Chip-Spionage: Tim Cook fordert Widerruf des Bloomberg-Berichts

Update Fabian Vecellio del Monego
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Chip-Spionage: Tim Cook fordert Widerruf des Bloomberg-Berichts
Bild: Apple

Apple-CEO Tim Cook äußert sich erstmalig persönlich zur Affäre um chinesische Spionage-Chips auf Supermicro-Mainboards und fordert einen Widerruf der Berichterstattung. Laut Bloomberg erlaube es der Chip der chinesischen Regierung, den Datenverkehr einiger großer US-Unternehmen mitzuhören – darunter auch Apple.

Apple habe die Angelegenheit sehr ernst genommen

Bereits unmittelbar im Anschluss zur Veröffentlichung des Berichts seitens Bloomberg Businessweek am 4. Oktober dieses Jahres dementierten einige der im Artikel genannten Unternehmen die bloße Existenz der Spionage-Chips. Auch Apple veröffentlichte umgehend eine Stellungnahme. Obwohl die Firma aus Cupertino in der Regel nicht auf derartige Gerüchte reagiert, sei es aufgrund der Brisanz der Geschichte notwendig gewesen, zeitig klarzustellen, dass Bloomberg irre. Nun hat sich Tim Cook in einem Interview mit BuzzFeed persönlich zu der Affäre geäußert.

Demnach sei er von Anfang an mit dem Bericht vertraut gewesen und habe persönlich mit den Bloomberg-Reportern gesprochen, als diese Apple um eine Stellungnahme und weitere Informationen ersuchten. Obwohl das Unternehmen ohnehin jegliche neu installierte Hardware prüfe, habe er die Angelegenheit sehr ernst genommen und die gesamte Firma durchsuchen lassen. Apple habe jedoch keinen einzigen Hinweis auf die Existenz der Spionage-Chips gefunden. Das FBI habe das Unternehmen diesbezüglich nie hinzugezogen. Bloomberg berichtete ursprünglich, dass Apple bereits im Jahr 2015 infizierte Server entdeckt und die Behörden informiert hätte.

Bericht sei unwahr und unzureichend belegt

Er fügte auf Nachfrage hinzu, dass er hinter den Quellen Bloombergs vage Informationen aus zweiter Hand vermute. Generell seien die dem Artikel zugrunde liegenden Beweise unzureichend; Apple selbst habe seitens der Reporter nie konkrete Details zu den vermuteten Chips erhalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solches im Bericht beschriebenes Szenario ohne sein Wissen abspiele, sei praktisch Null. Final fordert er Bloomberg auf, den Artikel zurückzuziehen.

There is no truth in their story about Apple. They need to do that right thing and retract it. I personally talked to the Bloomberg reporters along with Bruce Sewell, who was then our general counsel. We were very clear with them that this did not happen, and answered all their questions. Each time they brought this up to us, the story changed, and each time we investigated we found nothing.

We turned the company upside down. Email searches, data center records, financial records, shipment records. We really forensically whipped through the company to dig very deep and each time we came back to the same conclusion: This did not happen. There’s no truth to this.

Apple-CEO Tim Cook

Bloomberg hält an den Vorwürfen fest

Auf Nachfrage seitens BuzzFeed weist Bloomberg die Vorwürfe einer schlechten Berichterstattung bei der Angelegenheit weiterhin zurück. Die Reporter hätten über den Zeitraum eines Jahres hinaus Nachforschungen betrieben und über 100 Interviews geführt. 17 unabhängige Quellen hätten zu den im Artikel dargelegten Erkenntnissen geführt, darunter auch offizielle Behörden. Demnach stehe Bloomberg weiter hinter der Berichterstattung; mit den herbeigezogenen Quellen sei man zufrieden.

Bloomberg Businessweek's investigation is the result of more than a year of reporting, during which we conducted more than 100 interviews. Seventeen individual sources, including government officials and insiders at the companies, confirmed the manipulation of hardware and other elements of the attacks. We also published three companies’ full statements, as well as a statement from China’s Ministry of Foreign Affairs.

We stand by our story and are confident in our reporting and sources.

Bloomberg

Aktienkurs Supermicros hat sich bis heute nicht erholt

Der besagte Bloomberg-Bericht behauptete, dass kritische technische Infrastrukturen von 30 großen US-Unternehmen, darunter Regierungsdienstleister, Banken und Unternehmen mit großem Cloud-Angebot wie Amazon (AWS) und Apple (iCloud) von chinesischer Spionage betroffen seien. Grundlage dessen seien bleistiftspitzengroße Chips, die auf den von Supermicro gefertigten Server-Mainboards angebracht seien. Das soll es den mutmaßlich chinesischen Angreifern ermöglicht haben, Zugang zu den Netzwerken zu erlangen, Code zu laden und so den ein- und ausgehenden Datenverkehr zu manipulieren und mitzuhören.

Die entsprechende Hardware werde indes nicht mehr genutzt – so sollen Amazon und Apple die Server 2016 ausgetauscht haben. Amazon Web Services dementierte die Spionage in einem Blogbeitrag, Supermicro selbst beteuerte gegenüber dem Wall Street Journal, niemals entsprechende Chips identifiziert zu haben. Der Aktienwert des Unternehmens gab nach der Veröffentlichung des Berichts um über 45 Prozent nach. Bislang konnte sich der Kurs nicht erholen.

Update

Supermicros CEO Charles Liang tritt Tim Cook zur Seite und betont erneut, dass es keine solchen Überwachungschips geben würde. Auch der CEO von Amazon Web Services, Andy Jassy, schießt gegen den Bloomberg-Bericht.

Supermicro is committed to making world-class servers and storage products. Bloomberg's recent story has created unwarranted confusion and concern for our customers, and has caused our customers, and us, harm.

Bloomberg should act responsibly and retract its unsupported allegations that malicious hardware components were implanted on our motherboards during the manufacturing process.

The allegations imply there are a large number of affected motherboards. Bloomberg has not produced a single affected motherboard, we have seen no malicious hardware components in our products, no government agency has contacted us about malicious hardware components, and no customer has reported finding any malicious hardware components, either.

Charles Liang