Test: Maxdome (7/7)

VoD auf hohem Niveau?
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Fazit

Je nachdem mit welcher Voreinstellung an einen Artikel wie diesen gegangen wird, sind unterschiedliche Überraschungen im Verlauf des Tests vorprogrammiert. An dieser Stelle muss zunächst erwähnt werden, dass die Erwartungen, die seitens des Autors in Maxdome gesetzt wurden, nicht allzu groß waren. Dies beruhte in aller Ehrlichkeit auf dem Unwissen um die Qualität des Angebots. Im Folgenden soll nun ein Fazit gezogen werden, das soweit irgendmöglich objektive Beobachtungen verarbeitet. Um aber auch die subjektiven Einsichten zu Maxdome gebührend zur Geltung kommen zu lassen, folgt zu guter Letzt ein persönliches Fazit – sozusagen als zweite, schärfere Meinung.

Allgemein betrachtet ist Maxdome ein gelungener Service. Die Qualität ist überzeugend und entsprach wie versprochen DVD-Qualität. Die Übertragung verlief trotz W-LAN störungsfrei und damit ohne Ruckler in Bild oder Ton. Etwaige Kompatilitätsprobleme sind zwar ein nennenswertes, aber aktuell zu verkraftendes Übel, denn wer auf DRM setzen muss, wird an der einen oder anderen Stelle zwangsweise in den sauren Apfel beißen müssen. Es fehlt nur noch 5.1-Sound und Maxdome kann von Seiten der Qualität hervorragendes Heimkino liefern.

Mit Blick auf die Inhalte ist das Angebot weniger klar einzustufen. Hier kommt es vornehmlich auf den eigenen Geschmack an. Wer ohnehin viel fernsieht und dabei häufig bei den Sendern der ProSiebenSat.1-Gruppe reinschaltet, ist beispielsweise mit dem Serien-Paket gut bedient. Nennenswertes Manko hierbei ist aber, dass die US-Serien aus lizenztechnischen Gründen nur in Teilen verfügbar und die Simpsons – es muss erneut erwähnt werden! – überhaupt nicht vertreten sind. Inwiefern dieses Argument auch noch in der Zukunft gelten kann, wird sich zeigen. Aktuell hat auch ProSiebenSat.1 – wohl auch mit Blick auf das Konkurrenzangebot von RTL – damit begonnen, erste Eigenproduktionen direkt nach der ersten TV-Ausstrahlung im Netz kostenfrei zugänglich zu machen.

Der Film-Bereich, der das Herz eines solchen Services darstellt, hat ebenfalls seine positiven wie auch negativen Seiten. So finden sich in der Rubrik einige sehr gute Blockbuster – insgesamt aber ist das Portfolio der wirklich hochkarätigen Filme relativ schnell abgegrast. Auch überwiegt der Anteil von weniger sehenswertem Material, wobei hier natürlich erneut der Geschmack des Kunden ausschlaggebend sein dürfte. In den anderen Rubriken gilt es für den potentiellen Neukunden, sich nach dem eigenen Geschmack zu orientieren. Je nachdem, wie dieser ausfällt, können die dortigen Inhalte das eine oder andere Paket nennenswert aufwerten.

Ebenso individuell wirken die Preise. Diese gestalten sich objektiv betrachtet als moderat, wobei man schon ein Fan beziehungsweise Liebhaber sein muss, um bereitwillig rund vier Euro für ein Fußball-Club-Paket beziehungsweise 13 Euro für fünf erotische Filme im Monat auszugeben. Frei nach dem Motto „jedem das Seine“ kann aber objektiv betrachtet wenig an dem Preisgefüge ausgesetzt werden – die Euro-Akzeptanz ist eben wie so vieles von den persönlichen Vorlieben abhängig. Wer nur auf bestimmte Filme per Abruf fixiert ist, könnte im einmaligen Pay-Per-View-Verfahren für beliebte Blockbuster gut fahren und sollte ansonsten auf jegliche Abos verzichten.

Das Argument, wonach viele der Filme und Serien ja ohnehin schon im TV zu sehen waren, darf an dieser Stelle übrigens nicht gelten. Bei Maxdome handelt es sich um einen VoD-Service, der einem jeden Kunden erlaubt, beliebige Inhalte zu einer beliebigen Zeit abzurufen. Damit wird der Zuschauer im Unterschied zum konventionellen Fernsehen in seinem Konsum flexibel. Dass dieses Mehr an Flexibilität auch seinen Preis hat, ist nur gut und recht.

Insgesamt ist Maxdome also eine überraschend individuelle Sache. Und daraus leitet sich auch die Antwort auf die im Vorwort gestellte, zentrale Frage ab: Maxdome kann für all jene ein adäquater Zusatz oder gar Ersatz für das konventionelle Fernsehen sein, die mit den Inhalten generell etwas anfangen können. Dass das generelle Fazit mit Blick auf das Angebot so schwammig ausfällt, hat einen einfachen Grund: Die Inhalte sind üppig, aber nicht durch die Bank weg das, was Medienredakteure als „hochwertig“ bezeichnen würden. Doch sollten sich Medienredakteure auch nicht dazu aufschwingen, für alle Zuschauer „gute“ und „schlechte“ Inhalte zu definieren. Dennoch sei an dieser Stelle erwähnt, dass nach Geschmack des Autors nur wenige Beiträge als wirklich „sehenswert“ einzustufen sind und sich somit ein großes, inhaltliches Defizit offenbart. Allerdings muss zugleich explizit festgestellt werden, dass dies in der Hauptsache auf die hohen lizenztechnischen Hürden zurückzuführen ist, die gerade bei internationalen (vor allem US-amerikanischen) Rechten zu überwinden sind. Wer mit den Inhalten also ohnehin etwas anfangen kann, ist definitiv gut bedient.

Insofern muss tatsächlich individuell abgewogen werden. Die notwendigen Rahmenbedingungen wurden von Anbieter-Seite geschaffen: Die Technik funktioniert, die Inhalte sind verfügbar und die Preise weitgehend in Ordnung. Wer die Wahl hat, hat eben oftmals auch die Qual.

Persönliches Fazit von Thomas Hübner:
Die Maxdome-Pakete haben ihren Höhen und Tiefen. Die Angebote Kids und Comedy wissen zu gefallen. Wer zu diesen Paketen greift, erhält das komplette Programm. Bereits beim Serien-Paket beginnen die Probleme.

Für einen Obolus von 10 Euro pro Monat enthält es nur auf den ersten Blick das komplette Angebot des Portals, denn schon bei Eigenproduktionen fehlen ältere Staffeln. Ausländische Serienhighlights wie Lost, Desperate Housewives oder Grey's Anatomy verschwinden 10 Wochen nach Erstausstrahlung von der Plattform. Navy CIS ist deshalb ebenso aus dem Angebot geflogen wie jegliche Arten von Star Trek (von noch älteren Kalibern ganz zu schweigen) – als Archiv taugt Maxdome daher nicht. Und das Los der Lizenzbedingungen zieht weitere Fallstricke nach sich: Selbst wenn neue Serien im Fernsehen anlaufen, stehen diese nicht automatisch per Video-On-Demand zur Verfügung. „Die Simpsons“ waren nie und werden (mangels Lizenz) vorerst nicht online verfügbar sein.

Getreu dem Motto, was „Neu ist, kostet extra“, hat man über Maxdome zwar die Möglichkeit, neue Folgen einer Serie eine Woche vor der TV-Erstausstrahlung zu sehen, dieses Recht muss man sich trotz Serienpaket jedoch mit 2,49 Euro pro 24 Stunden und Folge erkaufen. Als Besitzer eines gut programmierten Festplattenvideorecorders kann man sich das Serienpaket damit getrost sparen – die Werbung der TV-Übertragung ist schnell überspult und man hat den Vorteil von Dolby Digital.

Maxdome - Was zu neu ist kostet Geld
Maxdome - Was zu neu ist kostet Geld

Maxdome Blockbuster
Maxdome Blockbuster
Maxdome Movie
Maxdome Movie

Beim Movie-Paket gibt es ein Kernproblem: Die wirklich guten Filme sind als Blockbuster eingestuft und werden daher (bis auf wenige Ausnahmen) von keinem Paket abgedeckt. Dass DVD-Neuveröffentlichungen in diesem Paket nicht enthalten sind, kann man nicht kritisieren, da die Lizenzen hierfür entsprechend hoch ausfallen. Warum man jedoch für Forrest Gump, 3 Engel für Charlie, Wayne's World (1991!) und noch viele mehr jeweils 3 Euro berappen soll, erschließt sich mir nicht. Über dieses Problem können auch die drei Movie-Gutscheine pro Monat nicht hinweg trösten, da sie an Filme gebunden sind. Schade eigentlich, denn bereits frei einsetzbare Gutscheine würden ausreichen, um das Movie-Paket in ein völlig anderes Licht zu rücken.

Zusammengefasst: Das Kids- und Comedy-Paket sind je nach Geschmack zu empfehlen. Den Abschluss eines Serien-Paket-Abos sollte man sich gut überlegen und um das Movie-Paket einen großen Bogen machen. Neuerscheinungen sind ohnehin in keinem Paket enthalten. Dem Video-on-Demand-Gedanken folgend, sollte man bei „Blockbuster“ nur nach Bedarf zuschlagen.

Die Konkurrenz ist erwacht und Maxdome sollte Antwort darüber nachdenken, im Comedy-Bereich einzelne Beiträge komplett kostenlos bereitzustellen und den Einflussbereich der Serien- und Movie-Pakete zu erweitern, um empfehlenswert zu bleiben.

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