_der_Milchviehhaltung) steht, dass 4-5% aller deutschen Betriebe jährlich aufgeben und es 2005 etwa 105.000 Betriebe in Deutschland gab, die Milchkühe gehalten haben.

angel29.01
15.06.2008, 22:57
Es ist unverschämt, weil es nicht konsequent ist.

Wer A sagt, der muss auch B sagen.

Der Markt legt den Milchpreis fest und ZURZEIT gibt der Markt den Preis nicht her.
Darüber protestieren jetzt die Bauern, ist auch ihr gutes Recht.

Aber: Nehmen wir mal an, der Milchpreis würde vom Markt her wieder steigen, was er auch wieder tun wird, würden dann die Bauern den gestiegenen Preis nicht annehmen? Wohl eher nicht.

Man kann sich nicht nur die Rosinen raus picken!

Wenn der Markt nicht genug hergibt, nach staatlichen Subventionen schreien und mit Zwang einen neuen Preis durchsetzen und wenn der Markt einen höheren Preis hergibt, ihn ohne Probleme nehmen.

Die Bauern müssen sich entscheiden.

Entweder Marktwirtschaft, und damit mal steigende und fallende Preise oder Preise die zum leben reichen, welche man auch garantiert bekommt, die aber insgesamt niedriger sind.

hazzilein
15.06.2008, 23:25
Es geht hier nicht um fallende oder steigende Preise, niemand würde sich darüber aufregen dass die Preise steigen und fallen WENN es sich in Grenzen hält das die Existenz möglich ist....aber das ist hier nicht der Fall

Skoll
16.06.2008, 10:31
Ich denke schon, dass es dir darum geht. Du meinst, jeder Milchbauer hat ein Recht auf seine Existenz. Dieses Recht gibt es aber nicht, das hat niemand. Das gibt es nämlich nur in einer Planwirtschaft.
Vor etwa vier Monaten hat ein kleiner Computerladen um die Ecke aufgemacht. ich dachte, ich schau mal rein. Seine Preise waren einfach indiskutabel, ich wette seine Einkaufspreise lagen noch über den Verkaufspreisen von mindfactory.de. Jetzt ist der Shop wieder weg, ging ganz schnell.

Ich denke auch, dass die EU versuchen will, die Milchmenge zu drosseln, indem sie die Bauern zu Aufgabe bewegt.

ThomasK_7
16.06.2008, 11:10
So sehr ich es schlecht finde das Milch billiger ist als manch anderes künstliches Getränk und damit zur Zeit die Einnahmen der Milchbauern unter dem Existenzminimum liegen, so ist die Logik der Überkapazitäten und damit des Preisverfalls einfach zwingend.
Leider trifft es die Milchbauern sehr hart, aber wer hat denn die Regierungen/Politiker gewählt, die diesen Umstand zu vertreten haben? Die CDU/CSU ist doch auf dem ländlichen Raum die stärkste Macht seit zig Jahren und die deutsche Politik wehrt sich seit Jahren in Brüssel gegen eine Änderung der Milchquote gegen fast alle anderen Länder Europas = Lobbypolitik.
Die wahren Schuldigen sitzen in Berlin im Ministerium, aber das werden die Milchbauern wohl weit von sich schieben und lieber den Discountern/Molkereien die Schuld geben.

hazzilein
16.06.2008, 17:06
und @ Odium, das stimmt nicht mit deiner aussage "das ist halt mal so" ... nicht hier in deutschland wo wir eine SOZIALE Marktwirtschaft haben, und nicht eine reine Marktwirtschaft. Hier gilt das Prinzip soweit es geht einen gewissen Wohlstand für ALLE auch auf Kosten der ganzen Gemeinschaft. Du zahlst ja dafür dass andere die zu faul zum arbeiten sind Harz 4 bekommen... und dann wegen 3 Euro im Monat rumspinnen.

angel29.01
16.06.2008, 17:37
Es gibt hier einfach kein Recht darauf, von seiner Arbeit leben zu können. Vor allem nicht bei Selbstständigen.

Wenn sie nicht davon leben können oder wollen, dann sollen sie eben aufhören. Andere wird es immer geben.....

Wie viele Menschen in Deutschland leben von sehr wenig Geld?
Krankenschwestern, Nachtwächter, Zeitarbeiter und noch viele mehr. Die Bauern sollen mal die Kirche im Dorf lassen!

dogio1979
17.06.2008, 08:12
und @ Odium, das stimmt nicht mit deiner aussage "das ist halt mal so" ... nicht hier in deutschland wo wir eine SOZIALE Marktwirtschaft haben, und nicht eine reine Marktwirtschaft. Hier gilt das Prinzip soweit es geht einen gewissen Wohlstand für ALLE auch auf Kosten der ganzen Gemeinschaft. Du zahlst ja dafür dass andere die zu faul zum arbeiten sind Harz 4 bekommen... und dann wegen 3 Euro im Monat rumspinnen.

...Wohlstand für ALLE auf Kosten der GANZEN Gesellschaft...

Nicht nur dass das inaltlich kein Pro-Argument ist, es ist zudem schlichtweg falsch.
Denn es geht um den Wohlstand WENIGER (Bauern) auf Kosten VIELER (Endverbraucher)

Und lasst mal die schwachsinnigen Milchmädchenrechnungen.
Es geht nicht nur um den Liter Milch, den du dir in den Kakao rührst, pur trinkst oder in den Kaffee kippst. Es geht um sämtliche Milchprodukte, Käse, Joghurt, Quark, Schokolade etc.
Sozuale Marktwirtschaft schön ung gut, aber es bleibt Marktwirtschaft. Und sie ist so sozial, das Bauern die ihren Hof nicht mehr bewirtschaften können, zb. eine Umschulung vom Staat bezahlt bekommen.

Der klassische Bauernhof wird ebenso der Realität weichen müssen, wie der kleine Tante Emma Laden.

sk8eboard
17.06.2008, 09:05
Der Markt ist einfach gesättigt an Milchbauern. Diese drücken selbst ihren Preis, da es einfach ein krasses Überangebot gibt!

OMaOle
17.06.2008, 09:38
Komisch nur, das die Preise von Milchprodukten trotz gefallener Milchpreise gleichbleibend hoch sind.

Seinerzeit, als die MIlchpreise für die Bauern stiegen mussten auch die Endverbraucher tiefer in die Tasche greifen, daran hat sich nichts geändert und wer hat das Geld...?( die Bauern nicht)

Odium
17.06.2008, 09:38
Für mich ist ein Milchbauer wirklich nur ein Unternehmer. Und ja, lebenslanges Lernen bedeutet dann auch, dass man seinen Hof aufgeben muss, um sich mit 45 einen anderen Job zu suchen. Das war früher vielleicht gut für einen Witz, aber man kann doch nicht weitere 22 Jahre von Hartz4 leben, nur weil man sich zum alten Eisen zählt.

Ich weiß nicht, ob die Bauern im Hinterkopf wissen, dass sie zu viele sind oder nicht. Immerhin war die Branche die letzten 30 Jahre keinem echten Markt ausgesetzt, bei all den Quoten, Subventionen und Eingriffen der Politik.

Mit ihren Produkten haben sie aber kein Sonderrecht. So wichtig ist Milch nicht - ein monatelanger Streik wäre zwar unangenehm, aber dank Globalisierung könnten wir eine Minimal-Versorgung aufrecht erhalten, auch wenn der Liter Milch dann eben 1,4€ kostet.
Ich schätze, die sind einfach von den Zugführern, Ärzten und Metallern inspiriert worden. Vielleicht fühlt man sich ja als Arbeitnehmer einer Molkerei, aber so ist es noch nicht.

By the way, ich hab gestern geguckt. Hier kostet ein Liter Frischmilch bei Lidl 0,59€. War das vor dem Streik jetzt teurer?

Rasemann
17.06.2008, 16:54
Man kann, die Flächen vorrausgesetzt , auf Energiepflanzen umsteigen.
Sollen die lieben Ingnoranten dann doch Biotreibstoff ins Müsli schütten oder China-Milchpulver in den Kaffee schütten.
Machen wir uns bei Grundnahrungsmittel auch noch vollständig vom Ausland abhängig, sehr schlau.
Aber dann nicht Jammern, wenn die Milch plötzlich das 4fache kostet, wie der Weizen momentan.
Industrielle Produktion= industrielle Gewinne = Spekulation, wie bei Pellets.
Wenn es Milchproduzenten um jede Ecke gibt, dann ist das unmöglich.

Um 34 Cent kann in den EU 15 NIEMAND kostendeckend produzieren.
Mit dem wegbrechendem Bauernstand verliert unsere Gesellschaft WEIT mehr als ihr Bewusst ist.

Vor 15 Jahren war der Milchpreis bei 45 Cent und im Regal war die Milch billiger.
Es geht darum, daß die Molkereinen und vor allem der Handel die Spanne maximieren auf Kosten der Bauern.

Es stimmt was nicht im Gefüge, wenn 1L Milch weniger kostet als ein bissl hipperes Mineralwasser, das beinahe NULL Aufwand und Kosten in der Produktion erfordert.

Beispiel Apfelsaft:
Ich bringe meine Äpfel zum Pressen und Abfüllen.
20Cent pro Flasche(pressen, pasteurisieren, abfüllen), 20 Cent Einsatz für die Flasche.
Und da macht der Produzent sicher keinen Verlust dabei.

dogio1979
17.06.2008, 17:30
Es stimmt was nicht im Gefüge, wenn 1L Milch weniger kostet als ein bissl hipperes Mineralwasser, das beinahe NULL Aufwand und Kosten in der Produktion erfordert.

Die sollte für die bauern kein Kontraargument sein, sondern ein Ansatzpunkt.
Warum zhalen den die Leute soviel Geld für einen Liter Wasser?
Weil sie dazu bereit sind.
Warum sind sie dazu bereit?
Weil sie mehr kaufen als Wasser.
Sie kauffen ein Gefühl, eine Erlebniswelt, ein Wohlbefinden.
Sicher das ist im Grunde nur ein Placeboeffekt aber er funktioniert.

Die Bauen sollen nicht jammern sondern kreativ werden.
Wer hinder denn 100 Bauen daran, eine eigene Molkerei auf die grüne Wiese zu stellen. Mit einem guten Konzept und einem vernünftigen Business-Plan gibts sicher auch Kreidte.
Aber ich dage dir auch warum das nicht funktioniert. Die Bauern sehen sich nicht als Unternehmer, sie bewegen sich nicht und ein Businessplan ist son neumodischer Schmarn...

Umdenken oder Untergehen - ganz einfach

HighNoon
20.06.2008, 01:24
Mal ein kurzer Abstecher zur Milch:
- Viele Verbraucher wissen nicht: H-Milch ist keinesweges gesund, sogar das
Gegenteil ist der Fall; Durch das Produktionsverfahren werden die Fettmoleküle
so zerkleinert, dass sie unser Körper nicht verarbeiten kann, sie gelangen direkt
in unseren Blutkreislauf - Folge: Aterien-Verstopfung.
- Außerdem vertragen viele Menschen H-Milch nicht, bekommen davon Bauchschmerzen
bzw. Magen-Darm-Probleme (ich muss davon ordentlich reiern)
- H-Milch ist oft teurer, obwohl sie meiner Meinung nach wesentlich schlechter schmeckt
- Spart euch doch die Wege zu Discountern wie ALDI & Co., nur weil ihr für Milch und
Butter ein paar Cent weniger zahlt. Vergleicht doch mal Preise für Käse, Joghurt,
Zahnbürsten, Fleisch, Fertiggerichte, etc. Was ihr hier spart, zahlt ihr für den Sprit
den ihr auf dem Nach-Hause-Weg verbraucht.(da Aldi in Industriegebieten und am
Stadtrand Filialen betreibt)

Eine Folge von verstärkten Milch-Importen wären die Zerstörung der heimischen
Landwirtschaft und damit die Grundlagen für gesunde Milch: Lange Transportwege
führen dazu, dass Milch haltbar gemacht werden muss. Wass osteuropäische und
russische Bauern ihren Kühen verfüttern, weiß dann auch niemand so genau -
wer soll's kontrollieren? Als Verbraucher wären wir den ausländischen Milchproduzenten
ausgeliefert.

dogio1979
20.06.2008, 07:30
Das Prinzip von Aldi ist, dort zu siedeln, wo bereits ein anderer großer Supermarkt oder noch besser ein Verbrauchermarkt ist, weswegen, man nicht extra Sprit aufwenden muss, um zum Aldi zu kommen.

Ich schmecke keinen Unterschied zwischen Frischmilch und H-Milch, mag aber auch daran liegen, das ich Milch pur sowieso nicht mag. Ich weiss aber, dass mir Frischmilch, wenn ich sie denn mal kaufen, in den Sommermonaten regelmäßig schlecht wird.

ThomasK_7
20.06.2008, 10:19
Es stimmt was nicht im Gefüge, wenn 1L Milch weniger kostet als ein bissl hipperes Mineralwasser, das beinahe NULL Aufwand und Kosten in der Produktion erfordert. Würden die Mineralwasserfirmen die gleiche Überproduktion wie die Milchbauern auf den Markt werfen, würde Mineralwasser auch so billig wie Milch werden!
Sogar hohe Vertreter der Milchbauern haben diese Woche vor der Presse die Überproduktion eingeräumt und um eine Absenkung der Milchquote geworben, um den Markt zu stabilisieren. Ausgerechnet Minister Seehofer (CSU) ist aber dagegen. Im Jahr 2015 endet die Milchquotenregelung in Europa.
Es wird immer einen Markt für gesunde Frischmilch aus heimischer Produktion geben, aber wenn dieser z. Bsp. nur 50% der jetzigen Produktionsmenge ausmacht, dann sind es eben nur 50% und ich sehe keine politische Veranlassung, die restlichen 50% weiterhin staatlich zu subventionieren. Es wird immer genügend Frischmilch aus Deutschland geben, auch wenn zig kleine deutsche Milchbauern aufgeben müssen. Das Argument der Versorgungssicherheit zieht deswegen bei mir nicht. Kleinstbetriebe (Milcherzeuger) müssen meiner Meinung nach auch nicht erhalten werden.

OMaOle
21.06.2008, 04:58
Andererseits ist es für die Milcherzeuger auch nicht so einfach flexibel auf Schwankungen im Markt zu reagieren.

Eine Kuh bleibt nun mal ein Lebewesen dem man nicht vorschreiben kann wieviel Milch es zu welchem Zeitpunkt geben soll.

Als es vor einigen Jahren wenig Milch gab und der Preis stieg hieß es weg mit der Quote, jetzt kann mehr produziert werden wird aber plötzlich nicht mehr benötigt.

Soll der Bauer der seinen Stall erweitert hat und mehr Kuhe angeschafft diese jetzt wieder abschaffen und den Stall abreißen? Ohne enorme Verluste geht das wohl kaum.

dogio1979
21.06.2008, 09:47
Jedes Unternehmen, was über die Nachfrage hinaus produziert hat Probleme und es senkt den Preis, ist nunmal so.

ThomasK_7
21.06.2008, 20:09
@OMaOle
Nach meinem Kenntnisstand gab es in den letzten Jahren nie "wenig Milch".

Wenn die Milchbauern bei einem Preisanstieg forderten "Weg mit der Quote!" (haben sie das wirklich?), so sind sie selber schuld --> Schweinezyklus -- BWL 1 . Semester.

Hawk0178
21.06.2008, 20:43
Das ewige Gejammere der Milchbauern ist nur teilweise nachzuvollziehen. Ein großer Teil - NICHT alle - der Landwirte verschuldet sich unnötigerweise allein durch die Anschaffung eines überdimensionalen Maschinenparks. Landwirtschaft bedeutete vor 20 Jahren noch den halben Tag auf den Feldern zu verbringen. Aber heute muss ein Feld nach 1-2 Stunden bereits abgeerntet sein. Das behaupten zumindest die Landwirte.

Ein weiterer Punkt: rein marketingtechnisch ist das Produkt Milch doch noch längst nicht voll "erschlossen". In der BR-Sendung "Quer" wurde letztens über einen schweizer Milchbauern berichtet. Seine Marktlücke: er beliefert eine Luxushotel exklusiv mit der Milch seiner Kühe. Das besondere daran: die Viecher grasen nur auf bestimmten Weiden mit einem hohen Anteil an Wildblumen und Kräutern. Das Ergebnis lässt sich nach Expertenmeinung tatsächlich erschmecken.
So, dann frage ich mich ernsthaft wieso noch nie ein Landwirt bei mir nachgefragt hat ob er mein Bauerwartungsland mähen und das Gras verfüttern darf. Wildblumen wohin man sieht ... und das ganze auch noch umsonst ....

silent-efficiency
21.06.2008, 21:21
Vollmilch ist das einzige was richtig gut schmeckt und Gesund ist. Und da zahle ich auch wenn es sein muss 80 oder 85 cent pro Liter. Genau so wie ich für Direktsaft (Saft gepresst und nicht auf Konzentrat aufbereitet) lieber etwas mehr bezahle als das ich diese Konzentratsäfte kaufe.

Rasemann
22.06.2008, 11:18
Wer die Möglichkeit hat:
Alles mögliche direkt beim Hof kaufen!

Nicht unbedingt billiger, aber meistens und man weis dann, daß das Geld der Bauer bekommt und nicht der Herr Aldi.

Wieviele ha hat dein Bauerwartungsland?
Unter 2-3ha zahlt sich das hinfahren gar nicht aus.
Außerdem gibt es auch einen Grünfutterüberschuß, HL(Hochleistungs)-Kühe brauchen nämlich HL-Futter, kein Gras.
Unsere(EU) Schweine fressen auch kein Einheimisches Futter, zu teuer, sondern Saubohnen(Soja) aus aller Welt.

Einhörnchen
22.06.2008, 15:13
Bald sollen die Milchquoten in der EU doch abgeschafft werden, dann rauscht der Milchpreis in den Keller und unsere Bauern in den Bankrott :(

Schmolke
22.06.2008, 16:37
Ich finde, das sie es richtig machen, sollen sie ihre milch wegschütten, sie haben sich jeden cent für die milch verdient! wenn einer von euch schon mal nen kuhstall ausgemistet hat, weiss das sie sich jeden cent hart verdient haben! und deswegen bin ich dafür, das wir für die milch mehr bezahlen.
wieso sollen sie nicht auch etwas mehr bekommen? und seit mal ehrlich, wer von uns trinkt in der woche 10l milch? weil dann könnte ich verstehen das es irgendwen stört.
aber ich zum beispiel trinke kaum milch oder tue etwas ans essen ran. ik kauf mir am freitag für die woche immer 2 packungen milch und denn wart ik wieder bis nächsten freitag, weil ich einfach die 2 packen gerade so verbrauche.

Hawk0178
22.06.2008, 18:08
Unter 2-3ha zahlt sich das hinfahren gar nicht aus.
Außerdem gibt es auch einen Grünfutterüberschuß, HL(Hochleistungs)-Kühe brauchen nämlich HL-Futter, kein Gras.

Nur bedingt richtig. In bayrisch Schwaben wird neben Kraftfutter aus Fremdproduktion vor allem Silage aus einheimischen Gras verfüttert.

Und Du sprichtst es bereits an: Hochleistungskühe. Vor 20-30 Jahren noch völlig indiskutabel bzw. unnötig, Kein Wunder dass mit den enormen Mengen der Preis ins Bodenlose sinkt.

Odium
22.06.2008, 22:35
Ich trinke zwar nicht 10l Milch, aber ich kann dir versichern Schmolke, das mein Milch-Konsum spürbar steigen wird, wenn der Liter endlich 30ct oder weniger kostet.

Es scheint eines der weitverbreitetsten Vorurteile zu sein, dass sich das Gehalt eines Angestellten oder die Arbeit eines Selbstständigen (steckt den Bauern in eure Lieblingsschublade) nach der 'Schwere' seiner Arbeit richtet. Nein, es ist nicht so. Nur Nachfrage, nur Angebot, ist ganz simpel.

Es gibt einfach zu viele Landwirte, das ist ungesund für unsere Wirtschaft. In ein paar Jahren wird vieles, nicht alles, besser.

Edit 21.07.08
Komisch, dass ich jetzt diesen aktuellen Artikel hier sehe. http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/maerkte/:Milchpreise-Bauern-Streiks/631832.html
Ich stand heute bei Lidl vor der 1,5% Frischmilch und sie kostete 61 Cent (71 Cent während des Streiks). Und nach diesem halbherzigen Streik vor ein paar Wochen soll es jetzt also nochmal rund gehen, wenn der Preis nicht höher steigt. Ich frage mich, wie die das machen wollen, wenn soviele Bauern sowieso schon rote Zahlen schreiben. :confused

Schattenthron
23.07.2008, 02:41
Ich trinke zwar nicht 10l Milch, aber ich kann dir versichern Schmolke, das mein Milch-Konsum spürbar steigen wird, wenn der Liter endlich 30ct oder weniger kostet.

Es scheint eines der weitverbreitetsten Vorurteile zu sein, dass sich das Gehalt eines Angestellten oder die Arbeit eines Selbstständigen (steckt den Bauern in eure Lieblingsschublade) nach der 'Schwere' seiner Arbeit richtet. Nein, es ist nicht so. Nur Nachfrage, nur Angebot, ist ganz simpel.

Es gibt einfach zu viele Landwirte, das ist ungesund für unsere Wirtschaft. In ein paar Jahren wird vieles, nicht alles, besser.



Aua, tun solche Aussagen eig. nicht weh?

Du "verzichtest" also momentan auf Milch weil sie momentan so "teuer" ist?

Deine Aussage mit den zuviele Landwirten einfach göttlich, glaubst du was wirklich?

Als Aussenstehender ist sowas immer leicht den schwarzen Peter den Landwirten zuzuschreiben, hier werden allg. teils Aussagen getroffen da kann man nur den Kopf schütteln.

Was Lebensmittel angeht, bzw. die Qualität von Lebensmitteln wird bei uns in der Gesellschaft einfach absolut nicht geschätzt. Billig soll es sein ist ja ein Grundnahrungsmittel, aber dann ganz überrascht aufschreien wenn mal wieder ein Lebensmittelskandal ans Licht kommt. Allein schon die zahlreichen Pressenachrichten ala alles wird teurer wie Strom, Benzin, Milch, Urlaub etc. Milch in diesem Zusammenhang zu nennen sagt eig. alles aus auch wenns bei ihr nur 10€ auf Jahr ausmachen sollte und das einen fairen Preis grantieren würd.

Aber in ein paar Jahren ist ja vieles besser als jetzt...... besonders wenn wir dann mit hormonbelastetem Fleisch, genetisch veränderten Material etc. usw. großflächig überschwemmt werden dank dem tollen Weltmarkt aber hauptsache der Liter Milch kostet endlich 30ct oder weniger.....

andiac
23.07.2008, 03:56
An dem Beispiel kann man sehr schön sehen, wie realitätsentfremdet die deutsche Gesellschaft doch ist.
Was ist denn wichtig, wenn es nicht die Dinge sind, die unsere Grundbedürfnisse stillen.
Ne neue Grafikkarte GTX280, weil die "alte" 8800GT keine 40 fps bei Crysis schafft?

Sorry. Aber hier scheinen einige den Verstand verkauft zu haben.

ThomasK_7
23.07.2008, 11:19
]Deine Aussage mit den zuviele Landwirten einfach göttlich, glaubst du was wirklich?Nicht nur er, ich auch und alle die BWL-Kenntnisse haben.
Das bezieht sich natürlich auf die Menge Milchkühe und damit der angebotenen zuvielen Milchmenge. Ich bin des weiteren auch der Meinung, dass die Milchqualität von einem Großhof nicht schlechter ist als von einem 10-40 Kühe Bauer.
.. aber hauptsache der Liter Milch kostet endlich 30ct oder weniger.....Ich bedauere als Verbraucher auch, dass die Milch weniger kostet als Limonade, Cola oder andere künstliche Getränke. Aber wir haben nun einmal Marktwirtschaft und mit Abschaffung der Milchquote und den jetzigen Milchpreisen und den weiteren Ertragsaussichten muss jeder verantwortungsvoll handelnde Milchbauer mit finanziellem Defizit seine Produktion sofort einstellen, je schneller desto besser für ihn und die Volkswirtschaft.
Es ist ja nicht so, dass es keine wirtschaftlichen Alternativen für die dann brachliegenden Weiden gäbe (Biomasseanbau). So eine Bewirtschaftung wäre auch körperlich und zeitlich viel günstiger für den Landwirt.
Ich weis, da hängen Existenzen dran, aber je eher man begreift wohin der Zug fährt, desto besser.

e-ding
23.07.2008, 13:01
Ja, ja die Regulierungswut in Deutschland! Agrarsubventionen, Produktionsquoten und wer erinnert sich noch an den Butterberg?

Das erinnert mich alles irgendwie an die gute alte Planwirtschaft.

Auf dem Agrarsektor in Deutschland ist eine Deregulierung längst überfällig. Die Produktion sollte sich so langsam mal wieder am realen Bedarf orientieren und nicht an der Höhe der gezahlten Subvention. Wenn dann die Luft für einige Landwirte eng wird, dann ist die Branche schlicht überbesetzt.

Wer glaubt eigentlich, dass er nur den Kaufpreis im Laden für die Milch bezahlt? Ob nun über Umwege Steuern als Subventionen abgeführt werden oder ich im Laden 20 Cent mehr zahle, spielt für mich keine Rolle, für die Volkswirtschaft schon.

MFG

Skoll
23.07.2008, 13:05
Schattenthron: Klar will jeder Verbraucher so billig wie möglich einkaufen. Jeder! Du auch. Wer sich bewusst für ein Produkt entscheidet, das er als teuer empfindet, erwartet dafür auch einen Mehr-wert. Wo ist die Milch, die meine Haut über Nacht glatter macht oder Vitamine enthält oder einen besonders hohen Anteil an Proteinen? Nein, das gibt es einfach nicht. Milch ist Milch und die ganzen Milchmarken zielen auf die Herkunft der Milch ab und suggerieren, dass die Qualität davon abhängt, ob das jetzt ein kleiner blöder Landliebe-Bauer ist oder Großbauer mit Massentierhaltung. Kann man sich drüber streiten, will ich aber nicht.

Wenn du jetzt bewusst Milch kaufst, weil du denkst, du unterstützt damit irgendwelche Leute, ist das auch ein Grund. Aber der Großteil der Menschen denkt nicht so und die Bauern werden auch damit scheitern, sich in den Köpfen der Leute als "Berufsklasse mit Denkmalschutz" zu etablieren. Es gibt keinen Sonderstatus für sie, keinen Grund, 10ct mehr für einen Liter zu zahlen, nur weil sie so große Traktoren haben.
Man kann das ewig weiterspinnen. Ich müsste den Stromanbieter wechseln, weil meiner zu billig ist. Ich suche diejenigen Stadtwerke raus, die 30% teurer sind, damit die nicht pleite machen. Denkst du bei all deinen Käufen darüber nach, welche Entscheidung das für die Gesellschaft hat?

Rasemann
23.07.2008, 18:08
Der Michpreis hat eben mit Marktwirtschaft ÜBERHAUPTNICHTS zu tun.
Es gibt ein Milchkontingent, die Molkerei zahlt für den Rohstoff das was sie will und fertig.

Man kann bei Grundnahrungsmitteln nicht einfach solange Betriebe zusperren bis der Preis stimmt.
Ob man auf eine Grafikkarte 2 Wochen warten muß, oder 2 Wochen keine Milch im Land ist, das ist ein bissl ein Unterschied.

Natürlich kann man alles aus dem Ausland beziehen, machen wir uns bei der Milch eben auch von Rußland anhängig, wie beim Öl/Erdgas/Uran.
Wenn sich die Amis wieder irgendwo eine RAW einbilden, dann bekommen wir eben die Milchzufuhr auch noch gedrosselt, wie Tschechien jetzt das ÖL...

Was beim Milchpreis nicht stimmt ist: Gewinnmaximierung der Molkereien und vorallem des Handels zu ungunsten des Rohstoffproduzenten.
Die Milch im Regal kostet nicht weniger, wenn der Landwirt 10 Cent weniger bekommt!

ThomasK_7
23.07.2008, 20:26
Nimm mal einen Tag Auszeit, soviel Mist in 4 Absätzen zu schreiben, ist schon eine gewaltige Fehlleistung.

Du bringst elementarste Dinge durcheinander (z. Bsp. Milchkontigent mit Molkereipreis).
Falls Du nach einem Tag wieder etwas klarer siehst, beantworte mir bitte einmal die Frage, warum das denn bei Backwaren, Fleischwaren , Obst und Gemüse, Mineralwasser, Fischwaren usw. anders ist und warum dort die Anbieter nicht vorm Ruin stehen!

Skoll
24.07.2008, 21:02
Was beim Milchpreis nicht stimmt ist: Gewinnmaximierung der Molkereien und vorallem des Handels zu ungunsten des Rohstoffproduzenten.
Die Milch im Regal kostet nicht weniger, wenn der Landwirt 10 Cent weniger bekommt!

Doch, ich denke schon. Jeder Milchverkäufer, sei es Lidl, Aldi oder der Kiosk nebenan haben einen Optimal-Preis, der von sehr vielen Faktoren abhängt. Bei diesem Preis gibt es nämlich eine Umsatzmaximierung mit der Milch. Während des Streiks kostete Milch mehr, die Nachfrage ging zurück. Obwohl der Verkäufer mehr für einen Liter Milch bekommen hat, hatte er am Ende weniger in der Kasse.

Wenn der Optimalpreis (so nenn ich das) für Aldi jetzt zum Beispiel 60 Cent beträgt, dann wird Aldi immer versuchen, auf diesen Preis zu kommen - natürlich abhängig davon, wieviel sie für die Milch bezahlen.

Wenn der Landwirt 10 Cent weniger bekommen wird die Molkerei wohl 2 cent für sich behalten und die Milch für 8 Cent weniger anbieten. Aldi bekommt die Ware und bietet sie dem Kunden für 6 Cent billiger an und behält die 2 Cent als Extra-Marge für sich. (Alle Zahlen fiktiv)

Rasemann
24.07.2008, 21:09
Der Landwirt bekommt jetzt für Milch weniger als noch vor ein paar Jahren.
Der Regalpreis ist nicht gesunken, sondern gestiegen. Komisch.

Und was ist da komisch am von der Komission festgesetzen Milchpreis und dem Kontingent?
Der Bauer liefert soviel er DARF und bekommt dafür soviel wie Handel und Molkerei sagt.
Der Handel hat 20Cent für sich behalten!

Warum das bei anderen landwirtschalftlichen Rohstoffen anders verläuft?
Weil man Milch nicht verheizen kann!

Für Milch gibt es nur EINEN Abnehmer, die Molkerei.
Für so ziemlich alles andere gibt es mehrere Interessenten.

@Thomas_7K
Wer sagt, daß das bei anderen Produkten nicht auch der Fall ist?
Europäische Textilindustrie, Fischindustrie, Obst überlebt auch nur, weil die Pflücker weniger bekommen als ein Chinafließbandsklave.

ThomasK_7
25.07.2008, 11:16
Deine Argumentationen zur Milchpreispolitik sind absurd.

Du schreibst im letzten Satz allen ernstes, dass ein Arbeiter in der Fischindustrie und Obstpflücker weniger bekommt als ein Chinafließbandsklave. Was soll man denn zu so einem Unsinn schreiben. Der Lohnkostensatz für einen solchen chinesischen Arbeiter wird bestimmt bei unter 4 €/h inkl. Sozialabgaben liegen, (wohl noch unter 3 €/h sogar).

Dann schreibst Du sinngemäß, dass man die anderen überschüssigen Landwirtschaftsprodukte verheizt, um mit Ihnen Erlöse zu erwirtschaften. Ganz tolle Spinnereien. Wer verheizt denn bitte schön Fleisch, Fisch, Obst, Gemüse, Getreide (ok geht sogar technisch-wird aber derzeit nur Stroh verheizt) u.a.?

Klar bekommt der Bauer seinen Preis von der Molkerei und diese bekommt Ihren Preis vom Einzelhandel. Wer jetzt aber den Molkereien/dem Einzelhandel die Schuld in die Tasche schieben will, der sieht zu kurz, schaut nicht hinter die Fassade.
Bis auf Getreide, aber da auch nicht für alle Sorten, kann man keines der anderen Lebensmittel für etwas anderes einsetzen als ihren ureigensten Zweck, der Ernährung. Milch ist wie alle anderen Lebensmittel genauso vergleichbar.
Einzig die europäische Milchquote, auslaufend zum Jahr 2015, stellt eine Höchsterzeugungsmenge dar, die es so für andere Lebensmittel nicht gibt. (Ausnahme: Fischfangquote)
Wer sagt, daß das bei anderen Produkten nicht auch der Fall ist?Wir alle hätten doch sicherlich mitbekommen, wenn in den letzten Monaten Fleisch, Fisch, Obst und Gemüse, Getreide im größeren Stil weggeworfen/vernichtet wurden - oder ?
Wer schon etwas älter ist, sollte sich z. Bsp. an Aktionen der spanischen Apfelsinenproduzenten/Tomatenproduzenten in den 80er Jahren erinnern können.

Zur Zeit wird einfach nach der europäischen Milchqote produziert und von den Milchbauern auf den Markt geworfen. So muss man es betriebswirtschaftlich/volkswirtschaftlich sehen!
Die europäische Milchquote soll eine Überproduktion und einen Milchpreisverfall verhindern, was sie aber im Moment für Deutschland nicht erfüllt. Alle anderen Länder in der EU wollten deshalb die Milchquote dieses Jahr für alle gleichstark absenken, damit der Milchpreis stabilisiert wird. 2 Länder (Deutschland +1) waren aber dagegen, um die heimischen Milchbauern vor Einnahmeausfällen zu schützen. Minister Seehofer ist sogar noch stolz auf seine Haltung und seinen Einsatz in dieser Sache.

Der Weltmarktmilchpreis und noch viel schlimmer, der Milchpreis in vielen umliegenden Ländern liegt aber deutlich unter dem des deutschen geforderten Preises von 40ct/Liter Rohmilch. Was passiert also ab 2015, wenn die Milchquote ausläuft?Der Handel wird dort einkaufen, wo er ein vergleichbares Produkt günstiger bekommt, genauso wie er das schon seit Jahren bei Fleisch, Fisch, Getränken, Obst und Gemüse und weiteren Lebensmitteln macht.
Frischmilch wird er weiterhin in Deutschland und maximal den angrenzenden Ländern kaufen (müssen). Ab 2015 wird dann jeder größere und effizientere Betrieb seine Milch auf den Markt werfen/anbieten. Wer das jetzt nicht in der Lage zu erkennen ist, der tut mir nur bedingt leid. Es ist deshalb völlig aussichtslos, jetzt einen Kampf um 40ct / Liter gewinnen zu wollen, wenn 2015 eh der Milchpreis sich auf ein europäisches Niveau einpendeln wird. Der Landwirt bekommt jetzt für Milch weniger als noch vor ein paar Jahren.
Der Regalpreis ist nicht gesunken, sondern gestiegen. Komisch.Ein Indiz dafür, dass hier der künstlich hochgehaltene Milcherzeugerpreis sich auf einen subventionsfreien Preis einpendelt.

Es ist unwahr, dass es für Milch nicht mehr als einen Abnehmer gibt.
Genauso ist es unwahr, dass andere Lebensmittelerzeuger mehr Auswahlmöglichkeiten beim Verkauf Ihrer Produkte haben.

Wenn niemand anders als die deutschen Molkereien die deutsche Milch haben wollen, dann ist das doch eindeutig ein Zeichen dafür, dass sie nicht wettbewerbsfähig ist. Die Milchbauern können doch wieder ihre eigenen genossenschaftlichen Molkereien aufmachen (gibts ja auch noch welche) und dann dem Handel die Milch für mehr Geld verkaufen wollen. Auf den gleichen Gedanken (eigener Großhandel setzt höhere Erzeugerpreise durch) kommen die anderen Lebensmittelproduzenten nicht, weil sie schon in der Marktwirtschaft angekommen sind.

Und was ist da komisch am von der Komission festgesetzen Milchpreis und dem Kontingent?Damit wollte man die Milchbauern vor einer Überproduktion in billigeren EU-Ländern schützen. Aber wie weiter oben beschrieben, ist der deutsche Landwirtschaftsminister ja zu doof, um dieses Regularium aktuell den Gegebenheiten anzupassen (Quote senken). Fast alle anderen EU-Ländern haben dagegen die Notwendigkeit einer Milchqoutenabsenkung erkannt.

Angst vor einer milchbauernfreien Zone in Deutschland brauchen wir aber zukünftig nicht zu haben. Genausowenig wie wir nicht bedeutsame Mengen an anderen Lebensmitteln aus China+Afrika+Asien einführen, wird zukünftig Milch von dort herkommen.

Rasemann
25.07.2008, 13:32
Bist du Landwirt oder ich?
Wem außer der Molkerei soll ich denn meine Milch verkaufen, mit der ich eh schon aufgehört habe.
Auch bei Fleisch und Obst und Fisch(Frankreich z.B.) war der Preisverfall unglaublich, aber nicht so existenzbedrohend wie bei der Milch.
Auch beim Weizen war es lange so, daß man fürs Stroh mehr Geld bekam, als für das eigentliche Produkt.
Das hat sich erst geändert, nach dem der Weizen als Energiepflanze erkannt und genutz wurde.

Man muß sehen, daß man für Lebensmittel noch nie so wenig bezahlt hat wie jetzt, umgelegt aufs Einkommen haben sich die Ausgabe für Lebensmittel glatt halbiert.

Äh...es kommen keine bedeutsamen Lebensmittelmengen aus den Ausland?
Schon einmal einkaufen gewesen in den letzten Jahren?
Oder sollte das in der BRD gänzlich anders als in Österreich sein?

Von der Lebensmittelindustie ganz zu schweigen, da wird ohnehin nur Milchpulver und Eier verwendet, nach Produktionsmethoden die bei uns schlicht und einfach verboten sind.

Der Chinesische Durchschnittsarbeiter verdient 70CENT die Stunde.
Ein Deutscher Arbeitsloser bekommt 1 Euro(1 Euro Jobs)+ die Arbeitslose.
Ein Ukrainischer/Weißrußischer/Polnischer Gurkerlpflücker kommt auf......3-4 Euro die Stunde in Deutschland(Gesetz 4,75€), dafür 12-14h am Tag und schlafen in Zelten, stimmt mein Vergleich mit China war ein wenig übertrieben.
Unsere Taglöhner auf meinem Anwesen, in den 60er Jahren, mussten noch mit einem Essen als Lohn zufrieden sein, dafür durften sie im Heustadel schlafen.
http://freepage.twoday.net/stories/3604416/

Man muß den Lohn in der Relation zu den Herkunftsländern sehen.
Im polnischen Fiatwerk, zum Beispiel, sind sie für polnische Verhältnisse gut bezahlt, mit 400-500 Euro im Monat...

Aber es wird sich schon alles regeln.
Billiger für die Gesellschaft insgesamt wird es nicht mit weniger Bauern.
Ich bekomme z.B eine Entschädigung von der Gemeinde nur für die Landschaftspflege.
680 Euro für 3ha Wiese mähen und Wege freihalten, für die Spaziergänger, Moutainbiker und Reiter.
Da ich kein Vieh mehr habe brauche ich auch kein Futter mehr und keine dadurch verwildert die Landschaft, das will aber der Tourismusverband nicht, der so stolz in seinen Prospekten mit der gepfegten Kulturlandschaft wirbt....
Jo, und nur aus Spaß an der Freud mäh ich nicht...habe ja nicht einmal mehr das Gerät dazu...
So freut sich halt irgendeine Gartenarbeits/Maschinenringfirma über den unprofitablen Milchpreis, den dann alle Bürger über die Stadtkasse ausgleichen...

Es hängt eben alles irgendwie zusammen, und sei es der Milchpreis mit dem mähen der Wiese für den Tourismus....

Odium
25.07.2008, 18:51
Also kann man sagen, dass die Anzahl der Milchbauern bis 2015 langsam absinkt (im Moment laut Wiki jährlich -5%) und sobald die Milchquote wegfällt, werden die Bauern massenweise Konkurs anmelden? Ich kann mir das nicht vorstellen, bei solchen Geschichten (das sind Top-Nachrichten) schaltet sich doch immer ein Politiker ein, der mit Steuergeldern um sich wirft. Na, ich bin gespannt was da passiert.

Rasemann
25.07.2008, 19:01
Ein Bauer meldet nie/selten Konkurs an, man stellt einfach die Landwirtschaft ein.
Man kann auch von Kühen auf Schafe, Ziegen oder Strauße umsteigen oder auf die Viecherei ganz verzichten und Raps anbauen.
Echt treffen tut der Milchpreis eher die Milchindustriebetriebe, die kein Land haben und das Futter zukaufen, die haben genau NULL Alternative.

Was für Folgeprobleme es bringen kann, wenn der Bauernstand wegfällt, habe ich ja geschildert, eine ungemähte Wiese und verwahrloste Wege sind wohl das geringste aller Probleme.

Artikelausschnitt zum Thema:
Es gibt nur mehr zweihunderttausend Bauern in Österreich, von denen rund 80 % nur mehr im "Nebenerwerb" bzw. "Zuerwerb" überleben können. D. h. sie müssen einen zweiten Beruf ausüben, um die Landwirtschaft überhaupt erhalten zu können. Von 1995 (dem Jahr des EU-Beitritts) bis 2000 - in nur fünf Jahren, mußten 70.000 Bauern ihre oft jahrhundertelang bestehende Landwirtschaft aufgeben und wurden auf den ohnehin überfüllten "Arbeitsmarkt" gedrängt. In den 60er Jahren gab es in Österreich noch 430.000 Bauern...
ENDE


Also ist für 80% der "Bauern" der Bauernhof mehr ein teueres Hobby als ein Einkommen - Nebenerwerbslandwirtschaft = Arbeiten gehen um den Hof bewohnbar erhalten zu können.

Ich habe ganz aufgehört und habe mir nur 6ha behalten, das reicht für den Eigenbedarf an Brennholz und Obst(Apfel/Birnensaft, Most, usw.)
42ha für 2,5 Euro den m2 ans Land verkauft(1982), bin einer der Letzten in der Gegend, Stadtbereich aber leider Grüngürtel = auf ewig kein Bauland.
Eine Verpachtung war nicht möglich, weil kein Nutzer in der Gegend noch mehr Grund brauchte.

Ein bissl eine Info zur Sache:
http://www.initiative.cc/Artikel/2004_03_01%20Bauernsterben.htm

Odium
25.07.2008, 19:03
So ist das Leben. Aber wieso meldet ein Landwirt keinen Konkurs an? Ist doch ein Unternehmer: Er beschäftigt Angestellte, kauft Rohstoffe, produziert eine Ware und verkauft sie.

Rasemann
25.07.2008, 20:13
Weil die Aktiva meist gewaltig sind, es wird wohl kaum ein Bauer Jahrzehnte draufzahlen....

Ein Landwirt ist auch Großgrundbesitzer, heute mit meist mehreren 100 Hektar(1ha=10.000m2).
Eine "guter" Unternehmer dreht ja auch zu, wenn eine wirtschaftliche fortführung des Unternehmens nicht möglich ist.

Welche Angestellte?
Seine Frau und seine Kinder, in den allermeisten Fällen.

Ein Problem haben die Betriebe die jetzt mit Millionenaufwand die Eu-Auflagen erfüllt habe, bzgl. Stallungen usw. und jetzt nix mehr für ihr einziges Produkt bekommen.
Das sind aber keine eigentlichen Bauern mehr sondern ganz normale Agrarfirmen, mit vielen Angestellten.


Naja, es wird nicht besser werden für die Landwirte.
Stirbt der Landwirt stirbt das Land.
So sagt man.

Skoll
29.07.2008, 11:41
http://www.stern.de/wirtschaft/unternehmen/unternehmen/%3aMilchgipfel-Berlin-Bauer%2C/632601.html

Da stehen einige interessante Sachen drin. Zum Beispiel
Hinzu kommt die relativ geringe Größe. Nordmilch etwa, Nummer eins hierzulande, macht nur ein Drittel des Umsatzes vom dänischen Wettbewerber Arla. "Bei heutiger Größe haben wir nur wenig Macht in den Verhandlungen mit dem Einzelhandel", klagt der Vertreter einer großen deutschen Molkerei, der sich gern mit Konkurrenten verbünden würde.

Ich kann mir gut vorstellen, was die Milchbauern in 10 Jahren so erzählen. "Das waren goldene Zeiten damals, als wir für den Liter noch 34 Cent bekommen haben, was?"