Aus der Mozilla Entwicklerküche

Firefox Nightly Builds mit WebRTC und H.264

Mozilla hatte noch letztes Jahr gehofft, es finde sich ein Weg, um den von Patenten belasteten Video-Kompressions-Standard H.264 in Firefox zu vermeiden, doch nun gab man sich der Marktmacht erst einmal geschlagen und schaltet den Codec für Windows 7 in den Firefox Nightly Builds standardmäßig frei.

Dazu kommt noch Unterstützung für Aac und MP3, die seit Version 20 des Browsers ebenso wie H.264 noch in den Einstellungen von about:config per media.windows-media-foundation.enabled freigeschaltet werden müssen. Die freigeschalteten Codecs werden voraussichtlich in Firefox 22, der am 25. Juni 2013 erwartet wird, erstmals standardmäßig in einer Desktop-Version von Firefox von Anfang an aktiv sein. Die Android-Version von Firefox unterstützt die drei Codecs schon länger.

Mozilla hätte es vorgezogen, wenn sich WebM und Googles lizenzkostenfreier Codec VP8 schneller durchsetzten, musste jedoch erkennen, dass die überwiegende Mehrzahl der Videos im Netz auf das proprietäre H.264 setzen. Nicht einmal Google hat bisher sein Versprechen halten können, H.264 zugunsten von VP8 fallen zu lassen. Will man den Weggang von Nutzern vermeiden, muss man sich bei Mozilla den Tatsachen stellen und H.264 unterstützen. Der Codec wird jedoch nicht mit Firefox selbst ausgeliefert, denn das wäre sowohl teuer und würde außerdem verhindern, dass der Browser nach Open-Source-Richtlinien von Dritten geändert und weitergegeben werden dürfte. Mozilla bedient sich hierfür der fortgeschrittenen Funktionen der Betriebssysteme zum Abspielen von Audio und Video. Der Nachteil dieser Herangehensweise ist allerdings, dass die Funktion für jedes Betriebssystem separat nachgerüstet werden muss. So bleibt es erst einmal bei der Unterstützung in Windows 7. Windows 8, Mac und Linux sollen später folgen.

Eine weitere Neuerung in den Nightly Builds von Firefox ist die Freischaltung von WebRTC. Der aufkommende offene Standard für Video und Audio in Echtzeit für VoIP, Chat und Video-Telefonie, der sich gerade beim World Wide Web Consortium (W3C) in der Standardisierung befindet, basiert auf HTML5 und JavaScript. Erst kürzlich hatten sich Entwickler von Chrome und Firefox per WebRTC mit ihren jeweiligen Browsern zu einem Video-Chat getroffen und damit Microsofts Bedenken widerlegt, WebRTC sei schwierig zu implementieren. Microsoft will WebRTC vorerst nicht adaptieren sondern setzt auf CU-RTC-Web, eine eigene API, die ebenfalls dem W3C zur Standardisierung vorliegt. Die technischen Unterschiede und deren Bedeutung für den Endanwender schildert ein Artikel im open-tok Blog. Wie das Einfangen der Webcam in verschiedenen Browsern umgesetzt ist, beschreiben die Entwickler auf Mozilla Hacks.

Des Weiteren gibt Mozillas Entwicklerküche noch einen Blick frei auf das Firefox Modern-UI für Windows 8. Das Blog berichtet weiter über erste Schritte zur Implementierung der WebAudio API. Dieses kann bereits in about:config per media.webaudio.enabled freigeschaltet werden.

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