Thema: Silent-PC

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    [Anleitung] Silent-PC

    [HowTo] Silent-PC


    Zuerst ein Dankeschön an die User y33H@ und Pelzameise, die dieses HowTo aufgebaut haben.

    Falls ihr Anregungen, Wünsche, Kritik oder Fragen zum HowTo habt, postet bitte im Diskussionsthread. Anregungen für PC-Zusammenstellungen findet ihr in der FAQ - Der ideale PC.

    Alle Arbeiten und Modifikationen auf eigene Gefahr! Ich empfehle nach allen Veränderungen am Belüftungskonzept CPU und Grafikkarte mit Stresstools auszulasten und dabei die Temperaturen zum Beispiel mit HWMonitor zu kontrollieren.

    Um eines vorneweg zu nehmen – leise schließt geringe Temperaturen und Overclocking nicht aus. Logischerweise sind in einem Silent-System die Komponenten meist etwas wärmer als in einem mit schnell drehenden Lüftern voll gestopften Gehäuse. Wer sich jedoch ein bisschen mit Thermik, Konvektion und Co auseinander setzt, der erkennt schnell, dass man mit einem sinnvollen Konzept und einer durchdachten Komponentenwahl ein System bauen kann, welches eben diesem Anspruch entspricht. Welche Komponenten, Tricks und Kniffe es braucht, damit man nur noch am Leuchten der LEDs erkennen kann, ob der Rechner überhaupt noch läuft, erklären wir schrittweise für jede einzelne Komponente.



    • Lüfter
      Lüfter gibt es wie Sand am Meer, die Goldkörner wollen aber auch erst gefunden werden. Für einen leisen Rechner prädestiniert sind 120-mm-Lüfter mit 1200 U/min (Umdrehungen pro Minute) oder weniger, welche man mit einer Lüftersteuerung auf 7 bis 5 Volt drosselt. Wer keine externe Lüftersteuerung besitzt oder auf eine Kabeldrossel verzichten möchte, steuert die Lüfter über das Mainboard (wie das geht, erklärt das [HowTo] Lüftersteuerung mit Speedfan) oder man verwendet Exemplare, welche bereits standardmäßig mit 800 U/min drehen. Allerdings ist auch ein laufruhiger Markenlüfter mit dieser Drehzahl noch hörbar und somit eher etwas für hitzige Komponenten oder Nutzer, welche es eben lieber etwas kühler haben wollen und eine höhere Geräuschkulisse in Kauf nehmen. Wirkliche Ruhe tritt erst bei einer Spannung von 5 Volt oder weniger ein, alle 1200er Modelle fallen unter die magische 600 U/min Grenze, langsamere Modelle teils gar unter 500 U/min. Hier kann man praktisch einen Lüfter akustisch nicht mehr lokalisieren, nur in einem absolut stillen Raum und ohne Geräusche von außerhalb werden extrem empfindliche Naturen bei weniger als einem Meter Abstand mit Müh’ und Not noch ein minimales Säuseln wahrnehmen können. Für 92mm und 80mm Lüfter gelten meist Werte von 1400 U/min bzw. 1000 U/min.
      Wer nun anmerkt, dass ein solch niedrig touriger Lüfter ja kaum noch Druck ausübt und nur noch wenig Airflow herrscht, hat natürlich Recht – eine gute Kühlung ist allerdings weiterhin machbar. Ein Gehäuselüfter etwa muss nicht viel Luft bewegen, ein geringfügiger Luftstrom ist ausreichend um kühle Frischluft hinein und warme Abluft hinaus zu befördern – mehr ist auch gar nicht nötig. Auch viele Grafikkarten- und Prozessorkühler verrichten ihren Dienst mit nur wenig Luftbewegung recht gut, mehr zu diesen Themen findet sich in den jeweiligen Absätzen.
      Wird ein Lüfter über Monate hinweg an ein und derselben Stelle betrieben, so kann es z.B. beim Wechsel von der horizontalen Befestigung zur vertikalen zu einem Schleifen des Lüfters kommen, da sich dessen Lager „eingelaufen“ hat. Ein Lüfter erzeugt aufgrund seines Motors geringfügige Unwuchten und somit Vibrationen; bei der Montage in dünnwandigen Gehäusen, etwa aus Aluminium, ist es von Vorteil, den Lüfter entkoppelt zu montieren, um die Übertragung von Schwingungen auf das Case zu unterbinden – so vermeidet man störendes klappern und vibrieren. Abschließend ist es noch gut zu wissen, dass Lüftergitter und Staubfilter nicht nur die Kühlleistung senken, sondern auch die Lautstärke erhöhen. Für Staub auf den Rotorblättern gilt das gleiche.

      Folgende Feinheiten sollte man also für einen perfekten Lüfterbetrieb beachten:


      • Lüfter sind erst bei unter 600 U/min praktisch unhörbar
        --> per Lüftersteuerung oder Kabeldrossel die Spannung auf 7 Volt bis am besten 5 Volt senken
        --> Airflow und Kühlleistung sind weiterhin mehr als ausreichend
      • Unwuchten des Motors erzeugen Vibrationen, welche Schwingungen bei leichten Cases erzeugen
        --> Lüfter entkoppeln oder schweres Case bzw. Dämmmatten verwenden
      • Lüftergitter und Staubfilter senken die Kühlleistung und erhöhen die Lautstärke
        --> beides entfernen bzw. weglassen
      • Staub auf den Rotorblättern ebenso
        --> Unterdruck erzeugen, je nach Belüftungskonzept dringt ohnehin kaum Staub ein
        --> Case öfters aussaugen
      • beim Wechsel von der horizontalen Befestigung zur vertikalen kann es zu einem Schleifen des Lüfters kommen
        --> das Lager hat sich „eingelaufen“


      PWM- oder spannungsgeregelt?
      Prinzipiell sind beide Verfahren dazu geeignet, einen Lüfter leise zu trimmen. Während bei der spannungsregelbaren Version, wie der Name schon sagt, die Betriebsspannung verändert wird, bleibt diese bei den PWM-Modellen konstant bei 12V. Die Drehzahl wird hier durch Pulsweitenmodulation beeinflusst, wobei man, fehlt eine PWM-fähige Lüftersteuerung, den Lüfter ebenfalls durch Ändern der Spannung steuern kann. Viele PWM-Lüfter weisen dann aber ein alles andere als lineares Drehzahlverhalten auf. Bei beiden Prinzipien haben die Lüfter eine minimal mögliche Drehzahl, und die meisten spannungsgeregelten Lüfter benötigen zum Anlaufen eine höhere Spannung als für den Betrieb mit Minimaldrehzahl nötig ist. Daraus resultiert, dass bei manchen Lüftern die Spannung im Betrieb auf 5V abgesenkt werden kann, diese aber, sind sie direkt an die 5V-Schiene des Netzteils angeschlossen, nicht mehr aus dem Stand anlaufen.

      Lüfter, die klackern, brummen oder schleifen und somit bei 5 Volt trotz der sehr geringen Drehzahl auf sich aufmerksam machen gibt es leider überall, eine gewisse Serienstreuung lässt sich außerdem auch bei hochwertigen Modellen nicht vermeiden. Kaufempfehlungen gibt es im Thread "Empfehlenswerte Lüfter 120mm, 92mm, 80mm" sowie in der Lüfterdatenbank auf orthy.de. Folgende Modelle haben sich bewährt:





    • Grafikkarte
      Die wohl hitzigste und empfindlichste Komponente ist der Pixelbeschleuniger, besonderes Augenmerk sollte man hier auf die Kühlung des Videospeichers (VRAM) und der Spannungswandler (VRM, also Voltage Regulator Module) legen. Die von den Herstellern auf ihren Gaming-Grafikkarten verbauten Kühler schaffen es zwar, diese sowie den Grafikprozessor zuverlässig auf Temperatur zu halten, die obligatorische Belüftung sorgt dabei aber meist für eine unangenehme Geräuschkulisse. Abhilfe schafft hier ein alternativer Kühler, den man oft gänzlich ohne Belüftung betreiben kann. Für die Kühlung der eingangs erwähnten VRAM und VRM liegen passende Passivkühlkörper, welche einfach aufgeklebt werden müssen, im Lieferumfang bei. Man sollte aber beachten, dass die Herstellergarantie beim Demontieren des Kühlers erlischt, Ausnahmen sind hier EVGA und MSI, welche auch nach einem fachgerechten Umbau weiterhin die Garantie gewähren. Folgende Kühler sind derzeit zu empfehlen:


      • Alpenföhn Peter
        Sehr groß, Lüfter müssen extra geordert werden. Herausragende Kühlleistung, aber teuer.

      • Arctic Cooling Accelero Xtreme III
        Das Topmodell von Arctic Cooling mit drei 92mm großen PWM-Lüftern.

      • Prolimatech MK-26
        Sehr hohe Leistung, hervorragende Verarbeitungsqualität, aber auch recht teuer. Nicht zwei 120-mm oder 140-mm-Lüfter auf.

      • Scythe Setsugen 2
        Der zweite, bessere Anlauf von Scythe überzeugt durch eine umfangreiche Kompatibilitätsliste und geringe Bauhöhe. Den flachen Lüfter kann man durch ein leiseres, höheres Modell ersetzen, das ist aber nicht unbedingt notwendig.


      Einfachere und meist günstigere Alternative dazu ist der Kauf einer von Haus aus passiv bzw. leise gekühlten Grafikkarte. Vorteil dabei ist der Erhalt der Herstellergarantie und der nicht vorhandene Bastelaufwand, Nachteil die (abgesehen von den passiven Varianten) etwas höhere Geräuschkulisse. Hier eine Liste mit leise gekühlten Grafikarten:

      leise Grafikkarten

      AMD
      HD 6750:
      Gigabyte (passiv)
      Club3D Cool Stream (passiv)
      Powercolor SCS3 (passiv)

      HD 6770:
      Gigabyte (passiv)
      Asus DC (passiv)

      HD 6850:
      PowerColor SCS3
      Sapphire
      MSI Cyclone

      HD 7950:
      Gigabyte Windforce 3
      Powercolor PCS+
      Anmerkung: Da eine High-End-Grafikkarte nur bedingt leise zu kühlen ist, sollte man sich hier auf einen (guten) Kompromiss zwischen Rechenleistung und Lautstärke einstellen.

      nVidia
      GTX 560:
      MSI Twin Frozr II
      Point of View mit AC Accelero Xtreme
      Referenzdesign (stellvertretend EVGA)

      GTX 570:
      Gainward Phantom
      MSI Twin Frozr II


      Ähnlich wie bei den CPUs kann man auch bei Grafikkarten die vom Hersteller vorgesehene Chipspannung absenken, um damit die Leistungsaufnahme und damit die Lautstärke zu verringern. Beliebte Tools dafür sind der Rivatuner sowie das ATI Tool. Dort kann man auch die Lüfterdrehzahlen regulieren, was angesichts der Tatsache, dass die Standardlüftersteuerungen oft erhebliches Optimierungspotenzial haben, recht praktisch ist. So lassen die Hersteller die Lüfter häufig schon im Leerlauf mit ohrenbetäubender Lautstärke rotieren, während die Kerntemperatur bei 30°C zugunsten einer angenehmen Geräuschkulisse gern auch wesentlich höher liegen könnte. Da viele Pixelbeschleuniger das Verändern der Spannungen nicht erlauben, kann man in solchen Fällen auch auf ein Ersetzen des Hersteller-BIOS zurückgreifen.

    • Prozessor
      Operation am Herzen – die CPU verlangt nach einer guten Kühlung. Die absoluten Werte, was Wärmeabgabe und Temperaturen anbelangt, liegen zwar unter denen der GPU, aber auch der Prozessor erfordert mittlerweile oft richtige Monster um ihn leise und effizient zu kühlen. Das vorherrschende Prinzip sind aktuell so genannte Towerkühler, welche den klassischen vertikalen Top-Flow-Modellen überlegen sind. Beide Konzepte setzen auf eine unterschiedliche Belüftung des Kühlkörpers. Bei einem Towerkühler sitzt ein optionaler oder manchmal auch fest verbauter Lüfter seitlich an diesem und bläst idealerweise Richtung Heck- oder Deckellüfter, dort wird die heiße Luft aus dem Gehäuse befördert. Der klassische Typ nutzt einen Lüfter, welcher so montiert ist, dass auf das Mainboard geblasen wird, der Vorteil hierbei ist die bessere Kühlung der Bauteile, die den Prozesser umgeben, der Nachteil ist der nicht vorhandene Luftstrom, welcher die Hitze abführt. Auch erlaubt die horizontale Ausrichtung keine wirklich großen Kühler, daher findet man die höchste Leistung nur bei Towerkühlern, zudem ermöglichen nur diese Konstruktionen passive Exemplare, da genug Platz für viele Lamellen mit großem Abstand zueinander vorhanden ist. Gemeinsamkeiten finden sich bei den Materialien und Techniken, die zum Einsatz kommen. Lamellen aus Aluminium und oder Kupfer dienen der Abgabe der Hitze an die Umgebung, Heatpipes aus dem gleichen Material transportieren die Wärme von der Bodenplatte zu den Lamellen.
      Man unterscheidet zwischen aktiver, semi-passiver und voll-passiver Kühlung. Bei einem voll-passiven Aufbau gibt es keinerlei Lüfter, d.h. die warme Abluft staut sich an. Diese Methode funktioniert nur bei Strom sparenden und kühlen Komponenten, etwa einem Office-Rechner. Im semi-passiven Betrieb sorgen nur die Gehäuselüfter für Kühlung, aktiv lassen sich alle verfügbaren Prozessoren kühlen; für ein Silent-System empfehlen sich Towerkühler mit einem langsam drehenden Lüfter.

      Generell ist darauf zu achten, wie schnell die CPU taktet, welche Vcore und Wärmeleitpaste genutzt wird und wie der möglichst verschraubte Kühler sich bei der gewählten Drehzahl verhält. Grundlegende Kühlerempfehlungen sowie Informationen zu diversen Produkten bietet die [FAQ] Welcher CPU Kühler ist der richtige für mich?.


      • CPU-Kühler Empfehlungen
        Für die meisten von euch dürfte die aktive Kühlung der CPU mit zwei sehr langsamen Lüftern die sinnvollste Variante darstellen. Mit leistungsstarken Kühlern ist eine Übertaktung der CPU auch bei niedrigen Lüfterdrehzahlen im Bereich um 500 U/min problemlos möglich.

        Eine semipassive Kühlung der CPU ist in der Regel nur bei nicht übertakteten CPUs mit einer TDP von maximal 95 Watt sinnvoll. Zwar kann man grundsätzlich auch höhere Verlustleistungen semipassiv abführen, jedoch müssen dann die Gehäuselüfter schneller drehen, was in einer höheren Geräuschkulisse resultiert, sodass eine aktive Kühlung des CPU-Kühlers mit einem montierten CPU-Lüfter zielführender ist.

        Die passive Kühlung potenter CPUs ist nur mit wenigen High-End-Kühler problemlos möglich. Während bei der semi-passiven Variante durch Gehäuselüfter noch eine kleine Luftströmung verursacht wird, muss beim passiven Betrieb die natürliche Konvektion ausreichen. Je nach Gehäuse und sonstiger Hardware können nur Prozessoren bis zu einer TDP von rund 77 Watt oder aber undervoltete oder gar untertaktete Prozessoren mit einer höheren TDP ausreichend gekühlt werden.


        • be quiet! Dark Rock Pro 2
          Twintower mit hervorragenden Standardlüftern und schwarzer Farbgebung.
          Empfehlung für die aktive, semipassive und passive Kühlung.

        • Noctua NH-C14
          In Summe der wohl beste Downblower am Markt. Verfügt über zwei 140-mm-Lüfter. Erste Wahl, wenn Towerkühler zu hoch sind.
          Empfehlung für die aktive Kühlung.

        • Noctua NH-D14
          Twintower mit sehr hoher Kühlleistung sowie je einem guten 120-mm- und 140-mm-Lüfter.
          Empfehlung für die aktive, semipassive und passive Kühlung.

        • Nofan CR-95C
          Außergewöhnlicher Passiv-Kühler der Luxusklasse. Setzt auf einen über 40 Meter langen Draht anstatt auf Lamellen. Passiv hervorragende Kühlleistung. Freigegeben für die passive Kühlung von CPUs mit einer TDP von 95 Watt. 18 Zentimeter Durchmesser - auf Kompatibilität achten.
          Empfehlung für die semipassive und passive Kühlung.

        • Phanteks PH-TC14PE
          Setzt in punkto Kühlleistung und Verarbeitung Maßstäbe, jedoch sehr teuer. In verschiedenen Farben erhältlich. Tausch der Standardlüfter empfehlenswert - herkömmliche 140-mm-Lüfter müssen beispielsweise mit den Lüfterklammern des Prolimatech Super Mega oder mit Kabelbindern befestigt werden.
          Empfehlung für die aktive, semipassive und passive Kühlung.

        • Prolimatech Genesis
          Die neuartige Kombination aus Tower- und Topblow-Kühler fühlt sich beim Betrieb mit zwei langsam drehenden 140-mm-Lüftern am wohlsten und überflügelt dabei diverse andere High-End-Twintower.
          Empfehlung für die aktive Kühlung.

        • Scythe Mine 2
          Solider Twintower mit einem 140-mm-Lüfter und einem sehr niedrigen Preis von rund 25€.
          Empfehlung für die aktive, semipassive und passive Kühlung.

        • Thermalright Archon SB-E
          Dem True Spirit 140 ähnlich, jedoch mit Vernickelung, größerem 150-mm-Lüfter und etwas besserer Kühlleistung.
          Empfehlung für die aktive Kühlung.

        • Thermalright HR-02 Macho Rev. A (BW)
          Neueste Revision des weit verbreiteten und relativ preiswerten Thermalright Macho. Zählt im passiven Betrieb zu den potentesten Kühlern mit einem Tower.
          Empfehlung für die passive Kühlung, wenn Twintower zu voluminös sind.

        • Thermalright True Spirit 140
          Slimtower mit attraktivem Preis-Leistungs Verhältnis. Sehr gute Leistung mit zwei langsamen Lüftern.
          Empfehlung für die aktive Kühlung.
    • Chipsatz

      Während man sich früher bei aktiv gekühlten High-End-Chipsätzen Gedanken um eine leise Kühlung machen musste, verbauen die Hersteller heutzutage fast nur noch passive Kühlkörper. Der Trend zum System on a Chip (SoC) sowie zu immer stromsparenderer Hardware sorgt dafür, dass die Northbridge weniger Wärme abgibt und deshalb leichter zu kühlen ist. Nichtsdestotrotz sollte man auf eine ausreichende Luftbewegung im Gehäuse achten, welche aber für die anderen PC-Komponenten sowieso notwendig ist.
    Geändert von dorndi (11.11.2012 um 14:56 Uhr)

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  3. #2
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    [HowTo] Silent-PC


    • Netzteil
      Ein Netzteil nimmt Strom aus der Steckdose auf, wandelt diesen um und gibt ihn an die Komponenten weiter. Der Wirkungsgrad, also die Effizienz der PSU (Power Supply Unit), entscheidet wie viel Prozent der aufgenommen Energie auch wirklich genutzt werden, ein gewisser Teil wird nämlich als Wärme abgeben. Je effizienter ein Netzteil, desto kühler bleibt es und auch die Stromrechnung fällt geringer aus. Am wirkungsvollsten arbeitet eine PSU bei 40 bis 65% der maximal möglichen Leistung, dementsprechend sollte man sein Netzteil auf die restlichen Komponenten abstimmen. Weiterführende Informationen finden sich im [FAQ] Netzteile - Welches ist das richtige?. Natürlich wird ein Netzteil unter Last wärmer und der verbaute Lüfter dreht hoch oder springt erst an (bei semi-passiven Modellen), daher kann ein Netzteil sich im Idle unauffällig verhalten um sich dann unter Last als Krachmacher zu entpuppen. Abnehmbare Kabel (Kabelmanagement) werden oft empfohlen, wirklich notwendig für einen leisen PC sind sie aber nicht. Als besonders leise und vor allem effizient gelten diese Netzteile (absteigende Reihenfolge):







      Achtung! Umbauten am Netzteil können lebensgefährlich sein - nur für Profis!

      Richtige Silent-Fanatiker setzen jedoch nicht auf handelsübliche Netzteile, genauer gesagt nicht auf deren verbaute Lüfter. Viele Hersteller verwenden einen 120mm Lüfter, nichts liegt also näher, als diesen gegen ein besseres Modell auszutauschen. Sieht man vom Garantieverlust (!) durch das Öffnen und den Gefahren wie einen Stromschlag (!) oder der Zerstörung des Netzteils (!) durch unsachgemäße Handhabung ab, bleibt allem voran die Frage nach der Förderleistung des Lüfters. Wer nämlich einfach nur einen langsamen Propeller verbaut, dessen Netzteil wird die nächste Crysis-Session wohl nicht überleben, mit etwas Pech reißt das den Hitzetod erleidende Stück gleich noch ein paar andere Komponenten mit ins Jenseits. Besonderes Augenmerk muss auch auf die vom Netzteil ausgegebenen Lüfterspannungen gelegt werden; ist etwa die Anlaufspannung sehr gering, läuft das gewünschte Lüftermodell vielleicht erst gar nicht an. Dreht ein Lüfter aufgrund der Wärmeentwicklung und der ansteigenden Spannung zu stark auf, wird es laut – Ziel verfehlt. Selbstverständlich sollte der Lüfter entkoppelt und eventuelle Lüftergitter ausrangiert werden, schließlich will man die Förderleistung erhöhen, nicht aber die Lärmentwicklung.

      Folgende Feinheiten sollte man also bei einem Lüftertausch beachten:


      • Förderleistung darf nicht zu weit unter der des ursprünglichen Lüfters liegen
        --> Typenschild des originalen Modells studieren
        --> falls möglich mit dem neuen Lüfter praktisch vergleichen
      • Anlauf- und Maximalspannung und dabei entstehenden Luftdruck beachten
        --> an einer Lüftersteuerung den Lüfter mit den von der PSU ausgegeben Spannungen testen
      • Lüfter entkoppeln und auf Lüftergitter verzichten
        --> vermeidet Vibrationen und erhöht den Luftdurchfluss
      • oft wird nur ein 2-Pin Anschluss genutzt
        --> Adapter kaufen oder bauen

    • Festplatte
      Die klassische Festplatte, also die Hard Drive Disc (HDD), ist neben den allgegenwärtigen Lüftern das einzige Bauteil, welches mit seinem konstanten Laufgeräusch die Stille stört. Dummerweise kann man eine Festplatte aber nicht wie einen Lüfter einfach drosseln, hier hilft nur entkoppeln oder gleich dämmen. Mit Entkopplungen (z.B. Innovatek Innovibe Rev.2 oder Revoltec Hard Drive Silencer für in einen 5.25-Zoll-Schacht, alternativ zwei Streifen Schaumstoff am Gehäuseboden) verringern sich zwar die Vibrationen und das Rattern wird deutlich abgeschwächt, aber auch leise Modelle wie die Folgenden sind damit gerade beim Zugriff nicht gänzlich zum Schweigen zu bringen:


      • 2,5"-Festplatten
      • HDDs mit 5400 U/min


      Bleibt also nur der Griff zu einer Festplatten-Dämmung. Hierbei wird die HDD in eine Box gesteckt, welche zumeist mit Silikon (seltener mit Schaumstoff oder Bitumen) ausgekleidet ist, welches den so genannten Körperschall schluckt. Da der Magnetspeicher sich aufgrund der Isolierung etwas erwärmt, setzen die Hersteller oft auf seitliche Kühlrippen oder Heatlanes (eine Art großes, flaches Wärmeleitpad), im Endeffekt bleibt die Platte also kühl und es wird deutlich leiser. Bleibt noch das Problem, dass auch die Box dann minimal vibriert und sich diese Bewegung auf das Gehäuse übertragen kann. Die Entkopplung in einem 5.25-Zoll-Schacht ist möglich, allerdings nicht optimal. Als ideale Lösung hat sich die Kombination mit einem untergelegten Stück Schaumstoff am Gehäuseboden heraus kristallisiert, je nach Modell herrscht dann selbst bei einer mit 10.000 U/min drehenden WD Raptor selige Ruhe.





      Automatic acoustic management
      Ein kostengünstiges, weil kostenloses Mittel zur Reduzierung der Zugriffsgeräusche ist die Verwendung des Features AAM, welches heute von den meisten Festplatten unterstützt wird. Einstellen lässt sich AAM zum Beispiel mit dem Tool CrystalDiskInfo, eine Anleitung dazu findet ihr hier. Beachten sollte man dabei, dass sich die Zugriffszeiten der Festplatte etwas verschlechtern, was in der Praxis aber kaum zu bemerken ist. Das Laufgeräusch der Festplatte lässt sich so aber nicht beeinflussen.


      Geschwindigkeit vs. Silence
      Leise 2,5"- bzw. 5400 U/min-Festplatten haben den unangenehmen Nebeneffekt, dass sie merklich langsamer arbeiten als herkömmliche 3,5"-HDDs, die mit 7200 U/min drehen. Ob dieser Nachteil relevant ist, sollte jeder selbst entscheiden.
      Komplett unhörbar wird der PC mit einem Solid State Drive (SSD). Diese Technologie, welche noch nicht lange am Markt etabliert ist, benutzt statt mechanischen Bauteilen Flashspeicher und arbeitet dadurch lautlos. Der Preis dafür liegt aber weitaus höher als bei herkömmlichen Festplatten.
      Eine Kombination aus SSD als Systemlaufwerk und langsam drehender Festplatte wird aufgrund von ständig sinkenden Preisen immer interessanter. Ein SSD mit 60GB Kapazität ist mittlerweile durchaus bezahlbar und reicht vielen Anwendern schon aus, da große Datenmengen auf die Festplatte gespeichert werden können. Kaufberatung findet man im passenden Sammelthread.


    • Optische Laufwerke
      Alles ist ruhig, man legt eine CD ein und auf einmal wird aus dem lautlosen Segelflieger ein dröhnender Kampfjet, kommt es doch einem so vor, als ob der optische Datenträger mit Überschallgeschwindigkeit rotiert - Abhilfe ist hier auf mechanischem Weg nicht drin. Mit dem Tool CD Bremse aber kann man ganz leicht bestimmen wann ein DVD oder CD wie schnell drehen darf.

    • Gehäuse
      Prinzipiell eignet sich nahezu jedes Gehäuse für den leisen PC. Einen Barebone mit einem Quad-Core und einer 580GTX bekommt man aber nicht leise, zumindest nicht mit handelsüblichen Mitteln oder ohne gefährliche hohe Temperaturen. Ein weit verbreiteter Irrglaube ist es, dass nur ein mit Dämmmatten ausgekleidetes Gehäuse deutlich leiser ist aber die Temperaturen dabei nach oben klettern - beides ist falsch. Matten helfen gegen Lüfter im Innenraum, filtern das Laufgeräusch einer Festplatte etwas heraus und Verringern durch ihr Eigengewicht Vibrationen, gegen die Geräusche der Gehäuselüfter und des Netzteils sind sie aber machtlos, die Temperaturen steigen nur marginal. Wirklich wichtig sind Montageplätze für Lüfter im 120- oder 140mm-Format, je nach Belüftungskonzept im Deckel bzw. Heck, in der Front ist eine Belüftung nur in wenigen Fällen notwendig.

      Folgende Punkte sollte man beim Gehäusekauf beachten:
      • je größer, desto kühler, da sich die Teile gegenseitig weniger stark aufheizen
      • je leichter das Case, desto eher neigt es zu Vibrationen
      • ein großflächiges Sichtfenster erhöht die Lautstärke
      • viele Öffnungen oder Mesh stören den Luftfluss und es dringt vermehrt Staub ein
      • für einen Seitenlüfter gilt dies umso mehr
      • Dämmungsmatten wirken nicht gegen laute Gehäuselüfter oder ein dröhnendes Netzteil
      • auch ohne Matten ist ein fast lautloser Rechner möglich
      • HDD-Käfige erzeugen bei verschraubten Datenträgern ein unüberhörbares Rattern



      Sieht man vom äußeren Design ab, gibt es mittlerweile grob zwei Typen, welche sich maßgeblich beim Innenaufbau unterscheiden. Der Klassiker sieht das Netzteil oben links vor, darunter befindet sich eine Montageoption für einen Hecklüfter, ein Platz für einen Frontlüfter ist durchgehend mit von der Partie. Der alternative Aufbau setzt auf mehrere Zonen, so sitzen Netzteil und die von diesem mitbelüfteten Festplatten (teils ist auch noch hier Lüfter möglich) unten im Case, die oberen 2/3 beherbergen das Mainboard und die optischen Laufwerke. Lüfterplätze finden sich im Heck und im Deckel, in der Front nur ab und zu.


    • Belüftungskonzepte
      Je nach verwendetem Gehäuse und dessen Innenaufbau bieten sich wenig überraschend zwei Konzepte an. In egal welchem Case gilt die Regel „mehr Luft raus als rein“, so vermeidet man einen Wärmestau, welcher wiederum zu so genannten Hotspots führen kann. Darunter versteht man Stellen im Gehäuse an denen sich die Hitze mangels Abführung sammelt – für die betroffenen Komponenten ungemütlich bis tödlich.
      Verwendet man den klassischen Typus, so dienen ein ausblasender Hecklüfter und das Netzteil als Wärmeabführer, wenn der CPU-Kühler über einen Lüfter verfügt, sollte dieser die Luft Richtung Heck und nicht Richtung Netzteil bewegen. Bei diesem Konzept, welches eher für den 7 Volt oder 5 Volt geeignet ist, hält man die PCI-Blenden geschlossen, es sei denn, man verwendet eine passive Kühlung bei der GPU.
      Ein Lüfter in der Front bringt nur etwas, wenn er schnell dreht, was in einem Silent-System natürlich unerwünscht ist, zudem ist der Effekt trotz hoher Drehzahl nur begrenzt. Wider der allgemeinen Meinung kommen Grafikkarten- und Prozessorkühler ohne Frischluftzufuhr aus, der Temperaturgewinn bei einem Lüfter mit weniger als 800 U/min liegt unter 3° C. Einzig wenn zwei oder mehr Festplatten verbaut sind, bedanken sich diese über einen geringen Luftstrom.
      Nutzt man den alternativen Aufbau, so trägt man der natürlichen Konvektion Rechnung. Die Front und das Heck werden abgedichtet, hier bieten sich Dämmungsmatten oder Schaumstoff an. Die PCI-Blenden werden geöffnet und dienen als Lufteinlass. Die Luft steigt nun an der Grafikkarte und der Northbringe vorbei und nimmt deren Abwärme auf, durch Konvektion oder einen nach oben blasenden Lüfter geht sie durch den CPU-Kühler hindurch und wird von einem Lüfter im Deckel ins Freie abgesaugt. Gerade für den 5 Volt oder den semi-passiven Betrieb ist diese Methode schlicht perfekt. Im Vergleich zu einem Propeller im Heck und einer abgedichteten Oberseite bringt ein Lüfter im Deckel bei geschlossenem Heck um die 5° C niedrigere Temperaturen bei der CPU und dem Chipsatz. Wer es sich finanziell und von der Abwärme der Komponenten her leisten kann, der greift zu diesem Aufbau und kühlt semi-passiv. Einen Vergleich zwischen den verschiedenen Belüftungskonzepten findet man auf hardwaremax.net oder DeXgo.

      Wasserkühlung:
      Wer sein System mit stromfressender Gamergrafikkarte und übertakteter CPU leise haben will, kann auch über eine Wasserkühlung nachdenken. Eine umfangreiche Übersicht für Einsteiger findet ihr in der "Neuen großen Wasserkühlungsfaq" von burnout150. Dabei sollte man aber bedenken, dass eine Wasserkühlung nicht automatisch für einen lautlosen PC sorgt. Eine leise Anlage kostet viel Geld, und auch hier muss man auf die Wahl von hochwertigen Lüftern, einem ausreichend großem Radiator, einer leisen Pumpe sowie einem ausreichend großen Gehäuse achten. Für den Einbau ist außerdem handwerkliches Geschick Voraussetzung.



    Geändert von dorndi (11.11.2012 um 13:24 Uhr)

  4. #3
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    Updates:

    11.11.12: CPU-Kühler überarbeitet.
    03.11.12: 140-mm-Lüfter überarbeitet. 230-mm-Lüfter ergänzt. VGA-Kühler überarbeitet.
    02.11.12: Übernahme des Threads durch dorndi - Lüfterempfehlungen angepasst
    06.04.12: Überarbeitung Lüfterempfehlungen und Grafikkartenkühler
    10.05.11: "PWM- oder spannungsgeregelt?" rein
    13.04.11: AAM eingefügt, Abschnitt Gehäuse (Dämmung) überarbeitet
    16.03.11: Abschnitt Grafikkarten komplett neu
    23.02.11: Enermax ErPro80+ rein
    21.02.11: Prolimatech Genesis und BQT P9 eingefügt, Aktualisierung Abschnitt Festplatten
    28.01.11: Überarbeitung Abschnitt Chipsatz; Ergänzen von 140mm- und 180mm-Lüftern
    26.01.11: Überarbeitung Abschnitt Lüfter; Ergänzen der Wakü
    25.01.11: Überarbeitung Abschnitt Festplatten und Netzteile
    24.01.11: Übernahme des Threads durch Pelzameise; Aktualisierung der CPU-Kühlerempfehlungen
    24.01.08: Amacrox Calmer und Fortron Zen gelistet
    25.01.08: Sharkoon Silent Eagle gelistet
    14.02.08: silentmaxx Fanless, Be Quiet P7 Serie und Scythe Slip Stream gelistet
    07.03.08: Enermax Modu82+ Serie gelistet
    03.04.08: Enermax Pro82+ Serie gelistet
    04.04.08: FAQs zu Speedfan, Netzteilen, Lüftern und CPU-Kühlern eingefügt
    Geändert von dorndi (11.11.2012 um 14:59 Uhr)

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