Open-Source-Gemeinde ist verärgert

Freiburg will zurück zu Microsoft Office (Update)

Der Gemeinderat der Stadt Freiburg plant am morgigen Dienstag, einer Beschlussvorlage des Bürgermeisteramtes folgend, die Migration zu OpenOffice aus dem Jahr 2007 rückgängig zu machen und auf Microsoft Office 2010 umzusteigen. Der Bürgermeister beruft sich in der Beschlussfassung auf ein Gutachten aus dem Jahr 2012.

Das von der Stadt beauftragte Gutachten wurde als Teil der Anlagen zum Tagesordnungspunkt erst kürzlich dem Gemeinderat und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, so dass dem involvierten und interessierten Personenkreis gerade einmal eine Woche bleibt, sich umfassend zu informieren.

In besagtem Gutachten wird die Migration zu Microsoft Office 2010 empfohlen. Als Gründe werden Kompatibilitätsprobleme im Datenaustausch mit MS Office und eine Reihe weiterer Probleme mit OpenOffice festgestellt, die dazu führten, dass die Mitarbeiter für bestimmte Tätigkeiten auf ein parallel installiertes, veraltetes Microsoft Office 2000 zurückgriffen, was in der Folge die Probleme noch potenzierte und zu erheblichen Mehrkosten geführt habe.

Das Vorgehen des Freiburger Stadtrats in dieser Sache hat die Gemüter der Open-Source-Gemeinde in den letzten Tagen erregt. Jetzt hat ein Zusammenschluss aus Open Source Business Aliance, Free Software Foundation Europe, Document Foundation, dem Bundesverband Informations- und Kommunikationstechnologie und dem Verein Freies Office Deutschland e.V. einen offenen Brief (PDF) an den Gemeinderat und den Oberbürgermeister der Stadt Freiburg gerichtet, in dem das Bündnis sich gegen eine Migration zu Microsoft Office 2010 und für die Aktualisierung der vorhandenen OpenOffice-Strukturen ausspricht. Weiterhin betont der Brief, dass eine Entscheidung zugunsten Microsoft Office eine Entscheidung gegen „Offenheit, Transparenz, Mitbestimmung und Mitwirkung“ sei und außerdem für die Stadt rund 550.000 Euro an direkten Lizenzzahlungen nach sich zöge.

Der Brief verweist auf erfolgreiche Migrationen zu Linux und Open-Source-Office-Suiten in deutschen Städten wie München, Jena und seit kurzem Leipzig. Weiter heißt es dort: „Auch in kleineren Städten wie der Stadt Schwäbisch Hall oder Treuchtlingen laufen Projekte mit einem klaren Fokus auf offenen Office-Suiten zur großen Zufriedenheit und haben zu deutlichen Einsparungen geführt.“

Die Unterzeichner kritisieren im Weiteren „insbesondere die fehlende Berücksichtigung neuerer Versionen von freien Office Paketen, sowie zum Teil fehlerhafte Darstellungen im Gutachten und im Bericht der Verwaltung.

Update 20.11.2012 22:21 Uhr (Forum-Beitrag)

Wie Gemeinderatsmitglied Timothy Simmons von den Grünen in Freiburg auf Twitter berichtet, fiel in der heutigen Gemeinderatssitzung der Beschluss zugunsten einer Migration zu Microsoft Office 2010. Für die Migration sollen 25 Mitglieder gestimmt haben. Gegenstimmen gab es 20 bei zwei Enthaltungen. Für den Umstieg zu Microsoft Office stimmten die Fraktionen von SPD, CDU und den freien Wählern. Von der grünen Fraktion gab es von insgesamt 13 Mitgliedern zwei Stimmen dafür sowie die Stimme des ebenfalls grünen Oberbürgermeister Salomon.

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