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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Hobby Astronomie — Mein Teleskop — Bilder


aths
03.10.2003, 17:48
Am 30. Juni diesen Jahres waren endlich die Pakete da. Über ein Jahr lang hatte ich zuvor gerungen, welches Teleskop es nach dem "Revue" 60/700-er von Foto Quelle, gekauft ca. 1995, denn sein sollte. In der Informations-Phase kam es zu einigen unverhofften Geldsegen, und ich war bereit, die Kohle für ein Fernrohr auszugeben, so dass es Modell-mäßig Spielraum gab. Im Vordergrund standen einfache Benutzbarkeit, mechanische Robustheit, Planetentauglichkeit, geringes Gewicht, und Option auf Fotografie. Letztlich entschied ich mich für einen Vixen ED-Apochromat, der vor allem fürs visuelle ausgelegt ist.

Um eine eigene Internet-Seite einzurichten, fehlte bislang die Zeit. Deshalb im Forum:


http://www.aths.de/files/astro/ed102s.jpg


Letztes Wochenende wurde nun endlich genutzt, um ein Großteil der "Hardware" mal auf Film, äh, den CCD-Chip zu bannen. Leider sind von den über 200 Fotos sehr viele überbelichtet, einige auch verwackelt, und einige auch völlig uninteressant. Ich habe versucht, die besten Bilder auszuwählen (und ein wenig thematisch zu sortieren...)


Hier also die Foto-Schau:


http://www.aths.de/files/astro/astro_a6.jpg

Eines der zuletzt geschossenen Fotos gleich zu Beginn: Das Fernrohr in handliche Einzelteile zerlegt. Das kann man mit zwei Leuten in einem Gang tragen, da ich allein war, brauchte es zwei Gänge. Ein bisschen anstrengend, aber noch keine Qual. Das Fernrohr auch kurzentschlossen einsetzen zu können war ein wichtiges Kriterium bei der Wahl.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a2.jpg

Der himmelblaue Astrorucksack (so nenne ich offiziell meinen Rucksack, den ich speziell fürs Fernrohr gekauft habe) im Vordergrund. Recht der Regie-Stuhl "Oxford" (ich habe zwei Stück, aber einer blieb oben.) Rechts am Rand ein Teil von "Stonehenge". Zentral das Fernrohr.

Es ist ein modifiziertes "GP ED 102S".




http://www.aths.de/files/astro/astro_a18.jpg

Normalerweise wird der Auszug mit 60-mm-Gewinde auf 31,8 mm reduziert. Hier habe ich aber den 50,8-mm-Ring reingedreht. Hinten habe ich also auf Wunsch einen größeren Ausgang, als frühere Schulteleskope als Objektiv-Öffnung hatten... Obwohl eigentlich als Planetengerät gekauft, lässt sich der Refraktor auch als Weitwinkel-Gerät einsetzen.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a19.jpg

Oder als Tele für eine Spiegelreflex. Hier ist der Ring mit T2-Gewinde adaptiert. Das Fernrohr leuchtet Kleinbild aus, das sollte in dieser Preisregion auch sein. Das Objektiv ist zwar visuell optimiert (auf grün) aber wie bei Vixen üblich, wurde auf Foto-Tauglichkeit viel Wert gelegt. Leider habe ich keine Spiegelreflex, im Moment noch nicht mal eine elektrische Nachführung, die für Langzeitbelichtung ja praktisch unerlässlich wäre. Ehe ich ernsthaft an Fotografie zu denken wage, soll erst mal genügend Beobachtungserfahrung gesammelt werden.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a15.jpg

Das Objektiv bietet 102 mm Öffnung. Die Brennweite beträgt 920 mm, also hat das System ein Öffnungverhältnis von f/9. Es gibt für fotografische Zwecke einen Telekompressor, der f/6,3 realisiert.




Als Montierung habe ich eine Vixen Great Polaris (kurz GP.)




http://www.aths.de/files/astro/astro_a12.jpg

Hier kommt der Tubus rauf: Einsetzen, Schraube anziehen, Konterschraube anziehen. Das ist eine Sache von Sekunden, aber der Tubus sitzt bombenfest.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a16.jpg

Die Montierung :) Die biegsame Welle ist übrigens Sonderzubehör. Ich werde noch eine zweite kaufen.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a17.jpg

Hier die aufsteckbare Polsucher-Beleuchtung. Dreht man am Griff-Ende, glimmt der Stab an der Spitze rötlich. Damit wird eine Schablone beleuchtet, mit dessen Hilfe anhand des Polarsterns die Montierung ziemlich genau "eingenordet" werden kann.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a39.jpg

Ob der Blick durch den Polsucher frei ist, hängt von der Drehung der Achse ab. Dieser in der Montierung eingebaute Polsucher hat die optischen Leistungsdaten 6x20. Um den Polarstern zu finden, reicht das allemal. Das Loch ist natürlich per Kappe verschließbar. Natürlich guckt man von unten rein (die Fotos zeigen den Polsucher von oben.)

The Prophet
04.10.2003, 01:41
Hey geil, bei mir hab das Geld immer nie zu einem Vixen gereicht. Hab noch nen Brenner Refraktor rumstehen aber für so manche Objekte reicht auch dieser aus. Schaust du oft?

mfg

Loopo
04.10.2003, 02:04
welche Kamera benutzt du !? :p

aths
04.10.2003, 13:28
Original erstellt von The Prophet
Hey geil, bei mir hab das Geld immer nie zu einem Vixen gereicht. Hab noch nen Brenner Refraktor rumstehen aber für so manche Objekte reicht auch dieser aus. Schaust du oft?Brenner? Meinst du Bresser?

Ich gucke "so oft wie möglich" :) Leider ist es nicht sooo oft möglich. Bislang hatte ich erst 4 ernsthafte Beobachtungsnächte. Der Spaß kommt natürlich mit den Erfolgen, so schlecht wie einige behauptet haben, scheinen 4" Öffnung für Deep Sky nun auch wieder nicht zu sein. Am Planeten ist das Ding natürlich spitze, die kontrastreiche ED-Optik unterdrückt praktisch jeden Farbsaum, (der beim Fraunhofer-Objektiv bei hohen Vergrößerungen ja nunmal leider da ist.) (Der Farbfehler beim Fraunhofer lässt sich mit einem Filter unterdrücken, aber leider ist der Kontrast dann trotzdem weg.)

Original erstellt von Loopo
welche Kamera benutzt du !? Diese Fotos sind mit einer Coolpix 2000 gemacht.

aths
05.10.2003, 21:53
Das Stativ ist ein Uni 28 von Berlebach.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a62.jpg

Früher hieß das Stativ Uni 18L (auf dem Foto ist auch die GP-Montierung zu sehen.) Das Stativ kostet nach wie vor über 300 €, doch nach dem Gewackel bei dem klapprigen Kaufhaus-Teil von Foto Quelle ging ich lieber auf Nummer sicher.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a21.jpg

Die Ablage-Platte ist imo ein Glanzpunkt des Statives. Die Seitenlänge beträgt etwa einen halben Meter — man bekommt viel unter. Alles ist schön aus Holz, herrlich! Die Stahlkette unten verhindert dass sich die Beine zu weit spreizen, wenn die stabilisierende Auflageplatte noch nicht eingehängt wurde.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a20.jpg

Ein Stativ-Fuß. Durchdacht: Man kann den Fuß hochschrauben, und erhält dann eine freie Metallspitze, die sich in den Boden rammen lässt. Der Stutzen links "kontert" quasi.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a4.jpg

Das Berlebach aus Spaß mal voll ausgezogen. (Bei der GP ist normalerweise ein Alu-Stativ dabei, dieses Holz-Stativ stellt wohl die stabilere Wahl dar.) Das Stativ nervt zwar mit 7 kg Gewicht, macht bei der Arbeit aber unheimlich Freude.




Zum Reingucken braucht man ja Okulare.



http://www.aths.de/files/astro/astro_a3.jpg

25 und 9 mm habe ich sogar doppelt (nicht im Bild, der Binokular-Ansatz ist ohnehin zur Reparatur) und das eine 7 mm zum Testen. Das 9-mm-Okular ist länger, kein Wunder, hat man hiermit ja noch 50° Gesichtsfeld. Das 7 mm (45° Gesichtsfeld) verlangt mehr Konzentration dabei, die Einblickposition zu halten. Beim Bino ist die Problematik aufgrund der Glaswegkorrektoren (mit Vergrößerungsfaktor) entspannter.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a50.jpg

Auf der Platte die 2"-Hülse (als kurzbauende oder als verlängernde Hülse einschraubbar), die T2-Verlängerunshülse, ein LV-Okular 9 mm, und eine 31,8-mm-Schutzkappe (für die 31,8-mm-Redizierhülse.)




http://www.aths.de/files/astro/astro_a52.jpg

Hauptsächlicher Vorteil bei den LV-Okualaren: 20 mm Augenabstand. Trotz seiner kompakten Abmessungen hat dieses Okular bei 7 mm Brennweite noch eine große Augenlinse anstatt ein "Papageien-Auge".




http://www.aths.de/files/astro/astro_a56.jpg

Beim 9 mm (bis zum 25-mm-Okular) ist die Augenlinse sogar noch etwas größer. Das 9 mm macht mir tatsächlich unheimlich viel Spaß: 102 Vergrößerungen, 1 mm Austrittspupille, sehr bequemer Einblick der auch das eine oder andere Kopfwackeln verzeiht, und wie es bei 1 mm AP auch sein sollte, ein schön klares, kontrastreiches Bild.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a31.jpg

Das Vixen 60° Amici-Prisma. Für Tagesbeobachtungen sehr gut, nachts aufgrund Spike-Erzeugung wenig empfehlenswert.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a10.jpg

Mit der Digitalkamera freihändig die Austrittspupille abfotografieren? Nach einigen Versuchen brachte ich das zustande. Der Balkon war übrigens nach dem Aufbau zufällig drin, ich bemerkte das Motiv erst auf dem LC-Display der Coolpix.

Queen
05.10.2003, 22:25
Liest sich alles recht beeindruckend für einen Laien auf diesem Gebiet wie mich. :D
Die Geräte und das Zubehör waren bestimmt nicht gerade billig, auf den Fotos wirkt alles sehr hochwertig.

Mich würden mal ein paar Bilder von einer deiner nächtlichen Beobachtungs-Sessions interessieren. Hast du da zufällig welche und kannst vielleicht mal ein oder zwei Pics posten?

aths
06.10.2003, 09:12
Nicht direkt, aber ich könnte einen Beobachtungsbericht posten :


Ort: Stadtrand von Wismar.

Datum: 28.9.2003, ca. 5:20 - 6:30 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25".

Bedingungen: Kein Mond, kaum Dunst, aber heftig blinkende Sterne, ziemlich freier Himmel mit einigen Wolkenstreifen, Licht von den Fenstern eines nahen Wohnheims und von Laternen in der Nähe.

Besonderheiten: Das erste mal M42 gesehen. Weitere "Firsts" mit dem ED.


Objekte:

- Jupiter (größter Planet im Sonnensystem) und seine vier großen Monde

- M42 (großer Gasnebel im Sternbild Orion)

- Sirius (Hauptstern im Sternbild "Großer Hund")

- Procyon (Hauptstern im Sternbild "Kleiner Hund")

Mein Fernrohr habe ich ja nicht zum an-, sondern zum durchsehen gekauft, und so war ich heute morgen damit unten. Kurz nach halb fünf wurde ich wach, und da ging durch meinen Kopf, dass Saturn ja gut sichtbar sein sollte. Also aufgestanden, Computer hochgefahren und ein Programm gestartet, welches den Himmel zeigt (namens "Cartes du Ciel"). Kaffee in der Mikrowelle warm gemacht, eine kleine Stärkung mit einem Streifen Kuchen, und dann in zwei Gängen die notwendige Ausrüstung nach unten getragen.

Schon als ich mit Stativ und Montierung beladen war (also beim ersten Gang) sah ich das bekannte Sternbild "Orion". Der Orion schuldete mir noch einen Nebel. In der Nähe stand ein irre heller Stern. Saturn?? Nun, Planeten blinken ja nicht, wenigestens nicht so heftig... beim zweiten Gang hatte ich alles benötigte unten und baute auf. Das dauerte doch einige Minuten länger, als gedacht.

Im Osten deutete sich bereits die Dämmerung an. Also Verzicht auf den ganzen Justier- und Ausrichtungs-Kram. Da sah ich endlich den gesuchten Planeten: Ein ruhig strahlender, irgendwie majästetisch scheinender Punkt. Aber so östlich?! Aber was sollte es sonst sein. Also, das Rohr geschwenkt, den Sucher in den Halterschuh gesetzt und fixiert, dann den Lichtpunkt mit dem Fadenkreuz zentriert, dann durch das 25-er Okular geschaut (es bringt bei mir eine Vergrößerung von 37x.) Immerhin, das Objekt war noch knapp im Blickfeld. Ich zentrierte es im Okular und dann erkannte ich ihn auch: Jupiter.

Von wegen Saturn! Jupiter hatte sich übrigens zuerst durch seine großen Monde verraten, drei der vier waren in der Äquatorialebene sichtbar. Jene stand allerdings Kopf. Das verwunderte mich. Ich ging auf Vergrößerung um dem Göttervater Details zu entlocken. Sogar mit den beiden großen Wolkenbändern gabs Probleme, die Sichtbedingungen waren grauenhaft. Mit 131x ging das Bild nicht mehr scharf. Als nächstes, bevor es zu hell würde, auf zu M42!

Ich rührte etwas im Himmel herum und fand nix. Deshalb wollte ich erst mal an Beteigeuze (dem großen roten Stern, links oben im Orion) den Sucher justieren aber da flutschten mir die Gürtelsterne des Orions durchs Bild. Also doch kein Beteigeuze, sondern gleich nach dem Nebel gesucht. Man sieht ja selbst aus der Stadt heraus mit bloßem Auge, dass da "irgendwas ist". Irgendwas diffuses mit Ausdehnung. Was Geheimnisvolles. Das ist mir schon lange bekannt, leider richtete ich in allen den Jahren meinen alten "Revue" 60/700-er nie auf den Orion-Nebel..

Nun aber! Im Sucher die drei charakteristischen Sterne in vertikaler Anordnung, wo irgendwo M42 sein muss. Das LV25. Nur Sekunden später wandte ich den Blick wieder ab. Um nicht das Okular zu befeuchten: Meine Augen tränten, vor Überwältigung!!

Der Nebel.

Ich sah den Nebel. Mit zwei "Schwaden" ("Armen"). Und mit Fläche. Klar und deutlich. Mit indirektem Sehen wirkte er noch größer und schon fast wie auf Fotos (mal abgesehen von der Farbe.) "Indirektes Sehen" ist ein Trick, dass man am Objekt vorbei guckt, aufgrund der Anatomie des Auges hat man dort zwar kaum Farbsehen, aber kann Helligkeitsunterschiede besser wahrnehmen. Da ich mit meinem Fernrohr beim Orionnebel ohnehin keine Hoffungen auf Farbe habe, ist das indirekte Sehen eine gute Möglichkeit, lichtschwache Dinge zu sehen die man bei direktem Draufgucken nicht erkennt.

Minutenlang führte ich das Fernrohr bei 37x nach. Ich sah im Nebel drei Sterne die fast auf einer Reihe standen, und auf der andere Seite einen Dreifach-Stern. Nö, das waren sogar vier Lichtpunkte, wenn man genauer hinsah. Faszination Weltraum.

Aus Spaß das 9-mm-Okular gezückt... allerdings mit der Befürchtung, wegen dem Licht keine vernünftigen Kontraste mehr zu haben. (Mit 9 mm habe ich 102x, und 1 mm Austrittspupille.) Was ich dann aber sah, haute mich um. Struktur. Also im Nebel. Struktur!! Im Nebel waren "Knoten" auszumachen. Er sprengte übrigens schon das Gesichtsfeld, das mit zunehmender Vergrößerung ja kleiner wird. Das Zentrum von M42 war zwar drin, aber die Ausläufer wurden abgeschnitten. Also fuhr ich mit Hilfe der Fein-Nachführung den Nebel ab. Und kam aus dem Staunen nicht heraus: Eine Art Dunkelwolken-Band. Und der Vierfach-Stern entpuppte sich als Trapez. Wer hätte gedacht, dass Astronomie so schön sein kann?

Das 7 mm LV (was mir 131x beschert) war etwas schon etwas schwieriger beim Scharfstellen, aber den Schärfepunkt zu finden ging dann doch. Das Gesichtsfeld war allerdings erheblich kleiner geworden. (Von 0,49° zu 0,34°.) Man überschaut nur noch die halbe Fläche, was den Überblick bei solch großen Objekten wie M42 erschwert. Das komische Trapez war dafür größer.

Eins ist fakt: Mit meinem Gerät werde ich es dereinst einrichten, M42 in einer pechschwarzen Nacht zu sehen. Schon jetzt freute ich mich über den Kontrast, mit dem ich nie gerechnet hätte. Und die Umstände waren heute wenig hilfreich: Städtisches Streulicht, herannahende Dämmerung, eine dünne Wolke nahe der Gürtelsterne...

Wo ist nun eigentlich der Saturn? Wegen ihm war ich ja da. Ich fuhr nun doch den blinkenden, hellen Stern an. Natürlich war es ein Stern, und kein Planet. Sirius, übrigens. Unglaublich hell.

Also wenigstens nochmal den Jupiter angesteuert, der etwas gestiegen war. An ihm noch schnell den Sucher justiert... Die beiden Haupt-Wolkenbänder waren aufgrund der gewonnen Höhe besser zu sehen. Sie schienen zudem nicht so gleichmäßig (und auch nicht so unscharf) wie ich es noch von früher mit dem alten Fernrohr kannte, sondern schienen über die Oberfläche ihre Dicke oder zumindest Helligkeit zu ändern. Von "Großen roten Fleck", den ich früher ansatzweise wohl doch mal drin hatte, aber nix zu sehen. Der vierte Mond zeigte sich jetzt, ganz nah am Äquator. Ich versuchte, dem Jupiter weitere Details zu entlocken. Bedächtig drehte ich den Tubus nach, und beobachtete abwechselnd mit beiden Augen.

Der Planet gab ein hervorragendes Beispiel für den Effekt "Atmosphärische Refraktion" ab, er sah wie durch ein Prisma betrachtet aus. Trotzdem, seine Polgebiete schienen nach eingehender Beobachtung dunkler als die Umgebung. Blickweise bildete ich mir ein, in Polnähe je ein weiteres Band zu sehen. Das würde ich aber nicht beschwören wollen, die durch die kommende Sonne wohl schon angeheizte Luft "kochte" unerträglich. Aber, wo war der Saturn? Ich geh hier nicht weg, bevor ich den Ringplaneten gesehen habe!

Einen hellen Stern fuhr ich noch an. War aber auch nur ein Stern. (Procyon, wie ich später nachsah.) Verzweiflung macht sich breit. Die Sternkarte hatte ich nicht mitgenommen. Der Saturn sollte in den Zwillingen stehen. Aber inzwischen wurde es hell, der Orion verblasste bereits. Ich kann jawohl noch Planeten von Sternen unterscheiden, und _weiß_, dass der Saturn nicht gerade unauffällig ist. Ich guckte den Himmel ab. Dabei drehten sich im Kopf die Zahnräder: Der Saturn muss sich ja zwangsläufig in der Ekliptik befinden (das ist die Ebene, in der alle Planeten liegen.) Der Jupiter ist nicht so sehr gegen die Ekliptik geneigt, und seine Monde liegen im moment fast vertikal. Das müsste die ungefähre Ebene sein.

Aber da war kein Saturn. Der Himmel zeigte bereits seine blaue Farbe. Noch mal zum Jupiter gefahren, der wieder etwas gestiegen war. Der bewusste Jupiter-Mond (übrigens der Io, wie ich nachgeguckt habe) war nun etwas weiter vom Jupiter entfernt. Wirklich faszinierend, die Mondbewegungen eines anderen Planeten hautnah mitzuerleben! Live-Programm, direkt aus dem Weltraum gesendet. Ich probierte noch mal das 7 mm LV. Blickweise war das Bild nun fast scharf. Die Polkappen sind eindeutig dunkler. Der Planet ist zudem erkennbar abgeflacht. 130x ist gegenüber 100x ein merklicher Unterschied. Die eigentliche Vergrößerungsleistung konnte ich heute nicht ausnutzen, wie mächtig würde der Planet erst bei 200x scheinen...

Nur den Saturn, den sah ich nicht. Die Sonne war noch nicht aufgegangen, aber es wurde bereits hell. Frustriert das Gerät abgebaut. Alles metallische war ausgekühlt, der Tau machte die Oberflächen glitschig. In zwei Gängen ist das Geraffel wieder oben. Vorwurfsvoll auf Cartes du Ciel geguckt: Ich Depp. Ich Riesenhirni. Saturn ist so weit gestiegen, dort hatte ich natürlich nicht geguckt... und nun war schon abgebaut.


Trotzdem, in dieser Nacht leckte ich erneut Blut: Jupiter wird mir noch viel Freude machen, und der Orion-Nebel war das beeindruckendste, was ich am Himmel je gesehen habe.

Oben hörte ich erst mal "Here comes the sun" (sie kam ja auch wirklich) von George Harrison und schrieb dann gleich diesen Beobachtungsbericht.


http://www.aths.de/files/astro/astronacht_01.jpg

Rechts sieht man Jupiter.


http://www.aths.de/files/astro/astronacht_02.jpg

Die Dämmerung ist zuweit forgeschritten: Es macht keinen Sinn mehr. Abbau.

Queen
06.10.2003, 22:08
Hey, klasse Bericht über deine Boabachtung, man kann deine Begeisterung richtig spüren. :D
Also so wie ich das rausgelesen habe, war das eine kurzfristige, spontane Aktion oder wie? Um dein Fernrohr samt Stativ und was-weiß-ich-was-alles aufzubauen, äh, wie lange dauert denn das, weil du hast ja geschrieben auf die Ausrichtung etc. verzichtet zu haben?

Trotzdem würden mich ein paar Pics interessieren. Läßt es sich einrichten Bilder (also ich meine direkt durchs Rohr irgendwie) bei einer geplanten Beobachtung anzufertigen, sofern sich der Aufwand für dich in Grenzen hält?

br4zz
06.10.2003, 22:39
hey liest sich super!

selbst wenn jemanden das thema normalerweise nicht sehr interessiert macht es dennoch lust auf mehr.

Tiu
06.10.2003, 22:49
Worin liegt denn der Unterschied zwischen dem ED 102S und dem ED102SS ?
Sind weniger als 100 Euro Preisunterschied.
Naja, gegen so ein Teleskop kann meines nicht im entferntesten anstinken. Ist aber auch ein stolzer Preis für dein Teleskop. Hoffe Du hast viel Spass damit.
Ich leih DIr dann einmal meine Spiegelreflex-Kamera. Hätte dann gerne ein paar Bilder vom Adlernebel. Hoffe die werden dann auch so gut wie vom Hubble-Teleskop:D

aths
07.10.2003, 09:52
Original erstellt von QUEEN
Hey, klasse Bericht über deine Boabachtung, man kann deine Begeisterung richtig spüren. :D
Also so wie ich das rausgelesen habe, war das eine kurzfristige, spontane Aktion oder wie? Ja, ohne die nötige Begeisterung tut man sich so ein Hobby nicht an. Mein Scope ist darauf ausgelegt, kurzfristig eingesetzt werden zu können; als Student steht man ja unter den Zwängen des Stundenplans bzw. der Laborpraktika etc., groß planen kann man da nicht; schon gar nicht was das Wetter angeht.
Original erstellt von QUEEN
Um dein Fernrohr samt Stativ und was-weiß-ich-was-alles aufzubauen, äh, wie lange dauert denn das, weil du hast ja geschrieben auf die Ausrichtung etc. verzichtet zu haben? Na vom Entschluss "jetzt gehe ich runter" bis zum einsatzbereitem Teleskop vergehen sicher 15-20 Minuten. Da muss man ja vorher noch die Sachen zusammen sammeln usw. Mit mehr Übung ginge das etwas schneller. Bei einem Hobby finde ich Eile jedoch irgendwie unangebracht :D
Original erstellt von QUEEN
Trotzdem würden mich ein paar Pics interessieren. Läßt es sich einrichten Bilder (also ich meine direkt durchs Rohr irgendwie) bei einer geplanten Beobachtung anzufertigen, sofern sich der Aufwand für dich in Grenzen hält? Das lässt sich pauschal nicht sagen. Mein einziger Fotoapparat ist die Coolpix 2000, und da ist natürlich kein T2-Gewinde dran, ebensowenig kann man das Objektiv abschrauben... So könnte man vielleicht mal freihändig den Mond versuchen, viel mehr ist kaum drin. Hätte ich 'nen Laptop, könnte man mit 'ner Webcam (und anschließender Bildverarbeitung) prima Planetenfotos machen. Leider habe ich keinen Laptop. Hätte ich 'ne Spiegelreflex, und eine elektrische Nachführung, könnte man damit Langzeitbelichtung für Deep Sky-Objekte probieren. Die Nachführung kommt früher oder später auf alle Fälle.

Auf welchem Wege ich mich vielleicht mal dereinst fotografisch versuche, weiß ich noch nicht. Es gibt noch weitere Möglichkeiten, die aber teurer würden. Aber so oder so bräuchte es z.B. noch ein Leitrohr... wahrscheinlich fange ich irgendwann "von der Pike auf" an: Mit dem Fernrohr die Kamera lediglich nachführen, bevor durch das Rohr fotografiert wird.




Original erstellt von br4zz
hey liest sich super!

selbst wenn jemanden das thema normalerweise nicht sehr interessiert macht es dennoch lust auf mehr. Könnten Postings hier länger sein, als 10000 Bytes, könnte ich einen neueren Beobachtungsbericht posten, wo ich einer Gruppe von 6 Mann in zwei Stunden 6 Objekte vorführte :)




Original erstellt von GRAKA0815
Worin liegt denn der Unterschied zwischen dem ED 102S und dem ED102SS ?
Sind weniger als 100 Euro Preisunterschied.Der 102SS hat 660 mm Brennweite, der 102S hat 920 mm Brennweite. Für Deep-Sky-Langzeitbelichtung und für Weitwinkel-Beobachtungen ist der 102SS besser, am Planeten zahlt sich die längere Brennweite des 102S aus. Der 102S hat aufgrund der geringeren relativen Lichtstärke ein entspannteres Öffnungsverhältnis, was die Korrektur (des sekundären Farbfehlers und anderer Abbildungsfehler) einfacher macht.

Man kann mit beiden Teleskopen alles machen (Deep-Sky, Fotos, Weitwinkel-Beobachtungen, Planeten) und zwar auf jeden Fall besser als mit einem gut korrigierten Fraunhofer-Achromat (der dafür mindestens 1300, besser 1500 mm Brennweite braucht und somit seeehr lang würde.) Der 102SS ist aufgrund seiner Kürze deutlich beliebter als der 102S, aber da bei mir wie gesagt Planeten recht weit oben auf der Liste bevorzugter Objekte sind, fahre ich mit der längerbrennweitigen Version besser.

Original erstellt von GRAKA0815
Naja, gegen so ein Teleskop kann meines nicht im entferntesten anstinken. Ist aber auch ein stolzer Preis für dein Teleskop. Hoffe Du hast viel Spass damit.
Ich leih DIr dann einmal meine Spiegelreflex-Kamera. Hätte dann gerne ein paar Bilder vom Adlernebel. Hoffe die werden dann auch so gut wie vom Hubble-Teleskop:D Der Preis, bzw. das Preis/Leistungs-Verhältnis... dazu schrieb ich kürzlich woanders mal 'ne Kolumne, aber die will ich hier nicht wiederholen :) Kurz dazu, wenn man fähig ist, preiswerte China-Ware zu optimieren, fährt man damit oft günstiger: Weniger zahlen, aber praktisch die gleiche Leistung. (Natürlich darf man keinen Schrott kaufen, aber China-"Hardware" ist nunmal billiger als japanische Marken-Hardware. Letzere arbeitet dafür "out of the box".) Ich zahle bei Vixen also quasi mehr Geld, als es mehr Qualität gibt, aber erhalte das Funktionieren "out of the box" sowie dank besserer Kontrollen ein kleineres Risiko, aufgrund der Serien-Streuung ne "Gurke" erwischt zu haben. Das Ende der Fahnenstange ist das natürlich noch lange nicht. Die Edelmarken bringen mehr Qualität, aber wieder für einen ziemlichen "Aufpreis". Für meine Verhältnisse (Student) allerdings ist die Marke Vixen bereits als gehobene Mittelklasse zu sehen; zumal die Apo-Serie bei Vixen in der dortigen Produktpalette eher im HighEnd-Bereich spielt (sie bieten ja auch Einsteiger-Geräte an.)

Der Preis ist, das muss man ehrlich sagen, allein durch die Leistung des Gerätes nicht gerechtfertigt. Beispielsweise kostet ein vernünftiger 150-mm-Newton f/8 ja nun nicht die Welt (einige 100 €) aber übertrifft bei halbwegs guter Justage (ok, von der Weitwinkligkeit und dem großzügigem Fokussierweg meines Refraktors abgesehen) in jeder Leistungsdisziplin mein Fernrohr mehr oder minder deutlich. Fangspiegel-Abschattung und Kontrastverlust durch die Fangspiegelspinne bzw. den Fangspiegel selbst hin oder her, gegen 150 mm Öffnung kann man mit 102 mm Öffnung nichts ausrichten.

Auf der anderen Seite steht natürlich das vergleichsweise geringe Tubus-Gewicht (3,5 kg) und die relative Kompaktkeit (allerdings gibt es noch wesentlich kompaktere Spiegelteleskope mit vergleichbarer oder höherer Leistung), dann die sehr geringe Justage-Anfälligkeit (das Objektiv wird im Werk justiert, nachträgliche Justage ist praktisch nie erforderlich) und die geringere Seeing-Anfälligkeit, eine Sternenabbildung wie sie nur ein guter Refraktor bringen kann, und dass es eben ein Refraktor ist :) Also ästhetische Fragen spielten bei meiner Kaufentscheidung eine große Rolle.

Weil solche Dinge Fragen des persönlichen Geschmacks sind, würde ich mein Modell auch nicht ohne weiteres empfehlen. Die Montierung und das Stativ allerdings halte ich in jedem Fall für empfehlenswert :)

The Prophet
07.10.2003, 18:00
Original erstellt von aths
Brenner? Meinst du Bresser?



Mein ich doch ;-) Schöne Berichte, würde mich über Astronomische Photos freuen. Schaue meistens selbst im tiefen Winter z.B Orion oder im Sommer die Milchstraße, Planeten.

mfg

aths
07.10.2003, 21:06
Der (bislang) letzte Beobachtungsbericht:



Ort: Stadtrand von Wismar.

Datum: 4.10.2003, ca. 22:50 - 0:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Anfangs tiefer Mond (ca. 60% voll), Bodennebel bzw. -dunst, nicht so heftig blinkende Sterne, im Großen und Ganzen ziemlich freier Himmel jedoch mit einigen Wolken, Licht von den Fenstern eines nahen Wohnheims und von Laternen in der Nähe.

Besonderheiten: Beobachtung in einer größeren Gruppe. So viele Objekte in einer Nacht, wie noch nie. Das erste mal Saturn mit dem ED gesehen. Mars so gut wie noch nie. Vorzeitiger Abbruch der Beobachtungnacht, weil den Teilnehmern zu kalt wurde (dabei hatte ich vorher gewarnt...)


Objekte:
- Mars ("Der rote Planet")
- Mond
- Mizar und Alkor (Scheinbarer Doppelstern im Großen Bären, "Augenprüfer")
- Plejaden ("Das Siebengestirn")
- M57 ("Ringnebel in der Leier")
- Saturn ("Der Ringplanet")


Viele Leute, viele Objekte, es gibt viel zu erzählen, also nicht viel der Vorrede: Ich fragte drei Leute aus meinem Matrikel ob sie Lust hätten, zwei sagten zu und brachten jeweils noch zwei weitere mit, so dass wir insgesamt sieben waren. Die meisten hatten noch nie durch ein Fernrohr geschaut... Rechtzeitig sammelte ich das Zubehör zusammen, stellte schon mal die Tubustasche auf den Balkon damit das Fernrohr Arbeitstemperatur erreicht :) und freute mich auf die kommenden Beobachtungen. Übrigens ist das die erste Nacht gewesen, wo beide Klappstühle unten waren (sonst immer nur einer.)

Aufbau des Fernrohrs, und ein Versuch, "einzunorden" (also die Montierung auszurichten.) Hierfür stellte ich vorher zuhause extra noch die Polhöhe nach. Letztlich genügte mir eine grobe Ausrichtung. Jetzt musste noch die vergessene Taukappe geholt werden, dabei nahm ich auch den ebenfalls vergessenen Karkoschka und die drehbare Sternkarte mit. Diese Literatur würde ich allerdings kaum brauchen, denn was auf dem Programm stand war ja auf den drei Karten verzeichnet, die mir das Freeware-Programm "Cartes du Ciel" druckte. (Die Karten zeigten jeweils den kompletten Himmel, jedoch für unterschiedliche Uhrzeiten.)

Das Rohr aufgesetzt, das Zubehör adaptiert, mit dem Fernglas Richtung Mars geschaut: Das sollte das erste Objekt des Abends sein. Vorher meinte ich noch, es gäbe heute Nacht so viel zu sehen, das sei gar nicht alles zu schaffen. Das brachte mir mutige Bemerkungen ein, das Durchhaltevermögen nachts im Freien betreffend. Jemand beobachtete inzwischen eine Sternschnuppe, die mir leider entging. Ist überhaupt Sternschnuppenzeit? Naja, sowas kann ja praktisch zu jeder Jahreszeit vorkommen...

Der Kriegsgott zeigte sich aufgrund seines niedrigen Standes wenig detailreich. Dunkelgebiete waren zu erkennen, aber keine Polkappe, die atmosphärische Refraktion verschluckte offenbar eine Menge Details. Die Gruppe schaute den Mars an, und war mäßig begeistert. Nicht jeder erkannte auf Anhieb die Dunkelgebiete, die mir förmlich ins Auge sprangen.

Es wurde gefragt, was der Nebelfleck da im Himmel sei. Das fragte ich mich auch, schaute durchs Fernglas und erkannte das Siebengestirn natürlich sofort. Im gleichen Zuge war ich einmal mehr von den Plejaden überwältigt: Da stehen sechs, sieben helle Sterne zusammen. Das Fernglas wurde herum gereicht und ich achtete darauf, dass sich das jeder mal durchs Glas ansieht. Einige guckten auch auf den Mond damit und erkannten bereits Krater. Ab jetzt werde ich immer auch das Fernglas mitnehmen.

Um die Stimmung weiter zu heben, peilte ich nun mit dem Teleskop den Mond an.

"Da braucht man ja 'ne Sonnenbrille" meinte ich bei 37x, was mir sofort abgekauft wurde, da unser Trabant im Okular offenbar einen sichtbaren Lichtfleck auf dem Auge erzeugte. Der Mond war etwa zu 60% voll. Wie erwartet, war jeder fasziniert von den Krater am Terminator (so nennt man den Hell-Dunkel-Übergang.) (Ebenso klagte jeder über "den hellen Fleck" auf dem Auge, nachdem er guckte. Die Dunkeladaption war wirklich erst mal hin.) Ich erhöhte die Vergrößerung nun auf 102x. Wäre ich alleine, wären erst mal in aller Ruhe die Kraterlandschaften betrachtet worden. Nun aber guckte eben jeder mal durch und staunte noch mal. Wegen der hohen Vergrößerung und der folglichen schnellen Wanderung am Himmel musste ich hin und wieder das Objekt neu einstellen. Dabei reichte es dank der groben Einnordung, im Prinzip mit der Nachführung in einer Achse auszukommen...

Übrigens war das etwas fummelig, wenn der Tubus gedreht wurde, waren die Nachführ-Wellen, bzw. Stangen- und Knöpfe auf der falschen Seite. (Nachdem sich die biegsame Welle löste verzichtete ich auf neuerliches Befestigen und nahm die Stange. Deklination führte ich halt per Knopf nach.) Mehrfach musste ich den Tubus auch radial drehen. An dieser Stelle die Bemerkung, dass ich vorher eine Art "Fernrohr-Einweisung" druckte und jedem zum Lesen gab und dort u.a. über den Augenabstand der LV-Okulare aufklärte. Die mechanische Bedienung übernahm ich jedoch komplett.

Wie sollte es mit der Astro-Tour nun weitergehen? Ich guckte durch das Fernglas zu Mizar und beschloss: "Keine Experimente" und stellte den mittleren Deichselstern des Großen Wagens im Fernrohr ein. Der Doppestern-Renner in jeder Nacht... Jeder guckte und sah über Mizar auch Alkor, das Reiterlein... Mizar selbst ist ja auch noch mal ein Doppelstern, was einige auf Anhieb erkannten. Das Teleskop richtete ich dann auf die Plejaden. Natürlich reicht ein Feld von 1,3° für den Überblick nicht aus, man sah aber trotzdem "viele helle Sterne", was zumindest mich begeisterte. Ich fuhr das Feld ab. Vom Reflektionsnebel natürlich keine Spur. Trotzdem beeindruckend, immer aufs neue. (Egal ob im 8x30 Fernglas meines Vaters, im "Revue" 60/700, jetzt im 10x40 Fernglas oder im Teleskop.)

Was nun? Also doch mal in den Karkoschka und auf die Cartes-du-Ciel-Karten geguckt. Und überlegt. M57? Der untergehende Mond verzog sich hinter Wolken, gut. Wo müsste man jetzt suchen? Etwas gewartet und auf bessere Dunkeladaption gehofft. Dann Leier anhand des hellen Hauptsterns und dem charakteristischem "Kasten" gefunden. Aber die Leier stand über dem Wohnheim, der Himmel war dort besonders hell. Hat das dann überhaupt einen Zweck? Ich rührte etwas im Himmel herum, bis die beiden unteren Kastensterne im Sucher waren, zentrierte die Halbierende und sah bei 37x nach: Dort ist er ja, der Rauchkringel. Schwach, indirekt aber deutlich. Hmmm, lohnt eine stärkere Vergrößerung? Reicht der Kontrast? Probieren geht über studieren... Tatsache!! Durch die stärkere Vergrößerung schien ja auch der Himmel dunkler, der Kontrast reichte für schwache Erkennbarkeit bei direktem, und deutliche Wahrnehmung bei indirektem Sehen.

Natürlich war der Ringnebel für einige problematisch, letztlich sah aber jeder was. Das generelle Problem in der Gruppe war, dass jeder sofort was sehen wollte. Beim Ringnebel muss man aber schon die Ruhe mitbringen, und entspannt "vorbei gucken". Wie das geht, versuchte ich zwar zu erklären, aber letztlich muss die Technik jeder selbst für sich lernen. Für mich war's die dritte Sichtung des Ringnebels, trotzdem beeindruckte der Rauchkringel aufs neue. Übrigens musste man mit der Hand das Licht vom Wohnheim abblenden, sonst gab es ein Reflektion auf dem Okular, irgendwann werde ich wohl doch mal ein schwarzes Tuch kaufen. (Und am besten auch das örtliche Kraftwerk sabotieren...)

Welches Objekt jetzt? Ich hatte Lust auf Deep Sky. Den Doppelsternhaufen "h+x Perseus"? Im Karkoschka war das Objekt schnell gefunden, aber am Himmel suchte ich ihn ja schon mal vergeblich. Das sollte heute nicht riskiert werden, ich wollte was zum Zeigen anbieten können. Den "Kugelsternhaufen im Herkules" M13? Der stand ebenfalls ungünstig über dem Wohnheim, aber wenn der Ringnebel schon so gut funktionierte... nun müsste man nur noch den Herkules finden. Das war schwieriger als gedacht. Nur die rechte Hälfte des Sternbildes war vernünftig zu sehen. Leider war der Kugelsternhaufen nicht zu finden. Sehr viel Geduld brachte ich dafür aber auch nicht auf. Wenigstens war der Mond inzwischen weg.

Nur die Ruhe! Ich sah mich um. Da gabs einen ruhig strahlenden Punkt. Schon Saturn? Die Himmelsrichtung könnte stimmen... also das Rohr geschwenkt! Schon bei 37x den Ring gesehen. Saturn. Endlich! Hochvergrößert, leider habe ich im Moment nur Okulare für bis zu 131x. Das war angesichts des niedrigen Standes aber schon zuviel, also mit 102x gearbeitet. Zunächst guckte ich selbst. Minutenlang. Das Seeing war fürchterlich, kein Wunder. Von der Ringteilung keine Spur. Die "Bauchbinde", ein äquatoriales Wolkenband, schien aber sichtbar. Kann das sein, oder war das eine optische Täuschung? Na nun sollten auch mal die anderen gucken...

Selbstverständlich gabs in der Gruppe entsprechendes Hallo. Trotz des Luftzitterns. Allerdings hatte einer Probleme, er sah nur "was Längliches" ("ein Bakterium") und "zwei schwarze Punkte". Die meisten erkannten den Ring jedoch als solchen. Jemand verabschiedete sich inzwischen, kurz darauf auch die Freundin meines Freundes (der selbst noch da blieb) ebenso die Freundin der Freundin. Dass die Frauen jetzt weg waren, änderte nichts an der Weichlichkeit in der Gruppe: Bei den übrig gebliebenen mehrten sich ebenfalls die Stimmen, die auf ein absehbares Ende drängten. Ehrlich, das enttäuschte mich. Gut, trotz zwei Hosen übereinander, trotz zwei Pullover (plus Jacke) war auch mir relativ kalt, aber ohne Opfer kein Lohn. Astronomie ist nunmal kein Fernsehen (oder eigentlich ja schon, sogar im wahrsten Sinne des Wortes.) Ich zeigte auf den einen Stern (der wegen des niedrigen Standes heftig blinkte) und fragte, ob der rötliche Stern gesehen würde. "Das ist ein Stern!" wurde jetzt akzeptiert, offenbar gab es vorher eine Diskussion, was das sein soll. Ich sagte, dass das Beteigeuze sei, welcher zum Orion gehöre, und dass bald seine Gürtelsterne aufgehen würden, und man darunter den großen Orion-Nebel fände. Das konnte leider keinen so recht begeistern.

Eigentlich hatte ich Lust auf Deep Sky. Doch noch h+x? Naja, das Himmel-W, in dessen Nähe man suchen müsste, steht so zenitnah (also sehr weit nach oben), da müsste man das Stativ jetzt ausziehen und die Montierung neu in die Waagerechte bringen, dazu hatte ich dann auch keine Lust.

Der Planet Uranus müsste in der Nähe des Mars stehen. Ich peilte nochmal auf den Mars und guckte links und rechts davon nach dem Uranus. Vielleicht sah ich ihn, dann aber nur zufällig. Der Uranus ist ja irre weit weg, Oberflächendetails kann man ohnehin nicht erkennen, maximal wäre ein kleines Scheibchen drin. Ich brach die Suche schnell ab, denn der Mars stand jetzt höher, und 131x offenbarte bislang ungeahnte Details.

Leider war das 7-mm-Okular beschlagen. Das führte zu einem großen Reflex auf der Augenlinse. Ich guckte einfach da durch und staunte. Die Kreisfläche waberte kaum noch. Der Planet offenbarte seine Dunkelgebiete nicht mehr nur als verschwommene Flecken, sondern schärfer abgegrenzt. Jetzt wäre da viel mehr noch drin als nur 131x, ich schätzte die sinnvolle Vergrößerung auf 170x oder höher. Immerhin war "unten", etwas rechts, noch der Polkappenrest auszumachen. (Im großen und ganzen ist die Polkappe auf dem Mars inzwischen mal wieder weitgehend abgeschmolzen.) Die Farbgebung der Mars-Oberfläche erinnerte mich an Marsfotos. Das verschlug mir den Atem. Und diese Details... Blickweise hatte ich einen tollen Mars. Ja ich sah den Mars und nicht nur diffuse Flecken im Waber-Waber. Die beste Zeit während der Opposition verpasste ich ja leider, weil der Händler es da verdusselte, mir die eingeschickten verkanteten Reduzierringe rechtzeitig zurückzusenden. Wieviele Millionen Kilometer ist der Mars eigentlich schon wieder weg? Eins ist mal fakt, die nächte Opposition (= günstige Stellung um Planeten zu beobachten) wird 2005 kommen, und dann werden keine Kosten gescheut, dem Mars mit 200x zuleibe zu rücken.

Das 9-mm-Okular war noch nicht beschlagen, aber beim Mars brauchts Vergrößerung! Ich muss mir was gegen das Beschlagen der Okulare einfallen lassen...

Nun sollte noch mal zum Abschluss — es wurde schon gedrängelt — der Saturn rein, der inzwischen etwas geklettert war. Das Bild war erwartungsgemäß besser, und der früher die größten Probleme hatte, lobte jetzt am meisten die Klarheit. Aber ich war enttäuscht, da es die Cassini-Teilung im Ring nicht mal blickweise gab. Das Bild waberte noch immer. Der Ringschatten war drin, die Bauchbinde bildete ich mir zumindest ein, ebenso ein dunkleres Polgebiet.

Mit dem bloßen Auge guckte ich nun nochmal nach oben. Dann mit dem Fernglas in die Milchstraße. Ich war hingerissen, die Begeisterung der meisten anderen wurde offensichtlich von der Kälte überlagert und sie nervten mich mit Bemerkungen. Also Abbau. Die Taukappe war recht fest, mit etwas Drehen ging es dann aber. Ich sammelte die Kappen für die Okulare von der Stativ-Abstellplatte, und packte alles zusammen. Zuletzt wurde noch mal mit der Taschenlampe rundum über den Rasen geleuchtet, um zu gucken, ob irgendwas übersehen worden wäre.


Fazit: Immerhin sechs Objekte in zwei Stunden gesehen. Leider keines besonders ausführlich, und nichts, was ich nicht vorher schon mal durch ein Fernrohr gesehen hätte. Die Gruppe war dafür einfach zu groß. Für solche Gelegenheiten wäre eine Goto-Montierung (welche Himmelsobjekte automatisch anfahren kann) natürlich ideal, dann könnte man noch mehr in der Zeit zeigen. Ich für mein Teil möchte mir den Himmel aber lieber selbst erarbeiten, und die Objekte ohne Computer-Montierung finden. Alles in allem trotzdem ein Erfolg: Einige, die noch nie durch ein Fernrohr schauten, sahen nicht nur den Dauerbrenner "Mond", sondern auch andere Dinge, die das Weltall zu bieten hat.

aths
09.10.2003, 09:29
Die letzte Bilder-Serie, weniger Bilder, dafür im größeren Format:

http://www.aths.de/files/astro/astro_a49.jpg

Je nach Perspektive kann auch ein Vierzoll-Refraktor beeindruckend sein.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a42.jpg

Mit der Montierung zu arbeiten, macht Spaß.




http://www.aths.de/files/astro/astro_a41.jpg

Montierung und Rohr noch mal im Überblick.



Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte :)

Quixotte
09.10.2003, 19:22
echt gute berichte! was würd ich jetzt gern doch mal einen blick auf den orion-nebel werfen! :)

super!

könnte man nicht einfach mit ner kamera fotos durch das teleskop machen? :-? hab ich mal mit meinem mikroskop gemacht - wurd allerdings unscharf (digitalkamera, zu nah etc ...) aber im großen und ganzen konnte man doch noch etwas erkennen ... -> klick (http://mediator-hu.homeunix.net/files/mikro/glockentier%20teilung.JPG) <-

aths
09.10.2003, 20:54
Wie du an einem der Bilder siehst, geht es zwar im Prinzip, freihändig mit der Digicam am Okular zu fotografieren. Aber nachts dürfte das schwierig werden, wegen der Belichtungsautomatik z.B.

Ich habe mal versucht, freihändig einfach so (ohne Teleskop) Mond und Mars zu fotografieren. Der Mond ist völlig überstrahlt, der Mars (durch das Halten mit der Hand) völlig verwackelt.

aths
11.10.2003, 22:06
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 9.10.2003, ca. 1:00 - 2:00 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Hoch stehender Mond (beinahe Vollmond), anfangs großflächig freier Himmel, dann aufziehende Wolken (die schließlich zum Abbruch zwangen.)

Besonderheiten: e Lyrae das erste mal gesehen, Doppelkomponenten jedoch nicht getrennt.


Objekte:

- Mars
- Mond
- M42 ("Orion-Nebel")
- ε Lyrae


Eine kurze, und vergleichsweise hektische Beobachtungsnacht. Mein ungenügendes Managment, den Kühlschrankinhalt betreffend, führte zunächst zur Einnahme eines Spät-Abendbrots bei McDonalds. Auf dem Hinweg fiel der fast völlig freie Himmel auf (und das nach verregneten Tagen mit einer undurchdringlichen Wolkendecke) sowie der hell strahlende Mond, nebst Mars. Außerdem war es für die Jahreszeit erstaunlich mild, also nicht klirrend kalt. Das machte Hoffnung auf eine lange Beobachtungsnacht. So hell hatte ich Vollmondnächte gar nicht in Erinnerung, da hätte man ja fast ein Lichtbad nehmen können (jedenfalls wurden richtige Schatten geworfen) aber selbst der gute alte Mond kann ja nicht alles am Himmel überstrahlen...

Ich fragte Georg, ob er mitkommt, er sagte zu und ich druckte noch fix mit "Cartes du Ciel" zwei Sternkarten. Auf den Ausdrucken fehlten leider die Verbindungslinien für die Sternbilder. Auf einer der Karten malte ich dann selbst die wichtigsten Sternbilder ein. In der Eile waren weder die drehbare Sternkarte, noch der Karkoschka auffindbar, ich würde mich also auf mein beschränktes Wissen und auf die CdC-Karten verlassen müssen, wo die meisten Linien fehlten... naja. Dann das Fernrohr gemeinsam runtergetragen, aufgebaut und frei nach Schnauze "eingenordet" (der Polarstern war wolkenbedingt gerade nicht sichtbar. Wolken verdeckten auch den Großen Wagen.) Vollmond kostet wohl mindestens eine Größenklasse, jedenfalls konnte man mit bloßem Auge nur die sehr hellen Sterne sehen.

Der Mars zeigt sich, obwohl gar nicht mal so sehr tiefstehend, bei 131x verwabert, Dunkelgebiete gabs nur blickweise und auch dann nur verschwommen (wovon Georg nichts sah), der Planet stand leider bereits niedrig genug um exzellente atmosphärische Refraktion zu zeigen (was Georg sehr gut sah.)

Entschädigung mit einem Blick auf den Mond und testweise mal die Austrittspupille am Okular abfotografiert. Der Mondatlas von A. Rükl ist wieder nicht dabei, früher oder später werde ich aber wohl mein eigenes "Mond-Programm" fahren (dort also auf Erkundungstour gehen.)

Unser Trabant verschwand kurzzeitig hinter den Wolken, und es war dann doch so kühl dass ich nochmal hoch ging, um die in der Eile vergessene Jacke zu holen. Dabei hatte ich mir dann auch das Programm überlegt: Albireo, e Lyrae, und Sterntest an Vega.

Nun, die Wolken zogen zum Teil mit einem Affenzahn über den Himmel, und offensichtlich gab es verschiedene Wolkenschichten: Innerhalb von Minuten änderten sich die Beobachtungsmöglichkeiten. Wir sahen uns um, ich hatte die Formation der drei Gürtelsterne vom Orion erkannt. Also den Feldstecher Richtung Orion-Nebel gehalten und trotz der Vollmond-Laterne den Gasnebel schwach gesehen. M42 im Rohr eingestellt; natürlich war nur das Zentralgebiet des Nebels als solcher erkennbar.

Es war nun nicht mehr zu leugnen, dass die Zeit durch Wolken begrenzt sein würde, deshalb wurde erst mal der Sterntest an Vega gecancelt und lieber β Cygni ("Albireo") gesucht. Vom Schwan waren jedoch nur die 4 oberen Sterne sichtbar, wie bestätigt wurde. Albireo zeigte sich nur im Fernglas. Ehe da jetzt lange rumprobiert würde, entschied ich, zunächst Epsylon Lyrae zu suchen, der sich ja ganz in der Nähe von der Vega herumtreiben müsste. Also den Sucher auf den Hauptstern der Leier gerichtet, und nach kurzem Suchen den Epsylon schon "länglich" wahrgenommen, mit dem 25-mm-Okular wurde zunächst der Doppeltstern natürlich ohne Probleme getrennt. Aber mit dem 9 mm war keine Trennung der einzelnen Komponeten möglich. Das Rohr zittert leider, und damit auch das Bild im Okular.

Die Stativ-Füße waren beim Aufbau nicht in den Rasen gestochen worden, dafür kam eine Brise auf. (Beim nächsten mal wird wieder darauf geachtet, das Stativ so sicher aufzustellen, wie es geht.) Wenn überhaupt, wurde eher der untere Stern getrennt, das aber nicht mit Sicherheit. Georg will den unteren (rechten) Stern tatsächlich mehrfach getrennt gesehen haben, doch die ziehenden Wolken stören immer wieder die Sicht (und zwar ausgerechnet dann, wenn ich gucken will.) Noch gibt es zusammenhängende Wolkenlöcher, noch gibt es Hoffnung, aber unerbittlich bläst der Wind eine geschlossene, dichte Wolkendecke zu uns. Die Uhr tickt.

Bloß nicht gleich die Flinte ins Korn werfen! Mit dem Feldstecher im Himmel gerührt, um Andromeda zu suchen. Das hatte aber keinen Zweck, wegen dem hellen Mond, und etlichen Wolken-Zipfeln, aber so ein Feldstecher ist im Feldeinsatz als schnell schwenkbarer (auch noch binokularer) Weitwinkelsucher unentbehrlich. Vielleicht kaufe ich auch mal ein Stativ dafür, aber 10x40 bekommt man noch gerade so gehalten.

Das verbleibende Loch im Himmel wird kleiner, noch bleibt der Mond. Schnell, schnell!! Fix einige Fotos über dem Okular gemacht, und ein kleines "Video", wie schon die Wolken vor dem Mond ziehen. Nun ist der Himmel fast völlig zu, aber, hähä, Orion noch frei. Also den Tubus geschwenkt, einmal gedreht um das Gegengewicht nach unten zeigen zu lassen, und dann die Optik auf M42 gerichtet. Da ich über der Hose eine als Arbeitshose ausrangierte Jeans trug, konnte ich mich reuelos in den Rasen knien, um mit dem Sucher zu suchen. Den Nebel gefunden und eingestellt. Natürlich ist der Nebelfleck wegen dem hellen Himmel sehr schwach, das im Nebel eingebettete Trapezium bei 102x aber klar zu erkennen, ein Stern davon allerdings nur schwach. Die charakteristischen drei Sterne auf der "anderen Seite" im Nebel ließen keinen Zweifel daran, M42 im Okular zu haben. Der Fleck wirkte mit indirektem Sehen kaum heller. Georg habe ich natürlich auch noch gucken lassen, sowohl mit 102x als auch mit 37x. (Bei dunkler Nacht ist der Nebel zu groß, um ihn bei 102x noch in Gänze überblicken zu können, diesmal war ja nur das hellste Zentralgebiet im Nebel überhaupt zu erkennen, dieses füllte das Gesichtsfeld bei 102x lange nicht aus.)

(Kleines Abschweifen. M42 und die Zahl 3: Zunächst suche ich immer von den drei Gürtelsternen ausgehend, bis ich zu einer anderen charakteristischen "Linie" von 3 Sternen komme, in der Mitte ist dann der Orionnebel. Im Nebel selbst gibt es dann noch mal drei helle Sterne auf einer Linie zu sehen...)

Letztlich, die Wolkendecke hat gewonnen. Schnüff, das war jetzt alles? Mars wäre zwar noch sichtbar, aber der steht schon sehr tief. Ich ärgere mich wegen der kurzen nutztbaren Beobachtunsgzeit. Inzwischen war es dunkler (da der Mond jetzt durch Wolken verdeckt war) aber noch immer hell genug um problemlos abbauen zu können. Habe trotzdem extra noch mal die Taschenlampe geholt um sicherzustellen, auf der Wiese nichts vergessen zu haben. (Tatsächlich sind noch alle Kappen etc. vorhanden - toi, toi, toi.) Auf den letzten Schritten zur Tür hin begann es zu regnen. Auch das noch! Gut, dass wir schon abgebaut hatten.


Zum Karkoschka und der drehbaren Sternkarte: Die hatte jemand versehntlich bei der letzten (Gruppen-) Beobachtung mitgenommen. Kein Wunder, dass ich hier vergeblich suchte. Werde diese Helfer bald wieder in meinen Händen halten.


http://www.aths.de/files/astro/astro_c06.jpg

Georg am Teleskop. Das Rohr ist zwar "falsch rum" gedreht, aber egal, jede Sekunde ist kostbar...


http://www.aths.de/files/astro/astro_c08.jpg

Der Mooond :)


http://www.aths.de/files/astro/astro_c07.jpg

Schwache Kontraste, wenig Details: Freihändige Aufnahmen mit einer auf "Automatik" gestellten Einsteiger-Digicam lassen zu wünschen übrig. Doch besser das, als gar nichts.

*Cosmo*
12.10.2003, 12:25
Hmm, die Bilder sind ja alle schön und gut, und deine Berichte lesen sich auch sehr interessant, aber kannst du nicht mal ein paar Bilder von Beobachtungen (Planeten, Nebel, etc.) posten, ansonsten kann man schwerlich einschätzen was das Teleskop drauf hat. Sorry, will ja keinem zu nahe treten, aber den Mond bekomme ich so mit einem normalen Fernglas zu Gesicht.

aths
12.10.2003, 14:52
Beim Erfahrungsbericht oben fehlte komischerweise das meiste, habe das mal jetzt reinkopiert. Erfüllt deine Erwartungen wohl aber auch noch nicht so ganz :) _So_ bekommst du den Mond mit einem Fernglas nicht zu Gesicht :) aber mit dem freihändigen Halten einer Einsteiger-Digicam kann man natürlich keine Fotos machen, die zumindest das wiedergeben könnten, was man visuell wahrnimmt.

Der Mond lässt sich noch etwas aufpolieren (Kontrast-Anpassung, Unscharf-Maskierung)

http://www.aths.de/files/astro/astro_c10.jpg

aths
15.10.2003, 04:18
Aufnahmen von himmlischen Objekten habe ich leider noch nicht zu bieten, dafür einen umfangreicheren Bericht.


Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 13.10.2003, ca. 19:40 - 21:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Wenig Wolken, anfangs mondlos, später prächtiger zu 87% gefüllter Mond, abgesehen von Zenitnähe insgesamt eher unruhige Luft, trotz der Kälte. Wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims und von Laterne, südlich Licht von einem Industrie-Gebiet.

Besonderheiten: Drei neue Objekte, Epsilon Lyrae getrennt, und mehr...


Objekte:

- Mars
- Beta Cygni ("Albireo", farbiger Doppelstern im Schwan)
- M31 ("Andromeda-Nebel", die nächste große Galaxis)
- h+x Perseus (offener Doppelsternhaufen im Perseus)
- M57 ("Ringnebel in der Leier")
- Vega (Hauptstern der Leier)
- Epsylon Lyrae (doppelter Doppelstern in der Leier)
- Mond


Ehe es mit dem Bericht los geht, möchte ich meinen Beobachtungsplatz bei Tageslicht zeigen:

http://www.aths.de/files/astro/astro_d03.jpg

Auf diesem Hügel baue ich in der Nacht das Fernrohr auf.


http://www.aths.de/files/astro/astro_d04.jpg

Auf der anderen Seite des Hügels führen diese "Treppen" nach oben.


http://www.aths.de/files/astro/astro_d05.jpg

Laternen wie diese können ganz schön nerven. Schlimmer ist das Licht vom Wohnheim selbst.


Ui, das war ein pralles Programm, und es kam auch noch so zufällig! Da mich heute in aller Herrgottsfrühe (noch in der Dämmerung) der Saturn so angelacht hatte, wollte ich eigentlich früh ins Bett, um mich dann morgens hochzuquälen um die Cassini-Teilung zu jagen. Nun entschied ich aber, dass abends mehr als Saturn zu sehen ist, und da noch gewisse Objekte zu erlegen wären, könnte Rausgehen lohnen. Mein Nachbar kam mit.

Unten Aufbau, diesmal das Stativ richtig in die Erde gerammt (in der Tat steht es so viel stabiler) und wie immer nur frei nach Schnauze eingenordet. Noch kann man übrigens nicht davon sprechen, dass der Aufbau flutschen würde.

Zunächst war Mars dran, er zeigte aber fast keine Details. Außerdem ist er schon ziemlich klein geworden. (Na warte! Irgendwann ziehen dich die Gravitationskräfte wieder näher, und dann kannst du gar nichts machen, außer mir deine oberflächlichen Details preiszugeben.) Aber eigentlich wollte ich auch viel lieber bislang ungesehene Objekte jagen. Womit anfangen? Der Schwan stand günstig, also Beta Cygni ("Albireo"). Er war heute immerhin schon mit bloßem Auge sichtbar, im Fernglas natürlich erst recht. Im Teleskop zeigte sich Albireo natürlich als Doppelstern. Und in der Tat, der hellere Stern war etwas orange, der schwächere Stern eher bläulich. 102x brachte hier gute Ergebnisse, mit 37x war aber auch schon alles zu sehen. Wahrscheinlich hatte ich ihn bereits in der First Light-Nacht schon mal kurz drin, heute aber gab es keinen Zweifel.

Auch mein Kompagnon war recht beeindruckt. Albireo werde ich mal als Party-Gag vormerken.

Vom Mond war noch nichts zu sehen. Solange es noch entsprechend dunkel ist, könnte man ja auf Deep Sky gehen... M31? Ich guckte in den Karkoschka und dann mit Hilfe des Feldstechers in den Himmel. Tatsache, irgendwas ist da. Wie erwartet, war der Anblick auch im Teleskop eher enttäuschend, ein länglicher nebliger Fleck eben. Mit indirektem sehen (= "vorbei gucken", um Helligkeitsunterschiede besser wahrzunehmen) war die Galaxis deutlich heller. Kein Zweifel, die Andromeda-Galaxis drin zu haben, aber von der diffussen Form abgesehen, praktisch strukturlos, selbstverständlich auch nicht in Sterne aufgelöst (das kann man angesichts der Entfernungen vergessen.) Um meinen Begleiter etwas zu unterhalten, brabbelte ich was von 2,25 Millionen Lichtjahren Entfernung, und dass die Andromeda-Galaxis trotz Expansion des Alls auf uns zurast, und in einigen Milliarden Jahren eintrifft, und dann wars das mit der schönen Spiral-Struktur. Natürlich erwähnte ich auch, dass unsere Galaxis bereits zwei kleinere frisst (die Magellanschen Wolken), das bei Andromeda aber nicht gelingt, da die etwa so groß ist wie unsere Galaxis... Naja, mein Kompagnon bestätigte die Sichtung vom Andromeda-Nebel.

Das klappte ja wie am Schnürchen. Ich merkte mir auch, wie man M31 findet: Von drei bestimmten hellen Sternen den in der Mitte, "und dann hoch". Wenn alles so gut geht, dann gedachte ich, die Glückssträhne auszunutzen und noch h+x zu jagen. Im Fernglas dank dem Karkoschka recht schnell gefunden. (Zwei ganz schwache, diffuse Nebelflecken.) Mit dem Teleskop war das nicht so einfach. Zunächst versuchte ich, vom linken Strich im Himmels-W bei der Seitenhalbierenden rechtwinklig nach unten zu gehen. Da konnte ich aber rühren, soviel ich wollte. Der Sucher war zu schwach, und im Okular sah man zwar Sterne, aber keine Sternhaufen.

Mit der geänderten Strategie funktionierte es dann: Den zweiten Strich im W nach unten verlängern, etwa um Faktor 2 oder 2 1/2. Dort gab es zwei Häufungspunkte von Sternen. Allerdings nicht mit Kugelsternhaufen oder so zu vergleichen, die Leuchtpünkten standen deutlich weniger dicht. Erst mal war ich enttäuscht, und ließ meinen Begleiter gucken. Dann guckte auch ich noch mal, und nun war es schon besser: Bei genauerem Hinsehen sind es doch ziemlich viele Sterne, selbst die schwachen funkelten geheimnisvoll. Doch, insgesamt beeindruckend, und sollte man auf jeden Fall vormerken.


Nach den vielen Erfolgen wurde es nun dürr auf meiner (imaginären) Abschuss-Liste. In den Karkoschka geguckt, doch ohne Vorbereitung auf neue Objekte hätte das Suchen jetzt ziemlich lange gedauert. Also auf zum Dauerbrenner M57! Er war diesmal noch undeutlicher als sonst, aber deutlich genug um ihn indirekt als "Rauch-Ring" zu erkennen. Das gelang meinem Nachbarn allerdings nicht. Ich stellte den Ringnebel mehrfach schön ins Gesichtsfeld und empfahl das indirekte Sehen, was er bei Andromeda ja auch geschafft hatte. Es hatte leider keinen Zweck, das 57. Objekt des Messierkataloges konnte er nicht sehen. Zu schade!

Jetzt, da wir schon mal in der Nähe waren, prüfte ich an Vega noch mal die Beugungsringe. Übrigens begann jetzt auch die Problematik der zutauenden Okulare. Der Innenjackentaschentrick bzw. das Halten in den Händen konnte aber das Gröbste abwenden.

Ich hatte Lust auf Doppelsterne und suchte Epsylon Lyrae. Zunächst "verfuhr" ich mich im Himmel (der Sucher verwirrt doch, da das Bild Kopf steht, im Gegensatz zum Teleskop, sofern das Zenitprisma verwendet wird) aber fand den doppelten Doppelstern dann. Nun, Konzentration! Der rechts unten konnte blickweise getrennt werden. Oder war das nur eine optische Täuschung? Nach einiger Zeit war ich da aber recht sicher. Darauf hin gelang es auch, die Komponenten des Sterns links oben zu trennen. Mein Begleiter guckte dann auch, und meinte, tatsächlich Doppelsterne zu sehen. Ich ließ mir die Ausrichtung der Komponenten beschreiben (mit Händen zeigen) und tatsächlich sah er das, was ich auch sah. Jetzt erst glaubte ich auch selbst an eine gelungene Trennung. Ungefähr so sah es aus:

http://www.aths.de/files/astro/epslyrae.gif

Die Sterne standen allerdings deutlich enger zusammen als auf diesem Bild gemalt.

Da der Mond nun aufgegangen war, und nicht mehr rötlich oder orange schien, sondern nur noch gelblich, riskierte ich trotz der Wolkenschwaden einen Blick. Tja und was soll ich sagen? Natürlich war es sehr beeindruckend, obwohl die Luft doch ziemlich kochte. (Die Verwirbelungen waren diesmal vor allem in horizontaler Richtung.) Ich bekam richtig Lust auf den Mond! Also lief ich noch mal kurz nach oben, um den Mondatlas von A. Rükl und was zu schreiben zu holen. Heute wollte ich mal Krater identifizieren...

... leider wurde das nichts. Wieder unten, war der Mond zwar besser (also die Luft ruhiger) aber erst mal dauerte es Minuten ehe ich realisierte, dass die Übersichts-Karte im Rükl um 180° zu drehen ist... Dann kam noch jemand runter zu uns. Da der Mond tief genug stand, konnte ich auf das Zenitprisma verzichten und zudem gönnte ich mir erst mal den Mond bei 37x im Überblick, um Orientierung zu gewinnen. Doch inzwischen wurde es auch mir etwas kühl, trotz der zwei Hosen und drei Pullover (plus Anorak.) Ich wollte auch nicht die Leute in der Kälte stehen lassen, während ich in aller Ruhe beobachte...

(Mit dem Freeware-Programm "Virtual Moon" war es dann leichter, nachzusehen: Von "Endymion" war der äußere Ringwall sehr beeindruckend. Vormerken! Ebenso faszinierten die Krater "Atlas" und "Herkules" durch ihr markantes Erscheinen. Zudem stellte ich fest, Mare Fecundiatatis für Mare Crisium gehalten zu haben...) Der Blick auf den Mond war nicht zuletzt deshalb sehr schön, weil hier noch klar das Auge limitierte (sprich, vergrößerungsmäßig noch Spielraum nach oben ist.) Mit 131x ist ein 4" ED-Refraktor am Mond alles andere als ausgereizt...

Schon das Bild im 6x30-Sucher finde ich toll, das 10x40 Fernglas würde mit Stativ sicher auch was hermachen. (Kein Jux, ich denke mit einem Fernglas vergleichbarer Leistung kann intensive Mondbeachtung durchaus lohnen.) Das Fernglas war auch insofern praktisch, da es als "zweites Gerät" genutzt werden kann, und man nicht nur stur warten muss wenn gerade jemand anders durch das Teleskop guckt.

Meinem Nachbarn wurde es zu kalt, er trollte sich, der andere blieb noch. Wäre jetzt Wochenende, würde ich mich noch wärmer anziehen, einen Kaffee schlürfen und versuchen für den Saturn bis zur Dämmerung durchzumachen, aber langsam zog es selbst mich nach oben. Dem jetzigen Astro-Interessierten zeigte ich noch Albireo, gefolgt von Epsylon Lyrae. (Übrigens beschrieb er die Lage der Komponenten ebenfalls genau so, wie ich das wahrgenommen hatte.) Aufgrund des Mondes war M31 jetzt nicht mehr im Fernglas zu sehen, und wegen der Wolken war h+x Perseus aussichtslos. Also wagte ich mich noch mal an den Mars; der trotz etwas gewonnener Höhe nicht sehr viel zeigte. (Waberndes Scheibchen, weiterhin Zerlegung in Spektral-Farben durch die Luft, kaum Details zu sehen.)

Nun hatte ich aber Lust auf eine schöne Tasse warmen Kakao! Also Abbau. Obwohl das zu zweit in einem Gang machbar gewesen wäre, ging ich lieber zwei mal. Zunächst die Kleinteile und die Klappstühle nach oben, dann die schweren Brocken. Das Objektiv zeigte im Licht der Taschenlampe bereits erste Anzeichen von Tau, über kurz oder lang wäre ein Abbruch der Beobachtung deswegen wohl unvermeidlich gewesen.

Fazit: Eine Motorisierung der GP ist mittelfristig wohl unumgänglich. Beobachtungsmäßig hat zwar auch heute nicht alles so geklappt, wie erhofft, dennoch war es bis jetzt die erfolgreichste (und reichhaltigste) Beobachtungsnacht überhaupt. Aber so fies es klingt, werde ich mir wohl auch wieder mal die Mühe machen und alles alleine tragen, um dann auch alleine zu spechteln, nur das Fernrohr, und ich :)

Ein zweites Fazit: Natürlich muss man hochwertige Ausrüstung auch pfleglich behandeln, in einem Studentwohnheim wäre ein einfacher 114/900-Spiegel auf EQ3 als Fernrohr vielleicht angebrachter. Doch der Spaß kommt mit der Freude, die sich bei jeder Bedienung des Fernrohs einstellt. Mal angesehen davon, dass man auch durchgucken kann, ist mir bislang schon das pure Benutzen ein Vergnügen.


http://www.aths.de/files/astro/astro_d02.jpg

Buhhhaa. Da ist mir ganz schön kalt geworden.


http://www.aths.de/files/astro/astro_d01.jpg

Das Fernrohr kann jetzt abgebaut werden. Was für eine Nacht!

aths
18.10.2003, 09:24
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 14.10.2003, ca. 22:30 - 0:00 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40 (jedoch nicht verwendet)

Bedingungen: Wenig Wolken, ziemlich voller Mond, wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Gewünschte Objekte nicht gefunden, Abbruch wegen dichter Wolkendecke


Objekte:

- Vega
- Mars
- Mond


Vom Balkon aus der Große Wagen, vom Küchenfenster aus der Mond? Also keine Wolken? Juhu! Aber wo ist der Mars? Na ich riskiers trotzdem... Gleich drei Ziele wurden ins Auge gefasst: Sterntest an Polaris, den Uranus sehen (mit einer von CdC gedruckten Aufsuchkarte) und mit dem "Rükl"-Mondatlas Mondkrater identifizieren. Ich ging alleine, was einerseits hieß, das ganze Geraffel selbst tragen zu müssen (zwei Gänge erforderlich) mich aber andererseits von jeder Rücksichtnahme auf Interessen anderer entband.

Aufbau des Teleskops. Wieder mal. Schon das Aufstellen des Statives ist nicht unaufwändig: Beine lösen, Ablageplatte einhängen, die Beine grob auf passende Länge einstellen, und festziehen. Dann ihre Wechselfüße hochschrauben um die Stahlspitzen zum Vorschein zu bringen. Montierung aufsetzen und festschrauben, Polarstern suchen, danach ausrichten. Beine in den Boden rammen. Mit der Taschenlampe auf die eingebaute Wasserwaage gucken, und die Beinhöhen so ändern, dass die Stativplatte genau waagerecht steht. Uff!!

Der Polarstern war nicht im Sucher zu finden. Er steht ja sehr hoch, weshalb ich das Stativ entsprechend ausgezogen hatte, aber ein Geradsichtsucher ist bei zenitnahen Objekten eine Qual. Auch im Okular nur ganz schwache Sterne, und kein Polaris. Also mal lieber Vega nehmen. Die Ergebnisse des Sterntests (vor allem wurden die Beugungsringe geprüft) sind übrigens so ausgefallen, dass das Objektiv offenbar prinzipiell ganz gut ist.


http://www.aths.de/files/astro/astro_e01.jpg

Nur das Fernrohr, und ich...


Nun, auf zum Mars, und die gedruckte Sternkarte her. Ich mach's kurz, der Uranus blieb mir auch heute verborgen. Es gelang leider nicht, die Sterne zu finden, die laut Karte recht hell sein müssten. Der Ausdruck konnte gedreht oder gespiegelt betrachtet werden, da war nichts zu machen. Beim ganzen Herumrühren (meist mit 37x, manchmal mit 102x) hatte ich den Uranus bestimmt rein zufällig mal kurz drin gehabt, aber nicht als Planet erkannt. Einen Stern testete ich auf Flächigkeit, aber es blieb bei einem Punkt. Das nächste mal werde ich auf der Karte einen Maßstab einzeichnen, um zu wissen, welche Strecke auf der Karte 1° entspricht!! Letztlich ist es ja peinlich, wenn man trotz spezieller Karte, trotz 1,3° Feld im Okular, nicht mal einen Planeten findet, für den jedes Fernglas ausreicht...

Zu allem Unglück bemerkte ich Wolken. Der Mond, der heute noch dran sein sollte, würde bald verdeckt sein, in Marsnähe war es noch nicht ganz so drängend, aber auch nur noch eine Frage der Zeit. Diese nutzte ich, bis die Wolken da waren. Als der Mars mit bloßem Auge nicht mehr zu sehen war, konnte man ihn aber im Okular noch (schwächer, scheinbar auch kleiner) eine Zeit sehen. Dann war Schicht. :(

Das befriedigte mich nicht. Als visuell orientierter Typ will ich was sehen. Dazu bin ich ja schließlich runter gegangen! Manchmal sehe ich mir abends einen Film (DVD) an, nur, um was zu sehen. (Ich habe auch einige "Astro"-DVDs, über den Kosmos oder über die Erde, aus dem Weltraum gesehen. Außerdem krame ich gerne mal im "Alpha Centauri"-Archiv und lasse mir von Professor Lesch "mit Händen und Füßen" den Kosmos erklären.) Seitdem es 3D-Grafikdemos gibt, ist mir klar, eine Vorliebe für interessante Bilder zu haben. Letztlich resultiert mein Interesse an Fraktalen oder auch an der 3D-Grafik weniger von der mathematischen Seite, eher von den sichtbaren Ergebnissen. Zunächst sah ich erst mal zu den Wolken hoch.

Hinten drohte eine dichte Decke, die vorne aber in Flausen zerpflückt war. Die Wolken wurden sowohl von der Stadt beschienen (orange), als auch vom Mond (eher weiß) was die Sache interessant machte. Da man durch einige Löcher hin und wieder einen hellen Stern sehen konnte, war auch direkt zu sehen, wie die Wolken langziehen. Diese Gebilde aus Wasserdampf sind zwar weit, aber auch sehr groß, so dass sie irgendwie nahestehend wirkten. Nicht schlecht, aber nicht das, was ich wollte.

Da der Mond sich zumindest gegen die "Flausen-Wolken" noch durchsetzen konnte, drehte ich trotzig das Rohr Richtung Mond. Jetzt bemerkte ich auch, warum ich vorhin beim Mars mit den Richtungen durcheinander kam. Wenn das Zenitprisma nicht nach oben, sondern zur Seite zeigt, ist das Bild natürlich seitenrichtig, aber kopfstehend. Mit der Mondübersicht im Rükl kam ich trotzdem nicht klar. Die Karte ist viel zu schwachkonstrastig gedruckt, finde ich. So lange die dichte Decke noch nicht da war, wollte ich die Zeit dann wenigstens noch nutzen, um den Mond (eben ohne Krater zu identifizieren) zu genießen; auch wenn bereits Wolkenschwaden mehr oder weniger stören.

Ein Kraterrand war teilweilweise Lava-überflutet. Ich sah auch zwei gewaltige Grabenbrüche. Und viele kleine Krater, die Aufgrund des Lichteinstrahlungswinkels in Terminator-Nähe viel tiefer aussahen, als sie eigentlich sind. Tychos "Strahlen" waren auch sehr schön (wenigstens diesen Krater kenne ich mit Namen.) Übrigens setzte ich heute nicht das 7-er, sondern das 9-er LV ein. Einerseits bitter, auf fast 30% Vergrößerung zu verzichten, andererseits komme ich mit dem Einblick einfach besser klar. Ist erst das Bino wieder da, habe ich ja Glaswegkorrektoren, um die Vergrößerung zu steigern... Wieder oben, im Zimmer, half Virtual Moon aus: Der teilweise überflutete Krater heißt Fracastorius. Doch ich greife vor.

Es wurde kalt. Richtig kalt. Auch ließ der Himmel keine Chance - kurz hochgehen, aufwärmen, und mit frischen Kräften runter? Angesichts der Wolken sinnlos. Also Abbau :( Übrigens war die Wolkendecke, wie ich beim zweiten Gang bemerkte, doch löchriger als erst angenommen, aber viel zu dicht, als noch beobachten zu können, selbst an den gerade wieder frei gewordene Mars schlichen sich neue Wolken heran, also führt ich den Abbau fort. Dieser ist alleine doch etwas fummeliger, ein Begleiter kann zwar beim Aufbau kaum was helfen, aber beim Abbau nützlich sein. Es waren zwar nur zwei Hauptgänge notwendig, der erste wurde jedoch in Unterstrecken zerlegt, denn ich mag keinen Streß, außerdem soll das Equipment nicht dem unnötigem Risiko des Herunterfallens oder irgendwo Gegenschlagens ausgesetzt werden. Jegliches äußere Metall war schon feucht (und dann auch noch so kalt - brrr) aber weder Okulare, noch das Objektiv waren zugetaut. Bei den Okularen war allerdings der Jackeninnentaschentrick notwendig.

Oben dann trocknete die Feuchtigkeit der Hände, die sich nun leicht staubig anfühlten. Dem Drang, mir erst mal schön die Hände zu waschen, kam ich dann sogar durch eine Dusche nach, vorher wurde aber noch ein Fertiggericht in den Ofen gestellt, um dann auch gleich was warmes im Bauch zu haben...

Wie schon beim letzten male, führte ich mir oben, in der Ruhe, noch mal den Rükl zu Gemüte. Viel lieber würde ich das natürlich "in echt" sehen, aber verbunden mit den Eindrücken aus dem Okular ist das richtig was zum träumen... Ich meine, wer wollte als Kind nicht zum Mond fliegen, und dort Städte bauen? Jetzt, wenn man nachguckt, wie es dort denn nun wirklich aussieht, regt das erneut die Fantasie an.

Nebulus Jones
19.10.2003, 16:54
Wow, das ist echt faszinierend!

Bin auch "Sternen" gucker. Allerdings nur mit dem Auge... und eher ein Laie.
Auf den Mondbildern ist ja richtig zu sehen, dass er eine Kugel ist, wenn man ihn so ohne Teleskop betrachtet, wirkt er doch eher wie eine Scheibe. Sehr schönes Bild!

Dein Fernrohr sieht super professionell aus. Weiß zwar auch dort nichts über Preise, aber es sieht sehr teuer aus :)

Wenn du nochmal Bilder schießen solltest, wäre es möglich mir nen Foto vom Orion zu schicken, bzw. hier zu posten?!
Dorthin guck ich nämlich am liebsten, schade nur, dass es nur im Sommer zusehen ist!

Ansonsten freu ich mich über die nächsten sehr lesenwerten Berichte deinerseits!

Viel Spass!

N.J

aths
20.10.2003, 09:44
Original erstellt von Nebulus Jones
Wow, das ist echt faszinierend!

Bin auch "Sternen" gucker. Allerdings nur mit dem Auge... und eher ein Laie.
Auf den Mondbildern ist ja richtig zu sehen, dass er eine Kugel ist, wenn man ihn so ohne Teleskop betrachtet, wirkt er doch eher wie eine Scheibe. Sehr schönes Bild!Diese Bilder geben leider nicht mal ansatzweise die Details wieder, die man im Okular hat.
Original erstellt von Nebulus Jones
Dein Fernrohr sieht super professionell aus. Weiß zwar auch dort nichts über Preise, aber es sieht sehr teuer aus :)Was du auf den Bildern gesehen hast, kostet, wenn dir ein vernünftiger Paketpreis gemacht wird, grob überschlagen 3100 €. (Gleiche optische Leistung ist auch für deutlich weniger Geld zu haben, Leistung war nicht das einzige Kriterium bei meiner Entscheidung.)
Original erstellt von Nebulus Jones
Wenn du nochmal Bilder schießen solltest, wäre es möglich mir nen Foto vom Orion zu schicken, bzw. hier zu posten?!Außer einer Digi-Knipse, wo praktisch alles automatisch eingestellt wird, habe ich leider noch kein Foto-Equipment. Das Teleskop ist in erster Linie auch zum durchgucken gekauft; gute Fotos sind zwar detailreicher als das visuelle Bild, aber "live" hab ich's derzeit am liebsten ;)
Original erstellt von Nebulus Jones
Dorthin guck ich nämlich am liebsten, schade nur, dass es nur im Sommer zusehen ist!Orion ist ein Winter-Sternbild.
Original erstellt von Nebulus Jones
Ansonsten freu ich mich über die nächsten sehr lesenwerten Berichte deinerseits!

Viel Spass!Den hatte ich:





2.904.800.000 km...

Ort: Stadtrand von Wismar (M/V)

Datum: 15.10.2003, ca. 22:40 - 0:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Praktisch wolkenfrei, 3/4 Mond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Cassini-Teilung erstmalig gesehen, etliche Mondkrater identifiziert, eine sehr erlebnisreiche Nacht gehabt.


Objekte:

- Mars (nur als Such-Hilfe)
- Uranus
- Vega (Hauptstern der Leier)
- Epsylon Lyrae (Doppel-Doppelstern in der Leier)
- Mond, und dort einige Krater identifiziert
- Saturn
- Vier helle Sterne (siehe Text)
- M42

Na, sollte ich heute wieder raus? Nach der Schlappe gestern? Am Nachmittag und Abend gabs noch kleine Wölkchen... doch Astro-Infizierte, die noch was auf der Abschlussliste abzuhaken haben, gehen raus. Zumal Uranus gerade kulminiert. Also in zwei Gängen das Gerät runtergetragen.

Dann Aufbau des Teleskops, das ging heute endlich mal halbwegs locker von der Hand. Eine aktuelle, mit CdC gedruckte Uranus-Suchkarte war auch dabei, übrigens hatte ich am PC festgestellt, mich letztes mal mit den scheinbaren Entfernungen verschätzt zu haben. Kein Wunder, dass mit dem 25 mm LV die auffälligen Sterngruppen in Marsnähe nicht zusammenhängend gesehen werden konnten.

Diesmal war ich schlauer: Im Fernglas sofort die hellen Sterne erkannt, die auch auf der Karte verzeichnet waren, und Uranus auf Anhieb gefunden. Mit dem Teleskop dauerte das Suchen etwas länger, da der Sucher völlig dejustiert war. Der wurde dann erst mal am Mars neu ausgerichtet, anschließend damit zum Uranus gefahren, und den weit entfernten Gasriesen mit 37x gesehen.

Ernüchterung. Sieht ja aus wie ein Stern. Soll das wirklich der siebte Planet sein? Bei 131x sah man ein kleines Scheibchen. Nun sehen helle Sterne bei entsprechendem Seeing ebenfalls wie Scheibchen aus. (Seeing heißt im Kontext Luftunruhe.) Allerdings war dieses Scheibchen zu dunkel, um Flächigkeit durch eine optische Täuschung zu erzeugen. Ich verglich das mit anderen schwachen Sternen, die in ihrer räumlichen Ausdehnung in der Tat deutlich kleiner waren, trotz vergleichbarer Gesamthelligkeit. Außerdem wurde mehrfach (im Fernglas, im Sucher) geprüft, mich auch ja an den richtigen Sternen orientiert zu haben. Es gab keinen Zweifel. Uranus! Endlich. (Fehlen nur noch Merkur, Neptun und Pluto.)

Mit dem freien Auge ein Blick zum Himmel. Was jetzt? Vega hatte mit seiner Helligkeit eine magische Anziehungskraft, und ich prüfte noch mal (kurz) die Beugungsringe. (Dazu braucht man eine starke Vergrößerung, und muss das Bild defokussieren. Anhand der somit sichtbaren Beugungserscheinungen des Lichts lassen sich bestimmte Qualitätskriterien des Teleskops prüfen.) Dann wurde Epsylon Lyrae angefahren, und die beiden Doppelkomponenten konnten praktisch auf Anhieb getrennt werden. Man braucht eben Beobachtungserfahrung. Bei der schwierigeren Komponente dauerte die sichere Trennung etwas länger, insgesamt reichten aber einige Sekunden. M57 wurde heute mal ausgelassen, der Ringnebel war ja nun oft genug im Okular.

Inzwischen hatte Petrus davon Wind bekommen, dass wieder mal der Arne draußen sitzt und mit seinem Fernrohr im Himmel rumstochert, und schickte mir einige Wolken vorbei. Weil er aber am Vortage schon sein ganzes Pulver verschossen hatte, reichte es heute nur für einige wenige, dünne Schwaden. Beim Aufbau wahrte ich übrigens schicksalsergeben die völlige Ruhe, es kommt ja doch, wie es kommt.

Also dann, auf zum Mond. Der zu drei vierteln beleuchteten Scheibe wollte ich heute erneut mit dem Rükl zuleibe rükln, äh, rücken. (Von "A. Rükl" gibt es einen bekannten Mondatlas.) Aber ich kam einfach nicht mit dem Rükl klar. Also wurde eben so auf den Mond geguckt. Versuche, das Bild über dem Okular abzufotografieren, brachten noch schlechtere Ergebnisse als bei der kürzlichen Wolkenloch-Hüpferei. So wendete ich mich schnell wieder der visuellen Beobachtung zu. Tolle Krater! Wenn man die nur mal identifizieren könnte...

Übrigens zeigte der Mondrand einen Farbsaum, gelblich. Am Terminator (Hell-Dunkel-Übergang beim Mond) gabs eigentlich keine Säume. Kann die Farbe durch atmosphärische Refraktion zustande kommen? Beim 9 mm LV war der Saum schon deutlich kleiner, und ich greife mal vor, als der Mond später höher stand, war der Saum auch im 7 mm LV sichtbar schwächer. Das Bild waberte jetzt noch, allerdings waren die "Waber-Blasen" recht groß, die Luft wirkte nicht "kochend".

Zwischendurch sah ich durch das Fernglas zu einem nebligen Fleck am Himmel, klar, zu den Plejaden. Im Fernglas einfach irre!! Immer wieder. Übrigens fing jetzt der Sucher langsam an, zuzutauen. Naja, beim Mond braucht's keinen Sucher... Dumm kann man ja sein, man muss sich nur zu helfen wissen! Als wir (im Studium) mal ein Problem in C++ lösen sollten, natürlich ohne Goto-Befehl, schrieb ich eine Endlos-Schleife mit spezieller Abbruch-Bedingung, um Goto zu simulieren. Wenn man also mit der Bild-Ausrichtung nicht zurecht kommt, sollte man ein Amici-Prisma haben, dieses sorgt nämlich für ein aufrecht stehendes, seitenrichtiges Bild.

Dazu müsste ich es nur mal eben holen. Gedacht, getan. (Es war 22:35 Uhr.) Oben noch fix ein paar Schluck warmen Instant-Kaffee getrunken, und auch den Karkoschka ("Atlas für Himmelsbeobachter") noch mitgenommen. Nun aber!

Ich identifizierte "Ritter" und "Sabine". (Oben nachgeschlagen wurde die Entdeckung gemacht, dass die nur ca. 30 km Durchmesser haben. Wow!! So nah kommt man ran...) "Arago" und "Manners" waren durch den Lichtwinkel am Terminator auch ziemlich eindrucksvoll. In der Nähe von "Arago" gibt es übrigens zwei Dome. Das fand ich sehr aufregend, statt nur Einkerbungen auch mal konvexe Gebilde zu sehen. Dank Terminator-Nähe konnte man das sehr gut erkennen, mit sanften Schattierungen. Die im Rükl eingezeichneten Rillen-Systeme waren allerdings nicht so deutlich, wie erhofft.

Das Amici-Prisma verschlechterte zwar ein wenig das Bild, aber damit musste man jetzt halt leben. Der Mond wurde weiter abgefahren, vor allem in der Gegend um "Bessel". "Sulpicus Gallus" identifiziert, ebenso "Bobiller". Eindeutig "Hornsby" als kleinen Krater gesehen. Laut Rükl nur 3 km Durchmesser. Wie ist das möglich? Zudem dort, wo der Rükl nur drei kleine Mini-Krater zeigt, in der Nähe einen vierten gesehen. ("Bessel F" und "G", sowie zwei weitere Krater darüber.) Ok, die vier Dinger waren nicht mehr als "Krater" zu sehen, eher als "irgendwas ist da" (helle Flecken, um genauer zu sein.)

Es machte Spaß, mit dem Justier-Knopf und der Justier-Welle nachzuführen bzw. den Mond "abzufahren". Was die Ausschwingzeiten betrifft, gar kein Vergleich zum "Revue" 60/700. Das sind Welten. Jedes Drehen am Rad war ein Genuss. (Diese Dinger sind ja auch aus Kunststoff, in der Nacht zwischen Prisma und Verlängerungshülse zu wechseln, ist kein Genuss: Kaltes Metall, was später zunehmend feucht wird.)

Im Plato konnten keine Krater ausgemacht werden, obwohl im Rükl welche eingezeichnet sind. Ist man da auf spezielle Lichtverhältnisse angewiesen? Insgesamt konzentrierte ich mich auf zwei östliche Meere in Nordpolnähe, das Festland ist mir als Beginner zu kraterüberseht und damit zu unübersichtlich. Natürlich war Tycho mit seinen Strahlen wieder beeindruckend. Diesen Krater bewunderte ich ja bereits als kleiner Steppke im 8x30-Fernglas meines Vaters.

Der Abend sollte gekrönt werden durch ein neues Objekt. In den Karkoschka geguckt. Welcher Ausschnitt steht günstig? Seite N24? Hm, wenig Interessantes. N22? Ah ja, der Nordamerika-Nebel. Was, unter guten Bedingungen schon mit bloßem Auge sichtbar? Dann wohl unter schlechten Bedingungen auch im Teleskop. Also Deneb (Hauptstern des Sternbildes Schwan) angefahren und von dort ausgehend gesucht. Der Sucher war jetzt praktisch zugetaut, aber im Okular war der Hauptstern des Schwans eindeutig zu sehen. Mit dem Fernglas den Nebel gesucht. Vielleicht bildete ich es mir nur ein, aber ich denke, "irgendwas" war da, ganz schwach. Leider nicht im Okular. Habe es mehrfach probiert, nichts zu machen. Naja. Übrigens taute jetzt auch das Fernglas zu. Verdammt. In der Nacht achtete ich eigentlich darauf, möglichst in eine Richtung zu atmen, dass in Richtung Ausrüstung keine zusätzliche Feuchtigkeit gelangt.

Oho, Orion geht auf! Sogar die Gürtelsterne sind schon sichtbar. Ob man noch für M42 bleiben sollte? Aber was zum Geier ist eigentlich dieser helle Punkt da drüben? Saturn?? Jetzt schon so hoch? Nachgeguckt, bereits bei 37x den Ring gesehen. Saturn.

Saturn! Mit 102x die Bauchbinde gesehen, diesmal unzweifelhaft. Mit 131x dann auch die Cassini-Teilung entdeckt. So sah ich den Saturn noch nie: Als plastische Kugel, mit geteiltem Ring. Na die Teilung war nicht umlaufend, und das Bild waberte auch, aber insgesamt war es bei 131x einigermaßen scharf. Gut, auch atmosphärische Refraktion störte, aber selbst damit konnte man leben. Da ich grob eingenordet hatte, reichte im Prinzip eine einachsige Nachführung. Wieder und wieder ließ ich den Ringplaneten durchs Gesichtsfeld laufen (Deklination musste kaum korrigiert werden.) Ich war völlig entrückt. Mir war jetzt klar, warum Astronomie das schönste Hobby von allen ist.

Der Planet als Kugel, nicht nur als blaßgelbliches Scheibchen, der Ring mit Reilung, ein äquatoriales Wolkenband... wie damals beim Orionnebel fingen die Augen vor Rührung an, zu tränen. So kann man natürlich schlecht beobachten, also zwinkerte ich mehrmals mit den Augen und riss mich zusammen — aber nur solange, bis der sechste Planet wieder so schön zu sehen war. Minutenlang führte ich nach, und gewöhnte mich dann natürlich mit der Zeit an die Faszination. Man könnte jetzt vielleicht hämen, dass mir offenbar schon die einfachen Dinge im Astro-Leben reichen, aber ich beobachte ja für mich, und mir gefällt's. Übrigens waren in Saturnnähe zwei ganz kleine weiße Pünktchen, offensichtlich Monde. Später nachgeguckt, auf jeden Fall Titan, und vermutlich noch Rhea.

Es war kalt. Doch M42 wollte ich nicht entkommen lassen. Gegen 0:25 wurde eine neue Pause eingelegt, oben fix ein paar Schlucke vom (inzwischen fast abgekühlten) Kaffee getrunken, und gleich wieder runter. Übrigens war im 5. Stock 'ne Flurparty. Zum Glück kamen die mehr oder minder trunkenen Gäste auf dem Rückweg nicht am Fernrohr vorbei, das ja auf einem Hügel steht, welcher aber durch eine Hecke ganz gut abgeschirmt ist.

Wieder unten, noch ein kurzer Blick auf den Saturn, dann eine kleine Stern-Party gefeiert: Castor (weißlich, vielleicht leicht bläulich?) und Pollux (eher orange, auf jeden Fall rötlich) je zwei mal angefahren, dann zu Aldebaran geschwenkt (ebenfalls rötlich, und sehr hell) und noch Beteigeuze eingestellt (wiederum rötlich. Ein beeindruckender Stern, übrigens.) Wieder eine Freude, das Gerät zu bedienen. Wahrscheinlich nervt das ewige darauf Herumreiten, aber man versetze sich in meine Lage: Jahrelang dieser Traum von einem guten Teleskop. All die Zeit war es nur Vorstellung, Fantasie, "Was wäre, wenn..." Nun ist so ein Gerät vorhanden, auch mit der Bedienung geht es inzwischen klar. Mit der GP zu arbeiten, stellt für mich quasieine sinnliche Erfahrung dar.

Nun endlich zu M42. Der Mond überstrahlte aber fast den ganzen Nebel, im Prinzip erkannte ich M42 vor allem durch das Trapezium und die drei Sterne im anderen "Flügel" (vom Nebel war nur das Zentralgebiet überhaupt sichtbar, auch indirekt war's kaum besser.) Bei 131x sah ich fast nichts. (Tau?) Weil der Sucher inzwischen sowieso fast nichts mehr zeigte, musste der Orionnebel übrigens ohne Sucher gefunden werden. Mit dem Fernglas sah ich noch mal Richtung Mars, aber auch das Binokular war inzwischen völlig beschlagen. Das Objektiv vom Teleskop aber noch nicht. So führte ich mir noch mal den Mond zugute, diesmal mit Zenitprisma. Das, und wohl auch die gewonnene Höhe, sorgten ein tolles Bild. Allerdings konnte ich somit wieder mal nichts im Rükl finden... Eigentlich sollte heute doch der Krater "Theophilus" betrachtet werden, das wurde nun nichts mehr. Mir war kalt, und der Hunger bohrte. Also Abbau. Um Stress zu vermeiden, wurde der Transport diesmal in drei Gänge aufgeteilt. Beim letzten Gang sah ich noch mal mit freiem Auge zum Siebengestirn. Einfach toll!


Fazit: Heute gelang das Ausrichten des Rohres ohne Probleme, wann man es dreht und wann man es schwenkt wurde intuitiv und fast immer richtig entschieden. Auf jeden Fall ist noch ein zweiter Justierknopf notwendig, um dann für das Gucken von der anderen Seite nicht erst den Knopf umstecken zu müssen. Ach ja, welchen Einfluss die atmosphärische Refraktion auf das Bild hat, wird meiner Meinung viel zu wenig besprochen.

Man möge mir den Enthusiasmus dieses Berichtes nachsehen, so viel zu sehen, direkt nach der Wolken-Nacht, haut einen Noch-immer-Einsteiger eben um.

aths
11.12.2003, 07:29
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.

Datum: 18.10.2003, ca. 6:00 - 7:00 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm, 7 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Vixen 45° Amici-Prisma 1,25". Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Wolkenstreifen nur am Horizont, praktisch Halbmond (abnehmend), wie immer Licht von den Fenstern des nahen Wohnheims.

Besonderheiten: Wenige Objekte, aber jedes einzelne so gut wie noch nie


Objekte:

- Jupiter
- Saturn
- Mond


Sollte ich wirklich raus gehen, heute? Die letzte Beobachtung bot schon eine Menge, was soll man da jetzt noch groß erwarten? Für den Hantelnebel wird ja auf eine mondlose Nacht gewartet, und die Abschussliste ist ansonsten leer. Der Mond, hm, so hoch wie der steht könnte der lohnen. Also warm angezogen, die Gerätschaft rausgetragen und aufgebaut.

Zunächst hielt ich das Rohr auf den Saturn — und sah Jupiter. Wieder so mit der Position verschätzt! Ärgerlich: Der Jupiter war so hell, dass das Bild im Streulicht ersoff. Ein bisschen konnte man den Eindruck gewinnen, das Objektiv sei zugetaut. Das war jetzt natürlich noch lange nicht möglich. Ein Blick mit der Taschenlampe auf das Objektiv zeigte kleine Rückstände von Tautropfen, die nicht weiter stören dürften. Übrigens war das Stativ doch etwas zu weit ausgezogen, die Beobachtung damit nicht gerade bequem. Zwischendurch ein Blick mit dem Fernglas zu den Plejaden. Ich war froh, noch kein abgebrühter alter Hase zu sein, so dass eng helle Sterne auf engem Raum noch Eindruck schinden...

Dann, mit dem Teleskop, weiter zum Saturn, der inzwischen in Mondnähe entdeckt wurde. (Jener Planet der mich vor einiger Zeit in der Morgendämmerung anlachte war also Jupiter, nicht Saturn.) Das Stativ, das für den Jupiter noch leicht zu hoch engestellt war, zog ich wegen Zenitnähe des Saturns noch etwas weiter aus: Mehrfach rumgehen, und die Beine nach und nach verlängern, und hin und wieder das Stativ anheben um es zu "entspannen", da die Stativ-Füße mit Metallspitzen im Boden stecken.

Den Ringplaneten bekam ich rein, ohne das LV 25 bemühen zu müssen. Genaue Sucher-Justage zahlt sich eben aus...

Der Saturn wanderte wieder und wieder durchs Gesichtsfeld. Da die "π*Daumen" Einnordnung heute wohl nicht so gut war, musste die Deklination öfter korrigiert werden als in der letzte Nacht. Auch hier wieder das komische Problem mit dem zerstreuten Licht. Komischerweise ließ sich das durch Nachfokussieren beheben??? - leider hielt das Bild nur sehr kurze Zeit... langsam wurde mir klar, dass die Stellschraube beim OAZ durchaus einen Sinn hat. Etwas fester angezogen, führ der Auszug nicht mehr von alleine raus. Das Bild war jetzt dauerhaft scharf zu kriegen, das "Streulicht" im Fokus praktisch verschwunden.

Der Planet jedenfalls präsentierte sich heute ohne störende Seeing-Einflusse. Kugel und Ring waren buchstäblich wie ausgestanzt. Die Cassini-Teilung beinahe umlaufend. Die "Bauchbinde" (ein äquatoriales Wolkenband) klar und deutlich. Wo sich der Ring hinter dem Planeten versteckt, gab es bis in die letzten Spitzen eine sagenhafte Schärfe. Trotz des 7-mm-LVs. Dass Seeing (Luftunruhe) und atmosphärische Refraktion so viel ausmachen, hatte ich nicht gedacht...

Wenn ich alleine bin, führe ich praktisch nie Selbstgespräche. Doch hier auf dem Felde kanalisierten sich die Eindrücke mehrfach in ein geflüstertes "unglaublich". Den Saturn so sehen zu können, hätte ich tatsächlich nicht geglaubt. Alleine für diesen Anblick hatte sich der Aufbau schon geloht.

Dann mal auf zum Mond. Das Zenitprisma war noch drin und beim ersten Blick ins Okular gab es den Terminator in Äquatornähe zu sehen. "Ohhhh" hörte ich mich sagen. Der Mond war dermaßen klar, und zeigte solche Details, das hatte ich noch nicht gesehen, auch nicht erwartet... Um mit dem Mondatlas "Rükl" klarzukommen, wurde das Amici-Prisma eingesetzt. Die Einblicksposition war damit allerdings unzumutbar niedrig. Es half nichts, das Stativ musste höher ausgezogen werden. Ächzend korrigierte ich die Stativ-Höhe erneut, diesmal aber "richtig": Ablageplatte freiräumen und aushängen, dann die Beine deutlich verlängern, festziehen, Platte wieder einhängen.

Das Amici-Prisma wurde dann aber nur anfänglich, zur Orientierung genutzt, denn die Bildqualität sinkt damit eben doch merklich; später kam das Zenitprisma zum Einsatz. Einmal einen Krater erkannt, ist das erst mal eine Lösung.

... Jedenfalls, das kann man ja schon mal vorweg nehmen, im Plato selbst konnte kein einziger Krater erkannt werden. Doch der Reihenfolge nach: In der Nähe von Plato, eigentlich schon auf der Schattenseite, wurden noch Spitzen eines Gebirges (die "Alpen") beschienen. Das erinnerte an Satelliten-Bilder von der Erde, die Städte in der Nacht zeigen. Unheimlich beeindruckend, wie sich da auf der Nachtseite beim Mond diese leuchtenen Spitzen zeigen. (Auch die Apenninen waren noch auf der Nachtseite zu sehen.) So ein "Lichtbild" im wahrsten Sinne des Wortes finde ich deutlich schöner als Fotos.

Ich fuhr den Terminator ab. Da war ein beeindruckender Krater in Südpolnähe. "Clavius", sagt Rükl. Deutlich waren im Clavius noch kleinere Krater zu sehen. Allerdings weniger als im Rükl. Das Amici- wurde mit dem Zenitprisma ersetzt.

Irre: Frei stehende Berge, die Schatten werfen welcher viel länger ist als der Berg hoch; ein großer Krater ("Archimedes"), dessen Ringwall einen stark gezackten Schatten in das Innere wirft. Die Schatten waren nadelspitz, das Bild war über das ganze Gesichtsfeld punktscharf. "Aristillus" mit Bergen in der Mitte. (In der Kratermitte ein kleines Gebirge zu sehen, ist in Terminator-Nähe gar keine Seltenheit.)

Im Mare Nubium schaute ich mich noch genauer um. Und in Nordpolnähe. Der Rükl verzeichnete allerdings noch weitere kleinere Kraterchen, deshalb betrachtete ich das Bild im Okular mal genauer. Jetzt erst war der Blick geschärft: Plötzlich sah ich insgesamt viel mehr. Die Oberfläche wirkte poröser, vorher nie erahnte Kraterchen wurden sichtbar. Ich wünschte, ein Mikroskop, wenigstens eine Lupe für das Bild zu haben. Mit 131x wird das Objektiv jedenfalls unterfordert. Da ist noch Luft.

Zurück zum Clavius. Nun, jetzt war da sogar mehr zu sehen, als im Rükl eingezeichnet ist. (Trotzdem blieb Plato seine Krater schuldig. Schon komisch.) Zurück zum Meer der Wolken. Was ist denn das da für ein seltsam Ding? Eine Art Rille. Endet in der Nähe eines Kraters. Vor allem in Richtung Terminator weitere kleine Krater, und ein kleines (und flaches) Gebirge. Mal in den Rükl gucken... "Rupes Recta". Dann habe ich auch "Rima Birt" gesehen. Und noch viel mehr, wie gesagt, bei den vielen Eindrücken kann man sich nicht alles merken.

Kalt wurde es dann doch, andererseits dämmerte es bereits. Zum Abschluss, quasi im Abbau noch mal Jupiter: Die Ablage-Platte ausgehängt und die Stativbeine eingezogen, ansonsten wäre die Einblicksposition zu anstrengend gewesen. Der Gasriese wirkte trotzt nur 131x recht groß. Zwei Bänder, links ein Mond, rechts drei Monde. Unter dem südlichen Wolkenband war ein dünnes, helleres Band, ehe der dunklere Polbereich anfing. Im Norden schien der Übergang ins Dunklere sanfter. So viel sah ich beim Jupiter noch nie, damit war die Nacht praktisch gekrönt. (Beim Jupiter, in der beginnenden Dämmerung, waren allerdings schon erste Seeing-Effekte zu sehen, leider litt das Bild auch etwas unter atmosophärischer Refraktion.)

Beim Abbau dann wurde klar, wieso es so kalt war: Der Rasen war reifüberzogen, und ich sitzt hier ohne Handschuhe... na ein Glück dass das Stativ aus Holz ist. Bei den Gängen zum Hochtragen war ich noch ganz im Eindruck der (eigentlich recht kurzen) Beobachtungsnacht und einfach glücklich.

aths
17.12.2003, 23:15
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.

Datum: 26.10.2003, ca. 21:25 - 21:50 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor, 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm. Vixen Standard-Zenitprisma 1,25", Fernglas Eschenbach 10x40.

Bedingungen: Keine Wolken, bodennah wohl etwas Dunst.

Besonderheiten: Nur ein Objekt gesehen.

Immerhin. Ein Objekt ist besser, als kein Objekt. Vor zwei Tagen zog während des Aufbaus der Himmel zu, heute war jedoch freie Sicht. Da ich den Karkoschka nicht auf Anhieb fand, ging ich halt ohne raus — ein folgenschwerer Fehler...

Runtertragen in zwei Gängen, Aufbau. Heute war übrigens erstmalig der neu bestellte Drehknopf im Einsatz, jetzt habe ich zwei und muss nicht immer umstecken. Ebenso feierten Handschuhe und Mütze Premiere. Mit dem Fernglas M27 gesucht. Da war aber nichts zu sehen. Die Plejaden, auf der anderen Seite des Himmels, kamen natürlich gut, heute war aber der Hantelnebel dran. Muss ich wohl mit dem Hauptrohr suchen... Ausgehend von Albireo immer wieder im Himmel rumgerührt. Minutenlang. Immer wieder. Nichts. Mal kurz versucht, ob man den Nordamerika-Nebel reinkriegt, aber der stand recht zenitnah, und ich wollte jetzt nicht extra das Stativ verstellen.

Kontrolle mit dem Fernrohr. Da ist nix zu sehen. Schon komisch. Weiter im Hauptrohr bei 37x gesucht. Im Sucher versucht, die Position abzuschätzen, die ich mir vorher mit CdC gemerkt hatte. Immer wieder rumgerührt, und innerlich geflucht: Das Licht vom Wohnheim nervte und musste mit einem Deckel abgeblendet werden, und ich hätte gerne eine Motor-Steuerung gehabt, um nicht immer wieder den Arm ausstrecken zu müssen.

Zwischendurch mal Albireo betrachtet, aber trotz der Faszination, das war ja nicht was, was ich sehen wollte. Kann es eigentlich sein, dass es beim Schwan mehr Sterne gibt, als anderswo? Heute kam mir das jedenfalls so vor. Teilweise erkannte ich bereits Sterngebiete wieder, weil ich die schon mal abgefahren hatte... Wieder mal peilte ich neu mit dem Sucher und fuhr die Gegend ab. Da! Ein Nebelfleck... endlich hatte ich den Hantelnebel gefunden.

Ein verwaschener Fleck. Mit indirektem Sehen wurde eine Rechteckform sichtbar. Von einer Hantel konnte kaum die Rede sein, eine Einschnürung war nur mit viel Mühe zu sehen, bzw. existierte vielleicht auch nur in der Einbildung. Meinen neuen Focal Reducer probierte ich übrigens heute nicht aus. Ich wollte ohnehin lieber vergrößern. Bei 102x aber kaum Besserung: Ein Fleck, sehr diffus, mit indirektem Sehen grobe Rechteck-Form.

Was nun? Überhaupt noch was? Schon jetzt wurde mir kalt. Am Himmel entdeckte ich nun doch M31. Der Andromeda-Nebel war mit bloßem Auge schwach zu sehen. Durch die Zenitnähe wurde das Anpeilen mit dem Sucher aber so erschwert, dass mir da die Lust verging. Das Stativ hätte ausgefahren werden müssen, aber ich war ohnehin nicht in Stimmung, und baute stattdessen ab. Zum Hochtragen dann drei Gänge, mit etwas mehr Geschick hätten zwei gereicht.

Eigentlich eine "vernünftige" Nacht für Deep Sky: So manch interessantes Objekt am Himmel, und kein Mond. Doch ohne Karkoschka ist das Gesuche mangels Erfahrungswissen noch dermaßen ineffizient, dass man es dann auch gleich bleiben lassen kann. Immerhin, der Hantelnebel konnte sich vor mir nicht verstecken. Der 4"-Refraktor ist ja kein Deep-Sky-Gerät, doch drängt es mich, ihn endlich auch mal unter richtig dunklem Himmel einsetzen zu können.

Nebulus Jones
18.12.2003, 12:25
ähm *schäm* natürlich meinte ich, dass Orion nur im Winter zu sehen ist, nicht Sommer ;)
Danke für die vielen Infos!

aths
01.01.2004, 02:04
Ort: Stadtrand von Wismar (M/V), ca. 54° NB, 11,5° ÖL.

Datum: 6.12.2003, ca. 2:10 - 2:45 Uhr.

Optik: Vixen ED-Refraktor: 102 mm Öffnung, 920 mm Brennweite. Okulare: LV-Okulare 25 mm, 9 mm (jeweils 2x) und Kasai 6 mm orthoskopisch. Baader 60° Binokular-Ansatz. Glaswegkorrektoren 1,25x, und 1,7x.

Bedingungen: Beobachtung vom Balkon aus, wenig Wolken, sehr störendes lokales Seeing.

Besonderheiten: Erstmals das Bino am Mond eingesetzt.


http://www.aths.de/files/astro/astro_f01.jpg
Am Tage aufgenommen: Der Binokular-Ansatz, bestückt mit zwei LV-Okularen.

http://www.aths.de/files/astro/astro_f02.jpg
Da guckt man dann rein.


Ok, es war nicht das "First Light" mit dem Bino und dem Mond, aber es war die erste ernsthafte Beobachtung. Als ich kurz draußen war, den Müll rauszubringen, war zu sehen, dass es praktisch keine Wolken gibt (nach Wochen durchgehender Bewölkung!) — und der Mond machte Hoffnungen, auch vom Balkon aus sichtbar zu sein. Hm, das Ganze vom Balkon aus betracht, da war das mit dem Sichtwinkel etwas knapp, aber der alte Bekannte würde ja auf seiner nächtlichten Reise in eine Richtung wandern, welche die Sichtbedingungen für mich günstiger gestalten würden. Also baute ich, langsam, auf dem Balkon auf. Es war kurz nach zwei, als das Teleskop fertig aufgebaut war. Zunächst probierte ich das 6 mm-Ortho (ergibt 153x bei mir), und fluchte, weil das Stativ doch noch etwas weiter ausgezogen werden musste. Denn ich wollte ohne Zenitprisma beobachten, aber ohne mich hinknien zu müssen. Dann jedoch die Enttäuschung, denn das Bild war kaum scharf zu kriegen. Ständig verschwamm es. Dabei war der Okularauszug schwergängig genug eingestellt, der dürfte nach der Fokussierung eigentlich nicht aufgrund des Gewichtes noch weiter nach unten wandern. Schon gar nicht, wenn nur Verlängerungshülse, Reduzierhülse und das kleine Ortho dranhängen. Komisch. Nur für sehr kurze Augenblicke ein scharfes Bild.

Nun denn, das Ortho raus und das Bino ran. Mit 1,25x Glasweg-Korrektor (GK) und dem Okular-Paar 25 mm ergibt das eine Vergrößerung von 46x. Der GK wird vor das Bino in den Strahlengang geschraubt. Mit dem Suchen des Mondes hatte ich etwas Probleme (der Sucher war für diese Sitzung nicht montiert, weshalb ich mit dem Auge über das Rohr peilte, um unseren Trabanten zu finden.) Im Bino gibt es, wenn der Mond eigentlich noch nicht sichtbar ist, aber in einem bestimmten Winkel zum Gesichtsfeld steht, einen Reflex der einen schwachen Halbmond ins Okular zaubert. Ohne Okular war die Sonne der Nacht dann sehr leicht zu finden — etwas rumrühren, bis es in den Okular-Stutzen sehr hell wird. Die Okulare wieder rein, und scharfstellen, und etwas üben, im richtigen Winkel und mit "geradem Blick" ins Bino reinzusehen — und dann war erst mal Staunen angesagt: Der Trabant, voll im Gesichtsfeld, noch mit reichlich Schwarz drumherum. Es war beinahe Vollmond, dementsprechend hell strahlte der Gevatter in mein Gesicht.

Die Faszination ist kaum zu beschreiben. Das ist... also... unglaublich! Diese Details... klar beobachtet man im Fernrohr den Mond meist bei deutlich höheren Vergrößerungen, doch eben nur mit einem Auge. Im Fernglas wiederum hat man vielleicht 10 oder 12 Vergrößerungen. Das reicht natürlich schon für Krater (sofern das Glas auf einem Stativ steht.) Bei 46x hingegen... hrr hrr, da taucht man richtig rein. Ich war dermaßen beeindruckt von der weißen Schönheit im schwarzen All, dass ich halblaut "ohhh" staunte.

Nun die 9-mm-Okulare. Ergibt bei mir 128x. Bevor das Bino beim Hersteller neu kollimiert wurde, gab es mit den 9-mm-Okularen Probleme, die beiden Bilder zur Deckung zu bringen. Jetzt würde sich herausstellen, ob es wirklich am Bino oder nicht vielleicht doch an den Okularen gelegen hat. Reingeguckt, mit der Bildüberlagerung zum Glück keinerlei Probleme gehabt, und ...ja, also, das war IRRE!!! Krater, Gebirge, Wälle, Rillen... Allerdings nervte jetzt auch das Seeing, die Sichtbedingungen waren diplomatisch gesagt suboptimal: Alle paar Sekunden verschwamm das Bild völlig. Man konnte nur zeitweise ein scharfes Bild bewundern. Das erklärt wohl auch, wieso das Bild mit dem 6-mm-Ortho nicht scharf zu stellen war.

http://www.aths.de/files/astro/astro_f04.jpg
So sieht es dann in der Nacht aus.

Ein Foto vom Mond gibt nicht ansatzweise den beidäugigen Anblick im Fernrohr wieder, finde ich. Foto-Tauglichkeit war zwar im Teleskop-System eingeplant, doch die nächsten Jahre wird es wohl nur visuell genutzt. Das Bino ist da eine echte Bereicherung.

Übrigens ergab ein schneller Test, dass die LV-Okulare mit 25 mm Brennweite bei meinem System recht anfällig für Farbsäume sind, sobald man sich von der optischen Achse entfernt. Das lässt sich teilweise durch den Blickwinkel ins Okular wegkriegen. Mit den 9 mm Okularen war die Problematik schwächer. Ob die restlichen Säume von der Luft kamen, weiß ich nicht. Der Mond stand zwar einigermaßen hoch, aber längst nicht im Zenit, da könnte die atmosphärische Refraktion durchaus schon störend gewesen sein. Letztlich müsste mal unter wirklich guten Bedingungen getestet werden, sowohl die Okulare am Mond, als auch das Bino am Planeten, zum Beispiel am Saturn, ob da die Bildüberlagerung auch so einfach klappt.

Da ich auf die Schnelle den Mondatlas nicht fand, sollte das Programm "Virtual Moon" genutzt werden, um einige Krater zu identifizieren (nebenbei konnte ich mich so im Zimmer etwas aufwärmen.) Allerdings zeigt das Programm den Mond "richtig" orientiert, wie man ihn mit bloßem Auge sieht, während das Bino ein astronomisch orientiertes Bild liefert (Kopf stehend und seitenverkehrt.) Naja, wieder raus auf den Balkon und noch mal auf 46x gegangen, für den Gesamt-Überblick. Beinahe Vollmond, aber dort wo er noch nicht "voll" war, hoch interessante Beleuchtungsverhältnisse. In der Mondfläche war der Krater Tycho mit seinem charakteristischen Strahlenkranz unübersehbar.

Dann die Okulare herausgenommen und das Bino abgeschraubt, aber nur, um den Glaswegkorrektor zu wechseln. Natürlich braucht man für zwei Augen auch zwei Okulare, doch mit zwei GK kann man jedes Okular-Paar für zwei Vergrößerungen nutzen. (Allerdings kostet ein GK auch so viel, wie ein besseres 1 1/4"-Okular. Billig ist der Bino-Spaß leider nicht.) Der nun eingewechselte GK vergrößert 1,7x. Mit den 25-mm-Okularen ergibt das dann 63x. Der Mond wirkte auf den ersten Blick gegenüber 46x gar nicht so viel größer, aber bei genauerem Hinsehen war das Erlebnis doch noch mals beeindruckender. Noch immer war der Mond komplett im Blickfeld, aber es gab doch etwas mehr Details. 63x ist kein Pappenstil, der zu diesem Zeitpunkt reichlich 400.000 km entfernte Mond wurde immerhin auf scheinbar 6300 km herangeholt.

Hin und wieder zogen doch mal Wolken vorbei, aber es waren nur einzelne Wolken (und keine dichte Decke) und sie ließen den Mond frei — einmal glaube ich, zog wohl doch eine Wolke am Mond vorüber, aber da war ich gerade im Zimmer.

Jetzt war es an der Zeit, auf's Ganze zu gehen: Die 9-mm-LV-Okulare, in Kombination mit dem 1,7x GK. Ergibt 174x Vergrößerung. Und dazu wird das strapazierte Lichtbündel auch noch auf beide Augen aufgeteilt. Das Duplett im Objektiv nicht mitgerechnet, muss das Licht durch 9 Linsen, und einige Prismen. Ob der Kontrast noch reichen würde...? Mal sehen...

Einerseits: Das Bild war natürlich dunkler als vorher. Andererseit war man förmlich versucht, die Hand auszustrecken, um den Mond anzufassen. Die Erddrehung macht sich bei 174x deutlich bemerkbar, die Wanderung durch das Gesichtsfeld erfordert häufigeres nachstellen. Bei dieser Vergrößerung kann man natürlich immer nur einen Ausschnitt vom Mond sehen. Ich drehte das Fernrohr etwas "vor" das Objekt, und ließ die Erdrehung für mich kurbeln... Das war wie ein Flug über Mond... man hätte ausrufen mögen: "Houston, die Aussicht ist toll."

Natürlich ist Astronomie das schönste Hobby von allen, aber ich sage mal so: In der Space Night tolle Bilder zu sehen, ist das eine. Den Mond live zu haben, was ganz anderes. Viel beeindruckender. Was man da direkt, "in echt" sieht, wirft zumindest mich dermaßen um, dass mich diese Erlebnisse sicherlich verändern werden. Wenn man merkt, wie groß das da draußen alles ist...

Leider wurde mir trotz warmer Kleidung ziemlich kalt. Eine gute Gelegenheit, hin und wieder ins Zimmer zu gehen, und mit dem Computer versuchen, doch noch einige Krater zu identifizieren. Da wäre Grimaldi, in der Nähe zwei Krater deren Wälle sich berühren, namens Hevelus und Cavalerius. Wunderbar war die Küste vom Meer der Heiterkeit (Mare Humorum.) Aufgrund des Winkels der Sonneneinstrahlung war sehr schön sichtbar, dass das Meer teilweise von einer Art Steilküste gesäumt ist. Das wusste ich noch gar nicht.

"Mond-Meere" sind ja lavaüberflutete Gebiete, wobei die Lava längst erstarrt ist. Der Mond ist völlig abgekühlt und hat keine Atmosphäre. Damit auch keine Wolken, die den Blick auf ihn trüben könnten. Zum Beispiel auf Schickard. Das ist vielleicht ein Kaventsmann von Krater, mein lieber Scholli. In der Nähe liegt "Schiller". Diese Regionen liegen eher am Rand, demzufolge sehen die Krater auch nicht rund aus, sondern lang gestreckt. Schiller ist aber dermaßen länglich, der kann in Natura nicht mal annähernd rund sein. Wie entstehen solche Gebilde?

Schiller sah ich schon mal auf einem Foto, doch wie gesagt ist das Live-Erlebnis ganz anders. Gut, die Luft waberte, und oft störte ein zittrig-verschwommenes Bild, was wohl an Luftverwirbelungen lag. Doch in Momenten der klaren Durchsicht — manchmal nur Sekundenbruchteile, manchmal länger — hatte man ein so detailreiches Bild, das ich kaum für möglich hielt.

Ich suchte Clavius, einen interessanten Riesenkrater, mit vielen kleinen Kratern drinnen und auch am Rand. Offenbar rechnet Virtual Moon die Schattengrenze ("Terminator") etwas ungenau aus, bei mir in den Okularen schien Clavius halb im Schatten, während er lt. Programm voll sichtbar sein sollte. Oder ich habe den Clavius einfach nicht gefunden. Je nach Phase wechselt der Mond sein Angesicht, Krater können unter anderen Lichtverhältnissen völlig anders aussehen. So gut kenne ich mich da noch nicht aus, auf unserem Begleiter, aber ich bin sicher, dass das schon noch wird.

Der Tag-Nacht-Schattenübergang ist kurz vor Vollmond natürlich länger, als beim Halbmond, und ich fuhr diesen Bereich mittels Feinnachführung an der Montierung immer wieder ab (zum Glück sind die Drehknöpfe aus Kunststoff, Metall wäre verdammt kalt), immer auf der Suche nach neuen interessanten Dingen. Dabei wurde natürlich nicht immer nachgeguckt, wie dieser oder jener Krater heißt, sondern einfach die Aussicht genossen. In Erinnerung blieb aber unter anderem der Lohrmann, ein relativ kleiner Krater, und Sirsalis, eine Art Doppelkrater.

Aus Spaß setzte ich in einen Okularstutzen nun das 6-mm-Okular, welches dann 261x beschert. Leider nur einäugig, da ich das Okular nur ein mal habe. Uff. Das Bild war nochmals spürbar dunkler, und wirkte auch flauer. Wenn auch deutlich weniger flau als es mit 175x im alten 60-mm-Fraunhofer. Ich versuchte, mich auf die Momente zu konzentrieren, in denen die Luft ein scharfes Bild durchlässt. Langsam verstand ich, wieso mein Fernrohr mit einer Maximalvergrößerung von 300x beworben wurde — in guten nächten wäre 300x zumindest beim Mond drin. Der Mond hatte bei 261x jetzt eine scheinbare Entfernung von nur noch 1500 Kilometern. In guten Nächten müsste das beidäugig ein Erlebnis sein...

Vom Einblicksverhalten her war das Ortho trotz der kurzen Brennweite gar nicht mal sooo übel. Ich spielte kurz mit dem Gedanken, noch ein zweites zu kaufen, um zu sehen ob damit binokulare Beobachtungen möglich sind. Allerdings wäre die damit erzielte Vergrößerung praktisch nur am Mond zu gebrauchen.

Per Erddrehung ein Gebiet zu "überfliegen" war trotz einäugiger Beobachtng und nur weniger Momente mit scharfen Bilder unglaublich. Und am Tag-Nacht-Übergang des Mondes waren Details... aber theoretisch müsste man die auch mit "nur" 174x sehen. Also wieder die 9 mm Okulare. Das Bild war im Vergleich spürbar heller, und von der Schärfe her — wenn denn die Luft mal kurz still stand — geradezu knackig. Übrigens musste, da der Mond langsam tiefer stieg, auch das Stativ wieder ein wenig einfahren werden. Etwas aufwändig, jeweils drei Beine nacheinander um einige Zentimeter zu korrigieren. Nervig auch die insgesamt nicht so stabile Aufstellung: Draußen kann man an den Stativ-Füßen Stahlspitzen ausfahren und in den Rasen rammen. Das ist auf dem Balkon natürlich nicht möglich. Das folgliche ständige Gezittere beim Fokussieren war wenig angenehm.

Die Kälte würde mich schon bald zum Abbruch treiben, das war klar, dennoch genoss ich jetzt noch mal ausführlich den beidäugigen Blick auf den Mond. Woher gewisse Farbsäume kommen, konnte ich nicht ermitteln. Ansonsten scheint das Bino trotz dem Einsatz von einem Glaswegkorrektor das Bild nicht zu verschlechtern. Die Zeit für Vergleiche, ob man mit 261x nun wirklich mehr Details sieht als mit 174x nahm ich mir nicht mehr. Doch blieb das Gefühl der Befriedigung: Das Binokular ist sein Geld wert. Mit zwei Augen sieht man, wenn vielleicht nicht mehr, so doch bequemer. Viel entspannter, als wenn man sich auf ein einzelnes Auge konzentrieren muss.

Der Komfort durch ein Bino ist schwer zu beschreiben. Mit der Bildüberlagerung hatte ich heute keine Probleme, teilweise konnte man sogar etwas "schief" reingucken. Geschielt werden darf natürlich nicht. Bei den LV25-Okularen bin ich nicht so hundertprozentig glücklich, wegen den komischen Farbsäumen. Die LV9 hingegen machen immer mehr Freude: Ebenfalls diese fantastisch große Augenlinse, ein sehr gutmütiges Einblicksverhalten, und deutlich weniger anfällig für laterale Farbe. Bei nächster Gelegenheit werde ich bei möglichst hoch stehendendem Mond das Fernrohr mal draußen aufbauen, und gucken, ob das Objektiv mit dem 6 mm Ortho ein praktisch Farbsaum-freies Bild liefern kann, oder nicht. So teuer wie die 4"-ED-Optik war, möchte ich natürlich auch die volle Leistung haben.

Das Baader 60°-Bino ist für mich ein klarer Hit. Ich bin froh, es zu haben, und werde es einsetzen wann immer möglich.


http://www.aths.de/files/astro/astro_f03.jpg
Die Fensterbank musste als Ablage herhalten. Zu sehen sind Okular-Schutzkappen und Behälter, Okulare, und weiteres Zubehör.

10tacle
01.01.2004, 05:22
Welche Details kann man denn auf dem Mond erkennen?? Wie nahe bekommt man das ran? Kann man mit dem "Rohr" auch die Raumstation ISS finden oder ist die zu klein. Würde mich mal interessiern wie nah man da was ran kriegt.

aths
03.01.2004, 11:07
Welche Details kann man denn auf dem Mond erkennen?? Wie nahe bekommt man das ran? Kann man mit dem "Rohr" auch die Raumstation ISS finden oder ist die zu klein. Würde mich mal interessiern wie nah man da was ran kriegt.Die ISS würde ich prinzipiell sehen können, wenn ich exakt wüsste, wo die wäre. Habe mich da noch nicht auf Jagd begeben. (Grobe) Details der Raumstation würde man wohl nur fotografisch bekommen, ich denke nicht, dass visuell mehr als ein heller Punkt zu bekommen wäre.

"Welche Details" man auf dem Mond erkennen kann, ist nicht so einfach zu sagen: Bei nur 10 Vergrößerungen um Fernglas sieht man schon die größten Krater. Bei 50x im Fernrohr sieht man noch mehr Krater. Bei 174x sieht man noch mehr Krater :) Ich habe Krater als Krater (ganz kleine schwarze Kreise) gesehen, die einen tatsächlichen Durchmesser von weniger als 2 km haben. Einige Sachen die ich gesehen habe, waren zwar noch kleiner, aber da war die Struktur nicht mehr zu bestimmen.

Bei 174x holt man den Mond auf im Durchschnitt 2200 km heran. Die Optik löst auch hoch genug auf, dass man da noch nicht im Bereich der "Leervergrößerung" ist (wo das Bild zwar größer würde, aber keine neuen Details mehr zeigen könnte.)

Es ist nicht möglich, Apollo-Kapseln oder so von der Erde aus zu sehen, auch nicht mit dem Hubble Space Telescope. Diese Raum-Kapseln haben ja nur wenige Meter Größe.

Der Mond scheint noch nicht ganz zuende kartografiert zu sein, jedenfalls zeigt mein Atlas einerseits manchmal mehr Krater, als ich wirklich sehe, aber hin und wieder kann ich Krater sehen die der Atlas nicht mehr zeigt.

Bombwurzel
04.01.2004, 22:08
Hi, aths :)

Mit Astronomie hab ich mich schon seit meiner Schulzeit nicht mehr beschäftigt. Von Teleskopen hab ich soviel Ahnung wie der Ochse vom Melken. ;)

Nun hat sich mein Frauchen zum Burzeltag so einen gigantischen Phallus gewünscht und ich hab ihr da so ein mehr oder weniger preiswertes Teil gekauft.

Die technischen Daten, die ich hab, sind für mich nicht gerade besonders aussagekräftig.
Vielleicht kannst du ja mal dein fachmännisches Urteil abgeben, ob dieses Teleskop für den Einstieg geeignet ist und was man so erkennen kann.

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=2976863754&ssPageName=ADME:B:EOAB:DE:6

aths
06.01.2004, 14:37
Hi, aths :)

Mit Astronomie hab ich mich schon seit meiner Schulzeit nicht mehr beschäftigt. Von Teleskopen hab ich soviel Ahnung wie der Ochse vom Melken. ;)

Nun hat sich mein Frauchen zum Burzeltag so einen gigantischen Phallus gewünscht und ich hab ihr da so ein mehr oder weniger preiswertes Teil gekauft.

Die technischen Daten, die ich hab, sind für mich nicht gerade besonders aussagekräftig.
Vielleicht kannst du ja mal dein fachmännisches Urteil abgeben, ob dieses Teleskop für den Einstieg geeignet ist und was man so erkennen kann.

http://cgi.ebay.de/ws/eBayISAPI.dll?ViewItem&item=2976863754&ssPageName=ADME:B:EOAB:DE:6"Profi Spiegel Teleskop 675x Vergr"

Um die angegebenen 675 Vergrößerungen zu erreichen, braucht man viel Öffnung. Beim Spiegelteleskop wären dafür 350 mm Öffnung anzuraten (oder mehr.) Dieses Teil hat nur 76 mm Öffnung. Damit kriegst du ca. 120x hin. Mit Fantasie-Vergrößerungen zu werben, die mit dem Zubehör zwar erreichbar sind, wo man aber maximal grobe, verwaschene Flecken sieht, ist ein Zeichen von Unprofessionalitität.

Echte Profis würden nicht die angebliche Vergrößerung, sondern den Typ (in diesem Falle Spiegelteleskop nach Newton) und die Öffnung angeben.

Selbst mit sehr großen Geräten wäre 675x nur bei Spitzen-Nächten einzusetzen (wegen der Luft-Unruhe.) Eine normale Nacht in Deutschland lässt ca. 150 - 300x zu.

Die Öffnung (wichtigste Größe) des Teleskops wird in der Beschreibung nirgendwo verraten. Brauchbare Einsteiger-Newtons haben ebenfalls ca. 900 Brennweite, aber 114 mm Öffnung, und kosten inkl. Montierung und Stativ ca. 300 €.



"Der 6x25mm Objektivsucher ermöglicht Ihnen einen Überblick über den Nachthimmel mit einer kleineren Vergrößerung (6x), um die gesuchten Himmelskörper aufzufinden, so dass Sie das Hauptteleskop auf die gewünschte Himmelsregion ausrichten können."

Das Ding ist garantiert nicht mal achromatisch korrigiert, und stellt einen Sucher im wahrsten Sinne dar: Damit sucht man, aber findet nichts.


"Die auswechselbaren Okulare bieten ein große Vielfalt von Vergrößerungsfaktoren: 20mm, 12,5mm, 4mm und 3x + 2x Barlow Linse für Vergrößerungen von 45x bis zu 675x"

Die Okulare sind vermutlich Huygens oder Symetrical Ramsden (H bzw. SR) ohne brauchbare Vergütung. Diese 2-linsigen Designs verbinden schlechte Bildqualität mit ungenügendem Beobachtungskomfort. Für die 129 € bekommt man je nach Anspruch 2-3 vernünftige Okulare mit jeweils 4 Linsen (= Komfort, anständiges Gesichtsfeld, scharfes Bild, ein Bild ohne Farbsäume).

Es findet sich nirgendwo ein Wort, welchen Steckhülsen-Durchmesser die Okulare haben. (1,25" wäre Standard.) Mit dem 20 bzw 12,5 mm Okular bekommst du 45x bzw. 72x. Das 4 mm wird wohl eine winzige Augenlinse haben, und nicht viel Spaß machen.


"Mit der Spezial Justiervorrichtung kann das Teleskop 360° horizontal gedreht werden und auch vertikal eingestellt werden. Mit der Feineinstellung kann dann eine sehr exakte Ausrichtung vorgenommen werden."

Die sehr exakte Ausrichtung wird sehr schnell an Exaktheit einbüßen, wenn der Tubus nachträglich weiter absinkt, weil die Mechanik nichts taugt.


"Ein Stativ aus Aluminium sorgt für die nötige Stabilität und Komfort bei langen Beobachtungszeiten"

Das Stativ wird bei leichtem Wind die nötige Stabilität vermissen lassen. Selbst bei Windstille wird dieses dürre Gestell unangenehm lange Ausschwingzeiten aufweisen.

Bombwurzel
06.01.2004, 14:57
hehe, dein Urteil ist ja vernichtend :D

Nun, wir wollen sicherlich nicht unserer Sternwarte Konkurrenz machen. ;)
Und wenn du sagst, dass anständige Okulare mehr kosten als das gesamte Paket, dann glaub ich dir das ungeprüft. Wenn ich sehe, was du für deinen "Feldstecher" bezahlt hast, dann kann ich dein Urteil sogar verstehen. :)

Ich sag's mal so. Wenn mein Frauchen das Teil länger als 2 Wochen benutzt und das Ding nicht irgendwo in der Ecke verstaubt, dann kann man über ein professionelleres System nachdenken.
Ich fürchte mal, dass sich die Beobachtungsobjekte auf Mond, Mars, Saturn und Nachbarn beschränken werden. ;)

Dafür wird's doch hoffentlich ausreichen, oder?

aths
06.01.2004, 15:20
hehe, dein Urteil ist ja vernichtend :D
Nun, wir wollen sicherlich nicht unserer Sternwarte Konkurrenz machen. ;)
Und wenn du sagst, dass anständige Okulare mehr kosten als das gesamte Paket, dann glaub ich dir das ungeprüft. Wenn ich sehe, was du für deinen "Feldstecher" bezahlt hast, dann kann ich dein Urteil sogar verstehen. :)Hi, ich habe nicht "mein" Niveau angesetzt. Mein jetziges Fernrohr ist nicht nur ein Fernrohr, sondern auch die Erfüllung eines langjährigen Herzenswunsches. Da ist alles etwas teurer. Früher hatte ich auch mal Billig-Scheiß und machte diesmal keine Kompromisse. Allerdings ist es nicht dumm, einige Kompromisse einzugehen, weil man gar nicht mal so viele Unzulänglichkeiten inkauf nehmen muss, aber viel Geld spart. Doch eine gewisse Grund-Qualität kostet auch sein Geld...


Ich sag's mal so. Wenn mein Frauchen das Teil länger als 2 Wochen benutzt und das Ding nicht irgendwo in der Ecke verstaubt, dann kann man über ein professionelleres System nachdenken.
Ich fürchte mal, dass sich die Beobachtungsobjekte auf Mond, Mars, Saturn und Nachbarn beschränken werden. ;)

Dafür wird's doch hoffentlich ausreichen, oder? Ich fürchte, dass du beim Saturn die Ringteilung kaum sehen wirst. Im Moment steht der Saturn sehr gut (die Sichtbarkeits-Bedingungen sind gut, und der Ring ist ziemlich weit geöffnet.) Probiere es mal aus :)

Du kannst mit dem Ding mehr sehen. Zum Beispiel natürlich Jupiter (mit seinen zwei großen Wolkenbändern.) An Deep-Sky-Objekten probiere unbedingt M42, den großen Orion-Nebel (siehe Anhang.) (Für Deep-Sky eine mondlose Nacht nehmen.)

aths
12.01.2004, 00:06
Na Bombwurzel,

haste das Teil jetzt schon mal eingesetzt?

Bombwurzel
12.01.2004, 05:48
Ist leider noch nicht angekommen. Müsste aber die nächsten Tage kommen.
Hätte sich eh nicht gelohnt. Die letzten Tage war es hier total bedeckt. :(

Bombwurzel
14.01.2004, 16:47
hehe :)

Gestern ist das Teil gekommen. Das Paket hat kaum durch die Tür gepasst. ;)

Der Zusammenbau hat, dank fehlender Aufbauanleitung, fast ne Stunde gedauert.
Deine Bedenken bezüglich des Stativs kann ich mit gutem Gewissen bestätigen. Das Teil ist federleicht und bietet in Extremsituationen garantiert keinen festen Halt. Da der Stammplatz des Teleskops direkt auf unserem Balkon sein wird (Mond, Orion, Jupiter, mars etc. schauen bei uns öfter zum Fenster rein) ist das aber weniger tragisch.
Schon etwas bedenklicher ist der gesamte Aufbau. Alles ziemlich wackelig. Einmal ganz leicht gegen den Feldstecher gestossen, schon darfste neu suchen.
Ansonsten konnte ich bisher noch nicht viel probieren. Das Wetter ist absolut bescheiden. Seit ungefähr einer Wochen haben wir eine nahezu komplett geschlossene Wolkendecke.
Gestern ist es mal für eine halbe Stunde aufgerissen.

Das Teleskop selbst ist groß genug. Was größeres hätte weder in der Wohnung noch auf dem Balkon genügend Platz.

Nun hab ich zwei kurze Fragen.

1. Kannst du mal ganz kurz und Dau-sicher erklären, worum es sich bei einer "Barlow-Linse" handelt? Ich hab hier eine '2x' und eine '3x' dazu bekommen und hab keine Ahnung wann ich die am besten einsetzen soll und worauf ich da achten muss.

2. Hier liegt dann noch so ein Plastik-Hoschie rum, der den Barlow-Linsen zum verwechseln ähnlich sieht, jedoch nur mit 'T18MM' beschriftet ist und an einem Ende noch ein durchsichtigen Ring angeschraubt hat.

Dem Teleskop lag leider nur eine ganz knappe Betriebsanleitung bei, die nur aus einem beidseitig beschriebenen DinA4-Blat bestand, wobei eine Hälfte davon nur aus Abbildungen bestand, die nur wenig hilfreich im alltäglichen Umgang sind, die andere Hälfte waren Pflegehinweise und ein kleiner Abschnit zur Verwendung des Mond-Filters (so eine grüne Linse, die ich zusätzlich in die Okulare eindrehen kann).

Wenn du dann noch einen guten Link kennst, der für Einsteiger die richtigen Informationen hat, dann wäre ich richtig glücklich. :)

aths
14.01.2004, 20:34
hehe :)
Deine Bedenken bezüglich des Stativs kann ich mit gutem Gewissen bestätigen. Das Teil ist federleicht und bietet in Extremsituationen garantiert keinen festen Halt. Da der Stammplatz des Teleskops direkt auf unserem Balkon sein wird (Mond, Orion, Jupiter, mars etc. schauen bei uns öfter zum Fenster rein) ist das aber weniger tragisch.Denkste, Herzchen... sorry für die Anmache, aber wenn du vom Balkon beobachtest, setzt du dich der Gefahr lokalen Seeings aus. Stell dir vor, jemand unter dir macht das Fenster auf. Warme Luft strömt nach oben... das versaut dir das Bild. Versuchen kannst du es natürlich, aber für "richtige" Beobachtungen sollte man raus gehen. (Das Fernrohr kann vorher auf den Balkon zum Auskühlen gestellt werden.) Je nach Wetter (und Uhrzeit) bietet die Nacht mal sehr klare, mal sehr ruhige Luft. (Erstes brauchst du für Deep Sky, ist es auch nur ein bisschen diesig, haste kaum noch ein brauchbares Bild. Letzteres brauchst du, wenn du mit hoher Vergrößerung auf Planeten gehst.)



Das Teleskop selbst ist groß genug. Was größeres hätte weder in der Wohnung noch auf dem Balkon genügend Platz.Ein "besseres" Teleskop muss nicht unbedingt größer sein. Teurer würde es allerdings. Dieses Teil hier z. B. ist sehr handlich: http://www.teleskop-service.de/Astro/Refraktor/refraktor.htm#80

Spare insgesamt 800 €, und leiste dir noch einen vernünftigen Unterbau dazu :) Ansonsten, für ca. 300 € kriegt man ein (komplettes!) Spiegel-Teleskop, was nicht viel länger ist als deins, aber eine größere Öffnung hat.

Der Fangspiegel ist bei 76 mm Öffnung _relativ_ gesehen sehr groß. Immerhin muss der ganze Bereich für den Okular-Auszug ausgeleuchtet werden. Der Fangspiegel für ein 114-mm-Newton ist _relativ_ gesehen kleiner, und schluckt damit spürbar weniger Kontrast. Zudem bringt die größere Öffnung mehr Licht, und mehr Auflösungsvermögen. Das 114-er wäre schon eine ganz andere Klasse, erst recht, wenn die Qualität stimmt. Um 150 mm Öffung vernünftig einsetzen zu können, ist hingegen eine größere Montierung und ein wirklich stabiles Stativ erforderlich, was das Systemgewicht deutlich erhöht, und auch kräftig ins Budget schlägt. (Da müsste man mindestens 600, besser 900 € für das Komplettsystem rechnen.)

Als "schneller Gucker" wiederum hat der Refraktor seine Vorteile, allerdings sind Linsenteleskope auf die Leistung bezogen teurer, als Spiegel. (150 mm als Refraktor? Praktisch unbezahlbar, und außerdem sehr unhandlich.)



Nun hab ich zwei kurze Fragen.

1. Kannst du mal ganz kurz und Dau-sicher erklären, worum es sich bei einer "Barlow-Linse" handelt? Ich hab hier eine '2x' und eine '3x' dazu bekommen und hab keine Ahnung wann ich die am besten einsetzen soll und worauf ich da achten muss.Was du mitgeliefert bekommen hast, ist Spielzeug, damit die auf die Packung die unsinnig hohen Vergrößerungen drucken können. Eine Barlow-Linse macht den Strahlenkegel spitzer. Damit wird effektiv die Brennweite des Geräts verlängert, und da sich die Vergrößerung aus Objektiv-Brennweite : Okular-Brennweite ergibt, kannst du mit dem gleichen Okular höher vergrößern, wenn du in den Auszug erst die Barlow steckst, und in die Barlow dann das Okular.

Gute Barlows haben 2 oder 3 hoch korrigierte, multivergütete Linsen, um den hässlichen Farbfehler den alle Linsen reinbringen, wieder rauszukorrigieren. (Die Linse bricht das Licht für unterschiedliche Wellenlängen, sprich unterschiedliche Farben, unterschiedlich stark.) Extrem gute Barlows haben sogar 4 Linsen, aber die kosten pro Stück 250 €...

Ein normales Okular wird umso hässlicher im Einsatz, je geringer seine Brennweite ist. Ohne kleine Okular-Brennweite kommt man aber nicht auf hohe Vergrößerungen. Ausweg: Die Objektiv-Brennweite wird mit der Barlow verlängert, so dass z. B. ein noch anständig zu benutzendes 10-mm-Okular so hoch vergrößert, wie ein 5-mm-Okular.

2x bzw. 3x ist der Verlängerungsfaktor. Kombinierst du beide Barlows, ergibt das 6x...



2. Hier liegt dann noch so ein Plastik-Hoschie rum, der den Barlow-Linsen zum verwechseln ähnlich sieht, jedoch nur mit 'T18MM' beschriftet ist und an einem Ende noch ein durchsichtigen Ring angeschraubt hat.

Dem Teleskop lag leider nur eine ganz knappe Betriebsanleitung bei, die nur aus einem beidseitig beschriebenen DinA4-Blat bestand, wobei eine Hälfte davon nur aus Abbildungen bestand, die nur wenig hilfreich im alltäglichen Umgang sind, die andere Hälfte waren Pflegehinweise und ein kleiner Abschnit zur Verwendung des Mond-Filters (so eine grüne Linse, die ich zusätzlich in die Okulare eindrehen kann).Enthält das T18MM Linsen, oder ist das nur ein Ring mit Gewinde? Kannst du das Teil wie ein Okular verwenden? Wenn ja, probiere es halt :)

Bombwurzel
14.01.2004, 21:40
...wenn du vom Balkon beobachtest, setzt du dich der Gefahr lokalen Seeings aus. Stell dir vor, jemand unter dir macht das Fenster auf. Warme Luft strömt nach oben...
Ui, da wohnen blos die Schwiegereltern. Wenn die das Fenster aufreissen und uns das Bild versauen, dann bin ich aber unten. ;):D:D


Ein "besseres" Teleskop muss nicht unbedingt größer sein. Teurer würde es allerdings. Dieses Teil hier z. B. ist sehr handlich: http://www.teleskop-service.de/Astro/Refraktor/refraktor.htm#80
Meinst du, ein Refraktor wäre für den Anfang besser, als ein Spiegelteleskop?


Spare insgesamt 800 €, und leiste dir noch einen vernünftigen Unterbau dazu :) Ansonsten, für ca. 300 € kriegt man ein (komplettes!) Spiegel-Teleskop, was nicht viel länger ist als deins, aber eine größere Öffnung hat.
Immer ruhig mit den Pferden. :D
Wie ich schon gesagt hab, über was Besseres denken wir nach, wenn es an der Zeit ist. Immerhin besteht die Möglichkeit, dass das Teil nach nem halben Jahr auf'm Boden verstaubt.

Enthält das T18MM Linsen, oder ist das nur ein Ring mit Gewinde? Kannst du das Teil wie ein Okular verwenden?
Wie geschrieben, es sieht aus, wie diese Barlow-Dinger (so längliche schwarze Zylinder) und Linsen sind auch drin. Nur ein Okular kann ich dort nicht aufstecken, da ist schon ne Linse fest drin.

Naja, ich schau mir das mal an, wenn das Wetter besser ist. Dann bekomm ich schon irgendwie raus, was, wo, wie am besten funktioniert. Erstmal ganz lieben Dank für deine intensiven Ausführungen. Wenn ich den Kopf wieder frei habe, kann ich mir das mal genauer zu Gemüte führen.

aths
16.01.2004, 04:39
Meinst du, ein Refraktor wäre für den Anfang besser, als ein Spiegelteleskop?Schwierige Frage. Der Spaß kommt ja auch durch Leistung. Und für 300 € ein 114-mm-Newton mit dem Öffnungsverhältnis f/8, diese Leistung ist mit einem Refraktor zu diesem Preis einfach nicht erreichbar. Ginge es rein nach Preis/Leistung, dürfte es eigentlich gar keine Refraktoren mehr geben :)

Die Linsenteleskope haben ihre Vorteile im Handling. Der Strahlengang z. B. ist ja ein Kegel vom Objektiv bis zum Okular. Beim Newton-Spiegel geht das Licht erst mal zum Hauptspiegel, von dort als Kegel zum Fangspiegel. Luftwirbel im Tubus wirken sich beim Spiegel-Teleskop also schlimmer aus, der Refraktor ist in der Regel schneller einsatzbereit.

Bei einem Refraktor würde ich allermindestens 70 mm Öffnung empfehlen, besser 80, noch besser 90. (Bei 102 mm hat man den Einsteiger-Bereich schon verlassen.) Ein 90-mm f/11 Fraunhofer-Refraktor ist ein feines Teil: Nur geringfügiger Farbfehler (den außer Apochromaten alle Linsenfernrohre haben.) Für Mond und Planeten sehr brauchbar.

Ein 70-mm-Refraktor http://www.teleskop-service.de/Astro/Refraktor/Synta/synta.htm#70900 kostet mit vernünftiger Ausstattung 260 €, dafür kriegt man fast einen guten 114-mm-Newton, welcher deutlich mehr leistet. Mit dem 70-mm-Refraktor haste im Gegensatz zum 76-mm-Newton auch bei 140x noch ein gutes Bild :)

Unter uns: Mein Teleskop aufzubauen ist kein Zuckerschlecken: Die Montierung wiegt 4 kg, das Gegengewicht noch mal, der Tubus ebenfalls, und das Stativ 7 kg... ein kleinerer Refraktor hätte eben den Vorteil, dass man das gesamte aufgebaute System mit einem Arm runtertragen kann... für eine gegebene Öffnung leisten Refraktoren mit vernünftigem Öffnungsverhältnis mehr, als ein (deutlich preiswerterer) Spiegel.

Beim T18MM würde ich einfach mal sagen, versuch das Ding (bei Tage) wie ein Okular zu verwenden, wenn da schon Linsen drin sind...