Zu langsam, zu viele Wechsel

„webOS war chancenlos“

Der größte Flop des Technikjahres 2011 war sicherlich HPs TouchPad. Zu Beginn des Jahres noch im großen Stile überschwenglich angekündigt, stellte man Mitte August nach nur sieben Wochen den Verkauf wieder ein. Der offizielle Grund: Zu geringe Verkaufszahlen.

Nun, knapp vier Monate nach dem Ende, berichtet die New York Times über die vermeintlichen Probleme, die das Projekt von Anfang an gehabt haben soll. Dabei geht es allerdings weniger um das TouchPad oder die ebenfalls eingestellten Smartphones Pre 3 und Veer, sondern viel eher um die Software-Basis. Denn nach Ansicht einiger ehemaliger Palm- und HP-Mitarbeiter lag das Problem in webOS, der Plattform, begründet.

Laut Paul Mercer, bei Palm ehemals zuständig für die Software-Entwicklung, habe man während der Entstehung von webOS zu wenig auf das technisch machbare geschaut: „Palm war seiner Zeit voraus, als man versucht hat, eine Smartphone-Plattform auf Basis von Web-Technologien zu kreieren und wir waren nicht in der Lage, ein solch ambitioniertes und bahnbrechendes Design umzusetzen.“. Und weiter: „Möglicherweise war es aber auch gar nicht umsetzbar, da die Technik nicht vorhanden war.“.

Seiner Meinung nach war es ein Fehler, das Betriebssystem auf der WebKit-Engine aufzubauen. Die für mehrere Web-Browser verwendete Basis sei zu langsam für Applikationen gewesen, dennoch habe man sich für sie entschieden. Insbesondere im Vergleich zum iPhone wären die Unterschiede deutlich gewesen. Ein anderer, namentlich nicht näher genannter ehemaliger mit dem Projekt Betrauter vertritt allerdings eine andere Auffassung. Demnach habe man es nie geschafft, eine wirkliche attraktive Plattform zu schaffen. Dadurch sei das Interesse von unabhängigen Entwicklern von Anfang an gering gewesen – ein Problem, dass HP letztlich dazu veranlasste, für die Portierung von bekannten Apps zu zahlen.

Während der Entwicklung habe man grundsätzliche Fehler gemacht, die es Programmierern unnötig schwer gemacht hätten. So habe man aufgrund des Zeitdrucks – webOS wurde binnen neun Monaten komplett entwickelt – wichtige Grundlagen missachtet. Anstatt ein einheitliches Gerüst mit wiederverwendbaren „Blöcken“ für das Erstellen von Applikationen zu entwickeln, habe man bei jedem Programm bei null angefangen. Zwar habe man später nach und nach solche „Blöcke“ entwickelt, aber durch die Übernahme durch HP und die damit bedingten Änderungen mussten große Teile erneut von Beginn an in Angriff genommen werden. Entwickler mussten also neu lernen, wie man webOS-Anwendungen erstellt.

Aber auch die Personalpolitik sei in großen Teilen falsch gewesen, so die unbekannte Quelle. Es habe schlicht zu wenig geeignete Programmierer gegeben, da sowohl Apple als auch Google bereits zu einem früheren Zeitpunkt im großen Stile eingestellt hätten. Aber auch im Management soll es Fehlbesetzungen gegeben haben, unter anderem in Form von Jon Rubinstein. Der zuvor bei Apple unter anderem für die Entwicklung des iPods zuständige Forschungs- und Entwicklungsleiter bei Palm hätte sich zu sehr um die Hard- und zu wenig um die Software gekümmert. Die Übernahme durch HP im April 2010 sei in puncto Personal dann der Todesstoß gewesen. Zu dieser Zeit hätten viele entscheidende Mitarbeiter das Projekt verlassen, darunter auch der für „Human Interface and User Experience“ zuständige Matias Duarte. Die durch seinen Wechsel zu Google entstandene Lücke sei nie geschlossen worden.

All diese Probleme hätten dann letztendlich dazu geführt, dass man deutlich nach dem iPad auf den Markt gekommen sei. Apples Konkurrenzprodukt sei zudem deutlich schneller zu einem nahezu identischen Preis gewesen. Das Ende nach sieben Wochen sei aber dennoch ein Schock gewesen.

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