DirectX 12: Disput zwischen Oxide und Nvidia geht weiter

Michael Günsch
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DirectX 12: Disput zwischen Oxide und Nvidia geht weiter

Benchmarks mit dem ersten DirectX-12-Spiel führten zu überraschenden Resultaten, die in einem Schlagabtausch zwischen Nvidia und Oxide Games mündeten. Äußerungen des Entwicklerstudios hinter Ashes of the Singularity verleihen dem Disput neue Kraft.

Zunächst zum Hintergrund: Zur Überraschung Vieler schnitten aktuelle Nvidia-Grafikkarten in Ashes of the Singularity schlechter ab als in anderen Spielen gewohnt. AMDs Radeon-GPUs konnten zunächst besser mit der neuen API umgehen als Nvidias GeForce-Modelle und profitierten vom Wechsel von DirectX 11 auf DirectX 12 viel stärker. Stets ist dabei anzumerken, dass sich das Spiel noch in einer frühen Pre-Beta-Fassung befindet und Treiberoptimierungen insbesondere hinsichtlich DirectX 12 noch ausstehen.

Die ersten Testergebnisse kommentierte Nvidia seinerzeit damit, dass der Titel kein guter Indikator für die Performance von DirectX-12-Spielen sei. Zudem war die Rede von einem Problem mit MSAA, das die Spieleschmiede beheben müsse. Oxide Games sah dies allerdings anders. Die Entwickler versicherten, dass AMD, Intel und Nvidia bereits seit über einem Jahr Zugriff auf den Quellcode besäßen und seit Monaten mit dem Titel arbeiten. Dennoch wies auch Oxide Games darauf hin, dass anfängliche Probleme aufgrund der neuen API alles andere als ungewöhnlich sind. Die Anpassung der Treiber benötige schlichtweg Zeit.

Die Diskussionen nahmen jetzt durch Äußerungen eines Mitarbeiter von Oxide in einem Forum erneut an Fahrt auf. Dort heißt es, dass Nvidias Maxwell-Architektur die Technik Asynchronous Compute gar nicht unterstütze, zumindest nicht nativ. Die Nvidia-Treiber hätten jedoch eine diesbezügliche Funktionalität gemeldet. Der Versuch der Software, die laut Oxide fehlende Technik zu nutzen, habe in einer desaströsen Leistung gemündet. Aus diesem Grunde sei Async Compute auch auf Bitten von Nvidia durch eine Code-Anpassung für Nvidia-Grafikkarten deaktiviert worden.

Personally, I think one could just as easily make the claim that we were biased toward Nvidia as the only 'vendor' specific code is for Nvidia where we had to shutdown async compute. By vendor specific, I mean a case where we look at the Vendor ID and make changes to our rendering path. Curiously, their driver reported this feature was functional but attempting to use it was an unmitigated disaster in terms of performance and conformance so we shut it down on their hardware. As far as I know, Maxwell doesn't really have Async Compute so I don't know why their driver was trying to expose that.

Ein Mitarbeiter von Oxide Games im Forum von Overclock.net

Soweit ich weiß, verfügt Maxwell nicht wirklich über Async Compute, darum weiß ich nicht, warum ihr [Nvidias] Treiber versuchte, dies darzulegen.“ Mit dieser Äußerung sorgte der unter dem Nicknamen Kollock schreibende Oxide-Mitarbeiter für reichlich neue Spekulationen. Schnell kam auch die Frage auf, ob AMDs GCN-Architektur mit im Vorfeld beworbenen Asynchronous Shaders grundsätzlich besser für DirectX-12-Spiele geeignet ist als Nvidias Maxwell-Chips.

Kollock versichert in seinem Statement abschließend, dass es keinen „war of words“ zwischen Oxide und Nvidia gebe. Allerdings spricht er von „inkorrekten Statements“ seitens Nvidia.

Derzeit stehen viele Worte wenigen Fakten gegenüber. Eine Stellungnahme von Nvidia zu den Behauptungen rund um Async Compute gibt es bisher nicht. ComputerBase trat mit Nvidia in Kontakt und wird der Sache weiter nachgehen. Bezüglich der Leistung aktueller Grafikkarten unter DirectX 12 wird es bald neben Ashes of the Singularity einen weiteren Titel als Versuchsobjekt geben: Wildcard will den zunächst verschobenen DirectX-12-Patch für das Dinosaurier-MMO ARK: Survival Evolved im Laufe der Woche nachreichen. Doch auch hier sind anfängliche Treiberprobleme allgegenwärtig. Die Kinderschuhe von DirectX 12 passen nicht immer auf Anhieb, so viel steht fest.