Kaufberatung PC-Audio: Tipps für einen guten Ton am PC

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Jirko Alex
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Vom Kabelsalat

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Soundsysteme mit dem PC zu verbinden. Bei dem Einsatz eines Receivers kommt sogar noch eine Instanz hinzu, die sowohl mit dem PC als auch mit den Lautsprechern verbunden werden muss, was zu noch mehr Kabelmöglichkeiten führt. So verfügen moderne 5.1- oder 7.1-Soundkarte über Anschlussmöglichkeiten für sogenannte Klinkenstecker, die einen Durchmesser von 3,5 Millimetern aufweisen (Miniklinke). Jeder dieser Ausgänge leitet in der Regel ein Stereosignal weiter, weshalb man entsprechend viele Kabel für Mehrkanalsysteme verlegen muss. Die Kanäle, die paarweise übertragen werden, sind dabei die beiden vorderen, die rückwärtigen sowie der Center- und der Subwooferkanal. Bei 7.1-Systemen liefert ein vierter Ausgang auch noch die Signale für die hinteren seitlichen Lautsprecher. Alternativ werden auch bis zu drei Kanäle pro Klinkenausgang weitergeleitet, was bei allen 7.1-Soundkarten mit nur drei analogen Ausgängen der Fall ist. Details hierzu folgen im nächsten Kapitel.

Anschlüsse einer modernen Soundkarte
Anschlüsse einer modernen Soundkarte
Klinke-auf-Cinch-Kabel
Klinke-auf-Cinch-Kabel
Rückseite eines Subwoofers mit Klinken- und Cincheingängen
Rückseite eines Subwoofers mit Klinken- und Cincheingängen

Im einfachsten Fall werden die Lautsprecher ebenfalls analog über 3,5-mm-Klinke angeschlossen. Dann muss der entsprechende Ausgang der Soundkarte nur mit dem Eingang des Lautsprechersystems verbunden werden. Nicht selten – vor allem bei Heimkino-Systemen – verfügt das Soundsystem allerdings über Cinch-Eingänge. Bei dieser analogen Anschlussart verfügt jeder Kanal über einen eigenen Stecker. Form und Größe sind nicht kompatibel zum Klinkenausgang, weshalb die Verbindung zwischen Soundkartenausgang und Cincheingang über ein Y-Kabel mit unterschiedlichen Enden oder einen Adapter hergestellt wird.

Neben den üblichen analogen Anschlussmöglichkeiten stehen auch einige digitale bereit, deren hauptsächliche Vorteile darin liegen, dass mehrere Kanäle mit einem Kabel übertragen werden können und dass das Problem des Massebrummens ausgeschlossen wird. Übliche digitale Übertragungsarten nutzen entweder optische oder koaxiale Kabel entsprechend der SPDIF-Spezifikation oder den aktuelleren HDMI-Anschluss, der eine höhere Bandbreite bietet und Video- und Audiosignale überträgt. Obwohl Kabel, die sich für die digitale Übertragung eignen, mitunter optisch denen für die Analogübertragung gleichen (koaxiales Cinchkabel, optischer oder elektrischer digitaler Klinkenstecker), sind sie nicht kompatibel. So ist ein Soundsystem mit Cincheingängen in aller Regel nicht dafür ausgelegt, digital gespeist zu werden. Gleichwohl kann auch nicht jeder Klinkenausgang für die digitale Signalweiterleitung genutzt werden. (Bei Creatives Soundkarten liegt der digitale Klinkenausgang zumeist auf dem Mikrofoneingang der Soundkarte.)

optischer Toslink
optischer Toslink

Will man ein Lautsprechersystem digital mit dem PC verbinden, muss dieses über einen eingebauten Decoder verfügen, der die ankommenden Signale weiterverarbeitet. Analoge Soundsysteme lassen sich mittels eines AV-Receivers, der digital gefüttert wird, selbst Signale aber analog weitergibt, indirekt digital anschließen – mehrere Kabel pro Kanal müssen dann aber immer noch zwischen den Boxen und dem Receiver gelegt werden. Digitale SPDIF-Verbindungen sind nicht für die Übertragung von unkomprimiertem Mehrkanalton vorgesehen. Die SPDIF-Spezifikation erlaubt in der Regel die Übertragung von Stereo-PCM-Ton mit einer Abtastrate von 48 kHz bei 20 Bit oder 96 kHz bei 16 Bit. Theoretisch könnten auch mehr als zwei PCM-Kanäle über eine SPDIF-Verbindung geschleust werden (was Creative vor Jahren auch praktizierte, siehe weiter unten), tatsächlich gibt es jedoch kaum Geräte, die das unterstützen. Unkomprimiert können deshalb in aller Regel nur Stereo-PCM-Ton oder komprimierter Digitalton übertragen werden. Dieser liegt beispielsweise auf DVDs in Form von AC-3 (Dolby Digital) oder DTS vor. Damit er unbearbeitet weitergeleitet werden kann, muss er im Zielgerät dekodiert werden. Dieses einfache Durchschleifen des Mehrkanaltons wird als SPDIF-Passtrough bezeichnet.

Digital DIN bei einem Inspire 5.1 Digital 5700
Digital DIN bei einem Inspire 5.1 Digital 5700

Creatives Digital DIN bildet die wohl einzige Ausnahme bei Mehrkanal-Digitalton über den SPDIF-Ausgang. Die Soundkarten des Herstellers konnten bis zur Audigy 2 ZS theoretisch bis zu vier PCM-Stereo-Kanäle (also 7.1-Ton) über einen einzigen digitalen elektrischen Klinkenausgang weitergeben. Dieser lag – wie auch heute noch – auf dem Line-In beziehungsweise dem Mikrofon-Eingang. Der Anschluss an die Soundkarte erfolgte über einen vierpoligen Klinkenstecker, der heute eher rar ist. Am anderen Ende des Kabels war Creatives Digital-DIN-Anschluss aufgesetzt, der eigentlich nur an den hauseigenen Soundsystemen – etwa dem alten „INSPIRE 5.1 Digital 5700“ – angeschlossen werden konnte. Sowohl die Soundsysteme als auch das Kabel sind mittlerweile aus dem Portfolio von Creative verschwunden, weshalb dieser Ansatz, vor allem in Zeiten von HDMI, als ausgestorben bezeichnet werden dürfte.

Dem Anschluss an den Receiver wurde das folgende Kapitel gewidmet, das einige Eckpunkte noch einmal detaillierter beschreiben soll.