US-Export-Bann: ZTE kann keine Qualcomm-SoCs mehr einsetzen

Update Frank Hüber
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US-Export-Bann: ZTE kann keine Qualcomm-SoCs mehr einsetzen
Bild: ZTE

Das US-Handelsministerium hat einen Export-Bann gegen den chinesischen Smartphone-Hersteller und Netzausrüster ZTE ausgesprochen. Grund sollen Verstöße gegen eine Einigung mit ZTE aus dem letzten Jahr sein, die besagt, dass ZTE keine Telekommunikationstechnik an Nordkorea und den Iran liefert und Manager sanktioniert.

Durch Exporte nach Nordkorea und in den Iran hatte ZTE die Handelssanktionen gegen diese Länder missachtet, weshalb im letzten Jahr eine Strafe in Form eines Export-Verbots an ZTE zur Bewährung verhängt wurde. ZTE soll nun jedoch falsche Angaben zur Sanktionierung damals beteiligter Manager gemacht haben, da diese Boni in voller Höhe erhalten hätten, anstatt, wie damals vereinbart, diese für ihr Verhalten zu rügen und ihnen keinen Bonus auszuzahlen. Aus diesem Grund tritt die zunächst zur Bewährung verhängte Strafe nun in Kraft, so dass es US-Unternehmen für sieben Jahre untersagt ist, Exporte an ZTE zu tätigen.

Kein SoC mehr von Qualcomm

Betroffen von dieser Export-Sperre sind auch US-amerikanische Unternehmen wie Dolby, Intel und Qualcomm, deren Komponenten ZTE bei ihren Smartphones einsetzt. Insbesondere der Verlust von Qualcomm als SoC-Zulieferer trifft ZTE hart, da die Snapdragon-Serie in zahlreichen Smartphones des Unternehmens zum Einsatz kommt. Eine Reaktion von ZTE steht bislang aus, eine komplette Umstellung der Produktion wird jedoch enorme Auswirkungen auf die wirtschaftliche Lage des Unternehmens haben.

ZTE made false statements to the U.S. Government when they were originally caught and put on the Entity List, made false statements during the reprieve it was given, and made false statements again during its probation. ZTE misled the Department of Commerce. Instead of reprimanding ZTE staff and senior management, ZTE rewarded them. This egregious behavior cannot be ignored.

US-Handelsminister Wilbur Ross

Laut US-Handelsminister Wilbur Ross habe ZTE falsche Angaben gegenüber dem Ministerium gemacht und es getäuscht. Anstatt die Mitarbeiter zu rügen, hätte ZTE sie belohnt. Dieses ungeheuerliche Verhalten könne nicht ignoriert werden.

Auch Großbritannien warnt

Gleichzeitig mit der Export-Sperre in den USA hat auch das National Cyber Security Centre in Großbritannien einheimische Unternehmen vor dem Einsatz von Technik und Dienstleistungen von ZTE gewarnt, da diese potentiell ein Risiko für die nationale Sicherheit darstellen sollen. Dabei beruft man sich auch auf das Verhalten von ZTE im letzten Jahr und die Missachtung der Sanktionen gegen Nordkorea und den Iran. Gleichzeitig weist das National Cyber Security Centre darauf hin, dass man mit Huawei bereits einen chinesischen Netzwerkausrüster nutze, ein weiterer jedoch das Risiko vor ausländischer Einflussnahme erhöhen würde. Eine vergleichbare Warnung hatten die USA erst im Februar für ZTE und Huawei ausgesprochen.

Update

ZTE darf kein Android mehr einsetzen

Der Export-Bann für US-Produkte gegenüber ZTE betrifft neuen Meldungen zufolge nicht nur Hardware, wie etwa die SoCs von Qualcomm, sondern auch Software und entsprechende Lizenzen, worunter auch das von ZTE für die eigenen Smartphones genutzte Android-Betriebssystem von Google fällt. Vertreter von ZTE und Google sollen sich wegen dieser Problematik bereits zu einem Gespräch getroffen haben – beide Unternehmen wollten dies nicht bestätigten.

Samsungs Tizen als Ausweg

Kann ZTE nicht mehr auf Android als Betriebssystem zurückgreifen, müssten nicht nur in zahlreichen Smartphones Hardware-Komponenten getauscht werden, sondern auch auf ein gänzlich anderes Betriebssystem gewechselt werden, was angesichts mangelnder Alternativen fast unmöglich erscheint. Weder Microsoft noch HP bieten noch entsprechende Betriebssysteme an. Fast die einzige Option bliebe Samsungs Tizen, was jedoch deutlich hinter den Möglichkeiten und dem App-Angebot von Android zurückbleibt.