LG G3 im Test : Eine Frage der Prioritäten

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LG G3 im Test: Eine Frage der Prioritäten

Das G2 bedeutete für LG eine Kehrtwende: Mit der Fertigung des Google-Smartphones Nexus 4 ging LG wieder auf Tuchfühlung zum Markt, das Flaggschiff G2 bedeutete die Rückkehr. Das LG G2 überzeugte im Test mit sehr guten Ergebnissen bei Display, Prozessor und Akkulaufzeit. An diese Stärken soll das neue Topmodell G3 anknüpfen.

Auch beim G3 gestaltet sich das technische Datenblatt üppig und teils einzigartig. Exemplarisch ist das hochauflösende Display mit 2.560 × 1.440 Pixel oder die Kamera mitsamt Laser-gestütztem Autofokus. Zudem habe der Hersteller wie beim Vorgänger auf Kundenwünsche gehört und reagiert. Das G3 schickt sich an, LGs Ambition, drittgrößter Hersteller zu werden, weiter voran zu treiben. Ein ausführlicher Test.

Spezifikationen

Beim verwendeten Testgerät handelt es sich um die Variante mit 16 Gigabyte ROM und zwei Gigabyte Arbeitsspeicher.

LG G3
LG G2
HTC One (M8)
Samsung Galaxy S5
Sony Xperia Z2
Software:
(bei Erscheinen)
Android 4.4 Android 4.2 Android 4.4
Display: 5,50 Zoll
1.440 × 2.560, 534 ppi
IPS, Gorilla Glass 3
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
IPS, Gorilla Glass 2
5,00 Zoll
1.080 × 1.920, 441 ppi
S-LCD, Gorilla Glass 3
5,10 Zoll
1.080 × 1.920, 432 ppi
Full HD Super AMOLED, Gorilla Glass 3
5,20 Zoll
1.080 × 1.920, 424 ppi
IPS
Bedienung: Touch
Status-LED
Touch
Fingerabdruck-Sensor, Status-LED
Touch
Status-LED
SoC: Qualcomm Snapdragon 801
2,46 GHz, 4 Kerne
28 nm
Qualcomm Snapdragon 800
2,26 GHz, 4 Kerne
28 nm
Qualcomm Snapdragon 801
2,30 GHz, 4 Kerne
28 nm
Qualcomm Snapdragon 801
2,50 GHz, 4 Kerne
28 nm
Qualcomm Snapdragon 801
2,30 GHz, 4 Kerne
28 nm
GPU: Adreno 330
578 MHz
Adreno 330
450 MHz
Adreno 330
578 MHz
RAM:
2.048 MB
LPDDR3
Variante
3.072 MB
LPDDR3
2.048 MB
LPDDR3
3.072 MB
LPDDR3
Speicher: 16 / 32 GB (+microSD) 16 / 32 GB 16 GB (+microSD) 16 / 32 GB (+microSD) 16 GB (+microSD)
Kamera: 13,0 MP, 2160p
Dual-LED, f/2,4, AF, OIS
13,0 MP, 1080p
LED, f/2,4, AF, OIS
4,0 MP, 1080p
Dual-LED, f/2,0, AF
16,0 MP, 2160p
LED, f/2,2, AF
20,7 MP, 2160p
LED, f/2,0, AF
Frontkamera: 2,1 MP, 1080p
AF
5,0 MP, 1080p
AF
2,1 MP, 1080p
AF
2,2 MP, 1080p
AF
GSM: GPRS + EDGE
UMTS: HSPA+
↓42,2 ↑5,76 Mbit/s
LTE: Advanced
↓150 ↑50 Mbit/s
WLAN: 802.11 a/b/g/n/ac
Wi-Fi Direct, Miracast
Bluetooth: 4.0 Low Energy 4.0 4.0 Low Energy
Ortung: A-GPS, GLONASS
Weitere Standards: Micro-USB 2.0, SlimPort, NFC, Infrarot Micro-USB 2.0, MHL, NFC, Infrarot Micro-USB 3.0, MHL, NFC, Infrarot Micro-USB 2.0, MHL, NFC
SIM-Karte: Micro-SIM
Nano-SIM
Variante
Nano-SIM, Dual-SIM
Micro-SIM
SAR-Wert: 0,290 W/kg 0,410 W/kg 0,420 W/kg 0,560 W/kg 0,710 W/kg
Akku: 3.000 mAh (11,40 Wh)
austauschbar, kabelloses Laden
3.000 mAh (11,40 Wh)
fest verbaut
2.600 mAh (9,88 Wh)
fest verbaut
2.800 mAh (10,78 Wh)
austauschbar
3.200 mAh
fest verbaut
Größe (B×H×T): 74,6 × 146,3 × 8,90 mm 70,9 × 138,5 × 8,99 mm 70,6 × 146,4 × 9,35 mm 72,5 × 142,0 × 8,10 mm 73,3 × 146,8 × 8,20 mm
Schutzart: IP67 IP58
Gewicht: 149 g 140 g 160 g 145 g 158 g
Preis: ab € 231 / ab € 284 ab € 240 / ab € 416 ab € 230 / € 679 ab € 330 / € 749 ab € 249

Design & Verarbeitung

Nach vielen offiziellen Häppchen und inoffiziellen Leaks des G3 erschien ein Aluminiumgehäuse als sicher. Erst mit der offiziellen Vorstellung des Smartphones stand fest, dass das Gehäuse wie beim Vorgänger – bis auf einen Rahmen aus Aluminium – aus Kunststoff besteht. Dieses wurde für eine höhere Qualitätsanmutung mit einer Metallschicht überzogen. Auf Nachfrage heißt es, der Kunststoff sei ein Kompromiss: Das Gehäuse solle möglichst leicht sein und gleichzeitig Zugriff auf den Akku und den microSD-Slot bieten.

LG G3 im Test
LG G3 im Test
LG G3 im Test
LG G3 im Test

Trotz des abnehmbaren Akkudeckels fallen die Spaltmaße sehr gering und gleichmäßig aus, so dass weder Staub noch Schmutz in das Smartphone eindringen können. Die Rückseite sitzt fest an ihrem Platz und rastet sauber ein, Metall nachahmen kann sie trotzdem nicht. Durch starken Druck auf die Rückschale ist dem G3 ein Knarzen zu entlocken. Vor allem über dem Bereich des Akkus fällt dies auf. Durch den Verzicht auf die Klavierlackoptik des G2 fällt die Anfälligkeit für Fingerabdrücke deutlich geringer aus.

Beim G2 manövrierte LG die Lautstärketasten und den Power-Button erstmals auf die Rückseite. An diesem Konzept hält der Hersteller fest. Die Knopfleiste wurde weiter optimiert und zeigt sich nach kurzer Eingewöhnungszeit als gelungen. Der Druckpunkt der Knöpfe ist präzise und kurz. Zudem lassen sie sich auch blind voneinander unterscheiden, da der Power-Button mit seiner runden Form aus den tiefer eingebetteten Lautstärke-Tasten hervorsteht.

LG G3 im Test
LG G3 im Test
LG G3 im Test
LG G3 im Test

Durch die abgerundete Rückseite liegt das G3 trotz des großen Displays gut und rutschfest in der Hand. Durch die schmalen Ränder rund um den Bildschirm fällt der Testproband trotz 5,5-Zoll-Display verhältnismäßig kompakt aus. Das HTC Desire 816 fällt bei gleicher Diagonale deutlich größer aus.

Zwei 5,5-Zoll-Smartphones im Vergleich
Breite Höhe Dicke
LG G3 74,6mm 146,3 mm 8,90 mm
HTC Desire 816 78,7 mm 156,6 mm 7,99 mm

Insgesamt überzeugt der äußere Eindruck des G3, das Konzept der rückwärtig verbauten Knöpfe geht erneut auf – einzig beim Akkudeckel schwächelt der Hersteller.

Display

Seit den ersten Gerüchten sorgt die Auflösung von 2.560 × 1.440 Pixeln (QHD) für Gesprächsbedarf. Richard Yu, CEO von Huawei, bezeichnete QHD-Bildschirme als „Unsinn“ – und fasste die am meisten genannten Gegenargumente zusammen: Ein Unterschied zu Full HD sei für das menschliche Auge nicht wahrnehmbar, gleichzeitig leide die Akkulaufzeit darunter. Bereits im Zuge der Vorstellung des G3 bezog LG Stellung zu diesen Sachverhalten. Unter anderem sei das Auge in der Lage, auch bei einer Pixeldichte von über 300 ppi einen Unterschied zu erkennen, und durch verschiedene Algorithmen habe der Hersteller den Energiebedarf optimiert.

LG G3 im Test
LG G3 im Test
LG G3 im Test
LG G3 im Test

Die Pixeldichte des 5,5 Zoll großen Bildschirms liegt bei 534 ppi – nur wenige Smartphones wie das Oppo Find 7 bieten derzeit vergleichbares. Durch die enorm hohe Auflösung erscheinen alle Texte, Fotos und Video enorm scharf und detailreich, es kommt zu keinerlei Treppchenbildung. Ein offensichtlicher oder gar entscheidender Unterschied zu einem Full-HD-Display ist aber nicht feststellbar. Nur bei passendem, hochauflösendem Material in Form von Multimedia kommt die Auflösung zum Zug – im Alltag ist ein Vorteil hingegen nicht auszumachen.

Trotzdem sind QHD-Displays im kommen, Samsung hat das Galaxy S5 für Korea bereits in einer überarbeiteten Variante mit ebenfalls 2.560 × 1.440 Pixeln vorgestellt. Auch HTC soll Gerüchten zufolge einen Ableger mit gleicher Auflösung planen.

Die Farbdarstellung ist kräftig und natürlich, die Farben wirken zu keinem Zeitpunkt übersättigt. Die Darstellung ist sehr ausgewogen mit leichter Tendenz zu einem wärmeren Bild. Auch die Blickwinkel und die hohe maximale Helligkeit bieten keinen Grund zur Kritik, der Bildschirm überzeugt sowohl bei seitlicher Betrachtung als auch bei starkem Lichteinfall. Beim Kontrast lässt das G3 im Vergleich zu konkurrierenden Flaggschiffen allerdings Federn. Hier bewegt sich LGs Proband Mittelfeld. Das G2 lieferte mit über 1.300:1 noch einen Spitzenwert.

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  • Mahir Kulalic E-Mail Twitter
    … schreibt mit Schwerpunkt im Ressort Mobiles für ComputerBase. Sein Interesse lag schon früh bei Smartphones, später kamen Tablets hinzu.