Asus RTX 3070 Noctua OC im Test: Noctuas GPU-Kühler deklassiert die Konkurrenz

Wolfgang Andermahr
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Asus RTX 3070 Noctua OC im Test: Noctuas GPU-Kühler deklassiert die Konkurrenz

Der österreichische Kühler- und Lüfterspezialist Noctua hat sich mit Asus zusammengetan und die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition ist dabei herausgekommen. Im Test zeigt sich schnell, dass die Kombination in Sachen Kühlleistung und Lautstärke derzeit weder zu schlagen noch auch nur zu erreichen ist.

Eigentlich ist der Gedanke naheliegend: Ein Grafikkartenhersteller tut sich mit einem Kühlerspezialisten zusammen und entwickelt ein absolut rundes Produkt. Denn auch wenn die Boardpartner mittlerweile ebenfalls gute Kühlerdesigns im Portfolio haben, sollte ein spezialisierter Kühlerhersteller diesbezüglich immer noch voraus sein. Bis jetzt hat es das allerdings noch nicht gegeben.

Das ändert sich nun, denn Asus hat in Zusammenarbeit mit dem österreichischen Kühler- und Lüfterspezialisten Noctua eine Grafikkarte entwickelt. Herausgekommen ist die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition, für die zwar nicht wirklich etwas von Grund auf neu entwickelt worden ist, die es aber trotzdem problemlos schafft, die versammelte Konkurrenz inklusive der eigenen Designs alt aussehen zu lassen.

Nicht perfekt für jedermann, aber der Kühler schlägt alle anderen

Die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition ist keine perfekte Grafikkarte geworden, in vielen Gebieten gibt es durchaus bessere Modelle mit mehr Performance, OC-Spielraum und Features, einem schickeren Aussehen und einer RGB-Beleuchtung. Wer danach trachtet, sollte sich lieber nach einem anderen Produkt umsehen. Wer jedoch Wert auf eine sehr gute Kühlleistung bei zugleich sehr leisem Betrieb legt, hat ab sofort einen neuen Favoriten gefunden.

Wie gut die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition wirklich abschneidet und welche Stärken und Schwächen die Grafikkarte hat, wird ComputerBase im Test zeigen.

Die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition im Detail

Vor allem bei der aktuellen Grafikkarten-Generation mit AMDs RDNA 2 und Nvidias Ampere hat die Redaktion schon so einige große Modelle im Test gehabt. So etwas wie die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition aber noch nicht. Sonderlich lang ist das Gespann dabei gar nicht, aber extrem breit – auf 4,3 Slots kommt der Kühler, eine 3-Slots-Grafikkarte wirkt dagegen winzig. 829 Euro will Asus für „das Monster“ haben, lieferbar oder auch nur gelistet ist die Neuheit im deutschen Handel aber noch nicht. Ab „Mitte Oktober“ soll es so weit sein.

Die Länge von 30,5 cm ist nicht das Besondere an der Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition, die Höhe von 14 cm ebenso wenig. Doch die Breite ist mit 4,3 Slots einfach nur immens, das entspricht etwa 8,5 cm. Das muss erst einmal in ein Gehäuse passen, kleinere Behausungen werden da an ein Limit stoßen. Außerdem gilt es zu bedenken, dass wirklich viele PCIe-Slots blockiert werden. Das spielt heutzutage zwar kaum noch eine Rolle, doch mehr als die untersten ein bis zwei PCIe-Slots sind selbst auf normal großen Mainboards dann nicht mehr nutzbar.

Der Kühler ist breiter und höher

Asus hat die Grafikkarte in Zusammenarbeit mit Noctua entwickelt, wirklich neue Wege geht man dabei aber nicht. Der eingesetzte Kühlkörper basiert vollständig auf dem Pendant der GeForce RTX 3070 TUF, jedoch sind die Abmaße auf Empfehlung Noctuas vergrößert worden. So ist der Kühler der Noctua-Variante um genau 10 mm höher und 12 mm breiter und der Abstand der Heatpipes wurde 3,7 mm vergrößert. Dadurch soll der Kühlkörper besser mit den eingesetzten Lüftern zusammenarbeiten.

Zwei normale Noctua NF-A12x25 arbeiten auf der Grafikkarte

Apropos Lüfter: Bei diesen handelt es sich um zwei Exemplare von Noctuas Flaggschiff-Modell für CPU-Kühler und Radiatoren, namentlich um den im Durchmesser 120 mm großen NF-A12x25. Die Ventilatoren lassen sich wenn gewünscht auch austauschen, denn es handelt sich schlicht um die knapp 30 Euro teure PWM-Version mit einer maximalen Lüfterdrehzahl von 2.000 rpm, wobei die Kabellängen nicht identisch sind – sie müssten dann versteckt werden. Die Lüfter sind mit dem Kühlkörper auf der Grafikkarte mittels doppelseitigem Klebepad zusammengeklebt, darüber hinaus hält ein festgeschraubter Lüfterrahmen die Kühlkonstruktion noch so richtig im Griff.

Wie es sich gehört, schaltet auch die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition die zwei Axial-Lüfter für einen lautlosen Betrieb auf dem Windows-Desktop ab. Ab einer GPU-Temperatur von etwa 50 °C springen sie mit 560 Umdrehungen pro Minute an und pendeln sich bei 800 rpm ein, bevor temperaturabhängig schließlich die finale Drehzahl erreicht wird. Wer will, kann auch problemlos eine manuelle Steuerung der Grafikkarte erstellen. Dabei hat sich gezeigt, dass die beiden NF-A12x25 zumindest auf dem Testexemplar problemlos ab 300 Umdrehungen in der Minute anspringen und die Drehzahl auch stabil halten können.

Nicht nur die Kühlerbasis basiert auf der Asus GeForce RTX 3070 TUF, Gleiches gilt für die gesamte restliche Grafikkarte. Das PCB ist identisch, die Stromversorgung mit ihren sieben Spannungswandlerkreisen ist gleich, dasselbe gilt für die zwei 8-Pin-Stromstecker. Die Angaben zu den Taktraten sind dagegen minimal höher: Bei der TUF wird ein durchschnittlicher Boost von 1.815 MHz genannt, bei der Noctua Edition sind es 1.857 MHz. Die Angaben haben wie bei allen aktuellen Grafikkarten aber ohnehin keine Aussagekraft.

Die Noctua Edition kommt anders als TUF und Strix mit Quiet-BIOS ab Werk

Gleich geblieben ist bei Noctua Edition auch das Power-Limit von 240 Watt für die gesamte Grafikkarte, das sich manuell auf bis zu 270 Watt und damit um 13 Prozent erhöhen lässt. Ebenso sind zwei leicht unterschiedliche BIOS-Versionen vorhanden, wobei die Asus GeForce RTX 3070 TUF werkseitig mit dem unnötig lauten Performance-BIOS ausgeliefert wird, während die GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition mit dem Quiet-BIOS als Standard kommt. Das dort alternative Performance-BIOS versucht dann nur mittels höherer Lüfterdrehzahlen eine geringere GPU-Temperatur zu halten, was lediglich auf die Lautstärke geht, davon abgesehen aber keine praxisrelevanten Unterschiede aufweist.

Kühlkörper und Lüfter der Asus RTX 3070 Noctua OC Edition
Kühlkörper und Lüfter der Asus RTX 3070 Noctua OC Edition

Was es bei der Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition im Gegensatz zur TUF und zu fast allen anderen Custom-Designs der GeForce RTX 3070 nicht gibt, ist eine RGB-Beleuchtung oder eine anderweitige Leuchtquelle. Noctua hat schlicht keine beleuchteten Lüftern im Portfolio und Asus hat auch keine LEDs im Lüfterrahmen angebracht. Und das ist sicherlich gut so, denn Noctua-Lüfter und RGB wären zumindest eine sehr gewöhnungsbedürftige Kombination. Das gilt ebenso für die Optik, denn der Kühler kommt wie die Lüfter in den klassischen Noctua-Farben daher, die mit dem Braun-Ton zwar sofort erkannt werden, aber sicherlich nicht für jeden Geschmack etwas sind. Die Haptik der Grafikkarte dagegen ist sehr gut. Der Kühlkörper ist hochwertig und die Verarbeitung der zwei Lüfter ist im Grafikkarten-Segment allen anderen bei weitem überlegen. Auch der Rahmen macht einen ordentlichen Eindruck, wobei er allerdings nur aus Plastik ist. Hier ist noch etwas Raum nach oben.

Merkmal Nvidia RTX 3070
Founders Edition
Asus RTX 3070
TUF OC
Asus RTX 3070
Noctua OC Edition
Karte PCB-Design Nvidia Asus
Länge, Breite 24,5 cm, 11,0 cm 30,0 cm, 14,0 cm 30,5 cm, 14,0 cm
Gewicht 1.034 g 1.118 g 1.571 g
Stromversorgung 1 × 12-Pin
Mit 8-Pin-Adapter
2 × 8-Pin
Kühler Design Founders Edition, 2,0 Slots TUF, 2,7 Slots Noctua, 4,3 Slots
Kühlkörper Alu-Kern/Radiator Alu-Kern/Radiator
5 Heatpipes
Lüfter 2 × 85 mm (axial) 3 × 85 mm (axial) 2 × 120 mm (axial)
(NF-A12x25)
Lüfter abgeschaltet (2D) Ja
Anlaufdrehzahl 850 Umdrehungen 950 Umdrehungen 560 Umdrehungen
Takt
(Stromsparmodus)
GPU-Basis 1.500 (210) MHz
GPU-Durchschnitt 1.725 MHz 1.815 MHz 1.857 MHz
GPU-Maximum 2.040 MHz 2.010 MHz 1.980 MHz
Speicher 7.000 (405) MHz
Speichergröße 8 GB GDDR6
Leistungsaufnahme Standard TDP 220 Watt 240 Watt
Maximale TDP 240 Watt 270 Watt
Anschlüsse 3 x DisplayPort 1.4 DSC
2 x HDMI 2.1

So taktet die Asus RTX 3070 Noctua OC Edition in Spielen

Die 2.000-MHz-Marke will das Testexemplar der Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition einfach nicht knacken, was etwas ungewöhnlich ist. Sowohl das bereits von ComputerBase getestete TUF-Modell von Asus als auch Nvidias Founders Edition hatten damit keinerlei Probleme. Allerdings ist das nicht wirklich ein Problem, denn der maximal mögliche Takt liegt ohnehin nur bei niedrigen Temperaturen sowie geringer Last an und mit 1.980 MHz ist die Frequenz dann auch nur minimal darunter.

In Spielen bei hoher Last und normaler Betriebstemperatur arbeitet die Grafikkarte mit maximal 1.950 MHz, solange dies das Power-Limit zulässt. Die konfigurierten 240 Watt verhindern jedoch in quasi allen AAA-Titeln, dass der Takt durchweg anliegt. In Watch Dogs: Legion, das sich diesbezüglich ziemlich gnädig zeigt, arbeitet die Grafikkarte in der Auflösung 2.560 × 1.440 durchschnittlich mit 1.935 MHz.

Die tatsächlichen durchschnittlichen Taktraten im Phanteks Enthoo Evolv X
Borderlands 3 Control Cyberpunk 2077 Watch Dogs: Legion
Asus RTX 3070 Noctua
Quiet-BIOS
1.892 MHz 1.811 MHz 1.894 MHz 1.935 MHz
Asus RTX 3070 Noctua
Performance-BIOS
1.899 MHz 1.819 MHz 1.902 MHz 1.935 MHz

Anders dagegen in Control, das eine Grafikkarte bezüglich der Taktraten ordentlich ins Schwitzen bringt. Mehr als 1.811 MHz gibt es dort im Schnitt nicht zu sehen. Borderlands 3 und Cyberpunk 2077 liegen mit 1.892 MHz und 1.894 MHz zwischen den beiden Extremfällen. Bei knapp unter 1.900 MHz sollten sich auch die meisten anderen Spiele einfinden.

Keine nennenswerten Unterschiede zwischen den BIOS-Versionen

Werkseitig ist die Asus GeForce RTX 3070 Noctua OC Edition mit dem Quiet-BIOS ausgestattet. Das alternative Performance-BIOS kommt mit denselben Spezifikationen daher, lässt jedoch die Lüfter für eine geringere Temperatur etwas schneller drehen. Das sorgt auch für höhere Frequenzen, wobei dies selbst kaum zu messen ist. In Control zeigt sich mit 1.819 MHz zu 1.811 MHz noch der größte Unterschied, in Watch Dogs: Legion gibt es dagegen überhaupt keinen. Bezüglich der Taktraten ist das Performance-BIOS entsprechend keine Überlegung wert.