Dirt 4: CPU- und GPU-Benchmarks zeigen Überraschungen

Wolfgang Andermahr
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Dirt 4: CPU- und GPU-Benchmarks zeigen Überraschungen

tl;dr: Das Rally-Spiel Dirt 4 sieht zwar nicht besonders schick aus und bietet nicht mehr die modernste Technik, hat dafür aber auch nicht die höchsten Anforderungen. Dennoch gibt es bei den diversen Grafikkarten- und Prozessor-Benchmarks Spannendes zu sehen.

Eine bunte Dirt-Rally-Grafik

Nach dem hervorragenden und beliebten Dirt Rally schickt Codemasters mit Dirt 4 die Rally-Serie in einen weiteren Ableger, der sich wieder mehr an die Allgemeinheit richtet und den Schwierigkeitsgrad deutlich herunterschraubt. Auch ohne sämtliche Fahrhilfen ist der neuste Teil deutlich einfacher als Dirt Rally.

Unter der Haube hat sich hingegen nur wenig geändert. Es kommt erneut die hauseigene EGO-Engine zum Einsatz. Wenn auch nicht offiziell kommuniziert, handelt es sich dabei vermutlich um die Version 3.0 der Technik. Dies lassen zumindest die Grafik und die Grafikoptionen erahnen. Die EGO-Engine 4.0 würde damit weiterhin der F1-Reihe (F1 2015 und F1 2016) vorbehalten bleiben.

Dirt 4 erbt die grafischen Stärken und Schwächen von Dirt Rally

Wie bereits erwähnt sieht die Optik von Dirt 4 der von Dirt Rally sehr ähnlich – mitsamt aller Stärken und Schwächen. So sind die Autos zum Beispiel immer noch hübsch anzusehen, während der Rest immer mehr in die Richtung „zweckmäßig“ rutscht. F1 2016 mit der neuen Engine-Version sieht deutlich hübscher aus. Vor allem die Streckenumgebung kann nicht mehr überzeugen, was in Bewegung allerdings nicht mehr so sehr auffällt. Dirt 4 wirkt dennoch hübscher als der indirekte Vorgänger, da die Entwickler auf den Braun-Schleier verzichtet haben. Die Grafik wirkt deutlich bunter, ohne übertrieben zu wirken.

Auch eine weitere Eigenheit hat Dirt 4 mit Dirt Rally gemeinsam, wobei die Entwickler diese deutlich abgeschwächt haben. Solange kein MSAA als Kantenglättung genutzt wird, werden die Bäume auf Radeon-Grafikkarten nicht korrekt dargestellt und sind mit einem rasterähnlichen Muster versehen. Dies ist ein bekanntes Problem bei der EGO-Engine der Version 3.0. Während Dirt Rally jedoch noch teils riesige Wälder mit diesem Problem versehen hat, gibt es in Dirt 4 nur noch sehr wenige Bäume, die von dem Problem betroffen sind. Auf Nvidia-Grafikkarten gibt es dieses Phänomen nicht.

Eine bescheidene Kantenglättung, aber sinnvolle Presets

Dirt 4 bietet fünf verschiedene Grafik-Presets, über die sich die Grafikqualität einstellen lässt, wenn der eigene Rechner nicht genügend Leistung für die volle Qualität bietet. Neben der Ultra-Einstellung, die sämtliche Optionen auf das Maximum schraubt, stehen noch Hoch, Mittel, Niedrig und Sehr Niedrig zu Wahl. Selbst das Niedrig-Preset zaubert noch eine ansehnliche Grafik auf den Bildschirm, die sich gar nicht so sehr vom Maximum unterscheidet. Hässlich wird Dirt 4 erst mit dem Preset Sehr Niedrig, das man unbedingt vermeiden sollte.

Vor allem fällt der Unterschied zwischen Ultra und Hoch beim Fahren kaum auf. Ein paar Spiegelungen gehen verloren, die Schatten sind nicht mehr ganz so detailliert – mehr Unterschiede gibt es aber nicht. Beim Mittel-Preset gehen einige Schatten dann gänzlich verloren und auch die Sichtweite leidet. Der Wechsel auf Mittel sorgt abgesehen vom nicht empfehlenswerten Sehr-Niedrig-Preset für den größten Qualitätsverlust. Niedrig wiederum sieht kaum schlechter als Mittel aus.

Presets – 1.920 × 1.080
  • AMD Radeon RX 580:
    • Sehr-Niedrig-Preset
      171,3
    • Niedrig-Preset
      111,0
    • Mittel-Preset
      91,7
    • Hoch-Preset
      72,5
    • Ultra-Preset
      63,1
  • Nvidia GeForce GTX 1060:
    • Sehr-Niedrig-Preset
      191,6
    • Niedrig-Preset
      129,0
    • Mittel-Preset
      124,2
    • Hoch-Preset
      105,1
    • Ultra-Preset
      62,1
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS)

Bezüglich der Performance gibt es Unterschiede zwischen AMD und Nvidia. Wechselt man vom Sehr-Niedrig- auf das Hoch-Preset, verliert die Radeon RX 580 58 Prozent ihrer Performance. Auf der GeForce GTX 1060 sind es geringere 45 Prozent. Ganz anders sieht es dann beim Wechsel von Hoch auf Ultra aus. Dann verliert die AMD-Grafikkarte weitere 13 Prozent Geschwindigkeit, das Nvidia-Gegenstück allerdings gleich 41 Prozent.

Die Kantenglättung ist nicht „up to date“

Mit der alten Engine kommt auch eine betagte Kantenglättung zum Einsatz. Denn anders als in F1 2016 mit dem neuen Technikgrundgerüst gibt es in Dirt 4 einzig Intels CMAA als Post-Processing-AA und klassisches MSAA. Beim CMAA muss man sich jedoch schon fast fragen, ob überhaupt eine Kantenglättung aktiv ist. Denn geglättet wird kaum eine Oberfläche und in Dirt 4 gibt es durchaus viel zu glätten. Das Ergebnis ist, dass das Bild vor allem in niedrigen Auflösungen wie 1.920 × 1.080 deutlich flimmert. Doch selbst in Ultra HD ist das Bild mit CMAA alles andere als ruhig.

Aufgrund starker Kompressionsartefakte im Videoplayer ist es bei einer ausreichenden Internetverbindung ratsam, das Originalvideo herunterzuladen.

Einen deutlich besseren Job erledigt das Multi-Sampling-Anti-Aliasing. 2×MSAA sieht sowohl bei Geometrie- als auch bei der Vegetation besser aus als CMAA. Was aber nichts daran ändert, dass die Glättung immer noch schlecht ist. 4×MSAA sieht dann deutlich besser und vor allem akzeptabel aus. Mit der Geometrie hat die Einstellung zwar immer noch Schwierigkeiten, dafür wird die Vegetation aber effektiv bearbeitet. Die Wirkung ist nicht optimal, funktioniert schlussendlich aber gut. 8×MSAA sieht dann nur noch wenig besser als die niedrigere Einstellung aus.

Kantenglättung – 1.920 × 1.080
  • AMD Radeon RX 580:
    • Aus
      84,9
    • CMAA
      82,7
    • 2×MSAA
      69,4
    • 4×MSAA
      63,1
    • 8×MSAA
      46,0
  • Nvidia GeForce GTX 1060:
    • Aus
      80,0
    • CMAA
      77,9
    • 2×MSAA
      64,0
    • 4×MSAA
      62,1
    • 8×MSAA
      56,5
Einheit: Bilder pro Sekunde (FPS)

Bis inklusive 4×MSAA zeigt sich eine sehr ähnliche Performance auf der GeForce GTX 1060 und der Radeon RX 580. So läuft die Nvidia-Grafikkarte mit vierfachem Multi-Sampling-Anti-Aliasing 22 Prozent langsamer und die Konkurrenz aus dem Hause AMD um 26 Prozent. Anders dagegen die höchste, achtfache Glättung. Mit dieser verliert die GeForce GTX 1060 weitere neun Prozent, die Radeon RX 580 jedoch deutlich höhere 27 Prozent.

Ist genügend GPU-Leistung vorhanden, sollte daher 4×MSAA genutzt werden. Für etwas mehr Performance ist 2×MSAA zu nutzen, während CMAA wirklich nur im Notfall oder in sehr hohen Auflösungen aktiviert werden sollte.