Razer Mako im Test: 2.1-System vom Peripheriehersteller

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Jirko Alex
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Besonderheiten

Das Razer Mako weist einige Besonderheiten auf, die es von der Konkurrenz abheben sollen. Eine der wohl offensichtlichsten Eigenheiten des Systems ist die Konstruktion der Satelliten. Diese sind so aufgebaut, dass der 25-mm-Hochtöner über dem 70-mm-Mitteltöner in dem kapselartigen Korpus hängt und beide Chassis nach unten abstrahlen. Der Schall erreicht den Hörer somit nicht direkt. Sinn dieser Konstruktion ist es, Interferenzen zu vermeiden. Bei einem üblichen Aufbau des Lautsprechers wird der Schall nämlich zum einen direkt abgestrahlt, zum anderen erreichen aber auch (vor allem von der Schreibtischplatte) reflektierte Schallwellen den Hörplatz. Da diese durch die unterschiedliche Laufzeit jedoch zumeist phasenverschoben sind, kann es zu Interferenzen – also Abschwächungen oder Verstärkungen – der Schallwellen kommen.

Interferenzen wird im Heimkinosektor sehr umfangreich begegnet. So fällt vor allem im Tieftonbereich auf, dass die jeweilige Raumdimension bei niedrigen Frequenzen zu sogenannten „stehenden Wellen“ führt. Als solche bezeichnet man Interferenzen, die aufgrund ungünstiger Raumgrößen entstehen, bei der durch die Breite, Länge oder Höhe des Zimmers die langwelligen Frequenzen des Basses gerade so reflektiert werden, dass sich phasenverschobene Wellen destruktiv oder konstruktiv überlagern und sich damit auslöschen oder verstärken. Der Bass wird dann örtlich kaum oder nur als Dröhnen wahrgenommen.

Im Mittel oder gar Hochtonbereich führen die Interferenzen ebenfalls zu einer Verzerrung des Frequenzgangs und zu einer verringerten Ortbarkeit. Dem kann mit Absorbern – in einfachen Fällen beispielsweise Teppichen – begegnet werden, die die nicht gewünschten reflektierten Frequenzen „verschlucken“. Auf dem Schreibtisch sind Teppichunterlagen jedoch ungewöhnlich, weshalb PC-Lautsprecher prinzipbedingt anfällig für Interferenzen sind. Konstruktionsbedingt ist der Frequenzgang der meisten PC-Systeme sowie deren Detailtreue in der Wiedergabe aber weit von dem Level entfernt, bei dem die Umgebungsakustik den größten Nachteil bedingen würde. Kurzum: Die Konstruktion der Satelliten im „Ground Plane“-Design (Ausrichtung der Chassis nach unten) sowie die Ausführung als „Slot Speaker“ (Schall tritt durch einen vergleichsweise kleinen Schlitz am unteren Rand des Gehäuses aus) bedeutet nicht zwangsweise, dass das Razer Mako nun einen besseren Klang liefert als andere PC-Lautsprechersysteme. Das ungewöhnliche Design als haltlose Spielerei abzutun, ist der Konstruktion aber auch nicht angemessen.

Der Aufbau ist zudem an einen Schreibtisch gebunden. Da der indirekte Schall der Satelliten von der Schreibtischplatte reflektiert wird, besitzt diese einen nicht unerheblichen Anteil am Klang des Systems. Auch deshalb sind die Satelliten nicht so ausgeführt, dass man sie an Lautsprecherständern aufhängen könnte – sie würden so nicht korrekt funktionieren.

Ground-Plane-Technologie
Ground-Plane-Technologie

Der Aufbau der Satelliten führt noch zu einem anderen Effek: Da sämtliche Chassis des Systems auf den Boden abstrahlen, breitet sich der Schall zwangsweise konzentrisch um die Schallquellen aus. Bei einem üblichen Stereoaufbau strahlen die Lautsprecher winkelabhängig ihren Schall ab; der Klang kann sich also verfälschen, wenn man sich aus dem „Sweet Spot“ der Lautsprecher heraus bewegt. Oft ist daher eine Ausrichtung der Boxen auf die Hörposition, also der Aufbau als Stereodreieck, empfehlenswert. Bei dem Razer Mako sorgt die diffuse Schallabstrahlung nun dafür, dass der Sweet Spot vergrößert wird. Die ideale Hörposition hängt nicht mehr davon ab, ob die Lautsprecher direkt auf den Hörer abstrahlen, sondern davon, ob der Hörplatz relativ gleichmäßig von beiden Satelliten entfernt ist. Dies ist wichtig, um die räumliche Zuordnung der Klangbühne weiterhin aufrecht zu erhalten. (Stimmen und Instrumente sollten weiterhin entsprechend der Aufnahme eher rechts, links oder mittig wahrgenommen werden.) Vollkommen willkürlich kann man sich im Raum also nicht bewegen, das Razer Mako schafft hier jedoch mehr Freiheiten gegenüber konventionellen Konstruktionen.

Schallabstrahlung des Razer Mako
Schallabstrahlung des Razer Mako

Fraglich ist hingegen, ob sich aus der Konstruktion der Satelliten nicht auch ein diffuses Klangbild ergibt. Dies kann einerseits als gefällig wahrgenommen werden, da sich der Klang über die Satelliten hinaus aufbauen kann. Andererseits leidet wohl auch die Ortbarkeit der Wiedergabe und dadurch vielleicht auch das Bühnenbild, das sich vor dem geistigen Auge auftut.

Eine weitere Besonderheit des Razer Mako ist der bereits angesprochene, so genannte „ClassHD Amplifier“, ein digitaler Verstärker, der die Leistung pro Kanal variabel anpassen kann. Diese Technik soll es dem Lautsprechersystem ermöglichen, abhängig vom Anspruch der Audio-Quelle die Verstärkerleistung mehr dem Tief-, Mittel- oder Hochtonkanal zuzuweisen. Es soll auf diese Weise nicht nur gewährleistet werden, dass zu keiner Zeit eine der Verstärkereinheiten überlastet wird und ein Chassis durch Clipping Schaden nimmt, das Razer Mako soll durch den ClassHD-Amplifier auch mehr Leistung mobilisieren können als bei einer festen Verstärkerleistung pro Kanal.

Verstärker des Razer Mako
Verstärker des Razer Mako

So können die Leistungswerte der einzelnen Kanäle variabel angepasst werden. Insgesamt stehen zwar „nur“ 300 Watt zur Verfügung, die nominal auf sechs Kanäle (zwei für die Hochtöner, zwei für die Mitteltöner und zwei für den Subwoofer) verteilt werden. Sollte es die Audio-Quelle jedoch erfordern, kann ein Teil der Leistung der Hochtöner dem Subwoofer zugeführt werden. Bei entsprechendem Quellmedium ist das Razer Mako daher im Stande, einen zu Systemen mit 400-Watt-Endstufe äquivalenten Höreindruck zu vermitteln – so Razer.

Die Funktionsweise des digitalen Verstärkers lässt sich recht gut mit dem dynamischen Kontrast aktueller TFTs vergleichen. Auch dort wird ein scheinbar höheres Kontrastverhältnis dadurch erreicht, das bei einem Bildwechsel von einem besonders hellen auf ein besonders dunkles Bild mittels Abschalten oder Erhöhen der Hintergrundbeleuchtung der Kontrastunterschied vergrößert wird. Bei der Wiedergabe ein und desselben Bildes greift diese Funktion nicht (oder nur schwächer), da nicht die gesamte Hintergrundbeleuchtung angepasst werden kann. Gleichwohl kann auch das Razer Mako nicht mit einem System höherer Leistung gleichziehen, weil bei der Beanspruchung aller Kanäle keinem Leistung ab- oder zugesprochen werden kann. Die Wirksamkeit des ClassHD-Amplifiers steht und fällt also mit den Wechseln in der Wiedergabe der Audiodatei.

Hinzu kommen natürlich noch andere Faktoren, vor allem der Wirkungsgrad der Chassis. Die Verstärkerleistung gibt nämlich nur die zugeführte (elektrische) Energie an. Wie viel davon in akustische Energie umgewandelt wird, ist wohl weitaus bedeutender.