Wargaming: World-of-Tanks-Macher stoßen Russland-Geschäft ab

Michael Günsch
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Wargaming: World-of-Tanks-Macher stoßen Russland-Geschäft ab
Bild: Wargaming

Wargaming, die Firma hinter populären Kriegsspielen wie World of Tanks und World of Warships, hat sich dazu entschlossen, sein Geschäft in Russland und Weißrussland abzustoßen. Das teilte das Unternehmen heute offiziell mit.

Es liegt nahe, dass dieser Schritt eine Reaktion auf die schrecklichen Ereignisse im Ukraine-Krieg ist, auch wenn Wargaming diesen in der öffentlichen Stellungnahme mit keiner Silbe erwähnt. Wargaming hat seinen Firmensitz zwar auf Zypern, die Wurzeln des 1998 gegründeten Unternehmens liegen aber in Weißrussland.

Russland-Geschäft wird abgestoßen

Wie die Firma nun mitteilt, wurde bereits Ende März das Live-Games-Geschäft, zu dem die besagten MMO-Ableger zählen, in den Regionen Russland und Weißrussland an das Lesta Studio mit Hauptsitz in Sankt Petersburg übertragen. Das Studio, das auch als „Wargaming Sankt Petersburg“ bezeichnet wurde, sei nun nicht mehr ein Teil von Wargaming. Durch die Trennung erwarte der ehemalige Mutterkonzern „erhebliche Umsatzeinbußen“, wenn die Einnahmen aus diesen Regionen entfallen.

In den vergangenen Wochen hat Wargaming eine strategische Überprüfung der weltweiten Geschäftsaktivitäten durchgeführt. Dabei hat das Unternehmen beschlossen, keine Geschäfte mehr in Russland und Weißrussland zu besitzen oder zu betreiben.

Mit Wirkung vom 31. März hat Wargaming sein Live-Games-Geschäft in Russland und Weißrussland an das lokale Management von Lesta Studio übertragen, das nicht mehr mit Wargaming verbunden ist. Wargaming wird weder heute noch in Zukunft von diesem Prozess profitieren. Im Gegenteil - Wargaming erwartet, dass es als direkte Folge dieser Entscheidung erhebliche Umsatzeinbußen erleiden wird.

Wargaming

Der Übergang soll möglichst rasch vollzogen werden. Die Spiele sollen währenddessen weiterhin in den besagten Ländern verfügbar sein, nur eben vom Lesta Studio betrieben werden.

Wargaming wird den operativen Übergang mit der gebotenen Eile vollziehen und dabei alle Gesetze einhalten und weiterhin die Sicherheit und Unterstützung der Mitarbeiter gewährleisten. Während der Übergangszeit werden die Live-Produkte in Russland und Weißrussland weiterhin verfügbar sein und vom neuen Eigentümer betrieben.

Wargaming

Heimatstudio in Minsk wird aufgelöst

Ein weiterer großer Schritt ist die Auflösung des Studios im weißrussischen Minsk, also der eigentlichen Heimat von Wargaming, mit der bereits begonnen worden sei. Hier ist aber offenbar noch einiges zu klären, etwa was mit den betroffenen Abteilungen passiert. Auf seinen Webseiten gibt das Unternehmen an, mehr als 2.200 Mitarbeiter allein an diesem Standort zu beschäftigen. Den von der Veränderung betroffenen Mitarbeitern wolle Wargaming „ein Höchstmaß an Unterstützung zukommen lassen“, heißt es am Ende der Stellungnahme.

Wargaming hat auch mit der Auflösung seines Studios in Minsk begonnen. Diese Schließung wird unter strikter Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen erfolgen. Die Leiter der einzelnen Produkte und Dienstleistungen werden sich in Kürze mit ihren Teams treffen, um die Auswirkungen dieser Entscheidung auf die einzelnen Abteilungen zu besprechen.

Wargaming

Nach dem großen Erfolg mit dem Panzer-MMO World of Tanks hat sich Wargaming längst international aufgestellt und betreibt zahlreiche weitere Studios rund um den Globus mit insgesamt mehr als 5.500 Mitarbeitern.

Wargaming ist auch in der Ukraine

Mit dem Persha Studio alias Wargaming Kiew hat das Unternehmen auch einen Sitz in der Ukraine mit mehr als 550 Mitarbeitern. Anfang März hatte Wargaming im WoT-Forum ein Statement zur Situation vor Ort abgegeben. Unter anderem wurden Mittel zur Unterstützung der Mitarbeiter während des Krieges angekündigt. Wargaming hat nach eigenen Angaben zudem 1 Million US-Dollar an das Ukrainische Rote Kreuz gespendet.

Director nach prorussischer Äußerung entlassen

Wargaming hatte kurz nach Beginn der Angriffe von Russland auf die Ukraine seinen Creative Director Sergey Burkatovskiy entlassen, nachdem dieser öffentlich geäußert hatte, das Vorgehen Russlands zu unterstützen. In einer Stellungnahme hatte Wargaming die Entlassung von Burkatovskiy verkündet und erklärt, dass das Unternehmen die von Burkatovskiy in sozialen Medien geäußerte Meinung nicht teile.