Areal: Kickstarter-Kampagne mutiert zum Horrorszenario

Update Max Doll
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Schon zu Beginn der Kickstarter-Kampagne zur Finanzierung von Areal wurden Vorwürfe laut, dass der Ego-Shooter nicht nur ein geistiger Nachfolger von Stalker sei, sondern sich auch am Material des Vorbilds bediene. Kurz vor Ablauf der Schwarmfinanzierung mahnen weitere Gründe zur Vorsicht.

Bereits der Ablauf des Projekts lässt die Augenbrauen heben: Gegen Ende der Laufzeit auf Kickstarter sorgten wenige Nutzer respektive alte Unterstützer durch massive Erhöhung ihrer Beiträge für eine erfolgreiche Finanzierung des Spiels – in aller Regel ein unrealistisches Szenario. Dies wurde begleitet von einem exorbitanten Anstieg an Kommentaren zu dem Projekt. Viele Nutzer, die ihre Meinung zu Areal abgaben und immer noch abgeben, machen dies mit einem frischen Kickstarter-Konto, mit dem ausschließlich dieses, in manchen Fällen ein zweites Projekt unterstützt wurde.

In der Regel zielen diese Nutzer darauf ab, kritische Beiträge als „Troll“ zu bezeichnen und West Games aggressiv zu verteidigen. Dabei werden häufig ähnliche Kommentare eingefügt - so kommen manche Profile auf 1.433 Beiträge, offenbar ausschließlich abgegeben zu Areal. In diesem massiven Spam gehen kritische Kommentare regelmäßig unter, was es mittlerweile schwierig macht, die Anmerkungen nachzuvollziehen.

Wenige Unterstützer sichern mit enormen Summen die Finanzierung
Wenige Unterstützer sichern mit enormen Summen die Finanzierung (Bild: kicktraq.com)

Grund dafür gibt es mittlerweile genug: Die Summe der Finanzierung geht an einen dubiosen Mittelsmann mit dem Namen Leonid Kotvun in den USA, zu dessen Rolle West Games sich nicht präzise äußern möchte. Ein in zwei Wochen angefertigter Trailer zeigt zwar endlich Gameplay-Szenen, greift aber offenbar auf vorgefertigte Bauteile der Unity-Engine zurück – von der angekündigten, proprietären Engine im Pre-Alpha-Stadium ist nichts zu sehen. Wie auch in einem AMA auf Reddit weichen die Entwickler Fragen aus, klare Antworten sind nicht zu bekommen.

Unterstützer zeigen Ähnlichkeiten zwischen Bildmaterial und Unity-Assets
Unterstützer zeigen Ähnlichkeiten zwischen Bildmaterial und Unity-Assets

Ob die angestrebten 50.000 US-Dollar überhaupt für das fertige Spiel reichen, ist unklar. In einem Update auf Kickstarter erklärt West Games, man zahle sich minimale Löhne aus, lebe in einem Land mit schwacher Währung und verzichte auf teures Marketing. Dev-Kits gebe es zudem als Download und den Großteil der Finanzierung habe man ohnehin aus eigenen Ersparnissen investiert, die Community zahle lediglich „den Rest“.

Zudem sei die verlangte Summe nur das absolute Minimum, West Games erwarte mehr Geld. Dies gilt jedoch als hochgradig unrealistisch; weitere Informationen im Sinne einer transparenten Kampagne blieb Areal bisher schuldig. Auf einer russischen Webseite heißt es hingegen laut einem Nutzer, die Kickstarter-Summe solle zur Finanzierung eines Prototypen dienen, mit dem Investoren ins Boot geholt werden sollen.

Auf die kritische Berichterstattung diverser Publikationen reagiert West Games kurios: Waren es zunächst die Entwickler des Stalker-ähnlichen MMOs Survarium, die West Games sabotieren wollten, sind es nun Trolle, „die alles in ihrer Macht stehende tun, um unser Projekt zu zerstören“ – womit auch die kritischen Kommentare zu Areal gemeint sind. Der Berichterstattung wird zudem vorgeworfen, sie sei „einseitig“ und „subjektiv“, sie hätte mit professionellem Journalismus nichts zu tun.

Einen Forbes-Autor erklären die Entwickler gar zur „Antithesis objektiver journalistischer Integrität“, nachdem eine Meldung Bedenken hinsichtlich der Seriosität des Projektes geäußert hatte. In einem weiteren Update entschuldigt sich das Team zwar, bittet aber darum, dass auch die eigene Position gehört werde – diese hatte Forbes im Vorfeld aber angefragt und in Teilen erhalten.

Dass diese Strategie wilder Vorwärtsverteidigung durch das Streuen von abstrusen Theorien an Beiträge russischer Medien zur Krise in der Ukraine erinnert, mag ein Zufall sein: Teil dieses „Informationskriegs“ will West Games allerdings geworden sein. In den Kommentaren würden sich die Konfliktparteien anhand dieser Grenzen Gefechte liefern respektive Separatisten das Projekt sabotieren wollen. Passend dazu veröffentlichte das Team einen Brief, der angeblich von Wladimir Putin persönlich stammen soll. Dessen Echtheit darf jedoch bezweifelt werden.

Dear Eugene,

My daughter told me about your game called Areal, which is the spiritual successor to STALKER, and told me that she payed money to support your project on Kickstarter. I also love video games as well as shooters, and I like this idea. It's important that our people do not shoot at each other, but instead, play games like this.

The first part of STALKER took place in Ukraine, and in the second game Areal, you put all events in the center of Russia – and if this is a war with mutants in a video game, then that is very interesting. I attentively familiarized myself with your idea and I really like it.

If you give me the chance to play the alpha version of the game, when it is ready, then I invite you in advance to the Kremlin, to meet personally, be ready to play a little bit and talk about the interests of young people, the gamers of our country.

Best regards, V. Putin

Angeblicher Brief von Wladimir Putin

Auf Reddit vermutet „veubeke“ sogar, dass die von den Spammern genutzten Bilder und der Brief des „russischen Präsidenten“ aufgrund von Übereinstimmungen der spärlichen Metadaten vom selben Urheber stammen. Bereits zuvor hielten viele Unterstützer, aber auch Nutzer anderer Foren West Games selbst für den Verursacher der Kommentarflut.

Ob West Games tatsächlich plant, Areal zu entwickeln, lässt sich nicht mehr sicher sagen. Auf jeden Fall angezweifelt werden muss die Professionalität des Studios und damit im gleichen Zuge die Erfolgsaussichten des Ego-Shooters. Die Reaktionen wirken konfus, überzogen und planlos – kurzum: Von einer Unterstützung des Projekts sollten auch Stalker-Fans derzeit Abstand nehmen, zu sehr erinnert Areal derzeit an War Z.

Update

Vor wenigen Minuten wurde die Kickstarter-Kampagne eingefroren. Unterstützer wurden per E-Mail von der Crowdfunding-Plattform über die Einstellung informiert, wie auch den Kommentaren zum Projekt zu entnehmen ist. Demnach habe das Projekt gegen Regeln von Kickstarter verstoßen, gegen welche genau, bleibt zunächst unbekannt.

Crowdfunding für „Areal“ eingefroren
Crowdfunding für „Areal“ eingefroren

Eine Stellungnahme seitens West Games steht noch aus. Von den Unterstützern des Projekts wird kein Geld eingezogen. Damit nimmt die Achterbahnfahrt des von Beginn an zweifelhaften Projekts ein jähes Ende.

Hello,

This is a message from Kickstarter’s Trust & Safety team. We’re writing to notify you that the Areal (Suspended) project has been suspended, and your $25.00 USD pledge has been canceled. A review of the project uncovered evidence that it broke Kickstarter's rules. We may suspend projects when they demonstrate one or more of the following:

  • A related party posing as an independent, supportive party in project comments or elsewhere
  • Misrepresenting support by pledging to your own project
  • Misrepresenting or failing to disclose relevant facts about the project or its creator
  • Providing inaccurate or incomplete user information to Kickstarter or one of our partners

Accordingly, all funding has been stopped and backers will not be charged for their pledges. No further action is required on your part.

We take the integrity of the Kickstarter system very seriously. We only suspend projects when we find strong evidence that they are misrepresenting themselves or otherwise violating the letter or spirit of Kickstarter's rules. As a policy, we do not offer comment on project suspensions beyond what is stated in this message.

Regards, Kickstarter Trust & Safety